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Kommunikationsherrschaft à la Hannover Scorpions

Freitag, 4. Februar 2011 9:19

Die schwierige finanzielle Lage der Hannover Scorpions dürfte – bei allem Desinteresse für die Deutsche Eishockey Liga – mittlerweile bundesweit bekannt sein. Nach der glorreichen Meistersaison stand im letzten Sommer mehrfach die Frage im Raum, ob die Hannover Scorpions wegen Streitigkeiten von Tui-Arena Eigentümer Günter Papenburg, der gleichzeitig Besitzer und Förderer der Scorpions ist, die DEL-Lizenz abgeben müssten. Letzlich hat man dann doch am Ligabetrieb teilgenommen und kämpft jetzt wie fast die halbe Liga um die Playoffs. Zwischendurch haben die Spieler mal das Training boykottiert, weil das Gehalt zu spät gezahlen wurde. Das Geld ist knapp, die Zuschauer kommen nicht mehr so zahlreiche wie letzte Saison. Mittlerweile wird immerhin pünktlich das Geld gezahlt, die Prämien sind eingefroren.

Neben den finanziellen Problemen folgt in den nächsten Monaten – unabhängig vom Abschneiden der vergangenen Saison – die nächste große Herausforderung, der sportliche Umbruch. Zahlreiche Verträge mit Leistungsträgern laufen aus, mit vielen Spielern wird wegen der knappen finanziellen Mitteln nicht verlängert. Und so ist es in den letzten Wochen zu täglichen Newshäppchen in den hannoverschen Medien gekommen, die zumindest ein Auseinanderbrechen der Mannschaft befürchten ließen. Täglich eine neue Hiobsbotschaft – und der Verein schaute seelenruhig zu. Als erster verkünderte Adam Mitchell, einer der Topscorer der DEL, seinen Wechsel zu den Adler Mannheim. Danach Thomas Dolak, Stütze in der zweiten Reihe und Siegtorschütze im Finale gegen Augsburg, seinen Wechsel nach Hamburg. Patrick Köppchen folgte ihm nach. Gleichzeitig munkelte man, dass Aris Brimanis und Tore Vikingstad, beide schon nicht mehr im besten Eishockey-Alter, aber immer noch extrem wertvoll für die Scorpions, ihre Karriere in der Heimat ausklingen lassen. Matt “Diesel” Dzieduszycki soll mit Wolfsburg Gespräche führen, Klaus Kathan bekommt keinen neuen Vertrag.

So viele Negativmeldungen am Stück. Das hat die hannoversche Presse natürlich gefreut, hier eine kleine Auswahl (via Frontbumpersticker)

Cellesche Zeitung: Scorpions brechen auseinander
Neue Presse: Der Meister bröckelt
BILD: Meister Hannover Scorpions zerbricht
Deutsche-Presse-Agentur: Hannovers Meisterteam zerfällt
HNA: Aufschwung gestoppt, Ausverkauf geht weiter
Hannoversche Allgemeine Zeitung: Weiter schlechte Nachrichten, auch Köppchen wechselt

Wochenlang wurde die Sau des kriselnden Teams, das auseinanderbricht, durch die Stadt getrieben. Und die Fans waren verunsichert, machten sich Sorgen. Im Eisblock der HAZ versuchte Eishockey-Redakteur zwar ein wenig die Wogen zu glätten, doch da hieß es schon häufig, dass es die Scorpions nächste Saison nicht mehr geben wird.

Dass die nächste Saison nicht einfach wird, dürfte ja klar sein. Nur was macht der Verein in dieser schwierigen Situation, für Fans, Sponsoren und Spieler – er schweigt.

Ich bin ein großer Fan und Bewunderer der Hannover Scorpions, nicht nur wegen des Meistertitels letztes Jahr. Ich war übrigens auch schon mal bei den Indians, aber mir ist dann das bessere Eishockey doch stets ein wenig wichtiger gewesen. 2004 war ich das erste Mal bei einem Heimspiel der Scorpions und seitdem habe ich so viele tolle und großartige Spiele gesehen, Höhen wie Tiefen. Der Verein hat also sehr viel Kredit bei mir – doch wie die letzten Wochen gestaltet wurden, enttäuscht mich doch schon sehr.

Da muss erst Trainer Toni Krinner auf einer spätabendlichen Pressekonferenz nach dem Sieg gegen die Straubing Tigers Fakten und Sachverhalte darstellen. Nämlich dass die nächste Saison gesichert sei, der Etat steht fest und ist von Günter Papenburg genehmigt. Natürlich werden zahlreiche Spieler, deren Vertrag ausläuft, den Verein verlassen, auch um mehr Geld zu verdienen. So ist das nun mal im Profisport. Dass die Scorpions in den letzten sechs Monaten aber nicht gerade vertrauensvoll mit ihren Spielern umgegangen sind, steht auch außer Frage. Wer will es also Mitchell, Dolak und Köppchen verdenken, wenn die Hamburg Freezers oder die Adler Mannheim mit ihren vielen Geldscheinen wedeln. Nur hat der Verein die Dynamik der öffentlichen Diskussion sogar um ein bevorstehendes Ende der Hannover Scorpions nur begleitet, aber nie eingegriffen. Und somit ist die ganze Debatte völlig aus dem Ruder gelaufen. Zum Schaden der Hannover Scorpions. Da hätte Geschäftsführer Marco Stichnoth, die Kommunikationsabteilung und einige Spieler viel eher reagieren müssen. Es hat der Trainer gemacht. Und danach stand in den hannoverschen Medien nicht ein weiterer Abgesang auf die Scorpions. Es wäre so einfach gewesen.

Nun sind die Hannover Scorpions mit ihrer Presseabteilung nicht gerade dafür bekannt, dass Sie gute Pressearbeit betreiben. Aktuelle Pressemitteilungen gibt es meist zu irgendwelchen Aktionen oder Spielverlegungen. Warum man mit einer Mitteilung zu aktuellen Situation der Scorpions nicht reagiert hat, inklusive Statements der Vereinsverantwortlichen, ist mir bis heute schleierhaft. Aber das hatte man im letzten Sommer bei der Diskussion um eine mögliche Lizenz-Rückgabe nicht gut geschafft.

Alle medialen Verbreitungswege hat man nur letzte Woche genutzt. Pressemitteilung, Meldung auf der Homepage, Facebook-Eintrag. Sascha Goc, der Kapitän der Hannover Scorpions, hat seinen Vertrag bis Sommer 2013 verlängert. Vielleicht beruhigt sich die Lage ja jetzt endlich mal wieder und man kann sich auf die sportliche Situation konzentrieren. Die ist schwierig genug, Kampf um die Playoffs in der engen Tabelle der DEL. Heute Abend steht die Partie bei den Krefeld Pinguinen an. Toni Krinner hat nach der schwachen Leistung am Dienstag gegen Iserlohn seine Sturmreihen komplett verändert und hat das auch sehr deutlich gestern nach dem Training den wartenden Journalisten erzählt. Ein wenig Kommunikationsherrschaft.

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Toni Krinners Medienschelte

Mittwoch, 26. Januar 2011 8:07

Der Trainer der Hannover Scorpions hatte nach dem gestrigen 3:1-Sieg gegen die Straubing Tigers die Schnauze voll von den Untergangsszenarien einiger hannoverscher Sportjournalisten, vor allem bei der BILD und der Neuen Presse, und hat das ihnen gestern Nacht auf der Pressekonferenz sehr deutlich gesagt (ab Minute 3:35).

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DEL-Schiedsrichter: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Samstag, 4. Dezember 2010 21:43

Freitagabend in der Tui-Arena. Die Hannover Scorpions verlieren mit 3:4 gegen die Straubing Tigers und so richtig kann ich mich auch 24 Stunden nach der DEL-Partie noch nicht so richtig mit dem gestrigen Abend abfinden. Ich bin immer noch wütend auf und fassungslos über die Schiedsrichterleistung.

Um das gleich vorweg zu nehmen: Die Scorpions haben nicht wegen des Schiedsrichters verloren, sondern weil sie insgesamt über 60 Minuten nicht gut genug gespielt haben um gegen die clever agierenden und auswärtsstarken Straubing Tigers bestehen zu können. Zu viele unnötige Fehler im Spielaufbau, zu viele leichte Puckverluste in der neutralen Zone, die vielen Großchancen inklusive eines Penaltys nicht genutzt, dazu nach der Führung durch Vikingstad (großartig herausgespieltes Tor by the way) defensiv offen gestanden, als hätten sie einen 10:0-Vorsprung im Gepäck. Einfache, blöde Gegentore kassiert. Und dann kam dann eben noch Hauptschiedsrichter Alfred Hascher, immerhin schon seit 2004 Hauptschiedsrichter. Gestern konnte man den Eindruck gewinnen, er würde sein erstes DEL-Spiel leiten, so wenig konsistent waren seine Entscheidungen, zeigte er Fingerspitzengefühl. Er brachte unnötig Hektik in ein eigentlich faires Spiel. Und ich bin ja auch kein Freund von Verschwörungstheorien oder aus der Luft gegriffenen Vermutungen, aber in den letzten beiden Heimspiele der Scorpions gegen Nürnberg und Straubing wurden die Hannover Scorpions doch schon sehr benachteiligt bei den Schiedsrichterentscheidungen. Gegen die Ice Tigers wurde ein reguläres Tor nicht gegeben, Strafen, welche die Scorpions am Freitag bekamen, waren offensichtlich nie für die Straubing Tigers gedacht.

Was mich an dieser Stelle wieder zu einer zentralen Forderung bringt, auf die ich schon seit Jahren in der DEL warte: Die Schiedsrichterentscheidungen müssen endlich konsequent und konsistent ausgelegt werden – und das über ein ganzes Spiel hinweg. Mit der Kleinlichkeit in der Deutschen Eishockey Liga habe ich mich ja schon abgefunden. Aber was eben gar nicht geht, ist dass hier mal hoher Stock gepfiffen wird und da wieder nicht, dass die eine Aktion ein Stockschlag ist, die andere dann aber ein korrekter Körperangriff. Und wenn man dann noch bei der einen Mannschaft großzügiger die Regel auslegt, bringt mich das richtig auf die Palme. Also: Wenn man schon die kleinliche Linie fährt, dann sollte man das auch das ganze Spiel durchhalten, es konsequent anwenden und nicht nach gut Laune und Lust die Strafen verteilen. Das kann doch nicht so schwierig sein. Ein Foul von hinten ahnde ich im Fußball ja auch immer mit mindestens gelb und lasse es nicht einfach weiterlaufen. Aber genau so verhalten sich immer öfter die DEL-Schiedsrichter, was schade ist. Um in der Fußballsprache zu bleiben, hat Alfred Hascher gestern für eine Notbremse mal die rote Karte rausgerückt und dann bei nächster Gelegenheit einfach weiter spielen lassen. Und das kann es nicht sein. Entscheidungen müssen vergleichbar sein, für alle Teams wäre das hilfreich. Ich will hier jetzt gar nicht so sehr die Scorpions verteidigen, vielmehr muss es doch möglich sein, dass man klar definiert, wann eine 2-Minuten-Strafe verhängt wird und warum dies der Fall war. Und diese Linie dann – damit die Spieler Bescheid wissen – auch durchhält.

Vielleicht mal zwei Beispiele vom gestrigen Spiel: Nach dem 1:0 der Scorpions verliert Sascha Goc einen Puck in der neutralen Zone, hechelt hinterher, macht sich mit seinem Stock ganz lang, berüht den Puck deutlich vor seinem Gegenspieler, der dann noch ein paar Meter läuft und aufs Eis fällt. Goc bekommt zwei Minuten fürs Beinstellen. Wenn man alle Augen zudrückt, kann man diese Strafe sogar geben. Und Hascher war kleinlich, also muss sich Goc damit zufrieden geben. Im anschließenden Überzahlspiel machte Straubing übrigens das 1:1. Ein paar Minuten später, die Scorpions lagen mittlerweile 1:3 zurück, fahren die Scorpions einen Konter, Vikingstad treibt die Scheibe nach vorne, wird von einem Stock des Gegenspielers berührt und kommt ins Straucheln. Angriff dahin, keine Strafe für Straubing. Und dann verstehst du die Welt nicht mehr. Sechs Augen der Referees sehen diesen Angriff, das klare Foul – und keiner regt sich. Vielleicht muss man den Angriff gegen Vikingstad noch nicht mal zwangsläufig abpfeifen, aber wenn ich Goc wegen einer solchen Lapalie auf die Bank setze, muss ich diese Linie durchhalten – sonst mache ich das ganze Spiel kaputt. Dass Vikingstad für einmaliges Aufregen nach einer erneut zweifelhaften Entscheidung von Hascher gleich eine 10 Minuten-Disziplinarstrafe erhielt, setzte der Schiedsrichterleistung noch die Krone auf.

Eishockeyschiedsrichter ist kein einfacher Job, das weiß ich. Aber ich kann ja als Fan wohl verlangen – und die Teams und Trainer müssten es auch – dass Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden und Schiedsrichter nicht mal nach ihrer derzeitigen Laune entscheiden, ob das jetzt ein Foul oder nicht war. Bei der ein oder anderen Entscheidung kann das natürlich mal vorkommen, wenn es wie am Freitag aber zur Regel wird, überlege ich es mir, ob ich diesem Sport noch länger live verfolgen möchte.

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Totgesagte Skorpione leben länger

Samstag, 9. Oktober 2010 19:32

Profisport ist ein schnelllebiges Geschäft. Da kann der Erfolg vergangenen Woche ganz schnell durch eine Formkrise wieder an Bedeutung verlieren, von daher sind meine nachfolgenden Ausführungen mehr ein ganz aktuelles Stimmungsbild, das sich am nächsten Wochenende schon ganz anders lesen kann. Wenngleich ich hoffe, dass die Tendenz weiterhin dieselbe bleibt wie momentan.

Was wurde in den letzten zwei Wochen nicht alles über die Hannover Scorpions geschrieben? Da wurde an manchen Stellen schon mit dem endgültigen Aus des Vereins gerechnet. Gehaltskürzungen für die Spieler, Verteidiger Niki Goc verließ den Verein in Richtung Mannheim, Meistertorhüter Travis Scott, der vergangene Saison etliche Spiele für die Scorpions quasi im Alleingang gewonnen hat, hatte keine Lust mehr auf Eishockey in Hannover, ließ sich erst mit einer zweifelhaften Gehirnerschütterung krank schreiben lassen um dann zwei Tage später mit dem Flieger in die USA aufzubrechen. Die Spieler boykottierten das Training, weil sie auf ihr Gehalt länger als vereinbart warten mussten. Und zu allem Überfluss passte es Ende September auch nicht mit der sportlichen Leistung. Drei Niederlagen in Folge, darunter die indiskutable Leistung in Ingolstadt, wo man sich phasenweise abschlachten ließ. Unglückliche Niederlagen nach besseren Leistungen gegen die Hamburg Freezers und den EHC München folgten. Es war Anfang Oktober und die Hannover Scorpions standen vor einem kleinen Scherbenhaufen. Nach dem fantastischen Saisonstart und einem sehr schnell erlernten Verständnis für das Spielsystem vom neuen Trainer Toni Krinner schien sich die schwierige Situation im Umfeld des Vereins nun auch auf die sportliche Leistung auszuwirken und sie zu lähmen.

Und auf was hofft man dann am ehesten in der DEL? Auf ein Heimspiel gegen die Kölner Haie. Die Scorpions spielten wie ausgewechselt am 1. Oktober und gewannen 6:2 gegen die Rheinländer. Es folgte der Auswärtssieg mit 7:5 beim letztjährigen Finalgegner Augsburg und heute Nachmittag zeigte man erneut eine fantastische Performance, als man die Adler Mannheim mit 6:3 in der Tui-Arena bezwingen konnte. 19 Tore in den letzten drei Spielen. Und solange man weiterhin deutlich mehr Tore als der Gegner schießt, kann man die etwas “vernachlässigte” Defensive im Vergleich zu Ära von Hans Zach auch verschmerzen. Und das in der Situation. Da fällt es für die Medien natürlich leicht ganz schnell zu behaupten, die Spieler wollten sich doch nur für einen anderen Verein empfehlen. Auch im Bericht der ARD-Sportschau wurde dieses beliebte Gerücht mal wieder in den Raum geworfen. Vielleicht mag es sogar stimmen, aber Scorpions-Fans wissen, dass das Team unglaublichen Charakter hat und perfekt zusammenspielen kann und schwierige Situationen überstehen und meistern kann. Und wenn man das dann auf die Art und Weise hinbekommt, kann man davor nur den Hut ziehen – mehrmals. Ganz groß.

Beispiele in Zahlen gefällig? Die eingespielte Reihe um Sascha Goc, Tore Vikingstad, Klaus Kathan, Thomas Dolak und wahlweise Adam Mitchell oder Andy Reiss war an zwei Dritteln aller Tore der Scorpions beteiligt. Alle Akteure spielen schon seit Jahren bei den Scorpions. Wieso sollten Sie Abwanderungsgedanken haben? Nein, es ist vielmehr zwar die Sorge um den Verein, aber in erster Linie der Kampf und die Hingabe für den sportlichen Erfolg. Das schafft Raum und Entlastung für die ganz junge vierte Reihe mit Dany Reiss, Blank und David Wolff. Patrick Baumgartner füllt die Lücke des abgewanderten Niki Goc hervorragend aus. Und mit den “Schnäppchen” Ryan Maki und John Tripp (bereits zwei Saisontore nach drei Spielen) hat man ein gutes Näschen bewiesen. Man macht nicht immer alles falsch. Und das kann nur der Weg für die Zukunft sein. Die Chancen stehen gut, dass Tripp nach seinem 3-wöchigen Probetraining einen Vertrag bis zum Saisonende bekommt.

Eine Zukunft der Hannover Scorpions, die offensichtlich immer noch nicht geklärt ist. Da hilft es wenig immer wieder neue Gerüchte von abwanderungswilligen Spielern in die Öffentlichkeit zu schreiben. Es ist nicht einfach, aber das wusste man seit dem August sowieso. Prominentester Spieler, dem immer wieder nachgesagt wurde, er will den Verein verlassen – bestätigt ist das übrigens bis heute nicht – war Stürmer Chris Herperger. In den letzten drei Spielen vier Tore und heute eine geniale Vorlage zum 1:0. Ja, ich weiß, da will sich jemand für einen neuen Verein empfehlen. Bleiben wir bei den individuellen Akteuren, Torhüter Ziffzer, der jetzt nach dem Abgang von Travis Scott die Last der Nummer 1 tragen muss. Dass er schlechter ist als Scott, steht außer Frage. Und auch heute machte er bei einem Gegentreffer eine unglückliche Figur. Aber was man in den Spielberichten nicht steht, war zum Beispiel seine glänzende Rettungsaktion Mitte des zweiten Drittels, als er den Schuss von Ronny Arendt sensationell abwehrte und “Youri-Rufe” durch die Tui-Arena schallten. Wieso sollte Ziffzer mit seiner Aufgabe nicht wachsen? Und solange er eine so spielstarke Offensive vor sich hat, wirkt ein individueller Fehler gar nicht so tragisch. Und Ziffzer ist gerade mal 24 Jahre jung. Und wenn man bei den Eisbären Berlin die meiste Zeit hinter Rob Zepp die Nummer 2 war, muss man Ziffzer Zeit geben sich mit seiner neuen Rolle anzufreuden. Der Unterschied zu vielen anderen DEL-Klubs: In Hannover scheint er diese Zeit zu bekommen.

Die Hannover Scorpions an der Tabellenspitze der DEL. Und dabei darf man nicht vergessen, dass drei ganz wichtige Stützen im Team wegen Verletzung fehlen. Kapitän Tino Boos, Stürmer Ben Cottreau, dessen wuchtiger Schlagschuss gerade in den Powerplays eine schmerzlich vermisste Option ist, und Tormaschine Matt “Diesel” Dzieduszycki. Es geht vom Personal also sogar noch besser. Alles nur eine Momentaufnahme, aber eine sehr schöne. Totgesagte leben länger. Das gilt auch für die Scorpions.

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Warum der frühe Saisonstart der DEL ein Verlustgeschäft für die Klubs ist

Dienstag, 21. September 2010 16:39

In Eishockey-Hannover brennt schon wieder ein wenig der Baum. Heute wurde durch Recherchen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung bekannt, dass die Spieler der Hannover Scorpions letzte Woche das Training wegen ausbleibender Gehalts- und Prämienzahlungen boykottiert haben. Vor gut einer Woche machte Geschäftsführer Marco Stichnoth darauf aufmerksam, dass der Verein durch die finanziellen Zusagen von Besitzer Papenburg zwar über den Berg sei, aber ansonsten für einen längeren Fortbestand nicht garantiert werden könne. Stichnoth nannte auch eines der größten Probleme für den DEL-Verein: die geringen Zuschauerzahlen zu Saisonstart, die deutlich unter dem Schnitt der letzten Saison lagen. Den Scorpions fehlen Einnahmen aus den Ticketverkäufen an Spieltagen. Marco Stichnoth brachte diesen Sachverhalt dann so auf den Punkt, dass Hannover “eben kein Scorpions-Land” sei. Das mag sein, ähnliche Probleme gibt es aber auch bei anderen Vereinen. Insbesondere die DEG Metro Stars aus Düsseldorf beklagen einen deutlich geringeren Zuschauerzuspruch als letzte Saison. Also mal wieder ein Problem der DEL mit dem frühen Saisonstart, den Negativschlagzeilen der letzten Monate? Wer geht auch schon zu einem Eishockeyspiel im September, wenn draußen 25 Grad sind und andere Aktivitäten locken?

Blicken wir mal detailliert auf die Zuschauerzahlen der bisherigen Saison und vergleichen sie mit dem Schnitt der gesamten Hauptrunde der vergangenen Spielzeit. Die meisten Vereine haben jetzt drei oder vier Heimspiele absolviert.

1. Eisbären Berlin (2010/2011:13.800, 2009/2010:14.060, -260)
2. Kölner Haie (2010/2011:9.970, 2009:2010: 10.076, -106)
3. Hamburg Freezers (2010/2011: 9.675, 2009:2010: 6.993, +2.682)
4. Adler Mannheim (2010/2011: 8.198, 2009/2010: 11.094, -2.896 )
5. Krefeld Pinguine (2010/2011: 4.255, 2009/2010: 3.439, +816)
6. Thomas Sabo Ice Tigers (2010/2011: 4.167, 2009/2010: 4.063, +104)
7. DEG Metro Stars (2010/2011: 4.155, 2009/2010: 5.707, -1.552)
8. Straubing Tigers (2010/2011: 4.073, 2009/2010: 4.322, -249)
9. Hannover Scorpions (2010/2011: 3.844, 2009/2010: 4.767, -923)
10. Iserlohn Roosters (2010/2011: 3.523, 2009/2010: 3.582, -59)
11. ERC Ingolstadt (2010/2011: 3.483, 2009/2010: 3.740, -257)
12. EHC München (2010/2011: 3.060)
13. Grizzly Adams Wolfsburg (2010/2011: 2.368, 2009/2010: 2.468, -100)

In der Liste fehlen die Augsburger Panther, die bisher noch keine Heimspiele in dieser Saison bestritten haben. Der EHC München spielte in der Saison 2009/2010 noch in der 2. Bundesliga, da konnte ich aber keine offiziellen Zuschauerzahlen finden.

Vergleicht man die bisherigen Zuschauerzahlen 2010/2011 mit dem Durchschnitt der Hauptrunde 2009/2010 liegen nur drei Teams über dem Schnitt, sehr deutlich die Hamburg Freezers, die in ihrer Halle immerhin gut 60% Auslastung vorweisen können. Ein Plus gibt es auch bei den Nürnberg Ice Tigers und ein vorzeigbares bei den Krefeld Pinguinen. Nun muss aber auch hier bedenken, dass der Krefelder Königspalast gut 8.000 Zuschauer fasst, die Auslastung also gerade mal bei knapp über 50% liegt. Für den finanziell auch nicht auf Rosen gebetteten Klub viel zu wenig um wirtschaftlich überleben zu können. Mit Ausnahme dieser drei Mannschaften weisen alle Klubs geringere Zuschauerzahlen auf. Beim Branchenprimus Eisbären Berlin fällt das nicht unbedingt weite groß auf, da die Halle fast immer ausverkauft ist. Kaum Verluste gibt es auch bei den Kölner Haien, wenngleich ich daran erinnern darf, dass diese Größenordnung aus der vergangenen Saison mit dafür verantwortlich war, dass den Kölnern langsam das Geld ausging. Eben, weil in die Lanxess-Arena sehr viel mehr Zuschauer gehen. Dramatisch ist der Rückgang bei den Adler Mannheim, trotz neuem Trainer und eigentlich immer einer Favoritenstellung vor Saisonbeginn. Und da wirkt sicherlich nicht das schlechte Abschneiden aus der letzten Saison nach. Auch die DEG Metro Stars kämpfen um Zuschauer, können sich im Vergleich zu den Hannover Scorpions aber der finanziellen Untestützung der Stadt für den wenig ausgelasteten ISS Dome sicher sein. Und noch ein Wort zu den Scorpions: Schlechte Publicity über den ganzen Sommer hinweg, Meistereffekt völlig verpufft. Weniger Zuschauer, aber deutlich mehr Dauerkarteninhaber. Klingt logisch, betrachtet man aber die anderen Zuschauerzahlen, fällt sehr schnell auf, dass es von der groben Richtung ein generelles Problem der DEL ist. Die Scorpions bräuchten für finanzielle Genesung knapp 5.000 Zuschauer pro Spiel, was ungefähr mit 100.000 Euro Einnahmen gekoppelt ist. Da ist man weit davon entfernt. Und je mehr bedeutungslose Spiele im Hochsommer, umso schwieriger wird das Ziel zu erreichen sein. Man kann nicht gerade behaupten, dass die DEL in schwierigem Umfeld perfekte Rahmenbedingungen für eine schnelle und zügige Verbesserung setzt.

Das sind zwar nur nackte Zahlen in der Auflistung, die aber eine Tendenz vorgeben und einmal mehr zum Handeln zwingen müssen, nämlich die DEL-Saison nicht schon Anfang September starten zu lassen, sondern später. Weniger bedeutungslose Spiele und dafür mehr entscheidende und wichtige Playoff-Spiele. Ich habe die Zuschauerzahlen der Playoffs 2009/2010 hier nicht aufgeführt, aber angeschaut. Und sie liegen bei allen Teams höher als der Durchschnitt der Hauptrunde. Es gibt also ein Interesse an Eishockey in Deutschland, aber vor allem dann, wenn es um etwas geht und nicht in einem bedeutunglosen Saisonspiel irgendwann dienstagabends im September. Darauf muss die DEL endlich reagieren, sonst brechen noch mehr Klubs weg. Denn Ticketeinnahmen sind nun einmal die wichtigste Einnahmequelle.

Beispiele gefällig, dass der Zuschauerschwund ein genrelles Problem sein könnte. Da spielt der EHC München sein erstes Saisonspiel in der Millionenmetropole München und es kommen knapp 2.700 Leute bei einer Kapazität von über 6.200 Plätzen. In Ingolstadt, einer der Favoriten auf den Titel in dieser Saison, empfängt den Branchenprimus, die Eisbären Berlin, und es schauen gerade mal etwas mehr als 3.000 Zuschauer zu. Das Derby Krefeld gegen Düsseldorf ist nicht ausverkauft und negativer Rekord bei Wolfsburg gegen Köln bei gerade mal 1.880 Zuschauer. Man könnte die Liste fortsetzen. Zum Nordderby zwischen Hannover und Hamburg kamen am Sonntag etwas mehr als 3.000 Zuschauer, letzte Saison im Winter, als die Schlagzahl der Spiele zunahm, über 8.000.

Und so bleiben für viele Vereine zu Beginn der Saison die Schweißperlen auf der Stirn. Draußen schwitzt das Volk derweil im Freibad.

Alle Zahlen sind dem Statistikportal der DEL entnommen.

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DEL im Free-TV: Immerhin ein Anfang (Update)

Mittwoch, 15. September 2010 15:47

Update, Donnerstag 14h58: Der NDR hat mir per Mail bestätigt, dass man jetzt regelmäßig über die DEL-Spiele der norddeutschen Klubs in Zusammenfassungen berichten möchte. Meist in der Sportklub-Sendung samstags um 17:00 Uhr. Übermorgen gibt es einen Bericht von der Partie Grizzly Adams Wolfsburg – Hamburg Freezers.

Ein großes Manko der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist die mangelnde Free-TV-Präsenz, meinen viele. Ich halte das für eines von vielen Problemen, aber bei weitem nicht das schwerwiegendste. Aber gut, diese Diskussionen sind auch hier in diesem Blog schon geführt worden. In den letzten Tagen gab es für alle DEL-Fans positive Nachrichten.

1. Ich habe per Zufall am Samstagnachmittag entdeckt, dass in der Sendung Sportclub Aktuell -  im NDR immer samstags um 17:00 Uhr – ein Spielbericht der DEL-Partie zwischen den Eisbären Berlin und den Hannover Scorpions lief. Immerhin, ein paar wichtige Szenen und alle Tore wurden gezeigt. Ich habe eine Anfrage an den NDR geschickt, ob das ein einmaliges Experiment war oder ob man nun häufiger über die norddeutschen DEL-Clubs berichten möchte. Habe leider noch keine Antwort bekommen.

2. Damit die ARD-Sportschau am bundesligafreien Samstag, 9. Oktober, ihre Sendung füllen kann, wurde die Partie zwischen den Hannover Scorpions und den Adler Mannheim von Freitagabend auf Samstagnachmittag gelegt. Sicherlich eine Möglichkeit mehr Zuschauer anzulocken und begrüßenswert, dass die ARD auch mal Eishockey in der Sportschau zeigt.

3. Heute wurde bekanntgegeben, dass Eurosport bis zum Jahresende sechs Partien live zeigen wird. Startschuss ist am kommenden Dienstag mit der Begegnung Adler Mannheim gegen die Grizzly Adams Wolfsburg. Die weiteren TV-Termine sind bekanntgegeben, die Spiele stehen noch nicht fest. Bereits letzte Saison gab es zwei Spiele bei Eurosport. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, sieht der TV-Vertrag zwischen Sky und der DEL, dass bis maximal sechs Spiele pro Saison im Free-TV laufen können. Von dieser Regelung wird jetzt Gebrauch gemacht. Natürlich nur bis zum Jahreswechsel, wenn dann die wichtigen Partien um die Playoff-Plätze laufen, benutzt Sky seine Exklusivrechte. Quelle: Offizielle Pressemitteilung der DEL

4. Mittlerweile hat Sky die Live-Spiele der DEL bis Anfang November terminiert.

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Und er fährt seine Runden

Samstag, 31. Juli 2010 21:43

Samstagnachmittag. Ich liege auf dem Sofa und schaue das Qualifying zum Großen Preis von Ungarn in Budapest. Das erste Segment der Qualifikation läuft noch ein paar Minuten, da ist Michael Schumacher mit seinem Auto zum ersten Mal im Bild. Die Stimme von Sky-Kommentator Jaques Schulz hebt sich, denn Schumacher kämpft ums Weiterkommen für die zweite Runde. Er schafft es knapp, scheitert dann aber kurze Zeit später im zweiten Durchgang auf Platz 14. Sein Teamkollege startet morgen fast 10 Plätze weiter vorne. Und Schumacher fährt morgen wieder seine Runden.

Warum ich den Blog-Eintrag schreibe, sind meine Gedanken seit heute Nachmittag, als mir zum ersten Mal richtig bewusst wurde, dass da zwar noch ein Rekordweltmeister mitfährt, aber ich ihn überhaupt nicht vermisst habe. Ich habe nicht geschaut, wo der Kerpener fährt und war fast schon überrascht, als er für ein paar Augenblicke im Bild war. Zumal 30 Minuten lang vorher auf Sky nicht einmal sein Name fiel. Ferrari gegen Red Bull, dazu ein starker Niko Hülkenberg, die beiden heute schnellen Renault, dazu ein Lewis Hamilton, der seine Runden mit einem starken ersten Sektor begann, dann die gute Performance aber nicht vollständig ins Ziel bringen konnte. Es gab genug spannende Duelle und Blickwinkel auf diese Qualifikation, Michael Schumacher war nicht dabei – und er hat mir auch nicht gefehlt.

Was wurde nicht für ein Theater, eine Begeisterung um sein Comeback gemacht. Im März stand die ganze Formel 1 Welt Kopf, auch ich hatte mich sehr gefreut, weil die in den letzten Saison ehe schon spannende und dramatische Formel 1 noch eine weitere Bereicherung bekommt. Die TV-Anstalten hofften auf neue Rekorde bei den Einschaltquoten, Sky gründete einen eigenen Silberpfeilkanal, den ich beim Saisonauftakt in Bahrain zweimal benutzt habe, danach aber nie wieder angesteuert habe. Große Hoffnungen und Erwartungen wurden in das Comeback von Michael Schumacher gesteckt, zur Halbzeit der aktuellen Saison wäre es wohl angemessen zu sagen, dass die nicht erfüllt wurden. Vielmehr ist es mir zumindest heute zum ersten Mal wirklich bewusst aufgefallen, dass ich ihn gar nicht mehr richtig wahrnehme oder gar explizit auf ihn schaue. Diese Aufmerksamkeit gehört jetzt Sebastian Vettel und dem spannenden Kampf um die ersten 10 Plätze, von denen Schumacher eben weiter denn je entfernt ist. Und auch Sky schenkte Schumacher heute explizit nicht eine Sendeminute. Da platzt gerade eine Blase. Schumacher ist – wenn überhaupt – einer von vielen, vielleicht will er das ja auch nur noch sein. Doch das reicht momentan scheinbar nicht mehr aus, um im Rampenlicht der deutschen Medien und in meiner Aufmerksamkeit zu stehen.

Ich will gar nicht bewerten, ob es richtig war von ihm noch einmal in die Formel 1 zurückzukehren. Das steht mir nicht zu , das kann ich auch gar nicht, und es wäre ein Leichtes ihm jetzt zu belehren, dass er nicht mehr mit der heutigen Anforderungen der Formel 1 Autos zurechtkommt und mit den anderen Spitzenfahrern mithalten kann. Es mag offensichtlich sein, dass Schumacher auch im Vergleich zu seinem Teamkollegen Rossberg deutlich langsamer sein, er mag die Reifen nicht so auf Temperaturen zu bringen, wie für einige schnelle Runden im Qualifying nötig, er macht insgesamt zu viele kleine Fehler, hat immer mal wieder einen kleinen Aussetzer drin. Perfekte Runden, wo man aufhorchen würde, wo man mal wieder sagen könnte, das war annährend der uns vertraute Schumi, kommen äußerst selten vor. Das konnte ja auch keiner erwarten, dass Schumi um den Weltmeistertitel mitfährt, aber ich und er wahrscheinlich auch hätte ihn schon weiter vorne gesehen. Und das Auto hat ja ganz offensichtlich das Potential um die zweite oder dritte Startreihe mitzufahren.

Als man im März lesen konnte, dass Schumacher durchaus länger bei Mercedes GP noch fahren könnte, teilweise war ja sogar die Rede von bis zu drei Jahren, hielt ich das noch für ein realistisches Szenario. Heute würde ich Schumacher großen Respekt für die Entscheidung am Ende der Saison wieder aufzuhören entgegenbringen. Vermissen würde ich ihn in der jetzigen Form nicht.

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Zitat des Tages: Mittwoch, 28. Juli 2010 – Kleinere Autos

Mittwoch, 28. Juli 2010 9:01

“Notfalls fahren wir noch kleinere Autos – wenn das noch geht.”

Scorpions-Kapitän Tino Boos zu möglichen Hilfsmaßnahmen der Scorpions-Spieler für die Rettung des finanziell angeschlagenen Vereins. Momentan fährt das Team mit VW Golf und Polo.

Vielleicht kann man sich ja Smart als neuen Premium-Sponsor holen.

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Ein paar Gedanken zur angespannten Lage bei den Hannover Scorpions

Sonntag, 25. Juli 2010 12:04

Die Nachricht über das Aus der Hannover Scorpions vom vergangenen Donnerstag hat mich extremst getroffen, vielleicht weil sie auch einfach so unvorbereitet kam. Drei Tage später realisiert ein Fan die Situation so langsam. Von daher habe ich mir mal ein paar Gedanken gemacht zur aktuellen Situation der Hannover Scorpions, formuliert in einigen Thesen, welche ich nach und nach ausführen möchte. Derweil gibt es – ich bin seit gestern früher Nachmittag in Hannover – noch keine Neuigkeiten aus dem Umfeld der Scorpions. Ob es Lösungen, Verhandlungen oder sonstige Anstrengungen gibt, weiß derzeit wohl nur ein kleiner Zirkel an Beteiligten. Für die Öffentlichkeit sollten sich dann mehr konkrete Nachrichten in den nächsten Tagen ergeben.

1. Es geht gar nicht um die Hannover Scorpions, das Team ist nur Drohpotential.
Wie sehr ist der Konflikt um die Betreibung der Tui-Arena eigentlich auch eine Krise der Hannover Scorpions? Direkt ist sie erstmal keine, denn die Mannschaft von Trainer Toni Krinner hat die Lizenz für die kommende Spielzeit erhalten und damit alle finanziellen und strukturellen Anforderungen der DEL-Geschäftsführung erfüllt. Indirekt ist sie dann aber eben doch eine Krise, weil der Eigentümer der Scorpions, Günter Papenburg, gleichzeitig Betreiber der Tui-Arena ist, also aus seiner Sicht eine exzellente Drohkulisse aufbauen kann. Jetzt sagen die eine, es wäre ein strukturelles Defizit, dass Papenburg beide Funktionen gegeneinander ausspielen kann. Das mag schon sein, nur vergessen die meisten Beobachter in diesem Fall, dass es die Hannover Scorpions und die Tui-Arena ohne Günter Papenburg vielleicht gar nicht mehr geben würde. Und eines ist ja auch klar: Die Arbeit, welche die Hanover Scorpions in den letzten Jahren unter Hans Zach, mit Geschäftsführer Marco Stichnoth und eben Eigentümer Papenburg geleistet haben, verdient größten Respekt und Anerkennung. Von daher wäre es vorschnell zu behaupten, es wäre jetzt eine Krise der Hannover Scorpions. Dem Verein ging es in den letzten Jahren schon viel schlechter als dieser Tage. Natürlich hatte die unerwartete Meisterschaft auch finanzielle Belastungen dank Prämien und des neuen Vertrages für Torhüter Travis Scott. Aber Günter Papenburg war eben auch bereit weiter in die Hannover Scorpions zu investieren. Trotz zurückgehender Zuschauerzahlen, die aber immer noch über dem Niveau der Krisensaison 2007/2008 liegen. Dass gespart werden musste, dürfte jedem klar gewesen sein, deshalb gab es mit Paul Manning von den Hamburg Freezers nur einen Neuzugang. Aber es bestand ja auch kein Grund für Neuverpflichtungen, weil das Team der Meistersaison komplett in die neue Spielzeit ging. Also keine Krise der Hannover Scorpions, aber – auch im Hinblick auf die Meisterschaft – eine schöne Drohkulisse für Herrn Papenburg. Und welcher Unternehmer würde diese Chance verstreichen lassen…

2. Die Tui-Arena als Sinnbild für Hannovers Umgang mit dem Expo-Gelände
Die Stadt Hannover feiert diesen Sommer gerade das 10-jährige Jubiläum der Weltausstellung Expo 2000, von der die Stadt damals in Zuge eines neuen Nahverkehrssystems extrem profitiert hat. Gleichzeitig erweiterte man das große Messegelände und baute auf dem Weltausstellungsgelände die Tui-Arena, den gläsernen deutschen Pavillon und schuf Platz für die anderen Nationenbauten. Zehn Jahre später hat man immer noch kein durchdachtes Konzept entworfen, wie man eigentlich mit diesem großen Gelände umgeht, es gestaltet und in das Stadtbild integriert. Zehn Jahre danach. IKEA baute eine Niederlassung, BMW bekam Grundstücksfläche für ein Autohaus, die Fachhochschule hat sich in einigen Bauten niedergelassen. Aber ansonsten liegt das Gelände brach. Da hat die Stadt eine riesengroße Chance vertan lassen. Ich kenne das Weltausstellungsgelände in Lissabon sehr gut , wo man es zum Beispiel exzellent geschafft hat, die weiträumigen Anlagen auch nach der Expo sinnvoll zu nutzen, durch Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen, Parkanlagen und Wohnräume. Heute ist in der portugiesischen Stadt der Park der Nationen entstanden. In Hannover hat man sich nie wirklich Gedanken gemacht, wie man das Gelände nutzen kann und der Stadt dadurch einen Mehrwert zu schaffen. Das Gelände ist jetzt einfach da. Und auf diesem Areal steht auch die Tui-Arena, die vor zehn Jahren alle in Hannover wollten, Stadt, die Messe AG. Und jetzt will keiner mehr etwas von ihr wissen. Zehn Jahre danach.

3. Wenn es gut läuft, jubelt Hannover. Wenn es schlecht läuft, interessiert es einfach keinen.
Lena, der Bundespräsident, der Klassenerhalt von Hannover 96. Wenn es Hannover gut geht für ein paar Tage, haben sich alle ganz schnell lieb und die Politik sonnt sich im Scheinwerferlicht. Treten Probleme auf, zieht man immer ganz schnell den Schwanz ein und geht allen Schwierigkeiten aus dem Weg. Und das über viele Jahre hinweg. Das fängt bei so grundlegenden Entscheidungen wie die architektonische Umgestaltung der Innenstadt an und hört auf bei ellenlangen Diskussionen um ein Feuerwerk beim Maschseefest, dem größten Fest der Stadt, das fortan ohne Feuerwerk auskommen muss, weil die Bewohner am Maschsee es zu laut finden. In dieser Stadt gönnt man sich nicht den gemeinsamen Erfolg, es sei denn Lena oder 96 machen von sich reden. In Hannover dauert eben alles viel zu lange. Das lähmt die Stadt, macht sie unsicher in ihren politischen Entscheidungen. Bloß nichts verändern, bloß nichts anpacken. Es könnte ja schief gehen. Und wo sich andere Städte im letzten Jahrzehnt verändert haben, ist Hannover stehen geblieben. Das mag seine Langweiligkeit erklären, die viele Außenstehende der Stadt zu schreiben. Für die Einwohner hat das Charme. Die Stadt könnte noch so viel mehr aus sich herausholen, wenn alle mal mit anpacken und nicht ständig im Weg stehen. Die Politik genauso wie die vielen Bewohner, die sich über Hannover scheinbar immer nur freuen, wenn es was zu feiern gibt.

4. Hannover Scorpions vs. Hannover Indians
Dazu gehört auch das Verhältnis von Fans der beiden Eishockeymannschaften, der Scorpions und Hannover Indians. Rivalität finde ich gut, macht das doch auch sehr reizvoll, zumal ich zu beiden Vereinen sehr gerne hingehe, weil das Stadion am Pferdeturm schon einen besonderen Charme hat. Ich finde es klasse, dass Hanover zwei Eishockeyprofimannschaften hat. Von daher geht es mir auch immer noch nicht in den Kopf, wie es nahezu alle Indians-Fans schaffen mit Häme, Galgenhumor und Fundamentalkritik gegen die Hannover Scorpions zu stänkern. Wie kann man so eindimensional denken? Ist es vielleicht einfach nur Freude am Leiden anderer Fans, weil es selbst einem nicht mehr so gut geht, weil die Fanzahlen zurückgehen, weil die Harmonie zwischen den unterschiedlichen Fangruppen auch schon mal größer war? Ich weiß aus gut unterrichteter Quelle, dass auch die Indians finanziell nicht auf Rosen gebettet sind und bei einigen Sponsoren um vorzeitige Überweisung von Geld gebeten haben. Das ist mir aber auch erstmal egal, ich hätte mir gewünscht, wenn von den Indians ein großes Zeichen der Unterstützung gekommen wäre, für den Eishockeysport in der Stadt. Aber so kocht jeder wieder sein eigenes Süppchen. Made in Hannover.

5. Ticketpreise in der Tui-Arena zu senken, ist keine Lösung
Eine Forderung, die ich in den letzten Tagen immer wieder gehört und gelesen habe, ist die Forderung nach Senken der Ticketpreise für Spiele der Hannover Scorpions. Das mag zwar populär klingen, aber irgendwie muss sich ein Verein ja auch refinanzieren. 10-15 Euro für eine ermäßigte Karte sind völlig angebracht, vielleicht gebe es aber ein wenig Spielraum bei den regulären Preisen, gerade in der regulären Saison. Ein dauerhaftes Senken der Ticketpreise wäre aber keine Lösung, zumal es von Firmen schon zahlreiche Freikarten gibt. Und ob dann die Arena dann sukzessive mehr Zuschauer anlockt, ist auch fraglich. Dazu kommt diese unfassbare Story, dass sich die hannoverschen Verkehrsbetriebe und die Hannover Scorpions nicht auf die Kombiticket-Regelung einigen konnten, also Eintrittskarte gleich Fahrkarte. Die Arena erreicht sich aber fast nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn man bequem anreisen möchte. Das passt eben ins Gesamtbild für diese Stadt.

6. Die DEL-Rahmenbedingungen verschärfen die Situation bei den Klubs, auch bei den Hannover Scorpions
“Das ist eine unschöne Situation”, meint DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. “Wir basteln derzeit am Spielplan für die nächste Saison. Dabei gehen wir wie bisher von 15 Teams aus. Die müssen erst einmal in Hannover ihre Angelegenheiten klären”, hört man aus dem Ligabüro in Köln. Es ist wie ein Zu-Kenntnis-Nehmen der Situation, beunruhigt scheint es die DEL nicht zu haben. Natürlich sind die Probleme bei den Frankfurt Lions, den Hannover Scorpions, den Kassel Huskies, den Krefeld Pinguinen und auch die Krise bei den Kölner Haien im Frühjahr immer vereinsspezifisch, auch in der Interaktion mit den jeweiligen Städten. Doch die DEL scheint immer noch nicht erkannt zu haben, dass sie zwar nicht Auslöser der Probleme sind, aber zu einem großen Teil auch Ursache. Das fängt bei der unermesslich großen Anzahl unbedeutender Spiele an und geht über mangelnde Free-TV-Präsenz und dem Wille zur Veränderung an. Alle weiteren Probleme sind bekannt.

7. Was weiß der neue Trainer Toni Krinner?
Ich habe das Gefühl und den Eindruck, dass Toni Krinner als neuer Trainer und Nachfolger von Hans Zach vielleicht noch eine kleine Schlüsselrolle bekommt. Jedenfalls werte ich so seine Aussage, dass er sich erst in den nächsten Tagen äußern und die Vorgänge kommentieren möchte. Es dürfte vielleicht noch interessant werden, mit welchen Aussagen, Forderungen und Hintergründe Krinner nach Hannover geholt wurde.

8. Wie geht es weiter mit den Hannover Scorpions?
Es dringt wenig nach außen. Donnerstag wurde die Öffentlichkeit über die Schwierigkeiten informiert. Freitagmittag soll sich Geschäftsführer Marco Stichnoth mit einigen Spielern getroffen haben um das weitere Vorgehen zu beraten und zu erklären. Über das Wochenende soll verhandelt werden. Bisher dringen keine Informationen in die Öffentlichkeit. Zu Beginn der Woche soll es erste konkrete Infos geben. Es bleibt spannend und interessant. Vorerst. Denn es könnte auch ganz schnell vorbei sein.

Thema: Sport | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Ich könnte mich freuen…wenn die Hannover Scorpions nicht wären

Freitag, 23. Juli 2010 17:49

So, es geht dann hier nach kurzer Pause wieder weiter im gewohnten Rhythmus. Hatte die letzten Tage viel Arbeit um die Ohren und musste mich nebenbei auch noch auf meine mündliche Prüfung vorbereiten. Das ist soweit ganz ordentlich gelaufen und über die anstehende Arbeit habe ich jetzt auch wieder den Überblick, sodass jetzt wieder Zeit zum Bloggen bleibt.

Ich hatte gestern Nachmittag nochmal intensiv für die mündliche Prüfung gelernt – und dann mach ich das meistens so, dass ich alle Geräte ausschalte, sodass ich mich komplett auf meine Notizen und Buchtexte konzentrieren kann. Frei nach dem Motto: Zwei Stunden konzentriert wiederholen anstatt ständig abgelenkt zu sein. Wenn man dann nach knapp drei Stunden wieder Anschluss an die Öffentlichkeit bekommt, Mails liest, bei Facebook vorbeischaut, habe ich eigentlich mit allem gerechnet – nur nicht mit der Meldung, dass das Aus der Hannover Scorpions kurz bevorsteht. Erst dachte ich wirklich, es wäre ein Fake, aber relativ schnell entpuppte sich die Meldung dann als ganz traurige Gewissheit. Einen Bekannten angesimst, der gute Kontakte zu den Scorpions hat. Antwort ein paar Minuten später: “Ich war auf der Pressekonferenz, ich bin nicht fähig zu kommunizieren gerade. Schock.” Und plötzlich bricht eine kleine Welt zusammen. Traurig, nach Erklärungen suchen.

Ich dachte, ich schaue dann mal, was die lokalen Medien so schreiben, aber habe es gleich sein gelassen, weil die Indianer wieder mit Häme und Galgenhumor wirklich alles zumüllten, was nach Textfeld aussah. Nicht mal in einer so großen Krise ist die Eishockey-Fan-Gemeinschaft in Hannover vereint. Ich habe diese Auseinandersetzungen zwischen Skorpionen und Indianern nie verstanden. Und Ausnahmen bestätigen die Regel. Dass ein Ende der Hannover Scorpions für den gesamten Eishockey-Standort Hannover dramatische Folgen hätte, scheint den meisten Indians-Fans egal zu sein, die immer noch von alten Zeiten schwärmen. Doch es ist kein Geheimnis, dass auch bei den Indians das Finanzielle nicht auf Rosen gebettet ist und schon mal mehr Einigkeit zwischen den Fangruppen bestand. Aber egal, das ist nicht das Thema.

Ich könnte jetzt noch einmal alles erklären, wie es zu den Problemen Hannover Scorpions gekommen ist – genau genommen ist der Eishockeyverein ja gar nicht die Schwierigkeit, sondern die Betreibung der Tui-Arena (nebenbei ein Projekt, das vor 10 Jahren von Stadt, Land und Messe AG vehement unterstützt wurde) – die Scorpions sind nur die Drohkulisse von Günter Papenburg. Im Moment fehlt mir dazu aber die Lust und Motivation. Immer noch geschockt. Dass die Situation der Scorpions nie einfach war, dürfte jedem Fan klar gewesen sein. Dass aber so plötzlich der Stecker gezogen wird, hat mich völlig unvorbereitet getroffen. Habe ich noch Hoffnung? Nicht wirklich. Und ich hatte mich schon so auf die neue Saison gefreut.

Nun ja, immerhin noch einmal Meister geworden. Wie bitter es klingt. Abwarten, was die nächsten Tage bringen. Vielleicht sehe ich mir dann in der Lage für eine ausführliche und detaillierte Analyse. Bis dahin vergesse ich einfach die Scorpions und freue mich über alle anderen schönen Dinge.

Thema: Alltägliches, Sport | Kommentare (1) | Autor: medispolis