Nicht nur nach den Erfolgen im Europapokal ist es ein reizvolles Duell heute im Weserstadion. Die Hanesaten müssen sich ja fast schon nach unten in der Tabelle orientieren, die Saison kann mehr oder weniger abgehakt werden. Was der SV Werder Bremen aber noch machen kann, ist die “Konkurrenz” zu ärgern, durch gute Leistungen den Kampf um die Meisterschaft beeinflussen. Dazu wäre heute die erste mehr als nur reizvolle Gelegenheit. Der Nord-Süd Gipfel Werder gegen Bayern ab 16:30 Uhr hier im Live-Blogging.
Schlagwort-Archive: Bundesliga 2008/2009
Leon Andreaaaaaaaasen
Leon Andreasen wechselt bekanntlich vom FC Fulham aus der Premier League zu Hannover 96. Das war natürlich auch gestern Thema im Stadion. Doch es wurde nicht über seine Stärken und Schwächen diskutiert, oder ob er überhaupt ins Spielsystem von Hannover 96 passt (was ich zum Beispiel eher skeptisch sehe, aber das ist ein anderes Thema), sondern die Gespräche drehten sich alle um die Aussprache seines Nachnamens. Die Leute hinter uns haben sich sofort auf “Andröösen” festgelegt. Begründung war, dass das Rolf Töpperwien irgendwann mal im ZDF so gesagt haben soll. Ich konnte mich da zwar leise dran erinnern, habe aber keinen Nachweis mehr dafür, dass er das wirklich so sagte. Zumal sich das Bilden einer Meinung basierend auf einer Aussage von Rolf Töpperwien ich sowieso für sehr zweifelhaft halte.
Als Leon Andreasen noch bei Werder Bremen spielte, war eigentlich für jeden Fan im Stadion die Sache mit dem Namen klar. Andreasen, und das “a” darf gerne etwas länger gesprochen werden. So hat es Arnd Zeigler als Stadionsprecher immer getan, und niemand hat sich beschwert von den Fans, dem Verein oder der Spieler selbst. Von daher dieser Hinweis für alle 96-Fans und unseren Stadionsprecher. Sollte er auch einmal ein Tor schießen, kann man das “a” auch gerne noch etwas länger ziehen.
Kleiner Schreck am Donnerstagabend

Zum Glück hat die Financial Times Deutschland sich da geirrt. Und ich dachte schon, ich hätte was verpasst.
Zitat des Tages: Sonntag, 14. Dezember 2008 – Uli Hoeneß macht sich lächerlich
“Ich habe nicht mitgekriegt, dass Hoffenheim oder Schalke unter der Woche unterwegs waren. Aber der FC Bayern war in Lyon und muss schon am Samstag in Stuttgart spielen. Das ist ein absoluter Witz. Darüber muss gesprochen werden. Das sind unnötige Dinge, die mich immer wieder aufregen. Und das sage ich nicht, weil wir nur 2:2 gespielt haben. Das hätte ich auch gesagt, wenn wir 4:1 gewonnen hätten.“
Uli Hoeneß nach dem 2:2 seiner Bayern beim VfB Stuttgart.
Ach, Herr Hoeneß, schon mal darüber nachgedacht, dass Stuttgart am Donnerstag noch UEFA-Cup spielt gegen Standard Lüttich? Wo ist das Problem Mittwoch und dann Samstag zu spielen? Sind die Bayern nicht eine internationale Spitzenmannschaft, die den Kader und die Qualität der Spieler hat das auf sich zu nehmen? Möchte man sich nicht mit den besten Teams Europa messen? Dann schauen Sie mal nach England oder Spanien. Da ist das fast Woche für Woche eine Regelmäßigkeit.
Und insgeheim geben Sie damit zu, dass ihr Team körperlich nicht fit genug war. Ich habe zwar nicht alles gesehen vom Spiel, hatte aber nie den Eindruck, dass Ihre Mannschaft körperlich nachgelassen hat.
Diese Aussagen passen in das ganze Bild, das Sie gestern nach dem Spiel abgegeben haben. Sich über die Rote Karte von Oddo und das vermeintliche Foul von Lehmann aufregen, aber über das Abseits von Klose vor dem 1:1 verlieren Sie kein Wort.
Eigentlich haben Sie solche Aussagen nicht nötig. Und ich denke, man muss sehen, dass Sie diese Aussagen ernst meinen. Und dann tut es Leid für mich. Lächerlicher kann man sich nicht machen. Eines Managers des FC Bayern nicht würdig !
They are too sexy for their shirts
Ich habe am Samstag bedingt durch private Feierlichkeiten keine Bundesliga schauen können, habe dann aber, auch um Wolff Fuss mal bei einem Werder-Spiel zu hören, mir am späten Samstagabend meine Aufzeichnung nochmal angeschaut. Werder Bremen also zu Gast beim Karlsruher SC. Und ich war schockiert. Mit Ausnahme der ersten 10 Minuten hat Werder eine der schlechtesten Leistungen hingelegt, die ich jemals von diesem Team gesehen habe. Und spätestens sollten die Alarmglocken schrillen an der Weser.
Es sind ja jetzt mittlerweile nicht mehr nur die spielerischen Defizite, die ins Auge fallen. Die Außenverteidiger lassen offensiv weiter jegliche Aktivität vermissen und haben defensiv in persona Tosic ein Zweikampfverhalten, für das mir schlicht die Worte fehlen. Im Mittelfeld fehlen die Ideen, der Einsatz, Frings und Diego sind ein Schatten vergangener Tage. Und im Sturm kann man zurzeit aufstellen, wen man will. Sicher kann man nicht sein, wer zurzeit die Form für Tore schießen hat. Mit Ausnahme von Tim Wiese, und in Ansätzen Mertesacker und Naldo spielt die gesamte Mannschaft unter ihren Möglichkeiten. Natürlich kann es mal spielerisch nicht laufen, aber dann erwarte ich zumindest Einsatz, Laufbereitschaft und Leidenschaft um diese Defizite anders auszugleichen. Doch davon ist bei Werder keine Spur. Man kann, vielleicht will man das auch nicht. Und das ist besorgniserregend. Weil es eben auch kein Einzelfall mehr ist, sondern eine Entwicklung über die ganze Saison. Eine Entwicklung, die gefährlich und bekannt ist und die Schaaf und Allofs scheinbar nicht lösen können.
Schauen wir doch mal auf die nackten Zahlen, die durchaus belegen können, dass es bei Werder Bremen neben den spielerischen Mängeln vor allem eine Frage der Einstellung ist. Ein 5:4 gegen Hoffenheim und ein gutes 1:1 in der Champions League bei Inter Mailand lässt Werder eine 1:4-Klatsche in Stuttgart folgen. Ein hart erkämpftes 3:3 gegen Dortmund folgt ein sehr schmeichelhaftes 2:2 in Athen. Die Fans im Weserstsdion sehen nach einem fantastischen 5:1 im Heimspiel gegen Hertha drei Tage später eine der schlechtesten Saisonleistungen beim 0:3 gegen Panathinaikos. Ein Heimsieg gegen Köln und ein gutes Auswärtsspiel beim Hamburger SV ist für Klaus Allofs Grund genug das Team mal wieder umschwänglich zu loben. Es folgt ein 2:2 in der Champions League bei Famagusta, ein Spiel, in welchem man viel zu harmlos und selbstsicher agiert. Das Siegtor wird schon fallen. Im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt setzt es ein 5:0, alle scheinen wieder zufrieden und von sich überzeugt. Prompt setzt es nach völlig indiskutabler Einstellung ein 0:1 beim Karlsruher SC.
Und jedes Mal hört man nach den Niederlagen von Klaus Allofs und Thomas Schaaf die selbe Platte. Ja, man hätte sich von den guten Leistungen der vorherigen Spiele wieder blenden lassen, man habe nicht die nötige Einstellung, die notwendig ist um solche Spiele zu gewinnen, an den Tag gelegt. Ich bin es mittlerweile leid mir ständig die gleichen Aussagen von Schaaf und Allofs anzuhören. Von Spielern, wie Diego, Pizarro und gerade Frings, die ein paar Millionen Euro im Jahr verdienen und mit einer großen Klappe durch die Presselandschaft reisen, wenn sie nicht (vollkommen zurecht) für die Nationalmannschaft nominiert werden, erwarte ich einfach mehr. Und vor allem erwarte ich, dass sie solche immer wiederkehrenden Fehler abstellen. Aber die gesamte Mannschaft (Mertesacker, Naldo und Wiese nehme ich mal ein bisschen aus der Kritik raus) lässt sich scheinbar von Frings und Diego anstecken. Wenn die keine Lust haben, dann machen die anderen halt auch nicht mit. I’m too sexy for my shirt, bloß nicht mal Leidenschaft, Einsatz und Aufopferung zeigen. Man kann nicht nur immer schön und sexy spielen. Aber scheinbar ist das bei vielen im Werder-Team noch nicht angekommen.
Also spielerische Defizite sind das eine, hinzu kommt dann noch erschwerend eine Grundhaltung zu diversen Spielen, die in der Bundesliga nicht akzeptabel ist. Man kann einmal einen ganz schlechten Tag haben, wo es einfach nicht laufen will, das gestehe ich jedem Profi auch mehrmals in einer Saison zu. Doch was Werder an Einstellung diese Saison in diversen Spielen gezeigt hat, ist schlicht und ergreifend eine Frechheit. Und was nützt es dann, wenn Werder-Trainer Thomas Schaaf nach dem Spiel ins PREMIERE-Interview den Kommentar gibt, dass er es mittlerweile leid sei ständig die gleichen Fehler anzusprechen? Man übe wöchentlich die Fehler und Defizite abzustellen. Er könne es sich auch nicht erklären, warum seine Spieler es nicht auf dem Platz umsetzen können. Kann man Einstellung für ein Spiel eigentlich trainieren? Ist das nicht selbstverständlich, dass ich nach einem verlorenen Zweikampf versuche den Ball zurückzuerobern? Wie gesagt, spielerisch klappt es selten, hinzu kommen hinreichende Defizite in der Einstlellung zum Spiel. Klar sind da die Spieler auf dem Platz hauptverantwortlich für, aber eben auch Trainer Thomas Schaaf und Manager Klaus Allofs.
Ich will überhaupt keine Rücktritts-Diskussion antreten, weil es dafür schlicht und ergreifend zu früh ist, nur wird es endlich mal an der Zeit, dass Trainer und Manager offen ihre Fehler zugeben und auch mal intern zu Konsequenzen greifen. Denn eins ist doch klar: So wie jetzt kann es schlicht nicht weitergehen. Klaus Allofs muss sich ankreiden lassen, dass er dachte, mit der Mannschaft aus der Vorsaison würde es erfolgsmäßig so weitergehen. Zumindest im Sturm gab es ja auch überhaupt keinen Grund zum Handeln. Dass Rosenberg, Sanogo und Almeida eine solche Formschwäche haben, war nicht abzusehen. Aber die defensiven Leistungen in der Abwehr haben schon letzte Saison eigentlich zum Handeln gezwungen, doch Allofs tat dies nicht. Und jetzt ist es eher schlimmer geworden. Dass Dusko Tosic mittlerweile Stammspieler auf der linken Seite ist, sagt eigentlich alles. Trotzdem verneint Allofs bis jetzt noch sich konkret um neue Spieler zu kümmern. Vielleicht wäre es jetzt endlich mal an der Zeit zu sagen: “Ja, wir suchen dringend ein, zwei gute Außenverteidiger”, damit Fritz, Pasanen und Tosic mal so etwas wie Konkurrenz bekommen. Denn momentan spielen alle so, als wären sie sich ihrer Sache sicher auch die Rückrunde spielen zu dürfen. Aber eben das dürfen sie gerade nicht. So wie alle drei momentan das Spiel annehmen, zeigt, dass sie – sollte es zu entsprechenden Verpflichtungen in der Winterpause kommen – bei Werder erstmal keine Chance haben dürfen. Wie gesagt, dass man im Mittelfeld und Sturm im Sommer nicht unbedingt Handlungsbedarf sah beziehungsweise mit Özil und Pizarro sich eigentlich ja auch gut verstärkt hat, will ich Klaus Allofs nicht ankreiden. Aber dass man defensiv auf bessere Zeiten gehofft hat (und man ausschließlich gehofft), dürfte bisher Klaus Allofs’ größter Fehler bei Werder Bremen gewesen sein.
Jürgen L. Born, der Werder-Chef, ließ am Sonntagmorgen durchblicken, dass nach der Leistung in Karlsruhe nun natürlich auch Thomas Schaaf nicht mehr unumstritten ist. Und genau so denke ich im Moment auch, denn Schaaf muss sich auch mal hinterfragen, warum er es nicht schafft sein Team 100% auf ein solches Spiel bei einem Tabellenletzten einzustellen. Es kann schlicht nicht sein, dass der KSC in allen Belangen, wie Einsatz, Laufbereitschaft und Siegeswille, den Hanseaten überlegen war. Und das zu verhindern ist primär die Aufgabe von Thomas Schaaf. Primär eben, sekundär dann vor allem durch die Spieler, die auf dem Platz stehen. Und da haben wir ja schon weiter oben diskutiert. Scheinbar sind Diego, Frings, Baumann und Pasanen überfordert die Ideen und Anweisungen des Trainers umzusetzen. Was mich ärgert, ist, dass solch schlechte Leistungen schlicht einfach so hingenommen werden. Wieso greift Thomas Schaaf nicht mal durch? Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Frings mal zwei Spiele auf die Tribüne muss und sich das von oben mal anschauen darf. Gleiches gilt für Diego und Pizarro, wobei die das ja jetzt schon von sich aus erledigt haben.
Bei Werder läuft zurzeit eigentlich alles falsch. Die falsche Transferpolitik im Sommer macht sich jetzt bemerkbar (ist jede Position eigentlich doppelt und in gleich guter Qualität besetzt?). Werder spielt CL, Bundesliga und DFB-Pokal. Dafür ist der Kader schlicht nicht gut genug, Herr Allofs. Und zu allem Überfluss an momentanen spielerischen Defiziten kommt ein Verhalten der Spieler dazu, dass meilenweit von einem funktionierenden Teamgefüge entfernt ist und jeglichen Vorbildcharakter vermissen lässt. Zum Glück ist bald Weihnachten. Dann können sich alle mal besinnen und hinterfragen. Denn sollte es so weitergehen, bin ich der erste, der Werder meine Unterstützung entzieht.
Bundesliga 2008/2009 14. Spieltag, Hamburger SV – Werder Bremen
Es ist ein richtungsweisendes Nord-Derby heute. Für beide steht viel auf dem Spiel. Hamburg kann endgültig den Anschluss nach oben verlieren, sollte Werder verlieren, kann man die Vorrunde schon mal ad acta legen und an einem Geheimplan für die Rückrunde arbeiten, wie es dennnoch für die Qualifikation zu einem internationalen Wettbewerb klappt. Neben der sportlichen Brisanz kommt dann noch zusätzlich die emotionale Stimmung eines Derbys dazu. Es sollte alles angerichtet sein. Marcel Reif kommentiert, sehr zu Freude von Werder Bremen und vor allem Willi Lemke. Ich blogge das Spiel ab 16h30 mit.
Die Luft wird wieder dünner an der Weser
Das einzige Sonntagsspiel am 13. Spieltag der Bundesliga 2008/2009 sah die Partie zwischen Werder Bremen und dem 1. FC Köln. Tabellentechnisch für beide kein unwichtiges Spiel. Bremen musste nach dem schwachen Saisonstart unbedingt nachlegen, für Köln waren es Bonuspunkte zur Verbesserung des guten Saisonstarts.
Zum ersten Mal seit Jahren hatte Thomas Schaaf eine komplette Mannschaft eine Woche lang im Training bei sich, davon versprach man sich eine signifikante Leistungssteigerung. Dass das dann nicht 100% geschah, lassen wir jetzt mal außen vor. Medientechnisch war es wieder eine ruhige Woche in Bremen. Klaus Allofs gab ein Interview im Weser-Kurier, in welchem er darauf aufmerksam machte, dass es Werder sich nicht leisten könne, länger als ein Jahr nicht in der Champions League zu spielen. Ansonsten war die angebliche Affäre von Diego und Sarah Conner schon das Topthema. Nirgendwo sonst kann man als Bundesligatrainer so ruhig arbeiten wie an der Weser.
Im aktuellen Stadionheft sprach der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung, Jürgen L. Born, von einer Luft, die “dünner in Bremen geworden ist, aber es ist noch lange keine dicke Luft.” Am Sonntag sollte die Luft also weniger dick werden, das waren die Hoffnungen, die die Werder-Fans im ausverkauften Weserstadion hatten. In der PREMIERE-Vorberichterstattung äußerte Klaus Allofs, dass es eine schwierige Situation für Werder sei, aber bei weitem noch keine Krise. Das klingt so schon seit Wochen. Allofs hält es weiter für möglich, dass man die Quali zur Champions League erreichte. Und sagen wir es mal so: Er hat Neuverpflichtungen im Winter nicht ausgeschlossen. Und auch von einem Marcel Reif, der vom “blinden Verständnis” zwischen Trainer und Manager sprach, und meinte, dass Werder nicht “schmutzig gewinnen” kann, brachte sich Allofs nicht aus dem Konzept.
Hinein also in die Partie: Werder gewann die letzten vier Spiele gegen Köln und begann mit Prödl auf rechts, links spielte Pasanen für Boenisch, Hunt ersetzte den rotgesperrten Özil. Bei den Kölnern bekam Kevin McKenna mal wieder eine Chance von Beginn an. Fünf Minuten dauerte es, da stolperte Mertesacker das erste Mal, Naldo fabrizierte im Stafraum eine Kerze in den Bremer Abendhimmel. Es war nicht das letzte Mal, dass die Fans im Stadion die Nervosität der Bremer Mannschaft zu spüren bekamen. Gleich fünf Minuten später stockte wieder der Atmen, als Werders Abseitsfalle gerade haarscharf zuschnappte. Ein Spiel auf der Rasierklinge, in den ersten 10 Minuten in einem Heimspiel gegen Köln. Werder hatte und zeigte Nerven. Der Rest der ersten Halbzeit ist schnell erzählt. Werder kam zweimal gefährlich vor das Kölner Tor und traf zweimal das Tor. Zunächst in der 15. Minute, als Diego nach einem Foul von Baumann an Wome sicher verwandelte. Und dann in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Ecke Frings, Kopfball Naldo. 2:0. Alles in Butter an der Weser, könnte man meinen. Ganz so war es aber doch nicht. Zwischen den 30 Minuten der beiden Tore lag eine Viertelstunde, in der nicht wirklich viel passierte, ab der 30. Minute übernahm Köln die Verantwortung, Werder schwamm in der eigenen Defensivunsicherheit und die Rheinländer waren das eine oder andere Mal dran am Ausgleich. Wäre man zielstrebiger gewesen und hätte man sich mehr zugetraut, wäre ein Ausgleich möglich gewesen.
Zu Beginn der zweiten Hälfte kam Tusic für den wieder mal enttäuschenden Prödl, Pasanen ging auf die rechte Abwehrseite, was die Leistung des Finnen aber nicht besser machte. Im Prinzip setzte die zweite Hälfte da an, wo die ersten 45 Minuten aufgehört haben. Köln übernahm wieder das Geschehen und kam in der 48. Minute zum Anschlusstreffer durch Novakovic, als Pasanen und Mertesacker sich anstellten wie Schuljungen und der Kölner noch Zeit hatte sich den Ball zurechtzulegen und Tim Wiese auszugucken. Der Anschluss war verdient, und um Werder musste man sich wieder ernsthaft Sorgen machen, zumal Köln danach weiter offensiv nach vorne spielte und die Bremer meterweit vom Gegenspieler entfernt standen. Aber Werder hatte an diesem Tag glücklicherweise die Tore zur rechten Zeit auf seiner Seite. Einen Abpraller nahm Almeida in der 55. Minute per Drop Kick auf und feuerte ihn ins Kölner Tor. Man musste sich wunden, dass das Tornetz danach noch vollständig intakt war. Danach wirkte Werder wieder souveräner, es ist ein psychologisches Spiel, eine kleine Achterbahnfahrt für Spieler, Trainer und Fans. Verunsicherter kann eine Mannschaft kaum sein. Erst wenn sie wieder sieht, dass sie durch ihre eigenen Stärken offensiv Tore erzielen kann, beruhigt sich das Mannschaftsgefüge, aber nur bis in der Defensive wieder die ersten Fehler beginnen. Ganz plötzlich kippt dann das Bremer System wie ein kleines Kartenhaus zusammen. Nach dem 3:1 passierte das nicht. Werder hatte das Spiel im Griff, kontrollierte den Gegner mit sicheren Pässen und viel Ballbesitz, Köln konnte offensiv kaum noch Akzente setzen.
Noch waren aber 25 Minuten Zeit und die Kölner sollten gesehen haben, dass Führungen mit zwei Toren Vorsprung bei Werder keine Sicherheit auf den Sieg bedeuten.Aber das Spiel plätscherte dann dem Ende entgegen ohne wirklich nenneswerte Ereignisse hervorzuproduzieren. Vranjes kam für Hunt um defensiv etwas mehr Stabilität zu bringen, Almeida bekam Standing Ovations, als er 10 Minuten vor Schluss durch Rosenberg ersetzt wurde. Der Portugiese war bester Mann auf dem Platz. Das macht es für Thomas Schaaf nicht gerade einfacher bei der Aufstellung. Momentan scheint Almeida die Nase vorn zu haben vor Rosenberg. Der Schwede wollte auch gleich wieder darauf aufmerksam machen, dass ihm der Stammplatz gebühre, als er eine Flanke von Tosic per Kopf auf das Tor brachte, Mondragon reagierte aber hervorragend. Am Ende blieb es beim 3:1.
Heimsieg also gegen Köln. Am zufriedensten kam man auch über die drei Punkte sein, die Werder in der Tabelle wieder nach oben bringen, fünf Punkte hinter den CL-Quali Platz. Oder um es in den Worten von Jürgen L. Born auszudrücken: Die Luft wird wieder etwas dünner. Aber die kann an der Weser auch ganz schnell wieder dick werden. Dafür sind Werders Leistungen weiterhin zu unkonstant, agiert vor allem die Defensive – heute man Per Mertesacker – mit viel zu großer Nervosität. Und wäre heute nicht Köln der Gegner gewesen, wäre das vielleicht auch konsequenter bestraft worden. So, sind es drei Punkte. Mehr aber auch nicht. Die geht es jetzt in genau einer Woche beim Hamburger SV zu bestätigen. Und erst dann sieht man wohl, wie gefestigt oder nicht die Mannschaft im Rahmen des bisherigen Saisonverlaufs und der Formschwäche mancher Spieler agieren kann. Vor allem defensiv fehlt eine gehörige Portion bis zur Bestform, im Angriff hat man immerhin die Chancen konsequent genutzt. Auch das soll ja ein Qualitätsbeweis sein. Dazu kommt dann auch die verbesserte Einstellung, es war mehr Kampf und Leidenschaft als zuletzt zu sehen. Alles kleine Hoffnungsschimmer in einem immer noch recht fragilen Gebilde. Nächste Station zur Verbesserung: Hamburg, das Tor zur Welt. Vielleicht wird es ja für Werder das Tor zu einem Schlussspurt in der Hinrunde.
Kicken am Sonntagnachmittag mit HSV, Hertha, Hoffenheim, West Ham und dem FC Arsenal
[18h56] Endstand West Ham United – FC Arsenal 0:2 Prüfung bestanden für die Gunners mit viel Kampf und Leidenschaft. Tolles Spiel in der zweiten Hälfte. Adebayor löste dann den Knoten und bleibt weiter oben in der Tabelle dran.
[18h54] Platzverweis Carton Cole/West Ham United für grobes Foulspiel. Absolut berechtigt. Gianfranco Zola stocksauer an der Linie auf seinen Spieler.
[18h52] West Ham United – FC Arsenal 0:2, Emmanuel Adebayor, 90.+1 Blitzsauberer Konter der Gunners. Langer Ball von Bendtner (!) aus der eigenen Hälfte auf den Togolesen, der auf und davon, umkurvt noch den herauseilenden Green und braucht dann nur noch einschieben. Messe gelesen.
[18h51] Drei Minuten Nachspielzeit in London
[18h49] Endstände in der Bundesliga
- Hoffenheim – Hamburg 3:0
- Stuttgart – Bochum 2:0
- Dortmund – Berlin 1:1
[18h41] Adebayor bringt den change ins Spiel der Gunners. Toller Schuss aus 16 Metern, aber wieder Robert Green blitzschnell unten, den Nachschuss setzt Adebayor über das Tor, tolles Spiel jetzt.
[18h39] VfB Stuttgart – VfL Bochum 2:0, Mario Gomez, 83. Minute Herrlicher Kopfball, Partie ist entschieden.
[18h36] West Ham United – FC Arsenal 0:1, Eigentor Faubert, 76. Minute Wenn schon die Gunners nicht treffen, dann machen es eben die Hammers. Initiator war Adebayor, der sich durch den Strafraum tankt, in die Mitte gibt, wo Bendtner einschussbereit steht. Aber Faubert kommt ihm zuvor und grätscht den Ball ins eigene Tor. Führung absolut verdient, West Ham vor der dritten Saisonniederlage in Folge.
VfB Stuttgart – VfL Bochum 1:0, Mario Gomez, 80. Minute
[18h31] Borussia Dortmund – Hertha BSC 1:1, Sebastian Kehl, 72. Minute
[18h31] Robert Green – ein Mann für die englische Nationalmannschaft. Überragende Leistung, blitzschnell unten bei einem Schuss von van Persie. Der Nachschuss kann durch Forbert ebenfalls geklärt werden.
[18h29] Und mit seinem ersten Ballkontakt, einem Kopfball, sorgt Adebayor schon für erhöhte Torgefahr.
[18h28] Es ist ein Spiel auf ein Tor im Osten Londons, Arsenal drückt auf die Führung. Nasri geht, Diaby kommt, zudem jetzt Sturmpower mit Adebayor für Theo Walcott.
[18h23] Dritte gute Chance für Hamburg im zweiten Durchgang, Bastian Reinhardt scheitert an Haas, Anschlusstreffer liegt in der Luft. Und die Gunners wären froh, wenn sie überhaupt mal treffen würden.
[18h18] Hamburg darf jetzt das Spiel am Neckar machen, Hoffenheim konzentriert sich ganz aufs Kontern. Luft ist aus dem Spiel ein bisschen draußen.
[18h13] Hoffenheim immer noch 3:0, wie enttäuschend.
[18h09] Ganz schmaler Grat für den FC Arsenal im Geduldsspiel gegen West Ham. Die Gastgeber stehen sehr tief, haben aber schon mehrmals gezeigt, dass sie gefährliche Konter fahren. Arsenal muss auf die Führung gehen, gleichzeitig aber verhindern in einen Konter zu laufen. West Ham macht das sehr geschickt.
[18h02] Weiter geht es in Deutschland und England
[17h58] Die erfreulichste Nachricht des Tages: Kickers Emden gewinnt gegen Sandhausen mit 3:0, punktgleich mit Union Berlin an der Spitze der 3. Liga
[17h53] Endstände in der Premier League
- Wigan Athletic – Aston Villa 0:4
- Tottenham Hotspur – Bolton Wanderers 2:0
- Manchester City – Stoke City 3:0
[17h49] Halbzeit Dortmund – Berlin 0:1 und VfB Stuttgart – VfL Bochum 0:0 Der BVB nochmal mit einer guten Chance zum Ausgleich, die alte Dame klärt auf der Linie.
Halbzeit West Ham United – FC Arsenal 0:0
Wigan Athletic – Aston Villa 0:4, Steve Sidwell, 90. Minute
[17h46] Halbzeit TSG Hoffenheim – Hamburger SV 3:0 Ohne Worte, bin fassungslos
[17h42] In Tottenham wird man erstmal kräftig durchatmen, währenddessen Lokalrivale Arsenal sich durch die Partie im Upton Park schleppt. Mittlerweile hat man die Kontrolle über das Spiel, mehr Ballbesitz, aber man trifft das Tor wie so häufig nicht, liegt aber auch am gut aufgelegten Robert Green.
[17h40] Salihovic trifft den Pfosten fünf Minuten vor der Pause, fast das 4:0
[17h39] Ich wollte gerade schreiben, dass Hoffenheim ein bisschen auf die Bremse getreten hat in den letzten 10 Minuten, kaum vor dem Hamburger Tor auftauchte, und dann sind die plötzlich mit einem Pass wieder vor dem Tor. Hoffenheim nimmt den HSV in alle Bestandteile auseinander. Die spielen, als hätten die eine Siegprämie bekommen, die man wohl nicht ablehnen konnte.
[17h36] TSG Hoffenheim – Hamburger SV 3:0, Obasi, 36. Minute Unfassbar. Ein Pass aus dem Mittelfeld gegen die aufgerückte Hamburger Abwehr. Obasi umkurvt Rost und schiebt zum 3:0 ein
[17h33] Manchester City – Stoke City 3:0, Robinho, 72. Minute Sein dritter Treffer am heutigen Tage.
Tottenham Hotspur – Bolton Wanderers 2:0, Darran Bent, 76. Minute
[17h31] Borussia Dortmund – Hertha BSC Berlin 0:1, Cicero, 31. Minute per Elfmeter Weidenfeller verschuldet einen berechtigten Foulelfmeter, Cicero verwandelt leicht und locker.
[17h28] Toller Angriff der Gunners, Zuckerpass von Fabregas auf van Persie, der für Walcott durchlegt, noch einen Gegenspieler auslässt und dann mit links ins lange Eck schießen will. Aber Robert Green mit tollem Reflex, kann zur Ecke klären. Beste Chance für die Gäste so far.
[17h25] Arsene Wenger steht mit seiner Gunners-Jacke fluchend am Spielfeldrand, fordert von seinem Team mehr Engagement im Spiel nach vorne. West Ham steht defensiv bisher sehr souverän.
[17h22] Wigan Athletic – Aston Villa 0:3, John Carew, 63. Minute
[17h21] In Dortmund sind die Gäste besser ins Spiel gekommen, hatten zwei gute Chancen auf die Führung, in West Ham sind die Gastgeber das bestimmende Team, fast 60% Ballbesitz für die Hammers, Arsenal wirkt etwas lethargisch. Frei kommt in Dortmund für den verletzten Kuba.
[17h18] Frank Rost kurz vorm Explodieren, könnte 5:0 für die TSG stehen.
[17h15] TSG Hoffenheim – Hamburger SV 2:0, Vedad Ibisevic, 13. Minute Jarolim mit Ballverlust an der Mittellinie und dann wird der HSV mit drei Pässen überrollt und auseinandergenommen. Eine Minute später fast das 3:0. Unglaubliche Leistung der Badener.
Wigan Athletic – Aston Villa 0:2, Gabriel Agbonlahor, 57. Minute
[17h13] Im Upton Park gehören West Ham United die ersten 10 Minuten, Almunia bewahrt die Gunners vor dem frühen Rückstand.
[17h08] TSG Hoffenheim – Hamburger SV 1:0, Obasi, 7. Minute Eduardo mit Zuspiel auf Obasi, der mit dem Rücken zum Tor steht, Benjamin wird umkurvt und dann trocken abgeschlossen. Verdiente Führung für einen starken Auftakt.
Manchester City – Stoke City 2:0, Robinho, 47. Minute
[17h06] Gute Chance für die Westfalen. Drei Dortmunder nutzen die zahlenmäßige Überlegenheit gegen sechs Berliner, spielen sich mit Doppelpass durch die Abwehr, Tinga schießt final über das Tor. Stürmischer Beginn der Dortmunder.
[17h03] Zwei Minuten gespielt in Mannheim, Kai Dittmann ist schon ganz aus dem Häuschen, weil Hoffenheim schon zweimal gefährlich vor dem Tor von Rost auftauchte.
[17h00] In Stuttgart rollt der Ball zuerst, der Rest folgt dann gleich. Im East End von London ist noch Platzwahl.
[16h59] Die Aufstellungen im Upton Park
West Ham United: Green – Faubert, Collins, Upson, Ilunga – Mullins, Parker, Bowyer, Di Michele – Bellamy, Cole
FC Arsenal London: Almunia – Eboue, Gallas, Silvestre, Clichy – Walcott, Fabregas, Song Billong, Nasri – Bendtner, Van Persie
Die Gunners schonen Emmanuel Adebayor, Van Persie kehrt für Diaby wieder zurück ins Team.
[16h53] Die Aufstellungen im Carl-Benz-Stadion in Mannheim
Hoffenheim: Haas – Beck, Jaissle, Compper, Ibertsberger – Luiz Gustavo – Carlos Eduardo, Salihovic – Obasi, Ba, Ibisevic
Hamburger SV: Rost – Demel, Reinhardt, Alex Silva, Mathijsen – Benjamin – Jarolim, Trochowski, Pitroipa – Petric, Olic
Hoffenheim nur mit einer Änderung, bei den Hamburgern fehlen Atouba und Guerrero
[16h48] Halbzeit in der Premier League
- Manchester City – Stoke City 1:0
- Tottenham Hotspur – Bolton Wanderers 1:0
- Wigan Athletic – Aston Villa 0:1
[16h45] Herrliches Zitat von Martin Jol, angesprochen auf eine Zeitungsmeldung, die laut Jol nicht der Wahrheit entspricht, sagt der HSV-Coach, dass man in England Zeitungen für Fish und Chips verwende.
[16h43] Durchaus auch interessante Partie im Upton Park. Arsenal kann mit einem Sieg auf einen Punkt an Chelsea und Hull City ranrücken, West Ham mit einem Dreier Richtung Europa vordringen.
[16h40] Wer in Mannheim gewinnt, übernimmt wieder die Tabellenführung von Bayer Leverkusen. Mit einem Auswärtssieg kann Hertha BSC sogar Dritter werden, wenn gleichzeitig Hoffenheim verliert. Im dritten Sonntagsspiel möchte der VFB Stuttgart Anschluss an die Europapokalplätze finden.
[16h35] So weiter gehts. 90 perfekte Minuten für die Reds an der Bridge, jetzt ist Arsenal gefordert. Und dann dreimal “H” in der Bundesliga. Wird hoffentlich spannend.
Ratlos an der Weser: Werder nur graues Mittelmaß
“Die Mannschaft hat viel versucht”, sagte Trainer Thomas Schaaf nach dem 1:1 gegen Hannover 96 ins Mikrofon. Klingt so ein bisschen wie “waren stets bemüht”, alles andere als eine Beschreibung großer Qualität, sondern eher die Einsicht, dass man es wenigstens versucht habe, aber trotzdem bei weitem nicht zufrieden sein kann.
Nur zwei Punkte aus den letzten beiden Partien in der Bundesliga, Werder Bremen versinkt im grauen Mittelfeld der Tabelle. Von der Galaform der Vorsaison, insbesondere zur Mitte der Hinrunde, ist man weit entfernt. Die Abwehr offenbart pro Spiel mindestens drei haarsträubende Fehler, im Mittelfeld sind nahezu alle Akteure im kollektiven Formtief, und außer Pizarro leiden die Stürmer an chronischer Abschlussschwäche. Wie ein roter Faden zieht sich das Leistungstief durch die Bremer Mannschaft.
Nehmen wir mal die Torwartposition aus der Analyse heraus, denn sowohl Tim Wiese als auch sein Verteter Christian Vander haben bis dato gute Leistungen gezeigt. Fehler können immer passieren, aber Wiese hat auch schon Punkte durch hervorragende Leistungen gerettet. Hauptproblem bei Werder sind im Moment vor allem die Außenverteidigerpositionen, Fritz auf rechts, Boenisch/Pasanen auf links. Gerade vom deutschen Nationalspieler kommt über die rechte Seite nur noch selten ein offensiver Impuls, Fritz wirkt teilweise sogar lethargisch, seine Genauigkeit bei den Flanken, und seine Schnelligkeit in der Defensive scheinen wie weggepustet. Gleiches gilt auf links für Pasanen, zumindest offensiver zeigt Boenisch mehr Akzente, seine Flanken sind aber auch zu berechenbar. Frank Baumann ist in der Innenveteidigung nur eine Notlösung, aber auch Naldo und Mertesacker sind von ihrer Bestform meilenweit entfernt. Dass Per Mertesacker zurzeit drei Spiele fehlt, ist der beste Beweis dafür. In der Defensive zeigte Mertesacker nicht gekannte Schwächen, war häufig einen Tick zu spät dran, foult diese Saison viel häufiger als die letzten Spielzeiten. Im Mittelfeld ist der Leistungsunterschied zur vergangener Saison besonders groß. Frings und Diego können bei weitem nicht an die letzte Saison anknüpfen, wenngleich der Einsatz von Frings immer noch vorbildlich ist (nehmen wir mal das Spiel heute aus), aber gerade die kreative Ader der Mittelfeldraute scheint völlig getrocknet zu sein. Özil ist in seinen Leistungen noch zu inkonstant, Daniel Jensen ist immer wieder verletzt, verständlich, dass er deshalb nur schwerfällig in einen brauchbaren Spielrhythmus findet. Und Werders Mittelfeld ist dann am stärksten, wenn alle vier Akteure in guter Form sind. Momentan ist es keiner. Im Sturm werden einfach zu viele Chancen nicht genutzt, Almeida und Sanogo laufen ihrer Form hinterher. Markus Rosenberg ist neben Claudio Pizarro der einzige Lichtblick momentan. Der Schwede hat auch heute im Auswärtsspiel bei Hannover 96 gezeigt, dass er vor dem gegnerischen Tor brandgefährlich ist, aber auch er konnte die Chancen nicht vollenden.
Es sind also momentan keine Einzelausfälle, die ganze Mannschaft spielt ein bis zwei Klassen schlechter als letzte Saison. Dass man überhaupt noch Punkte aus Spielen wie gegen Dortmund oder Hoffenheim mitnimmt, ist deshalb umso erfreulicher. Aber eben auch gefährlich. 5:4 gegen Hoffenheim, gewonnen, schlecht gespielt, also nicht so dramatisch. 3:3 gegen Dortmund, immerhin unentschieden, mäßig gespielt, kann man mal drüber wegsehen. 1:1 in Hannover, ein Punkt in der Fremde, durchschnittliche Leistung, muss man wohl so akzeptieren. In dieser frühen Phase der Saison geht das vielleicht noch gut, aber lange darf man sich das nicht erlauben. Denn meiner Ansicht nach steht Werder für die Leistungen fast noch zu gut in der Tabelle da. Einige wenige Glanzlichter in den letzten Spielen überdecken viele Schwächen und Fehler. Was wäre denn, wenn man gegen Hoffenheim, Athen oder Dortmund verloren hätte? Viel hat dazu in allen drei Spielen nicht gefehlt. Dass es eben nicht passiert ist, mag auch ein Qualitätsmerkmal der Mannschaft sein, keine Frage. Aber Trainer und Vereinsumfeld müssten sich im klaren sein, dass solche Spiele bei keiner Leistungssteigerung auch mal verloren gehen können – und dann kann es in der Tabelle auch ganz schnell nach unten gehen. Vielleicht bräuchte die Mannschaft einmal eine richtige Klatsche, vielleicht wie die Bayern damals zuhause gegen Werder, um die Augen für die jetzige Situation zu öffnen. Denn wenn ich in den Interviews nach den Spielen Sätze höre, wie “Ja, wir müssen mit dem Spiel leben” oder “Wir nehmen den Punkt so mit” bekomme ich Schüttelfrost. Werder hat vor der Saison das Ziel Meisterschaft ausgegeben. Wenn man oben möglichst lange mitmischen möchte, waren das heute zwei verlorene Punkte in Hannover. Schade, dass das keiner mal so offen ausdrückt. Denn viele Punktverluste kann man sich nicht leisten.
Ich möchte jetzt Bremen keine Krise andichten, aber ich habe das Gefühl, dass auf und neben dem Platz die jetzige Situation noch nicht so angekommen ist, wie sie es eigentlich sollte. Seit Saisonbeginn kämpft Werder mit massiven Problemen in der Abwehr, bekommt viel zu viele Gegentore. Verbesserung seit Saisonbeginn: Null. Weiterhin bekommt man viel zu leichte Gegentore, die größtenteils vermeidbar sind und häufig aus eigenen Fehlern resultieren.
Rezepte gegen die jetzige Situation bei Werder? Ganz ehrlich, wenn ich sie hätte, würde ich wohl nicht hier am Samstagabend sitzen. Ich glaube aber, dass zwei Faktoren zur jetzigen eher negativen Phase in der Bundesliga beitragen, die man verändern kann und vielleicht auch muss. Punkt Eins: Die taktische Formation von Werder. Seit Jahren lässt Thomas Schaaf ein 4-4-2 mit der Raute im Mittelfeld spielen. Dieses System kann wunderbar aufgehen, wenn die Mannschaft und die zentralen Akteure in diesem System eine ansprechende Form haben. Nur macht dieses System wenig Sinn, wenn die Außenverteidiger kaum offensive Impulse bringen und Diego respektive Özil hinter den Spitzen sich über 90 Minuten kaum zeigen. Warum variiert man dieses System mal nicht ein bisschen? Warum steigt man nicht auf ein 3-4-3 oder alternativ ein 3-5-2 um? Im 3-5-2 würde man zudem die Defensive mit zwei Sechsern stärken, beim 3-4-3 könnte man Almeida als kopfballstarken Stürmer ins Zentrum stecken, flankiert von Pizarro und Rosenberg. Und wenn man schon gar nicht das 4-4-2 aufgeben möchte, kann man ja mal versuchen, die Raute im Mittelfeld auflösen und es – ähnlich wie die deutsche Nationalmannschft – mit zwei sechsern versuchen. Bedeutet dann aber eben auch, dass Fritz und Boenisch über die Außenbahnen mehr Betrieb machen können. Wie gesagt, das 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld funktioniert gut, wenn alle ihre optimale Leistung bringen. Ansonsten ist es für die Gegner aber leicht auszurechnen, mittlerweile kennen viele Teams die Schwachstellen von Werder in dieser taktischen Formation und können diese entsprechend ausnutzen.
Punkt Zwei, der sich verändern ließe: Die Spielphilosophie: Mir kommt es immer wieder langsam spanisch vor, wenn Schaaf und Allofs eine offensive Spielweise fordern, man aber eine Abwehr löchrig wie einen Schweizer Käse hat. Das passt einfach nicht zusammen. Vielleicht sind einfach mal weniger Spektakel und mehr defensive Sicherheit angebracht. Aber scheinbar hat sich diese Spielweise so in den Köpfen festgesetzt, dass 11 Mann sich offensiv orientieren und dann im Weserstadion von Hoffenheim und Dortmund per Konter überrollt werden. Ich kann doch nur so offensiv spielen, wie ich gleichzeitig mich auf meine Defensive verlassen kann. Was bringt es denn bitte, wenn ich mit 11 Mann nach vorne renne um dann das Gegentor per Konter zu kassieren? Auch wenn es viele Fans im Weserstadion nicht gerne hören: Defense first. Klar kann man auch hemmungslos nach vorne laufen und immer ein Tor mehr als ein Gegner schießen und dann 6:5 gewinnen, aber das geht nur, wenn die Mannschaft geschlossen ihre Leistung bringt, wenn alle Akteure an ihrem optimalen Limit spielen. Nur ist dies im Moment nicht der Fall. Fußball muss nicht immer schön und sexy sein, er muss manchmal einfach auch nur erfolgreich sein. Was nützt es denn bitte, wenn man stets den Zuschauern Spektakel bieten will, am Ende der Saison dann aber auf Platz Neun steht? An die, die gerne im Weserstadion die Mannschaft auspfeifen, ist das die besondere Erinnerung. Wollt ihr wirklich immer ein 4:4 und Hacke, Spitze tralala sehen und in der nächsten Saison unter der Woche Champions League ohne Werder beobachten? Das kann es doch auch nicht sein.
Wie gesagt, ein Patentrezept habe ich bei weitem nicht, aber ich glaube, dass oben angesprochene Punkte ein kleines Puzzleteil im derzeitigen Leistungstief der Hanseaten sind. Es sind viele kleine Mosaiksteinchen. Das ist eine mühsame Arbeit die wieder in die richtige Ordnung zu bringen. Im Moment habe ich das Gefühl, dass von den Spielern noch keiner wirklich bereit ist die in Ruhe zusammenzusetzen. Dass das Gebilde dann noch nicht vollständig geheilt ist, dürfte auch klar sein. Ich erwarte von der Mannschaft in den nächsten Spielen keine Wunderdinge. Aber ich wäre ja schon froh, wenn es bezüglich der Balance zwischen Defensive und Offensive kleine Fortschritte gibt. Vielleicht war das 1:1 heute in Hannover in dieser Hinsicht ja schon ein doch vielversprechender Anfang. Dienstag kommt der nächste Prüfstein mit Bayer Leverkusen. Ich wäre schon froh, wenn wir 1:0 gewinnen. Denn drei Punkte sind wertvoller als hemmungslos begeisterte Fans. Die wurden in letzter Zeit schon genug verwöhnt, jetzt ist es an der Zeit nur auf die nackten Zahlen zu schauen. Und die sind im Moment für die Ansprüche von Werder nicht gut genug.
Bundesliga 2008/2009 7. Spieltag, VfB Stuttgart – Werder Bremen
Beide haben unter der Woche Remis im Europapokal gespielt. Werder mit einem Achtungserfolg bei Inter Mailand, Stuttgart konnte gerade so ein Ausscheiden aus dem UEFA-Cup vermeiden. Kann Werder das Selbstbewusstsein aus der CL mit in die Bundesliga nehmen oder schafft Stuttgart den Weg zurück in die Erfolgsspur? Antworten ab 15h00 im Live-Blogging. Natürlich wird auch auf die anderen Partien und die Nachmittagsspiele in der Premier League geschaut.