Zitat des Tages: Donnerstag, 25. Februar 2010 – APPsolut überflüssig

Donnerstag, 25. Februar 2010 17:51

Ich verstehe bis heute die Aufregung um die Tagesschau-App nicht. Die BBC hatte vor ein paar Tagen angekündigt, dass es im Frühjahr zwei Applikationen für News und Sport geben sollte. Begeisterung überall, vor allem bei den Nutzern. Kaum Kritik. Anders in Deutschland, wo die App-Sau schon seit Wochen durchs Land gejagt wird. Nächste Etappe: Ein Brief von Silvana-Koch Mehrin (das ist die Person, die sonst meist durch Abwesenheit glänzt, falls sich niemand mehr an den Namen erinnert) an die EU-Kommission:

“[Die] ARD kann einen solchen Dienst offensichtlich nur deswegen kostenlos bereitstellen, weil sie durch obligatorische Rundfunkgebühren finanziert wird. Dagegen müssten private Anbieter ein solches Angebot kostenpflichtig machen.Die ARD [nutze] ihr staatlich garantiertes Recht auf ein hohes Gebührenaufkommen aus, um sich gegenüber privaten Konkurrenten einen nicht gerechtfertigten Vorteil zu verschaffen.”

Das dürfte alle privaten Medienanbieter und Zeitungen freuen. Endlich mal wieder, der sich auf ihre Seite schlägt. Und untereinander tun sich die WAZ-Mediengruppe und Grunner+Jahr auch zusammen: Der Kampf gegen die Tagesschau-App, die dafür sorgt, dass Qualitätsjournalismus im Netz gratis sei. Und das könne ja nicht die Zukunft sein!

Blöd nur – finde ich – dass man von den privaten Medienanbietern nicht einen qualitativen Beitrag in dieser Debatte bekommt. Eine Entwicklung verhindern – statt selbst ein vernünftiges, qualitativ hochwertiges Angebot zu machen. Selten war ich so auf Seite der ÖR-Befürworter. Komme mir schon ganz komisch vor.

[via Sat+Kabel]

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Schwarz-Grünes Experiment an Rhein und Ruhr

Mittwoch, 24. Februar 2010 11:27

Ich hatte ja insgeheim schon befürchtet, dass in den Wahlkampf zur NRW-Landtagswahl 2010 gar kein Dynamik mehr reinkommt. Seit den letzten Tagen wissen wir, dass zumindest etwas Bewegung nicht schaden kann, damit sich die Parteien zu ihren Wahlprogrammen äußern und die Unterschiede in ihren Programmatiken deutlich machen. Und für die Bewegung hat ausgerechnet die CDU gesorgt, die – so meine Meinung – bei einem souverän geführten Wahlkampf eigentlich nicht viel an Macht verlieren  und auch nach dem 9. Mai 2010 weiter stärkste Kraft im Düsseldorfer Landtag bleiben würde. Wenn man natürlich Fehler macht beziehungsweise der ein oder andere kleine Skandal ans Licht der Öffentlichkeit rückt, kann sich Rüttgers für seine soziale Ausrichtung und den Amtsbonus vielleicht doch nur wenig kaufen. Insgesamt halte ich den Vorfall über mögliche Angebote an Wirtschaftsunternehmen für exklusive Gespräche mit dem Ministerpräsidenten für einen schlimme Entwicklung, bezweifele aber, ob das ein Turning Point für die Opposition und insbesondere die SPD sein kann. Aber das werden die nächsten Wochen zeigen.

Durch die Ereignisse der vergangenen Tage in der CDU ist die eigentlich sehr viel interessantere Frage in den Hintergrund gerückt, nämlich die zukünftiger Koalitionen an Rhein und Ruhr. So viele machbare Optionen stehen gar nicht zur Verfügung. Da sowohl Sozialdemokraten als auch die Grünen ein Bündnis mit der Linkspartei kategorisch ausgeschlossen haben, steht für das linke Parteienspektrum eigentlich nur Rot-Grün zur Debatte. Danach sieht es nach den derzeitigen Umfragen aber nicht aus, vor allem die SPD müsste dann noch zahlreiche Prozentpunkte aufholen und der CDU abknabbern. Sollte es aber am 9. Mai eine Mehrheit für Rot-Grün geben, dann wäre das die Koalition, die nahe liegt. Gleiches gilt für einen Fortbestand der jetzigen Koalition aus CDU und FDP, die aber zumindest gefühlt auf wackligen Beinen steht, nicht nur wegen der Streitigkeiten auf Bundesebene. Sollten CDU und FDP keine Mehrheit bei der Landtagswahl bekommen, wäre auch für Schwarz-Gelb auf Bundesebene ein zusätzlicher Blockierer installiert, nämlich die fehlende Mehrheit im Bundesrat. Vor fünf Jahren hatte Gerhard Schröder deswegen Neuwahlen ausgerufen. Nun wäre es vermessen zu glauben, dass Angela Merkel ebenso reagieren würde, es zeigt aber, dass CDU und FDP schon gehörig unter Druck stehen, vor allem nach den Querelen der vergangenen Tage. Die Tendenz sich klarer zu positionieren und abzugrenzen wird eher zunehmen. Und ob dann die soziale Ausrichtung der NRW-CDU noch mit den Vorstellungen der FDP für weitere fünf Jahre korrespondiert, darf in Frage gestellt werden. Und Jamaika wird kategorisch von den Grünen ausgeschlossen. Da ist sie wieder, diese Ausschließeritis.

Eröffnet sich also eine weitere, noch unbekannte Koalitionsoption, nämlich ein Bündnis aus CDU und Grünen (eine Große Koalition schließe ich einfach mal aus, kann mir nicht vorstellen, dass beide großen Parteien das machen werden. Insbesondere die SPD würde unter einem Ministerpräsidenten Rüttgers doch ziemlich ausbluten). Aber zurück zu Schwarz-Grün. Warum eigentlich nicht? Auf kommunaler Ebene arbeitet man schon länger zusammen, seit zwei Jahren gibt es im Stadtstaat Hamburg erstmals ein Bündnis auf Landesbene. Die Koalition in einem Flächenland wäre der nächste Schritt. Beide halten sich die Option offen. Letzte Umfragen sehen eine Zustimmung von über 40 Prozent für ein solches Bündnis auf Bundesebene wohlgemerkt, auf Landesebene sind es über 70 Prozent der Grünen-Anhänger.  “Schwarz-Grün steht für eine neue politische Kultur der Verständigung, die vor allem in Vergleich zu dem Gezänk der Bundesregierung angenehm auffällt”, hört man aus dem Landesvorstand der Grünen in Hamburg.

Die Voraussetzungen sind also so gut wie lange nicht mehr, schwarz-grün könnte nach der Wahl die einzige Regierungsoption für beide Pateien sein. Was spricht also dagegen? In erster Linie sind es natürlich immer noch inhaltliche Unterschiede, vor allem in der Bildungspolitik, der Umwelt, aber auch der Innenpolitik. Beispiele gefällig: Studiengebühren, dreigliedriges Schulsystem versus längeres gemeinsames Lernen, neue Kohlekraftwerke, Atomausstieg, Videoüberwachung öffentlicher Plätze. Sollte es also wirklich zu einer Koalition zwischen CDU und Grünen kommen, bahnen sich zahlreiche Deals an nach dem Motto der Vertretbarkeit. Die Grünen stimmen zähneknirschen der Beibehaltung der Studiengebühren zu, dafür gibt es keine neuen Kohlekraftwerke mehr. Und dass dann etliche Stammwähler enttäuscht sein dürften, steht auch außer Frage. Inwieweit sind also beide Parteien bereit um jeden Preis die Stammwähler zu verschrecken? Wenn beide eine reale Machtposition haben und die Grünen vielleicht drei Ministerien für sich beanspruchen können, dürfte bei allen inhaltlichen Unterschieden eine Koalition zu stande kommen.

Bleibt also spannend. Schwarz-Grün ist längst kein Schreckgespenst mehr, sondern eine realistische Alternative. Aber trotzdem immer noch ein Experiment. Aber irgendwann muss man ja mal anfangen und neue Sachen ausprobieren. Und ich kann bem besten Willen nicht erkennen, dass eine der großen Parteien sich in eine Große Koalition schieben lässt. Und ein Bündnis Rot-Rot-Grün ist noch abwegiger. So oft schwarz-grün auch noch dementiert wird und nicht als Wunschkoalition angestrebt wird. Es dürfte ziemlich klar sein, dass wenn es möglich ist auch gemacht wird. Wie erfolgreich es sein wird, hängt auch von den “Deals” ab und wie gut und harmonisch sich beide Parteien auf inhaltlcher Ebene ergänzen können.

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Premier League 2009/2010 Review #27 – In Stein gemeißelt?

Montag, 22. Februar 2010 9:09

Es war jetzt nicht unbedingt der Spieltag, der aufgrund der dramatischen Spiele und der vielen Highlights in Erinnerung bleibt. Trotzdem war es ein richtungsweisender Spieltag für die weitere Saison. Denn immer mehr lassen sich jetzt die Tendenzen für das schon begonnene letzte Saisondrittel erkennen.

Es wird wohl einen Dreikampf um den Titel in der Premier League geben. Chelsea, Man Utd und Arsenal haben alle noch Chancen, die Trophäe zu holen. Die beste Ausgangslage haben die Blues aus London. Um den vierten Platz wird es einen Vierkampf geben. Von Platz 4 bis Platz 7 liegt nur ein Punkt Differenz nach dem mäßigen 0:0 von Liverpool und Manchester City. Tottenham und Aston Villa, beide mit souveränen Siegen, sind die anderen beiden Kontrahenten. Everton, Fulham, Birmingham, Stoke und Blackburn spielen um die goldene Ananas, platzieren sich im gesicherten Mittelfeld. Ab Platz 13 mit West Ham United beginnt dann die Abstiegsgefahr. Zwischen den Hammers und Burnley auf Platz 19 liegen nur vier Punkte. Portsmouth steht nicht nur vor einem finanziellen Scherbenhaufen, sondern scheint auch sportlich keine Perspektive mehr auf den Klassenerhalt zu haben. Wie gesagt, alles nur mehr oder weniger vorsichtige Tendenzen, die sich immer mehr in Stein meißeln lassen. Aber wer weiß, ob das am nächsten Spieltag sich nicht schon wieder ändert?

Die Zitate des Premier League Spieltags fassen das noch einmal gut zusammen.diesmal von Sir Alex Ferguson, Arsene Wenger, Gianfranco Zola, Avram Grant und Rafael Benitez:

Sir Alex Ferguson:

“Our second-half performance was very poor and when you are going for the championship you expect Manchester United to respond to the importance of the game. This is a bad result and at this time of the year we can’t afford results like that.”

Arsene Wenger:

“The only thing we can do is win our games and hope the others drop points. The top two will drop points because they play against each other. Everton have beaten them both and there are plenty of other teams where you can drop points.”

Avram Grant:

“Everything is going wrong.”

Gianfranco Zola:

“The whole team is getting better; the more confidence you get, the more the players can give.”

Rafael Benitez:

“It was difficult. We were working very hard, we had control. I thought we could win, we could lose. Very close. At the end maybe a draw is fair. As a manager you have to see your team as strong in defence, in attack we have to be a little bit better. Both teams were working hard trying to stop the other.”

Spieltag 28 am nächsten Wochenende, unter anderem mit Chelsea gegen Manchester City, Arsenal muss zu Stoke reisen, Liverpool emfängt Blackburn und Tottenham muss sich gegen Everton beweisen. Bereits morgen empfängt Manchester United in einem vorgezogenen Spiel West Ham United. Am kommenden Wochenende steht nämlich auch das Carling Cup Finale zwischen den Red Devils und Aston Villa auf dem Programm.

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Zitat des Tages: Donnerstag, 18. Februar 2010 – Konzentration auf den Abstiegskampf

Donnerstag, 18. Februar 2010 13:47

Eine kurze persönliche Anmerkung: Ich bin ab heute Nachmittag über das Wochenende auf einem Workshop in Dortmund und weiß daher noch nicht, ob ich es schaffe eine Vorschau auf den Premier League Spieltag zu schreiben. Wenn nicht, gibt es aber auf alle Fälle eine Rückschau.

Derweilt teilt Darren Bent vom FC Sunderland mit:

“I had a good chat with the manager recently and I just thought with the run we’re on at the moment, I needed to get rid of the distractions. I have to solely focus on getting Sunderland out of the relegation battle and I have shut the Twitter down. I don’t even go on it any more to look at what other people are posting.”

Also volle Konzentration auf den Abstiegskampf. Da ist Twitter nur störend.

[ via Sunderland Echo]

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Olympia-Berichterstattung: Manchmal ist weniger eben mehr

Donnerstag, 18. Februar 2010 11:40

Man stelle sich mal folgende Szene vor. Die Tagesthemen sind vorbei, es kommt das Wetter im Ersten, Jörg Kachelmann meldet sich für das Wetter natürlich live aus Vancouver und beginnt seinen Monolog:

“Guten Abend meine Damen und Herren, herzlich willkommen live hier zum Wetter im Ersten. Bevor wir gleich ganz kurz auf das Wetter in Deutschland schauen – darf Ihnen sagen, dass sich da nicht so viel tun wird, ist alles eine eher zähe Angelegenheit – schauen wir natürlich auf das Wetter hier. Und das bleibt spannend, hier ist richtig was los. Schauen Sie auf unseren Tagesthemen-Strömungsfilm! Wir haben hier das steuernde Hoch über Zentralkanada, das im Uhrzeigersinn die kalte, trockene Luft förmlich ansaugt. Aber das ist alles nicht so stabil, von Süden, aus den USA, schwappt immer wieder diese feuchte, mildere Suppe ins Land. Gleichzeitig nimmt der Wind ein wenig zu. Gucken Sie auf unsere Pfeile, die immer enger aneinanderkommen. Also, unter diesen Bedingungen möchte ich für den Biathlon-Wettbewerb nicht garantieren, und auch Ski Alpin wird schwierig, denn die feuchte Luft aus Süden drückt gegen die Berge, es wird dann länger anhaltend richtig schiffen. Schnee wird tauen, aber kann Ihnen versprechen, das lässt schon morgen nach, dann übernimmt das Hoch wieder die Kontrolle – und einem Capuccino auf der Plaza in Vancouver bei Sonnenschein steht nichts im Wege. Zu Ihnen nach Deutschland. Die Milderung setzt sich jetzt im ganzen Land durch, 2 bis 8 Grad. Michael Antwerpes übernimmt jetzt hier. Na Michael,  schon einen Ausflug für übermorgen an deinem freien Tag geplant? Wetter wird ja gut.”

So schlimm ist es dann nun doch noch nicht ganz gekommen in der Olympia-Berichterstattung der ARD. Viel fehlt aber nicht mehr, aber scheinbar trauen sich die Öffentlich-Rechtlichen nicht jede Hemmschwelle zu übertreten. Ich hatte die letzten Tage Home Office, wie es so schon heißt, und habe entsprechend häufig Olympia im Fernsehen laufen gehabt, und natürlich auch mal durch die Programme gezappt um zu schauen, was die Sender an Berichterstattung anbieten. In den Foren und Blogs tobt ja schon wieder die Diskussion über ARD und ZDF, ob es zu vertreten sei, dass ARD und ZDF mit viel mehr Mitarbeitern nach Vancouver fahren als zum Beispiel die BBC und dafür weniger Sendestunden verbrauchen. Und ob ARD und ZDF nicht zu verschwenderisch mit unseren Gebühren umgehen, wenn zum Beispiel auch Jörg Kachelmann und Franziska van Almsick nach Vancouver reisen. Zwei Personen, die man bei Olympischen Winterspielen nicht zwingend sehen muss und will. Ich will hier gar nicht in das durchaus berechtigte ÖR-Bashing einsteigen, sondern vielleicht mal meine Sicht und meinen Wunsch an eine gute Sportübertragung darlegen und dann nebenbei auch zeigen, warum ARD/ZDF dies eben nicht so gut können und vielleicht auch wollen, und dass Eurosport zumindest bei vielen Punkten die bessere Anlaufstelle ist.

Was steht bei Olympia im Vordergrund? Sport, Sport, Sport, fairer Wettkampf und wenn man so will ein wenig die Kultur und Präsentation der Gastgeberstadt. Heißt für mich: Ich möchte in erster Linie Sport sehen, bei den wichtigen Entscheidungen live dabei sein, möchte Emotionen erleben. Und ich möchte ein halbwegs verlässliches Programm. Ich will wissen, ob ich ein Eishockeyspiel in Gänze irgendwo sehen kann und nicht, dass ich irgendwann einen anderen Wettbewerb sehe. Verlässlichkeit im Programm und die Konzentration auf das Wesentliche – Sport! – das erwarte ich von einer guten Olympia-Berichterstattung. Das ist die eine Seite, die Voraussetzung, die andere Medaille ist dann die Umsetzung. Ich möchte ein gutes Fernsehbild und ich möchte einen kompetenten Kommentator, der – das wäre das höchste der Gefühle – noch einen guten, erfahrenen Experten neben sich hat. Eigentlich keine hohen Ansprüche an Sender, die von mir jährlich über 200 Euro bekommen und jährlich mit ein paar Milliarden ziemlich willkürlich umgehen können.

Doch ARD und ZDF können meine niedrigen Ansprüche nicht erfüllen, wie sollen sie auch? Generell laufen bei den ÖR massenkompatible Sportarten, jetzt muss man alle vier Jahre sich dem Eishockey widmen, einer Sportart, die sonst unter jedem Radar verschwindet. Dass dann da keine hochwertige Übertragung rauskommt, dürfte erstmal klar sein. Aber was ich eben erwarten kann, ist, dass sich ein Kommentator informiert vor jedem Spiel, die lokale Presse liest, im Internet sich die wichtigsten Statistiken raussucht und auch sonst vielleicht ein gewisses Interesse und eine Begeisterung für die Sportart vermittelt. Sonst kann man es auch gleich sein lassen. Und von ARD und ZDF, die wirklich jeden Clown nach Kanada geschickt haben, darf ich dann als zahlender Zuschauer auch erwarten, dass die Kommentatoren sich umfassend vorbereiten. Liebe ÖR, schaut euch doch bitte zum Beispiel beim Eishockey das Duo Faßnacht/Leinauer an. Oliver Faßnacht kommentiert vielleicht drei Eishockeyspiele pro Jahr auf Eurosport, Gerd Leinauer hat ja schon jahrelang Eishockey als Experte begleitet, nichts desto trotz merkt man, dass sich vor allem ein Faßnacht hervorragend vorbereitet hat. Er kennt die kleinen Geschichten hinter den Spielern, er kann ein Spiel einordnen, Leinauer es fast schon lesen, eine Spieltendenz ablesen. Und das bekommt man durch vieles Schauen einer Sportart. Ich weiß ja nicht, was die Olympia-Kommentatoren von ARD und ZDF so zwischen den Jahren machen, aber wenn ich weiß, dass ich Eishockey bei Olympia kommentiere, wäre es sicherlich nicht verkehrt, auch mal zwischendurch DEL und NHL zu verfolgen und ein Gefühl für diese Sportart zu bekommen. Gleiches gilt für Skispringen. Liebe ARD, gebt dem Tom Bartels doch endlich mal einen Co-Kommentator, das wäre dann sehr viel unterhaltsamer. Wieso darf Dieter Thoma zum Beispiel nicht ans Mirko während des Springens? Auch hier wieder der Verweis an Eurosport zum Duo Dirk Thiele und Gerd Siegmund.

Es braucht also gar nicht viel für eine gute Übertragung, zwei fähige Leute und ein guter Wettkampf. Stattdessen verschleudern ARD und ZDF ihre Ressourcen für teure Studios, zig Gäste und eine Wetterfee – und schaffen nur selten, Begeisterung für den Sport rüberzubringen, was an der fachlichen Ermangelung von Kommentatoren und Experten liegt. Was man aber erlernen kann, wie ich finde. Natürlich ist es einfach auf ARD und ZDF einzuhauen, aber gerade die Olympia-Berichterstattung zeigt mal wieder, wie realitätsfern die ÖR agieren. Sie wollen es vielleicht einfach zu gut machen. Aber das braucht es doch gar nicht, die meisten Zuschauer schalten wegen der sportlichen Wettkämpfe ein und nicht wegen der Schneefallwahrscheinlichkeit in Whistler. Das kann man in fünf Sekunden abhaken. Und es dürfte ebenso nachvollziehbar sein, dass vor allem nachts nur die Freaks noch eingeschaltet haben. Da braucht es dann also wirklich kein überflüssiges Gelaber mehr, sondern lediglich Sport. Ganz einfach.

Um hier nicht völlig mit Kritik rumzuwerfen, seien zumindest die Online-Aktivitäten der ARD, das Olympia-Radio und der ständig aktualisierte TV-Guide auf zdf.de positiv erwähnt. Wundert mich eigentlich, dass da noch gar nicht die Privaten gemeckert haben, wie umfangreich online bei den ÖR berichtet wird. Überhaupt wundert es mich, wie wenig die Berichterstattung von ARD und ZDF und die Rahmenbedingungen der Übertragungen aus Vancouver hinterfragt werden, auch von den privaten Medienakteuren. Da wird wegen einer kleinen App eine Sau durch die deutsche Medienwelt gejagt, aber wenn man überflüssige Gebühren verpulvert und noch nicht mal eine gute Berichterstattung hinlegt, interessiert das hier in Deutschland nur die interessierten Sportfans. Wenn ich sehe, für was sich die BBC in den letzten Wochen schon wieder rechtfertigen musste und wie sehr der Druck von Sun, The Times und Guardian auf die Anstalt ausgeübt wird, muss man sich eigentlich auch nicht groß wundern, wenn ARD und ZDF so handeln, wie sie es tun. Interessiert ja ehe nur die Sportfreaks. Eigentlich schade. Wenn ich lese, dass ARD und ZDF sich gemeinsam drei Jahre für die Übertragung vorbereitet haben, kommt da am Ende ernüchternd wenig rüber. Technisch vielleicht sehr positiv, aber redaktionell bin ich eher enttäuscht.

Manchmal kann weniger eben auch mehr sein. Ein gutes Bild, eine gut vorbereiteter Kommentator und ein kompetenter Experte. Und schon bin zumindest ich zufrieden. Mal sehen, ob ARD und ZDF irgendwann diesen Weg gehen werden. Freiwillig sicher nicht.

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Champions League 2009/2010 Achtelfinale Hinspiel, FC Porto – FC Arsenal 2:1

Mittwoch, 17. Februar 2010 22:41

Während der Großteil der deutschen Fernsehzuschauer sich heute wohl auf die Partie zwischen den Bayern und dem AC Florenz konzentriert hat, habe ich mir ganz in Ruhe 90 Minuten lang den Auftritt vom FC Arsenal beim FC Porto angeschaut. Nachfolgend einige Eindrücke und Erkenntnisse des Spiels.

Vor dem Spiel:

Was macht Arsene Wenger, wenn mal wieder ein wichtiges Spiel für seine Gunners auf dem Programm steht? In beständiger Regelmäßigkeit erklärt er den Auftritt seines jungen Teams als Reifeprüfung, als mögliche Demonstration der Weiterentwicklung seiner Mannschaft, als das Umgehen mit Druck, als das Zeigen von hinzugewonnener Erfahrung über die letzten Jahre. Wenger hatte das bereits letztes Jahr vor jedem K.o.-Spiel in der Champions League gemacht, zuletzt vor den drei wichtigen Ligaspielen des FC Arsenal. Und nun wieder vor dem Auftritt der Gunners im Estádio do Dragao. Nun scheint für Wenger  wieder der nächste Schritt gekommen zu sein. Und in gewisser Hinsicht ist er das auch. Arsenal muss heute Abend mit zahlreichen Verletzten umgehen und gleichzeitig zeigen, dass sie auf europäischer Bühne mithalten können und die Leistungen aus dem Vorjahr bestätigen. Nicht ganz umsonst erwähnte Wenger, dass man wieder den Spirit of 2006, als man ins Finale einzog, wiederbeleben müsse. “Ich glaube, wir haben die Spieler, die aufs Feld kommen können und eine gute Leistung zeigen, weil sie die Erfahrung haben. Sie haben alle bereits Champions League gespielt, wir können uns darüber nicht beschweren. Es ist der Teil eines erfolgreichen Teams – große Spiele zu bestreiten ohne die Top-Elf und trotzdem erfolgreich zu sein. Der kleine Spagat von Wenger zwischen dem Starkreden seines Teams und der Herausstellung einer stets neuen Prüfung, die Erfahrung unter Beweis zu stellen. Arsenal muss mit Arshavin, Eduardo, Song, Almunia und Gallas auf fünf Stammspieler verzichten. Und auch deswegen ist es eine kleine erneute Reifeprüfung.

Der FC Porto liegt in der heimischen Liga schon neun Punkte zurück hinter Tabellenführer Benfica und kam am Wochenende beim Vorletzten Leixoes nur zu einem 0:0. Porto hat in der Liga zuhause noch nicht verloren, hat diese Spielzeit in der Champions League aber nur durchschnittliche Leistungen erbracht. Zwar gab es einen souveränen Heimsieg gegen Atletico Madrid, aber nur mit Mühe besiegte man Apoel Nikosia, gegen Chelsea verlor man im Drachenstadion. Letzte Saison schied man im Viertelfinale aus – dank einer Heimniederlage gegen Manchester United. Die englischen Teams scheinen also nicht so wirklich zu liegen.

Das Spiel:

Arsenal muss auf alle Fälle, wenn man dieses Spiel erfolgreich gestalten will, defensiv besser stehen und sich nicht wieder auskontern lassen. Porto hat letzte Saison im Viertelfinale bei Manchester United gezeigt, dass sie auch auswärts Tore schießen können, wenngleich Arsenal im Emirates gegen Porto immer hervorragend ausgesehen hat. Wenger wünscht sich auf alle Fälle eine stabile Defensive und vielleicht ein Auswärtstor. Arsenal musste also einige Spieler ersetzen. Fabianski rutschte ins Tor, Sol Campbell rückte in die Innenverteidigung und macht sein erstes Spiel in der Champions League seit seinem Finaltor 2006 für Arsenal in Paris. Denilson übernimmt die Rolle von Song, Bendtner ist einzige Spitze, umrahmt von Rosicky und Nasri in der Offensive. Bei Porto kehrt der in der Liga gesperrte Hulk in die Startelf und soll im Sturm für Tore sorgen. Raul Meireles, Varela und Falcao sollen ihn offensiv dabei unterstützen.

Beste äußere Bedingungen herrschten im Drachenstadion, über 10 Grad, trocken, großartige Atmosphäre voller Vorfreude auf ein hoffentlich tolles Spiel. Arsenal hatte Anstoß und spielte in weiß-rot von links nach rechts in der ersten Hälfte. Und nach zwei Minuten erstmals Gefahr vor dem Tor des FC Arsenal, Porto gelang ein Blitzstart. Campbell verliert das Laufduell mit Falcao, kann dann aber mit einer tollen Grätsche noch den Ball klären. Den Nachschuss von Micael blockt dann Vermaelen für den schon geschlagenen Fabianski. Eine Minute später nächster Aussetzer von Campbell im Strafraum, Hulk nimmt den Abpraller direkt, aber ganz knapp am Tor vorbei. Und Arsenal hätte sich über einen Rückstand nicht beklagen dürfen. Es war ein schnelles, temporeiches Spiel in den ersten Minuten, Arsenal versteckte sich nach der anfänglichen Schockstarre nicht mehr. Aber Porto ging in Führung in der 11. Minute mit tatkräftiger Mithilfe von Fabianski. Varela mit der Flanke von rechts, der Pole spekuliert auf eine Flanke, steht dann schon ungünstig, kann der Ball aber ganz bequem aufnehmen, lässt ihn aber dann unter seinem Körper durchrutschen. An die Almunia-Kritiker, habt ihr das gesehen? Porto belohnt sich für die starke Anfangsphase, Arsenal machte die Flügel nicht dicht, Clichy lässt sich wieder von Varela überlaufen, die Gunners mit zu vielen Schnitzern in der Defensive. Arsenal danach in totaler Schockstarre. Es dauerte fast zehn Minuten, bis Bendtner mit einem abgefälschten Schuss den Pfosten berühte und Arsenal wieder zu atmen begann. Die anschließende Ecke brachte dann den Ausgleich. Vermaelen und Rosicky verlängern wunderbar, Sol Campbell muss nur noch einköpfen. Und plötzlich bekam Arsenal Oberwasser, tolle Einzelleistung von Rosicky, dessen Rechtsschuss von Helton zur Ecke geklärt wird. Im Gegenzug gefährlicher Freistoß für Porto, weil Vermalen zu langsam agiert und sich nur mit einem Foul helfen kann. So toll beide Offensivreihen agierten, so schlecht spielten die Defensiven, vor allem bei den Gunners. Aber man holte sich über die offensive Grundausrichtung im Laufe der ersten Hälfte Sicherheit und ein Chancenplus. Fabregas bringt einen Freistoß in der 37. Minute in die Mitte, Bendtner mit dem Kopfball aus 10 Metern, Helton kann den Ball über die Latte lenken. Insgesamt nur noch wenig klare Torchancen nach den beiden Treffern, Arsenal wurde mit zunehmender Dauer in diesem Spiel souveräner, spielte offensiv variabler und stand defensiv näher am Mann und gewann die wichtigen Zweikämpfe. Ein tolles, temporeiches Fußballspiel ging mit einem verdienten 1:1 in die Pause.

Arsenal kam richtig gut in diese Partie und dann überschlugen sich ab der 50. Minute die Ereignisse. Zunächst foult Meireles Rosicky im Strafraum, von ersten Sehen ein klarer Elfer, gab leider keine Zeitlupe. Der schwedische Schiedsrichter Hansson verweigerte aber den Pfiff. Dann sind sich im Gegenzug Campbell und Fabianski nicht einig, wer zum Ball gehen soll. Letzlich entscheiden sie sich für die schlechteste aller Varianten. Campbell tickt den Ball noch leicht an, Fabianski nimmt ihn auf. Klarer Rückpass, und Porto führt schnell aus, Arsenal weiß noch gar nicht, was passiert ist und da ist der Ball durch Falcao im Tor. Sehr viel blöder kann man sich nicht anstellen, von den Regularien ein völlig korrekter Treffer, auch wenn Wenger an der Seitenlinie außer sich ist. Und zumindest einigermaßen kann ich das verstehen: Denn der schwedische Schiedsrichter gibt dem Porto-Spieler den Ball pfannenfertig zur Ausführung in die Hand. Das habe ich auch noch nicht gesehen. Keine Ahnung, wem man da von Arsenal die Schuld geben soll, wahrscheinlich eher Campbell. Wieso tickt er denn den Ball noch an? Fabianski war doch fast da und der Gegenspieler noch ein gutes Stück weg. Im Spiel von Arsenal danach erstmal ein Bruch, man spielte nicht mehr so souverän, Porto spielte jetzt wieder zielstrebiger nach vorne. Viele Chancen gab es aber nicht. Gut 20 Minuten vor Schlusspfiff brachte Wenger Walcott für Rosicky. Die Gleichung Investition in dieses Spiel gleich Torchancen ging bei Arsenal im zweiten Durchgang überhaupt nicht mehr auf. Und dabei blieb es trotz temporeichen spiel auch in der zweiten Hälfte. Für den neutralen Betrachter ein richtig gutes Champions League Spiel. Vela kam acht Minuten vor Schluss für Bendtner, aber offensiv blieb Arsenal eine Enttäuschung in der zweiten Hälfte, man spielte die Angriffe nicht gut aus, agierte schlampig in den Zuspielen, war zu umständlich im Abschluss. Porto war bei Kontern stets gefährlich, aber Fabianski machte zumindest einen ruhigeren Eindruck gegen Ende des Spiels. Es passierte in den letzten Minuten nicht mehr viel. Am Ende gewinnt der FC Porto gegen die Gunners insgesamt verdient mit 2:1, vor allem dank einer stärkeren zweiten Hälfte und purer offensiver Harmlosigkeit der Londoner nach der Halbzeit.

Die Lehren aus diesem Spiel:

Was mir bei Arsenal in der ersten Hälfte insgesamt richtig gut gefallen hat, war die offensive Grundausrichtung, das frühe Angreifen und das Pressing schon in Höhe der Mittellinie. Diese Taktik ist insgesamt richtig gut aufgegangen. Porto spielte in der ersten Hälfte offensiv gut mit, machte defensiv ein paar Fehler. Sehr gut gefallen hatte mir Varela, der das Duell auf dem rechten Flügel klar gegen Clichy für sich entschied. Ruben Micael war bemüht, von Hulk war wenig zu sehen. Den hatten Vermaelen und Campbell gut im Griff.

Apropos Sol Campbell: Nicht nur wegen seines Treffers eine gute Leistung. Nachdem er das erste Laufduell verloren hatte, bekam ich schon Schweißperlen auf der Stirn. Aber dann glänzte er durch gutes Zweikampfverhalten und exzellentes Stellungsspiel. Nur ein wenig langsam war er. Langsam leider auch in der 50. Minute. Am einfachsten wäre gewesen, er hätte den Ball in den Atlantik befördert. Da merkte man auch die fehlende Spielpraxis. Als Alternative zu Gallas nur bedingt einsetzbar.

Niklas Bendtner hatte von Arsene Wenger stets viel Vertrauen entgegenbekommen. Der Franzose forderte vom dänischen Stürmer dies jetzt nach und nach zurückzuzahlen. Und zumindest in der ersten Hälfte gelang das gut. Wirkte stets präsent, war immer anspielbereit und hatte zwei gute Torchancen. In der zweiten Halbzeit tauchte der Däne dann unter, weil aber auch zu wenig Impulse aus dem Mittelfeld kamen.

Das große Problem bei Arsenal bleibt weiterhin die Defensive, insbesondere, wenn Gallas nicht dabei ist. Und Fabianski hat zumindest heute gezeigt, dass er auch für einen hin und wieder schwächeren Almunia keine Alternative ist. Almunia bekam die letzten Wochen von vielen Arsenal-Fans sein Fett ab, vielleicht lernt man ihn ja jetzt wieder mehr schätzen. Aber immerhin konnte man die Schwierigkeiten in der Verteidigung durch eine gute Offensive in der ersten Hälfte kompensieren. Das war in der zweiten Halbzeit nicht mehr gegeben. Das war in den letzten 45 Minuten richtig schlecht. Keine Ahnung warum. Aber da war dann letzlich auch mehr drin als nur ein Tor. Insgesamt kein schlechtes Auswärtsspiel, da war viel mehr drin.

In den Schlüsselduellen eigentlich ein ausgeglichenes Spiel. Bruno Alves bekam Bendtner in der zweiten Hälfte sehr viel besser in den Griff, Vermaelen machte gegen Falcao ein tolles Spiel. Der Toptorjäger der Portugiesen war abgemeldet in der ersten Hälfte. Fabregas spielte aufopferungsvoll, wurde häufig gefoult. Insgesamt Punktsieger gegen Meireles.

Zum Schiedsrichter sage ich nichts. Sagen wir es mal so: Das Verhalten vor dem 2:1 war schon komisch. Aber egal, daran hat es nicht gelegen. Für Arsenal eine brauchbare Ausgangsposition. Ein 1:0 reicht im Emirates, ist aber auch gefährlich, weil Porto gut kontern kann. Arsenal muss diese defensiven Schlurigkeiten abstellen. Und wenn man dann offensiv schnell ins Spiel findet, ist ein Weiterkommen in greifbarer Nähe.

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Champions League 2009/2010 Achtelfinale Hinspiel, AC Mailand – Manchester United 2:3

Dienstag, 16. Februar 2010 22:40

Ich habe es selten erlebt, dass man ein Achtelfinale in der Champions League so sehr auf eine Person reduzieren kann. Aber die englischen Medien konnten es. Milan gegen Manchester United stand ganz im Zeichen vom Aufeinandertreffen von David Beckham mit seinen alten Teamkollegen und seinem ehemaligen Trainer, Sir Alex Ferguson. Von 1992 bis 2003 kickte der blonde Engländer bei den Red Devils und hatte seine beste Zeit im Old Trafford. Seitdem konnte er nur noch selten an seine herausragenden Leistungen anknüpfen. Dass er immer noch zu einem der besten Spieler Europas gehört, könnte man dann am ehesten ja auf der europäischen Fußballbühne, der Champions League, zeigen. Wenn man es denn noch kann.

AC Mailand gegen Manchester United ist das Duell der Teams, die in ihren Ligen in Lauerposition sind. Manchester United liegt einen Punkt hinter dem FC Chelsea, Milan schon neun Punkte hinter dem Stadtrivalen Inter, aber auch noch mit einem Spiel weniger. In allen vier Aufeinandertreffen in der K.O.-Runde konnten die Italiener die Engländer schlagen, vor allem aufgrund der starken Heimleistungen. Ein gutes Ergebnis für Manchester United könnte hier also schon Basis für den Einzug ins Viertelfinale sein. Zu allem Überfluss stand David Beckham auch in der Startelf. Milan unter Trainer Leonardo ging offensiv in diese Partie mit einem 4-3-3. Ronaldinho, Huntelaar und der junge Pato bildeten das Sturm-Trio, wobei Ronaldinho eher als hängende Spitze agierte. Durch das 4-3-3 spielt Beckham im zentralen Mittelfeld und nicht wie sonst auf dem rechten Flügel, geht also einem Duell mit dem schnellen Evra aus dem Weg. Bei Manchester United stand Rio Ferdinand mal wieder in der Startelf, erst sein 10. Einsatz für die Red Devils in dieser Saison. Nani spielte ebenso wie Ji-Sung Park, der den verletzten Ryan Giggs ersetzte. Rafael erhielt auf der Rechtsverteidigerposition den Vorzug vor Wes Brown.

Ungemütlich kalter Abend in Mailand, knapp über null Grad, tagsüber hatte es geregnet. Stadion richtig gut gefüllt, traumhafte Atmosphäre. Wenn man Ronaldinho schon vor dem Anpfiff die Hände reiben sah und Fritz von Thurn und Taxis schon in seinen Ausführungen zu Beginn schon erwähnte, dass hier zwei der größten Fußballklubs Europas aufeinandertreffen, dann war eigentlich klar, dass es ein großartiges Fußballspiel werden musste. Ging doch gar nicht anders. Doch große Namen gleich großes Spiel? Nur Stars auf dem Platz. Man Utd in den weißen Trikots von links nach rechts, Milan in schwarz-rot.

Großartiges Spiel, zumindest der Anfang war es schon einmal. Milan ging nach drei Minuten durch Ronaldinho in Führung. Beckham tritt einen Freistoß von rechts in den Strafraum, Park verlängert unglücklich weiter, Ronaldinho nimmt den Ball volley, wird noch leicht abgefälscht von Carrick, sodass Van der Sar keine Abwehrchance hatte. Schöner Auftakt in dieser Partie, der nur dadurch ein wenig getrübt wird, dass auf Tonoption 2 Italiener sprechen. Müssen ich und mein Gerät im Salon halt mit Thurn und Taxis leben. Die ersten Minuten gehörten ausschließlich den Gastgebern, insbesondere Ronaldinho, der hauptsächlich über links kam, spielte Wes Brown ein ums andere Mal schwindelig. Thiago konnte wunderbar Antonini bedienen, der aber knapp verzog. Das Mittelfeld von Manchester United war praktisch nicht präsent. Aus dem Spiel ging bei Man Utd wenig, einzig Unsicherheiten von Dida nach Eckbällen brachten etwas Gefahr. Und die ganzen Stars bei den Gästen konnten nur wenig zeigen, richtig schlechte Teamperformance von United in den ersten 20 Minuten. Der AC stand defensiv erstaunlich sicher, kompakt, eng am Mann und gewann alle wichtigen Zweikämpfe. Mitte der ersten Hälfte verlor das Spiel dann ein bisschen an Unterhaltungswert, Man Utd stellte sich besser auf die Angriffe der Rossoneri ein, konnte offensiv aber weiter kaum Akzente setzen. Und defensiv blieb man anfällig für schnelle Spielzüge des AC, insbesondere weil auch Ferdinand nach seiner Rückkehr nicht den besten Tag erwischte. Die beste Chance zum 2:0 hattte Huntelaar in der 34. Minute, als nach einem Fehlpass von Evans Ambrossini den Holländer schickt, der aber knapp am Tor vorbeizielt. Van der Sar ist außer sich wegen der Leistung seiner Vorderleute. Ich habe Man Utd selten so schwimmen gesehen wie heute, unerklärlich viele kleine Fehler. Und mit dem ersten guten Angriff gelingt den Gästen aus dem Nichts dann der Ausgleich. Fletcher läuft sich auf rechts gut frei, bekommt das Zuspiel von Park, butterweiche Flanke in die Mitte, wo Scholes den Ball gar nicht richtig trifft, er aber unerreichbar für Dida über die Linie rollt. Mit einem doch glücklichen 1:1 ging es dann für United in die Pause. Sir Alex hat bereits an der Seitenlinie alle Energien für die Halbzeitansprache gesammelt.

Auch wenn Sir Alex in der Halbzeit davon sprach, dass man jetzt hier mehr wolle, hatten wieder die Gastgeber den besseren Start. Pato versiebt nach Wiederanpfiff eine gute Chance, einen Freistoß von Pirlo kann Van der Sar gerade noch so über die Querlatte lenken. Man Utd schaffte es auch weiterhin nicht Ballbesitz auch nur ansatzweise in Torgefahr umzumünzen. Und bei Van der Sar konnte man sich nach 60 Minuten bedanken, dass man überhaupt noch einen Fuß im Spiel hatte. Ferguson brachte Valencia für die rechte Seite um mehr offensive Impulse zu erhalten, Nani ging nach schwacher Leistung vom Platz. Und fast wie in der ersten Hälfte kommt United einmal gefährlich vor das Tor – und trifft. Rooney – wer sonst, möchte man fragen – macht in der 67. Minute das 2:1, weil er eine wunderschöne Flanke von Valencia ins Tor köpft, nachdem er das Kopfballduell gegen Bonera für sich entscheidet, keine Chance für Dida. Danach hatte es überhaupt nicht ausgesehen. Beckham ging nach 70 Minuten vom Platz. Ein starker Beginn mit gefährlichen Standards, ein schwache zweite Hälfte, hatte aber eben auch starke Mitspieler um sich herum. Nach der Führung war Man Utd besser im Spiel, kontrollierte das Geschehen und ließ sehr viel weniger Torchancen zu – und belohnte sich mit dem 3:1, weil die Hintermannschaft von Milan auch nicht so sicher wirkte wie in den ersten 30 Minuten. Rooney in der 74. mit dem Ausbau der Führung. Nach Flanke von Fletcher toller Kopfball des Stürmers, der momentan wohl der beste Fußballspieler der Welt ist. Gegenspieler im näheren Umkreis von Rooney gab es keine.

Und wenn man nicht mehr weiter weiß, bringt man Inzahgi, so geschehen in der 76. Minute. Ein letzter Rettungsanker für die Rossoneri. 36 Jahre alt. Womöglich ausgeschieden im Achtelfinale, Milan hat scheinbar seinen Zenit endgültig erreicht. United schien alles im Griff zu haben, da schlägt Milan noch einmal zu. Das 2:3 in der 85. Minute durch den kurz zuvor eingewechselten Seedorf nach tollem Zuspiel von Ronaldino, die Abwehr von Man Utd wieder zu weit von den Gegenspielern entfernt. Es blieb nach einer turbulenten Schlussphase und eines Platzverweises für Michael Carrick wegen Zeitspiels beim knappen Sieg für Man Utd, die über 90 Minuten gesehen nicht das bessere Team waren. Hatten viel Glück in der ersten Hälfte, gute Phase in der zweiten Hälfte, wo man dann auch seine Chancen nutzte und defensiv sicherer wirkte. Milan hatte den besseren Start, verpasste es aber die vielen Chancen zu nutzen und die Unsicherheiten von United konsequenter auszunutzen. So gehen die Red Devils mit einer hervorragenden Ausgangsposition ins Rückspiel am 11. März.

Und über David Beckham wird morgen nicht viel in der Zeitung stehen. Die Schlagzeilen gehören Wayne Rooney.

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Medien-Sport-Politik, 16.02.2010

Dienstag, 16. Februar 2010 17:36

Das närrischen Treiben liegt fast hinter dem Rheinland. Ich durfte zum ersten Mal sowas wie Karnevalsluft schnuppern und war gestern beim Rosenmontagsumzug in Köln. Unabhängig mal davon, dass es die Deutsche Bahn nicht schafft an einem solchen Festtag mehr Züge einzusetzen und man auf der ganzen Fahrt von Düsseldorf nach Köln kaum Luft zum Atmen hatte, war es eigentlich ein schöner Tag. So ganz langsam erschließt sich mir auch der Sinn von Karneval beziehungsweise hat das gestern das ZDF für mich erledigt. Als ich abends wieder in Düsseldorf war, wollte ich Heute-Journal schauen und hatte mich auf ein Bilder von den Rosenmontagsumzügen im Nachrichtenblock gefreut. Aber nein, zu meinem Erstaunen waren die Umzüge in Düsseldorf, Köln, Bonn und Mainz das zweite Topthema in der Sendung. Die Anmoderation ließ dann auch erahnen warum: Karneval hat eine politische Botschaft, durch die Mottowagen wird eine politische Meinung geäußert. Und das hat dann auch das ZDF für seinen Beitrag gemacht. Mal schön mit dem Mikro durch die Massen und gefragt, was man von der aktuellen politischen Lage halte. Alles durchweg negativ. Und damit dürfte dann endlich auch der Stellenwert des Karnevals für Gesamtdeutschland gegeben sein. Volkes Stimme wird gehört und auch noch schön visualisiert. Und für das ZDF, deren boulevardeske Grundtendenz vor allem im Heute-Journal ich schon häufiger festgestellt habe, ein willkommener Anlass. Für mich war es ein lustiger Tag mit netten Leuten, Musikkapellen, Süßigkeiten und ausreichend Alkohol. Habe nicht einmal an Politik gedacht. Selbst Rousseau hat die politische Relevanz  von Festumzügen als direktdemokratisches Element nicht erkannt. Wir sind mal wieder schlauer, danke liebes ZDF.

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Heute Abend startet die KO-Phase der Champions League mit dem Aufeinandertreffen von David Beckham im Trikot des AC Mailand und seinem Ex-Klub Manchester United, zudem reist Real Madrid an die Rhone zu Olympique Lyon. Kevin McCarra vom Guardian mit einem Plädoyer für den Wettbewerb Champions League.

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Seit dem Wochenende laufen nun auch endlich die Olympischen Spiele, habe bis auf das Skispringen und den Biathlon-Sprint der Frauen noch eher wenig gesehen, von daher kann ich bisher wenig zu den Übertragungen sagen. Generell bin ich bei solchen Events kein Freund von ARD und ZDF, wobei es gerade auf den hinteren Optionen und bei den weniger populären Wettbewerben ungeahnte Qualität gibt. Erinnert sei an Carsten Sostmeier bei den Reitwettbewerben und der Dressur 2008 in Peking. Das war für die ÖR ja fast schon eine kleine Sternstunde. “Hinni, behalt die Nerven, mach da jetzt keine Scheiß-Distanz rein.” Mal schauen, wie sich ARD und ZDF machen. Und am Duo Faßnacht/Leinauer beim Eishockey und Siegmund/Thiele führt sowieso kein Weg vorbei, von daher haben es ARD/ZDF bei mir da schon mal schwer.

Jens Weinreich, der selbst mal wieder hervorragend aus Vancouver bloggt, war heute beim DRadio Wissen im Interview: Blogging Regeln für Olympioniken.

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Heute Abend werden die Brit Awards 2010 vergeben. Es entsteht ja immer wieder die Diskussion, ob der Musikpreis nicht langsam an Stellenwert verliert, weil er immer weniger die musikalischen Leistungen berücksichtigt, sondern vielmehr zu einer Auszeichnung von kommerziellem Erfolg geworden ist. Was auch nur bedingt stimmt, denn Coldplay gewannen letztes Jahr zum Beispiel trotz mehrfacher Nominierungen keinen Brit Award. Das ganze findet wieder im Londoner Earls Court statt. Live-Blog durch den ganzen Abend beim Guardian. Zum ersten Mal gibt es eine Kategorie, von der sich die Veranstalter eine Menge versprochen hatten: Brits Album of 30 Years mit Musikgrößen wie Oasis, Dire  Straits, Travis und Coldplay. Doch die drei letztgenannten Bands haben ihr Teilnahme schon mal abgesagt, genauso Dido, Keane und Duffy. Coldplay wollen sich lieber auf ihre Lateinamerika-Tour vorbereiten, die in einigen Tagen startet. Ob da noch ein bisschen Ärger drinsteckt wegen der Erfolgslosigkeit des letzten Jahres, sei dahingestellt. Und nun hat diese Kategorie nur noch einen Stellenwert, nämlich für Oasis. Sollten sie die gewinnen. Bei den Buchmachern gelten sie neben Coldplay als Favorit. Wer nimmt den Preis aber entgegen? Liam und Noel haben sich ja zerstritten und auch keinen Kontakt mehr zueinander. Es wäre ein Wunder, wenn beide auf die Bühne kommen sollten. So ein ganz bisschen ist diese Kategorie aus dem Ruder gelaufen. Es gibt dann noch das Pendant, Brits Hits of 30 Years. Aber der Album-Preis hat schon das höchste Ansehen, doch kaum eine Bands interessiert sich für die mögliche Trophäe. Die besten Chancen mit je drei Nominierungen haben Lily Allen, Lady Gaga und Pixie Lott. Live-Performances am Abend gibt es von Jay-Z, Kasabian, Florence and the Machine, JLS und Robbie Williams. Moderieren wird der britische Komiker Peter Kay, der aber wirklich lustig ist. Die Liste der Nominierten gibt es hier.

Und wie mache ich das heute Abend? Champions League und Olympia im TV, Brit Awards im Live-Blog (es sei denn, ich finde einen brauchbaren Stream) und die Scorpions spielen gegen Straubing. Schwere Entscheidung.

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“Armageddon” für West Ham United oder “too good to go down”?

Mittwoch, 10. Februar 2010 7:44

Keine einfachen Zeiten für West Ham United und die Fans der Hammers in diesen Tagen. Der Verein kämpft ums sportliche und wirtschaftliche Überleben. Einer der neuen Besitzer des Vereins, David Sullivan, sprach gestern sogar von einem “Armageddon”, sollte West Ham absteigen müssen. Gleichzeitig kündigte er einen Sparkurs samt drastischer Gehaltskürzungen für die nächste Saison an. Jede Position im Verein sei überbezahlt. West Ham steht kurz vor dem finanziellen Kollaps. Nach Berichten der Sun steht der Verein bei anderen Mannschaften mit 15 Millionen Pfund in der Kreide.

Für West Ham beginnen mit dem heutigen Heimspiel gegen Birmingham City entscheidene Wochen, die vielleicht die ganze Saison definieren könnten. Anlass genug um genauer auf die Lage bei dem Traditionsklub aus dem Osten Londons zu schauen. Und wer könnte das besser tun als ein Hammers-Fan. Mit Wolfgang/Rapidhammer sprach ich über die sportliche und finanzielle Krise von West Ham und die derzeitige Stimmungslage bei den Anhängern der Hammers. Wolfgang wohnt in Wien und bloggt über West Ham United auf Rapidhammer Footballunited und ist via Twitter unter @rapidhammer zu erreichen.

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Vielen Dank für deine Zeit. Für alle, die dein Blog nicht kennen, erzähl doch mal ganz kurz, wie es dazu gekommen ist, dass du Fan von West Ham United geworden bist.

Ich glaube, der Beginn der Begeisterung für einen Verein kann oft nicht richtig erläutert werden. Das hat auch was Mystisches, Unerklärliches. Nick Hornby meinte einmal: “I fell in love with football as I would later fall in love with women suddenly, uncritically, giving no thought to pain it would bring”. Bei uns gab es schon im Gymnasium eine starke Fraktion von Fans des englischen Fußballs. Wir freuten uns damals vor allem über die im Sonntag-Abendsport gezeigten besten Torszenen aus der “First Division”, und da fielen mir auch die “Hammers” mit ihren für das kontinentale Auge ungewohnten “claret and blue”-Trikots auf. Bobby Moore, die Academy, die Liebe zu London und mehrfache Aufenthalte dort taten ein Übriges. Es gibt auch Parallelen zu meinem heimatlichen Klub Rapid Wien (da bin ich wirklich ein “lifelong supporter”): Rapid wurde als “1. Wiener Arbeiter Fußballklub” gegründet, West Ham als “Thames Ironworkers” – beide also richtige Arbeiterklubs! Und schließlich ist da vielleicht noch “die moralische Autorität des Außenseiters”, die Nick Hornby den West Ham-Fans einmal zugebilligt hat – ein Klub für “glory hunters” ist das jedenfalls nicht.

Momentan ist es ja nicht gerade einfach Anhänger der Hammers zu sein. Seit dem sechsten Spieltag steckt man im Tabellenkeller, nach der Niederlage in Burnley ist man weiterhin auf einem Abstiegsplatz. Was sind die Hauptgründe für die sportliche Krise im Osten Londons?

Die gesamte Saison war geprägt von ökonomischer Unsicherheit. Nachdem die Gläubiger von Björgulfur Gudmundsson – der isländische Eigentümer war im Zuge der Wirtschaftskrise bankrott gegangen – über eine “CB Holding” den Klub übernommen hatten, wusste man nie so richtig, wie es weitergehen sollte. Die Kaderzusammenstellung im Sommer war – vor allem aus finanziellen Gründen – nicht optimal, sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung hatte man zuwenig “cover” für verletzte Spieler. Junge Spieler, die letzte Saison erfolgreich in die Mannschaft eingebaut wurden, spielten im Herbst nicht konstant. Und wenn es auch blöd klingt, viele Spiele gingen wirklich knapp verloren, da war sicher auch Pech dabei, das sich im Verlauf dieser bisherigen Saison noch nicht “ausgeglichen” hat. Mit dem Eigentümerwechsel sollte nun Ruhe eingekehrt sein.

Gibt es denn noch Hoffnung für West Ham? In der Wintertransferperiode konnten immerhin Mido von Middlesbrough, Benny McCarthy aus Blackburn und der Brasilianer Ilan aus St. Etienne geholt werden. Wie können die drei den Hammers weiterhelfen?

Natürlich gibt’s Hoffnung: man erinnere sich nur an den “greatest escape” 2007, als West Ham noch neun Runden vor Schluss auf dem letzten Platz lag. Ein Carlos Tévez ist zwar diesmal nicht im Kader, aber an sich haben die Hammers genug Qualität, um nicht abzusteigen. Mido wurde von Middlesbrough ausgeliehen, spielte aber zuletzt bei einem Klub in seiner Heimat Ägypten. Wie fit er ist, wird sich weisen. Er spielt aber um eine minimale Gage und möchte echt nochmal beweisen, was in ihm steckt. Der Brasilianer Ilan muss sich an das Spiel in der Premier League wohl erst gewöhnen, er hat aber Torinstinkt und gleich bei seinem Debüt getroffen. Am meisten halte ich von Benedict McCarthy, auch wenn er bei seinem ersten Spiel am Wochenende gegen Burnley noch nicht voll überzeugen konnte.

Leistungsträger bei West Ham insbesondere im Sturm ist Carlton Cole, schon sieben Saisontreffer in 16 Einsätzen, aber auch immer wieder verletzt. Überhaupt ist die Offensive mit 30 Treffern, darunter fast ¾ Stürmertore, nicht das größte Problem. Warum dann aber kaum Verstärkungen für die Defensive im Winter?

Ich hätte zwar auch noch einen Verteidiger geholt, aber die drei neuen Stürmer sollten dem bisherigen Alleinunterhalter im Angriff, Carlton Cole, helfen und für die entscheidenden Siege sorgen können. Seit sich Cole und dann auch Guillermo Franco verletzt hatten, sah’s im Angriff müde aus: nur 7 Tore in den 11 Spielen seit Anfang Dezember!

Es sah im Angriff doch müde aus, weil inbesondere das Mittelfeld extrem ungefährlich ist. Nur neun Mittelfeldtore von vier verschiedenen Spielern. Das war letzte Saison ähnlich. Warum schafft es West Ham nicht gerade bei der doch offensiv ausgerichteten Spielweise ein torgefährliches Mittelfeld zu erzeugen? Das würde doch auch den Sturm entlasten.

Da liegt wohl ein echtes Problem: die Stürmer hängen oft in der Luft, weil aus dem Mittelfeld zu wenig Brauchbares kommt. Grund: einerseits sind frühere Leistungsträger nicht in Form. Vor allem Mark Noble (bis zum Erreichen der Altersgrenze Kapitän des englischen U21-Teams) und der junge Jack Collison lassen heuer ziemlich aus. Dann war Behrami länger verletzt und sein Ersatz Radoslav Kovac ist einfach nicht gut genug. Scott Parker, eigentlich der Star im Mittelfeld, hatte auch mit Verletzungen zu kämpfen; bei ihm fehlt mir die Konstanz. Andererseits war die Einkaufspolitik bei den midfielders alles andere als glücklich. Da haben wir Alessandro Diamanti: bei ihm wechseln Licht und Schatten – ein neuer Paolo di Canio wird der nicht mehr. Und der zweite Neue für’s offensive Mittelfeld, Jimenez, kam in London nie richtig an – er hat im Jänner zurück nach Italien gewechselt. Savio detto, er ging schon im August zurück nach Italien.
Alles in allem: es fehlt ein echter Kreativer, ein “flair player”, Assistgeber und Heckenschütze, wie es zum Beispiel bis vor zwei Saisons Yossi Benayoun war. Oder auch ein Kieron Dyer sein könnte, wenn er fit wäre. Lee Bowyer hat man abgegeben, der spielt jetzt eine super Saison bei Birmingham. Matty Etherington hat man abgegeben – eine super Saison bei Stoke. Gegen Burnley hat Junior Stanislas in der zweiten Halbzeit recht gut gespielt. Wenn Scott Parker und Valon Behrami fit bleiben und sich Noble wieder fängt, wären die vier mein Wunsch-Mittelfeld. Bei Diamanti bin ich mir nicht so sicher, ob der noch einschlägt…

Gleichzeitig las man in den Tageszeitungen, dass West Ham gerne Van Nistelrooy, Robbie Keane aus Tottenham und Mateja Kezman von Paris St. Germain holen wollte – alle wieder Stürmer. Alle sind trotz lukrativer Angebote nicht nach London gewechselt. Belastet die finanzielle Ungewissheit des Vereins den Wechsel von Neuzugängen, einfach, weil man sich nicht sicher sein kann, ob in einem Jahr noch das Gehalt gezahlt wird?

Ein Abstiegskampf in der Premier League ist wohl auch nicht so attraktiv wie mit HSV in der Europa League zu spielen. Und die neuen Eigentümer haben ein schonungsloses Bild vom hohen Schuldenstand bei den Hammers gezeichnet, da überlegt man sich’s als Spieler, ob man dorthin wechseln möchte. Robbie Keane war den Hammers aber, glaube ich, definitiv zu teuer.

Wie groß findest du denn die Auswirkungen der finanziellen Krise des Vereins auf die sportlichen Leistungen des Teams?

Das ständige Gerede von einem bevorstehenden Eigentümerwechsel und hohen Schulden hat sich sicher ausgewirkt. Und wenn’s einmal nicht gut läuft, dann kommt auch Pech und mangelndes Selbstvertrauen hinzu. “In football it’s all about confidence”, heißt es nicht zu unrecht.

Eine Serie zu starten ist ja auch nicht einfach. Ich kann mich an die gute Leistung von West Ham gegen Portsmouth Ende Dezember erinnern. Anschließend sah ich dann eine richtig schlechte Performance bei den Spurs. Nach den wenigen Siegen diese Saison folgte in der nächsten Partie sofort ein Rückschlag. Komischerweise zeigte man vor allem gegen die großen Teams der Liga gute Leistungen. Ist der Abstiegskampf bei den Spielern schon angekommen?

Das frage ich mich auch. Vor allem die ewigen netten Interviews von Gianfranco Zola nach Niederlagen lassen mich daran zweifeln, dass man den Ernst der Lage schon erkannt hat. “Too good to go down” – das sollte man rasch aus den Hirnen rauskriegen.

Die neuen Besitzer des Vereins, David Sullivan und David Gold, haben nach ihrer Übernahme sehr schnell mitgeteilt, dass den Verein Schulden in Höhe von 110 Millionen Pfund plagen, für einen kleinen Premier League Klub eine enorme Summe. Gleichzeitig sagte Sullivan, es mache ökonomisch überhaupt keinen Sinn in den Verein zu investieren, er mache das nur, weil er Fan der Hammers sei. Einerseits rettet jemand den Klub, sagt aber auch, dass die Zukunft sehr schwierig wird. Wie kommt sowas bei den Anhängern an?

Ich denke, da will jemand bewusst ganz anders antreten als vor gut drei Jahren die Isländer, die damals den Klub übernommen haben. Wahrscheinlich sollen diese Hinweise auf den Schuldenstand und vor allem die hohen laufenden Kosten eine Vorbereitung auf kommende Umbrüche sein. Man wird sich im Sommer wohl noch von dem einen oder anderen besonders gut verdienenden Spieler trennen. Vor allem aber dürfte es auch um das Senken von anderen Personalkosten gehen. In einem aktuellen Interview teilte Sullivan mit, man habe  höherrangigen Klubmitarbeitern bereits den Vorschlag gemacht, auf 25 Prozent ihres Gehalts zu verzichten, wenn sie ihren Job behalten möchten. Im Sommer könnte man sich von “zwanzig bis dreißig” Mitarbeiten trennen. Indem Sullivan die hohen Einkünfte in dem Interview auch zahlenmäßig benennt, versucht er – glaube ich – öffentlichen Druck aufzubauen und Verständnis bei den Anhängern zu erwecken. Für die Anhänger geht’s jetzt mal um’s Überleben in der Premier League. Auch wenn sich viele den dynamischen Unternehmer Tony Fernandes als neuen Eigentümer gewünscht haben anstatt der beiden alten Eastender mit schlüpfriger Vergangenheit – jeder ist nun froh, dass die Eigentümerfrage endlich gelöst wurde und man sich wieder auf’s Sportliche konzentrieren kann. Bis zum Saisonende jedenfalls…

…wenn dann Spieler, wie zum Beispiel Carton Cole, Scott Parker oder Alessandro Diamanti, verkauft werden müssen. Wird die nächste Saison nach einem möglichen Klassenerhalt nicht noch viel schwieriger und würden die Fans Verkäufe von Leistungsträgern einfach so akzeptieren?

Matthew Upson wird schon derzeit als möglicher Kandidat für einen Transfer genannt. Bei Cole und Parker habe ich eher das Gefühl, dass sie nicht abgegeben werden. Auch Tormann Robert Green könnte gehen. Dass es zu einem Ausverkauf kommt, glaube ich aber nicht.

Schweißt die schwierige Situation die Fans eigentlich zusammen? Du bist da vielleicht näher dran als ich. Gib doch mal einen kurzen aktuellen Stimmungseinblick in die Seele eines Hammers-Fan.

Im Augenblick macht sich bei mir ein gewisser Fatalismus breit. “Never a dull moment with West Ham United”, heißt es so schön – aber leider wird’s vor allem deshalb nicht langweilig, weil in den letzten Jahren was schiefgehen konnte, auch schiefging: 2006 das FA-Cup-Finale durch einen Fernschuss von Steven Gerrard praktisch Sekunden vor dem Schlusspfiff verloren, bei der Carlos Tévez-Affäre 8,5 Millionen Pfund Strafe und bis zu 20 Mio Pfund Schadenersatz an Sheffield Utd bezahlt, der letzte Eigentümer gerade aus dem Land, das von der Finanzkrise am härtesten getroffen wurde, unser Stürmer-Star bei seinem ersten Einsatz im Nationalteam schwer verletzt und mittlerweile in “Frühpension”. Fehlt nur noch, dass man heuer in die Championship absteigt! Aber das wird nicht passieren, denn auch wir Anhänger sind der Meinung: “too good to go down”!

West Ham steht schon seit knapp zwei Jahren immer wieder negativ in den Schlagzeilen wegen der finanziellen Situation des Vereins. Wie geht man als Fan damit um und ändert man seine Haltung gegenüber dem Verein?

Die ärgsten negativen Schlagzeilen machte wohl zunächst die Carlos-Tévez-Affäre, als der Klub im Frühjahr 2007 wegen unzulässiger Vertragsklauseln bei der Verpflichtung des Argentiniers und seines Landsmannes Javier Mascherano fürchten musste, Punkte abgezogen zu bekommen. Man kam dann zwar mit einer horrenden Geldbuße davon, aber der Ruf des Klubs war ramponiert. Und gegen Absteiger Sheffield United war West Ham in einen jahrelangen Rechtsstreit verwickelt, der schließlich mit einem Vergleich endete. Aufgrund dessen muss West Ham einen zig-Millionen-Betrag als Schadenersatz an Sheffield Utd zahlen. Gleichzeitig kam die Wirtschaftskrise, die Island besonders getroffen hat – und West Ham hatte das Pech, einen isländischen Eigentümer zu haben. Man bleibt natürlich ein Fan des Klubs, aber man betrachtet vieles kritischer.

Nun hatte man letzte Saison und dem 9. Platz als Abschluss eine tolle Spielzeit unter Trainer Gianfranco Zola gespielt. 2009/2010 läuft es bisher nicht zufriedenstellend. Wie viel Kredit hat denn Zola noch bei den Fans?

Als im Zuge der Übernahme durch Sullivan/Gold das Gerücht auftauchte, dass diese den Trainer auswechseln würden, wurde gleich eine Petition “pro Zola” gestartet, und die beiden Neuen bestätigten unverzüglich, dass “GZ” Trainer bleiben werde. Die Zahl der Kritiker unter den Fans nimmt aber natürlich mit jedem enttäuschenden Resultat zu, wobei Zola vor allem eine gewisse taktische Ahnungslosigkeit vorgeworfen wird. Der italienische Manager hat aber zweifellos noch viel Kredit bei den Fans, vor allem weil er sein Team seit jeher den tradionellen “West Ham Way” spielen lässt (gepflegtes Kombinationsspiel statt “kick and rush” mit hohen Flanken in den Strafraum, und dazu baut Zola, dem West Ham-Selbstverständnis entsprechend, immer wieder Eigenbauspieler aus der vereinseigenen Academy in die Mannschaft ein). Ich hoffe nur, dass man heuer nicht “in Schönheit stirbt”, zumal die Zola-Philosphie nicht gegen jeden Gegner und in jedem Spiel umgesetzt werden kann.

Wenn das System Zola nicht flexibel genug ist, erklärt das vor allem, dass man gegen Chelsea und Arsenal, wo man Raum zum Kombinieren hatte, gute Leistungen zeigte. Gegen Burnley oder Stoke sind aber andere Elemente von Nöten. Haben die Fans der Hammers zu hohe qualitative Ansprüche an den gespielten Fußball?

Der West Ham-Fan wird sich nie mit einer langweiligen statischen Spielweise zufrieden geben. Als man bemerkte, dass “GZ” ganz anders spielen ließ als sein Vorgänger Alan Curbishley, löste das eine echte Euphorie aus. Und in der ersten Saison des Italieners lief es ja auch prächtig: ein “top ten”-Finish und beinah die Qualifikation für einen Europa League-Startplatz. Aber für den “relegation dog fight” könnte Zolas bevorzugte Spielweise schön langsam zum Bumerang werden. Wobei man dazusagen muss, dass Zola ohnehin immer wieder herum experimentiert. Am Anfang trat er mit einem dezitierten 4-3-3 an und ließ auch in der Reserve und in den Jugendteams auf diese Taktik umstellen, dann wurde oft Carlton Cole als Solostürmer eingesetzt, und jetzt mit den Stürmer-Neuerwerbungen wird man wahrscheinlich meistens 4-4-2 spielen, wie zuletzt gegen Burnley. Da hatten die Hammers übrigens beachtliche “11 attempts on target” zu verzeichnen, so schlecht war das nicht, nachdem man – leider viel zu spät nach einem allzu defensiven Beginn – in die Partie hineingefunden hatte. Es wird aber Zeit, dass “GZ” und sein Co-Trainer Steve Clarke das Team so einstellen, dass Angriffsspiel, Mittelfeld und solide Verteidigung wieder so ineinander greifen, wie das in der letzten Saison der Fall war.

Noch einmal Thema Verletzungen: Kieron Dyer kam 2007 als großer Hoffnungsträger von Newcastle nach West Ham. Seitdem hat er nur 18 Pflichtspiele absolviert. Sullivan legt ihm den Rücktritt vom Profisport nahe – damit West Ham auch hier Kosten sparen kann. Ein richtiger Schritt?

Ich kann nicht beurteilen, wie Dyer wirklich gesundheitlich beisammen ist. Aber die Situation erinnert an Stürmer Dean Ashton, der nach seiner schweren Knöchelverletzung im Sommer 2006 – das war eigentlich der Beginn der großen Pechsträhne bei West Ham – nicht mehr ganz gesund geworden ist und seinen Abschied vom Fußball bekannt geben musste. Wenn die Situation bei Dyer ähnlich ist, dann muss man einen Schlussstrich ziehen.

Ein kurzer Ausblick auf die nächsten Spiele. West Ham hat drei schwere Auswärtsspiele demnächst, bei Manchester United, Chelsea und Arsenal. Die nächsten Heimspielgegner heißen nach der heutigen Partie gegen Birmingham unter anderem Hull City, Wolverhampton, Bolton und Stoke. Wo steht West Ham Ende März in der Tabelle?

Die nächsten Spiele werden entscheidend sein. Mittwoch gegen Birmingham (zu Hause) und dann nochmals zu Hause gegen Hull müssen zwei Siege her – was gegen Brum alles andere als leicht werden wird. Entscheidend werden die direkten Duelle gegen die “fellow strugglers” im unteren Tabellendrittel sein, und da haben die Hammers viele Heimspiele. Ende März muss schon ein Respektabstand zum “Strich” da sein, egal wie die drei Auswärtsspiele gegen die Großen ausgehen!

Sollte es mit den Siegen im Februar nicht klappen, wäre dann ein Rücktritt von Zola denkbar?

Ja. Wenn man keine neuen Spieler mehr holen kann, holt man einen neuen Trainer. Diesem Gesetz würden sich wahrscheinlich auch Sullivan/Gold nicht entziehen können. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommen wird…

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Ich bedanke mich recht herzlich beim Rapidhammer, dass er für das Interview zur Verfügung stand.

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Premier League 2009/2010 Preview #26 – Wortmassage für Dirk Kuyt

Dienstag, 9. Februar 2010 7:30

Der FC Liverpool steht nach dem 1:0-Sieg im Derby gegen den FC Everton wieder auf dem so wichtigen vierten Platz in der Premier League. Auch wenn Manchester City, derzeit noch drei Punkte hinter den Reds und zwei Spiele weniger absolviert, noch gute Chancen hat das Team von Benitez vom vierten Platz zu verdrängen. Dennoch beginnen auf der Insel wieder die Diskussionen über die langweilige Premier League, die immer dieselben vier Mannschaften vorne sieht. Das kann doch gar nicht sein diese Saison, in der Liverpool so schlecht und unkonstant spielt. Ist aber so. Die Diskussion will ich gar nicht ausführen, sondern kurz die Aufmerksamkeit auf Dirk Kuyt legen. Der niederländische Stürmer der Reds erzielte das Siegtor am Samstag im Derby, es war sein 50. Tor für den FC Liverpool, in den letzten vier Spielen erzielte er vier Tore und hat maßgeblichen Anteil daran, dass Liverpool seit sieben Spielen ungeschlagen ist. Es ist Kuyt’s Verdienst, dass momentan kaum einer von Fernando Torres spricht. Grund genug für Rafael Benitez Kuyt mal so richtig ausführlich zu loben:

“Mittlerweile sollte nun jeder erkannt haben, wie wichtig Dirk Kuyt für uns ist. Er hat Qualität und spielt fantastisch in jedem Spiel, gibt alles für das Team. Zu Beginn war Stürmen seine kleine Schwäche, aber jetzt schießt er mehr Tore denn je. Spieler und Fans wissen jetzt, wie gut Dirk Kuyt wirklich ist. 50 Tore für einen Spieler sind eine tolle Leistung, vor allem in der Premier League. Er hat auf dem rechten und linken Flügel gespielt, als einzige Spitze oder im Sturmduo. Er ist so wichtig für uns.”

Spieler des Monats Januar wurde Wayne Rooney, der schlicht noch ein bisschen besser war. Aber Kuyt’s Leistung und Einsatz sind gar nicht hoch genug zu bewerten.

Die Premier League absolviert einen kompletten Spieltag unter der Woche. Vier Spiele finden am Dienstag statt, sechs am Mittwoch. Am kommenden Woche ist FA-Cup, nächste Woche gibt es parallel zur Champions League zwei Nachholspiele. Der reguläre Spielbetrieb in der Premier League geht dann am Samstag, 20. Februar, weiter.

Manchester City – Bolton Wanderers

Sky Sport 1 live, Dienstag ab 20:40 Uhr, Kommentar: Marcel Meinert

Die verdiente Niederlage der Citizens bei Hull City stand ganz sicher nicht auf dem Menüplan von Roberto Mancini. Man hat dank des Remis von Villa und Tottenham eine sehr gute Chance verpasst näher an den vierten Platz ranzurücken. Das will man jetzt nachholen, zwingend notwendig ist dafür ein Sieg gegen die Bolton Wanderers, die zu einem 0:0 gegen Fulham kamen. Und Owen Coyle wird sehr schnell erkennen müssen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Man bleibt nur einen Punkt und einen Rang von den Abstiegsplätzen entfernt. Zu allem Überfluss kam jetzt auch noch die Verletzung von Verteidiger Gary Cahill, Kandidat für die englische Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft. Cahill meldete sich am Freitagmittag krank und konnte entsprechend auch am Samstag nicht spielen. Am Samstag wurde er dann ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem sein Arm stark angeschwollen war. Die Ärzte stellten darafhin ein Blutgerinnsel im Arm fest. Cahill wird wohl bis Saisonende ausfallen. Das Gerinnsel wurde entfernt, Cahill wird aber noch mehrere Wochen mit Medikamenten behandelt. Das Krankenhaus hatte er Montagnachmittag aber verlassen dürfen. Bei City steht Craig Bellamy nicht zur Verfügung, Patrick Viera und Adam Johnson könnten ihr Startdebüt geben.

Wigan Athletic – Stoke City

Wigan kommt auch nicht wirklich von der Stelle, immerhin reichte es zuletzt für ein 1:1 in Sunderland. Trainer Martinez war dementsprechend unzufrieden: “Wenn wir das zweite Tor gemacht hätten, würde sich im Spiel vieles ändern und es uns leichter machen. Aber so werden wir für sehr wenig bestraft und wir brauchen einfach zu viele Chancen.” Nächste Gelegenheit zur Verbesserung gibt es am Dienstagabend gegen Stoke, die sich mit einem klaren 3:0 gegen Blackburn von allen Abstiegssorgen entledigten.

FC Fulham – FC Burnley

Burnley kommt nach einem überlebenswichtigen Sieg über West Ham mit viel Selbstvertrauen ins Cravan Cottage und will jetzt endlich auch wieder auswärts punkten. Fulham spielt sich so ein wenig mühsam durch die Liga und hat weiterhin alle Aufmerksamkeit auf die Europa League.

FC Portsmouth – FC Sunderland

Für Portsmouth könnte es mal wieder ein entscheidener Mittwoch werden – natürlich nicht auf dem Platz. Nach dem 0:5 bei Manchester United dürften nur noch die kühnsten Optimisten Hoffnung auf den Klassenerhalt haben. Die Abschiedstour von Pompey bekommt ihre zweite Episode. Die erste war ein Offenbarungseid im Old Trafford, die zweite kann eigentlich nur besser werden. Aber das Spiel gegen Sunderland dürfte erstmal nur eine Randnotiz sein. Vor Gericht wird morgen über die Zwangsauflösung des Vereins verhandelt. Nachdem man derzeit nicht mal mehr die Stromrechnung zahlen kann, wäre man nicht überrascht, wenn man am Mittwoch endgültig die Stecker zieht. Die erneute Verunsicherung kann der FC Sunderland nutzen, die endlich mal wieder drei Punkte brauchen.

Aston Villa – Manchester United

Das könnte ein ganz interessantes Spiel werden. Die gute, kompakte Defensive von Villa, die auch am Samstag bei den Spurs aber sowas von glücklich gehalten hat, gegen den Powersturm von Manchester United, allen voran mit Wayne Rooney. Für beide ist es zudem ein sehr wichtiges Spiel. Manchester United darf im Fernduell mit dem FC Chelsea keine Punkte liegen lassen, Villa droht bei weiterer Niederlage endgültig den Anschluss an Platz 4 zu verlieren. Überhaupt ist die momentane Form vom Team von Martin O’Neill ein wenig besorgniserregend. Fünf Punkte aus den letzten vier Ligaspielen reichen nicht aus um ernsthaft Ansprüche auf den vierten Platz anzumelden. Und man darf nicht vergessen, dass man mit viel Glück an einer Niederlage bei den Spurs vorbeigeschrammt ist. Ich würde jetzt noch nicht soweit gehen, dass Villa wie letzten Spielzeit in der zweiten Saisonhälfte einbricht, aber wirklich überzeugend sind die Villens nicht. Woran liegt es? Basierend auf den letzten Spielen, die ich gesehen habe, fehlt mir ein wenig das Spiel über die Flügel und der schnelle, direkte Pass in die Spitze. Gerade die Vorwärtsbewegung wirkt ein wenig wie ein stottender Motor. Man Utd hat nach der Heimniederlage gegen Villa noch eine Rechnung offen.

FC Arsenal – FC Liverpool

Sky Sport 1 live, Mittwoch ab 20:40 Uhr, Kommentar: Markus Gaupp

Auch wenn sich der FC Arsenal nach der Niederlage an der Stamford Bridge erstmal vorzeitig aus dem Meisterschaftsrennen verabschiedet hat, ist die Partie am Mittwochabend im Emirates von enormer Wichtigkeit. Denn Arsenal muss langsam auch wieder den Blick in den Rückspiegel werfen, Liverpool liegt auf Rang vier nur fünf Punkte hinter den Wenger-Boys. Und Liverpool braucht sowieso jeden Sieg im Kampf um die Qualifikation für die Champions League. Interessant dürfte zu beobachten sein, wie Wenger sein Team nach den beiden schmerzhaften, aber verdienten Niederlagen gegen Chelsea und Man Utd wieder aufbauen kann. Beide Spiele haben eindrucksvoll gezeigt, wo die Grenzen der Gunners liegen und welche Schwächen das aktuelle Team hat. Sehr schön nachzulesen bei der BBC. Insbesondere das naive Verhalten von Wenger in einem Spitzenspiel mit acht Mann nach vorne zu stürmen und dann per Konter Tore zu kassieren, wird ihm nun vermehrt auch von den Fans angehängt. Wiedergutmachung im begrenzten Maße kann nur ein Sieg gegen Liverpool sein. Die Reds ihrerseits bleiben dem Status einer Top-Mannschaft der Premier League schon längere Zeit schuldig. Man hat zwar seit sieben Spielen nicht verloren, aber der große Gegner war mit Ausnahme von Aston Villa und Tottenham nicht dabei. Ein Sieg gegen eines der Big Four Teams würde sicherlich auch die Position von Rafael Benitez nachhaltig stärken.

Wolverhampton Wanderers – Tottenham Hotspur

Als ich Sonntagnachmittag in den DEL-Drittelpausen mal kurz zum Spiel von Wolverhampton bei Birmingham schaltete, war ich schon überrascht, dass die Wolves solange in Führung lagen. Als ich dann das Endergebnis las, war es aber wieder Business as usual. Zwei späte Gegentore in den letzten 10 Minuten stürzten die Wolves, die einfach nicht mehr gewinnen können, in ein Tal der Tränen. Jetzt steht das schwierige Heimspiel gegen die Spurs auf dem Programm – gefolgt von Spielen gegen Chelsea und Manchester United. Tottenham will zeigen,dass sie nicht 40 Torschüsse für ein Tor brauchen, sondern auch mal ganz abgeklärt und souverän gewinnen können. Mal sehen, ob Eidur Gudjohnsen seinen ersten Einsatz bei den Spurs bekommt.

FC Everton – FC Chelsea

Es ist sicherlich eine der schwierigeren Auswärtsaufgaben für den FC Chelsea. Auch wenn Everton am Samstag im Derby gegen Liverpool fürchterlich schlecht spielte, haben die letzten Wochen gezeigt, dass die Blues mit Ausnahme des Spiels bei Hull City sehr gut in Form sind. Verglichen mit dem Fernduell mit Manchester United dürfte Everton an diesem Abend die leichtere Hürde sein. Dennoch ist der Battle of the Blues für Everton eine gute Chance zu zeigen, dass sie besser spielen können als Samstag und fähig sind Rückschläge hinter sich zu lassen und aus den Fehlern der vergangenen Partie zu lernen. Und mehr zu diesem Spiel findet sich in einer schönen Vorschau auf der Homepage des FC Everton. Dave und Carrie aus meiner Lieblings-Breakfast-Show der BBC, der Chris Moyles Show auf BBC Radio 1, sind leidenschaftliche Fußballfans. Dave, Assistent von Moyles, unterstützt Everton, Carrie, zuständig für den Sport in der Sendung, hält es mit Chelsea. Beide zusammen im Interview.

West Ham United – Birmingham City

Für die Hammers ist es das erste von fünf Heimspielen in den nächsten Wochen, die im Bereich des Möglichen liegen gewonnen zu werden. Und das ist dringend erforderlich. Nach dem 1:2 in Burnley gehen auch langsam im Osten Londons die alarmglocken auf Dauerbetrieb. Trainer Gianfranco Zola war dennoch nicht unzufrieden mit der Leistung seines Teams: “Ich denke, dass niemand was dagegen sagen würde, wenn wir hier einen Punkt mitgenommen hätten. Ich war enttäuscht über unseren Start ins Spiel, die ersten 20 Minuten, aber ansonsten war ich sehr zufrieden und wir hätten es verdient gehabt mehr aus dem Spiel mitzunehmen.” So schön, so gut. Nur nützt das eben wenig im Abstiegskampf. Birmingham City schwebt weiter auf der Erfolgswelle für einen Premier League Aufsteiger und kann ganz befreit dieses Auswärtsspiel angehen. Mehr zu Situation bei West Ham United am Mittwoch an dieser Stelle.

Blackburn Rovers – Hull City

Da lag ich mit meiner Vermutung gar nicht so verkehrt, dass Hull City aus dem guten Spiel gegen Chelsea genug Mut und Vertrauen mitgenommen hat für einen Sieg gegen Manchester City. Und wer Phil Brown vor diesen beiden Spielen erklärt hätte, er stünde danach mit vier Punkten mehr auf dem Konto fünf Plätze weiter oben in der Tabelle, wäre völlig verständlich für nicht verrückt erklärt worden. Denn der Trainer der Tigers ist seit dem ersten Spieltag von seinem Team überzeugt, nur selten konnte er es aber auch mal anschaulich beweisen, warum das angebracht sein kann. Mit drei Punkten in Blackburn kann man sich noch weiter von den Abstiegsplätzen entfernen und sogar Blackburn in der Tabelle naherücken. Die Rovers müssen eine Antwort auf die dürftige Leistung bei Stoke City geben. Oder wie Big Sam Allardyce ausführt: “Solange wir nicht 40 Punkte haben, sind wir akut abstiegsgefährdet.”

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