Beitrags-Archiv für die Kategory 'Zitat des Tages'

Zitat des Tages: Sonntag, 29. August 2010 – Nieren-Glück

Sonntag, 29. August 2010 17:46

“Erkrankungen von Politikern sind immer ein Stoff für den Boulevard. Gerade die SPD hat da Erfahrung. Groß war die Aufregung beim Hörsturz von Matthias Platzeck, ihm folgte sein Rücktritt vom SPD-Vorsitz. Auch ein Schwächeanfall von Franz Müntefering im Wahlkampf war ein Aufreger, selbst eine Grippe von Kurt Beck gab für Tage Anlass zu Spekulationen. Krankheiten sind Ausdruck der Schwäche, werden schnell als Zeichen einer politischen Krise gedeutet. Steinmeiers Leute waren jedenfalls vorgewarnt, dass der Wirbel groß sein würde. Dennoch waren manche überrascht, wie groß er war, nachdem der 54 Jahre alte SPD-Fraktionschef am Montagmorgen verkündet hatte, er werde nun ins Krankenhaus gehen, um seiner sechs Jahre jüngeren Frau eine Niere zu spenden.”

Markus Wehner zeichnet in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein lesenswertes Porträt von Frank-Walter-Steinmeier in seiner Rolle als Helfer für seine erkrankte Frau nach.

Ich fand es sehr interessant in den letzten Tagen zu sehen, wie die Hilfe von Frank-Walter Steinmeier für seine kranke Frau immer wieder auf sein politisches Standing und seine politische Rolle in der SPD als Fraktionsvorsitzender im Bundestag bezogen wurde. Ich kann das jetzt nicht ganz nachvollziehen, warum Steinmeier durch den – wie ich finde – ehrenwerten und anerkennungswürdigen Schritt daraus politisches Kapital ziehen könnte.

In diese Kerbe geht auch der Bericht von Wehner. Er berappele sich jetzt politisch. Da hört man monatelang von Steinmeier ganz wenig, er versteckt sich hinter Parteichef Gabriel, wirkt wegen seiner Haltung zur Rente mit 67 in der SPD als ehemaliger Befürworter der Agenda 2010 ein wenig isoliert und auch in den Medien kommt er wenig dynamisch, häufig hölzern und kompliziert in der Politikvermittlung rüber. Und das soll jetzt durch die Nierenspende alles anders sein? Wie gesagt, ich will Steinmeier dafür nicht kritisieren und will ihm da bei weitem nicht eine gewisse Intention zur Verbesserung seines politischen Standing vorwerfen, nur missfällt mir ein wenig die Interpretation vieler Journalisten, dass Steinmeier jetzt auf einmal wieder Everybody’s darling auf der politischen Bühne in Berlin ist. Das geht mir zu einfach.

Hätte Steinmeier keine Niere spenden müssen, hätte man in den letzten Wochen wahrscheinlich keine Zeile über Steinmeier gelesen, allenfalls seine Haltung zur Rente mit 67 und der parteiinternen Diskussion mit den Agenda-Gegnern und Agenda-Befürwortern. Ich will jetzt keine Medienschelte betreiben, nur finde ich das vermessen, Steinmeiers ehrenwerten Schritt irgendwie als politischen Bonus zu interpretieren und der Öffentlichkeit so zu vermitteln. Und das hat erhebliche Auswirkungen. Die Bevölkerung verändert ihr Bild und ihre Haltung gegenüber Steinmeier. In den neusten Zahlen des Politbarometer steigt Steinmeier auf Platz 2 der Beliebheitsskala auf 1,6 Punkte (+0,6). Und das wohl hauptsächlich wegen seiner gespendeten Niere. Es ist manchmal beängstigend, wie schnell sich die Bevölkerung leiten lässt und Aktivitäten von Politikern, die gar nichts mit Politik zu tun haben, in ihr Stimmungsbild mit einbezieht. Auch dank der Medien.

Und damit ist eigentlich geklärt, wie man endlich die Politikverdrossenheit und das Ansehen der Politiker steigen lassen kann: Alle Abgeordnete des Bundestags und der Landtage spenden einfach eine Niere. Die Bevölkerung tobt.

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Zitat des Tages: Freitag, 30. Juli 2010 – Not winnable

Freitag, 30. Juli 2010 21:18

“In my personal opinion, the way the war is being fought, it doesn’t seem winnable.”

Abdullah Hussain Harron, Botschafter Pakistans bei den Vereinten Nationen, im Gespräch mit Pamela Falk, Expertin für Außenpolitik bei CBS News.

Ausführlicher Bericht zur Lage in Afghanistan aus Sicht der USA bei CBS News. 66 tote Soldaten im Juli in Afghanistan, so viele pro Monat wie noch nie in diesem Krieg, der seit neun Jahren andauert. Die alte Rekordmarke lag einen Monat zurück.

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Zitat des Tages: Mittwoch, 28. Juli 2010 – Kleinere Autos

Mittwoch, 28. Juli 2010 9:01

“Notfalls fahren wir noch kleinere Autos – wenn das noch geht.”

Scorpions-Kapitän Tino Boos zu möglichen Hilfsmaßnahmen der Scorpions-Spieler für die Rettung des finanziell angeschlagenen Vereins. Momentan fährt das Team mit VW Golf und Polo.

Vielleicht kann man sich ja Smart als neuen Premium-Sponsor holen.

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Zitat des Tages: Samstag, 10. Juli 2010 – Gazza makes speechless

Samstag, 10. Juli 2010 11:31

Für das Zitat des Tages muss ich ein wenig ausholen, weil der Fall wohl nicht jedem bekannt ist. Gestern Abend war mal wieder Popcornabend bei den britischen Nachrichtensendern, leider aus eher traurigem Anlass. Denn es ging um die Ergreifung des Verbrechers Raoul Moat. Der 37-jährige Moat soll vergangenen Samstag in der Nähe von Newcastle auf seine 22-jährige Ex-Freundin, deren 29-jährigen Lebensgefährten und einen 42-jährigen Polizeibeamten geschossen haben. Der Lebensgefährte starb, die anderen beiden wurden schwer verletzt. Moat wurde erst vor zwei Wochen aus der Haft entlassen. Und seit einer Woche begann eine beispiellose Ermittlung und Verfolgung von Moat mit zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung und hohen Belohnungen durch die Polizei für weiterführende Hinweise. Gestern Abend konnte die Polizei in der Ortschaft Rothbury dann Moat, der sich in einem Haus verschanzt hatte, umzingeln. Eine Erstürmung wurde vorbereitet, Schüsse fielen, Journalisten mussten den Bereich weiträumig verlassen. Moat tötete sich letzlich selbst. Weitere Infos zu dem Fall bei der BBC.

Und jetzt kommt mein Zitat des Tages, von keinem geringeren als Paul Gascoigne, dem ehemaligen Fußballspieler, der mittlerweile so viele Baustellen in seinem Leben hat, das es sich gar nicht lohnt hier alle aufzuzählen. Jedenfalls äußerte sich gestern Gascoigne zu dem Fall und ist sogar selbst in die Ortschaft gefahren.

“I can bring him a can of lager, some chicken, a mobile phone and something to keep him warm. He is willing to give in now. I just want to give him some therapy and say ‘come on Moaty, it’s Gazza’. He is all right – simple as that – and I am willing to help him. I have come all the way from Newcastle to Rothbury to find him, have a chat with him. I guarantee, Moaty, he won’t shoot me. I am good friends with him.”

Gascoignes Berater Kenny Shepherd zu den Aussagen:

“He’s doing what? I am sitting having an evening meal in Majorca. I’m speechless.”

[via Guardian]

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Zitat des Tages: Montag, 05. Juli 2010 – BBC Radio 6 Music

Montag, 5. Juli 2010 19:05

“The Trust concludes that, as things stand, the case has not been made for the closure of 6 Music. The Executive should draw up an overarching strategy for digital radio. If the Director General wanted to propose a different shape for the BBC’s music radio stations as part of a new strategy, the Trust would consider it. The Trust would consider a formal proposal for the closure of the Asian Network, although this must include a proposition for meeting the needs of the station’s audience in different ways.”

Pressemitteilung der BBC zur zukünftigen Ausrichtung der BBC im bei TV, Radion und im Online-Bereich.

Ende 2011 sollte die Radiostadion BBC Radio 6 Music zusammen mit dem Asian Network geschlossen werden und mit zahlreichen weiteren Einsparungen dem Druck der Politik nachgegeben werden, verkündete die BBC im März diesen Jahres. Knapp zwei Wochen nach der Verkündigung der Pläne durch BBC-Chef Mark Thompson waren bereits knapp 8.000 Beschwerden bei der BBC eingegangen, die eine Fortführung von BBC Radio 6 Music forderten, darunter bekannte Moderatoren, aber auch Musikbands wie Coldplay, Lily Allen und andere. Die Zuschauerzahlen von BBC 6 Music schossen in die Höhe, Solidarität allerorten. BBC 6 Music ist ein Nischenprogramm, von daher konnte man die BBC durchaus verstehen, dass sie bei den Sparvorgaben der Politik als erstes bei der Radionstation 6 Music angesetzt hat. Aber es ist zwar Nische, aber eben auch großartiges Musikprogramm und hervorragender Musikjournalismus mit vielen Porträts und Dokumentationen, Interviews und Features. Unübertroffen ist die Berichterstattung von 6 Music von den großen britischen Musikfestivals im Sommer. Letzte Woche zu sehen beim Glastonbury Festival, als man drei Tage nichts anderes machte als von der Farm von Michael Eavis zu berichten und alle wichtigen Konzerte live ausstrahlte. Von daher ist es zu begrüßen, dass die BBC sich ihre Entscheidung aus dem März nochmal überlegt hat – was in der Konsequenz aber auch heißt, dass an anderer Stelle gekürzt werden muss. Denn am Sparen kommt die BBC nicht vorbei.

Heute dann also die Entscheidung, dass BBC 6 Music nicht geschlossen wird. Via Twitter offenbarten die Moderatoren ihre Glücksgefühle. Immerhin wären mehrere tausend Mitarbeiter von einer Schließung  betroffen gewesen. Coldplay lobten auf ihrer Internetseite die Entscheidung der BBC 6 Music nicht zu schließen.

Weitere Informationen:

- Meldung der BBC mit Statement von Sir Michael Lyons, BBC Trust Chairman.
- Nachricht des Guardian mit weiteren Einschätzungen und Reaktionen.
- Guardian: The saving of 6 Music a victory for the digital campaign?
- The Independent: 6 Music saved – against the odds.

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Zitat des Tages: Mittwoch, 16. Juni 2010 – Schweizer Optimismus

Mittwoch, 16. Juni 2010 14:34

“Bemerkenswert offensiv war am Dienstag auch die Kommunikation des Verteidigers Philippe Senderos. Er verblüffte ausländische Journalisten, indem er in fünf verschiedenen Sprachen fliessend Auskunft gab – doch ob er Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch oder Deutsch sprach, er versprühte dasselbe: Selbstbewusstsein. Mit der Ruhe eines sanften Riesen sagte er, die Schweizer hätten eine grosse Chance und nichts zu verlieren, sie müssten angreifen – und Senderos schien kaum zu bezweifeln, dass die Bemühungen von Erfolg gekrönt würden. Wer die Schweizer nicht näher verfolgt, wäre niemals auf die Idee gekommen, dass die Equipe in den letzten fünf Spielen nie gewonnen und nur zwei Tore erzielt hat.”

Benjamin Steffen/Neue Zürcher Zeitung über die Stimmung im schweizer Lager vor dem Spiel gegen Spanien.

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Zitat des Tages: Dienstag, 15. Juni 2010 – Carragher lobt Deutschland

Dienstag, 15. Juni 2010 21:38

Weil ja heute alle in Deutschland auf Jamie Carragher, englischer Nationalspieler vom FC Liverpool, einschlagen und ihn für seine Aussagen zum WM-Ball lächerlich machen, vielleicht noch mal der Hinweis darauf, was Carragher noch über Deutschland gesagt hat.

“I don’t know what their mindset is but what they may have is a belief of always being there at the end of a tournament. Maybe that continues. It is similar to what we have at Liverpool where you are known for getting late goals no matter who is on the pitch. You just believe you are going to do it [...] If you look at Germany and the names come up, you wouldn’t say they roll off the tongue. But then when you see them in action and how they played against Australia, it was very impressive. The manager has done a great job [...] Ozil was outstanding. Right from the first two touches you could tell he had a bit of class with his left foot. You could tell straight away he is a talented player.”

Schade, dass in der deutschen Medienlandschaft diese Aussagen mal wieder verschwiegen wurden.

[via The Independent]

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Zitat des Tages: Mittwoch, 09. Juni 2010 – Tropfen auf den heißen Stein

Mittwoch, 9. Juni 2010 20:33

“Sie ist also wieder einmal bereitet, die altbekannte Bühne der deutschen Sozialpolitik. Alle Hoffnungen auf einen zumindest annähernd sachlichen, womöglich sogar grundsätzlichen Diskurs über die Staatstätigkeit in Deutschland scheinen bereits im Keim erstickt. Das ist angesichts der katastrophalen Lage der öffentlichen Haushalte und der erdrückenden Schuldenlast mehr als bedauerlich. Bei einem Schuldenberg von über 1,7 Billionen Euro ist die Einhaltung der ab 2011 rechtlich bindenden Schuldenbremse schon jetzt nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Alte Schulden werden dadurch nicht abgetragen, weshalb die Zinslast, mit knapp 40 Mrd. Euro immerhin der zweitgrößte Posten im Bundeshaushalt, ebenfalls nicht weniger wird.”

Patrick Torka/Cicero Online über die parteipolitische Diskussion zum Sparpaket der Bundesregierung. Sehr empfehlenswert einmal genauer drüber nachzudenken.

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Zitat des Tages: Mittwoch, 02. Juni 2010 – To be clear

Mittwoch, 2. Juni 2010 17:29

“We have followed recent speculation linking Cesc with a move away from the Club but as there has never been any official approach for him, only two informal exchanges, in which we made it abundantly clear that we have no interest in transferring Cesc, we have refrained from publicly passing comment. However, yesterday evening we received an offer from Barcelona for Cesc and in response, we immediately and resolutely told them once again that we have no intention of selling our captain. To be clear, we will not make any kind of counterproposal or enter into any discussion. Barcelona have publicly stated that they will respect our position and we expect that they will keep their word.”

Offizielles Statement des FC Arsenal zum Kaufangebot des FC Barcelona für Cesc Fabregas.

Guter Tag!

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Zitat des Tages: Dienstag, 25. Mai 2010 – It is time to stop giving our journalism away

Dienstag, 25. Mai 2010 21:45

“What’s at the heart of the Times and what’s at the heart of good journalism everywhere is reporting and making sure you can continue to send people to Afghanistan, to Iraq, to the Gulf of Mexico, into the business world, covering sport. That kind of thing is absolutely essential and you cannot give that away.”

James Harding, Editor of The Times, im Interview auf BBC Radio 4 über die neue Website der Times, für deren Inhalte man ab sofort bezahlen muss. Murdoch lässt grüßen.

Dazu eine erste Begutachtung des neuen Angebots durch Peter Robins/Guardian.

“Overall, the Times site makes a very accomplished effort at bringing the style and symbolism of the paper on to a screen without sacrificing the breadth and depth of information that readers expect from web pages, and the Sunday Times one is an interesting stab at displaying the vast wealth and diversity of all those supplements. Whether they’re beautiful enough to pay for is, of course, another issue.”

Essenz und deutsche Sicht auch bei Spiegel Online.

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