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Das ganz große Geld winkt: Blackburn Rovers vor der Übernahme

Mittwoch, 18. August 2010 21:23

Gestern vor zehn Jahren, am 17. August 2000, starb der englische Unternehmer Jack Walker an einer Krebserkrankung. Über ein Jahrzehnt hat er die Blackburn Rover finanziell unterstützt. Demnächst kommt das Geld dann aus Indien.

Wenn jemand 80 bis 100 Millionen Pfund für Transfers in den nächsten fünf Jahren in Aussicht stellt, dann kann man dem nicht einfach so die Tür vor der Nase zuschlagen. 20 Mio Pfund für neue Spieler, für einen Klub aus dem Mittelfeld der Liga wie die Blackburn Rovers, die finanziell auch im Vergleich zu den kleineren Klubs aus Stoke, Wolverhampton und Wigan nicht gerade auf Rosen gebettet sind,  können dies wichtige Einnahmen sein um sich weiter vorne in der Premier League zu platzieren. Und deswegen ist man sehr schnell schwach geworden, als der indische Unternehmer Ahsan Ali Syed ein Übernahmeangebot vorgelegt hat. Die Blackburn Rovers haben heute das Interesse an einer schnellen Übernahme durch Syed bestätigt.

Seit Anfang der Woche verhandeln Repräsentanten und Finanzexperten aus Frankreich im Auftrag von Syed mit Verantwortlichen der Blackburn Rovers über eine Übernahme. Alles soll schnell geehen, damit der Verein noch das Geld für neue Spieler bis zum Ende der Transferperiode Ende August ausgeben kann. Eine Einigung müsste also in den nächsten Tagen geschehen. Insgesamt vier Wochen sollen für die Verhandlungen angesetzt sein, das Geld für Transfers könnte aber schon frühzeitig fließen. Alle wesentlichen Verhandlungspunkte sollen bis zum 27. August festgeschrieben werden.  Syed legt  all in all 300 Millionen Pfund für die Übernahme auf den Tisch und begleicht in einem ersten Schritt auch die Schulden der Rovers, die bei über 20 Millionen Pfund liegen sollen.

Syed ist zu 90 Prozent beteiligt an der Western Gulf Advisory, die ihren Unternehmenssitz in Bahrain hat und sich in seinem Auftrag mit Investments vor allem im Mittleren Osten beschäftigt. Syed hat mehrere Milliarden Euro geerbt und weiß jetzt scheinbar nicht so richtig, was er mit dem ganzen Geld anfangen soll. Das Syed und sein Unternehmen über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen, berichtet auch der Guardian, der Einblick in den Geschäftsbericht der Gulf Advisory aus dem Jahr 2009 bekam. Demnach soll das Unternehmen 1,2 Milliarden US-Dollar wert sein und liquide Mittel zum Investieren in Höhe von knapp 800 Millionen US-Dollar haben. Der Wert des Unternehmens soll sich bis Ende des Jahres auf drei Milliarden US-Dollar erhöhen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise trifft scheinbar nicht alle. Seit dieser Saison greifen – auch vor dem Hintergrund der Pleite des FC Portsmouth – die neuen, sehr strikten Regeln seitens der Premier League bezüglich der Übernahme eines Vereins durch ausländische Investoren. Demnach müssen Unternehmer, die einen Premier League Klub kaufen, ihre verfügbaren finanziellen Mittel und Reichtümer transparent offen legen, damit verhindern werden kann, dass nicht genug liquide Mittel verfügbar sind und eine mögliche Pleite des Vereins bevorstehen könnte. Ausführlich nachzulesen bei der BBC.

Ich sehe schon wieder den Aufschrei durch die hiesigen Medien, wenn die Übernahme perfekt gemacht wird. Das habe dann doch nicht mehr viel mit Fußball zu tun, wenn sich ausländische Firmen in englische Fußballvereine einkaufen. Da stimme ich sogar zu, nur bringt es nichts immer wieder darüber zu diskutieren und zu mäkeln. Die Premier League erlaubt diesen Vorgang und kontrolliert ihn seit dieser Saison vehement und ausführlich. Und nun muss man sich damit abfinden. Ob das Interesse von Syed an den Blackburn Rovers nicht gespielt ist, weiß nur er selbst. Seine Aussagen lassen Zweifel aufkommen, aber tun sie das nicht bei jedem ausländischen Investor, welcher in die Premier League kommt? Syed sprach im Vorfeld der nun stattfindenden Verhandlungen von einem 15-Jahres-Plan, den er bei den Blackburn Rovers anstrebe. Er wolle Erfolge feiern und nicht nur für zwei Jahre investieren und dann wieder verschwinden. Klingt ganz engagiert. Und er kündigt schon mal Champions League Fußball in Blackburn an. Es ist wie immer. Taten müssen folgen.

Gefragt, warum er sich für eine Übernahme der Blackburn Rovers entschieden hat nennt er seine Leidenschaft für Fußball und die große Anerkennung für die Arbeit von Trainer Sam Allardyce. “Er hat hier mit begrenzten finanziellen Mitteln einen fantastischen Job gemacht. Ich möchte ihm die finanzielle Unterstützung geben, damit er Wunder vollbringen kann. Für mich ist die Investition in die Blackburn Rovers mehr der Leidenschaft geschuldet. [...] Ich komme als Fan um langfristig in den Verein zu investieren”.

Zu einer Übernahmeschlacht bei den Rovers kommt es vorerst noch nicht. Bisher liegt nur das konkrete Angebot von Syed vor. Allerdings kündigte auch ein indischer Unternehmer aus Mumbai, Saurin Shah, dessen Interesse am Verein schon seit mehreren Monaten bekannt ist, eine Übernahmeangebot an. Eine genaue Offerte blieb aber bisher aus, vielleicht sieht er sich jetzt durch das Angebot von Syed unter Druck gesetzt und will nachlegen. Im Juni soll es bereits erste Gespräche zwischen Shah und den Rovers gegeben haben. Bisher nichts passiert. Shah will vor allem seine Kontakte zur Indian Premier League (IPL) im Cricket nutzen um Verbindungen zwischen der Premier League und dem Cricket herzustellen. Der Onkel von Shah ist stellvertretender Vorsitzender der IPL.

Es fehlt nicht mehr viel, bis der nächste Premier League Klub ein Spielzeug reicher ausländischer Investoren wird, die sich so gerne und oft in den Medien als leidenschaftliche Fans präsentieren.

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Honesty is the best policy

Donnerstag, 29. Juli 2010 16:43

Es sind Fälle, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben, die sich in ihrem Ausmaß, ihrer Tragweite und Konsequenzen vielleicht auch erheblich unterscheiden und deswegen gar nicht miteinander verglichen werden können, aber trotzdem stelle ich mir seit Tagen die Frage, warum es Wirtschaftsunternehmen, Veranstalter und Organisatoren von Großveran-staltungen oder Verursacher von Umweltkatastrophen so schwer fällt, auf eine angespannte Lage oder gar Krise so kleinhäutig zu reagieren, indem sie die Kunden oder Betroffenen schlicht die Wahrheit vorenthalten. Von bewusstem Lügen möchte ich an dieser Stelle gar nicht sprechen.

Erstes Beispiel: die Rheinbahn, die Düsseldorfer Verkehrsbetriebe. Die haben derzeit nämlich Fahrermangel, bedingt durch einen erhöhten Krankenstand, zahlreiche Zusatzschichten wegen Großveranstaltungen und der Düsseldorfer Kirmes und den Sommerferien mit vielen abwesenden Mitarbeitern. Und wenn man nicht genug Fahrer hat, hat man nicht genug Fahrzeuge, die gefahren werden können um den Fahrplan zu erfüllen. Ich bin die ganze Woche ins Büro mit der Bahn gefahren und konnte jeden Morgen von Ausfällen einzelner Verbindungen berichten, teilweise sogar zwei Bahnen am Stück. Das ist für die Fahrgäste eine ärgerliche Situation, wenn man darüber nicht informiert wird. Wenn ich von den widrigen Umständen weiß, stelle ich mich auf die Situation ein. Ich habe auch gar kein Problem damit, dann ist es halt so und man muss mit den Gegebenheiten so gut wie möglich umgehen, Rheinbahn wie Fahrgäste. Für was ich allerdings gar kein Verständnis habe, ist der Umgang der Rheinbahn mit dieser Situation. Die Rheinische Post hat ein paar exklusive Informationen und Statements veröffentlicht. Fahrer wie betroffene Fahrgäste bestätigen Ausfälle, die Rheinbahn nimmt als vorübergehende Ausrede Fahrzeugausfälle. In der Werkstatt ist davon aber nichts bekannt. Da geht die Unternehmenskommunikation voll auf. Wieso ist es so schwierig, den Fahrgästen mitzuteilen, dass sie sich auf Ausfälle einstellen müssen, weil es derzeit nicht genügend Fahrer gibt? Wenn ich das weiß und ehrlich vom Unternehmen kommuniziert wird, gibt es meinerseits dann Akzeptanz für die Situation. Doch bei dieser Strategie des Vertuschens und Lügens kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Zumal jeder, aber wirklich jeder in Düsseldorf von den Problemen berichten kann. Nur die Rheinbahn nicht. Unverständlich. Und den Ärger bekommen dann wieder die Fahrer ab, die sowieso schon durchweg einen intensiven anstrengenden Job haben.

Und man könnte die Liste dieser Fälle fortsetzen, angefangen beim einen globalen Konzern wie BP bis hin zur Deutschen Bahn oder den Veranstaltern der Loveparade und der Stadt Duisburg. Ich kenne wenige Fälle aus dem Bereich der Krisenkommunikation, wo Verschleiern oder bewusstes Verschweigen von Tatsachen sich irgendwann ausgezahlt hat. Es kommt ehe irgendwann alles ans Licht, Medien und effektiven Ermittlungsbehördern muss hin und wieder auch mal gedankt werden. Wie fühlt man sich, wenn man ganz offensichtlich kein tragfähiges Sicherheitskonzept für eine Großveranstaltung hatte? Wer dafür letzlich zuständig ist und in wessen Verantwortungsbereich dieser Sachverhalt liegt, ist das Aufgabe der Staatsanwaltschaft herauszufinden. Für mich als Bürger oder direkt Betroffenen ist das in erster Linie völlig egal. Für mich wäre es ein Zeichen und angemessen, wenn man Fehler, die ganz offensichtlich begangen würde, zugibt. Sie passieren, es ist ärgerlich und sogar tödlich. Leider. Aber es ist keinem geholfen, wenn man als Person oder Führungskraft in der Öffentlichkeit ein desolates eigenes Bild abgibt und sich keiner Schuld bewusst sein will. Menschen lassen sich nicht für dumm verkaufen. Und als Chef eines Unternehmens, einer Institution oder Behörde hat man immer auch Verantwortung für seine Mitarbeiter und Angestellten. Denn die sind es meist, die in Kontakt kommen, mit Fahrgästen, normalen Bürgern, Freunden und Bekannten. Und die müssen sich dann erklären und rechtfertigen und werden von der Chefetage im Stich gelassen.

Ich hatte eigentlich den Eindruck, dass durch die Finanz- und Wirtschaftskrise das Bewusstsein für eine faire und ehrliche Unternehmenskommunikation auch zum Schutz der eigenen Mitarbeiter wieder erheblich gewachsen ist. Die letzten Tage und Wochen lassen mich daran wieder mehr zweifeln. Auch wenn es nur Einzelfälle sind, die gar nichts miteinander zu tun haben. Aber wie heißt es so schön: Honesty is the best policy.

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Wenn Politik die kommunikative Bewährungsprobe nicht mehr besteht

Donnerstag, 10. Juni 2010 20:44

Nimmt noch jemand darauf Wetten an, dass die Regierungskoalition von Union und FDP noch bis zum Jahr 2013 hält? Ich versuche die derzeitige Krise immer noch zu begreifen und zu verstehen, habe aber immer noch keinen wirklichen Grund gefunden, warum CDU/CSU und FDP sich dieser Tage derart in Luft auflösen und praktisch zielgerichtet auf ein Ende der Koalition hinarbeiten. Natürlich gab es viele exterene Probleme – die Rücktritte von Roland Koch und Horst Köhler, die schnelle Suche eines neuen Bundespräsidenten und der Zwang zu sparen und massive Einschnitte im Haushalt zu beschließen, aber das ist für mich ja nun wirklich kein Grund, dass man nach innen überhaupt keine Geschlossenheit mehr zeigt und praktisch täglich den politischen Partner gnadenlos und sehr wirksam für die Öffentlichkeit gegen die Wand fahren lässt. Das kann die CDU/CSU ja mittlerweile ziemlich gut. Erst bei der Gesundheitsreform, wo Gesundheitsminister Rösler die bittere Pille schlucken musste. Und was letzte Woche Rösler war, ist dieser Tage Rainer Brüderle, der Staatshilfen für Opel abgelehnt hat. Merkel hat ihn überstimmt, zum zweiten Mal wurde die FDP zurecht gewiesen. Und glaubt man Berichten des Handelsblatts plant Merkel nach der Wahl des Bundespräsidenten Steuererhöhungen. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Es wäre die nächste Chance die FDP mal wieder zu überrennen. Die Frage ist eben noch, wie lange die FDP sich das mit sich machen lässt. Oder ob man eben eiskalt zurückschlägt – am 30. Juni bei der Bundesversammlung. So oder so wäre das Ende dieser Koalition vorprogrammiert.

Es wirkt fast paradox. Da wollte Merkel letzte Woche mit der Nominierung von Christian Wulff ein Zeichen setzen für die Geschlossenheit von CDU/CSU und FDP – und knapp eine Woche später ist ihr die Kontrolle noch mehr aus dem Ruder gelaufen, als ich mir jemals vorstellen konnte.

Unabhängig der internen Streitigkeiten der Koalition ist mir gestern wieder einmal aufgefallen, was nicht nur dieser Tage das wohl größte Problem der Regierung und ein wenig auch der Politik insgesamt ist. Nämlich das Erklären und Vermitteln von Politik. Diese Aufgabe fällt nun mal in erster Linie in die Hände von Union und FDP. Und sie haben es nicht geschafft bisher. Was natürlich zur internen Streitigkeit beiträgt. Denn man merkt, dass die Bevölkerung entweder die Programmatik oder Beschlüsse nicht versteht oder schlicht nicht unterstützt. Und das ist für Politik ein kleines Armutszeugnis. Und das verschärft die Unzufriedenheit von Merkels Mannschaft natürlich umso mehr. Klassisches Beispiel gestern Abend. Da sind Norbert Röttgen von der CDU und Christian Lindner von den Liberalen zu Gast bei Frank Plasberg in der ARD. Da könnte man doch einmal die aktuelle Politik erklären. Aber die beiden haben es schlicht nicht realisieren können (Kapitel: Reiche kommen ungeschoren davon).

Man muss CDU/CSU und FDP zugute halten, dass sie sich ernsthaft bemüht haben einen Sparplan aufzustellen und als ich Merkel und Westerwelle am Montag auf der Pressekonferenz gesehen habe, dachte zumindest ich, man hätte zueinander gefunden und ein der dramatischen Lage der Haushalte angemessenes Paket geschnürt. Da habe ich mich dann ein wenig geirrt. Und wohl auch Röttgen und Lindner, was gestern in der Sendung schonungslos aufgedeckt wurde.

1. Vermittlung des Sparpakets. Es ist natürlich extrem schwierig solche ehe schon unpopulären, aber nun mal notwendigen Maßnahmen der Bevölkerung zu vermitteln. Das ist eine Herkulesaufgabe für die politischen Akteure, aber es ist deren Pflicht. Politik vermitteln und erklären. Das fällt bei solchen Beschlüssen aber eben schwierig, wenn man auf Steuererhöhungen für Reiche verzichtet, gleichzeitig aber bei niedrigen Einkommen oder Arbeitslosen kürzt. Es muss ganz einfach auch bei den Hartz IV-Empfängern zu Einschnitten kommen, weil der Etat für Arbeit und Soziales den größten Anteil im Haushalt einnimmt. Aber für eine Vermittlung und Akzeptanz des Sparpakets bei der Bevölkerung wäre es eben ein richtiges Zeichen gewesen, wenn gleichzeitig auch die oberen Einkommensklassen Einschnitte hinnehmen müssen. So bleibt es nahezu unvermittelbar und findet in der Bevölkerung keine Akzeptanz, vor allem bei den direkt Betroffenen. Für eine Regierung in der Krise quasi der finale Hinweis, dass irgendwas schief läuft.

2. Erklärung des Sparpakets. Vermitteln im Gesamtrahmen ist der eine Aspekt erfolgreicher Politik, Erklären der einzelnen Programmatiken das andere. Wie das ganze nicht geht, hat Norbert Röttgen gestern gezeigt. Auf die Frage, warum denn gerade nur Bezieher von Arbeitslosengeld II zukünftig auf das Elterngeld verzichten müssen, andere Familien, deren Elternteile in Beschäftigung aber nicht, antwortete Röttgen dann irgendwas mit systemimmanten Zwängen, die keiner wirklich verstanden hat und die zu kompliziert waren um sie auch nur igendwie einordnen, richtig stellen oder falsifizieren zu können. Man muss sich doch bei der Kürzung des Elterngeldes etwas gedacht haben. Warum kann man das nicht so erklären, dass es zumindest in Ansätzen verstanden wird? Unerklärbarkeit kann ja kein Kriterium sein es dann doch zu machen. Und nur konkret werden beim Kürzen ja wohl auch nicht

Man hätte in der Koalition von CDU/CSU und FDP mit dem Beschluss des Sparpakets Handlungsfähigkeit beweisen. Doch wenn es schon an der Vermittlung und Erklärung eines solch wichtigen Meilensteines harpert – teilweise selbstverschulded durch soziale Unausgewogenheit, eben auch weil man vielleicht nicht mit der Wahrheit rausrücken möchte – hat die Koalition eine große Chance verpasst…und wirkt noch unzufriedener mit sich selbst denn je. Der Anfang vom Ende? Die nächsten Wochen bleiben spannend.

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Wulffs Problem: Ein Hafen im Nirgendwo

Freitag, 4. Juni 2010 10:24

Christian Wulff wird also unter normalen Umständen der nächste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland sein. Und als Abschiedsgeschenk hat der derzeitige Ministerpräsident von Niedersachsen für seine Landsleute im Bundesland zwischen Nordsee und Harz noch ein ganz besonderes Überraschungsgeschenk parat: Ein Hafen im Nirgendwo.

Es handelt sich dabei um ein ehrgeiziges Projekt der beiden Bundesländer Niedersachsen und Bremen und des Betreibers Eurogate, den norddeutschen Häfen, insbesondere Hamburg, Konkurrenz zu machen und einen Tiefseewasserhafen bei Wilhelmshaven, der Jade-Weser-Port,  zu bauen, den die neuste Generation der großen Containerschiffe unabhängig vom Tidenstand anfahren kann. Ein Prestigeprojekt für die wirtschaftsschwache Region um Wilhelmshaven, es ist Wulffs Projekt. Der Start des Hafenbetriebs ist mehrfach verschoben worden, mittlerweile hat man sich auf den 5. August 2012 geeinigt. In knapp zwei Jahren sollen also Container aus aller Welt nach Wilhelmshaven kommen, ein Milliardenprojekt soll dann seine Verwirklichung finden.

Oder auch nicht. Denn Wilhelmshaven hat ein Problem, Christian Wulff hat ein Problem. Denn was nützt der schönste, leistungsfähigste und tiefste Hafen, wenn man die Güter und Container nicht ins Hinterland bringen kann? Die Bahn hat stets versichert – und Wulff hat das immer wieder unterstrichen und herausgestellt – dass der Bahnanschluss rechzeitig ausgebaut und elektrifiziert wäre, damit die Güterzüge schnell mit der Fracht durch Deutschland touren können. Konkret geht es dabei um den Strecke zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven, die auf zwei Abschnitten, zwischen Rastede und Hahn-Lehmden und Jaderburg und Varel, nur eingleisig befahrbar ist. Und die Strecke ist auf gesamter Länge nich elektrifiziert. Immer wieder haben die Bahn-Chefs Mehdorn und Grube versichert, dass Geld da sei und der Ausbau und die Modernisierung der Strecke rechtzeitig mit dem Start des Hafens abgeschlossen sein. Doch da ist man schon vor ein paar Monaten abgerückt. ABER: Man hat stets versichert, dass die Strecke irgendwann fertiggestellt sei. Der niedersächsische Verkehrsminister, Jörg Bode von der FDP, nannte die Fertigstellung des zweigleisigen Ausbaus für 2014, Elektrifizierung bis 2017.

Das war schon eine große Kröte, welche die Unterstützer des Hafens schlucken mussten. Es hätte also so oder so in den ersten Jahren einen Engpass gegeben. Aber nur vorübergehend. Für Christian Wulff und die niedersächsische Landesregierung ein immer noch gerade so vertretbarer Kompromiss. Bahnchef Grube und Verkehrsminister haben im April noch zugesichert, dass alles wie dan geplant und verhandelt gebaut wäre.

Bis heute. Denn nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Freitagsausgabe) waren das von Ramsauer und auch Grube alles leere Versprechen. Denn schon länger – bereits im Februar und März – wusste man im Verkehsministerium, dass für das Projekt der Anbindung des Jade-Weser-Ports eigentlich kein Geld da sei. Und jetzt steht plötzlich das ganze Projekt der Schienenanbindung in Frage. Ein Desaster. Da baut man einen neuen riesengroßen Hafen an die Nordsee und soll auf einer eingleisigen, nicht elektrifizierten Strecke das Hinterland anbieten. Das kann nur in Deutschland passieren und ist einfach peinlich. Hamburg beeindruckt man damit nicht und es muss sich die Frage gestellt werden, ob das ganze Projekt ohne vernünftigen Verkehrsanschluss eine einzige große Geldvernichtungsmaschine war. Nichts mit 2014 oder 2017. Vielleicht gar nicht mehr. Spardruck, Unterfinanzierung des Bundesverkehrsministeriums. Die Menschen im Nordwesten Niedersachsens bedanken sich schon mal.

Da rächt es sich eben, wenn man ein sowieso notwendiges und auch finanziell machbares Projekt immer auf die lange Bank schieben will. Denn mittlerweile sind auch die Kosten für den Ausbau der Bahnstrecke von 326 Millionen auf 506 Millionen Euro gestiegen. Hätte man bloß eher angefangen. Das ist der eine Aspekt, der einem die Gesichtszüge entgleiten lässt. Der andere ist das Verhalten der Bahnchefs, von Verkehrsminister Ramsauer und das bl0ße Abnicken der Zahlen durch den Ministerpräsidenten Wulff. Denn offenbar ist schon seit Monaten klar, dass kein Geld für die Strecke eingeplant sei oder überhaupt noch vorhanden ist. Aber macht sich natürlich gut, Herr Ramsauer, wenn man sich im April noch in Wilhelmshaven hinstellt und laut herausposaunt, dass alles nach Plan verlaufe. Und das sind genau solche Ereignisse, die mich teilweise richtig sauer machen und bei denen ich jegliches Vertrauen und Gestaltungswillen der Politik verliere.

Und jetzt haben wir in zwei Jahren einen Mega-Hafen an der Küste und keine vernünftige Hinterlandanbindung, die zwingend nötig wäre. Oder wir verschicken pro ankommendem Containerschiff einfach 10.000 LKW nach Wilhelmshaven. Es ist eigentlich unfassbar. Herr Wulff, vergessen Sie das Schleifchen nicht bei ihrem Abschiedsgeschenk. Besser hätte man nicht Auf Wiedersehen sagen können. Die Menschen im Nordwesten sind sicher optimistisch, dass es in der strukturschwachen Region wirtschaftlich bergauf geht. Und das ist ja kein Peanuts-Verkehrsprojekt, das da entsteht. Und als Herr Ramsauer würde ich mich auch mal hinterfragen, ob sein Vorgehen und das (bewusste) Verschleiern längst bekannter Rahmendaten das Bild eines Politikers nachhaltig stärkt. Wohl eher nicht. Aber es ist ja nur ein Fleck in Niedersachsen und nicht Bayern.

To be continued.

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Ich verstehe die BILD-Zeitung nicht

Montag, 3. Mai 2010 18:43

Ich habe mich die letzten Tage bedingt durch einen kleinen Vortrag für ein Uni-Seminar genauer und ausführlicher mit der Griechenland-Krise beschäftigt, mit den Ereignissen, die zu der hohen Verschuldung des Mittelmeerstaates geführt haben, wie die Märkte Gerüchte und Spekulationen angeheizt haben und wie die Politik seit Monaten verkündet hat, dass man Griechenland helfe, aber lange wenig Konkretes ausgearbeitet wurde. Empfehle jedem Mal sich dort genauer einzulesen, unglaublich interessant. Empfehle die aktuellen Ausgaben vom SPIEGEL und Economist und einfach mal im ZEIT-Archiv stöbern. Klassisches Beispiel dafür, wenn Politik die Märkte unterschätzt, sagen immer viele. Ich weiß gar nicht, ob das Verhalten der Politik ein Unterschätzen war, was ja impliziert, dass man sich der Gefahr und der Dynamik der Märkte nicht bewusst war. Für mich ist das viel mehr – gerade auch auf deutscher Seite – ein Ausreizen gewesen, einfach testen, wieweit man gehen kann. Leider hat man dann den Bogen etwas überspannt. Was mehr als bedauerlich ist, aber eben auch zeigt, dass für die Regulierung der Finanzmärkte noch einiges getan werden muss.

Ich habe mir natürlich auch ein wenig die Medienberichterstattung europaweit und in den USA über die dramatische Lage in Griechenland angeschaut und konnte den überwiegenden Tenor durchaus nachvollziehen. Die USA haben insbesondere die Rolle und Position der Gesamtzone begutachtet (“Wo ist Europa?” hat die New York Times gefragt) und auch der Medientenor in der Euro-Zone leuchtete mir ein. Frankreich hat sehr schnell gesagt, dass man für Griechenland-Hilfen zur Verfügung steht, entsprechend ruhig verlief die Medienberichterstattung. Die britische Presse machte sich – wen wundert es – vor allem mit berechtigter Kritik über Angela Merkel lustig. Zitat aus dem aktuellen Economist, Seite 67: “Angela Merkel’s political credibility has not yet been downgraded to junk status”, wobei im Heft die Dynamik und die verschiedenen Dimensionen der Krise – und damit die Rechtfertigung für die Kritik an Merkel – exzellent aufgezeigt werden.

Nur die deutsche Medienberichterstattung gibt mir Rätsel auf, allen voran die BILD. Warum gerade jetzt diese Kampagne gegen finanzielle Unterstützung für Griechenland? Da werden von BILD-Redakteuren auf Marktplätzen Drachmen verteilt, die vorher gegen Euro ausgegeben wurden. Da sind Bilderserien in der Zeitung, die Menschen in Athen an Restauranttischen beim Abendessen zeigen (Sollen die Griechen etwa auch noch verhungern, frage ich mich. Das Essen darf man ihnen ja wohl nicht verbieten) und auf einer Doppelseite Menschen aus Deutschland, die das Geld viel dringender nötig hätten als die Griechen, zum Beispiel für den Neubau des lokalen Feuerwehrhauses.

Aber warum fährt die BILD diese massive Kampagne, wie ich sie seit Jahren eigentlich nicht mehr gesehen habe? Ist es das Zögern der Politik gewesen, die sich nicht schnell genug auf eine klare Linie einigen konnte und der BILD das Agenda-Setting ermöglichte? Will die BILD mal wieder Sprachrohr der Bevölkerungsmeinung sein (dabei war doch zu Beginn der Kampagne noch gar nicht klar, wie die Deutschen zu Zahlungen stehen)? Will die BILD beweisen und demonstrieren, welche Stärke und Macht sie hat, die Meinung in der Bevölkerung zu beeinflussen? Oder möchte der Boulevard sich wieder als Anwalt des kleinen Mannes, der sich öffentlichkeitswirksam nicht artikulieren kann, verstehen?

Und dann denke ich die ganze Zeit darüber nach, was die BILD mit der Kampagne eigentlich bewirken wollte. Merkel die Krise verschärfen, ein Blatt aus dem Hause des Axel-Springer-Verlages! Und ich denke, dass auch der BILD von Beginn an offensichtlich war, dass sie nicht verhindern kann, dass Deutschland Kredite gewährt und dass Griechenland gerettet wird. Warum also die Kampagne?

Wahrscheinlich ist es einfach das Ausleben eines journalistischen Triebes des Boulevardjournalismus mal richtig auf die Pauke zu hauen. Wieviel Schuld daran auch die Politik hat, steht auf der anderen Seite der Medaille.

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Die Lüge von besseren Studienbedingungen ohne Studiengebühren

Montag, 29. März 2010 9:38

Ich finde es mittlerweile eine leidige Debatte über Studiengebühren zu diskutieren, aber das ständige Fordern vieler Parteien nach Abschaffung dieser, hat mich dann doch dazu veranlasst, ein paar Zeilen zur Verteidigung der Studiengebühren zu schreiben. Vor der Landtagswahl an Rhein und Ruhr bringen sich ja jetzt wieder alle Parteien in Position. Im Wahlprogramm der SPD für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist zum Beispiel zu lesen:

” Wir meinen es mit der Förderung der Chancengleichheit Ernst. Darum werden wir den gebührenfreien Zugang zu allen Bildungseinrichtungen – vom Kindergarten bis zum Hochschulstudium – garantieren.”

Man möchte verhindern, dass Bildung eine Ware wird, die sich keiner mehr leisten kann. Auch die Grünen sind gegen die Studiengebühren und machen das in ihrem Wahlprogramm auch sehr deutlich. Und dann sind da noch folgende Forderungen in der Hochschulpolitik zu lesen:

“Wir Grünen wollen diesen Trend umkehren und wieder Verantwortung übernehmen: für die bauliche, sachliche und personelle Ausstattung der Hochschulen, für zusätzliche Studienplätze und für die notwendige Kurskorrektur im Rahmen der Umstellung auf Bachelor und Master. Wir Grünen wollen eine soziale Öffnung unserer Hochschulen und deutlich mehr jungen Menschen ein Studium ermöglichen.”

Das klingt ja alles ganz toll, ist vielleicht auch nett gemeint von den Grünen. Nur muss mir noch mal einer erklären, wie man das finanzieren möchte und gleichzeitig auf Studiengebühren verzichtet. Und so ziehen viele Politiker dieser Tage mit der populären Forderung durchs Land die Studiengebühren abzuschaffen – ohne auch nur einen Schritt weiter zu denken, was das konkret für die Hochschulen und damit auch für die Studienbedingungen bedeutet. Es scheint dieser Tage schon zu viel verlangt, von Politikern weiter als bis zur ersten Straßenecke zu denken. Denn eines ist klar: Hochschulen brauchen Geld.

Ab dem Sommersemester 2010 gibt es nur noch fünf Bundesländer, die zusätzlich zu den Semesterbeiträgen Studiengebühren erheben, nämlich Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Das Saarland hat unter der Jamaika-Koalition die Gebühren wieder abgeschafft – ab diesem Sommersemester gibt es keine Gebühren mehr. Jetzt hat man einen Flickenteppich in Deutschland, der keinem weiterhilft. Nicht wirklich von Vorteil: Gut, man könnte meinen, die Mehrheit hat schon keine mehr – also ganz abschaffen. Umgekehrt wäre es richtiger: alle wieder nachziehen oder überhaupt mal einführen.

Studiengebühren sind wichtige Einnahmen für die Hochschulen und Universitäten, wenn sie diesen vollständig überlassen werden. Hochschulen und Universitäten brauchen Geld, sei es für die Lehre, für technische Ausstattung, für Tutorenstellen und lange Öffnungszeiten der Bibliotheken. Alle, die Studiengebühren abschaffen wollen, sollen mir mal sagen, wie sie die fehlenden Einnahmen für die Bildungseinrichtungen aufbringen wollen – gerade auch in Zeiten klammer, hoch verschuldeter Haushalte von Bundesländern und Bund. Da habe ich bisher noch keine vernünftige Antwort gehört. Ich habe die sehr gute Erfahrung mit Bremen und Düsseldorf an zwei Universitäten studiert zu haben bzw. zu studieren – und wenn mir jetzt noch einer sagt, dass Studiengebühren keine positiven Auswirkungen auf die Studiensituation haben, dann ist das aus meinen Erfahrungen schlicht falsch. Ich will jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, kann das aber gerne nachholen, wenn gewünscht.

Das beste Beispiel, was das Fehlen von Studiengebühren anrichtet, sieht man dieser Tage in Hessen. Im Juni 2008 hat die linke Mehrheit im hessischen Landtag die Studiengebühren wieder abgeschafft. Am dem Wintersemester 2008/2009 wurde das Portmonee der Studierenden wieder geschont. Nach einer Initiative diverser Hochschulpräsidenten wurde erreicht, dass es als Ausgleich für die fehlenden Studiengebühren rund 96 Millionen Euro pro Jahr vom Land Hessen geben soll. Geld, das dringend gebraucht wird und auch nicht weniger werden darf, zumal in den nächsten Jahren noch mehr Studenten an die Universitäten kommen. Und jetzt bekommt Hessen die Quittung: Die Landesregierung hat am Wochenende angekündigt, im Jahr 2011 den Hochschulen 30 Millionen Euro weniger Geld zur Verfügung zu stellen. Die Kürzung wird mit der schwierigen Finanzlage des Landes Hessen von der Wissenschaftsministerin Kühne-Hörmann (CDU) begründet. Hätte man jetzt doch Studiengebühren als Ausgleich und verlässliche Einnahmequelle. Die Uni-Präsidenten der hessischen Hochschulen reagieren verärgert. Allein die TU Darmstadt müsse 2011 fast neun Millionen Euro einsparen.

30 Millionen Einsparungen, obwohl man jährliche Ausgleichzahlungen zugesagt hat. Wie soll das bitte zusammengehen? Und wie soll das passen mit Deutschlands Anspruch einen Spitzensplatz in Bildung und Forschung zu erreichen? Bildung darf keine Ware sein, behauptet die SPD, aber es gibt einen globalen Wettbewerb um hoch qualifizierte Menschen. Und das ist auch ein Standortfaktor für Deutschland, den man eben nicht umsonst bekommt. Und will man einen Spitzenplatz, indem man mit der Gießkanne durchs Land zieht und ein paar Exzellenzinitiativen gründet? No way, please!

Studiengebühren bleiben ein richtiges und notwendiges Instrument um den Finanzbedarf der Hochschulen zu decken. Wir können da gerne mal über die soziale Verträglichkeit solcher Gebühren diskutieren, nur wie soll das möglich sein, wenn Politiker partout solche Gebühren ausschließen, ohne mal einen Schritt über die Konsequenzen eines solchen Planes nachzudenken. Es wäre wünschenswert, wenn den Vorteil solcher Studiengebühren auch einige mehr in der Politik sehen würden und die Abschaffung dieser nicht immer gleich mit einer Erhöhung der Chancengerechtigkeit gleichsetzen (als würde die in der Universität erstmals anfangen) und mal ein dauerhaftes, nachhaltiges Konzept für die Hochschulfinanzierung entwickeln anstatt mit populären, zur kurz gedachten Forderungen über die Marktplätze der Republik zu ziehen. Bis dahin bleibt die Gleichung bessere Studienbedingungen ohne Studiengebühren eine Lüge. Irgendwann fliegt uns der Boomerang fehlender Studiengebühren und Einnahmen für die Universitäten noch um die Ohren. Vielleicht nicht jetzt, aber spätestens in ein paar Jahren. Damit verspielen wir Zukunft und Chancengerechtigkeit.

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Das Bsirske-Lächeln

Mittwoch, 3. Februar 2010 16:59

Ist es Ihnen durch den Konsum der Nachrichtensendungen der letzten Tage auch schon aufgefallen, das sogenannte Bsirske-Lächeln? Frank Bsirske ist Chef der Vereinten Dienstleistungsgesellschaft Verdi, eine der größten Gewerkschafteb im DGB mit über zwei Millionen Mitglieder. Und als Chef von Verdi ist er derzeit an den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst beteiligt und vertritt die Interessen der Arbeitnehmer.

So weit so gut. Da derzeit nun gerade wieder Tarifverhandlungen stattfinden, genießen die Gewerkschaften mal wieder ein wenig mediale Präsenz, ganz vorne dabei natürlich ihr Chef. Ich weiß nicht, ob das beabsichtigt ist, was Bsirske macht, aber ich habe es jetzt schon so oft in Tageszeitungen oder in Berichten im Fernsehen gesehen, dass sein Verhalten wirklich ritualisiert scheint. Und es ist eine Szene, die mich derzeit immer wütender macht. Wenn ein TV-Beitrag gedreht wird, dann sitzen die Verhandlungsführer an einem runden Tisch, komischerweise sind die Kamerateams stets hinter Bsirske aufgebaut. Er muss sich also ein wenig drehen, um in die Kamera zu schauen. Und das macht er dann auch, immer wieder. Fährt den Stuhl ein wenig zurück, schiebt ihn ein wenig zur Seite und dreht sich leicht nach links rum. Nicht vollständig, sondern nur ein wenig seitlich. Nicht weiter erwähnenswert. Wenn da nicht dieses fast schon arrogant wirkende Lächeln wäre, was umso mehr auffällt, weil alle anderen Verhandlungspartner sich gerade so quälen überhaupt nur ein wenig Mimik in ihr Gesicht zu bekommen. Nicht so Frank Bsirske. Ein wenig zur Seite gedreht, gerade hingesetzt, und dann kommt dieses Lächeln in die Kamera. Mund bleibt zu, aber die Lippen zieht er ausdrücklich nach oben – so als würde er sich innerlich richtig freuen über seine Verhandlungsposition. Noch mehr nach innen, als er schon nach außen zeigt. Keine Spur von schwierigen Verhandlungen. Da sitzt jemand, dem es gut zu gehen scheint. Und jemand, der nicht ganz verstanden hat, dass er sich zumindest bei mir nicht gerade beliebt macht in diesen Tagen.

Am Donnerstag wird hier in Düsseldorf die Rheinbahn von Verdi bestreikt, den ganzen Tag lang. Alle U-Bahnen, Straßenbahnen und fast alle Busse. Man möchte durch die Warnstreiks seine Forderungen nach fünf Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes deutlich machen. Zunächst ist es einmal das gute demokratische Recht der Gewerkschaft zu Streiks aufzurufen und auch Streikmaßnahmen durchzuführen, gleichzeitig kann ich es auch ein wenig verstehen, wenn man als Gewerkschaft in Tarifverhandlungen mit maximalen Forderungen geht oder zumindest seine Position deutlich macht. Was ich aber gar nicht verstehen kann: Dass man wie vernebelt an Forderungen festhält, die schlicht nicht realistisch wirken und sich überhaupt kein Stück bewegt. Und so habe ich derzeit eher wenig Verständnis für die Politik der Gewerkschaften – und das Lächeln von Frank Bsirske macht meine Meinung nicht gerade förderlicher. Es kann bei einer Lohnerhöhung von fünf Prozent doch auch für Bsirske nicht gerade verwunderlich wirken, dass man sich nach zwei Verhandlungen nicht einig geworden ist. Und jetzt so zu tun, als wären Warnstreiks notwendig, halte ich für ein ziemlich unglaubwürdiges Verhalten. Hätte man nicht gleich Streiks ausrufen können? Und ganz ehrlich: Wie soll eine schnelle Verhandlungslösung aussehen, wenn Bsirske partout an der Forderung von fünf Prozent Lohnerhöhung festhält? Ich habe von der Gewerkschaft noch kein vernünftiges Argument gehört, warum man es rechtfertigen könnte in Zeiten von fast bankrotten Kommunen, hochverschuldeten Ländern und einem Staat, der insgesamt an seiner Neuverschuldung zu ersticken droht, dass die Beschäftigten fünf Prozent mehr Lohn bekommen sollten. Wäre da nicht etwas mehr Vernunft auf Seiten der Gewerkschaften angebracht? Und bereits jetzt nach zwei Verhandlungsrunden zu einem Streik zu greifen, ist aus Sicht von vielen Menschen, die dadurch betroffen sein werden, fast schon blanker Hohn.

Eigentlich stehe ich immer auf Seiten der Beschäftigten, wenn es um mögliche Lohnerhöhungen geht. Aber dieses Mal muss ich auch dank des irgendwie sehr angeberhaften Verhalten von Bsirske sagen, dass ich wenig Verständnis für Verdi habe. Man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn in Düsseldorf noch Schnee gelegen hätte und viele Menschen auf Öffis angewiesen wären? Ich wette, Bsirske wäre persönlich nach Düsseldorf gekommen und hätte sich lächelnd an eine Haltestelle gestellt. Ob ihm das Lachen noch vergeht? Schwierig zu sagen. Letzlich ist das ja keine unkomfortable Situation, in der die Gewerkschaft derzeit ist. Jetzt kommt es darauf an, ob eher die Gewerkschaften oder die Arbeitgeber vernünftig agieren. Kann mir das bei dem in sich hinein lächelnden Bsirske nur schwer vorstellen, dass der nicht als Letzter auch noch lachen will.

Thema: Politik National, Wirtschaft | Kommentare (5) | Autor: medispolis

Das Bahn-Wort zum Donnerstag

Donnerstag, 7. Januar 2010 13:33

Die Deutsche Bahn AG steht mal wieder von allen Seiten kräftig unter Beschuss. Erst die großen Verspätungen und zahlreichen Ausfälle aufgrund des Winterwetters und jetzt ist seit Tagen wegen zwei Güterzugunfällen mit erheblichen Einschränkungen und Verspätungen auf der Verbindung Ruhrgebiet-Hannover-Berlin zu rechnen.

Auch ich war von der Sperrung der Strecke in Westfalen am Dienstag auf meiner Rückreise von Hannover nach Düsseldorf betroffen. Am Ende war ich über zwei Stunden später an meinem Ziel. Ich habe überhaupt nichts dagegen und finde es auch überhaupt nicht schlimm, wenn die Bahn aufgrund der extremen Witterung mit Kälte und Schnee nicht pünktlich fahren kann. Und dass dann wegen der hohen Taktdichte und der vielen Züge im Streckennetz einiges aus dem Ruder läuft, finde ich völlig okay. Das ist eben höhere Gewalt bei der sensiblen Technik. Und da habe ich dann auch vollstes Verständnis, wenn man nur schwer die Fahrgäste darüber informieren kann, wie die Reise weitergeht.

Was ich aber überhaupt nicht nachvollziehen kann, was mich seit Tagen immer noch verärgert und wo die Bahn bei mir immer mehr Kredit und Glaubwürdigkeit verspielt, ist der schlichte Servicegedanken und das Umgehen mit dem Kunden, was scheinbar hinter wirtschaftlichen Gewinnprognosen immer weiter zurückgedrängt wird. Wenn ein vollbesetzter Regionalexpress mit fünf Doppelstockwagen aufgrund einer Streckensperrung seine Fahrt nicht fortsetzen kann und ein Ersatzverkehr mit Bussen notwendig ist, dann kann ich da nicht nur zwei kleine Linienbusse für über 300 Fahrgäste hinstellen. Das begreife ich einfach nicht. Und wohlgemerkt bestand die Streckensperrung bereits seit über 10 Stunden. Man hätte also genug Zeit gehabt, Busse und Personal zu besorgen, wenn man denn will.

Ich habe das komische Gefühl, dass bei der Deutschen Bahn AG sich, was Service und Kundenzufriedenheit angeht, langsam totgespart wird, nur um möglichst viel Gewinn und später Rendite mitzunehmen. Das fängt damit an, dass man an Endstationen der Nahverkehrszüge nur noch selten die Mülleimer im Wagen leert. Und dass endet eben bei so selbstverständlichen Dingen wie einer guten Betreuung der Fahrgäste, sollte es zu Sperrungen und Ausfällen kommen. Das darf ich bei einem Unternehmen, das im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Euro Gewinn machen wird, aber wohl erwarten!

Überhaupt scheint mir das Unternehmen auf Krisen, Zwischenfälle und unvorhergesehene Ereignisse nur unzureichend vorbereitet. Da sollte es doch sowas wie Krisenpläne geben mit konkreten Schritten, die zum Beispiel bei längeren Streckensperrungen sofort einzuleiten sind. Aber dafür braucht man natürlich Personal, das nur unnötig kostet. Als kurz vor Weihnachten eine Computerpanne in einem Stellwerk den Zugverkehr in und um Hannover einen halben Tag lahm legte, war die Bahn mit der Situation schlicht überfordert und wusste nicht mehr weiter.

Auch wenn das ein extremes Beispiel ist, soll es aber deutlich machen, dass sicherlich viele Fahrgäste – auch wie ich – für Störungen und Verspätungen vollstes Verständnis haben, gerade bei schwierigen Witterungsverhältnisse. Was mir aber insbesondere immer mehr gegen den Strich geht bei der Bahn AG, ist diese Dreistigkeit, wie mit Fahrgästen servicemäßig bei größeren Störungen umgegangen wird. Da hat die Bahn dringend Nachholbedarf – und den gibt es eben nur mit einer neuen Kundenphilosophie und mit Geld, welches aber vorhanden ist. Und was nützt es mir, wenn die Bahn irgendwann mal an der Börse ist, und für 300 Fahrgäste zwei kleine Linienbusse bereitgestellt werden. Wird Zeit, dass das Verhalten der Bahn auch mal wieder auf die politische Agenda gebracht wird. Herr Ramsauer, es reicht leider nicht, nur einmal medienwirksam bei dieser Sache den Mund aufzumachen. Taten müssen folgen, bei der Bahn und in der Verkehrspolitik. Im Sinne der zahlenden Fahrgäste.

Thema: Wirtschaft | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Steuergeschenke für die Bundesländer 2000 vs. 2009

Dienstag, 1. Dezember 2009 22:13

Ich habe heute Abend einmal wieder Heute-Journal im ZDF geschaut, was bei mir ungefähr höchstens 10 Mal im Jahr passiert. Aber zumindest vorhin habe ich es nicht bereut, weil ich mich doch herrlich über eine Aussage vom SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel freuen konnte.

Gabriel sagte, die Koalition aus CDU/CSU und FDP verteilt jetzt Steuergeschenke, um die Länder zu locken, damit die dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz im Bundesrat zustimmen. Mehrere Bundesländer haben ja bereits aufgrund der Steuerminderneinnahmen für die Länder ihre Ablehnung signalisiert. Und Gabriel hat jetzt in aller Schärfe kritisiert, dass jetzt hinter vorgehaltener Hand die Länder anderweitig entlastet werden oder Zuschüsse bekommen. Das könne doch gar nicht sein, dass der Bund jetzt den Ländern die Zustimmung abkauft. Das würde doch nur die Schulden erhöhen.

Sachlich zwar richtig, aber vielleicht erinnert sich die SPD mal zehn Jahre zurück. Große Steuerreform von Gerhard Schröder und Hans Eichel, Abstimmung im Bundesrat im Sommer 2000. Mehrere SPD-Regierungen stimmen nur zu, weil der Bund den Ländern Finanzhilfen signalisieren. Klassisches Beispiel das Bundesland Bremen. Schröder sichert Bremen für die Zustimmung zur Reform und als Entschädigung für Mindereinnahmen 500 Millionen Euro zu.

Und was hat Bremen letzlich bekommen? 100 Millionen Euro. Und das auch nur, weil Bremen hartnäckig war. Am liebsten hätte Schröder gar nichts gegeben. Also, lieber Herr Gabriel, auch in der Politik sollte man sich an die Vergangenheit erinnern. Und wenn Union und FDP dann immerhin die Entschädigungen auch zahlen, dann ist das finanzpolitisch weniger richtig, aber immerhin ehrlich. Denn Versprechen sollten gehalten werden. Scheinbar erinnert sich Sigmar Gabriel nicht mehr an das Jahr 2000.

Thema: Wirtschaft | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Die Premier League schaut in die Zukunft: Talent-Quote und neue Regeln für die Klub-Finanzen

Mittwoch, 16. September 2009 18:10

Die englische F.A. ist bei weitem kein zimperlicher Fußballverband und deren zuständiger Chef für die Premier League, Richard Scudamore, eine Person, die zwar die große Öffentlichkeit scheut, und lieber intern die verrücktesten Ideen entwickelt. Zuletzt war das die Verlegung eines zusätzlichen Premier League Spieltages ins asiatische und amerikanische Ausland, was der englischen F.A. vor allem von den Fans viel Kritik einbrachte. Nun scheinen seit schon längerer Zeit Konzepte bei der F.A. entwickelt worden sein, die gestern in Absprache mit allen Premier League Klubs verabschiedet wurden. Das ist man von Scudamore und seinen Kollegen gar nicht gewohnt, dass man mit handfesten Beschlüssen an die Öffentlichkeit geht, und die Medien nicht als Testexperiment für einen weiteren Gedankengang verschwendet.

Erster Beschluss ist die sogenannte Home-grown-Quota, auf deutsch wohl am passendsten mit Talentquote übersetzt. Danach müssen…

  • ab der kommenden Saison 2010/2011, zum Ende jeder Transferperiode, von den maximal 25 Spielern in einem Teamkader mindestens acht “home grown”-Akteure sein
  • Ein Spieler mit diesem Status ist derjenige, welcher bereits mindestens drei Spielzeiten bei einem englischen oder wallisischen Klub unter Vertrag stand und zwischen 16 und 21 Jahren alt ist.

Richard Scudamore äußert sich dann auch wie folgt: “Es wird die Vereine hoffentlich ermutigen, mehr in die Jugendarbeit zu investieren und junge Talente zu fördern. Selber entwickeln anstatt zu kaufen – das ist unsere Absicht bei diesem Plan.” Und der britische Sportminister ergänzt: “Diese Schritte werden die Klubs ermutigen jungen Talenten eine Chance zu geben und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Klubs wieder mehr Übersicht über ihre Finanzen haben.”

Auch wenn die Maßnahmen schon mal vorübergehend diskutiert wurden, kommt ihre Einführung zur neuen Saison dann doch eher schnell und ein wenig überraschend. Aber sie sind richtig. Anstatt in Europa groß einzukaufen, können Talente gefördert werden, was zukunftsorientierter und weniger teuer ist und gleichzeitig auch der Nationalmannschaft eine Perspektive gibt. Und zu anderen wird man die Diskussionen um den Kauf junger Talente aus dem Ausland, wie er zuletzt beim FC Chelsea bestraft wurde und bei Manchester United gemutmaßt wurde, im Ansatz vermeiden können. Diese Regel wird das nicht verhindern. Als Auflage gibt es aber immerhin die Regel, dass die Spieler dann professionell in England und Wales ausgebildet werden müssen und nicht irgendwo geparkt werden, damit sie keine andere Mannschaft kauft. Fast 60 Prozent der Spieler aus der Premier League kommen übrigens aus dem Ausland.

Einer ist der Regelung aber noch nicht so ganz glücklich. Rafael Benitez scheint nur mit viel Bauchschmerzen dem Plan etwas Positives abzugewinnen. Der Spanier sagte gestern: “Vielleicht wird dieser Schritt zu schnell geschehen. In der Champions League hatten wir eine Übergangszeit von zwei, drei Jahren um die Anzahl von englischen Spielern im Kader zu erhöhen. Das Problem in England ist, dass die Lücke zwischen den Jugendakademien und der ersten Profimannschaft zu groß sind. Es wird deshalb schwierig sein Qualität zu erhalten, aber wir werden unser Bestes geben. Die Anzahl der Spieler ist nicht das entscheidene Kriterium, die Qualität ist sehr viel wichtiger.” Die Sorgen von Benitez haben einen logischen Hintergrund: Im Kader vom FC Liverpool sind fast 90 Prozent Spieler, die keinen englischen oder wallisischen Pass haben. Diese Saison schafft man es nur mindestens acht von 28 Spielern aus England in den Kader aufzunehmen, weil man Spieler aus England auf der Liste hat, die aber nie im Kader für ein Pflichtspiel in der Premier League stehen. Und genau diese Schummel-Taktik soll damit auch unterbunden werden. Da muss sich der FC Liverpool anstrengen. Aber der Schritt ist ja auch gewaltig: Von 25 Spielern im Kader dürfen ab der neuen Saison nur noch 17 über 21 sein und müssen irgendwo in England oder Wales schon einmal Fußball gespielt und trainiert haben. Der Daily Telegraph rechnet vor, dass vor allem der FC Chelsea Probleme bei der Erreichung der neuen Regel bekommen kann. Der Kader umfasst derzeit 26 Spieler plus zusätzlich 11 Spieler, die sich in einem Ausleihegeschäft befinden. Von den 26 Spielern erfüllen sind sieben aus England, dabei allerdings schon einige über 21 Jahre. Mit den Neuverpflichtungen im diesen Sommer in persona Daniel Sturridge und Ross Turnbull wird man die Kriterien aber fast erfüllen. Nur der Kader muss verkleinert werden. Gar keine Probleme hat übrigens der FC Arsenal, auch wenn im aktuellen Kader nur vier Spieler sind, die einen englischen Pass haben. Bei der Einführung der Regel sind aber weitere 12 Spieler bereits drei Jahre bei Arsenal unter Vertrag gewesen und erfüllen somit die Bedingungen für die Home-grown-quota, deren Name vielleicht ein bisschen verwirrend ist, schließt er doch ausländische Talente weiter mit ein. Diese müssen allerdings eine Ausbildung auf der Insel bekommen.

Außerdem hat die Premier League angesichts der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise und vor dem Hintergrund der Beinahepleite des FC Portsmouth, von der jahrelang keiner etwas mitbekommen hat, vier neue Regeln für die Klub-Finanzen aufgestellt:

  • Alle Klubs müssen zum 01. März jeden Jahres die Bestätigung für einen unabhängig durchgeführten Finanzabschlüsse durch einen Wirtschaftsprüfers an die Premier League überreichen,  inklusive aller Materialien und Ergebnisse des Wirtschaftsrprüfers.
  • Darüberhinaus müssen zum 31. Närz jeden Jahres weitere Informationen über die Klubfinanzen an die Premier League überreicht werden, sodass die Premier League so früh wie möglich prüfen lassen kann, ob ein Verein finanziell auf die falsche Bahn geraten könnte.
  • Eine jährliche Prüfung an die Premier League, dass ein Klub keine ausstehenden Schulden bei einem anderen Verein hat.
  • Und zusätzlich eine jährliche Prüfung an die Premier League, dass ein Klub nicht verschuldet ist hinsichtlich der Einkommenssteuer, der Sozialversicherung und der Lohnsteuer.

Ich kenne mich zu wenig mit Wirtschaft und Finanzen aus, um das jetzt im Detail alles bewerten zu können. Es zeigt aber eben, dass die Premier League aus dem Fall des FC Portsmouth und den hohen Schulden in der Premier League überhaupt lernen möchte und solche Fälle für die Zukunft ausschließen möchte. Ein aktueller Fall zeigt, dass auch gerade in diesen Punkten Handlungsbedarf besteht. David Conn vom Guardian berichtet heute in seinem Inside Sport Blog, dass Hull City immer noch keine Auskunft über die Geschäftszahlen aus dem Jahr 2007/2008 gegeben hat. Es darf nur spekuliert werden, warum die Zahlen noch nicht bekanntgegeben wurden, möglicherweise auch größere finanzielle Probleme. Aber solche verspäteten Geschäftsberichte wird es unter den neuen Regeln nicht mehr geben. Die neuen Vereinbarungen sind für alle Klubs bindend. Bei Verstößen sind entsprechend drastische Strafen angekündigt worden. Es wird Zeit für Hull City, die Berichte anzufertigen.

Man sieht, dass sich was tut in der Premier League. Bereits im Januar diesen Jahres hatte ich angedeutet, dass es so nicht mehr weitergehen wird in der Premier League. Nach und nach zieht man jetzt die richtigen Schritte – für mehr finanzielle Stabilität und der Förderung junger Talente im eigenen Land.

Thema: Premier League, Wirtschaft | Kommentare (1) | Autor: medispolis