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Zitat des Tages: Donnerstag, 16. Juni 2011, “Bloggen sollte nur, wer eine Meinung hat.”

Donnerstag, 16. Juni 2011 21:30

Andreas Cichowitz, seit vielen Jahren Fernseh-Chefredakteur des NDR, hat dem Medium Magazin, einer Fachzeitschrift für Journalisten, ein ausführliches, fünf Seiten langes Interview gegeben, indem er über den öffentlich-rechtlichen Kernauftrag spricht und sich auch eingehender zur Organisationsstruktur der ARD äußert. Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt ist die Rolle des Internet und die Herausforderung für die klassischen Medien und deren Journalisten. Leider ist das Interview nicht online zu lesen, von daher zitiere ich einige Kernaussagen an dieser Stelle wörtlich aus dem Interview. Kurz zum Hintergrund: Das Medium Magazin blickt auf eine lange Tradition zurück und wird unter Journalisten häufig gelesen. Was dort also an Aussagen gemacht wird, verbreitet sich durchaus in der Medienwelt. Vielleicht dem einen oder anderen bekannt ist die Zeitschrift, weil sie seit Jahren den Preis Journalist des Jahres vergibt.

Im Gespräch mit der Chefredakteurin des Magazins, Annette Milz, kommt Cichowitz sehr bald auf die Veränderungen der Medienwelt durch die Expansion von Online-Medien zu sprechen:

Nutzen Sie selbst Facebook und Twitter?
Nein. Wenn ich Reporter wäre, würde ich mir einen Account zulegen. Ich halte nichts von einer Diktatur der Transparenz. Es gibt nicht so viel, dass ich twittern wollte, das für den Rest der Welt interessant wäre. Und ein eigenes Blog zu pflegen bedarf viel Zeit. Mich beunruhigt aber die generelle Entwicklung.

Inwiefern?
Für junge Leute wird immer wichtiger, wie über Facebook und Twitter Themen oder Ereignisse im Freundes- und Bekanntenkreis kommentiert werden. Und wer sich daran gewöhnt, in kurzen Botschaften zu denken, dessen Aufmerksamkeitsniveau ist relativ niedrig. Diese Entwicklung gefährdet das Muster der klassischen Information – da, wo wir stark sind. Wir werden uns diesem Trend nicht entziehen können. Nachrichtenbeiträge, Schnitte werden immer kürzer. Und wir kommen nicht drum herum, stärker im Internet präsent zu sein.

Sollen Ihre Reporter künftig verstärkt bloggen?
Bloggen soll nur, wer eine Meinung hat.

Sie haben also nicht so viele Leute, die eine Meinung haben?
Wenn man was zu sagen hat, ist es gut. Auch in besonderen Situationen, wie der Katastrophe in Japan. Aber ansonsten könnten wir damit in der Regel keine Duftmarken setzen. Bloggen dient der Markenbildung für herausgehobene Reporter. Bei uns zählt aber die Breite und Teamarbeit.

Und wenn man sich diese Aussagen anschaut und sie liest, sehe ich mich mal wieder bestätigt, warum ich bei den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland und insbesondere der ARD nicht warm werde. Wenn ein leitender Chefredakteur ein solch pessimistische Sicht auf Instrumente und Inhalte des Web 2.0 hat und der Eindruck erweckt wird, dass man im Netz nur präsent ist, weil man es irgendwie schaffen muss um auch die jüngeren Menschen anzusprechen, zeigt das, warum ich seit Jahren zum Beispiel bei der BBC – wo auch nicht alles Gold ist was glänzt – eine Entwicklung sehe und verfolge, die ich mir auch in Deutschland wünsche. Nämlich, dass die öffentlich-rechtlichen Sender nicht nur ihr Programm machen, sondern die Zuschauer “mitnehmen”, in ihre Arbeit einbinden, Interaktivität ausstrahlen, Input für Inhalte einholen, Meinungen und Ansichten erfragen. Wenn man sieht, wie jämmerlich mittlerweile die Homepage der Sportschau verkümmert und dazu parallel bei BBC Sport vorbeischaut, sieht man, dass in diesem Fall die ARD nicht wirklich Interesse hat, im Netz mit seinen Zuschauern zu interagieren. Und da passt der Satz, dass Bloggen nur gestattet sein soll, wenn man auch eine Meinung hat, so perfekt in dieses Bild. Warum kann ein Sportredakteur oder ein politischer Landeskorrespondent nicht ein Blog eröffnen, zum Beispiel auch um mit Zuschauern über Beiträge diskutieren, Feedback zu holen, Einblicke in seine Arbeit geben.

Blickt man auf die Homepage der Sportschau, ist nicht ein interaktives Element zu sehen. Schaut man bei BBC Sport vorbei, fällt auf, dass es zu den derzeitigen beiden großen Sportevents in dieser Woche, den US Open im Golf und eher Insel-spezifisch die Testserie im Cricket, gleich eine Verlinkung zu einem Podcast, Twitterstream und zum Beispiel auf das Golf-Blog der BBC gibt, wo eine kompetent verfasste Vorschau zum Turnier ist. Nicht meinungsstark, sondern informativ. Einblicke geben, Analysen liefern. Das geht vor allem nur, wenn man bereit ist Kritik und negatives Feedback zu erfahren. Und das geht aber vor allem auch, wenn man nicht jeden Tag bloggt, sondern ereignissspezifisch seine Stärken ausspielt. Und das heißt, solche Inhalte auch prominent in Szene zu setzen. Sie gehören zu heutigen medialen Berichterstattung dazu, viele, nicht nur ich, erwarten sie. Da führt die ARD ein durchaus lesenswertes Blog zur Frauen-WM, dessen Verlinkung ich dann auf irgendeiner Sonderseite, die wiederum Unterseite ist, ganz unten verlinkt finde. Will man das Blog verstecken?

Stärken der ARD muss es doch auch sein, das Lokale in den Mittelpunkt der Berichterstattung zu stellen. Das Bedürfnis Nachrichten aus der direkten Umgebung zu erfahren, ist immer noch am höchsten. Was vor meiner Haustür passiert, interessiert mich mehr als Ereignisse, die 500 Kilometer entfernt passieren. Blickt man auf die Nachrichtenseite des NDR für Niedersachsen, findet man immerhin den freundlichen Verweis, man sei auch auf Facebook. Ansonsten null Interaktivität mit dem Zuschauer. Gegenbeispiel wieder die BBC, die ihre Regionalseiten vor einigen Wochen nochmal aufgefrischt hat. Für die Stadt Birmingham, immerhin eine Metropole auf der Insel, bloggt zum Beispiel der politische Chefkorrespondent Patrick Burns über die regionale Politik und die Auswirkungen der nationalen Politik für die Stadt Birmingham. So stelle ich mir Information und relevante politische Einschätzung vor.

Das Tagesschau-Blog ist mittlerweile verkommen zu einer Fundstelle für Einträge verbunden mit der Frage, was die ARD denn mache, wenn man selbst über sich berichten müsse/dürfe/könne/sollte. Getretener Quark wird breit nicht stark. Scheinbar hat die ARD immer noch Angst über sich selbst zu berichten, wenn es eng wird. Bei der BBC ist das mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, dass man damit gezwungermaßen umzugehen hat.

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die ARD irgendwann nochmal erkennt, wie Zuschauereinbindung und Zuschauerinformation im Netz aussieht. Momentan macht es wieder den Eindruck, als habe man die Befürchtung, dass keiner derlei Aktivitäten finden solle. Die Aussagen von Cichowitz bestätigen mich da nur.

Thema: Social Media, TV und Radio | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Mittwoch, 08. September 2010 – Erklärungen basteln

Mittwoch, 8. September 2010 21:36

Es ist doch bedauerlich, das der gute Herr im Zeitalter der modernen Technik und Kommunikation noch nicht einmal wusste, das ich aufgrund einer Verletzung ausgewechselt wurde. Stattdessen bastelte er sich eine Erklärung zusammen – wohlgemerkt vor einigen Millionen Zuschauern – die absolut nicht zutreffend war und mich sehr negativ dargestellt hat. Ich war immer der Meinung, ein Kommentator beschreibt das Geschehen auf dem Spielfeld und, wenn er gut ist, bringt er noch Emotionen und Stimmung rüber, sofern dies das Spiel erlaubt. Im Ausland bekommen es die Kommentatoren doch auch in einem respektvollem und für den Zuschauer amüsanten Stil hin.

Nationalspieler Marcell Jansen auf seiner Homepage mit Frontalkritik an ARD-Kommentator Gerd Gottlob, der vergangenen Freitag Belgien gegen Deutschland kommentiert hatte.

Ich halte mich mit Kritik an Kommentatoren ja zurück, jeder Mensch ist anders, jede hat seine ganz besondere und persönliche Art zu sprechen, Dinge zu erklären. Und das gilt es zu achten. Aber was sich Tom Bartels gestern beim Spiel zwischen Deutschland und Aserbaidschan am Mikrofon erlaubt hat, war eine der, wenn nicht die schlechteste Kommentierung eines Fußballspiels, die ich jemals gehört habe. Das war so unfassbar schlecht, dass ich zur Halbzeit auf Schweiz-England umgeschaltet habe. Meckerte ständige über den Schiedsrichter, jubelte die Leistungen der deutschen Mannschaft in unermessliche Höhen um Sekunden später gleich wieder irgendetwas zu kritisieren. Beobachtungen zur Taktik, Fehlanzeige. Vernünftige Einordnung der Leistung der deutschen Mannschaft, Fehlanzeige. Nette Geschichten zur Mannschaft aus Aserbaidschan, Fehlanzeige. Aufzeigen, was gut im deutschen Team lief und was nicht so gut, Fehlanzeige. Den Mut haben Neuer einen klaren Torwartfehler anzukreiden, Fehlanzeige. Und ich könnte die Liste weiter fortsetzen.

Ich verlange nicht viel von Kommentatoren. Vorbereitet sein, das Spiel informativ begleiten, erzählen, was ich als gewöhnlicher Zuschauer nicht sofort erkenne. Das Spiel einordnen und lesen. Sich selbst zurücknehmen. Mit Wertungen und Bewertungen vorsichtig umgehen.

All das hat Bartels gestern nicht mal im Ansatz geschafft. Vielleicht war es schon immer so. Aber mir ist es gestern extrem aufgefallen. Ich war fast schockiert. Vorerst schaue ich keine Spiele mehr mit Bartels als Kommentator. Denn sonst werde ich noch wütend, dass ich dafür monatlich Geld bezahle.

Thema: TV und Radio, Zitat des Tages | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Olympia-Berichterstattung: Manchmal ist weniger eben mehr

Donnerstag, 18. Februar 2010 11:40

Man stelle sich mal folgende Szene vor. Die Tagesthemen sind vorbei, es kommt das Wetter im Ersten, Jörg Kachelmann meldet sich für das Wetter natürlich live aus Vancouver und beginnt seinen Monolog:

“Guten Abend meine Damen und Herren, herzlich willkommen live hier zum Wetter im Ersten. Bevor wir gleich ganz kurz auf das Wetter in Deutschland schauen – darf Ihnen sagen, dass sich da nicht so viel tun wird, ist alles eine eher zähe Angelegenheit – schauen wir natürlich auf das Wetter hier. Und das bleibt spannend, hier ist richtig was los. Schauen Sie auf unseren Tagesthemen-Strömungsfilm! Wir haben hier das steuernde Hoch über Zentralkanada, das im Uhrzeigersinn die kalte, trockene Luft förmlich ansaugt. Aber das ist alles nicht so stabil, von Süden, aus den USA, schwappt immer wieder diese feuchte, mildere Suppe ins Land. Gleichzeitig nimmt der Wind ein wenig zu. Gucken Sie auf unsere Pfeile, die immer enger aneinanderkommen. Also, unter diesen Bedingungen möchte ich für den Biathlon-Wettbewerb nicht garantieren, und auch Ski Alpin wird schwierig, denn die feuchte Luft aus Süden drückt gegen die Berge, es wird dann länger anhaltend richtig schiffen. Schnee wird tauen, aber kann Ihnen versprechen, das lässt schon morgen nach, dann übernimmt das Hoch wieder die Kontrolle – und einem Capuccino auf der Plaza in Vancouver bei Sonnenschein steht nichts im Wege. Zu Ihnen nach Deutschland. Die Milderung setzt sich jetzt im ganzen Land durch, 2 bis 8 Grad. Michael Antwerpes übernimmt jetzt hier. Na Michael,  schon einen Ausflug für übermorgen an deinem freien Tag geplant? Wetter wird ja gut.”

So schlimm ist es dann nun doch noch nicht ganz gekommen in der Olympia-Berichterstattung der ARD. Viel fehlt aber nicht mehr, aber scheinbar trauen sich die Öffentlich-Rechtlichen nicht jede Hemmschwelle zu übertreten. Ich hatte die letzten Tage Home Office, wie es so schon heißt, und habe entsprechend häufig Olympia im Fernsehen laufen gehabt, und natürlich auch mal durch die Programme gezappt um zu schauen, was die Sender an Berichterstattung anbieten. In den Foren und Blogs tobt ja schon wieder die Diskussion über ARD und ZDF, ob es zu vertreten sei, dass ARD und ZDF mit viel mehr Mitarbeitern nach Vancouver fahren als zum Beispiel die BBC und dafür weniger Sendestunden verbrauchen. Und ob ARD und ZDF nicht zu verschwenderisch mit unseren Gebühren umgehen, wenn zum Beispiel auch Jörg Kachelmann und Franziska van Almsick nach Vancouver reisen. Zwei Personen, die man bei Olympischen Winterspielen nicht zwingend sehen muss und will. Ich will hier gar nicht in das durchaus berechtigte ÖR-Bashing einsteigen, sondern vielleicht mal meine Sicht und meinen Wunsch an eine gute Sportübertragung darlegen und dann nebenbei auch zeigen, warum ARD/ZDF dies eben nicht so gut können und vielleicht auch wollen, und dass Eurosport zumindest bei vielen Punkten die bessere Anlaufstelle ist.

Was steht bei Olympia im Vordergrund? Sport, Sport, Sport, fairer Wettkampf und wenn man so will ein wenig die Kultur und Präsentation der Gastgeberstadt. Heißt für mich: Ich möchte in erster Linie Sport sehen, bei den wichtigen Entscheidungen live dabei sein, möchte Emotionen erleben. Und ich möchte ein halbwegs verlässliches Programm. Ich will wissen, ob ich ein Eishockeyspiel in Gänze irgendwo sehen kann und nicht, dass ich irgendwann einen anderen Wettbewerb sehe. Verlässlichkeit im Programm und die Konzentration auf das Wesentliche – Sport! – das erwarte ich von einer guten Olympia-Berichterstattung. Das ist die eine Seite, die Voraussetzung, die andere Medaille ist dann die Umsetzung. Ich möchte ein gutes Fernsehbild und ich möchte einen kompetenten Kommentator, der – das wäre das höchste der Gefühle – noch einen guten, erfahrenen Experten neben sich hat. Eigentlich keine hohen Ansprüche an Sender, die von mir jährlich über 200 Euro bekommen und jährlich mit ein paar Milliarden ziemlich willkürlich umgehen können.

Doch ARD und ZDF können meine niedrigen Ansprüche nicht erfüllen, wie sollen sie auch? Generell laufen bei den ÖR massenkompatible Sportarten, jetzt muss man alle vier Jahre sich dem Eishockey widmen, einer Sportart, die sonst unter jedem Radar verschwindet. Dass dann da keine hochwertige Übertragung rauskommt, dürfte erstmal klar sein. Aber was ich eben erwarten kann, ist, dass sich ein Kommentator informiert vor jedem Spiel, die lokale Presse liest, im Internet sich die wichtigsten Statistiken raussucht und auch sonst vielleicht ein gewisses Interesse und eine Begeisterung für die Sportart vermittelt. Sonst kann man es auch gleich sein lassen. Und von ARD und ZDF, die wirklich jeden Clown nach Kanada geschickt haben, darf ich dann als zahlender Zuschauer auch erwarten, dass die Kommentatoren sich umfassend vorbereiten. Liebe ÖR, schaut euch doch bitte zum Beispiel beim Eishockey das Duo Faßnacht/Leinauer an. Oliver Faßnacht kommentiert vielleicht drei Eishockeyspiele pro Jahr auf Eurosport, Gerd Leinauer hat ja schon jahrelang Eishockey als Experte begleitet, nichts desto trotz merkt man, dass sich vor allem ein Faßnacht hervorragend vorbereitet hat. Er kennt die kleinen Geschichten hinter den Spielern, er kann ein Spiel einordnen, Leinauer es fast schon lesen, eine Spieltendenz ablesen. Und das bekommt man durch vieles Schauen einer Sportart. Ich weiß ja nicht, was die Olympia-Kommentatoren von ARD und ZDF so zwischen den Jahren machen, aber wenn ich weiß, dass ich Eishockey bei Olympia kommentiere, wäre es sicherlich nicht verkehrt, auch mal zwischendurch DEL und NHL zu verfolgen und ein Gefühl für diese Sportart zu bekommen. Gleiches gilt für Skispringen. Liebe ARD, gebt dem Tom Bartels doch endlich mal einen Co-Kommentator, das wäre dann sehr viel unterhaltsamer. Wieso darf Dieter Thoma zum Beispiel nicht ans Mirko während des Springens? Auch hier wieder der Verweis an Eurosport zum Duo Dirk Thiele und Gerd Siegmund.

Es braucht also gar nicht viel für eine gute Übertragung, zwei fähige Leute und ein guter Wettkampf. Stattdessen verschleudern ARD und ZDF ihre Ressourcen für teure Studios, zig Gäste und eine Wetterfee – und schaffen nur selten, Begeisterung für den Sport rüberzubringen, was an der fachlichen Ermangelung von Kommentatoren und Experten liegt. Was man aber erlernen kann, wie ich finde. Natürlich ist es einfach auf ARD und ZDF einzuhauen, aber gerade die Olympia-Berichterstattung zeigt mal wieder, wie realitätsfern die ÖR agieren. Sie wollen es vielleicht einfach zu gut machen. Aber das braucht es doch gar nicht, die meisten Zuschauer schalten wegen der sportlichen Wettkämpfe ein und nicht wegen der Schneefallwahrscheinlichkeit in Whistler. Das kann man in fünf Sekunden abhaken. Und es dürfte ebenso nachvollziehbar sein, dass vor allem nachts nur die Freaks noch eingeschaltet haben. Da braucht es dann also wirklich kein überflüssiges Gelaber mehr, sondern lediglich Sport. Ganz einfach.

Um hier nicht völlig mit Kritik rumzuwerfen, seien zumindest die Online-Aktivitäten der ARD, das Olympia-Radio und der ständig aktualisierte TV-Guide auf zdf.de positiv erwähnt. Wundert mich eigentlich, dass da noch gar nicht die Privaten gemeckert haben, wie umfangreich online bei den ÖR berichtet wird. Überhaupt wundert es mich, wie wenig die Berichterstattung von ARD und ZDF und die Rahmenbedingungen der Übertragungen aus Vancouver hinterfragt werden, auch von den privaten Medienakteuren. Da wird wegen einer kleinen App eine Sau durch die deutsche Medienwelt gejagt, aber wenn man überflüssige Gebühren verpulvert und noch nicht mal eine gute Berichterstattung hinlegt, interessiert das hier in Deutschland nur die interessierten Sportfans. Wenn ich sehe, für was sich die BBC in den letzten Wochen schon wieder rechtfertigen musste und wie sehr der Druck von Sun, The Times und Guardian auf die Anstalt ausgeübt wird, muss man sich eigentlich auch nicht groß wundern, wenn ARD und ZDF so handeln, wie sie es tun. Interessiert ja ehe nur die Sportfreaks. Eigentlich schade. Wenn ich lese, dass ARD und ZDF sich gemeinsam drei Jahre für die Übertragung vorbereitet haben, kommt da am Ende ernüchternd wenig rüber. Technisch vielleicht sehr positiv, aber redaktionell bin ich eher enttäuscht.

Manchmal kann weniger eben auch mehr sein. Ein gutes Bild, eine gut vorbereiteter Kommentator und ein kompetenter Experte. Und schon bin zumindest ich zufrieden. Mal sehen, ob ARD und ZDF irgendwann diesen Weg gehen werden. Freiwillig sicher nicht.

Thema: Sport, TV und Radio | Kommentare (4) | Autor: medispolis

Live-Blog: Zuschauer fragen Angela Merkel

Montag, 7. September 2009 21:00

[22h33] Nur kurzes Fazit meinerseits: Sendung hat mir gut gefallen, Merkel hat sich recht gut geschlagen. An der ein oder anderen Stelle vielleicht nicht ganz deutlich genug, aber insgesamt sehr verständlich, kam sympathisch herüber, ist auf die Bürger gut eingegangen.

Zu Beginn fand ich die Fragen etwas zu lang, das muss man den Teilnehmern einfach mal sagen, dass man nicht drei Minuten hat um auf die Frage zu kommen. Am Ende wurde das besser, Themenvielfalt hat von Afghanistan über Krümmel bis zu Seniorenwohnungen alles abgedeckt. Fragen waren also ganz klar vorher nicht bekannt. Höhepunkt für mich die Diskussion über die Atompolitik. Das war Townhall-Meeting so wie es sein sollte.

Vielleicht ist die ARD ja auch auf den Geschmack gekommen, das jetzt häufiger anzubieten. Mal sehen, was die Quoten sagen. Morgen dann FWS, hier wieder im Live-Blog ab kurz vor neun. Gute Nacht aus Bremen und einen sonnigen Dienstag. Danke fürs Lesen.

[22h30] Angela Merkel schließt eine Koalition mit der SPD nicht aus, ihr Ziel bleibt eine Koalition mit der FDP.

[22h25] Wunderbar, dann kommen wir doch noch zum Schluss auf das Thema Afghanistan. Leider überhaupt viel zu wenig Außenpolitik. Aber gut, Zeit ist begrenzt. Ein ehemaliger Soldat in Afghanistan behauptet, dass die Bundeswehr nur noch mit Selbstschutz zu kämpfen habe.

Forderung nach Aufwertung der afghanischen Polizei, nach besserer Ausbildung der Polizisten im Land. Was sagt Merkel dazu? Vorfall vom Wochenende muss aufgeklärt werden, morgen früh dazu Regierungserklärung im Bundestag. Soldaten machen eine hervorragende Arbeit. Es müsse Tempo gemacht werden bei der Ausbildung, zusammen mit den afghanischen Behörden und in enger Kooperation. Europäische Polizeifraktion arbeitet noch nicht so gut zusammen. Wir müssen schauen, dass wir in den nächsten fünf Jahren einen massiven Schritt nach vorne kommen. Das sei schaffbar, so Merkel.

Bisschen dürftig die Antwort von Merkel. Wenn es nur an der Ausbildung der Polizei liegt, könnte es ja nicht so schwer sein.

[22h13] Nächste Frage kommt von einer Bewohnerin in direkter Lage zum Atomkraftwerk Krümmel. Wäre es für Deutschland nicht gesünder auf Atomenergie zu verzichten? Störfälle sind in der Tat inakzeptabel, Atomkraft soll Brückentechnologie werden. Sie sei sehr für erneuerbare Energien, aber Merkel befürchte, dass Deutschland es bis 2021 nicht schaffe, ohne Atomstrom den gesamten Energiebedarf zu decken. Deutschland könne für hohe Sicherheitsstandards bei Atomtechnologie stehen und diese weltweit anwenden. Endlagerung ist zäh. Merkel für Erkundung von Gorleben, wenn nicht geeignet, dann Suche nach einem anderen Endlager. Das ist fast schon SPD-like, nur nicht, was die Laufzeit der Atomkraftwerke angeht. “Brückentechnologie”, nicht “bis ultimo”, bin “Freund erneuerbarer Energien”. Meine Herren, Merkel besetzt auch alles. Kanzlerschaft verändert.

Merkel wird von der Fragenstellerin unter Druck gesetzt. Folgen und Risiken seien doch nicht abschätzbar. Sicherheit müsse doch vorgehen. Merkel sagt, dass bei fehlender Sicherheit sowieso eine Abschaltung geben würde.

Ja, so muss das sein, direkter Dialog zwischen Politik und Volk, mit guten Fakten, schlagkräftig, Merkel ein paar Schweißperlen auf die Stirn zaubern. Sehr sehr schön. So sollte das sein. Bravo!

[22h08] Erstwähler, geht aufs Gymnasium, fragt generall etwas zu den Sozialbeiträgen. Werden diese in den nächsten Jahren steigen? Stichwort, das ich mal einwerfe, sind Steuerzuschüsse und demografische Entwicklung. Gute Frage. Merkel antwortet: Ich gehe mal die Sozialsysteme durch. Bis 2020 bleibt der Rentenbeitrag in etwa konstant. Beitrag zur Arbeitslosenversicherung ist seit 2005 um 3% gesunken. Schwierigstes Thema sei derzeit das Gesundheitswesen. Gesundheitsversorgung sei Aufgabe aller Steuerzahler, deshalb auch die Steuerzuschüsse. Das ist solidarischer.

Kenne ich mich zu wenig aus. Aber das wäre im Prinzip auch bei einer Bürgerversicherung so, dass alle einzahlen würden. Aber wer versteht noch jedes Detail in der Gesundheitsreform. Merkel kann Beitragserhöhungen im Gesundheitswesen nicht ausschließen, will sie aber vermeiden.

[22h05] Kleiner Einschub meinerseits: Überleben der Banken ist dringender wie der altersgerechte Ausbau von Seniorenwohnungen. Klingt bitter, ist es auch. Aber so ist Politik leider auch. Vor allem beim Schuldenstand in Deutschland.

[21h59] Satz des Tages: “Politik unter Finanzierungsvorbehalt”. Endlich Bildungspolitik. Warum ist Bildung immer noch Ländersache? Merkel beantwortet die Frage zwar nicht haargenau, sondern zeigt eher, was der Bund alles schon macht und den Ländern an Vorgaben auferlegt. Unter den Bedingungen der Verfassungen sei aber nichts anderes möglich.

Die Fragenstellerin kommt aus Niedersachsen. CDU-Land unter Christian Wulff. Aber das nur nebenbei. Merkel kann also nicht direkt die Situation in Niedersachsen kritisieren. Macht sie auch nicht. Niedersachsen habe viel getan. Nun ja, ich werfe einfach Heister-Neumann als Stichwort ein. Merkel weiß genau, dass jeder Kommentar zur Bildungspolitik in Niedersachsen ihr Nachteil ist.

[21h50] Völlig dusselige Aktion der ARD, die nach einer Art Quizfrage das Motto von Merkels nächster Kanzlerschaft wissen wollen. Merkel nimmt Antwort A: Wir haben die Kraft. Ach, liebe ARD, wie überflüssig.

Nächste Frage zur Mehrwertsteuer: Gibt es eine Erhöhung unter der Bundeskanzlerin Merkel? Ganz klares Nein zu einer Mehrwertsteuererhöhung von Merkel, auch beim ermäßigten Satz. Wäre das falsche Zeichen zur falschen Zeit. Wenn man ganz fies ist, könnte man Merkel sagen, dass sie nur für die Krise eine Steuererhöhung ausschließt. Aber gut, das war schon eine sehr klare Aussage.

Ich bleibe dabei: Das, was Merkel hier abliefert, gefällt durch klare Aussagen, kommt sympathisch rüber und ist auch für den Laien, denke ich mal, mehr als verständlich. Für mich bis hierhin der beste Auftritt der Bundeskanzlerin, den ich gesehen habe. Noch nicht perfekt, aber wirklich gut. Nur Guido Westerwelle wird auf den Tisch hauen, denn ist man ehrlich, könnte man heute Abend nicht mehr wirklich erkennen, dass Merkel in der CDU ist. Das kann auch meist mit dem Programm der SPD durchgehen.

[21h43] Fantastische Frage eines Unternehmers vom Bodensee bezüglich der Kreditklemme, der bemängelt, dass sich Banken nur noch die Unternehmen für die Kreditvergabe aussuchen, die einigermaßen guten Umsatz machen. Kann die Politik helfen, zumal sie ja auch Bürgschaften gegeben hat? Zuschauer applaudieren für die Frage. Merkel: Zentrales Thema, das uns umtreibt. Merkel will versuchen, dass die Kriterien für die Kreditvergabe gelockert werden (Stichwort Basel II, das da aber im Weg steht). Kann aber noch keine großen Fortschritte verkünden. Bürgschaftsprogramm soll Abhilfe schaffen. Banken sollen Globalsumme bekommen und dann Leuten Kredite geben. Politik bürgt dann für eventuelle Ausfälle, sollte der Antragssteller den Kredit nicht zurückzahlen können. Merkel weist auf Nachfrage von Jörg Schönenborn darauf hin, dass dieses Prozedere noch einige Zeit dauern wird.

Anmerkung meinerseits: Dürfte eines der spannendsten Themen auf dem G20-Gipfel in Pittsburgh werden. Eigentlich das Thema, mit dem der Auf- oder Abschwung fällt.

[21h41] “Ich habe mir Mühe gegeben, es allgemein verständlich zu erklären.” Ich muss das noch mal irgendwo nachlesen. Aber gut, Pension und Rente, noch nicht mein Thema.

[21h38] Es wird ein wenig zäh, komische Fragen zu Acandor und den Pensionskassen. Wenn man sich schon meldet, liebe Zuschauer, dann bitte doch konkret und ohne irgendwelche großen Anekdoten.

Finde die Fragen teilweise alle ein bisschen zu lang. Man kann das doch auch in zwei, drei knappen Sätzen formulieren. Knapp sechs Fragen in 25 Minuten, da war der Anteil Frage/Antwort fast gleich groß. Könnte besser sein.

[21h31] Vom Projekt Rente mit 67 können wir nicht abweichen, so Merkel.

Ich finde das ganze bis jetzt ganz informativ. Auch wenn es so ein bisschen an eine Wünsch-Dir-Was-Stunde erinnert. Der Wunschzettel für die Politik ist lang. Da finde ich es ganz gut, dass Merkel auch sagt, was nicht geht.

Merkel wird auf eine Aussage aus dem Jahr 2005 angesprochen, ebenfalls in der ARD-Wahlarena, wo sie gesagt hat, dass es bei der Rente mit 65 bleibe. Hier hätte Merkel einfach nur sagen müssen, dass sich Zeiten ändern. Stattdessen versucht sich ein wenig aus der Situation herauszureden. Klitzekleiner Minuspunkt. Hätte sie es dem investigativen Journalisten durchaus so direkt sagen können. Koalitionen sind immer Kompromisse.

[21h29] Chef einer Baustellenfirma versucht der Bundeskanzlerin zu erklären, dass die Rente mit 67 gerade für Baustellenarbeiter nicht realistisch sei. Es müssten Regeln gefunden werden für solche Berufsgruppen, dass sie früher in Rente gehen könnten, ohne große Abschläge beim Einkommen. Die Kanzlerin antwortet: Es wird zukünftig keine Änderung geben. Wirbt für Verständnis und begründet ihre Entscheidung. Merkel macht deutlich, dass es vor allem sehr schwierig ist, eine klare Abgrenzung zwischen einzelnen Berufsgruppen zu finden. Man müsse in den Betrieben, Beispiel sei die Fließbandproduktion bei Opel, durch bessere Arbeitsmedizin vorsorgen.

[21h24] Merkel mit klarer Aussage: Mir ihr werde es einen Abbau des Kündigungsschutzes und Verletzung der Tariftreue nicht geben, verweist aber sogar darauf, dass dieses Thema 2002 und 2005 noch anders in den Regierungsprogrammen der Union stand. Damit grenzt sie sich sehr sehr deutlich von der FDP ab. Das wird Westerwelle alles andere freuen.

[21h19] Nächste Frage zum Thema Arbeitsmarkt, ein Arbeitsloser, seit sechs Jahren arbeitslos, möchte wissen, warum es so viele Jobs in Zeitarbeit gibt und wie Merkels Haltung zum Mindestlohn ist. Zwei Fragen, die zwar nichts miteinander zu tun haben. Merkel: “Wir müssen alles tun, jedem eine Chance zu geben, um auf den Arbeitsmarkt zu kommen.” Das ist mir zu unkonkret, so ein Allerweltssatz. Mindestlöhne würden dafür sorgen, dass Arbeitsplätze wegfallen, deshalb lehne sie diese flächendeckend ab. Hürden um auf den Arbeitsmarkt zu kommen, dürften nicht zu hoch sein, deshalb sei ein wichtiger Schritt die Zeitarbeit gewesen, weil man sich davon versprochen hat, dass Menschen dann in feste Beschäftigung gelangen.

Merkel kann den Fragensteller nicht wirklich überzeugen, fragt, ob er einmal an einen Umzug gedacht habe. Er verneint.

[21h16] Sendung startet aus dem E-Werk in Köln. Angela Merkel mit rotem Blazer, sieht ganz gut aus, fällt man schon mal farblich auf. Erste Frage einer alleinerziehenden Mutter zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bezüglich Anrechnung von Elterngeld und Absetzung von der Steuer, was nicht zu 100% möglich ist. Super konkrete Frage. Merkel geht nach Begrüßung sofort auf die Frage ein, fängt präszise an, verheddert sich dann aber ein bisschen in Details. Haushalt soll wie ein Arbeitgeber behandelt werden, was Absetzung von der Steuer angeht.

[21h14] Für die Bundeskanzlerin ist es übrigens die vorletzte Chance via Fernsehpräsenz die Wähler zu überzeugen. Sonntag steht dann noch das TV-Duell an.

[21h11] Ansonsten wünsche ich mir eigentlich nur eines: Viele Informationen, klare Aussagen und vor allem konkrete Fragen: Wenn ich sehe, was die ARD auf ihrer Programmseite darstellt, zum Beispiel “Wie kommen wir aus der Krise?” oder “Was wird aus meinem Arbeitsplatz?”, dann wird mir jetzt schon ein wenig schlecht, weil solche Fragen lassen sich in wenigen Minuten nicht beantworten und sind für solche Zuschauerrunden viel zu komplex.

[21h03] Mit Spannung werden auch die Aussagen von Merkel zum Luftschlag in Afghanistan erwartet. Mal sehen, wie aktuell diese Sendung sein wird. Ansonsten würde ich mich zu Aussagen und Fragen über die Bildungspolitik freuen. Da kam bisher eher wenig von der Union.

[21h00] Erstes Townhall-Meeting, wie es so schön heißt, heute Abend in der ARD. Zu Gast ist die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ich werde hier nicht jeden Satz live mitbloggen, also keine Stenografie betreiben, sondern die wichtigsten Aussagen dokumentieren und schauen, wie sich die Kanzlerin schlägt und wie sie mit ihren Antworten auf die Fragen eingeht. Also kein Minuten-Live-Ticker hier, sondern eine Zusammenfassung der Sendung in vielen Abschnitten.

Morgen ist dann der Herausforderer Frank-Walter-Steinmeier bei der ARD. Wenn alles klappt, werde ich auch das live mitbloggen.

Thema: Bundestagswahl 2009, TV und Radio | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Schutz der Werbewirtschaft oder Verweigerung zu sparen?

Mittwoch, 15. Juli 2009 21:35

Ich habe letzten Mittwoch an einem Redaktionsbesuch bei Radio Bremen teilgenommen mit anschließender Diskussion über die Rolle und den Stellenwert von öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Radio in der Medienlandschaft Deutschland. Ich hatte eigentlich nur eine Frage an die Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen: Sie mögen mir doch bitte einmal genau erklären, warum ARD und ZDF nicht bereit seien, auf Werbung in ihren Fernsehprogramm und Hörfunkwellen zu verzichten. Das konnte man mir in den wenigen Minuten natürlich nicht umfassend beantworten. Aber ich darf eventuell noch einmal vorbeischauen. Die Antwort, die ich bislang bekam, lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Wenn ARD und ZDF in ihren Programmen auf Werbung verzichten würden, würde das der Werbewirtschaft in Deutschland schweren Schaden zufügen, weil sie weniger werben könnten und die Preiss für das Schalten von Werbung dann durch die privaten Medienakture diktiert werden können. Gleichzeitig würden bei Werbefreiheit ARD und ZDF wichtige Einnahmen fehlen und es zu einer Erhöhung der GEZ-Gebühren kommen. Diese Erhöhung sei den Gebührenzahlern aber nicht zuzumuten – also kämpfen ARD und ZDF massiv dafür, dass es kein Verbot von Werbung bei den Öffentlich-Rechtlichen gibt.

So richtig zufrieden war ich mit der Antwort nicht. Wenn das alles so einfach wäre, frage ich mich, warum dann überhaupt über ein Verbot diskutiert wird. Meine persönliche Meinung war bisher immer ganz klar pro Werbeverbot bei den Programmen von ARD und ZDF. Als Vorbild muss hier wieder mal die BBC herhalten. Aber ich finde es großartig, dass die BBC in ihren Radioprogrammen ohne Werbung auskommt. Da ist die Qualität noch einmal höher, als wenn jedes Mal zur halben und vollen Stunde je drei Werbespots geschaltet werden. Das nervt mich einfach. Gleiches gilt für die Samstags-Sportschau, die ich mittlerweile für eine Werbesendung halte. So kommt es mir zumindest vor. Und für mich verliert die Sportschau durch die Werbeblöcke auch an Qualität.

Soweit so gut. Ich habe mal versucht ein bisschen zu recherchieren. Ich hatte gehofft, etwas mehr zu finden, vor allem einmal wirklich stichhaltige Argumente pro und contra Werbeverbot.

Der Vorschlag, ARD und ZDF die Werbung zu verbieten, ist nicht neu. Bereits im Sommer 2005 hatte Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, ARD und ZDF geraten, auf Werbung in ihren Programmen zu verzichten. Die Öffentlich-Rechtlichen lehnten damals ebenso wie heute noch ab. 2005 Kurt Beck, heute ist es der Günter Oettinger aus Baden-Württemberg, der sich für ein komplettes Werbeverbot bei ARD und ZDF einsetzt. Ich habe mich durch viele Artikel gekämpft und mal versucht die Positionen in drei Schlüsselargumente aufzuteilen.

ARD und ZDF gegen ein Verbot von Werbung:

  • Der Wirtschaft würde eine wichtige Plattform verlorengehen, wenn in den Programmen von ARD und ZDF nicht mehr geworben werden dürfte. Das würde gleichzeitig die Werbewirtschaft in eine Krise bewegen, weil nicht automatisch mehr bei den privaten Sendern geworben würde. Es wird befürchtet, dass die privaten Sendern die Preise für Werbung umfassender diktieren könnten, wenn ARD und ZDF als Werbeplattformen entfielen.
  • Wenn ARD und ZDF auf Werbung verzichten, müssten im Gegenzug die Gebühren erhöht werden. Genannt werden meist Erhöhungen um 1,20 Euro bis 1,40 Euro im Monat.
  • Die Werbung sei klar auf 20 Minuten am Tag begrenzt. Das sei, so Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen, ein vertretbarer und überschaubarer Umfang.

Vertreter für ein Werbeverbot der Öffentlich-Rechtlichen:

  • Werbung passt nicht zum Programmauftrag von ARD und ZDF.
  • Die BBC wird immer wieder als positives Beispiel erwähnt, wo Werbung in allen Programmen nicht ausgestrahlt wird. Es gibt lediglich auf der Website der BBC vereinzelte Banner. Das Beispiel der BBC zeigt, dass öffentlich-rechtliche Sender auch ohne Werbung ein sehr gutes oder gar besseres Programm machen können. Die BBC ist ebenso wie ARD und ZDF keinen wirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt. Es besteht also kein Grund, sich dem BBC-Modell nicht anzuschließen.
  • Die ARD spricht auf ihrer Website davon, dass gerade mal drei Prozent ihrer Einnahmen sich aus Rundfunkwerbung generieren. Das ZDF nimmt durch Werbung etwas über 100 Millionen Euro (2007) ein, etwa nach neueren Zahlen 5-6 Prozent an den Gesamteinnahmen. 2008 nahmen ARD und ZDF aber insgesamt 7,26 Milliarden Euro ein. Die Werbeeinahmen sind also ein geringer Teil, der locker eingespart werden könnte. Zum Beispiel durch das Vermeiden von Parallelübertragungen und der wechselseitigen Übertragung von großen Sportevents, die ein Sender dann alleine übernimmt. Beispiel: Olympische Winterspiele 2010 macht das ZDF, Sommerspiele 2012 die ARD.

Ganz interessant, dass sogar 44 Prozent bereit sind höhere Gebühren zu bezahlen, wenn ARD und ZDF auf Werbung verzichten werden. Spätestens dieser Wert sollte den Öffentlich-Rechtlichen ein klares Zeichen sein, dass Werbung bei ARD und ZDF kritisch gesehen wird.

Das einzige Argument, welches ich sogar ein bisschen verstehen kann, ist die Situation auf dem Werbemarkt, die durch das Schalten von Werbung bei ARD und ZDF verbessert wird. Die Fachzeitschrift Media Perspektiven hat in ihrem neuen Heft den Werbemarkt in Deutschland 2008 untersucht und ein Ende das Wachstums festgestellt (Zusammenfassung, kompletter Bericht als pdf). Der ehe schon angeschlagene Werbemarkt würde dadurch Sendefläche verlieren. Und RTL und Sat1 können ja auch keine zusätzlichen Werbeflächen platzieren. Einziger Ausweg: Wieder mehr Werbung in Print schalten oder vielleicht einfach mal die Ausgaben für Werbung sparen?

Nochmal zurück zur BBC, die verdammt oft im Fokus der Öffentlichkeit steht und sich für ihre Ausgaben rechtfertigen muss. Einen Fakt, den ich hier in Deutschland immer wieder vermisse. Ein Werbeverbot würde also auch zur Folge haben, dass ARD und ZDF wieder sparsamer mit ihrem Geld umgehen und sich auf die Kerngeschäfte konzentrieren. Und ihr Programm noch besser machen. Und angesichts der Quoten am Vorabend bei der ARD frage ich mich sowieso, wie ein Unternehmen da noch eine Zielgruppe erreichen will. Aber Spaß beiseite. Ich kenne das Argument Werbemarkt durchaus an, alles andere ist für mich nicht stichhaltig aus Sicht von ARD und ZDF. Wenn mir ein Sender denn mal zeigen würde, dass überhaupt kein Einsparpotential bestehen würde, akzeptiere ich das. Aber mir fallen sofort ein paar Sachverhalte ein, wo ARD und ZDF sparen könnten.

1. Keine Parallelübertragungen von Veranstaltungen mehr. Es ist sinnlos auf fünf Sendern Michael Jackson zu zeigen, die Vereidigung von Obama oder eine Hochzeit in den Niederlanden.

2. Aufteilung der Übertragung von Sportgroßveranstaltungen

3. Ein gemeinsamer Nachrichtenkanal von ARD und ZDF

4. Überflüssige Sportrechte streichen. Auch so könnte gespart werden. Boxen fällt für mich nicht unter das Stichwort “Grundversorgung”.

Das alles wären kleine Schritte, die vielleicht auch dafür sorgen könnten, dass weniger Werbung gesendet werden würde. Das wäre ja schon mal ein positive Entwicklung. Ich kann ARD und ZDF in einigen Punkten verstehen, größtenteils aber nicht. Und von daher bin ich weiter für ein Verbot von Werbung bei ARD und ZDF. Die Öffentlich-Rechtlichen könnten sich auch dadurch wieder deutlich unterscheiden von den Privaten.

Ein erster Schritt wäre immerhin, wenn in der Öffentlichkeit mehr über dieses Thema diskutiert werden würde und sich auch die Politik auf eine gemeinsame Linie verständigen könnte.  Und die Rolle von ARD und ZDF auch einmal kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert wird und viele nicht immer gleich einknicken, wenn sie einmal aus ihrem Loch herausgekommen sind. Die Öffentlich-Rechtlichen machen doch in erster Linie Programm für ihre Zuschauer. Und ich gehe mal davon aus, dass ein großer Teil der Zuschauer für ein Werbeverbot ist. Also bitte.

Thema: TV und Radio | Kommentare (7) | Autor: medispolis

Deshalb verehre ich die BBC so

Mittwoch, 8. Oktober 2008 17:04

Die letzten Arbeitstage waren bei mir sehr anstrengend. Gestern Abend um 23h00 nach Hause gekommen, heute morgen um 6h30 aufgestanden. An ein Anschauen der TV-Debatte zwischen Barack Obama und John McCain war nicht zu denken, habe ich es doch gerade mal geschafft, ein Käsebrot gestern Abend zu essen. Bei der Daily Show bin ich eingeschlafen – man möge es mir verzeihen.

Ich plante mir beim Frühstück am Morgen einen kurzen Überblick über das TV-Duell zu machen und es dann heute Nachmittag zu schauen. Also, für ein erstes Eintauchen heute um 6h45 den PC angemacht und zuerst bei der Tagesschau vorbeigeschaut. Vielleicht gibt es ja schon einen Bericht von den ARD-Hörfunkkorrespondenten.

Leider, weit gefehlt. Einzig ein kleiner Agenturbericht (Stand 04h01) berichtet vom TV-Duell. Stand 04h01, fast drei Stunden später schaue ich vorbei. Nicht eine Angabe zu möglichen Blitzumfragen. Ein reiner Agenturbericht, der eigentlich nur an den Artikel vom Vorabend vorgehängt wurde. Erst um 08h27 kommt der Bericht von Ralph Sina, Hörfunkkorrespondent des WDR in Washington. Keine Angabe über einen möglichen Sieger oder Umfrageergebnisse.

Also rüber zu BBC: Und was ich da sehe, verschlägt mir schon wieder die Sprache. Bereits um 06h45 gibt es einen langen Bericht mit den wichtigsten Zitaten, es gibt schon einige Highlightvideos zu den wichtigsten Kernaussagen. Um 07h00 folgt eine sehr ausführliche Analyse, die komplette Debatte wird ins Internet gestellt. Da war bei der ARD immer nur noch der Agenturbericht auf der Seite. Und nicht zu vergessen das exzellente Live-Blogging der BBC live aus Nashville. So stelle ich mir eine ausführliche, fundierte und ausgewogene Berichterstattung vor.

Das soll kein Frontalangriff auf die ARD sein, aber die BBC zeigt, wie man schnell und gut seine Leser informieren kann. Vielleicht kann sich die ARD da mal eine Scheibe von abschneiden. Denn nur ein mickriger Artikel auf tagesschau.de ist schlicht sehr wenig. Beim nächsten Mal wird gleich bei der BBC geschaut.

Thema: TV und Radio, US Wahl 2008 | Kommentare (4) | Autor: medispolis

ARD und ZDF blicken rechtzeitig über den Teich

Montag, 22. September 2008 15:29

Ich habe in den letzten Wochen vor allem ARD und ZDF häufig kritisiert, dass sie nicht ausführlich genug über die bevorstehende US-Wahl berichten, und wenn nur, erst sehr kurzfrisitg über die Sendetermine informieren (bei der Rede von Barack Obama waren es gerade mal 24 Stunden vorher).

Aber man scheint bei den Öffentlich-Rechtlichen zu lernen. Heute gab man bekannt, dass man alle vier TV-Duelle vor der US-Wahl, dreimal zwischen den Präsidentschaftskandidaten und einmal zwischen den Vize-Präsidenten, live übertragen wird. Und das hat man sogar vier Tage vor dem ersten Duell bekanntgegeben.

Quelle: Quotenmeter

Thema: TV und Radio, US Wahl 2008 | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Wenn es einfach zu lange dauert…

Freitag, 11. Januar 2008 13:38

ad1: 10 Monate verhandelt – und bisher ist nichts dabei rausgekommen. Ein Armutszeugnis für die GDL und die Deutsche Bahn. Im einzigen Punkt, wo man ganz groß war, waren die gegenseitigen Beschuldigungen, seitenlange Anzeigen in Tageszeitungen und im Androhungen von Konsequenzen. Und wir Bürger sind bis jetzt immer die Dummen gewesen. Was haben die letzten 10 Monate gebracht? Rein gar nichts. Seit ein paar Wochen sitzt man nun am Verhandlungstisch, schottet sich von der Öffentlichkeit ab, hat geheime Gespräche mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, doch eine Einigung gibt es jetzt anscheinend doch wieder nicht. Komisch, dass vor zwei Tagen alle noch so zuversichtlich waren. Oder ist es der GDL übel aufgestoßen, dass die Deutsche Bahn AG Verfassungsklage gegen den Streik eingereicht hat? Dieser Punkt zeigt nur eines: Wie unsensibel sich die Bahn in den ganzen 10 Monaten verhalten hat. Sie war nie Herr der Lage, sie war schwach. Die GDL entscheidet am Sonntag über neue Streiks. Ich gebe schon mal ein Tipp ab, wie es ausgeht. Am Sonntag beschließt man weitere Verhandlungen und verpulvert weiter Geld, weil nichts Gescheites dabei rauskommt. Kompromiss ist ein Fremdwort für die Beteiligten.

ad2:Dass Deutschland meiner Meinung nach nicht über einen qualitativ vernünftigen Nachrichtensender verfügt, habe ich hier schon mehrmals berichtet. Deshalb setze ich ja auch große Hoffnungen in die Bemühungen der ARD einen ihrer digitalen Kanäle als 24-Stunden-Nachrichtensender einzurichten. doch meine Hoffnungen haben auch wieder einen Dämpfer bekommen. Die Zeitschrift Digitalfernsehen will erfahren haben, dass jetzt sowohl ARD als auch ZDF eigene Nachrichtenkanäle planen. Das ist ein Fakt, den man eigentlich immer vermeiden wollte, dass beide ÖR ihre eigenen Kanäle umstrukturieren. So gibt es doch wieder nur die Verschwendung von Ressourcen und eine neue zusätzlich herbeigebrachte Konkurrenz zur Lasten der Qualität. Und mal was ganz anderes: Es wird geplant, geplant, geplant. Vielleicht handelt man auch mal. Denn mittlerweile lebe ich mit Sky News hervorragend. Also liebe ÖR,  lasst euch nicht mehr zu viel Zeit.

ad3:Und was ganz Privates: Ich bin großer Fan von NavyCis, habe alle DVD-Boxen der bisherigen drei Staffeln. Aber wann kommt Staffel Vier? Das müsste doch mal so langsam sein. Wenn irgendein Leser etwas Genaueres weiß, bitte her damit. Das dauet mir einfach zu lange.

Und auch mit der Premier League Preview wird es heute nichts mehr, das ich das zeitlich nicht schaffe. Also ersten morgen Früh. Nicholas Anelka wechselt lt. FC Chelsea von den Wanderers zu den Blues. Später mehr.

Zuletzt noch ein Lesetipp: Alexander Krei/Quotenmeter über die Medienkritik von Günter Oettinger.

Thema: TV und Radio, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (0) | Autor: medispolis

TV-Tipp: Merkels Macht – Auf den Spuren einer Kanzlerin

Mittwoch, 2. Januar 2008 9:24

Wer langsam die Schnauze voll hat von Fußball aus der Premier League (wird wirklich mal Zeit für eine Pause), dem kann ich heute Abend eine äußerst interessante Dokumentation bei der ARD empfehlen. Endlich gibt es mal wieder eine Reportage, die den Namen bei den ÖR auch verdient hat.

Das Jahr 2007 begann glänzend für Bundeskanzlerin Merkel: Als EU-Ratspräsidentin und G8-Präsidentin fühlte sie sich auf den roten Teppichen der Gipfeltreffen sichtbar wohl. Und Verhandlungserfolge wie in Heiligendamm und Brüssel ließen ihr Ansehen schnell wachsen: Angela Merkel – Superstar? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Autoren Stephan Lamby und Michael Rutz, die Angela Merkel ein Jahr lang mit der Kamera begleitet haben. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, unter anderem US-Präsident Bush, Tony Blair oder Gregor Gysi, kommen zu Wort um Merkels Politik bewerten und einordnen zu können.

Man muss nicht mit Angela Merkels Politik und ihrem Regierungsstil übereinstimmen. Wer sich aber allgemein für Politik interessiert, bekommt einen guten Einblick in die Regierungstätigkeit.

Merkels Macht – Auf den Spuren einer Kanzlerin gibt es heute Abend um 21.45 Uhr in der ARD.

P.S: Und wer von Dokumentationen nicht genug kriegt und auch noch Lust auf Fußball hat, für den gibt es um 18.00 Uhr in der ARD den Doku-Film über die Weltmeisterschaft der Fußball-Frauen in China 2007.

Thema: Politik National, TV und Radio | Kommentare (0) | Autor: medispolis