Ein wenig erschrocken heute Morgen beim kurzen Überfliegen von sportschau.de – wobei ich Robin van Persie ja durchaus weiter gerne in diesem Trikot gesehen hätte.

Ein wenig erschrocken heute Morgen beim kurzen Überfliegen von sportschau.de – wobei ich Robin van Persie ja durchaus weiter gerne in diesem Trikot gesehen hätte.

Seit dieser Spielzeit hat die Deutsche Eishockey Liga (DEL) neue TV-Partner. Nach vielen Jahren der ausschließlichen Präsenz im Pay-TV bei Premiere und später Sky, geht die Liga seit September einen neuen Weg. Mit ServusTV und laola1.tv gibt es erstmals wieder die DEL im Free-TV für alle zu schauen – ohne Extrakosten für ein Abo. Die Verantwortlichen der Liga versprechen sich dadurch eine höhere Reichweite und mehr Zuschauer für die Übertragungen. Freitags gibt es die DEL nur als Internet-Stream, sonntags überträgt ServusTV in der ServusTV Hockey Night das Spiel der Woche live und in HD. Qualitativ, das hatte ich ja an dieser Stelle schon einmal gesagt, ist das sehr ordentlich, was ServusTV journalistisch anbietet. Wird den wenigen bekannten Einschaltquoten Glauben geschenkt, ist bei der Zuschauerresonanz noch viel Luft nach oben, die selbst gesteckten Ziele von 250.000 Zuschauern im Schnitt müssen erst noch erreicht und dann bestätigt werden.
Da ich weiterhin kein großer Freund von Internet-Streams bin und ich beim gelegentlichen Schauen von laola1.tv nie wirklich zufrieden mit der Qualität des Streams war, halte ich den TV-Vertrag für nicht den großen Quantensprung, den die DEL immer darstellt. Für die Sehgewohnheiten wäre es sicherlich besser gewesen, nur einen TV-Partner zu haben. So gibt es lediglich ein Spiel pro Woche im Fernsehen. Und da ich den natürlich völlig subjektiven Eindruck hatte, dass mein Lieblingsteam, die Hannover Scorpions, nie bei ServusTV laufen und gefühlt bei ServusTV immer dieseleben Teams spielen, habe ich mich einmal an eine Übersicht über die mediale Präsez aller DEL-Vereine in den letzten zwei Spielzeiten gesetzt. Das lässt sich natürlich noch viel detaillierter, zum Beispiel nach Monaten gestalten und in Korrelation zu Tabellenständen setzen, aber zunächst einfach nur einmal die nackten Zahlen. Und ich war überrascht, dass ich mit meinem subjektiven Eindruck doch nicht so richtig lag – zumindest nicht in allen Punkten.
Blicken wir zunächst auf die Saison 2011/2012. Ich berücksichtige immer nur die Übertragungen der Hauptrunde (zur Methodik am Ende des Beitrags mehr). Sky zeigte freitags und sonntags ein Spiel, zudem gab es einige Übertragungen im Free-TV bei Eurosport.

TV-Übertragungen in der Hauptrunde 2011/2012
Der Branchenprimus, die Eisbären Berlin, bekamen in der Hauptrunde der Saison 2011/2012 die meisten TV-Spiele, gefolgt von den Kölner Haien und dem ERC Ingolstadt, der die meisten Spiele bei Sky bekam. Es folgte die Düsseldorfer EG, die vor allem in der Schlussphase der Saison dank des engen Kampfes um die Playoff- und Pre-Playoff-Plätze TV-Präsenz bekam. Ansonsten bekam jede Mannschaft mindestens fünf Spiele bei Sky im Programm. Leidglich die Hannover Scorpions schnitten schlechter ab, was aber ganz klar der sportlichen Situation geschuldet war. Denn die Skorpione waren bereits zum Jahreswechsel sportlich in der Tabelle abgeschlagen und spielten häufig um die goldene Ananas. Wieso dann unwichtige Partien zeigen? Insgesamt fällt noch auf, dass mit Hamburg und Wolfsburg zwei Nordklubs mehr Spiele bekamen als Krefeld und Iserlohn, zwei Eishockeystädte im Westen mit jeder Menge Derby-Potential. Mannheim bekam nur ein TV-Spiel mehr bei Sky als Straubing oder Wolfsburg. Auffällig die hohe Zahl an Übertragungen von Ingolstadt, die unter anderem auch damit zusammenhängen könnte, dass Sky aus München recht schnell in Ingolstadt ist und entsprechend durchaus attraktive Begegnungen zeigen kann. Wenn man so will: Die TV-Übertraungen versuchen die sportliche Relevanz so gut es geht bei den Planungen zu berücksichtigen.
Das ist für die aktuelle Saison schon etwas schwieriger festzustellen. Mein Eindruck hat also nicht völlig getäuscht, fällt aber nicht so dramatisch aus, wie ich gedacht hatte. Die Übersicht der TV-Übertragungen in der Hauptrunde der Saison 2012/2013 offenbart aus meiner Sicht drei interessante Aspekte:

TV-Übertragungen in der Hauptrunde 2012/2013
1. Hannover bleibt der tote Fleck auf der Eishockey-Landkarte. Nur gibt es im Vergleich zur Saison 2011/2012 einen großen Unterschied. Die Scorpions sind nicht abgeschlagen Tabellenletzter, sondern sind als derzeit Tabellenachter im Herz des Kampfes um die Playoffplätze, um die Ränge 6-10. Da ist quasi jedes Spiel ein Endspiel. Und trotzdem schaffen es die Scorpions in dieser Saison nur auf eine Übertragung bei ServusTV. Bei Hannover spielt mit Ivan Ciernik einer der besten Stürmer der Liga, Pätzold ist Nationaltorhüter, es gebe mit Duellen gegen Hamburg und Wolfsburg auch genug interessante Spiele mit Derbycharakter. Hannover ist bei den Übertragungen nicht adäquat berücksichtigt worden und mich würde sehr interessieren, warum das so ist. Sicherlich sind alle restlichen Spiele im Februar und März relevant und spannend von den Ansetzungen im Kampf um die Playoff-Plätze. Aber da spielt eben auch Hannover mit.
2. Die Spiele bei ServusTV, also diejenigen, die ich für die halte, die halbwegs medialen Anklang und Reichweite finden, auch bei Zuschauern, die nicht so häufig DEL schauen, sind sehr ungleich verteilt. Hannover, München und Iserlohn haben die wenigsten Übertragungen, sind aber tabellarisch gesehen in der interessantesten Tabellenkonstellation. Köln und Berlin, die Teams mit den meisten Spielen bei laola1.tv und ServusTV, sind die meiste Zeit in der Saison aber in der sportlichen Lage, das nicht jedes Spiel das sportliche Überleben bedeutet. Rein gefühlt könnte also die Relevanz für das Tabellenbild insgesamt etwas stärker berücksichtigt werden als die die Beliebtheit und die Zuschauerquote.
3. Wie von der SportsmanGroup, die den TV-Vertrag mit der DEL abgeschlossen hatte, angekündigt, berücksichtigt ServusTV, am finanziellen Reichtum von RedBull hängend, den EHC Red Bull München nicht bei den TV-Übertragungen. Nur fünf Spiele insgesamt, genauso so viele wie die Düsseldorfer EG, die aber moantelang abgeschlagen im Tabellenkeller hing. Lediglich im Vergleich zu den der Hannover Scorpions findet eine Benachteiligung statt.
Wie gesagt: Die Unterschiede sind längst nicht so groß, wie ich dachte, und vielleicht nur durch meine Hannover Scorpions Brille gesehen. Aber trotzdem ist eine Tendenz ja erkennbar in den letzten zwei Jahren, die es zu diskutieren gilt und welche die DEL hinterfragen sollte bzw. nach möglichen Alternativen suchen sollte. Hier die Übersicht über alle TV-Übertragungen der letzten zwei Hauptrunden.

TV-Übertragungen Hauptrunde 2011/2012 und 2012/2013 gesamt
Eine der zentralen Herausforderungen für die Deutsche Eishockey Liga wird in den nächsten Jahren sein, neue Fans an die Sportart zu binden, mehr Menschen für Arenenbesuche zu mobilisieren und nicht nur die Fangruppen schon zu bedienen, die sich sowieso für die DEL interessieren und regelmäßig zu den Spielen gehen. Eine Möglichkeit, sich neue Fans zu erschließen, ist sicherlich über die TV-Übertragungen, gerade wenn die Spiele für alle jetzt frei verfügbar sind. Nur wie können neue Fans in bestimtmen Städten gewonnen werden, wenn die Teams fast nie oder zu selten im TV laufen? Wie sollen die Anhänger angefixt werden? Was bei den Statistiken auffällt: Es bekommen überproportional die Mannschaften TV-Präsenz, welche ehe schon einen hohen Zuschauerzuspruch haben, wie Berlin, Köln, Mannheim und Hamburg. Natürlich müssen diese Mannschaften eine umfangreiche Berücksichtigung finden, weil die Stimmung in den Arenen hervorragend ist und Werbung für den Sport gemacht wird. Mannheim gegen Berlin interessiert nun einmal mehr Menschen als Iserlohn gegen Hannover. Nur angesichts der großen finanziellen Probleme bei den kleineren Teams, kann doch vor allem über die TV-Präsenz etwas mehr Gleichheit bei der Spielberücksichtigung gefunden werden. Einige Teams sind medial bei Live-Spielen kaum wahrnehmbar. Ich weiß nicht, ob die Verteilung der Spiele der Liga auf Dauer nicht schaden wird. Die Mobilisierung neuer Fans brauche ich nicht mehr in Berlin, Köln oder Mannheim zu unternehmen, aber vielleicht in Iserlohn, Krefeld, Hannover und München.
Die Zukunft der DEL wird doch nur besser, wenn medial das Gesamtbild der Liga abgebildet wird. Um die mediale Präsenz der DEL ist es ja im Vergleich zu BBL und HBL nicht so gut geschehen, von daher ist noch Luft nach oben, alls Vereine besser bei den TV-Spielen zu berücksichtigen. Vielleicht wäre ein erster Schritt festzulegen, dass jedem Team mindestens sechs Live-Übertragungen pro Hauptrunde garantiert werden.
Wie gesagt, das soll keine Kritik an ServusTV und laola1.tv sein. Wie ja in den Übersichten erkennbar ist, sind die TV-Sender kein Erklärungsfaktor. Sky hat den Schwerpunkt ebenfalls auf die zuschauerstarken Teams gelegt. Da hatte ich mit deutlich größeren Unterschieden gerechnet.
ServusTV wollte in der Ära nach Sky ja vieles aanders und besser machen. Dann wäre das doch mal ein erster Schritt, etwas mehr Gleichheit und Annährung bei den TV-Übertragungen zu schaffen. Das als kleine Forderung und Fazit dieses Beitrages. Ansonsten ist es vielelicht ja mal ganz anschaulich für alle DEL-Fans zu sehen, wie oft ihr Team in den letzten zwei Spielzeiten in der Hauptrunde im TV zu sehen war.
***
Methodik: Die TV-Übertragungen für die Saison 2012/2013 sind auf der DEL-Website einzusehen und archiviert. Darauf konnte ich direkt zurückgreifen. Diese Daten fehlten mir für die Spielzeit 2011/2012, als Sky und Eurosport übertrugen. Mit Hilfe eines kleinen Programms habe ich die Inhalte der Facebookseite der DEL archiviert und mit den Schlagworten “TV”, “TV-Übertraungen” und “Sky” durchsucht. So bin ich sehr schnell auf die Links gekommen und konnte die Spiele übertragen. Bei kurzfristigen Spielansetzungen und Änderungen im Programm habe ich mich in entsprechenden Foren der DEL-Klubs informiert und die Infos mit den vielfältigen Screensport-Ausgaben von allesaussersport abgeglichen.
Werbesport der BBC: 6 Music – Where Extraordinay Music Plays
Dass ich die BBC verehre, sollte bekannt sein. Insbesondere die vielen Radiosender, die sich per Online-Stream in Deutschland wunderbar empfangen lassen. Und vor allem BBC Radio 6 Music. Jener kleiner Nischensender der BBC, der knapp 1,5 Millionen Hörer täglich hat und sich ganz bewusst vom Mainstream abgrenzt. Zahlreiche Musikdokumentationen, Live-Konzerte und ein riesengroßes Archiv sorgen dafür, dass ich diesen Sender und einige Sendungen (The Tom Robinson Show; Guy Garvey’s Finest Hour) immer wieder sehr gerne höre. Das meiste lässt sich als Podcast abonnieren. Vor allem das Programm am Abend und am Wochenende ist sehr zu empfehlen, wenn sehr viele verschiedene Musik-Genres gespielt werden. Da wird eben nicht auf Quote, sondern nur auf gutes Programm für die Hörer geschaut.
Anfang März wird BBC Radio 6 Music 11 Jahre alt. Am 11. März 2002 wurde erstmals gesendet. In seinen zehn letzten Jahren hat der Sender schon eine bewegende Geschichte vorzuweisen.
Ende 2011 sollte BBC Radio 6 Music zusammen mit dem Asian Network geschlossen werden und mit zahlreichen weiteren Einsparungen dem Druck der Politik nachgegeben werden, verkündete die BBC im März 2010. Knapp zwei Wochen nach der Verkündigung der Pläne durch den damaligen BBC-Chef Mark Thompson waren bereits knapp 8.000 Beschwerden bei der BBC eingegangen, die eine Fortführung von BBC Radio 6 Music forderten, darunter bekannte Moderatoren, aber auch Musikbands wie Coldplay, Lily Allen und andere. Die Zuschauerzahlen von BBC 6 Music schossen in die Höhe, Solidarität quer durch die britische Medienlandschaft. BBC 6 Music ist ein Nischenprogramm, von daher konnte man die BBC durchaus verstehen, dass sie bei den Sparvorgaben der Politik als erstes bei den weniger stark gefragten Radiostationen ansetzen würde. Aber es ist zwar Nische, aber eben auch großartiges Musikprogramm und hervorragender Musikjournalismus mit vielen Porträts und Dokumentationen, Interviews und Features. Unübertroffen ist die Berichterstattung von 6 Music von den großen britischen Musikfestivals im Sommer.
BBC Radio 6 Music wird seinen Geburtstag mit einigen Sondersendungen feiern. Den Auftakt gibt es am kommenden Freitag, wenn tagsüber 6 Music’s Greatest Hits gespielt werden. Die Hörer des Senders konnten die 100 beliebtesten Lieder aus den Jahren 2002 bis 2012 wählen, also die 100 besten Lieder, seit 6Music auf Sendung ist (Hashtag #6MusicGreatest).
Das Programm für Freitag, 01.02.2012
08:00-11:00 Shaun Keaveny (Plätze 100 bis 66)
11:00-14:00 Lauren Laverne (Plätze 65 bis 31)
17:00-20:00 Steve Lamacq (Plätze 30 bis 1)
Eishockey-Fans in Deutschland haben es nicht wirklich leicht. Dieser großartige Sport, den sie Woche für Woche verfolgen und nebenbei sicherlich noch ein wenig NHL – wenn die Liga denn spielt – wird in den deutschen Medien nur zimperlich beachtet. Es sei denn, die Liga oder irgendein Verein ist mal wieder in einer großen Krise, sportlich oder finanziell. Dann sind die Seiten im Sportressort schnell gefüllt. Schlechte Nachrichten verkaufen sich bekanntlich besser. Es ist auch völlig okay und die Pflicht der Sportjournalisten darüber zu berichten. Und es entsteht dann immer ein fader Beigeschmack, wenn die sportlichen Aspekte der Liga weniger Beachtung und Relevanz geschenkt bekommen. Dass da, wie ich an dieser Stelle schon häufiger ausgeführt habe, zu großen Teilen die Liga selbst dran schuld ist, steht auf einem anderen Blatt Papier.
Nun hat die Deutsche Eishockey Liga dank des Lockouts in der NHL wieder eine etwas größere Chance medial angemessen in Szene gerückt zu werden. Denn viele Profis aus der NHL halten sich während des unterbrochenen Spielbetriebs in Übersee bei Vereinen in der DEL fit und spielen natürlich auch auf dem Eis. Für die Liga kann das insgesamt nur positiv sein. Wenn da wahrscheinlich gestern Abend nicht das ZDF gewesen wäre.
23 Uhr ZDF-Sportstudio. Ich schaue das vielleicht nur noch drei bis vier Mal im Jahr, wenn wirklich Gäste da sind, die mich interessieren. Und wann hat man schon mal drei Stars aus der NHL im deutschen Fernsehen? Dennis Seidenberg, Marcel Goc und Christian Ehrhoff gaben sich trotz zwei Spielen am Wochenende die große Ehre. Ich hatte mich also sehr darauf gefreut, dass ein wenig über den Sport und die DEL im Besonderen gesprochen wird. Und ich wurde bitter enttäuscht.
Zuschauer, die nicht so sehr im Eishockey-Sport involviert sind, könnten jetzt mit folgendem Eindruck die Sendung verlassen haben: Eishockey-Spieler tragen lustige Uniformen, prügeln sich die meiste Zeit auf dem Eis und verdienen in der NHL einen Haufen Kohle, der – ich unterstelle das mal der ZDF-Sportredaktion – als zu hoch rüberkommen sollte.
Natürlich wurde gestern auch kurz über die DEL und den Lockout in der NHL gesprochen, vielleicht ein Viertel der Gesprächszeit. Damit tut das ZDF seine nötige Pflicht, mehr aber auch nicht. Stattdessen versuchte Moderator Sven Voss irgendwelche Belanglosigkeiten in Erfahrung zu bringen, die mit dem Sport nichts zu tun haben. Die Spieler musste ihre Ausrüstung anziehen und wurden dabei durch blöde Fragen wie “Macht das denn auch Spaß?” fast der Lächerlichkeit preisgegeben. Dann wurden krampfhaft versucht herauszufinden, wieviel Geld die Spieler in der NHL verdienen. Die “Dagobert Ducks” des Sports waren im Sportstudio. Das kann eigentlich nicht der Ernst einer Sportredaktion der ÖR sein. Spielbericht aus der DEL war übrigens 40 Sekunden lang. Und das tut mir in der Seele weh.
Es war eine große Chance, Eishockey als Sport den Menschen, die sich vielleicht nicht so sehr dafür interessieren und begeistern, näher zu bringen. Stattdessen wurde Eishockey-Uniform mit Frauenunterwäsche verglichen, wurde so getan, als würden die Spieler in der NHL einen Haufen Kohle für nichts verdienen (mal abgesehen davon, dass die Strukturen von DEL und NHL überhaupt nicht zu vergleichen sind) und sich zwei Drittel lang auf dem Feld nur prügeln.
Das macht mich als Eishockey-Fan einfach nur sehr traurig, denn dadurch, dass der Sport (un-)beabsichtigt lächerlich gemacht wird, kommt die DEL auch nicht wieder auf die Füße. Es wäre schön gewesen, wenn sich das ZDF wirklich auf den Sport, auf das, was auf dem Eis passiert, konzentriert hätte. Denn Eishockey ist ein so spannender, dynamischer, abwechselungsreicher, schneller Mannschaftssport, der einen ganz anderen Blickwinkel und Framing verdient, als ihn das ZDF gestern vorgenommen hat.
Das ZDF hat auf Twitter eher schmallippig auf die Kritik, die nicht nur von mir hervorgebracht wurde, reagiert. Man könne es verstehen, wenn zu wenig Stoff für die Insider präsentiert wurde. Tja, da hat das ZDF zumindest meine Kritik nicht verstanden. Mir ging es nicht um die Inhalte. Ich kann nicht verlangen, dass das ZDF davon ausgeht, dass nur Eishockey-Fans vor dem Bildschirmen sitzen. Was ich aber erwarten kann – und das sollte auch der Anspruch vom ZDF sein – dass ich einen Sport so darstelle und deute, wie ihn die vielen Eishockey-Fans Woche für Woche wahrnehmen. Und uns interessiert was auf dem Eis passiert. Und das war scheinbar nicht das Hauptanliegen des ZDF gestern Abend.
Und das macht mich sehr traurig. Denn das hat das deutsche Eishockey bei allen Problemen (die hätte man ja auch mal sachlich ansprechen können) nun wirklich nicht verdient. Zum Glück wissen es viele Fans in Deutschland sehr viel besser als das ZDF.
[Wer sich selbst ein Bild machen will von der Sendung, dann bitte hier entlang]
Neue Saison, neues Glück aus sportlicher Sicht. Und auch sehr viel Neues in Sachen TV-Vertrag für die Deutsche Eishockey Liga (DEL). Nach über einem Jahrzehnt im Pay-TV wollte die Liga den Weg ins Free-TV gehen und fand in ServusTV einen Fernsehpartner und bei laola1.tv einen Abnehmer für Übertragungen im Internet. Fortan wird ServusTV das Spiel der Woche immer am frühen Sonntagabend übertragen, laola1.tv ein Spiel am Freitagabend. Für die Liga mag der neue TV-Vertrag eine Verbesserung darstellen. Für mich als Fan sehe ich das noch nicht so. Nur noch ein Spiel pro Woche im TV. Eishockey per Stream überzeugt mich wirklich nicht. ServusTV bietet auf seiner Seite stets auch einen Livestream an. Der funktionierte bei mir einwandfrei. So werde ich wohl trotzdem nur noch gelegentlich und deutlich seltener die DEL verfolgen.
Zum Saisonauftakt am Freitag durfte ServusTV ausnahmsweise übertragen. Man entschied sich für das brisante Derby zwischen den Kölner Haien und den Krefeld Pinguinen. Grund genug für mich die Übertragung ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.
Die Sendung begann um 19:10 Uhr mit einem durchaus ansprechenden Opener, unterlegt von alten Sky-Kommentaren von Thomas Wagner und Marc Hindelang. Und auch sonst erinnerte einiges an vergangene Übertragungskonzepte. Aber auch nicht alles. ServusTV widmet dem Spiel 20 Minuten Vorberichte. Es meldeten sich Gerd Leinauer, vielen von den wenigen DEL-Übertragungen bei Eurosport bekannt. An seiner Seite war Experte Rick Goldmann, seinerzeit Co-Kommentator von Marc Hindelang bei der Eishockey-WM bei Sport1. Beide sahen in ihren Winterjacken ein wenig wie Michelin-Männchen aus. Das sind also Leute vom Fach und sehr gute Verpflichtungen von ServusTV. Entsprechend lässig absolvierten beide den Vorlauf, kamen kurz auf die Teams zu sprechen. Etwas überflüssig war ein Filmbeitrag über die Geschichte der Kölner Haie. Die Historie in den 80er und 90er Jahren ist doch überhaupt nicht relevant für das Spiel heute. Da hätte ich mir einen stärkeren Zuschnitt und Fokus auf die aktuelle Lage beim KEC gewünscht. Es wurden außerdem kurz die Cable Guys, also die Eishockeyspieler, die mit einem Mikrofon ausgestattet wurden, vorgestellt. Nach 10 Minuten Vorlauf ging es in einen knapp 3-minütigen Werbeblock. Anschließend meldeten sich Kommentator Sebastian Schwele, der als Co-Kommentator Tobias Abstreiter, ehemaliger Eishockeyprofi unter anderem bei den Kölner Haien, aber auch in München und Straubing, an seiner Seite begrüßte. Die Zeit bis zum Bully wurde mir wieder ein wenig verschenkt. Diese ganze Historie der Haie fand ich uninteressant – trotz des Vereinsjubiläums. Stattdessen hätte ich mir einen längeren Blick auf die Mannschaften und die Starting Six gewünscht. Auf welche Spieler gilt es zu achten? Wo sind die Stärken der Teams? Das hat mir ebenso gefehlt wie Interviews vor dem Spiel. Ich hoffe, das war keine Absicht, die Trainer vor dem Spiel zu ignorieren. Viele gute Ansätze in den Vorberichten, aber auch noch sehr viel Luft nach oben. Einen Tick mehr Dynamik und stärkerer Fokus auf Mannschaft wie Trainer wären angemessen. Alles Aspekte, die sich schnell umsetzen lassen und auch keine Revolution wären. Vielleicht wollte ServusTV sich ein wenig von Sky absetzen. Nur gerade bei den Interviews vor dem Spiel lohnt sich der Kurswechsel nicht.
Schwele und Abstreiter haben die Partie sehr ordentlich begleitet (ServusTV, zeigt ruhig eure Kommentatoren. Gebt euren Sendungen ein Gesicht!). Dass das noch nicht hundertprozentig harmoniert, ist klar. Abstreiter musste zu Beginn zu eigenen Kommentaren immer wieder ermutigt werden. Das war inhaltlich jetzt auch nicht die größte Glanzleistung als Experte, wenn er wenig beisteuert, was der Zuschauer nicht sieht. Die Latte bei der Kommentierung der DEL ist durch Sky dank der perfekten Experten auch sehr hoch gelegt worden. Ich hätte mir mehr Einschätzungen von Abstreiter gewünscht, mehr Schauen über den Tellerrand. Aber Abstreiter hat hin und wieder sein Potential aufblitzen lassen. Und Sebastian Schwele ist fachlich wie stimmlich sowieso einer der besten Kommentatoren für Eishockey, hat jede Menge Erfahrung und Expertise, weiß war, wann er etwas lauter werden muss und Emotionen zu zeigen hat. Aber er weiß auch, wann er mal ruhig sein muss. Das tut ServusTV sicherlich gut. Während der Drittel gab es einen Werbespot (Eigenwerbung für die Spieltagszusammenfassung! – da wurde wohl kein Werbepartner gefunden), das sogenannte Power-Break, das ServusTV meist einsetzte, als eine Zeitstrafe verhängt wurde oder sonstige Unterbrechungen gab. Großartig war, dass direkt danach Interviews mit den Spielern auf der Bank geführt wurden. Die Spieler gaben meist eine kurze Einschätzung zum Spielverlauf ab. Eine Neuerung, die sicherlich den Sport und die Spieler ein wenig näher bringen kann. Die Cable Guys haben mich noch nicht so überzeugt. John Tripp war nicht wirklich gut zu verstehen, aber vielleicht lag es auch daran, dass es genuscheltes Englisch war. Bei Torerfolgen und strittigen Szenen sind die Cable Guys aber ein echter Mehrwert.
Mit einem Werbeblock, meist so zwei bis drei Minuten lang (unter anderem für das Fernsehprogramm von Sky), geht es jeweils in die Drittelpause und wieder zum Spiel. Der Werbeanteil ist also deutlich höher als bei Sky. Das ist eben der kleine Nachteil am Free-TV. Die Drittelpause hat sich nicht wenig von den früheren Übertragungen bei Sky unterschieden. Die wichtigsten Szenen werden analysiert, es gibt Studiogäste und Interviews (in der zweiten Drittelpause ein schönes Porträt von Uwe Krupp). Alles wenig überraschend in Ablauf und Organisation. Aber warum das gute Rad auch völlig neu erfinden, zumal sich Rick Goldmann als exzellenter Kenner und Analytiker erwies. Bitte mehr davon. Aber das war bei Sky auch immer richtig gut. Ein neues Element ist der Blick in die Kabinen. So konnte beispielsweise Uwe Krupp bei der Analyse zugesehen werden. Der Mehrwert war aber eher gering. Die grafische Aufbereitung wirkt etwas dynamischer und farbiger als bei Sky, aber mir gefällt sie. Aktuelle Zwischenstände der anderen Spiele werden immer wieder kurz eingeblendet, ebenso – und das ist neu – einige statistische Werte, wie gewonnene Bullys. Was ich noch vermisst habe, sind die Zwischenergebnisse aus den anderen Stadien. Da wurde in den Drittelpausen nicht drauf geblickt.
Köln gewann nach Penaltyschießen mit 3:2. Das war durchaus ein ansehnliches Spiel für den Auftakt in die neue Spielzeit. Nach einem kurzen prägnanten Fazit von Schwele und Abstreiter ging es für die Nachberichterstattung direkt zu einem Spielerinterview auf dem Eis, anschließend direkt ins Studio zu einem längeren Interview mit Uwe Krupp. Alles sehr rund, die richtigen Fragen an Krupp. Ich wiederhole mich: Rick Goldmann macht das exzellent. Zum Schluss wurde noch der Man of the Day gekürt, inklusive Übergabe einer kleinen Medaille. Gut, muss nicht unbedingt sein, aber wenn das mit einem Spielerinterview verbunden wird, ist es okay. Dann gab es auch endlich mal einen Blick auf die Endergebnisse und eine kurze Vorschau auf das Spiel am Sonntag.
Als Fazit wenn man so will: Wenig Neues, ein paar Stellschrauben. Und das ist ein Kompliment für ServusTV. In einigen Punkten gibt es sicherlich noch minimalen Verbesserungsbedarf, insbesondere bei den Vorberichten, hin und wieder in der Abstimmung zwischen den Kommentatoren und bei der Einbindung von Social Media. Letzteres war praktisch nicht existent. Da kann man noch viel herausholen. Aber trotzdem war das für den Beginn sehr sehr vielversprechend und fachlich auf sehr hohem Niveau. Würde man so ein Übertragungskonzept doch bloß zweimal die Woche im TV sehen können.
Sehr hörenswerte 25-minütige Dokumentation über 20 Jahre Premier League vom BBC-Worldservice.
Hier nachzuhören.
Im aktuellen Economist ein sehr langer und detaillierter Artikel über die wirtschaftliche Bedeutung der Olympischen Spiele, nicht nur für das Austragungsland, sondern auch für die Sponsoren und das IOC.
Eleven global sponsors (known as top Olympic partners, or TOPs) pay fat sums to the IOC for the right to use the Olympic brand. Only one TOP sponsor is allowed in each commercial category: Coca-Cola for soft drinks, Panasonic for televisions and so on. This business model dates back to the 1980s. Before then, the Olympics were a commercial mess, with lots of sponsors paying small sums to borrow the Olympic brand in a few cherry-picked markets. Now, the IOC sells much bigger contracts to fewer sponsors. Top-tier deals are long-term (at least eight years) and global. The size of each deal is secret, but the total for all 11 for 2009-12 is $957m.
The Economist: Business and the Olympics. Victors and spoils
Außerdem sendet der Deutschlandfunk ab kommenden Montag bis Freitag eine fünfteilige Serie zum Wirtschaftsfaktor Olympia, immer ab 17:05 Uhr. Die Themen:
Montag: Olympia 2012 und die Auswirkungen auf den Mittelstand
Dienstag: Die Übertragungsrechte der Olympischen Spiele
Mittwoch: Kostenfaktor Sicherheit bei Olympischen Spielen
Donnerstag: Der Bauboom
Freitag: Die Sponsoren der Olympischen Spiele
Mehr Informationen auf der Website des Deutschlandfunks.
Wie die Zeit vergeht. Die allererste Folge dieser Serie habe ich 2003 bei meiner Gastfamilie in den USA geschaut. Ich kann mich noch ziemlich genau dran erinnern, als mein Gastbruder nach dem Abendessen – ich hatte eigentlich noch Hausaufgaben zu erledigen – mich vor den Fernseher zerrte, um diese neue Serie zu schauen. Über 13 Millionen Zuschauer in den USA haben damals bei CBS eingeschaltet. Damals konnte noch keiner abschätzen, dass NCIS zu einer der erfolgreichsten Serien der USA werden würde. In der derzeit ausgestrahlten neunten Staffel schalten wöchentlich fast 21 Millionen Zuschauer ein. Damit ist NCIS die meistgeschaute Sendung in den USA. 2005 kam Navy CIS dann auch nach Deutschland – viel zu spät eigentlich. Denn nach meiner Rückkehr hatte ich von dieser Serie geschwärmt. Die Serie zeichnet sich jetzt nicht unbedingt durch die spannendste Handlung aus. Das natürlich auch, vielmehr ist es aber die kleinen Geschichten zwischen den Rollenfigueren, ihre eigene persönliche Geschichte, die die Serie so sehenswert machen.
Morgen am Sonntag um 20:15 Uhr strahlt Sat.1 die 200. Episode von Navy CIS aus, die Anfang Februar in den USA lief. Danach gibt es erstmal nur Wiederholungen, bevor es im September mit den restlichen Episoden der neunten Staffel weitergeht. Es ist ein Rückblick auf die ersten neun Staffeln mit Special Agent Jethro Gibbs, gespielt vom sympathischen Mark Harmon, im Mittelpunkt. Auf sein Leben wird zurückgeblickt. Viele ehemalige Schauspieler der Serie treten nochmal auf. Und es soll um mehrere wichtige Ereignisse gehen, die sich mit anderen Entscheidungen anders entwickelt hätten. Es ist also ein Rück- und gleichzeitig ein Ausblick, wie es in der neunten Staffel weitergehen könnte.
NCIS 9×14 – Life Before His Eyes. Sonntag 20:15, Sat.1
Ich habe mich in den letzten Monaten häufiger gefragt, warum die ARD, das Erste Deutsche Fernsehen, sich in einigen Pressemitteilungen immer so wahnsinnig abfeiert. Zum Beispiel, wenn man die Rechte für die WM 2014 oder die EM 2016 erwoben hatte. Oder jüngst in dieser Woche für die Free TV-Ausstrahlung der Bundesliga in der Sportschau. Da loben sich die Intendanten der ARD immer über beide Ohren. Das geht dann etwa so: Auszeichnung für den brillianten Sportjournalismus der ARD, vielleicht auch der öffentlich-rechtlichen Sender. Basis für langjähriges Vertrauen zwischen der ARD und den Rechtepartnern, das die ARD ja nie enttäuscht hat. Was in den Pressemitteilungen aber nie zu lesen ist: Wieviel Geld die ARD eigentlich für solch teuren Sportrechte hinblättert und – vor allem viel wichtiger – dass so ein Rechteerwerb aus Sicht der ARD gar kein Glanzstück sein darf. Dafür spielen die rechtlichen Voraussetzungen im Mediensystem der BRD der ARD viel zu sehr in die Karten. Fast alle wichtigen Spiele der EM und WM müssen in Deutschland im Free TV zu sehen sein, sogar völlig unwichtige Spieler der deutschen Nationalmannschaft. In England sind Quali-Spiele der Three Lions außerhalb von England übrigens mittlerweile ins Pay-TV abgewandert. Es ist also in Deutschland für andere Sender, wie Sat.1 oder die RTL-Gruppe ebenso wie für Sky, überhaupt nicht attraktiv, sich solche Sportrechte einzukaufen. Sie sind schlicht nicht zu finanzieren. Dieses Problem haben ARD und ZDF nicht. Und dass die Sportschau jetzt in der ARD bleibt, finde ich ungefähr so überraschend wie dass Lothar Matthäus keinen Trainerjob findet. Warum also der ganze Trubel, diese völlig deplatzierte Begeisterung bei der ARD, wenn sich mal wieder ein wertvolles TV-Sportrecht für die ARD entschieden hat?
Ich glaube mittlerweile den Grund gefunden zu haben. Ich könnte natürlich auch eine E-Mail an den WRD, NDR oder SWR schicken, aber Frau Piel hat ja sicherlich genug zu tun. Und das scheint irgendwie auch genau der Grund zu sein. In der ARD läuft mittlerweile so viel schief, sind so viele Fehlplanungen gemacht worden, wird auf Teufel komm raus nach einer Identität geschaut und versucht, jüngere Fernsehzuschauer an sich zu binden (eine Entwicklung, die die ARD eigentlich aufgeben kann, nachdem das ZDF da mit zdf.Kultur und zdf.Neo hervorragende Arbeit macht – ganz im Gegensatz zu der furchtbaren Senderprogrammierung der ARD-Digitalkanäle), sodass es ja fast schon völlig verständlich ist, dass solche Lapalien wie Rechteerwerbe in blumigen Pressemitteilungen und Meldungen in der Tagesschau und den Tagesthemen abgefeiert werden.
Die ARD als öffentlich-rechtlicher Sender ist quasi das Filetstück für die Meinungs- und Willensbildung der Bevölkerung in Deutschland. Es gibt einen öffentlich-rechtlichen Auftrag, so etwas wie eine Art Grundversorgung, die die ARD wahrnehmen muss. Sie soll durch ihr Programm für Integrität sorgen, sozial, wie kulturell, wirtschaftlich und vor allem politisch. Sie soll Minderheiten zu Wort kommen lassen, ihnen eine Plattform geben. Die ARD muss alle Bevölkerungsgruppen- wie Schichten versorgen. Zuwanderer, Rentner, Arbeitnehmer, Schüler und Studenten. Und mal ganz ehrlich. Welchen Grund gibt es für Schüler und Studenten noch regelmäßig die ARD einzuschalten? Es sei denn, es läuft die Tagesschau oder Tatort. Das ist ziemlich wenig. Oder es gibt eben Fußball. Für den eigentlichen Auftrag der ARD fast schon überlebenswichtig. Und das ist mehr als nur paradox, fast schon schade, wenn die ARD nur noch über den rollenden Ball eine jüngeres Publikum anspechen kann.
Alle anderen Versuche sind gescheitert – und überhaupt vermisst man bei der ARD einen Kompass, sowas wie ein Konzept in der Programmgestaltung. Da freut sich die gesamte ARD erst über fünf Talkshows die Woche und bereits vor dem Start gab es von allen Bedenken, dass die wichtigen Themen und Gäste schnell ausgehen und sich stattdessen die immer gleichen Köpfe über belangloses Zeug und Themen unterhalten. So gelingt keine gesellschaftliche Integration. Dann holt die ARD Thomas Gottschalk und schmeißt ihn nach ein paar Monaten wieder raus. GEZ wurde richtig sinnvoll investiert. Mal überlegt, liebe ARD, dass euer Vorabendprogramm seit Jahren nahezu regungslos vor sich hin lebt – und dass überhaupt die Zeit zwischen 19:00 und 20:00 Uhr nicht unbedingt die attraktivste fürs Fernsehen ist. Da muss man dann eben schon mal ein bisschen mehr bieten als ein wenig Talk (gibt es ja noch gar nicht viel von in der ARD), Wetter und Börse.
Ich finde die Entwicklung, die die ARD genommen hat, sehr bedenklich. Sie muss alle Medienpolitiker eigentlich vor den Kopf stoßen. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat viele Privilegien in Deutschland – aber eben auch viele Aufgaben, die er wahrnehmen muss. Er hat sich nicht an Quoten zu orientieren, sondern an seinem Auftrag. Bei der Außendarstellung der ARD oder dem Lesen der Pressemitteilungen bekommt man in den letzten Wochen und Monaten immer den Eindruck, dass die ARD die Vorteile gerne mitnimmt, sich sonst um den Rest aber wenig kümmert.
Mittlerweile beschränkt sich mein Konsum von ARD und ZDF auf 15 Minuten Tagesschau pro Tag und Neues aus der Anstalt beim ZDF, gelegentlich zdf.Kultur. Und da liege ich wohl noch deutlich über dem Durchschnitt meiner Altersgruppe. Da hat die ARD nun eine wirklich beeindruckende und tolle Dokumentation über 60 Jahre BILD-Zeitung produziert. Für mich eins der Highlights des öffentlich-rechtlichen Journalismus in den letzten Jahren. Das war spannend, toll und hervorragend recherchiert. Und wann läuft das ganze: montags um 22:45 Uhr. Wo ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung langsam ins Bett geht. Sehr viel mehr kann man seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag mit Füßen nicht treten. Die BBC sendet montags ihre Dokumentation bzw. das investigative Reportageformat Panorama immer um 20:30 Uhr. DAS würde ich mir von der ARD auch mal wünschen. Es sind nur kleine Dinge, die mein Ansehen der ARD durchaus wieder nach vorne bringen würden.
Bei der ARD versucht man seit Jahren zwanghaft den großen Wurf, sei es mit Gottschalk oder den Talkshows. Das einzig positive dieser Entwicklung. Die ARD ist damit jedes Mal gehörig gegen die Wand gefahren.
Gestern Abend bei BBC World News America einen längeren Bericht vom BBC-Korrespondenten Ian Pannell aus Syrien gesehen. Das hat mich völlig fassungslos und bestürzt zurückgelassen. Teile des Berichts sind auch auf der BBC-Website. Pannell war unterwegs mit der syrischen Oppositionsbewegung und gibt seltene Einblicke in die Ansichten der Oppositionellen und zeigt auch, welches Schlachtfeld die Bomben des Assad-Regimes hinterlassen.
“I want freedom in all its concepts, whatever this word means I want it”, sagte ein Mitglied der Oppositionsbewegung. Hier Ausschnitte auf der BBC Newssite.