Beitrags-Archiv für die Kategory 'TV und Radio'

Aber was macht Cantona da?

Freitag, 16. Juli 2010 16:13

So funktioniert eine ordentliche Einbettung von Online-Aktivitäten in das Gesamtprofil eines Senders. Das britische Sky Sports hat seine Kampagne für die HD-Sender und den Start von Sky Sports News HD, der künftig nur noch verschlüsselt empfangen werden kann, gestartet. Und den Spot zuerst den Fans auf der Facebook-Page gezeigt, bevor das ganze dann auch in das Abendprogramm im TV gelangen konnte.

Netter Werbespot, der die besonderen Moment im Sport zeigt. Und wohl deshalb hat man auch Eric Cantona genommen, der durch den Werbespot führt. Anything can happen in sport, auch Fußtritte, die man sonst einfach nicht für möglich gehalten hat.

Den Spot gibt es hier zum Anschauen.

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Zitat des Tages: Montag, 05. Juli 2010 – BBC Radio 6 Music

Montag, 5. Juli 2010 19:05

“The Trust concludes that, as things stand, the case has not been made for the closure of 6 Music. The Executive should draw up an overarching strategy for digital radio. If the Director General wanted to propose a different shape for the BBC’s music radio stations as part of a new strategy, the Trust would consider it. The Trust would consider a formal proposal for the closure of the Asian Network, although this must include a proposition for meeting the needs of the station’s audience in different ways.”

Pressemitteilung der BBC zur zukünftigen Ausrichtung der BBC im bei TV, Radion und im Online-Bereich.

Ende 2011 sollte die Radiostadion BBC Radio 6 Music zusammen mit dem Asian Network geschlossen werden und mit zahlreichen weiteren Einsparungen dem Druck der Politik nachgegeben werden, verkündete die BBC im März diesen Jahres. Knapp zwei Wochen nach der Verkündigung der Pläne durch BBC-Chef Mark Thompson waren bereits knapp 8.000 Beschwerden bei der BBC eingegangen, die eine Fortführung von BBC Radio 6 Music forderten, darunter bekannte Moderatoren, aber auch Musikbands wie Coldplay, Lily Allen und andere. Die Zuschauerzahlen von BBC 6 Music schossen in die Höhe, Solidarität allerorten. BBC 6 Music ist ein Nischenprogramm, von daher konnte man die BBC durchaus verstehen, dass sie bei den Sparvorgaben der Politik als erstes bei der Radionstation 6 Music angesetzt hat. Aber es ist zwar Nische, aber eben auch großartiges Musikprogramm und hervorragender Musikjournalismus mit vielen Porträts und Dokumentationen, Interviews und Features. Unübertroffen ist die Berichterstattung von 6 Music von den großen britischen Musikfestivals im Sommer. Letzte Woche zu sehen beim Glastonbury Festival, als man drei Tage nichts anderes machte als von der Farm von Michael Eavis zu berichten und alle wichtigen Konzerte live ausstrahlte. Von daher ist es zu begrüßen, dass die BBC sich ihre Entscheidung aus dem März nochmal überlegt hat – was in der Konsequenz aber auch heißt, dass an anderer Stelle gekürzt werden muss. Denn am Sparen kommt die BBC nicht vorbei.

Heute dann also die Entscheidung, dass BBC 6 Music nicht geschlossen wird. Via Twitter offenbarten die Moderatoren ihre Glücksgefühle. Immerhin wären mehrere tausend Mitarbeiter von einer Schließung  betroffen gewesen. Coldplay lobten auf ihrer Internetseite die Entscheidung der BBC 6 Music nicht zu schließen.

Weitere Informationen:

- Meldung der BBC mit Statement von Sir Michael Lyons, BBC Trust Chairman.
- Nachricht des Guardian mit weiteren Einschätzungen und Reaktionen.
- Guardian: The saving of 6 Music a victory for the digital campaign?
- The Independent: 6 Music saved – against the odds.

Thema: TV und Radio, Zitat des Tages | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Hörtipp: Neue Medien statt Sportstudio

Sonntag, 4. Juli 2010 13:32

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Gestern Mittag fand eine interessante und sehr entspannte Diskussion beim ZEIT online Talk auf dradio Wissen statt zum Thema, wie Blogs und Social Media die Fußballberichterstattung verändern. Zu Gast unter anderem Jens Weinreich, direkt aus dem Winter in Südafrika, Oliver Fritsch von den Hartplatzhelden und Redakteur bei ZEIT online sowie Kai Lorentz/probek, Gründer des Sportbloggernetzwerkes, dem ich auch angehöre.

Reinhören lohnt sich auf alle Fälle. Weitere Infos zu den Gästen, dem Thema und Möglichkeiten des Nachhörens gibt es hier.

Thema: Fußball, TV und Radio | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Sky News at it’s best

Montag, 10. Mai 2010 20:13

Hatte mal wieder eine großartige TV-Begleitung heute beim Abendessen. Die frühen Abendnachrichten bei Sky News. In den Hauptrollen Labour Berater Alastair Campbell und Sky News Political Editor Adam Boulton. Lustig wird es spätestens ab Minute 4. Großartig. Wie gerne hätte ich einen solchen Sender in Deutschland. Und auch wenn es nicht immer den höchsten journalistischen Standards entsprechen mag, ist es stets unterhaltsam. Und man erfährt immer noch mehr Nachrichten, als wenn Panzerdokus oder Brückenvorstellungen gezeigt werden.

Direktlink zum Video

Weitere Hintergründe auch beim Guardian.

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TV-Kritik: Erst fragen, dann wählen mit Hannelore Kraft

Freitag, 16. April 2010 22:37

Freitagabend, kurz nach 18:00 Uhr. Im ZDF-Infokanal und parallel auf zdf.de startet ein kurzes, gut gemachtes Intro mit flotter Musik und die Kamera schwenkt in ein viel zu großes Studio, wo ein paar Sitzecken, ein paar PC-Pools und ein großer Moderationstisch aufgebaut sind. Die Moderatoren Dunja Hayali und Steffen Seibert begrüßen die Zuschauer am Fernseher und von den Computern im “aufgepimpten” Studio des ZDF. Da sind wir also bei der Jugendsprache des ZDF. Faszinierend, wie schnell sich das ZDF wandeln kann und sich seiner neuen, ansonsten eher unbekannten Zielgruppe anpassen kann. Vermeintlich. Bis auf diesen kleinen Aussetzter werden es spannende und interessante 90 Minuten.

Das ZDF hatte also mal wieder eingeladen, Erst- und Jungwähler für Politik zu begeistern und zu erwärmen, konkret im Vorfeld der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai. Die wie ich finde sehr gelungene Premiere im Rahmen der Bundestagswahl, wo sich die Spitzenkandidaten der Parteien den Fragen der jungen Wählerschaft gestellt haben, wurde auch für die Landtagswahl an Rhein und Ruhr wieder ins Leben gerufen. Die ganze Veranstaltung heißt ZDF log in und läuft unter dem Slogan: Erst Fragen, dann wählen. In Kooperation mit den VZ-Netzwerken bietet das ZDF Sendezeit, Örtlichkeit und die Chance Fragen zu stellen an die Spitzenkandidaten für die NRW-Wahl. Das ganze wird medial begleitet über diverse Twitter-Accounts und einem Chat, der parallel zur Sendung läuft. Man kann per Videobotschaft Fragen stellen oder einfach auch nur schnell per Twitter die ein oder andere Nachfrage äußern. Bei studi VZ hat die Sendung immerhin knapp 700 Fans. Kein herausragender Wert, aber es ist ja auch mal schön, wenn sich das ZDF nicht immer nur nach Quote und Beliebtheit orientiert.

Alle großen Parteien aus Nordrhein-Westfalen haben ihr Kommen zugesagt, nur der Herr Ministerpräsident ist sich zu schade, mit jungen Menschen zu kommunizieren. Scheinbar. Und schickt stattdessen seinen wesentlich dynamischeren Generalsekretär. Da kann das ZDF nichts für, peinlich ist das nur aus Sicht der CDU. Ist so ein Projekt erfolgreich? Wobei muss man diese Frage als Qualitätskriterium überhaupt stellen? Zur Bundestagswahl noch als Experiment angedacht, scheint sich diese TV-Runde als fester Baustein zu etablieren. Das ZDF sprach selbst von mehreren tausend Fragen, die eingesendet wurden. Wie gesagt, mir haben die Runden im Rahmen der Bundestagswahl gut gefallen. Ob das ZDF alles tut, so eine Runde bekannter zu machen, steht auf einem anderen Blatt Papier. Wieviele Jung- und Erstwähler mögen wohl den ZDF-Infokanal empfangen. Da ist die Übertragung im Netz verständlich, nur sind die Themen, die dort diskutiert werden, vielleicht stark gemünzt auf die junge Wählerschaft, doch letzlich gehen sie alle an und sollten deshalb auch von einem viel größeren Publikum beachtet werden. Insgesamt ein gutes Format, eine gute Idee, das man aber an der ein oder anderen Stelle noch modifizieren und verbessern kann. Herr Frey formuliert das so: Fernsehen und online werden verknüpft. In dem kurzen Einspielfilm sagt er das so, als wäre es eine kleine Revolution.

Zu Gast in der heutigen Auftaktsendung war Hannlore Kraft, die Spitzenkandidatin der SPD und Herausforderin von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Hannelore Kraft kommt über die kleine Wendeltreppe in das Studio und setzt sich zusammen mit den beiden Moderatoren an den zentral positionierten Tisch. Nach etlichen Minuten Smalltalk (“Haben Sie trotz Asche gut hierher gefunden? Sag mal, Steffen, bekomme ich auch was zu trinken?”). Es folgt ein Porträt von Hannlore Kraft. Sie mag Gesellschaftsspiele (“Mensch, ärgere dich nicht.”). Und in 30 Sekunden hat man dann offensichtlich alles über die Person Hannlore Kraft erfahren. Bilder in hektischer Reihenfolge abgespielt sprechen Worte, beim ZDF ersetzen sie diese. Erstes Thema ist Bildung, bei der Länderzuständigkeit keine Überraschung. Steffen Seibert mit der ganz forschen Frage an Hannelore Kraft, sie möge doch bitte mal die grundsätzlichen Veränderungen in der Bildungspolitik bei Regierungswechsel skizzieren. So einfach ist Politik dann auch nicht. Und dann ging die restliche Sendung im vorhersagbaren Schema vom Band. Fragen wurden gestellt, Frau Kraft beantwortete sie, es wurden Gäste aus NRW gehört, in eine Kneipe nach Düsseldorf geschaltet, bei den “Onlinern” (diejenigen jungen Menschen, die vor den PC-Bildschirmen saßen) wurde beobachtet, wie die Resonanz im Netz sich darstellt. Es war durchaus unterhaltsam, nie wirklich langweilig, auch und vor allem weil Hannelore Kraft trotz Wahlkampfstress sich sehr munter und frisch präsentierte, sympathisch rüberkam, selbstbewusst auftrat und bemüht war, einfach und verständlich zu antworten. Ob sie damit dann neue Wähler gewinnen konnte und unentschiedene Wähler überzeugen konnte, wird sich erst am 9. Mai zeigen. Alle wichtigen landespolitischen Themen – Bildung, Energie, Wirtschaft, Arbeit, Integration – wurden abgedeckt, wenngleich eine klare thematische Linie manchmal fehlte und es zu Überschneidungen kam. Da hätte man besser trennen können. Bemerkenswert fand ich auch, dass das eher sperrige Thema Kommunalfinanzen seinen Platz bekam. Hayali und Seibert führten souverän durch die Sendung und stellten – wenn nötig – kluge und gute Nachfragen. Ist man gar nicht gewohnt.

Was mir nicht so gut gefiel, war die optische Umsetzung. Ich brauche für einen einfachen, verständlichen Frageaspekt doch keinen kleinen Einspieler, indem dann visuell gezeigt wird, was es bedeutet, wenn Lehrerstellen gestrichen werden. Gleichzeitig bringt es wenig, wenn Frau Kraft eine ausfühliche Antwort gibt und am unteren Bildrand dann irgendwelche Chat-Meldungen und Diskussionen in einem Laufband erscheinen. Konzentriert zuhören und lesen konnte ich da nicht. Und auch hier wieder mein kleiner Appell: Qualität statt Quantität. Es hätte doch völlig gereicht, wenn man zwischendurch einfach mal häufiger in den Chat geschaut hätte. Dann braucht man auch nicht diesen Laufband-Quatsch.

Die große Stärke dieser Sendung lebt eben auch vom Input der Zuschauer und der Bereitschaft des ZDF diese dann auch einzubinden. Bestes Beispiel die Diskussion über die Abschaffung der Studiengebühren. Es kam via Video die Frage nach der alternativen Finanzierung der Hochschulen auf, wenn die Studiengebühren schrittweise bis Mitte zur nächsten Legislaturperiode abgeschafft würden. In welchen Schritten das passieren soll, ist wohl auch der SPD noch völlig unklar. Frau Kraft sagte dann nur, dass man es “aus Mitteln des Haushalts” ausgleichen müsse. Was so konkret ist wie die Meldung, dass in 2011 Schnee fallen wird. Also hatte ich via Twitter nachgefragt mit der Bitte um Konkretisierung. Glücklicherweise wurde mein Tweet dann vorgelesen und Frau Kraft hatte die Gelegenheit dort noch einmal genauer drauf einzugehen. Hat sie dann auch gemacht, so richtig zufriedenstellend war das aber nicht. Wenn ich jetzt böse wäre, würde ich sagen, die SPD und Frau Kraft wüssten überhaupt nicht, wie sie die Abschaffung der Studiengebühren finanzieren sollen. Aber Hauptsache man zieht mit dem Kassenschlager durch den Wahlkampf. Dann gab es dann den Aspekt von überflüssigen Ausgaben der CDU/FDP-Regierung. Also die Formel: Statt verlängerter Landebahn für den Flughafen Münster-Osnabrück eben Umschichtung im Haushalt und Geld für die Hochschulen. Wenn Politik so einfach wäre. Dann wurden noch irgendwelche Fonds und Banken ins Spiel gebracht. Alles nicht so befriedigend aus meiner Sicht. Aber das hat sich eben dann noch an einigen anderen Themenfeldern gezeigt. Und dementsprechend oft musste Frau Kraft nochmal ihre Position deutlich machen. So sollte das sein – und das trug maßgeblich zur hohen Qualität der Sendung bei.

Nach knapp 90 Minuten war die Sendung beendet. Frau Kraft ging gut gelaunt aus dem Studio (“Hat Spaß gemacht, Tschüss zusammen”). Insgesamt ein sehr ordentlicher Auftritt. Nur zu möglichen Koalitionsoptionen hat sie wenig Konkretes gesagt (“Wir fusionieren nicht, wir koalieren.”). Und Frau Hayali hat der SPD-Spitzenkandidatin “noch viel Kraft für den Wahlkampf” gewünscht (sic!). Sonntag geht es dann weiter. Ab 19:35 ist dann CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid zu Gast, gefolgt von den Spitzenkandidaten von FDP, Grüne und Linke. Herr Seibert, es wäre schön, wenn Frau Hayali dann schon im Wasser im Glas hätte. In diesem Sinne: Bitte weiter einschenken bei den nächsten Wahlen!

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Zitat des Tages: Donnerstag, 25. Februar 2010 – APPsolut überflüssig

Donnerstag, 25. Februar 2010 17:51

Ich verstehe bis heute die Aufregung um die Tagesschau-App nicht. Die BBC hatte vor ein paar Tagen angekündigt, dass es im Frühjahr zwei Applikationen für News und Sport geben sollte. Begeisterung überall, vor allem bei den Nutzern. Kaum Kritik. Anders in Deutschland, wo die App-Sau schon seit Wochen durchs Land gejagt wird. Nächste Etappe: Ein Brief von Silvana-Koch Mehrin (das ist die Person, die sonst meist durch Abwesenheit glänzt, falls sich niemand mehr an den Namen erinnert) an die EU-Kommission:

“[Die] ARD kann einen solchen Dienst offensichtlich nur deswegen kostenlos bereitstellen, weil sie durch obligatorische Rundfunkgebühren finanziert wird. Dagegen müssten private Anbieter ein solches Angebot kostenpflichtig machen.Die ARD [nutze] ihr staatlich garantiertes Recht auf ein hohes Gebührenaufkommen aus, um sich gegenüber privaten Konkurrenten einen nicht gerechtfertigten Vorteil zu verschaffen.”

Das dürfte alle privaten Medienanbieter und Zeitungen freuen. Endlich mal wieder, der sich auf ihre Seite schlägt. Und untereinander tun sich die WAZ-Mediengruppe und Grunner+Jahr auch zusammen: Der Kampf gegen die Tagesschau-App, die dafür sorgt, dass Qualitätsjournalismus im Netz gratis sei. Und das könne ja nicht die Zukunft sein!

Blöd nur – finde ich – dass man von den privaten Medienanbietern nicht einen qualitativen Beitrag in dieser Debatte bekommt. Eine Entwicklung verhindern – statt selbst ein vernünftiges, qualitativ hochwertiges Angebot zu machen. Selten war ich so auf Seite der ÖR-Befürworter. Komme mir schon ganz komisch vor.

[via Sat+Kabel]

Thema: TV und Radio, Zitat des Tages | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Olympia-Berichterstattung: Manchmal ist weniger eben mehr

Donnerstag, 18. Februar 2010 11:40

Man stelle sich mal folgende Szene vor. Die Tagesthemen sind vorbei, es kommt das Wetter im Ersten, Jörg Kachelmann meldet sich für das Wetter natürlich live aus Vancouver und beginnt seinen Monolog:

“Guten Abend meine Damen und Herren, herzlich willkommen live hier zum Wetter im Ersten. Bevor wir gleich ganz kurz auf das Wetter in Deutschland schauen – darf Ihnen sagen, dass sich da nicht so viel tun wird, ist alles eine eher zähe Angelegenheit – schauen wir natürlich auf das Wetter hier. Und das bleibt spannend, hier ist richtig was los. Schauen Sie auf unseren Tagesthemen-Strömungsfilm! Wir haben hier das steuernde Hoch über Zentralkanada, das im Uhrzeigersinn die kalte, trockene Luft förmlich ansaugt. Aber das ist alles nicht so stabil, von Süden, aus den USA, schwappt immer wieder diese feuchte, mildere Suppe ins Land. Gleichzeitig nimmt der Wind ein wenig zu. Gucken Sie auf unsere Pfeile, die immer enger aneinanderkommen. Also, unter diesen Bedingungen möchte ich für den Biathlon-Wettbewerb nicht garantieren, und auch Ski Alpin wird schwierig, denn die feuchte Luft aus Süden drückt gegen die Berge, es wird dann länger anhaltend richtig schiffen. Schnee wird tauen, aber kann Ihnen versprechen, das lässt schon morgen nach, dann übernimmt das Hoch wieder die Kontrolle – und einem Capuccino auf der Plaza in Vancouver bei Sonnenschein steht nichts im Wege. Zu Ihnen nach Deutschland. Die Milderung setzt sich jetzt im ganzen Land durch, 2 bis 8 Grad. Michael Antwerpes übernimmt jetzt hier. Na Michael,  schon einen Ausflug für übermorgen an deinem freien Tag geplant? Wetter wird ja gut.”

So schlimm ist es dann nun doch noch nicht ganz gekommen in der Olympia-Berichterstattung der ARD. Viel fehlt aber nicht mehr, aber scheinbar trauen sich die Öffentlich-Rechtlichen nicht jede Hemmschwelle zu übertreten. Ich hatte die letzten Tage Home Office, wie es so schon heißt, und habe entsprechend häufig Olympia im Fernsehen laufen gehabt, und natürlich auch mal durch die Programme gezappt um zu schauen, was die Sender an Berichterstattung anbieten. In den Foren und Blogs tobt ja schon wieder die Diskussion über ARD und ZDF, ob es zu vertreten sei, dass ARD und ZDF mit viel mehr Mitarbeitern nach Vancouver fahren als zum Beispiel die BBC und dafür weniger Sendestunden verbrauchen. Und ob ARD und ZDF nicht zu verschwenderisch mit unseren Gebühren umgehen, wenn zum Beispiel auch Jörg Kachelmann und Franziska van Almsick nach Vancouver reisen. Zwei Personen, die man bei Olympischen Winterspielen nicht zwingend sehen muss und will. Ich will hier gar nicht in das durchaus berechtigte ÖR-Bashing einsteigen, sondern vielleicht mal meine Sicht und meinen Wunsch an eine gute Sportübertragung darlegen und dann nebenbei auch zeigen, warum ARD/ZDF dies eben nicht so gut können und vielleicht auch wollen, und dass Eurosport zumindest bei vielen Punkten die bessere Anlaufstelle ist.

Was steht bei Olympia im Vordergrund? Sport, Sport, Sport, fairer Wettkampf und wenn man so will ein wenig die Kultur und Präsentation der Gastgeberstadt. Heißt für mich: Ich möchte in erster Linie Sport sehen, bei den wichtigen Entscheidungen live dabei sein, möchte Emotionen erleben. Und ich möchte ein halbwegs verlässliches Programm. Ich will wissen, ob ich ein Eishockeyspiel in Gänze irgendwo sehen kann und nicht, dass ich irgendwann einen anderen Wettbewerb sehe. Verlässlichkeit im Programm und die Konzentration auf das Wesentliche – Sport! – das erwarte ich von einer guten Olympia-Berichterstattung. Das ist die eine Seite, die Voraussetzung, die andere Medaille ist dann die Umsetzung. Ich möchte ein gutes Fernsehbild und ich möchte einen kompetenten Kommentator, der – das wäre das höchste der Gefühle – noch einen guten, erfahrenen Experten neben sich hat. Eigentlich keine hohen Ansprüche an Sender, die von mir jährlich über 200 Euro bekommen und jährlich mit ein paar Milliarden ziemlich willkürlich umgehen können.

Doch ARD und ZDF können meine niedrigen Ansprüche nicht erfüllen, wie sollen sie auch? Generell laufen bei den ÖR massenkompatible Sportarten, jetzt muss man alle vier Jahre sich dem Eishockey widmen, einer Sportart, die sonst unter jedem Radar verschwindet. Dass dann da keine hochwertige Übertragung rauskommt, dürfte erstmal klar sein. Aber was ich eben erwarten kann, ist, dass sich ein Kommentator informiert vor jedem Spiel, die lokale Presse liest, im Internet sich die wichtigsten Statistiken raussucht und auch sonst vielleicht ein gewisses Interesse und eine Begeisterung für die Sportart vermittelt. Sonst kann man es auch gleich sein lassen. Und von ARD und ZDF, die wirklich jeden Clown nach Kanada geschickt haben, darf ich dann als zahlender Zuschauer auch erwarten, dass die Kommentatoren sich umfassend vorbereiten. Liebe ÖR, schaut euch doch bitte zum Beispiel beim Eishockey das Duo Faßnacht/Leinauer an. Oliver Faßnacht kommentiert vielleicht drei Eishockeyspiele pro Jahr auf Eurosport, Gerd Leinauer hat ja schon jahrelang Eishockey als Experte begleitet, nichts desto trotz merkt man, dass sich vor allem ein Faßnacht hervorragend vorbereitet hat. Er kennt die kleinen Geschichten hinter den Spielern, er kann ein Spiel einordnen, Leinauer es fast schon lesen, eine Spieltendenz ablesen. Und das bekommt man durch vieles Schauen einer Sportart. Ich weiß ja nicht, was die Olympia-Kommentatoren von ARD und ZDF so zwischen den Jahren machen, aber wenn ich weiß, dass ich Eishockey bei Olympia kommentiere, wäre es sicherlich nicht verkehrt, auch mal zwischendurch DEL und NHL zu verfolgen und ein Gefühl für diese Sportart zu bekommen. Gleiches gilt für Skispringen. Liebe ARD, gebt dem Tom Bartels doch endlich mal einen Co-Kommentator, das wäre dann sehr viel unterhaltsamer. Wieso darf Dieter Thoma zum Beispiel nicht ans Mirko während des Springens? Auch hier wieder der Verweis an Eurosport zum Duo Dirk Thiele und Gerd Siegmund.

Es braucht also gar nicht viel für eine gute Übertragung, zwei fähige Leute und ein guter Wettkampf. Stattdessen verschleudern ARD und ZDF ihre Ressourcen für teure Studios, zig Gäste und eine Wetterfee – und schaffen nur selten, Begeisterung für den Sport rüberzubringen, was an der fachlichen Ermangelung von Kommentatoren und Experten liegt. Was man aber erlernen kann, wie ich finde. Natürlich ist es einfach auf ARD und ZDF einzuhauen, aber gerade die Olympia-Berichterstattung zeigt mal wieder, wie realitätsfern die ÖR agieren. Sie wollen es vielleicht einfach zu gut machen. Aber das braucht es doch gar nicht, die meisten Zuschauer schalten wegen der sportlichen Wettkämpfe ein und nicht wegen der Schneefallwahrscheinlichkeit in Whistler. Das kann man in fünf Sekunden abhaken. Und es dürfte ebenso nachvollziehbar sein, dass vor allem nachts nur die Freaks noch eingeschaltet haben. Da braucht es dann also wirklich kein überflüssiges Gelaber mehr, sondern lediglich Sport. Ganz einfach.

Um hier nicht völlig mit Kritik rumzuwerfen, seien zumindest die Online-Aktivitäten der ARD, das Olympia-Radio und der ständig aktualisierte TV-Guide auf zdf.de positiv erwähnt. Wundert mich eigentlich, dass da noch gar nicht die Privaten gemeckert haben, wie umfangreich online bei den ÖR berichtet wird. Überhaupt wundert es mich, wie wenig die Berichterstattung von ARD und ZDF und die Rahmenbedingungen der Übertragungen aus Vancouver hinterfragt werden, auch von den privaten Medienakteuren. Da wird wegen einer kleinen App eine Sau durch die deutsche Medienwelt gejagt, aber wenn man überflüssige Gebühren verpulvert und noch nicht mal eine gute Berichterstattung hinlegt, interessiert das hier in Deutschland nur die interessierten Sportfans. Wenn ich sehe, für was sich die BBC in den letzten Wochen schon wieder rechtfertigen musste und wie sehr der Druck von Sun, The Times und Guardian auf die Anstalt ausgeübt wird, muss man sich eigentlich auch nicht groß wundern, wenn ARD und ZDF so handeln, wie sie es tun. Interessiert ja ehe nur die Sportfreaks. Eigentlich schade. Wenn ich lese, dass ARD und ZDF sich gemeinsam drei Jahre für die Übertragung vorbereitet haben, kommt da am Ende ernüchternd wenig rüber. Technisch vielleicht sehr positiv, aber redaktionell bin ich eher enttäuscht.

Manchmal kann weniger eben auch mehr sein. Ein gutes Bild, eine gut vorbereiteter Kommentator und ein kompetenter Experte. Und schon bin zumindest ich zufrieden. Mal sehen, ob ARD und ZDF irgendwann diesen Weg gehen werden. Freiwillig sicher nicht.

Thema: Sport, TV und Radio | Kommentare (4) | Autor: medispolis

Deshalb schaue ich so gerne The Daily Show

Dienstag, 2. Februar 2010 23:09

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Q & O
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political Humor Health Care Crisis

Aus der gestrigen Episode vom 1. Februar -  John Stewart über das Treffen von Präsident Obama mit der republikanischen Partei. Er war zum Mittag eingeladen.

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Sky Deutschland sichert sich Premier League Rechte bis 2013

Dienstag, 8. Dezember 2009 20:39

Während der Champions League Übertragung wurde gerade mitgeteilt, dass sich Sky Deutschland die Rechte für die Premier League bis Sommer 2013, also für die Spielzeiten 2010/2011, 2011/2012 und 2012/2013 gesichert hat. Der aktuelle Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen.

Über Konditionen und auch Spieleumfang wurde leider nichts bekannt. Mich wundert der frühe Rechtegewinn, normalerweise werden die Auslandsrechte der Premier League immer erst zu Beginn des neuen Jahres für drei Spielzeiten beginnend ab dem folgenden Sommer vergeben.

Sobald es noch weitere Informationen gibt, werde ich sie hier veröffentlichen. Positiv ist der Rechtegewinn schon mal anzumerken. Er zeigt den scheinbar doch hohen Stellenwert der Premier League bei Sky. Jetzt kommt es eben darauf an, was man daraus macht.

Update, Donnerstag 14h07: Sky hat mittlerweile in einer Pressemitteilung Details zum Umfang der Premier League Berichterstattung genannt. Eigentlich bleibt beim Umfang alles wie beim Alten. Bis zu fünf Spiele gibt es pro Spieltag, heißt konkret, zu jeder Anstoßzeit wird man eine Partie zeigen. Parallelübertragungen gibt es damit nicht. 130 Spiele werden zudem in HD angekündigt. Ob live oder zeitversetzt am Abend nach der Bundesliga, steht nicht fest. Sollte es die HD-Übertragungen live geben, muss definitiv ein zweiter HD-Sportkanal für Sky her. Warten wir mal ab.

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Auftrag für uns alle nachzudenken und zu reflektieren

Sonntag, 15. November 2009 13:27

Heute Vormittag wurde in der AWD-Arena in Hannover in einer bewegenden Trauerfeier Robert Enke gedacht. Es war eine Zeremonie, die in ihren emotionalen Momenten, die in ihrer andächtigen Stille und ihren mahnenden Worte dem großartigen Sportler und fantastischen Menschen absolut gerecht wurde. Ich habe mich Donnerstag entschlossen, kurzfristig über das Wochenende nach Hannover zu fahren, um wenigstens ein bisschen an der Trauer und der Anteilnahme in Hannover teilzunehmen, habe eine Kerze für Enke vor dem Stadion angezündet und mich trotz langer Wartezeit in eines der Kondolenzbücher eingetragen. Ich habe selten ein so bedrückende Stimmung und Atmosphäre in Hannover mitbekommen. Als ich Freitagmittag am Hauptbahnhof angekommen war und mit der U-Bahn zum Aegidientorplatz gefahren bin, schossen viele Menschen Tränen in die Augen, als sie im Fahrgastfernsehen die Meldung über die bewegende Todesanzeige von Enkes Frau Teresa gelesen haben.

Die Ausmaße der Trauer, nicht nur in Hannover, sondern ja auch bundesweit und in der gesamten Fußballwelt, haben mich tief beeindruckt. Und natürlich war Hannover als Heimatstadt von Enke das Zentrum der Trauer und Anteilnahme. Als ich mit Komilitonen in Düsseldorf über den Tod von Enke gesprochen habe, konnten das viele gar nicht so richtig verstehen, warum es diese überwältigende Teilnahme am Trauermarsch, beim Gedenkgottesdienst in der Marktkirche oder eben heute bei der Trauerfeier im Stadion gegeben hat. Ohne es natürlich empirisch belegen zu können, ist Robert Enke den meisten Hannoveranern irgendwie schon einmal persönlich begegnet, sei es beim Fußballspiel im Stadion, in der Innenstadt, in der S-Bahn nach Hannover oder Neustadt, beim Training der Mannschaft oder auf einer der zahlreichen Veranstaltungen, die nur bedingt etwas mit Leistungssport zu tun hatten. Und jeder, der Enke schon einmal begegnet war – und dann vielleicht auch noch das Vergnügen hatte mit ihm ein paar Worte zu wechseln, erkannte sehr schnell, was für einem sympathischen Menschen man gegenüberstand. Das ist zumindest mein Eindruck.

Nicht nur auf den Fußball bezogen, war Hannover Enke für vieles dankbar und Enke gab diese Dankbarkeit mit tollen Leistungen auf dem Platz und im gesellschaftlichen Leben zurück. Enke hätte längst dank seiner tollen Leistungen Hannover verlassen können, aber nein, er blieb Hannover, seiner Heimat und seinen Fans immer treu. Überliefert sind viele Geschichten vom Menschen Robert Enke. Eine habe ich gestern Nachmittag beim NDR aufgeschnappt. Nach einem Training waren mal wieder mehrere Kinder nach Autogrammen von Enke hinterher. Dabei fiel ein Kind aus der Rolle, macht laut auf sich aufmerksam, dass es dringend und sofort ein Autogramm haben wollte. Enke ignorierte den Schreihals und gab zuerst den anderen Kids seine Unterschrift. Als dann zuletzt das unfreundliche Kind dran war und auch noch ein “Na endlich, das wurde aber auch Zeit” davorschickte, gab Enke natürlich bereitwillig das Autogramm, gleichzeitig aber darauf hinzuweisen: “Wenn du freundlich ‘Guten Tag Herr Enke, ich hätte gerne ein Autogramm’ gesagt hättest, wärest du der erste gewesen.”

Die Trauerfeier aus Hannover wurde heute von etlichen TV-Sendern übertragen, unter anderem die ARD, der NDR und unsere Nachrichtensender n-v und N24. Über Twitter kamen dann die ersten Hinweise, ob das nicht alles zu viel sei. Zum Beispiel das Internetportal der WAZ-Gruppe, der Westen, ließ darüber diskutieren. Komischerweise waren das genau die, welche am Dienstagabend ihre Online-Berichterstattung mit langen Klickstrecken ergänzten und aufbereiteten. Darauf hätte ich gerne verzichten können, aber dass man Menschen, die aus bestimmten Gründen nicht ins Stadion gehen konnten, die Möglichkeit gibt, eine große Trauerfeier trotzdem live  verfolgen zu können, fand ich absolut angemessen. Und dass dann neben den öffentlich-rechtlichen Sendern auch die privaten TV-Stationen übertragen, ist schlicht auch ein wenig unserem Rundfunksystem geschuldet. Wenn sich n-tv und N24 von ihrer Übertragung vielleicht eine höhere Quote versprechen und deswegen auf Live-Bilder setzen, dann ist das zwar bedauerlich, aber für mich irgendwie auch nachvollziehbar. Viel mehr müssen sich n-tv und N24 fragen, wieso sie jetzt noch so einen Hype um den Tod von Robert Enke machen und es die Tage davor nur selten geschafft haben, sachlich angemessen und vor allem aktuell zu berichten. Dass jetzt die Trauerfeier im Fernsehen gezeigt wird, ist absolut richtig, vielmehr sollten sich die Medien hinterfragen, ob es notwendig ist, mit Kränen in der hannoverschen Innenstadt vor der Markthalle zu stehen, um den Trauermarsch zu filmen, ob man in den Online-Medien Klickstrecken en Masse anbieten musste und ob es sinnvoll ist, immer weiter zu senden, obwohl es eigentlich gar nichts mehr zu senden gibt. Dann braucht man sich auch nicht wundern, wenn Leute wie Peter Neururer oder Christoph Daum ihren Senf dazugeben. Und das finde ich eigentlich das Bedauerliche.

Dass umfassend und ausführlich auf vielen Kanälen über den Freitod von Robert Enke berichtet wurde, ist doch selbstverständlich. Und Medienkritik mag zwar immer ganz passend und anspruchsvoll klingen, aber zu einer Berichterstattung der Medien gehören immer zwei Seiten. Die Medien und wie als Rezipienten. Wir wollten doch auch alle mit neuen Informationen, Gründen und Hintergründen überschüttet werden. Wer hat denn nicht seit Mittwoch jeden Morgen auf die Titel-Schlagzeile der BILD geschaut, wer hat sich nicht die Pressekonferenz von Teresa Enke bei Youtube oder in irgendeiner Mediathek noch einmal angeschaut, wer hat sich nicht im Internet auch die Klickstrecken angeschaut, obwohl fast alle gegen die Art und Weise der Aufbereitung protestiert haben, und wer wird sich morgen ausnahmsweise mal den SPIEGEL holen, weil Robert Enke auf dem Titelbild ist? Das werden schon viele Menschen sein. Man kann den Medien in diesem Land vieles vorwerfen – und ich mache das ja auch manchmal gerne – aber die Medien haben im Fall des Freitodes von Robert Enke doch hauptsächlich nur auf unseren Informationsdurst reagiert. Über die Art und Weise, wie einige Medien berichtet haben, lässt sich immer aufregen. Das sollte aber unabhängig vom Todesfall Enke die Regel sein. Es gibt auch positive Beispiele. Zum Beispiel hat mich die sehr sachliche, emotionale und informative Berichterstattung der HAZ beeindruckt. Vielleicht sollten sich viele Zeitungen daran mal ein Beispiel nehmen.

Der Tod von Robert Enke macht mich auch heute noch unendlich traurig. Er hat eben auch gezeigt, wie Menschen, Medien und Gesellschaft in einer solchen Extremsituation reagieren. Das war nicht immer vorbildhaft, keine Frage. Und vielleicht denken einige Medien im Speziellen vielleich auch einmal darüber nach, genauso wie wir Konsumenten, ob es nämich sinnvoll ist, stets immer der Sensation, dem Extrem, dem Besonderen und Reißerischen den Vorzug vor einer etwas seriöseren Berichterstattung zu geben.

Eigentlich verbietet es sich, erinnernde Worte an Robert Enke mit einer leichten Kritik an den Medien und unserem Verhalten als Rezipienten der medialen Berichterstattung zu vereinen. Ich habe das aber ganz bewusst gemacht, eben, weil ein Großteil der Bevölkerung und der Medien es in diesen Tagen nicht geschafft haben oder schaffen wollten. Durch den Tod von Robert Enke wird sich im Leistungssport und Profifußball hoffentlich einiges verändern. Die Worte vom DFB-Präsidenten Zwanziger machen mehr als nur Mut und Zuversicht. Aber gleichzeitig sollten wir Medienkonsumenten und die Medien vielleicht auch einmal ihr Verhalten und ihre Berichterstattung der letzten Tage positiv wie negativ reflektieren.

Dass wir aus bestimmten Medien keine anderen Medien machen können, steht außer Frage. Aber wir als Konsumenten haben die Entscheidung, welcher Art und Weise von Berichterstattung wir besser finden. Nämlich durch unseren Kauf der Zeitungen oder dem Einschalten eines bestimmten Fernsehsenders.

Zurückhaltend, sachlich, wohl überlegt, nie im Mittelpunkt stehen zu wollen – das waren einige der großen Charaktereigenschaften von Robert Enke. Es wäre schön, wenn wir als Gesellschaft, Medien und Öffentlichkeit diese Werte und Verhaltensweisen ein bisschen mehr in unsere Köpfe und unser Handeln einbringen könnten. Theo Zwanziger hat mit seiner beeindruckenden Rede die richtigen Worte heute gefunden. Es wäre schön, wenn alle Medien morgen in ihrer Zeitung, auf ihren Internetseiten oder im TV-Programm diese Worte einfach mal eins zu eins abdrucken, veröffentlichen oder senden. Ohne Klickstrecke.

Thema: Fußball, TV und Radio, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (2) | Autor: medispolis