Barack Obama zur Waffengewalt

Barack Obama ist ein brillianter Redner, in der vergangenen Nacht wieder einmal gezeigt, als er über die Waffengewalt in den USA sprach. In seiner Rede an die Nation verbindet er das Schicksal ganz persönlicher Menschen und Begegnungen, die er gemacht hat, mit der Forderung, per Gesetz strengere Waffenkontrollen zu beschließen. Dieses Stilmittel muss man nicht gut finden, aber ich fand es passend und großartig eingesetzt. Der vielleicht stärkste Moment der gestrigen Rede. Nicht umsonst mussten die Leute Tränen verdrücken.


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Zitat des Tages: Donnerstag, 17. Januar 2013 – Obama speaking to history

The fact that Obama has given so few truly great Presidential speeches didn’t turn out to be politically fatal, but it’s not irrelevant. It’s made him more vulnerable, put him more on the defensive than he should have been. He’s never given himself a phrase or sentence to wield in the crunch, conveying an idea that’s simple and yet profound enough to embed itself in the public’s mind, and that truly defines his political vision. Obama is too complex, too nuanced, too elusive, and too careful, for words that stick.

George Packer/The New Yorker: Can Obama Speak to History in his Second Inaugural?

Großartige Analyse im New Yorker über Reden der US-Präsidenten bei ihrer Amtseinführung und warum Obama es so schwierig haben wird, eine große, historische Rede zu halten.

Lesetipp: Obamas Online-Wahlkampf

Barack Obama hat 2008 neue Maßstäbe beim Online-Wahlkampf gesetzt. Seitdem orientieren sich viele Politiker an seinen Ideen, Instrumenten und Techniken – und haben den Stellenwert der Online-Kampagne von Obama nie wirklich kopieren können. Das hat viele Gründe, die vor allem im politisch-instutitionellen Bereich liegen. Sie sind aber auch darin begründet, dass Obamas Online-Wahlkampf in erster Linie von der Aktivität und Begeisterung seiner Anhänger lebte, Stichwort Graswurzelbewegung. Bei den US-Wahlen 2012 hat Obama diesen Bereich nochmal ausgebaut, weil er final der wichtigste ist. Selbst in den USA wählt keiner einen Präsidenten aufgrund seiner Tweets oder Facebook-Posts. Wenn die Offline-Kampagne, ihre Thematik und Programmatik, perfekt in die Online-Netzwerke integriert wird, nur dann funktioniert der Wahlkampf im Internet.

Das zeigt der auf fast 100 Seiten umfassende Report der Agentur engage, die einen sehr detaillierten, aber kompakten Überblick über den Obama-Wahlkampf im Netz gibt. Keine Angst: Es sind nicht 100 Seiten Schrift, sondern eher wie eine PowerPoint-Präsentation aufgebaut.

Link zum Download: Inside the Cave – An In-Depth Look at the Digital, Technology, and Analytics Operations of Obama for America

Zitat des Tages: Mittwoch, 5. Dezember 2012 – Obamas database

Now that Obama has been reelected, other Democrats are falling over themselves to get their hands on these sophisticated indicators for their own campaigns. Several top Obama campaign officials, who asked not to be quoted by name, said that no decisions have been made about the data, including where to house it and how to use it to benefit the party.

Politico.com: Democrats to Obamaland: Share your data

Sehr umfangreiche und lesenswerte Darstellung und Analyse von Lois Romano bei Politico.com über die Datenbank, die Obamas Wahlkampfteam durch die vielen Spenden etc. erhalten. Da hat sich ein großer Pool an interessanten Daten ergeben, die politisch sehr wertvoll sind. Bei den Demokraten wird jetzt kontrovers diskutiert, wie und ob überhaupt die Daten weitere Verwendung finden sollen, angesichts wichtiger Wahlen in den nächsten Jahren.

Gelesen: Klaus Scherer – “Wahnsinn Amerika. Innenansichten einer Weltmacht”

“Gemeinsinn, nicht Spaltung und Konfrontation kennzeichnet Obamas Rede. Und das war er schleißlich ‘Amerikas Versprechen’ nennt [...] ‘Es ist der amerikanische Geist, der uns weitertreibt, der uns zusammenhält, der uns nicht nur sehen lässt, was sichtbar ist, sondern auch, wie es besser sein könnte. Dieser Geist ist unser größtes Erbe.’ Zugegeben, kurz ertappe ich mich danach mit dem Gedanken, dass jener Geist da doch schon mal mit besseren Staubsaugern beginnen könne. Doch tatsächlich hoffen an diesem Abend Millionen Amerikaner nicht nur, dass Obama ihr Präsident wird, sondern auch, dass er die politische Kultur in Washington verändern wird.”

Klaus Scherer schildert seine Eindrücke von Obamas Rede nach Nominierung durch die Demokraten in Denver im August 2008 (S. 66f.)

Dank der Pendelei zwischen Düsseldorf und Münster und der anstehenden US-Wahl Anfang November habe ich mir zuletzt vermehrt Literatur gekauft, die sich mit der politischen Lage in den USA auseinandersetzt. Positiv überrascht war ich von Klaus Scherers Buch “Wahnsinn Amerika. Innenansichten einer Weltmacht” (Piper Verlag). Scherer war von 2007 bis Anfang 2012 USA-Korrespondent für die ARD in Washington, also im Zentrum der politischen Macht der USA.

Auf knapp 300 Seiten fasst Scherer seine Eindrücke aus den fünf Jahren in den USA zusammen, vom Vorwahlkampf der Demokraten zwischen Hillary Clinton und Barack Obama im Jahr 2007 bis zu den startenden Vorbereitungen für den derzeitigen Wahlkampf. Warum das Buch so lesenswert ist: Scherer verbindet die vielen persönlichen Erfahrungen und Begegnungen mit Bürgern, Journalisten, Politikern und Wissenschaftlern zu einer Zustandsbeschreibung des politischen Amerikas. Er zeigt wunderbar eine Entwicklung auf, die seit 2007 das Land politisch und gesellschaftlich tief gespalten hat. Und wie lässt sich das besser als durch persönliche Gespräche und Erfahrungen bei Menschen vor Ort erfahren. Das Buch ist also eine Kombination aus der Schilderung des (politischen) Alltags in den USA und einer Analyse der politischen Probleme und Herausforderungen des Landes im 21. Jahrhundert.

Tiefe Kenner der USA-Politik werden über die Diagnosen, die Scherer stellt, nicht überrascht sein. Gleich zu Beginn des Buches kommt der Autor auf den Niedergang der politischen Kultur in den USA zu sprechen. Das tolle an dem Buch ist aber, dass Scherer diese Feststellung auf den weiteren Seiten mit Leben füllt, zum Beispiel wenn er Aktivisten der Tea-Party begleitet, die Stimmung gegen eine umfassende staatliche Krankenversicherung machen oder wenn demokratische Abgeordnete aus dem Parlament in Indianapolis vor ihren republikanischen Kollegen flüchten, weil die Demokraten als Minderheit im Parlament nichts mehr ausrichten konnten (und die Republikaner jede Versuche auf einen Konsens bei der Begrenzung der Macht von Gewerkschaften von vorneherein abweisen). Lobend zu erwähnen sind auch die vielen Gespräche mit dem ganz normalen amerikanischen Bürger, sei es dem Grenzkontrolleur an der Grenze zu Mexiko, den Jägern in South Dakota oder den Fischern vor der Küste Maines. Sie alle steuern Puzzleteile bei, um zu verstehen, wie die USA mit ihren Werten und Ansichten ticken. Da wird man hin und wieder gravierende Unterschiede zu uns Europäern erkennen – aber eben trotz aller Polarisierung viele Gemeinsamkeiten. Denn letzlich wollen alle nur glücklich und zufrieden leben. Ob der Polizist aus Pennsylvania, der als erster beim Absturz des Flugzeugs am 11. September 2001 war, oder der Häuptling Lockiger Bär in den Rocky Mountains.

Das ist in den letzten Jahren in den USA für viele schwieriger denn je geworden. Deshalb liegt der Fokus des Buches natürlich auch auf den wichtigen politischen Ereignissen und Entwicklungen der letzten Jahre. Die Nominierungen von Obama und John McCain, Obamas Wahlsieg, seine Amtseinführung und der Wunsch vieler Amerikaner nach Wechsel und einem Aufbruch im Land, das Ringen um die Gesundheitsreform, der Kampf der USA gegen die hohe Verschuldung und natürlich die schrecklichen Katastrophen durch Hurricanes und der Explosion der Bohrinsel im Golf von Mexiko. Scherer hat durch seine Korrespondentätigkeit fast mit allen wichtigen Personen des politischen Systems in den USA sprechen können, viele Eindrücke und Sätze davon fließen in die Beschreibung der politischen Lage der USA ein. Aber auch mit weniger bekannten Gesichtern im Machtapparat Washington hat sich Scherer getroffen, zum Beispiel Stephen Marks, der für die Republikaner die Kampagnen fürs Negative Campaigning entwarf.

Einziger kleiner Kritikpunkt an den Ausführungen von Klaus Scherer: Ich hätte mir an einigen Stellen einen noch tieferen Einblick gewünscht in die Probleme oder einzige Politikfelder. Das kann Scherer umfassend natürlich nicht leisten. Vielleicht hätte die ein oder andere Begegnung einfach nicht Erwähnung finden sollen. Aber das ist wenn überhaupt ein Abzug in der B-Note, ebenso einige zeitliche Sprünge, die gewissen Themenkomplexen geschuldet sind. Wer allerdings nun eine tiefgreifende, hoch wissenschaftliche Analyse erwartet, sollte sich das Buch lieber nicht kaufen. Es ist eine Kombination aus Reisebericht und politischer Analyse eines Journalisten wohlgemerkt. Aber das macht dieses Buch, wie ich finde, so lebenswert. Es sind Erfahrungen aus erster Hand, die in den vielen Berichten im TV eben nie zu sehen sind.

In erster Linie ist es, das sagt Scherer im Vorwort selbst, ein Rückblick auf seine Zeit in Washington von 2007 bis Anfang 2012. Aber es ist mehr. Es ist eine Reise durch die politischen und gesellschaftlichen USA. Kenntnisreich, pointiert mit viel Liebe für Details. Wer wissen will, wo die USA politisch 2012 stehen und wie Obamas Amtszeit das Land und Obama verändert hat, findet viele bekannte, aber auch neue Antworten. Klaus Scherer stellt zu Beginn seines Buches die Frage, ob die USA am Ende sind. Die Antwort, die Scherer final wählt, will ich hier nicht vorwegnehmen. Er zitiert zwar den US-Präsidenten, der nach seiner Tagesform gefragt, mit “On top of the game” antwortet. Aber nach 300 Seiten bleiben einige Frage offen. Auch die nach dem Schicksal der USA. Die kann Scherer auch nicht final beantworten, wenngleich er eine fundierte Tendenz formuliert. Die Antwort müssen die Amerikaner zunächst selbst Anfang November geben.

“Man muss Washington verlassen, um Amerika besser zu verstehen”, sagt Scherer. Und man sollte dieses Buch lesen, um Amerika besser zu verstehen.

Klaus Scherer: “Wahnsinn Amerika: Innenansichten einer Weltmacht” ist im Piper-Verlag erschienen. 18,99 €.

Zitat des Tages: Donnerstag, 30. August 2012 – Fail-safe improvements

Since 2005, the federal government, working at warp speed for a giant bureaucracy, has spent $14.5 billion to rebuild failed levees, replace pumping stations and erect gargantuan floodgates around New Orleans. This year, Louisiana approved a plan to restore coastal wetlands, the natural barriers that deter flooding. The city has more sensible building codes and evacuation plans. By no means are the improvements fail-safe. Isaac, which came ashore as a Category 1 hurricane, promptly ravaged low-lying Plaquemines Parish, just outside New Orleans’ ring of walls, with 12-foot surges that overtopped parish levees. Some people ignored orders to evacuate; again, as during Katrina, stranded residents had to be plucked from rooftops. Slow-moving Isaac caused massive power outages and threatened to cause severe flooding as it crawled inland.

USA Today: Hurricanes vs. infrastructure improvements

Zitat des Tages: Freitag, 3. August 2012 – Romney’s trip

By Mr Obama’s own lights, of course, there are plenty more failures to add to his account. He did not, as he promised, halt the rise of the oceans, or close the prison camp at Guantánamo within a year of taking office, or bring about peace between Israel and Palestine, or forge a better relationship with the Muslim world, despite the eloquence of his Cairo speech. But it will be hard for Mr Romney to gain much traction on any of these, since they are not objectives that he appears to share.
Anyway, Mr Romney’s trip will probably make very little difference to the battle being played out in America. Foreign policy matters less in this contest than in any in living memory. For that, blame the recession and the agonisingly weak recovery, and also the fact that in today’s multipolar world, American leadership counts for much less than it used to.

The Economist: Mitt Romney abroad. Gaffes and choices

Dazu auch die wie immer sehenswerte Interpretation von Jon Stewart in The Daily Show:

The Daily Show with Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Democalypse 2012 – National Geogaffe-ic
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor & Satire Blog The Daily Show on Facebook

Direktlink zum Video

Zitat des Tages: Donnerstag, 31. Mai 2012 – Barack Obama calls Mitt Romney

THE POTUS: That’s very amusing, Mitt. It’s good to have a sense of humor. Maybe you should show it more often—no, don’t do that, it might help you in the polls. Anyway, I hear what you say. Next time I call you a cold-hearted vulture capitalist who has the blood of tens of thousands of patriotic, God-fearing American workers on his hands, please don’t take that personally, either. And don’t believe that stuff in this week’s New York magazine about my campaign trying to depict you as a right-wing dinosaur from the nineteen-fifties who’s going to ban abortion, birth control, and reality TV. That’s just Axe and the boys getting a little overexcited.

The New Yorker: “This Is the President Calling for Governor Romney

Zitat des Tages: Mittwoch, 18. April 2012 – “Building the biggest grassroots campaign in history”

Mr Obama’s campaign team also wants to emulate his success in 2008 in another way, by creating a huge network of volunteers, recruited and co-ordinated in large part online, to proselytise on his behalf. There is much talk of “building the biggest grassroots campaign in history”. So Mr Obama’s footsoldiers are trying to contact as many potential supporters as possible in person, either online or through carefully orchestrated door-knocking drives and telephone banks. That, in turn, has racked up big bills for internet advertising and office overheads.

This approach has multiple virtues. Voters are more likely to respond to a friend’s political urgings than to a television advertisement or a flyer, according to Mr Obama’s strategists. Direct contact with a large pool of potential voters allows Mr Obama to present his own pitch, unfiltered by the media, and the campaign’s technical wizardry will ensure that it is tailored to the recipient. That should be especially valuable this time, since the media is less enamoured of the president than it once was, and since changes in election laws have made it much easier for pressure groups to spend vast sums to influence the election. Personalised e-mails, phone calls and appeals from friends or neighbours, the theory runs, should help counter the flood of negative advertising. Even better, such an approach dovetails neatly with efforts to register new voters. The campaign sees lots of potential to add young people and Hispanics, in particular, to the rolls in swing states—and has already started.

The Economist: The Obama Campaign. Growning the grassroots