Beitrags-Archiv für die Kategory 'TV und Radio'

The greatest way to start the day: The Chris Moyles Show, BBC Radio 1

Sonntag, 22. Januar 2012 15:22

Die schönste Begleiterscheinung der jetzt etwas ruhigeren Phase bis Ende März ist, dass ich ganz in Ruhe und ohne schlechtes Gewissen morgens ein wenig bummeln kann. Was für mich heißt: Ich kann endlich wieder länger The Chris Moyles Show auf BBC Radio 1 hören. Als ich im Juli 2005 im Urlaub in London war, habe ich die Show das erste Mal gehört und fand sie sofort großartig, was sich durch die Live-Übertragung zur Fußball-WM aus Deutschland nochmal gesteigert hat. Ich wurde ein großer Fan und bin es bis heute noch. Nur konnte ich in den letzten zwei Jahren die Show nur selten hören und hatte abends meistens auch keine Zeit und Lust sie on demand zu verfolgen.

Warum bin ich ein so großer Fan der Chris Moyles Show geworden? Zu einem großen Teil liegt es vielleicht am Formatradio der deutschen Hörfunkwellen, die morgens aus einem Pool von 20 Liedern wählen, dazwischen Nachrichten, bisschen Comedy und Werbung. Aber nahezu null Interaktion mit dem Publikum und innerhalb des Radioteams. Und da liegt die ganz große Stärke der Chris Moyles Show. Die Sendung lebt von einem eingespielten Team, interagiert mit den Hörern bereits nach drei, vier Minuten on air und sorgt dafür, dass man gut gelaunt und mit einem Lachen in den Tag startet. Chris Moyles (@CHRISDJMOYLES) ist der Host der Sendung, an seiner Seite Dave Vitty (@davidvitty), langjähriger Freund von Moyles und damals mit ihm gemeinsam zu Radio 1 gewechselt. Aled Haydn Jones (@ahj) und Matt Fincham (@mattfincham) produzieren die Sendung, Dominic Bryne (@domisatwit) liest die Nachrichten, Tina Daheley (@TinaDaheley) liest die Sportmeldungen. Ansonsten sind alle Teammitglieder aber nicht an ihre Rollen gebunden, es entwickeln sich häufig lebhafte Debatten über den ganz normalen Alltag, sei es Ernährung, Premier League, hin und wieder auch Wirtschaft und Politik.

The Chris Moyles Show schafft es perfekt, Social Media einzubinden. Alle Teammitglieder sind bei Twitter und informieren über die Show. Die Sendung selbst hat einen Twitter-Account, ist bei Facebook und mit einem eigenen YouTube-Channel aktiv. Mehr Informationen zur Show gibt es auf der Radio 1 Website.


The Monday Cheesy Song der Chris Moyles Show

The Chris Moyles Show ist anders. Montags bis Freitags von 07:30 Uhr bis 11:00 Uhr deutscher Zeit wird gesendet, online via der Radio 1 Website in sehr guter Qualität zu hören. Von 07:30 bis 08:00 Uhr wird nach der Eröffnungshymne keine Musik gespielt, sondern der gestrige Tag Revue passiert. Meist werden Fußballergebnisse besprochen, die Teammitglieder erzählen aus ihrem Alltag, Hörer werden aufgefordert zu twittern, facebooken oder eine SMS zu schicken, was sie derzeit so bewegt. Nach den Nachrichten um 08:00 Uhr wird dann Musik gespielt, unterbrochen von längeren Diskussionen. Fast immer sind Gäste aus Musik, Showbizz und TV für ein Gespräch zu Gast. Wenn nicht, gibt es Quizzrunden, wie das beliebte Rob Dj Monday Night Pop Quiz jeden Dienstag um 08:45 Uhr und gegen Ende der Sendung Carpark Catchphrase, wo Hörer, in ihren Autos sitzend, Redewendungen erkennen müssen und mit ihrer Hupe deutlich machen, dass sie eine Antwortidee haben. Höhepunkt jeder Woche ist die Golden Hour freitags von 10:00 bis 11:00 Uhr, wo Chris Moyles in der ersten halben Stunde fast schon vergessene, selten im Radio gespielte Songs aus einem Jahr spielt. Die Teammitglieder müssen das Jahr erkennen. In der zweiten halben Stunde haben sich die Teammitglieder einen Song gewünscht, der dann gespielt wird.

Klingt auf dem ersten Blick vielleicht gar nicht so spektakulär, aber wenn man regelmäßig zuhört, verfällt man sehr schnell der wenig strukturierten, sehr lebhaften, unterhaltsamen und lustigen Show. Weiterer Vorteil: Fast alle neue Hits bekommen in der Show ihre erste Radiopremiere, viele Bands kommen dafür persönlich ins Studio. Die Mischung und perfekte Interaktion der Teammitglieder, samt der Einbindung der Hörer via Social Media, machen die Chris Moyles Show hörenswert. Chris Moyles war wegen vieler Äußerungen, u.a. dem Auffordern zum Alkoholkonsum, in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik geraten. Er war bis zum Jahr 2009 übergewichtig, hat viel getrunken. Anfang 2009 bekletterte er dann den Kilimandscharo zu Gunsten einer Charity. Seitdem macht er einen kompletten Wandel seines Lebensstils durch, trinkt weniger, macht Sport und ernährt sich gesund. Seine Fortschritte und Schwierigkeiten erzählt er häufig während der Show. Das mag langweilig klingen, ist es aber nicht. The Chris Moyles Show schafft es die banalsten Alltagsprobleme in lockerer Atmosphäre aufzuarbeiten.

Chris Moyles hat ebenso viele Bewunderer wie Kritiker. Er polarisiert. Der Guardian hat es im Frühjahr 2009 auf den Punkt gebracht.

Chris Moyles is undoubtedly one of Radio 1′s funniest, most natural broadcasters. When he’s on a riff he can be hilarious. All he has to do is give out less yip about getting bladdered and submit to a spot of PC rewiring. If he could remember, occasionally, that he’s not just broadcasting to the Radio 1 “family”, or even to his mates, but to an audience that includes 11-year-olds, then, honestly, even the Daily Mail might grow to love him.

Aber er schafft es immer noch, über sieben Millionen Zuhörer jeden Morgen zu gewinnen. Er liegt damit zwar deutlich hinter der Show von Chris Evans auf BBC Radio 2, hat aber seit dem Start 2004 über zwei Millionen Hörer hinzugewonnen. Bereits seit 2004 ist die Show auf Sendung, Moyles hat seinen Vertrag mit der BBC zuletzt bis 2014 verlängert, zu einer Zeit, als Spekulationen an der Tagesordnung waren, dass Moyles die BBC verlässt. Im September 2009 wurde Moyles zum 5-jährigen Jubliäum der DJ, der am längsten die Morning Show auf Radio 1 innehatte. Jetzt schafft er sogar sein 10-jähriges Jubiläum. Die Plaudertasche.

Wer mal reinschauen will. Denn mittlerweile werden viele Sendungen auch teilweise ins Netz gestreamt. Dies stammt aus der Record Breaking Show im März 2011, als Moyles 52 Stunden am Stück on oir war und dadurch knapp 2,5 Millionen Pfund an Spenden für Comic Relief sammelte.

The Chris Moyles Show, montags bis freitags von 07:30 Uhr bis 11:00 Uhr via der Radio 1 Website oder on demand im BBC iPlayer.

Thema: TV und Radio | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Montag, 22. August 2011 – It is all about following the story

Montag, 22. August 2011 18:12

In the back of the vehicle, Andy Marsh, the producer, sat holding the satellite dish and a compass, constantly readjusting the dish to track the satellite above. The arrangement proved so stable that at one stage Crawford was able to broadcast live and uninterrupted for 40 minutes, answering questions from Stephen Dixon, Sky’s anchor in London.

Sarah Whitehead, the channel’s head of international news, said: “It is still the cigarette lighter that is the source of power for everybody. But another key point is the producer in the back being able to track the satellite. The difference last night was that we were getting a good enough signal to keep filming as they were moving. Andy would have been constantly tilting the dish to track the satellite. I haven’t seen the technology used like that before, and a lot of it has to do with the geographic situation of Libya. But we are a 24-hour rolling news channel and it is all about following the story.”

Patrick Foster/The Guardian: Sky News in the frontline as Libyan rebels advance

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Im Ersten und beim ZDF berichteten die üblichen Spätnachrichten am Sonntagabend über die Lage in Libyen, die privaten Nachrichtensender N24 und n-tv schalteten Laufbänder, doch wer Liveberichterstattung aus dem nordafrikanischen Krisenland erwartete, wurde enttäuscht. Wieder einmal war das deutsche Publikum mit Informationen über Ereignisse an internationalen Brennpunkten unterversorgt. Wer sich zeitnah informieren wollte, war angewiesen auf den arabischen Nachrichtensender al-Dschasira. Dessen englischsprachiger Kanal war ein Beispiel für gut gemachten Nachrichtenjournalismus – er lieferte Live-Bilder, Analysen und Kommentare. Aber auch englischsprachige Nachrichtensender wie BBC World News, Sky News oder CNN International, die nicht über den Heimvorteil von al-Dschasira verfügen, berichteten immer wieder live über den Fortgang der Ereignisse in Libyen. Die Qualität der angelsächsischen Berichterstattung war zwar nicht so gut wie bei al-Dschasira, doch immerhin war ein Bemühen zu erkennen: Fehlendes Live-Material reicherten die Redaktionen mit Hintergründen, Expertenmeinungen und Telefonschaltungen an.

Paul Katzenberger/Süddeutsche Zeitung: Bei ARD und ZDF sitzen Sie in der letzten Reihe

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Lesenswert dazu auch die Analyse von Stefan Winterbauer/meedia.de: Verzweifelt gesucht: ein echter Newssender

Thema: Politik International, TV und Radio, Zitat des Tages | Kommentare (0) | Autor: medispolis

So kommuniziert Sky Deutschland mit seinen Abonnenten

Montag, 25. Juli 2011 20:46

Ich freue mich schon auf die neue Premier League Saison. Am 13. August geht es in die neue Saison. Die Premier League ist der primäre Grund, warum ich noch ein Abo von Sky Sport habe. Letzte Saison konnte man bis zu fünf Spiele pro Spieltag sehen. Das war ein großartiges Angebot. Nun tauchten im neuen TV-Guide für den August bloß drei Übertragungen pro Spieltag auf. Bei mir setzten die Alarmglocken ein. Das riecht nach der alten PREMIERE-Strategie, mal wieder Programminhalte kürzen. Mittlerweile versucht Sky Deutschland via Twitter und Facebook eine engere Bindung zu seinen Abonnenten aufzubauen.

Am 16. Juli fragte ich draufhin via Twitter, wie das Sendekonzept für die neue Premier League Saison aussieht. Als Antwort bekam ich die alte Faustregel “bis zu 5 Spiele pro Spieltag”.

Gestern ging ich auf die Sky-Homepage für den internationalen Fußball und fand unter dem Sendekonzept für die Premier League diesen Hinweis, dass man weiterhin fünf Spiele pro Spieltag zeigt. Klingt komisch.

Wird aber klar, wenn man in die Untiefen des Sky-Kundencenters geht und sich über den Fußballempfang informiert. Dort steht schwarz auf weiß, dass es nur noch drei Spiele pro Spieltag gibt. Das ist dann deckungsgleich mit den Einträgen im TV-Guide.

An mehreren Stellen hat Sky versagt. Via Twitter und Facebook gibt man (bewusst) falsche Informationen an die Abonnenten, auf der offiziellen Website zum internationalen Fußball wirbt man weiter für fünf Spiele pro Spieltag. Nur in den Untiefen des Kundencenters entdeckt der aufmerksame Abonnent, dass die Übertragungen gekürzt wurden. Und das ist zum Start eines dritten HD Sport-Kanals, der mit Wiederholungen vollgestopft wird statt Live-Fußball aus der Premier League zu zeigen. Und wie soll sich bei einem solchen Durcheinander ein Kunde informieren und längerfristig Vertrauen in das Unternehmen aufbauen?

Ein Rückfall in alte, längst vergessene PREMIERE-Zeiten. Und dabei wollte Sky doch alles anders und besser machen. Vorerst ist davon nichts zu erkennen.

Thema: Premier League, TV und Radio | Kommentare (8) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Donnerstag, 16. Juni 2011, “Bloggen sollte nur, wer eine Meinung hat.”

Donnerstag, 16. Juni 2011 21:30

Andreas Cichowitz, seit vielen Jahren Fernseh-Chefredakteur des NDR, hat dem Medium Magazin, einer Fachzeitschrift für Journalisten, ein ausführliches, fünf Seiten langes Interview gegeben, indem er über den öffentlich-rechtlichen Kernauftrag spricht und sich auch eingehender zur Organisationsstruktur der ARD äußert. Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt ist die Rolle des Internet und die Herausforderung für die klassischen Medien und deren Journalisten. Leider ist das Interview nicht online zu lesen, von daher zitiere ich einige Kernaussagen an dieser Stelle wörtlich aus dem Interview. Kurz zum Hintergrund: Das Medium Magazin blickt auf eine lange Tradition zurück und wird unter Journalisten häufig gelesen. Was dort also an Aussagen gemacht wird, verbreitet sich durchaus in der Medienwelt. Vielleicht dem einen oder anderen bekannt ist die Zeitschrift, weil sie seit Jahren den Preis Journalist des Jahres vergibt.

Im Gespräch mit der Chefredakteurin des Magazins, Annette Milz, kommt Cichowitz sehr bald auf die Veränderungen der Medienwelt durch die Expansion von Online-Medien zu sprechen:

Nutzen Sie selbst Facebook und Twitter?
Nein. Wenn ich Reporter wäre, würde ich mir einen Account zulegen. Ich halte nichts von einer Diktatur der Transparenz. Es gibt nicht so viel, dass ich twittern wollte, das für den Rest der Welt interessant wäre. Und ein eigenes Blog zu pflegen bedarf viel Zeit. Mich beunruhigt aber die generelle Entwicklung.

Inwiefern?
Für junge Leute wird immer wichtiger, wie über Facebook und Twitter Themen oder Ereignisse im Freundes- und Bekanntenkreis kommentiert werden. Und wer sich daran gewöhnt, in kurzen Botschaften zu denken, dessen Aufmerksamkeitsniveau ist relativ niedrig. Diese Entwicklung gefährdet das Muster der klassischen Information – da, wo wir stark sind. Wir werden uns diesem Trend nicht entziehen können. Nachrichtenbeiträge, Schnitte werden immer kürzer. Und wir kommen nicht drum herum, stärker im Internet präsent zu sein.

Sollen Ihre Reporter künftig verstärkt bloggen?
Bloggen soll nur, wer eine Meinung hat.

Sie haben also nicht so viele Leute, die eine Meinung haben?
Wenn man was zu sagen hat, ist es gut. Auch in besonderen Situationen, wie der Katastrophe in Japan. Aber ansonsten könnten wir damit in der Regel keine Duftmarken setzen. Bloggen dient der Markenbildung für herausgehobene Reporter. Bei uns zählt aber die Breite und Teamarbeit.

Und wenn man sich diese Aussagen anschaut und sie liest, sehe ich mich mal wieder bestätigt, warum ich bei den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland und insbesondere der ARD nicht warm werde. Wenn ein leitender Chefredakteur ein solch pessimistische Sicht auf Instrumente und Inhalte des Web 2.0 hat und der Eindruck erweckt wird, dass man im Netz nur präsent ist, weil man es irgendwie schaffen muss um auch die jüngeren Menschen anzusprechen, zeigt das, warum ich seit Jahren zum Beispiel bei der BBC – wo auch nicht alles Gold ist was glänzt – eine Entwicklung sehe und verfolge, die ich mir auch in Deutschland wünsche. Nämlich, dass die öffentlich-rechtlichen Sender nicht nur ihr Programm machen, sondern die Zuschauer “mitnehmen”, in ihre Arbeit einbinden, Interaktivität ausstrahlen, Input für Inhalte einholen, Meinungen und Ansichten erfragen. Wenn man sieht, wie jämmerlich mittlerweile die Homepage der Sportschau verkümmert und dazu parallel bei BBC Sport vorbeischaut, sieht man, dass in diesem Fall die ARD nicht wirklich Interesse hat, im Netz mit seinen Zuschauern zu interagieren. Und da passt der Satz, dass Bloggen nur gestattet sein soll, wenn man auch eine Meinung hat, so perfekt in dieses Bild. Warum kann ein Sportredakteur oder ein politischer Landeskorrespondent nicht ein Blog eröffnen, zum Beispiel auch um mit Zuschauern über Beiträge diskutieren, Feedback zu holen, Einblicke in seine Arbeit geben.

Blickt man auf die Homepage der Sportschau, ist nicht ein interaktives Element zu sehen. Schaut man bei BBC Sport vorbei, fällt auf, dass es zu den derzeitigen beiden großen Sportevents in dieser Woche, den US Open im Golf und eher Insel-spezifisch die Testserie im Cricket, gleich eine Verlinkung zu einem Podcast, Twitterstream und zum Beispiel auf das Golf-Blog der BBC gibt, wo eine kompetent verfasste Vorschau zum Turnier ist. Nicht meinungsstark, sondern informativ. Einblicke geben, Analysen liefern. Das geht vor allem nur, wenn man bereit ist Kritik und negatives Feedback zu erfahren. Und das geht aber vor allem auch, wenn man nicht jeden Tag bloggt, sondern ereignissspezifisch seine Stärken ausspielt. Und das heißt, solche Inhalte auch prominent in Szene zu setzen. Sie gehören zu heutigen medialen Berichterstattung dazu, viele, nicht nur ich, erwarten sie. Da führt die ARD ein durchaus lesenswertes Blog zur Frauen-WM, dessen Verlinkung ich dann auf irgendeiner Sonderseite, die wiederum Unterseite ist, ganz unten verlinkt finde. Will man das Blog verstecken?

Stärken der ARD muss es doch auch sein, das Lokale in den Mittelpunkt der Berichterstattung zu stellen. Das Bedürfnis Nachrichten aus der direkten Umgebung zu erfahren, ist immer noch am höchsten. Was vor meiner Haustür passiert, interessiert mich mehr als Ereignisse, die 500 Kilometer entfernt passieren. Blickt man auf die Nachrichtenseite des NDR für Niedersachsen, findet man immerhin den freundlichen Verweis, man sei auch auf Facebook. Ansonsten null Interaktivität mit dem Zuschauer. Gegenbeispiel wieder die BBC, die ihre Regionalseiten vor einigen Wochen nochmal aufgefrischt hat. Für die Stadt Birmingham, immerhin eine Metropole auf der Insel, bloggt zum Beispiel der politische Chefkorrespondent Patrick Burns über die regionale Politik und die Auswirkungen der nationalen Politik für die Stadt Birmingham. So stelle ich mir Information und relevante politische Einschätzung vor.

Das Tagesschau-Blog ist mittlerweile verkommen zu einer Fundstelle für Einträge verbunden mit der Frage, was die ARD denn mache, wenn man selbst über sich berichten müsse/dürfe/könne/sollte. Getretener Quark wird breit nicht stark. Scheinbar hat die ARD immer noch Angst über sich selbst zu berichten, wenn es eng wird. Bei der BBC ist das mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, dass man damit gezwungermaßen umzugehen hat.

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die ARD irgendwann nochmal erkennt, wie Zuschauereinbindung und Zuschauerinformation im Netz aussieht. Momentan macht es wieder den Eindruck, als habe man die Befürchtung, dass keiner derlei Aktivitäten finden solle. Die Aussagen von Cichowitz bestätigen mich da nur.

Thema: Social Media, TV und Radio | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Der Podcast stirbt aus

Sonntag, 12. Juni 2011 18:06

Zumindest bei der BBC. Im neuesten Podcast (noch bezeichnet ihn die BBC so) der Chris Moyles Show von Radio 1 wird auf eine interessante Änderung hingewiesen. Nach und nach wird die BBC – für Radio 1 ab dem 1. Juli – den Begriff Podcast abschaffen und durch die Bezeichnung The Free Download ersetzen. Da hat man jetzt über mehrere Jahre sich mit dem Begriff angefreundet und ausgerechnet die BBC geht einen Sonderweg.

Zukünftig heißt es also: Download The Free Download.

Thema: TV und Radio | Kommentare (0) | Autor: medispolis

No news ist auch eine News

Samstag, 29. Januar 2011 22:03

Manchmal kann es auch von Vorteil sein, wenn man via digitales Kabel ein paar Nachrichtensender oder solche, die sich so nennen, empfängt. Also habe ich am Freitagnachmittag um 14:00 Uhr mal einen Schnelldurchlauf durch CNN, BBC World, Euronews, France 24, Sky News, Al Jazeera, N24, n-tv und Eins Extra – um mal einige zu nennen – gemacht um zu schauen, mit welchem Thema die Nachrichtensendungen zur vollen Stunde aufmachen. Und als n-tv der einzige Sender war, der die Proteste und Unruhen in Ägypten nicht als Topthema hatte, huschte nur ein müdes Lächeln über mein Gesicht. N24 schaffte es immerhin mit einem 2-minütigen Korrespondenbericht zu starten, bevor man dann wieder die Dokumentationsschiene fuhr.

Nichts Besonderes eigentlich und schon mehrfach erlebt, dass unsere Nachrichtensender in Deutschland nicht wirklich die Nachrichten in den Mittelpunkt stellen. Und so erlebt man, wenn man sich über die Krisen und großen Entwicklungen der Welt informieren möchte, bei n-tv nachmittags irgendwelche Modemagazine und abends bei N24 die hunderttausendste Wiederholung einer Dokus über Panzer oder die Sexualität des Mannes.

Nun habe ich an dieser Stelle es schon zu häufig erwähnt, als dass die Leier von den Nachrichtensendern in Deutschland, die reine Doku-Kanäle sind, nicht mehr wirklich neu sein sollte. Ich schaue N24 und n-tv mittlerweile gar nicht mehr. Für Außenpolitik und Weltgeschehen sowieso nur noch die BBC und Sky News und für Inlandsnachrichten greife ich meist auf Eins Extra im Fernsehen zurück. Für den schnellen Überblick reicht es. Doch war ich trotzdem schon erstaunt, wie im Laufe des Freitagnachmittags und am Abend immer mehr der Unmut über n-tv und N24 geäußert wurde, via Twitter, in vielen Blogs und auch in diversen Facebook-Updates. Da scheinen viele jahrelang einige Entwicklungen bei n-tv und N24 verpasst zu haben. Was aber auch zeigt: Es gibt bei solchen Ereignissen wie in Ägypten ein Bedürfnis nach Information, Menschen wollen sich informieren. Und können es in Deutschland im Fernsehen nicht. Und man kann nicht verlangen, dass Menschen sich extra Sender hinzuabonnieren um auf dem aktuellen Stand zu sein, von möglichen Sprachproblemen einmal ganz zu schweigen.

Nachrichtensender sind teuer
Rupert Murdoch und seine News Corporation machen mit Sky News – glaubt man Angaben der Financial Times – einen jährlichen Verlust von 30 bis 40 Millionen Pfund, wohlgemerkt bei einem Nachrichtensender, der rund um die Uhr berichtet, ein großes Korrespondentennetz hat und trotzdem Synergieeffekte mit Fox News in den USA und dem Sportsender Sky Sports News für die Sportberichterstattung nutzt. Nun ist ein Verlust solcher Größenordnung für Murdoch fast schon Taschengeld. Diesen finanziellen Spielraum hat insbesondere N24 nicht. Permira und KKR zücken eher den Rotstift anstatt massiv in N24 zu investieren. Warum man dann doch überhaupt noch Nachrichten zeigt, erschließt sich wahrscheinlich nur, weil man für die 20:00 Uhr-Ausgabe auf Sat.1 sowieso Korrespondentenberichte braucht. Warum aber die RTL Group mit Bertelsmann im Rücken nicht den Mut einen starken Nachrichtensender aufzubauen, erschließt sich mir nicht. Die Marktlücke wäre ja da, gerade auch im Konkurrenzkampf mit N24 um potentielle Werbekunden.

Eins Extra – wird das nun der große Wurf?
ARD und ZDF haben immer wieder angekündigt, eins Extra zu einem echten Nachrichtenkanal auszubauen, nach dem Vorbild von BBC News 24. Das scheint dringender denn je. Denn so informativ eins Extra auch sein mag, fehlt es diesem Sender an Flexibilität. Ich finde den starren, sekundengenauen Sendeplan – ähnlich wie bei den Inforadios der ARD-Wellen – nicht angemessen für einen Nachrichtenkanal. Wenn ich einem Thema plötzlich mehr Raum und Zeit geben möchte, sollte ein Nachrichtensender das tun. Das würde ja gerade seine Stärke auszeichnen. Es fehlt also noch ein ganzer Schritt, damit eins extra mit Sky News und der BBC mithalten kann. Im Prinzip scheitert es ja hier aber nur an der Umsetzung, Filmmaterial ist da, Korrespondenten sind da. Synergieeffekte mit tagesschau.de und den zahlreichen Inforadios können perfekt genutzt werden. Und dann noch Gäste einladen – und wir wären in Deutschland schon ein Schritt weiter. Und wenn dann wieder die privaten Zeitungsverleger und RTL und Sat.1 jammern, sollen sie einfach alle ignoriert werden. Die haben ihre Chance schon längst verspielt. Wird eins Extra nun der große Wurf, habe ich geschrieben. Man muss ihn nur wollen.

Inhalt von Nachrichtensendern: Nicht nur Politik
Die Stärke von Newssendern sind die Flexibilität, die Spontanität, die Aktualität und die Themenvielfalt. Es darf also nicht nur Politik und Wirtschaft bedient werden, sondern auch Kultur und Musik, jede Menge Sport, Gesundheit, Showbizz und viele andere Boulevardnews. Nur wenn ein politisches Thema wichtig wird, muss der Fokus darauf gelegt werden. Aber in nachrichtenärmeren Zeiten kann man doch auch mal eine Stunde über Fettleibigkeit diskutieren oder über Sporttransfers. Möglichst viele Interessen sollten bedient werden. Sprich nicht nur aktuelle News. Ziel muss es sein Zuschauer zu informieren und aufzuklären. Wie wunderbar könnte man die ARD-Themenwoche in einen Nachrichtensender eingliedern…

Wie gesagt, ich will n-tv und N24 bei weitem nicht in Schutz nehmen, sondern nur darauf hinweisen, dass die Produktion von erfolgreichen Nachrichtensendern viel Geld kostet. Das ist der eine Fakt. Gleichzeitig wollte ich damit deutlich machen, dass, wenn die Eigentümer von N24 und n-tv nicht gewillt sind zu investieren, kein Weg vorbeiführt an einem Nachrichtenkanal von ARD oder ZDF. Denn das Bedürfnis nach aktuellen Nachrichten, nach Einordnung des Weltgeschehens ist da. Und Nachrichtensender müssen nicht nur aktuelle Themen im Programm haben, sondern können auch über Themen des Alltags informieren, also eine breite Publikumsschicht ansprechen.

So, wie die Lage der Nachrichtensender in Deutschland jetzt ist, bleibt es ein Armutszeugnis. Denn Fernsehen hat trotz der Expansion der Online-Medien immer noch einen Vorteil. Bewegte Bilder. Und den sollte man nutzen.

Thema: Politik International, TV und Radio | Kommentare (3) | Autor: medispolis

Die Medien können nicht anders, weil wir nicht anders können.

Dienstag, 7. Dezember 2010 22:41

Samstagabend, DVDs schauen auf dem Sofa. Via Twitter erfahre ich um viertel vor neun von dem tragischen Unfall des Kandidaten bei wetten, dass…?. Das muss für alle Zuschauer, insbesondere für die Gäste und alle Beteiligten vor Ort, ein richtiger Schock gewesen sein. Und leider scheint es, beruft man sich auf die Aussagen der Ärzte, gesundheitlich nicht gut um Samuel Koch stehen. Ich habe Twitter danach sofort wieder abgeschaltet. Denn wenn ich etwas nach vielen Jahren Twitter-Aktivität gelernt habe, dann ist es, dass man bei solchen Ereignissen, seien es Unglücke, Todesfälle oder Amokläufe, Twitter am besten meidet. Zu viele Retweets, dass man schon nach Minuten den Überblick verliert. Und dann gibt es eben eine Reihe von Usern, die in solchen Momenten am besten lieber ruhig wären. Und dank der vielen Retweets und der Aufforderung die Leute sofort zu blocken, kommt man dann als Unbeteiligter ganz schnell in Kontakt mit den geistigen Ergüssen, bei denen man manchmal nur den Kopf schütteln kann.

Am nächsten Morgen dann versucht mit etwas Abstand den Abend Revue passieren zu lassen. Und dann las ich wieder etwas, das mich immer ein wenig fraglos zurücklässt. Medien-Schelte hier und dort, Bilder vom Unglück und dem Unfall, Nachfragen bei den Eltern, riesige Schlagzeilen, Klickstrecken und was sonst noch die Palette hergibt. Und dann kommen aus allen Ecken und Enden die Menschen mit erhobenem Zeigefinger und beschweren sich wieder über die journalistische Berichterstattung, die jegliche Bezüge zu Moral und Ethik verloren hat. Und es ist ein Jubelkasten, der immer wieder bei solchen Gelegenheiten angeschaltet wird. Ich kritisiere die Medien auch gerne, weil mir einiges vor allem an der politischen Berichterstattung und dem Sportjournalismus missfällt, aber bei Ereignissen wie diesen finde ich Medienkritik unangebracht. Schon mal gefragt, warum die Medien den Verunglücktem am Boden liegend zeigen? Es gibt eigentlich nur eine Antwort auf diese Frage: Weil wir, die Medienrezipienten, es lesen, sehen und anschauen wollen. Wenn das Video des Unfalls sofort bei YouTube hochgeladen wird, mag man das als pervers bezeichnen. Nur klicken wir doch alle auf die Videoplattform und schauen, ob es schon hochgeladen wurde. Und da spielt die Tatsache, dass es wir uns dann vernünftigerweise gar nicht anschauen, gar keine Rolle. Das gleiche Prinzip gilt für das Jammern über die Berichterstattung von BILD und SPIEGEL online, die sehr ausführlich – auch mit Bildern – den Unfallhergang dokumentierten. Einerseits regen sich wieder alle über die visuelle Darstellung auf, aber auf Bild.de wird dann trotzdem geklickt um zu schauen, was der Axel-Springer-Verlag (ASV) mit dem Thema anfängt. Das menschliche Bedürfnis nach Information versus den Hang vieler Menschen nicht davor zurückzuschrecken auch solche leidvollen Bilder anzuschauen. Und da viele es anklicken, bieten die Medien diesen Service an. Und je mehr und öfter durch alle Social Media-Kanäle gebrüllt wird, wie schlimm doch wieder die BILD oder der SPIEGEL das Thema journalistisch aufbereiten, freuen sich die Portale über weitere Klicks. Denn einmal gelesen, wird dann natürlich zur Prüfung und Kontrolle gleich persönlich nachgeschaut. Es ist ja auch völlig okay zu beobachten, wie die Medien das Thema aufbereiten. Und jeder sollte selbst entscheiden, ob er sich Klickstrecken mit dem Unfallhergang anschaut. Nennt man Medienkompetenz. Doch Medienschelte ist hier völlig unangebracht. Denn die Zeitungen und Magazine orientieren sich doch nur an den Gewohnheiten und Bedürfnissen der Leser.

Als ich am Sonntagmittag mit dem ICE von Hannover nach Düsseldorf fuhr, war in den Buchhandlungen auf dem hannoverschen Hauptbahnhof die BILD am Sonntag schon fast ausverkauft, während daneben noch riesengroße Stapel von WELT am Sonntag und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung lagen. Im ICE lasen alleine in Wagen 22, wo ich saß, acht Leute die BILD am Sonntag. Das Blatt vom ASV hatte es als einzige Sonntagszeitung noch geschafft den Unfalls als großen Aufmacher auf die Titelseite zu setzen und auch sonst ausführlich über den Unfall bei der ZDF-Show zu berichten. WELT am Sonntag und FAS hatten keinerlei nennenswerte Meldung im Blatt. Und dann wundert sich noch jemand, warum die Medien solche Zwischenfälle in all ihren Facetten darstellen und ausschlachten? Egal, ob nun online, auf Papier oder dem Handy. Ist völlig nebensächlich. Denn überall findet sich eine riesige Anzahl von Rezipienten, die es liest, schaut und anhört. Es ist ein ganz schmaler Grad zwischen dem eigenem Informationsbedürfnis und der nicht zu befürwortenden Sensationsgier, Leid, Drama und Action so gut es geht mitzubekommen. Vielleicht kennen Sie ja die “Gaffer” bei den Autobahnunfällen.

Kritik an den Medien mag populär an dieser Stelle sein, nur bringen normative Forderungen gar nichts. Denn es hat sich bezüglich der medialen Darstellung von solchen Unglücken in den letzten Jahren nichts verändert. Es klingt beeindruckend, wenn man immer an Ethik und Moral appelliert, auf Verantwortung und Pflichtbewusstsein der Journalisten hinweist, nur sind wir als Rezipienten und Konsumenten diejenigen, die solchen Journalismus unterstützen, indem wir drüber reden, darauf hinweisen und darauf klicken. Und solange eine Mehrzahl das weiter tut, werden sich die Medien – ganz dem ökonomischen Gedanken fokussierend – nicht bewegen und ihre Berichterstattung nicht verändern. Und bis dahin müssen wir als Rezipienten den richtigen Weg finden zum Stillen unseres Informationsbedürfnisses finden. Und das geht auch ohne Klickstrecken, Videos und Bilderserien. Wenn wir nicht anders können, werden die Medien in ihrer Berichterstattung nicht anders werden.

Thema: TV und Radio, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Die US-Kongresswahlen im TV

Montag, 1. November 2010 20:16

Hier eine kurze Übersicht über die Sondersendungen am Dienstag und Mittwoch. Da wird sicherlich was für jeden dabei sein. Generell gilt: Für die Rundumversorgung braucht es wieder die englischen Nachrichtensender, in Deutschland nutzen die öffentlich-rechtlichen Sender immerhin ihre Kompetenz und berichten recht ausführlich von der Wahlnacht.

ARD:

Mittwoch, 03.11., 00:20-05:20
Die lange Obama-Nacht. Rückblick auf die ersten beiden Amtsjahre von Barack Obama und Analysen zur Kongresswahl. Moderation: Andreas Cichowicz und Jörg Schönenborn

ZDF:

Mittwoch, 03.11., 01:45-04:45
Die lange Amerika-Nacht. Abspielstationen für zahlreiche Dokumentationen, auch mit Blick auf Obamas Amtszeit. Sehe keinen Hinweis auf aktuelle Analysen.

Phoenix:

Dienstag, 02.11., 16:30-18:00
Aktuelle Berichte zu den Kongresswahlen und Gouverneurswahlen in den USA

Dienstag, 02.11., 22:15-23:00
Phoenix-Runde “”Amerika wählt – Obama unter Druck”

Mittwoch, 03.11., 00:00-09:15
Phoenix-Thema: Machtprobe für Obama. Dokumentationen und Übernahme des Programms von MSNBC. Moderation: Michael Kolz (live aus Washington)

BBC Radio 4:

Mittwoch, 03.11., 01:30-06:00
Coverage of the US mid-term elections

BBC Radio 5 live:

Mittwoch, 03.11., 02:00-06:00
Up all Night – Liveberichte aus Washington D.C. Moderation: Rhod Sharp

BBC World News:

Mittwoch, 03.11., 00:00-07:00
BBC World News America Special. Live-Berichte aus Washington

BBC News Channel (nur via Satellit emfangbar):

Mittwoch, 03.11., 00:00-07:00
BBC News Spezial: Live-Coverage of US Midterm Election. Live aus Washington. Moderation: Matt Frei, Katty Kay, Emily Maitlis und Clive Myrie

Sky News:

Montag, 01.11. 18:00 – Mittwoch, 03.11. 01:00
Sky News Spezial. Immer wieder Live-Berichte, Hintergründe und Analysen aus den USA

Mittwoch, 03.11., 01:00-07:00
Sky News Spezial. Election Night. Moderation: Andrew Wilson (in London), Adam Boulton (Washington D.C.), Jeremy Thompson (San Francisco)

CNN:

Mittwoch, 03.11., ab 00:00
Election Night mit “The Best Political Team on Television”

Wer weitere Übertragungen kennt und Hinweise auf Sondersendungen und Specials hat, darf dies gerne in den Kommentaren tun.

Thema: Politik International, TV und Radio | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Donnerstag, 28. Oktober 2010 – Not happen ovenight

Donnerstag, 28. Oktober 2010 22:47

Obama replied: “When I say that when we promised during the campaign, change you can believe in, it wasn’t change you can believe in in 18 months …What I would say is, ‘Yes, we can’, but it is not going to happen overnight.” Stewart suggested one of the problems was that far from bringing about change, Obama had brought into power many of the same old faces, such as his economics adviser, Larry Summers, who is about to leave the administration and has been heavily criticised over the lacklustre state of the economy. “In fairness, Larry did a heck of a job,” Obama said. Stewart interjected: “You don’t want to use that phrase, dude.”

The Guardian: Laughs in short supply as Barack Obama gets serious on The Daily Show

Das sehenswerte Interview von US-Präsident Barack Obama bei Jon Stewart’s The Daily Show gibt es hier.

Thema: Politik International, TV und Radio | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Kommt doch alle einfach mal nach Düsseldorf

Mittwoch, 13. Oktober 2010 13:47

Düsseldorf darf also den Eurovision Song Contest 2011 austragen, was im Rest der Republik, insbesondere in den anderen Bewerberstädten Berlin, Hamburg und Hannnover, große Verwunderung, Skepsis, Sarkasmus, teilweise sogar Häme und was weiß ich nicht alles ausgelöst hat. Das gehe doch überhaupt nicht, dass Düsseldorf einen solchen Wettbewerb austragen wird. Klischees, Vorurteile und teilweise plumpe Behauptungen wurden in die Welt gesetzt. Nun habe ich das wirkliche Vergnügen, etwas mehr als ein Jahr in dieser Stadt schon wohnen zu dürfen. Zeit und Anlass also, ein paar Sachverhalte und Fakten für den Rest der Republik – Hamburg, Berlin und Hannover, I’m looking at you – ins richtige Licht zu rücken.

Eine Aussage von gestern hat mich übrigens am meisten zum Schmunzeln gebracht. Jan Feddersen, Grand-Prix-Experte, hat sich zu Düsseldorf als Austragungsort geäußert: “Düsseldorf, man fasst es kaum. Eine Stadt, welche sich auf Mode, Senf und Waschpulver als Produktion spezialisiert hat – sehr reich, sehr teuer und sehr gediegen dazu.” Herr Feddersen war bestimmt schon ganz oft in Düsseldorf.

1. Ach, was war das putzig, die ganzen Wortspiele mit DüsselDORF zu lesen. Nur mal so zur Kenntnis. In der Stadt selbst wohnen knapp 600.000 Menschen, Tendenz steigend – rund 10 Prozent bis 2030 – , mehr zum Beispiel als in Hannover. Im Einzugsgebiet der Stadt im Umkreis von knapp 50 Kilometern leben wahrscheinlich mehr Menschen als in Hamburg und Berlin zusammen. Das Ruhrgebiet mag zwar eine kleine Industrieregion sein, aber dort wohnen auch ein paar Millionen Menschen, von der Millionenstadt Köln, ein wenig südlich von Düsseldorf, ganz zu schweigen. Düsseldorf ist also alles andere als ein Dorf, auch wenn die Stadt das Wort in ihrem Namen trägt.

2. Der NDR und die Intendanten der ARD-Rundfunkanstalten haben sich für Düsseldorf entschieden, weil die Stadt im Preis-Leistungs-Vergleich ganz offensichtlich am besten abgeschnitten hat. Wo sind die jetzt auf einmal alle hin, die sonst über die Öffentlich-Rechtlichen meckern, sie würden zu viel Geld verpulvern. Jetzt hat man mal auf die Finanzen geachtet – und die ARD bekommt wenig Lob dafür. Und mal ganz ehrlich, wer will denn den Song-Contest auf einem historischen Flughafen vor 8.000 Zuschauern oder in ungemütlichen Messehallen abhalten, wenn man gleichzeitig fast 25.000 Zuschauer in eine Open-Air-Arena bekommt, die bei Musikkonzerten übrigens eine fantastische Akustik hat. Coldplay haben letztes Jahr nach ihrem Konzert in der Esprit-Arena gesagt, dass sie selten in einer Arena mit einer solch perfekten Akustik gespielt haben.

3. Düsseldorf sei teuer, hört man immer wieder überall. Stimmt nicht, jedenfalls nicht teurer als jede andere Großstadt in Deutschland auch. Und da längst nicht so stark von Touristen überfüllt wie Hamburg oder Berlin, bekommt man hier übrigens seinen Eisbecher auch für unter fünf Euro und zahlt nicht wie in Berlin-Mitte knapp 7 Euro. Wenn man ein wenig auf sein Geld achtet, macht Düsseldorf keineswegs arm. Und die Gastronomiepreise liegen auch nicht höher als in anderen deutschen Großstädten. Wo Düsseldorf hingegen richtig teuer ist, sind die Mieten. Aber die Gäste zum Eurovision Song Contest kommen ja nur zu Besuch und wollen nicht für Jahre hier gleich eine Wohnung beziehen. Ein Tagesticket für eine Person in Düsseldorf für den ÖPNV kostet übrigens 5,30 Euro, in Hamburg für den Großbereich Hamburg plus zwei Ringe 6,50 Euro. Eine Tageskarte in Berlin kostet übrigens 6,30 Euro. Aber Hauptsache man posaunt weiter durch die Welt, dass Düsseldorf übermäßig teuer sei.

4. Immer wieder hört man, Düsseldorf sei reich. Ja, diese Stadt hat viel Geld und es gibt Luxusviertel wie Ober- oder Niederkassel. Hat Hamburg mit Blankenese oder Berlin mit Grunewald ebenso. Und ja, Düsseldorf ist eine reiche Stadt. Ein Haushalt mit einem Volumen von über zwei Milliarden Euro, Einnahmen aus der Gewerbesteuer von 800 Millionen Euro. Hat sich was mit Mode, Senf und Waschpulver. Düsseldorf genießt in der Kommunikations- und Werbebranche einen exzellenten Ruf, demnächst entsteht ein eigener Vodafone-Campus, viele mittelständische Betriebe runden das Bild ab. Und Düsseldorf ist seit knapp drei Jahren schuldenfrei, weil man gespart und gekürzt hat und die Schuldenlast abgebaut hat. Und jetzt kann man investieren wie kaum eine andere Stadt in Deutschland. Neue U-Bahn, neue Geschäftsgebäude, Umgestaltung der Innenstadt. Erweiterung des Medienhafens etc. pp

5. Düsseldorf sie derzeit eine Großbaustelle, meinen viele Einwohner. Stimmt auch, und das mindert derzeit ein wenig die Lebensqualität. Durch die Innenstadt wird eine neue U-Bahn gebaut, die Wehrhahn-Linie, gleichzeitig wird der zentrale Platz in der Innenstadt am nördlichen Ende der Königsallee, der Jan-Wellem-Platz, komplett umgebaut, samt architektonische Neubauten von Daniel Libeskind. Aber es zeigt doch auch, dass Düsseldorf das Geld sinnvoll investiert. Durch die neue U-Bahn kann man schneller durch die Innenstadt fahren, der Jan-Wellem-Platz wird nach dem Umbau Beginn einer Flaniermeile mit Anbindung an den Hofgarten.

6. Überhaupt investiert Düsseldorf das Geld längst nicht nur in Klientelpolitik, wie so oft gerne von außerhalb behauptet. Seit Jahren wird der Sozialetat nicht gekürzt. Natürlich hat man sich diese Schuldenfreiheit auch teuer erkauft. Vieles an private Firmen verkauft, reiche Hochburgen wie Mettmann oder Kaiserswerth entstehen lassen, zu wenig Wohnraum in der City – vor allem zu wenig günstiger Wohnraum. Aber dafür kann man im Gegenzug auch in exzellente Kinderbetreuung und Spielplätze in Hülle und Fülle investieren. Und neue Wohnungen sind in Bau.

In Düsseldorf ist längst nicht alles rosig, aber auch bei weitem nicht so schlecht, wie es von Außen gemacht wird. Ich wette, dass viele deutsche Großstädte gerne mit Düsseldorf tauschen würden, was die finanziellen Spielräume angeht. Ich glaube, dass ganz viele Städte in Deutschland auch sehr gediegen sein möchten, lieber als pleite. Natürlich hat Düsseldorf nicht die internationale Strahlkraft und das Flair wie Hamburg oder Berlin. Aber die Stadt ist längst auch nicht der Schandfleck, den viele ihr jetzt zuschreiben, welche die Stadt selbst wohl gar nicht kennen. Düsseldorf wächst, viele junge Menschen ziehen in die Stadt, in der Regel Besserverdienende. Davon kann die Stadt nur profitieren.

Und die beste Politik, die man machen kann, ist auf Schulden und Zinszahlungen zu verzichten. Einen großen Hafen haben wir übrigens wirklich nicht, der ist auf der linken Rheinseite in Neuss. Was nicht weiter störend ist. Aber scheinbar ist selbst das nicht okay, dass man als Stadt am Rhein keinen eigenen großen Hafen hat, sondern nur ein Häfchen, wo die Schiffe aus den Niederladen ihre Ladungen Container abladen.

Es bleibt dabei: In Deutschland können ganz viele Leute den Erfolg anderer nicht ertragen.

Thema: Düsseldorf, TV und Radio | Kommentare (2) | Autor: medispolis