Sehr hörenswerte 25-minütige Dokumentation über 20 Jahre Premier League vom BBC-Worldservice.
Hier nachzuhören.
Sehr hörenswerte 25-minütige Dokumentation über 20 Jahre Premier League vom BBC-Worldservice.
Hier nachzuhören.
Gestern Abend bei BBC World News America einen längeren Bericht vom BBC-Korrespondenten Ian Pannell aus Syrien gesehen. Das hat mich völlig fassungslos und bestürzt zurückgelassen. Teile des Berichts sind auch auf der BBC-Website. Pannell war unterwegs mit der syrischen Oppositionsbewegung und gibt seltene Einblicke in die Ansichten der Oppositionellen und zeigt auch, welches Schlachtfeld die Bomben des Assad-Regimes hinterlassen.
“I want freedom in all its concepts, whatever this word means I want it”, sagte ein Mitglied der Oppositionsbewegung. Hier Ausschnitte auf der BBC Newssite.
Die schönste Begleiterscheinung der jetzt etwas ruhigeren Phase bis Ende März ist, dass ich ganz in Ruhe und ohne schlechtes Gewissen morgens ein wenig bummeln kann. Was für mich heißt: Ich kann endlich wieder länger The Chris Moyles Show auf BBC Radio 1 hören. Als ich im Juli 2005 im Urlaub in London war, habe ich die Show das erste Mal gehört und fand sie sofort großartig, was sich durch die Live-Übertragung zur Fußball-WM aus Deutschland nochmal gesteigert hat. Ich wurde ein großer Fan und bin es bis heute noch. Nur konnte ich in den letzten zwei Jahren die Show nur selten hören und hatte abends meistens auch keine Zeit und Lust sie on demand zu verfolgen.
Warum bin ich ein so großer Fan der Chris Moyles Show geworden? Zu einem großen Teil liegt es vielleicht am Formatradio der deutschen Hörfunkwellen, die morgens aus einem Pool von 20 Liedern wählen, dazwischen Nachrichten, bisschen Comedy und Werbung. Aber nahezu null Interaktion mit dem Publikum und innerhalb des Radioteams. Und da liegt die ganz große Stärke der Chris Moyles Show. Die Sendung lebt von einem eingespielten Team, interagiert mit den Hörern bereits nach drei, vier Minuten on air und sorgt dafür, dass man gut gelaunt und mit einem Lachen in den Tag startet. Chris Moyles (@CHRISDJMOYLES) ist der Host der Sendung, an seiner Seite Dave Vitty (@davidvitty), langjähriger Freund von Moyles und damals mit ihm gemeinsam zu Radio 1 gewechselt. Aled Haydn Jones (@ahj) und Matt Fincham (@mattfincham) produzieren die Sendung, Dominic Bryne (@domisatwit) liest die Nachrichten, Tina Daheley (@TinaDaheley) liest die Sportmeldungen. Ansonsten sind alle Teammitglieder aber nicht an ihre Rollen gebunden, es entwickeln sich häufig lebhafte Debatten über den ganz normalen Alltag, sei es Ernährung, Premier League, hin und wieder auch Wirtschaft und Politik.
The Chris Moyles Show schafft es perfekt, Social Media einzubinden. Alle Teammitglieder sind bei Twitter und informieren über die Show. Die Sendung selbst hat einen Twitter-Account, ist bei Facebook und mit einem eigenen YouTube-Channel aktiv. Mehr Informationen zur Show gibt es auf der Radio 1 Website.
The Monday Cheesy Song der Chris Moyles Show
The Chris Moyles Show ist anders. Montags bis Freitags von 07:30 Uhr bis 11:00 Uhr deutscher Zeit wird gesendet, online via der Radio 1 Website in sehr guter Qualität zu hören. Von 07:30 bis 08:00 Uhr wird nach der Eröffnungshymne keine Musik gespielt, sondern der gestrige Tag Revue passiert. Meist werden Fußballergebnisse besprochen, die Teammitglieder erzählen aus ihrem Alltag, Hörer werden aufgefordert zu twittern, facebooken oder eine SMS zu schicken, was sie derzeit so bewegt. Nach den Nachrichten um 08:00 Uhr wird dann Musik gespielt, unterbrochen von längeren Diskussionen. Fast immer sind Gäste aus Musik, Showbizz und TV für ein Gespräch zu Gast. Wenn nicht, gibt es Quizzrunden, wie das beliebte Rob Dj Monday Night Pop Quiz jeden Dienstag um 08:45 Uhr und gegen Ende der Sendung Carpark Catchphrase, wo Hörer, in ihren Autos sitzend, Redewendungen erkennen müssen und mit ihrer Hupe deutlich machen, dass sie eine Antwortidee haben. Höhepunkt jeder Woche ist die Golden Hour freitags von 10:00 bis 11:00 Uhr, wo Chris Moyles in der ersten halben Stunde fast schon vergessene, selten im Radio gespielte Songs aus einem Jahr spielt. Die Teammitglieder müssen das Jahr erkennen. In der zweiten halben Stunde haben sich die Teammitglieder einen Song gewünscht, der dann gespielt wird.
Klingt auf dem ersten Blick vielleicht gar nicht so spektakulär, aber wenn man regelmäßig zuhört, verfällt man sehr schnell der wenig strukturierten, sehr lebhaften, unterhaltsamen und lustigen Show. Weiterer Vorteil: Fast alle neue Hits bekommen in der Show ihre erste Radiopremiere, viele Bands kommen dafür persönlich ins Studio. Die Mischung und perfekte Interaktion der Teammitglieder, samt der Einbindung der Hörer via Social Media, machen die Chris Moyles Show hörenswert. Chris Moyles war wegen vieler Äußerungen, u.a. dem Auffordern zum Alkoholkonsum, in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik geraten. Er war bis zum Jahr 2009 übergewichtig, hat viel getrunken. Anfang 2009 bekletterte er dann den Kilimandscharo zu Gunsten einer Charity. Seitdem macht er einen kompletten Wandel seines Lebensstils durch, trinkt weniger, macht Sport und ernährt sich gesund. Seine Fortschritte und Schwierigkeiten erzählt er häufig während der Show. Das mag langweilig klingen, ist es aber nicht. The Chris Moyles Show schafft es die banalsten Alltagsprobleme in lockerer Atmosphäre aufzuarbeiten.
Chris Moyles hat ebenso viele Bewunderer wie Kritiker. Er polarisiert. Der Guardian hat es im Frühjahr 2009 auf den Punkt gebracht.
Chris Moyles is undoubtedly one of Radio 1′s funniest, most natural broadcasters. When he’s on a riff he can be hilarious. All he has to do is give out less yip about getting bladdered and submit to a spot of PC rewiring. If he could remember, occasionally, that he’s not just broadcasting to the Radio 1 “family”, or even to his mates, but to an audience that includes 11-year-olds, then, honestly, even the Daily Mail might grow to love him.
Aber er schafft es immer noch, über sieben Millionen Zuhörer jeden Morgen zu gewinnen. Er liegt damit zwar deutlich hinter der Show von Chris Evans auf BBC Radio 2, hat aber seit dem Start 2004 über zwei Millionen Hörer hinzugewonnen. Bereits seit 2004 ist die Show auf Sendung, Moyles hat seinen Vertrag mit der BBC zuletzt bis 2014 verlängert, zu einer Zeit, als Spekulationen an der Tagesordnung waren, dass Moyles die BBC verlässt. Im September 2009 wurde Moyles zum 5-jährigen Jubliäum der DJ, der am längsten die Morning Show auf Radio 1 innehatte. Jetzt schafft er sogar sein 10-jähriges Jubiläum. Die Plaudertasche.
Wer mal reinschauen will. Denn mittlerweile werden viele Sendungen auch teilweise ins Netz gestreamt. Dies stammt aus der Record Breaking Show im März 2011, als Moyles 52 Stunden am Stück on oir war und dadurch knapp 2,5 Millionen Pfund an Spenden für Comic Relief sammelte.
The Chris Moyles Show, montags bis freitags von 07:30 Uhr bis 11:00 Uhr via der Radio 1 Website oder on demand im BBC iPlayer.
Zumindest bei der BBC. Im neuesten Podcast (noch bezeichnet ihn die BBC so) der Chris Moyles Show von Radio 1 wird auf eine interessante Änderung hingewiesen. Nach und nach wird die BBC – für Radio 1 ab dem 1. Juli – den Begriff Podcast abschaffen und durch die Bezeichnung The Free Download ersetzen. Da hat man jetzt über mehrere Jahre sich mit dem Begriff angefreundet und ausgerechnet die BBC geht einen Sonderweg.
Zukünftig heißt es also: Download The Free Download.
“The Trust concludes that, as things stand, the case has not been made for the closure of 6 Music. The Executive should draw up an overarching strategy for digital radio. If the Director General wanted to propose a different shape for the BBC’s music radio stations as part of a new strategy, the Trust would consider it. The Trust would consider a formal proposal for the closure of the Asian Network, although this must include a proposition for meeting the needs of the station’s audience in different ways.”
Pressemitteilung der BBC zur zukünftigen Ausrichtung der BBC im bei TV, Radion und im Online-Bereich.
Ende 2011 sollte die Radiostadion BBC Radio 6 Music zusammen mit dem Asian Network geschlossen werden und mit zahlreichen weiteren Einsparungen dem Druck der Politik nachgegeben werden, verkündete die BBC im März diesen Jahres. Knapp zwei Wochen nach der Verkündigung der Pläne durch BBC-Chef Mark Thompson waren bereits knapp 8.000 Beschwerden bei der BBC eingegangen, die eine Fortführung von BBC Radio 6 Music forderten, darunter bekannte Moderatoren, aber auch Musikbands wie Coldplay, Lily Allen und andere. Die Zuschauerzahlen von BBC 6 Music schossen in die Höhe, Solidarität allerorten. BBC 6 Music ist ein Nischenprogramm, von daher konnte man die BBC durchaus verstehen, dass sie bei den Sparvorgaben der Politik als erstes bei der Radionstation 6 Music angesetzt hat. Aber es ist zwar Nische, aber eben auch großartiges Musikprogramm und hervorragender Musikjournalismus mit vielen Porträts und Dokumentationen, Interviews und Features. Unübertroffen ist die Berichterstattung von 6 Music von den großen britischen Musikfestivals im Sommer. Letzte Woche zu sehen beim Glastonbury Festival, als man drei Tage nichts anderes machte als von der Farm von Michael Eavis zu berichten und alle wichtigen Konzerte live ausstrahlte. Von daher ist es zu begrüßen, dass die BBC sich ihre Entscheidung aus dem März nochmal überlegt hat – was in der Konsequenz aber auch heißt, dass an anderer Stelle gekürzt werden muss. Denn am Sparen kommt die BBC nicht vorbei.
Heute dann also die Entscheidung, dass BBC 6 Music nicht geschlossen wird. Via Twitter offenbarten die Moderatoren ihre Glücksgefühle. Immerhin wären mehrere tausend Mitarbeiter von einer Schließung betroffen gewesen. Coldplay lobten auf ihrer Internetseite die Entscheidung der BBC 6 Music nicht zu schließen.
Weitere Informationen:
- Meldung der BBC mit Statement von Sir Michael Lyons, BBC Trust Chairman.
- Nachricht des Guardian mit weiteren Einschätzungen und Reaktionen.
- Guardian: The saving of 6 Music a victory for the digital campaign?
- The Independent: 6 Music saved – against the odds.
Da verdienen zwei populäre Radiomoderatoren bei der BBC über 500.000 Pfund im Jahr – und die stets transparente BBC, die diese Zahlen auch bestätigt, gerät immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik. Chris Moyles, Moderator der Breakfast Show auf BBC Radio 1, und sein Gegner um die Spitze in den Hörerzahlen, Terry Wogan von BBC Radio 2, verdienen pro Jahr 630.000 beziehungsweise 800.000 Pfund. Dafür, dass beide morgens über sieben Millionen Hörer unterhalten und während der ersten Stunden des Tages begleiten.
Seit Monaten wird über diese hohen Gehälter der beiden Radiomoderatoren gestritten. Richtig Nahrung hat diese Geschichte vor sechs Wochen bekommen, als das Boulevardblatt Sun berichtete, dass Chris Moyles seinen Job bei der BBC verlieren soll. Offiziell wegen ein paar unglücklich gewählter Aussagen während der Live-Sendungen. Für die Kritiker war diese Story, die sich im Nachhinein als Ente herausstellte, ein gefundenes Fressen, weil wieder über die Gehälter bei BBC Radio 1 und 2 in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Vor einem Monatwurde bekannt, dass Chris Moyles einen neuen Vertrag bei der BBC bekommen wird – auch dank weiter steigender Hörerzahlen. Unbestätigen Angaben zufolge soll sein Gehalt aber deutlich gekürzt werden, um biszu 150.000 Pfund auf etwa 450.000 Pfund im Jahr. Das ist für einen Radiomoderator immer noch ein guter Verdienst, keine Frage.
Doch die BBC sieht sich stets mit weiterer Kritik gegenüber. Heute wurde vom House of Commons ein Report veröffentlicht, welcher der BBC erneut vorwirft, sie würde zu hohe Gehälter für ihre Radiomoderatoren zahlen und falsche Angaben über die Einkommen und Verdienste ihrer Beschäftigten machen (Quelle: Guardian). Member of Parliament Edward Leigh beklagt, dass die BBC nicht ausreichend und umfassend genug über die Gehälter informiert. Die Zahlen sollen an das National Audit Office gegeben werden, einer unabhängigen Einheit des Parlaments, das sich mit öffentlichen Ausgaben beschäftigt. Dass nun gerade die Member des Parlaments in diesen Tagen sich über zu großzügiges Geldausgeben beklagen, steht auf einem anderen Blatt. Die Politiker sind sauer: Die BBC habe sie nicht überzeugen können, dass soviel Geld für die Gehälter der Radiomoderatoren bezahlt werden müssen, insgesamt dreimal so viel wie bei den privaten Radiostationen.
Insgesamt bezahlt die BBC für ihre Radiostationen 462 Millionen Pfund pro Jahr. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen 70 Millionen Pfund eingespart werden. Das ganze geschieht in einem größeren Sparkurs, den die BBC von der Politik vorgegeben bekommen hat. 70 Millionen Pfund sollen im Radiobereich gespart werden. Da dürfte klar sein, dass auch die Gehälter dran glauben müssen, hoffen die Politiker. Die BBC hat dies offiziell immer noch nicht bestätigt.
Die BBC ist ebenso wie ARD und ZDF eine öffentlich-rechtliche Anstalt. Die BBC bekommt den größten Teil ihrer Einnahmen von einer Rundfunkgebühr, die pro Haushalt bezahlt werden muss. Über 4 Milliarden Pfund standen der BBC 2007 zur Verfügung, knapp 3 Milliarden Pfund entfielen dabei auf die Rundfunkgebühr. Die Höhe dieser Gebühr wird direkt vom Parlament festgelegt. Dementsprechend haben die Politiker der BBC auch eine kleine Diät für die nächsten fünf Jahre verordnet. Die BBC muss also sparen und steht trotzdem fast täglich im Fokus, was Ausgaben und Einnahmen angeht.
Sowas würde ich mir nebenbei bemerkt auch für ARD und ZDF wünschen. Offenlegung der Gehälter der Top-Moderatoren und Kommentatoren. Die BBC ist umstritten wegen ihrer Struktur und ihres Aufbaus, nicht wegen ihres Programms und der Außendarstellung. Aber die BBC muss sich fast täglich rechtfertigen für ihre Arbeit. Und sie versucht dies mit Transparenz, soweit man eben gehen will. Wäre das nicht auch einmal ein Schritt für ARD und ZDF?
Denn ARD und ZDF stehen auch vor keiner leichten Aufgabe, die Einnahmen aus der GEZ sollen in den nächsten Jahren sinken. Es wäre an der Zeit auch in Deutschland eine öffentliche Debatte zu beginnen, wieviel und wozu ARD und ZDF unser Geld ausgeben. Das kann manchmal ein sehr produktiver Prozess sein. Wie gesagt, aufgrund der Unterschiede im Vergleich zur BBC muss nicht gleich die Bekanntgabe aller Zahlen an den Bundestag sein, aber ein Schritt in Richtung mehr Transparenz und Offenlegung mit Einsparpotential wäre auch bei unseren ÖR angebracht. Und dann finde ich es auch nicht schlimm, wenn öffentlich intensiv und kontrovers darüber diskutiert wird. Es ist schließlich unser Geld – und Programm für uns. Und leicht ist so ein Vorgang nicht, wie die BBC fast täglich erfahren muss. Aber notwendig.
Die BBC hat heute mitgeteilt, dass sie einen kleinen Relaunch ihrer Blogs vorgenommen hat. Etwas übersichtlicher, etwas freundlicher. Die Blogs sollen zentraler Bestandteil des BBC-Nachrichtenangebots werden.
Stephen Mitchell, stellvertretender Direktor bei BBC News, erklärt im Video die Rolle von Blogs und ihre Bedeutung für die BBC. Mit dabei in der Diskussion zugeschaltet ist Stephen Glover, der unter anderem für die Daily Mail schreibt und wahrlich kein Freund der BBC ist. Er halte es für bedenklich, wenn bei der BBC Journalisten bloggen und somit ihre Ansichten in der ehe schon meinungsstarken, teilweise meinungsbeherrschenden Stellung der BBC verwirklichen können. Und so entsteht eine kurze, aber lebhafte Debatte über Blogs als Medium zur Informationsaufbereitung und subjektiver Meinungsmache. Es lohnt sich die fünf Minuten anzuschauen.
Das Video gibt es hier.
Ich bin immer noch ein begeisteter Anhänger des Mediums Radio. Morgens beim Frühstück, hin und wieder am Schreibtisch im Büro, gerne nachmittags und abends als Alternative zum Fernseher. Dank der Livestreams im Internet ist es ja kein Problem mehr sich alle Radiostationen der Welt anzuhören.
Im kommenden Jahr werden bei uns die GEZ-Gebühren erhöht, um etwas mehr als 90 cent pro Monat. Das macht dann pro Nase etwas mehr als 10,80 € im Jahr. Rechnet man das hoch auf all die ehrlichen GEZ-Zahler kommt da schon eine ganz schöne Summe bei rum. Nur, wird der normale Hörer und Zuschauer der ÖR auch nur im Ansatz sehen, wo das Geld hinfließt und vor allem für was es konkret – sprich für den Konsumenten – genutzt wird. Wahrscheinlich nicht. Transparenz war noch nie eine Stärke von ARD und ZDF.
Warum ich das alles erzähle. Weil mir irgendwann vorgestern Abend bewusst wurde, wie wenig ich nur noch Radio- und TV-Sender der ÖR hier in Deutschland nutze. Das hat sich in den letzten Jahren massiv hin zu BBC oder anderen englischsprachigen Radiosendern verschoben. Das einzige, was ich hin und wieder in Deutschland noch höre sind Bremen Vier donnerstags um 20h00 mit der stets exzellenten Rock-Show, manchmal Radio Fritz und häufiger Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur.
Und das hat ganz genau zwei einfache Gründe. Die Qualität und der Umgang mit dem Hörer, sprich die Einbeziehung in das Programm oder in Senderinhalte. Zwei Beispiele möchte ich mal geben, die zeigen, dass unserer ÖR so meilenweit an Qualität und Quantität hinterherstecken, dass eine GEZ-Erhöhung eigentlich der blanke Hohn ist. Und jetzt komm mir bitte keiner mit der These, dass sich die BBC und unsere ÖR nicht vergleichen lassen weil ihre Säulen unterschiedlich finanziert werden. Bei der BBC gelten sehr viel strengere Vorlagen, was Ausgaben angeht. Aber, die BBC macht aus ihren Mitteln einfach sehr viel mehr.
Beispiel BBC Five Live: Man braucht sich nur mal das Weihnachtsprogramm auf 5 Live anschauen um gleich festzustellen, dass dieser Sender seinen Zuhörern noch mal etwas Besonderes bieten möchte im Jahr 2008. Viele Rückblicke und Specials mit teils sehr starker Einbindung der Zuschauer. Und es ist für jede Interessenlage was dabei. Sport, Politik, Kultur. Und alles noch einmal nachhörbar, falls man es verpasst haben sollte. Schnell, einfach und übersichtlich zu finden.
Beispiel BBC Radio 1: Dort gibt es jeden Morgen von 07h30 bis 11h00 deutscher Zeit die Chris Moyles Show, die Frühstücksshow für das jüngere Publikum bei der BBC. Und es sind 3 1/2 Stunden, die den Namen Show – im Gegensatz zu all dem Krams in Deutschland hier – auch wirklich verdienen. Es gibt eine eigens komponierte Eröffnungsmelodie, alle halbe Stunde Nachrichten und Sport, und dazwischen jede Menge Interviews mit vielen Gästen und gute Musik. Und zwar solche Musik zum Wachwerden. Das schöne an dieser Show, die ich mittlerweile jeden Morgen beim Frühstück höre, ist, dass kein Tag ist wie jeder andere. Das ist etwas, was mich am Radio in Deutschland nervt. Alles so vorhersehbar, immer alles zur gleichen Zeit. Und einen eigenen YouTube-Channel hat die Show auch.
Die Chris Moyles Show besteht aus fünf Moderatoren, zwei für Nachrichten und Sport, ein Producer, der stets dabei ist, und zwei, unter anderem der Host Chris Moyles, die durch die Show führen. Alle verstehen sich bestens und interagieren wunderbar miteinander. Und jede Show ist anders. Manchmal wird erstmal 10 Minuten leidenschaftlich über die Premier League, Christmas-Shopping oder Politik diskutiert, manchmal gibt es gleich Musik oder ein kleines Quiz zum Wachwerden. Die kompletten 3 1/2 Stunden übrigens ohne Werbung!
Und man hat das klare Ziel den Zuhörern etwas zu bieten, für sie da zu sein, mit ihnen via Mail, Sms oder Chat zu kommunizieren. Gerade in der Vorweihnachtszeit zeigte sich wieder, dass man allen Zuhörern noch etwas Besonderes bieten wollte. In der letzten Woche gab es jeden Tag einen Gast, unter anderem Mark Ronson, The Ting Tings oder auch Chris Martin von Coldplay. Das ist ein Pensum, das einige deutsche Radiosender nicht mal in einem Jahr schaffen. Die Gäste waren fast 2 Stunden zu Gast, haben live mehrere Songs perfomt und über Weihnachten, Familie und alles andere lustig, teils auch ironisch diskutiert. Man fühlte sich stets bestens unterhalten. Die BBC schenkte in den zwei Wochen vor Weihnachten ihren Zuhörern jeden Tag ein Lied zum kostenlosen Download, teils Live-Aufnahmen oder exklusiv für die BBC gespielte Tracks. Die BBC versteht es sowas von großartig, dass Radio hören ein Geben und Nehmen ist.
Und wer mal sehen will, wie die Show Geburtstage ihrer Teammitglieder feiert, sollte dieses Video anschauen.
Von daher sehe ich es immer skeptisch, wenn bei uns die GEZ erhöht wird, weil Radio und TV in Deutschland einfach meilenweit hinterher hinken und es für mich selten qualitative Verbesserungen gibt. Es gibt wenige Ausnahmen, die aber nur die Regel bestätigen. Bis auf weiteres habe ich mich prima mit der BBC angefreundet. Und es muss schon viel passieren, dass ich wieder Radio höre bei unseren ÖR-Sendern. Die 10,80 € mehr im nächsten Jahr tun mir schon fast Leid.
Die letzten Arbeitstage waren bei mir sehr anstrengend. Gestern Abend um 23h00 nach Hause gekommen, heute morgen um 6h30 aufgestanden. An ein Anschauen der TV-Debatte zwischen Barack Obama und John McCain war nicht zu denken, habe ich es doch gerade mal geschafft, ein Käsebrot gestern Abend zu essen. Bei der Daily Show bin ich eingeschlafen – man möge es mir verzeihen.
Ich plante mir beim Frühstück am Morgen einen kurzen Überblick über das TV-Duell zu machen und es dann heute Nachmittag zu schauen. Also, für ein erstes Eintauchen heute um 6h45 den PC angemacht und zuerst bei der Tagesschau vorbeigeschaut. Vielleicht gibt es ja schon einen Bericht von den ARD-Hörfunkkorrespondenten.
Leider, weit gefehlt. Einzig ein kleiner Agenturbericht (Stand 04h01) berichtet vom TV-Duell. Stand 04h01, fast drei Stunden später schaue ich vorbei. Nicht eine Angabe zu möglichen Blitzumfragen. Ein reiner Agenturbericht, der eigentlich nur an den Artikel vom Vorabend vorgehängt wurde. Erst um 08h27 kommt der Bericht von Ralph Sina, Hörfunkkorrespondent des WDR in Washington. Keine Angabe über einen möglichen Sieger oder Umfrageergebnisse.
Also rüber zu BBC: Und was ich da sehe, verschlägt mir schon wieder die Sprache. Bereits um 06h45 gibt es einen langen Bericht mit den wichtigsten Zitaten, es gibt schon einige Highlightvideos zu den wichtigsten Kernaussagen. Um 07h00 folgt eine sehr ausführliche Analyse, die komplette Debatte wird ins Internet gestellt. Da war bei der ARD immer nur noch der Agenturbericht auf der Seite. Und nicht zu vergessen das exzellente Live-Blogging der BBC live aus Nashville. So stelle ich mir eine ausführliche, fundierte und ausgewogene Berichterstattung vor.
Das soll kein Frontalangriff auf die ARD sein, aber die BBC zeigt, wie man schnell und gut seine Leser informieren kann. Vielleicht kann sich die ARD da mal eine Scheibe von abschneiden. Denn nur ein mickriger Artikel auf tagesschau.de ist schlicht sehr wenig. Beim nächsten Mal wird gleich bei der BBC geschaut.
Anfang dieser Woche lief mein Probe-Abo der Süddeutschen Zeitung ab. Nach langen Überlegungen habe ich mich entschieden kein Abo abzuschließen, was aber nicht an der mangelnden Qualität der Zeitung liegt. Gerade das Politik- und Sportressort hat mich mit den umfangreichen Hintergrundberichten sehr begeistert. Aber ich habe eben auch erfahren, dass ich einfach nicht mehr der Tageszeitungsleser bin, der morgens vor der Arbeit als erstes zum Briefkasten läuft und dann beim Frühstück 30 Minuten durch die Zeitung blättert. Ich schaue lieber morgens einmal über die Nachrichten-Websites, klappere ein paar Blogs ab und höre zwei Podcasts auf dem Weg zur Arbeit. Dennoch, falls sich jemand für ein Tageszeitungs-Abo interessiert, kann ich die Süddeutsche Zeitung sehr empfehlen. Und die Artikel von Raphael Honigstein über englischen Fußball gibt es meistens auch online.
***
Und dann bin ich mit der ZEIT ehe schon ganz gut eingedeckt, was Lesestoff angeht. Seit heute erscheint die Wochenzeitung in leicht verändertem Layout, mit neuen Rubriken und Kolumnen. So gibt es zum Beispiel im Politikteil jetzt zwei Meinungsseiten, wo Redakteure und Politiker über aktuelle Themen ihre Meinung sagen. Darüberhinaus ist das Layout etwas moderner, übersichtlicher und einfacher geworden. Die beiden Titelthemen, der Erfolg der deutschen Kunst und die bunte Republik Deutschland bezüglich neuer Koalitionen, haben Chefredakteuer Giovanni di Lorenzo dazu veranlasst auch das Erscheinungsbild der ZEIT zu verändern. Die ZEIT dürfe sich verändern, werde aber ihre Wesenszüge nie aufgeben. Der Online-Auftritt wurde in den letzten Monaten auch mehrmals überarbeitet.
***
Und wo wir gerade bei veränderten Online-Auftritten sind, darf ein Hinweis auf den Relaunch der BBC-Websiten nicht fehlen. Der News-Bereich sowie die Fußball-Titelseite sind schon angepasst, ein paar Unterkategorien im Sport-Bereich, wie zum Beispiel die Premier League, sind noch nicht überarbietet. Insgesamt wirkt der neue Auftritt aufgeräumter, übersichtlicher, schlichte Nachrichten, Kolumnen, Hintergründe sind besser voneinander getrennt und leichter zu finden. Die BBC hat in ihrem Sport-Blog die Leser über das neue Layout informiert [1, 2, 3], zudem gibt es dort eine Diskussion mit den Verantwortlichen der BBC über Verbesserungsvorschläge.
***
Gestern wurde in New York eine Studie des Marktforschungsunternehmens ABI-Research vorgestellt, die Video-on-Demand Plattformen wie Maxdome, aber auch vod.premiere Wachstum in den nächsten Jahren bescheinigt. Die Preise sollen sinken, dafür soll mehr durch Werbung finanziert werden. Ganz interessant ist vor allem ein Punkt, den ich aber in einem Artikel auf Sat+Kabel wiederfand. Demnach sind die Video-on-Demand Angebote von Sky in den Bereichen Sport und Film für Abonnenten kostenlos, während PREMIERE-Abonnenten für eine Übertragung online nochmal seperat bezahlen müssen. Eat this, Herr Börnicke.
***
Ganz ganz schwache Quoten für Champions TV gestern Abend bei der Partie Istanbul gegen Chelsea. Sat.1 hat wohl auf den Ballack-Effekt gehofft. aber mal ganz ehrlich. Wer, der Michael Ballack regelmäßig sehen will, hat kein PREMIERE-Abo? Fußball im Free-TV, zumindest was Partien ohne deutsche Beteiligung angeht, kann man auch streichen. Der Interessenkreis ist dafür einfach zu klein bzw. schaut ehe schon bei PREMIERE. Könnte interessant werden, ob Sat.1 oder auch RTL überhaupt nochmal um solche teuren Rechte mitbieten oder die PREMIERE gleich mit den Pay-TV Rechten zusammengeschenkt werden.
***
Schöner Artikel im Tagesspiegel über die Blogger-Konferenz “re:publica”.
***
Wahrscheinlich haben die meisten die gestrige Hart aber Fair”-Sendung verpasst. Ich würde mir die nochmal angucken, als ich diesen Artikel bei der FAZ gelesen habe.