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Vorschau DEL-Finale 2010: Hannover Scorpions vs Augsburg Panther

Montag, 19. April 2010 19:45

Ganz Eishockey-Deutschland, mit Ausnahme der Region Hannover, steht scheinbar geschlossen hinter den Augsburger Panthern, die morgen zum ersten Finalspiel in die Tui-Arena zu den Hannover Scorpions reisen. Es ist ja auch das Sportmärchen in diesem Frühjahr. Der AEV, häufig als “Armenhaus der DEL” beschrieben – wobei man da gar nicht weiß, ob der Terminus sowas wie Bedauern oder eher Bewunderung ausdrücken soll – träumt nach einem achten Tabellenplatz in der Hauptrunde 2009/2010 ( nach Siegen in den letzten sechs Vorrundenspielen) vom ganz großen Coup: dem ersten Meistertitel. Und der neutrale Fan kann gar nicht anders mehr als seine Sympathien dem AEV zuzuwerfen, jener Mannschaft, die als Underdog durch die Playoffs zog und mit Mannheim und Berlin die reichen Vereine aus dem Wettbewerb kegelte. Und schließlich mussten im Halbfinale auch die Grizzlys Adams Wolfsburg dran glauben, gerade mal mit etwas mehr Geld ausgestattet als die Augsburger, trotz potentiellem Großsponsor im Hintergrund. Augsburg lebt seinen Traum, die Stadt versinkt in einer Welle der Euphorie, und der AEV mausert sich zum Favoritenschreck. Doch nachdem man Mannheim, Berlin und Wolfsburg in den vorzeitigen Urlaub geschickt hat, muss man eigentlich bei weitem nicht mehr von einem Außenseiter sprechen, auch nicht vor dem Finale gegen die Hannover Scorpions. Ein Kapitel fehlt den Augsburg Panthern noch im Frühjahrsmärchen – jetzt aber in anderer Ausgangslage. Denn Außenseiter ist der AEV jetzt vielleicht noch auf dem Papier und wenn man sich den ein oder anderen spielerischen Aspekt näher begutachtet – letztendlich spürt der AEV jetzt auch den Druck und vielleicht die Last den finalen Schritt zu gehen, mit der großen deutschen Eishockey-Fangemeinde als stille Unterstützer. Die Augsburg Panther als Underdog – das lasse ich nicht mehr gelten.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Story der  Hannover Scorpions in dieser Saison genauso spektakulär verlaufen ist wie beim Gegner aus Bayern. Im November noch Tabellenletzter, der Trainer droht mit Rücktritt, steht man sechs Monate später jetzt zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte im DEL-Finale. Wie eine kleine Maschine an Effizienz und Effektivität zog man durch die Playoffs, vor allem die ersten beiden Spiele in der Halbfinalserie gegen Ingolstadt waren beeindruckendes Eishockey. Wenig Chancen, aber viele Tore und defensive Disziplin. Mittlerweile hat sich dann auch in der gesamten Stadt rumgesprochen, dass die Scorpions schon jetzt ihren größten Vereinserfolg geschafft haben. In der Abschiedssaison von Hans Zach soll jetzt das i-Tüpfelchen folgen. Scorpions-Verteidiger Thomas Dolak formuliert es so: “Wir wollen Hans Zach noch einmal einen ganz großen Abgang verschaffen.” Doch der Trainer aus Bad Tölz, seit vier Jahren an der Bande der Hannover Scorpions, will von all dem Trubel nichts wissen, zumindest gibt er sich so nach außen: “Krönung interessiert mich nicht.” Wobei selbst ein sonst so ruhiger Hans Zach einen Meisterschaftstitel zum Abschluss seiner Karriere sicherlich gerne mitnehmen würde. Die Euphorie in Hannover mag ein wenig kleiner sein als in Augsburg, aber trotzdem ist man sich auch an der Leine bewusst, was die Scorpions diese Saison erreicht haben und ja vielleicht noch erreichen. Und das wird von vielen endlich auch honoriert.

Schaut man sich beide Teams genauer an, dann fällt auf, dass beide Mannschaften in diesen Playoffs ihre Stärken vollends ausgespielt haben. Vor allem deswegen stehen sie im Finale. Blickt man auf die Hannover Scorpions, dann ist das an erster Stelle vor allem die Ausgeglichenheit im Team. Hans Zach lässt konsequent mit vier Reihen spielen, alle diese können Tore schießen. Erinnert sei an die Treffer von Blank und David Wolf in der Serie gegen Nürnberg. Zweites großen Plus der Hannoveraner: das Powerplay, zweitbestes in der Hauptrunde und in den Playoffs nochmal zu neuer Stärke erwachsen. Was daran liegt, dass auch die Reihe um Adam Mitchell, Matt Dzieduszycki und Chris Herperger – also die Formation, die das Überzahlspiel grundsätzlich hinter dem Tor spielen lässt – endlich wieder trifft. Das entlastet natürlich auch die Reihe um Dolak, Kathan und Vikingstad, die mit Sascha Goc den torgefährlichsten Verteidiger der DEL an ihrer Seite haben. Und auch Youngstar Ben Cottreau mit seinem gefährlichen Schlagschuss hat in den Playoffs das ein oder andere Mal getroffen. Wenn es nach der Hauptrunde so etwas wie ein Sorgenkind in Hannover gab, dann die Offensive. Das hat sich vorerst erledigt. Zudem hat Hannover eine Menge Erfahrung im Team, auf dem Eis wie neben dem Eis. Hans Zach weiß, wie man ein Team einstellen muss, dass um den Titel spielt. Drei Meisterschaften mit der Düsseldorfer EG sowie zwei weitere Finaleinzüge – einmal mit den Düsseldorfern und 2003 mit den Kölner Haien – sprechen für ganz viel Erfahrung, zudem hat Kapitän Tino Boos 2002 mit den Kölnern den Titel geholt. Vikingstad und Torhüter Travis Scott wissen ebenfalls, was es heißt eine Finalserie zu gewinnen. Größtes Manko der Hannover Scorpions sind die vielen Nachlässigkeiten und Formschwankungen während der Spiele, in der Serie gegen Nürnberg noch sichtbarer als bei den drei Partien gegen den ERC Ingolstadt. Die Scorpions schaffen es selten konstant über 60 Minuten konzentriert und engagiert zu spielen. Große Vorsprünge wurden häufig beinahe verspielt, dafür ist die Moral bei Rückständen umso größer. Herzstück eines jeden Zach-Teams ist die Defensive. Doch auch die ist zu knacken. Hannover hat Probleme, wenn man zu weit aufgerückt ist und dem Gegner die neutrale Zone als Start zum Kontern überlässt. Insbesondere in der Nürnberg-Serie ist aufgefallen, dass die Scorpions Schwierigkeiten haben, wenn die Gegner schnell hinter dem Tor spielen und dann den präzisen Pass in den Slot vor das Tor von Scott spielt. Das könnte eine Möglichkeit sein die Scorpions zu knacken. In den Playoffs haben es die Scorpions bisher nahezu gut verstanden, von der Strafbank fernzubleiben. Disziplin und die Geduld stimmen, war aber diese Saison auch schon mal anders.

Der große Rückhalt der Augsburg Panther steht im Tor. Nationaltorhüter Dennis Endras spielt überragende Playoffs und seine Fangquote von über 94 Prozent ist nur ein Merkmal dieser Stärke. Endras hält das Team defensiv zusammen, feuert sein Team an und scheint auch ein ganz wichtiger Faktor in der Verbindung Mannschaft und Fans zu sein, eben weil Endras seinen Vertrag im Gegensatz zu vielen anderen Leistungsträgern in Augsburg verlängern wird. Ich hatte ja nun häufiger die Gelegenheit einige Spiele der Panther in diesen Playoffs zu schauen. Was mich am meisten beeindruckt hat, ist, wie das Team insgesamt seine Struktur auch bei Rückstand beibehält, fast schon Zach-ähnlich. Es wird nichts überstürzt, alles wirkt durchdacht, jeder hält seine Position und erfüllt seine Aufgabe. Und das sieht dann häufig mit der offensiven Ausrichtung auch attraktiv aus. Überhaupt ist die Offensive exzellent besetzt. Der deutsch-kanadier Darin Olver bekommt in den Playoffs durch Chris Collins (sieben Treffer in 11 Partien) fantastische Unterstützung, Brett Engelhardt hat gezeigt, dass er die wichtigen spielentscheidenen Tore erzielen kann und auch Tyler Beechey und Connor James sind brandgefährlich. Weiterer Pluspunkt für die Panther ist der Zusammehalt im Team, viele Leistungsträger verlassen den Verein nach Saisonende. Was bietet sich da besser als mit einem Meisterschaftstitel zu gehen? Und so tritt die Mannschaft auch nach außen auf. Sie wirkt extrem gefestigt. Und damit sind dann eben Schwächen gegenüber dem Gegner auch auszugleichen. Und wenn man die Stärke nicht schon in der eigenen Mannschaft findet, dann wenigstens im Umfeld, genauer gesagt beim altehrwürdigen Curt-Frenzel-Stadion, eine Spielstätte, die für viele Gegner, die an geschlossene Mehrzweckarenen gewöhnt sind schwierig zu spielen sind. Zum Glück ist es im April nicht mehr so kalt, ist das Stadion doch nach drei Seiten offen, hat steile Stehplatztribünen, bei Sonnenschein reflektiert das Abendrot im Eis. Ein Hexenkessel und mit Sicherheit ein Faktor in dieser Finalserie. Schwächen muss man beim AEV schon etwas genauer suchen. Die Defensive könnte es sein. Zumindest in der Hauptrunde dieser Saison kassierte man die meisten Gegentreffer der Playoff-Teams, wenngleich die Defensive in der Serie gegen Wolfsburg überwiegend sattelfest verstand. Zumindest was die Gegentore angeht, aber insgesamt lässt Augsburg viel zu viele Torschüsse zu. Wenn Endras dann mal nicht seinen besten Tag erwischt hat, endet das wie in Spiel 3 in Wolfsburg. Ziel für die Hannover Scorpions muss es sein, möglichst viele Scheiben auf das Tor zu bringen, schnell und variabel zu spielen. Dann dürften die jungen Verteidiger der Panther ins Schwimmen kommen. Vom Gefühl her hatte Augsburg insbesondere in der Serie gegen Wolfsburg ein paar zu viele Strafen kassiert. Das wäre gegen das Powerplay der Scorpions von Nachteil, gleichzeitig haben die Panther die meisten Torschüsse in Unterzahl zugelassen. Augsburg sollte es also vermeiden, unnötig Strafen zu kassieren.

Das Finale – das Highlight der DEL-Saison und die Krönung einer einzigartigen Saison für beide Mannschaften und Fangruppen. Mit Tipps halte ich mich zurück, ich halte die Serie wie alles zuvor für völlig offen. Würde mir aber natürlich einen Titel für die Scorpions wünschen. Ansonsten ist es einfach nur toll eine Finalserie als Fan mitzuerleben. Ich bin am Sonntag in der Tui-Arena und freue mich jetzt schon unabhängig von den ersten beiden Spielen riesig darauf.

Die Finalspiele finden am 20., 23., 25., 28. und 30 April statt. Sky übeträgt alle Partien live.

Thema: Sport | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Der Traum von der Meisterschaft: Vorschau DEL-Playoffs 2010

Montag, 29. März 2010 21:22

Morgen beginnt sie wieder – die für Eishockeyfans wohl spannendeste Zeit des Jahres. Die Playoffs in der DEL starten in ihre heiße Phase. Nachdem sich in den letzten Tagen noch zwei Teams qualifizieren mussten, ist seit Sonntag das Viertelfinale komplett und geht heute in den ersten Spieltag. Gespielt wird sowohl im Viertelfinale als auch in der Runde der letzten Vier und im Finale im Modus Best-of-Five, es sind also drei Siege fürs Weiterkommen nötig. Das Viertelfinale wird im 2-Tages-Rhythmus gespielt. Im Halbfinale werden die Spiele dann nur noch am ersten Spieltag parallel ausgetragen, am 2. Spieltag zeitversetzt und dann immer ein Spiel pro Wochentag. Die Finalserie startet am Mittwoch, den 21. April. Im Viertelfinale treffen jetzt die besten sechs Teams der Hauptrunde plus die beiden Qualifikanten aufeinander. Die Top Vier aus der regulären Spielzeit haben Heimrecht. Im Halbfinale spielt dann die aus der Vorrunde am besten platzierte Mannschaft gegen die am schlechtesten platzierte und so weiter und so fort. Sky überträgt im Viertelfinale pro Spieltag eine Partie, ab dem Halbfinale werden alle Spiele live gezeigt. Dieses Jahr nur eingeschränkt in HD, weil die meisten Ansetzungen mit Fußballspielen kollidieren. Die Übertragungen beginnen am Dienstag mit der Partie Wolfsburg gegen Düsseldorf, Donnerstag ist man bei Nürnberg gegen Hannover in der Arena. Übertragungsbeginn ist jeweils 19:15 Uhr.

#1 Eisbären Berlin – #8 Augsburger Panther

Die Augsburger Panther sollen jetzt also das erste Opfer der Eisbären sein. Für die Berliner ist das Viertelfinale nach einer tollen Vorrunde nur Durchgangsstation für das große Ziel: Den Titel-Hattrick in die Hauptstadt holen. Und die Eisbären sind die Topfavoriten. Außer Hans Zach haben alles Trainer der Playoff-Teams die Berliner als Meistertipp abgegeben. Und das Team ist auf allen Positionen exzellent besetzt. Torhüter Rob Zepp steht hinter der drittbesten Abwehr der Liga und hat schon fünf Mal zu null gespielt. Richie Regehr ist einer der besten Abwehrspieler der Liga, und im Sturm hat man mit André Rankel hat man einen Berliner Jungen, der noch nie so treffsicher war wie in dieser Saison. Und wenn schon nicht alles für die Eisbären auf dem Platz spricht, dann immerhin durch das Umfeld. Stets eine ausverkaufte Arena, begeisterte Fans. Da ist es für jedes Team verdammt schwer zu bestehen. Und zu allem Überfluss aus Sicht der Panther wird Denis Pederson, der nach dieser Saison seine sportliche Karriere beendet, noch mal alles versuchen, mit den Eisbären seinen fünften Meistertitel zu feiern. Aber Vorsicht vor Augsburg! Die Panther sollte man nicht unterschätzen. Sie gewannen die letzten sechs Spiele in der Vorrunde und besiegten dann mal eben im Vorbeigehen Rekordmeister Adler Mannheim. Die Bilanz zwischen Berlin und Augsburg aus der Hauptrunde ist ausgeglichen. Beide gewannen ihre zwei Heimspiele. Spätestens dort sollte zu erkennen sein, dass das kein Spaziergang für Berlin wird. Was macht Augsburg so stark? Einsatz bis zur letzten Sekunde, ein unglaubliche Moral im Team und eine sehr homogene und geschlossene Mannschaftsperformance. Bei den Panther wird Uli Maurer nach seinem Jochbeinbruch noch zusehen müssen, dank der Beschränkung für Ausländer im Aufgebot werden wohl auch Matt Ryan und Junior Lessard nicht spielen.

Mein Tipp: Es werden knappe Spiele, aber Berlin wird nach drei Spielen weiterkommen.

#2 Frankfurt Lions – #7 ERC Ingolstadt

Die heimstarken Lions empfangen die heimstarken Panther aus Ingolstadt. Könnte also eine Serie werden, die sich dadurch entscheidet, ob ein Team auch auswärts mal gewinnen kann. Frankfurt sicherte sich erst am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen Wolfsburg den zweiten Tabellenplatz, Ingolstadt musste in den Pre-Playoffs über die volle Distanz gegen die Kölner Haie gehen, nachdem man auch in Spiel 1 den leichten Abwärtstrend vor allem vor heimischem Publikum (man verlor drei der letzten vier Heimspiele) fortsetzte, sich dann aber rechzeitig fing und Köln problemlos ausschaltete. Mit Frankfurt kommt nun ein anderes Kaliber auf den ERC zu. Beflügelt durch den tollen Saisonabschluss und mit der Vertragsverlängerung vom Top-Scorer der DEL, Jeff Ulmer, immerhin 74 Scorerpunkte, empfängt man im ersten Spiel den Gast aus Ingolstadt. Lions-Trainer Rich Chernomaz kann dabei auch wieder auf Verteidiger John Slaney zurückgreifen. Wenn es einen Schwachpunkt bei den Lions gibt, dann ist es das Überzahlspiel, mit dem sie nur im hinteren Drittel der Liga sind. Ein ganz besonderes Spiel dürfte es für Christoph Gawlik in Trikot der Lions werden, spielt er doch ab nächster Saison in Ingolstadt und kann sich nochmal wärmstens empfehlen. Die Ingolstädter wollen es hingegen der DEL insgesamt zeigen. Deren Geschäftsführer Tripcke hätte sehr gerne die Kölner Haie im Viertelfinale gesehen, quasi als einleitenden Prozess der Genesung. Jetzt darf der ERC beweisen, dass es die sportlich bessere Mannschaft in die Runde der letzten Acht geschaffen hat. Augenmerk bei den Gästen vor allem auf zwei Spieler. Thomas Greilinger ist nach Jeff Ulmer zweitbester Scorer der Liga. Und Jakub Ficenec hat mit drei Toren in den Pre-Playoffs zur richtigen Zeit die passende Form gefunden.

Mein Tipp: Wird eine enge Serie, am Ende sollten sich die Lions dank ihrer Heimstärke und mit den zahlreichen zurückgekehrten gesunden Spielern durchsetzen. Also Frankfurt macht es in vier Spielen.

#3 Grizzly Adams Wolfsburg – #6 DEG Metro Stars

Es ist die Abschiedsrunde für Wolfsburg-Trainer Toni Krinner, der ab dem Sommer an der Bande der Hannover Scorpions steht. Und wie könnte man sich besser verabschieden als mit erfolgreichen Playoffs? Wolfsburg hat über die gesamte Saison sehr gutes Eishockey gespielt, war immer vorne dabei und hat sich heimlich still und leise bis auf den zweiten Tabellenplatz nach oben bewegt. Und dass die Grizzlys Playoff-Eishockey spielen können, haben sie schon letzte Saison eindrucksvoll gezeigt. Die Niedersachsen spielen nicht unbedingt das spektakuläre Eishockey, aber sehr effektiv und zielstrebig nach vorne. Dafür haben sie eine der besten Sturmreihen der Liga mit John Laliberte, Norm Milley, Jason Ulmer, Ken Magowan, Kai Hospelt und Sebastian Furchner.  Und insbesondere auf Laliberte sollte man ein Auge haben. Vor der Saison kannte in Eishockey-Deutschland noch niemand der feilschnellen US-Amerikaner, der damals in Dänemark spielte. Jetzt gehört er zu Neuentdeckung der Saison und ist einer der Leistungsträger bei den Niedersachsen. Interessant dürfte vor allem sein, ob die Wolfsburger ihre Arena mal voll bekommen. Die Grizzlys haben den schlechtesten Zuschauerschnitt mit noch unter 3.000 Fans pro Partie. Und ein paar Zahlen verdeutlichen, dass Wolfsburg eine ganz harte Nuss zum Knacken sein wird. Das Team hat den viertbesten Angriff der Liga, stellt die zweitbeste Defensive, hat in 22 seiner 28 Heimspiele gepunktet (davon 18 Siege) und ist das fairste Team der Liga. Das dürfte insbesondere für die DEG, die das drittbeste Power-Play der Liga haben, schwer zu bearbeiten sein. Augenmerk bei Wolfsburg auf das 22-jährige Talent Christopher Fischer.

Die DEG muss sich also überlegen, wie sie die Wolfsburger mal auf die Strafbank bekommt. Aber das ist derzeit das geringste Problem bei den Metro Stars. In den Köpfen dürfte die Enttäuschung über das Verspielen einer Top-Ausgangslage für die Playoffs immer noch groß sein. Im März verspielte eines der heimstärksten Teams der Liga das Heimrecht. Anfang März schlug man die Eisbären Berlin in Overtime und lag auf dem zweiten Tabellenplatz. Anschließend verlor man fünf der letzten sechs Saisonspiele. Nebebei wurde bekannt, dass Trainer Harold Kreis für die neue Saison bereits bei den Adler Mannheim unterschrieben hatte. Dass das übrigens kein Grund für sportlichen Misserfolg sein muss, sieht man derzeit in Wolfsburg. Trotzdem flog Kreis zwei Spieltage vor Schluss raus. Dann gab es Flaschmeldungen im Düsseldorfer Express über einen möglichen Nachfolger von Kreis. Es war alles andere als ruhig in der entscheidenen Saisonphase. Interimstrainer ist vorerst Manager Lance Nethery, der die Ziele auch erstmal nach unten korrigierte. Am Rhein spreche man jetzt nicht mehr von der Meisterschaft, sondern erstmal nur vom Erreichen des Viertelfinals. Immerhin scheint man sich jetzt voll auf das Sportliche zu konzentrieren. Mit Patrick Reimer, Rob Collins, Adam Courchaine, Daniel Kreutzer und Brandon Reid hat man immer noch zahlreiche schlagkräftige Stürmer in den eigenen Reihen. Die Serie gegen Wolfsburg könnte also zu einem Offensivspektakel werden. Nachteil für Düsseldorf, dass man weiterhin nur drei komplette Reihen aufbieten kann. Immerhin ist Adam Courchaine nach seiner Verletzung rechtzeitig zu den Playoffs fit.

Mein Tipp: Für die DEG spricht die Erfahrung, für Wolfsburg die aktuelle Form sowie die glänzende Offensivreihe. Die Grizzlys sind ausgeglichener besetzt, haben weniger Druck im Umfeld. Wolfsburg steht nach fünf Spielen im Halbfinale.

#4 Hannover Scorpions – #5 Thomas Sabo Ice Tigers

Es wird ein emotionaler Dienstagabend in der Tui-Arena, wenn man nochmal die letzten Monate im Leben der Hannover Scorpions Revue passieren lässt. Vor der Saison war der Spielbetrieb gefährdet, die Spieler nahmen erhebliche Gehaltskürzungen in Kauf, im November standen die Skorpione am Tabellenkeller, Hans Zach drohte mit Rücktritt. Doch der Transfer von Torhüter Travis Scott, der in Hannover zu einem der besten Torhüter dieser DEL-Saison wurde, leitete die Wende ein. Im Dezember startete Hannover eine unglaubliche Siegesserie, gewann sieben Spiele in Folge mit voller Punktzahl und hat sich dann bis zum Saisonende in der Tabelle oben festgesetzt. Eine Schwächephase im Februar folgte ein toller Saisonendspurt mit Siegen gegen Düsseldorf, Mannheim und Ingolstadt. Am Ende einer emotionalen Vorrunde steht Platz 4 und das Heimrecht in den Playoffs. Wer hätte das im November gedacht. Wobei das Heimrecht den Scorpions gar nicht so gelegen kommt, sind sie doch eine der auswärtsstärksten Mannschaften der Liga. Wenn die Scorpions das Spiel aber vor eigener Kulisse selbst gestalten müssen, tun sie sich gelegentlich schwer. Nicht immer, aber im Playoffs gibt es wenig Raum für Ausreden.

Und so emotional die Vorrunde war, umso stimmungsvoller wird der Dienstagabend in Hannover. Hans Zach feiert seinen 61. Geburtstag und würde sich natürlich gerne einen Heimsieg wünschen, in seiner letzten Saison als Trainer in der DEL. Beide Trainer schieben die Favoritenrolle partout dem Gegner zu. Hans Zach meinte vor dieser Partie, dass seine Mannschaft in der regulären Saison nur zwei von 12 Punkten gegen die Ice Tigers holten. Da kann man aus Sicht von Hannover nicht von einem Favoritenstatus sprechen. Nürnberg-Coach Andreas Brockmann will davon gar nichts wissen und sucht eine Begründung in den Schwächen seines Teams. Die Ice Tigers sind offensiv eines der ungefährlichsten Teams und haben das schlechteste Powerplay der Liga. Blöd nur, dass man mit den Scorpions auf das zweitbeste Überzahlspiel der Liga trifft. Weiterer Vorteil für Hannover: Man hat keine Verletzten und vier komplette ausgeglichene Sturmreihen. Insbesondere die vierte Reihe war maßgeblich für die Siege gegen Mannheim und in Düsseldorf verantwortlich. Wenn Hannover defensiv gut steht, ist das die halbe Miete. Schwächen bei Hannover zuletzt vor allem im Spiel nach vorne, die Offensive ist gut besetzt, die Scorpions brauchen aber häufig zu viele Chancen für den Torerfolg. Beim überragenden Nürnberger Torhüter Patrick Ehelechner wird die Chancenverwertung umso entscheidener sein. Beide Teams gehen optimistisch in diese Serie. Ganz besonders motiviert dürften auch Petr Fical und Florian Ondruschka in ihrer Abschiedssaison bei den Ice Tigers sein.

Hannover also mit vollem Kader, aber auch Nürnberg wird mit vier Sturmreihen auflaufen können. Allerdings müssen sie schon länger unter anderem auf Morten Ask und Florian Keller verzichten, zudem fehlt Simon Fischhaber mit einer Knieverletzung. Die Scorpions haben derweil noch eine Rechnung mit Nürnberg offen. Vor drei Jahren bestritten beide Teams die Viertelfinalserie. Die Scorpions gingen 2:0 in Führung, verloren dann aber die nächsten drei Spiele. Spiel 5 und 6 jeweils mit 2:3 nach Verlängerung. Ich weiß noch, dass ich damals Tränen in den Augen hatte. Also Scorpions, Revanche bitte. Dafür ist es nie zu spät.

Mein Tipp: Ich wünsche mir sportlich gesehen dieser Tage nichts sehnlicher als den Halbfinaleinzug der Scorpions. Wird sehr schwierig. Das wird sicherlich eine Serie über fünf Spiele. Und wer dann noch mehr Power und Hunger hat, kommt ins Halbfinale. Ich hoffe auf die Scorpions.

In den Playoffs zählen Kleinigkeiten, alles eine Kopfsache. Es geht alles und für alle wieder bei null los. Und wer weniger Fehler macht, der wird weiterkommen. Wenn solche Phrasen von Spielern und Trainern bemüht werden, dann wissen wir: It’s Playoff-Time. Lasset sie beginnen!

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Zitat des Tages: Mittwoch, 17. März 2010 – Es geht doch, Herr Stichnoth!

Mittwoch, 17. März 2010 15:02

Gerade eben in meinem Mail-Postfach aufgeschlagen. Infos der Hannover Scorpions zu den beginnenden Playoffs. Pre-Playoffs werden ja auf alle Fälle gespielt, ob es für die direkte Qualifikation reicht, entscheidet sich frühstens Freitag nach dem Heimspiel gegen die Grizzly Adams Wolfsburg.

Hier ein Auszug aus der Mitteilung:

Es ist fast wieder soweit: die beste Zeit des Jahres steht vor der Tür. Die Play-offs 2010 beginnen für unsere Scorpions entweder in der kommenden Woche mit der 1. Play-off-Runde oder aber mit der direkten Qualifikation für das Viertelfinale – dann starten wir Ende März/Anfang April in die Meisterrunde.
Das Team gibt grade im Endspurt noch einmal alles und unsere Fans haben sich während der gesamten Spielzeit von einer Seite präsentiert, die uns als Hannover Scorpions mit großem Stolz erfüllt. Alle Preise und auch die Ermäßigungen bleiben deshalb analog zur Vorrunde, einen moderaten Aufschlag gibt es frühestens ab dem Halbfinale. „Die Mannschaft braucht die Unterstützung unserer Fans gerade in den Play-offs und es wäre schön, wenn möglichst viele Freunde wieder den Weg in die TUI Arena zu den Spielen um die Deutsche Meisterschaft finden würden“, sagt Geschäftsführer Marco Stichnoth.

Da hat man aus dem Fehler der Vergangenheit und das Ticket-Chaos in den letzten Jahren gelernt. Gut so. Das freut mich sehr. Dann fehlt eigentlich nur eine tolle Leistung des Teams in den letzten drei Saisonspielen und dann in den Playoffs.

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DEL 2009/2010: Noch drei Wochen bis zu den Playoffs

Sonntag, 28. Februar 2010 13:13

Noch etwas mehr als drei Wochen sind es, bevor am 24. März das erste Spiel der Pre-Playoffs absolviert wird und damit die ganz heiße Phase im Kampf um die deutsche Eishockeymeisterschaft 2010 beginnt. Am Dienstag nimmt die DEL nach der Olympiapause wieder ihren Spielbetrieb auf. Dann heißt es für alle Mannschaften noch acht bis zehn Spiele zu absolvieren. Nach dem letzten Spieltag am 21. März steht dann fest, welche sechs Teams sich direkt für die Playoffs qualifiziert haben und welche vier Klubs um die letzten zwei verbliebenen Plätze kämpfen.

Und insbesondere der Kampf um die direkten Playoff-Plätze ist diese Saison so spannend wie lange nicht mehr. Die bisherige Spielzeit hat gezeigt, dass mit Ausnahme der Eisbären Berlin es keine Übermannschaft in der DEL gibt und jedes Team jeden schlagen kann. Zwischen Platz 2 und Platz 7 liegen gerade einmal 11 Punkte. Acht Teams haben noch gute Chancen sich für die direkte Teilnahme an den Playoffs zu qualifizieren. Fünf Plätze sind noch zu vergeben. Und auch der Kampf um die Pre-Playoff-Plätze bleibt interessant. Lediglich die Kassel Huskies und die Straubing Tigers sind davon völlig außen vor. Wohl auch die Hamburg Freezers, die gestern zwar in einem Nachholspiel mit 3:1 gegen Kassel gewannen. Das dürfte aber trotzdem nicht reichen um noch einmal in den Kampf um die Pre-Playoffs einzusteigen. Aber ansonsten tobt der Kampf um die Playoffs. Dienstag geht es wieder los, Anlass genug mal einen genaueren Blick auf die aktuelle Lage in der DEL zu werfen.

Ganz oben in der Tabelle stehen souverän die Eisbären Berlin, die als einziges Team auch schon für das Playoff-Viertelfinale qualifiziert sind. Und man braucht kein großer Prophet sein um zu sagen, dass der Klub aus der Hauptstadt auch der Topfavorit auf die Meisterschaft ist. Der ausgeglichenste Kader, die besten Spieler und die mit Abstand beste Heimbilanz in der Liga. Und stets mit Heimrecht in den Playoffs augestattet. Wer soll die Eisbären also stoppen? Zu Beginn des Jahres gab es mal eine kleine Schwächephase, wo man drei Spiele in Folge verloren hatte. Da wollten einige Journalisten den Berlinern schon eine Krise andichten. Davon war dann in den folgenden Wochen wenig zu spüren. Ganz still und heimlich haben sich die Grizzly Adams Wolfsburg auf Platz 2 geschoben. In der Abschiedssaison von Trainer Toni Krinner – er wird im Sommer Nachfolger von Hans Zach in Hannover – wollen sich die Spieler wohl noch einmal von ihrer besten Seite zeigen. Die Grizzlys legten eine tolle Serie hin, gewannen acht der letzten neun Spiele. Und dass das Team offensiv nicht schlecht aufgestellt ist, dürfte nach der letzten Saison bekannt sein. Mit Kai Hospelt und Ken Magowan hat man zwei treffsichere Spieler in den Reihen, und über all den steht noch John Laliberte, Topscorer der Wolfsburger mit schon 25 Toren und 26 Vorbereitungen. Für Platz 1 wird es nicht mehr reichen, aber man muss das Team auf der Rechnung haben, wenn es um den Finaleinzug geht. Diesen Status als Finalgegner für die Eisbären hatten bis zuletzt eigentlich die DEG Metro Stars, die über weite Strecken der Saison den zweiten Platz belegten, zuletzt aber zu schwächeln begannen. Zuletzt gab es fünf Niederlagen in Folge, unter anderem gegen Krefeld und Augsburg, aber vor allem auch gegen direkte Konkurrenten wie Frankfurt und Nürnberg – eigentlich gewann man bisher solche Spiele. Düsseldorf kommt auch diese Saison wieder nur mit drei kompletten Reihen aus. Da ist die Belastung natürlich besonders hoch, gerade bei der Dichte der Spiele vor der Olympiapause. Von daher ist so eine Schwächephase zwar ärgerlich, aber durchaus nachvollziehbar. Trotzdem hat man mit Kreutzer, Collins und Reimer immer noch Stürmer in den Reihen, die ein Spiel nahezu alleine entscheiden können. Spannend wird zu sehen sein, wie die Metro Stars aus der Pause herauskommen. Die ersten Gegner heißen Köln, Berlin und Mannheim. Mit Ausnahme des Rhein-Derbys zwei richtig schwierige Aufgaben.

Auf Platz 4 liegen derzeit die Nürnberg Ice Tigers mit 81 Punkten. Niederlagen wechselten sich in letzter Zeit mit Siegen ab, man spielte also nicht völlig konstant. Aber das geht für alle Teams, die zwischen dem vierten und siebten Platz stehen. Zusammen mit den Nürnbergern kämpfen die Frankfurt Lions, die Hannover Scorpions und der ERC Ingolstadt um die direkte Qualifikation für die Playoffs, getrennt nur durch sechs Punkte, wobei Nürnberg und Frankfurt sogar noch ein Spiel mehr absolviert haben als die Konkurrenz. Alle vier Teams spielen eine gute Saison, die Hannover Scorpions kamen nach ganz schwachem Saisonstart in die obere Tabellenhälfte. Prognosen fallen schwer, wer sich direkt für die Playoffs qualifiziert. Wahrscheinlich ist es das Team, das die konstantesten Leistungen in den nächsten drei Wochen bringt und vielleicht auch eine kleine Serie starten kann. Dass dazu alle Teams fähig sind, haben sie schon unter Beweis gestellt. Aber eben auch das Gegenteil. Vielleicht bekommen wir ja schon am Dienstag einen ersten Eindruck, wenn es in der Tui-Arena zum direkten Aufeinandertreffen zwischen Hannover und Frankfurt kommt. Allgemein ist es für die Scorpions kein leichter Start nach der Pause. Dienstag empfängt man die Lions, Donnerstag muss man zum Tabellenführer nach Berlin reisen und nächste Woche Sonntag empfängt man die Hamburg Freezers. Die Scorpions müssen weiterhin noch ein paar Wochen auf Stürmer Chris Herperger verzichten, der seinen Mittelfußbruch noch auskurieren muss. Aber auch die direkte Konkurrenz von Hannover hat keine leichten Aufgaben, Ingolstadt muss unter anderem nach Wolfsburg, Nürnberg empfängt unter anderem Mannheim und reist zu den stark formverbesserten Straubing Tigers. Was eben auch erkennbar ist: Es gibt noch zahlreiche direkte Duelle der Mannschaften, die um die direkte Teilnahme an den Playoffs kämpfen. Gerade solche Spiele sind doppelt wert. Vielleicht sind es dann auch die Mannschaften, die sich qualifizieren, die solche Big Points landen und dann vielleicht auch Selbstvertrauen für die vermeintlich leichteren Spiele mitnehmen.

Sechs Teams sind also erstmal in der näheren Auswahl für die letzten fünf Playoff-Plätze. Vier Teams muss man auf alle Fälle noch für die Pre-Playoffs auf der Rechnung haben: Die derzeit aussichtsreichsten Kandidaten sind die Augsburg Panther, die Adler Mannheim und die Kölner Haie. Außenseiterchancen wenn überhaupt noch für die Iserlohn Roosters und die Krefeld Pinguine. Aber aus den sechs Teams im Kampf für die direkte Qualifikation fällt ja noch ein Team raus, von daher haben Iserlohn und Krefeld nur bedingt gute Aussichten. Beide Teams spielen auch nicht das Eishockey, wo man sagen könnte, es ist aussichtsreich, das man mal eine Serie von vier bis fünf Siegen in Folge zeigt. Das ist im Moment vielleicht noch den Adler aus Mannheim zuzutrauen. Fraglich, ob es noch bis zur direkten Qualifikation reicht, aber die letzten Leistungen (vier Siege in Folge, unter anderem gegen Düsseldorf und Ingolstadt) geben zumindest Anlass zur Hoffnung, dass die verkorkste Saison mit den ganzen Undiszipliniertheiten zu Beginn der Spielzeit noch ein gutes Ende nimmt. Defensiv steht man jetzt wieder sicherer, offensiv hat der Schuh ja wirklich nie so richtig gedrückt. Aber was nützt die gute Offensive mit Scott King, Justin Papineau und auch Nathan Robinson, wenn man hinten häufig offen wie ein Scheunentor stand? Das war zuletzt besser und wenn man diese Grundausrichtung konservieren kann, hat man vielleicht auch noch eine klitzekleine Chance auf Platz 6, hängt eben auch davon ab, ob die Konkurrenz aus Frankfurt, Hannover und Ingolstadt patzt. In ähnlich guter Form wie Mannheim ist auch Augsburg, zuletzt gab es sieben Siege aus neun Spielen. Man hat mit der Partie in Mannheim und gegen Augsburg aber ein schwieriges Auftaktprogramm. Heißt aber auch: Mit zwei Siegen ist man ganz dick im Geschäft drin.

Richtig dick im Geschäft scheinen auch die Kölner Haie zu sein, zumindest was den Fortbestand des Vereins betrifft. Die Mannschaft aus der Domstadt macht derzeit eher Schlagzeilen in den Wirtschaftsteilen der Zeitung. Den Verein drücken Verbindlichkeiten in Höhe von 1, 5 Millionen Euro. Die Liquidität ist bedroht, kurzfristig müssen eine halbe Million Euro aufgebracht werden. Sonst droht die Insolvenz. Am Freitag gab es nun ein Gespräch zwischen der Geschäftsführung des Verein und dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters. Die Stadt hat sich scheinbar bereit erklärt für den finanziell angeschlagenen Klub einzuspringen. Zurückgehende Zuschauerzahlen sind ein Grund, warum die Haie weniger Geld in den Kassen haben. Interessant wird jetzt zu sehen sein, wie die wirtschaftliche Misere sih auf den sportlichen Erfolg auswirkt. Momentan ist man auf Platz 10, den letzten Pre-Playoff-Platz. Für die Haie wird es entscheidend sein, auch mal auswärts dreifach zu punkten. Man ist eines der besten Heimteams in der Liga, aber auswärts läuft nur selten etwas zusammen. Erste Gelegenheit die Auswärtsschwäche abzustellen ist am Dientag bei den Eisbären Berlin. Und dass man zu besten Heimteams der Liga gehört, kann man am Freitag im Derby gegen Düsseldorf unter Beweis stellen. Keine einfachen, aber aufregende Tage bei den Kölner Haien. In jeglicher Hinsicht.

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Vorsicht Rutschgefahr: Die DEL startet in die neue Saison

Dienstag, 1. September 2009 16:25

Wenn die Temperaturen draußen noch hochsommerlich sind, startet in Deutschlands Sporthallen schon wieder die kalte Jahreszeit. Am Donnerstag eröffnet mit der Partie Nürnberg Ice Tigers gegen die Adler Mannheim die neue Saison in der Deutschen Eishockey Liga. Bis April heißt es dann Kämpfen um den Einzug in die Playoffs, durch die Finalserie zum Meisterschaftstitel.

Auch wenn von der Jahreszeit wohl noch die wenigsten an Wintersport denken, es wird zumindest auch diese Saison wieder schwierig werden auch im Dezember, Januar und Februar die breite Masse für Eishockey zu begeistern. Die DEL kann zwar den Status Quo erhalten, aber es wird erstaunlich wenig unternommen, sich auf dem deutschen Sportmarkt besser in Szene zu setzen. Gerade jetzt wo die Basketball-Bundesliga vor einer unsicheren TV-Zukunft steht, ist die Chance groß, endlich die Entwicklung der Handball-Bundesliga einzugehen und sich unter den beliebten Sportarten in Deutschland noch besser zu platzieren. Doch wenig passiert. Die wenigsten wissen wohl überhaupt, dass am Donnerstag die neue Saison beginnen wird. Mit Ausnahme vielleicht die Eishockeyhochburgen Köln, Mannheim und Berlin. Die DEL war, ist und bleibt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, zumindest finanziell. Sportlich haben Düsseldorf und Hannover in der vergangenen Saison gezeigt, dass man auch mit wenig Geld und weniger Zuschauern bis ins Halbfinale und Finale vordringen kann.

Status Quo erhalten. Und das vor der Eishockey-WM im eigenen Lande. Das fängt beim TV-Vertrag schon an. Die kommenden drei Spielzeiten gibt es exklusiv nur im Pay-TV bei Sky zu sehen. Man zeigt ungefähr 65 Spiele pro Saison, ab dem Halbfinale werden alle Spiele gezeigt. Ab Januar wird die Anzahl der Übertragungen verstärkt, bis dahin wird auf Sparflamme gekocht. Etwa die Hälfte der von Sky gezeigten Spiele sollen in HD auf Sky Sport HD laufen. 65 Livespiele in einer Saison, die acht Monate andauert, kann immer noch nicht als sehr befriedigend angesehen werden. Zudem gibt es weiterhin keinerlei Magazine oder Zusammenfassungen anderer Spiele. Im Free-TV findet die DEL praktisch nicht statt, mit Ausnahme von zwei Minuten Zusammenfassung bei den regionalen Programmen, aber auch nur, wenn sich das zeitlich machen lässt. Wie sollen neue Fans fürs Eishockey geworben werden, wenn die DEL fast unter Ausschluss der Fernsehöffentlichkeit spielt? Was ist so schwierig daran, ein wöchentliches Magazin über die DEL bei Eurosport oder dem DSF laufen zu lassen? Wenn Sky da ihre Exklusivität flöten gehen sieht, kann man ja zu Not auch Werbung für Sky als übertragender Sender machen. Dann gibt es da noch DEL.tv, wo man Höhepunkte aller Spiele auf der Seite der DEL anschauen kann. Ein Produkt, das die wenigsten kennen und welches bisher überhaupt nicht an den Fan und Zuschauer gebracht werden konnte. Ich spiele Zuschauerzahl und TV-Präsenz nicht aus. Ich glaube, dass wenn mehr Leute die DEL live oder zusammengefasst im Fernsehen sehen können, irgendwann auch einmal die Begeisterung steigt und kommen wird ein Spiel live im Stadion anzuschauen. Aber so wie die Situation jetzt ist, bringt sie weder für den TV-Konsumenten noch für die Vereine, die auf Zuschauer angewiesen sind, nachhaltige Vorteile.

Und zur Freude aller Fans gibt es auch diese Saison wieder Veränderungen beim Spielplan und dem Modus der Liga. 15 Teams in der Liga, und man kehrt wieder zur Doppelrunde zurück. Jedes Team spielt gegen jedes Team also vier Mal, und nicht wie in der vergangenen Saison gegen eine Mannschaft lediglich drei Mal, und gegen andere Teams vier Mal. Die Playoffs werden massiv verkürzt, wegen der WM und der Olympischen Spiele. Im Viertelfinale werden maximal drei Spiele gespielt, im Halbfinale und Finale gibt es Best of Five. Insbesondere das Viertelfinale, in welchem letzte Saison eine Serie teilweise noch über sieben Spiele gegangen ist, ist entschlackt worden. Ansonsten hat sich nicht allzu viel verändert. Über Absteiger brauchen wir gar nicht spekulieren, weil ehe nicht klar ist, ob überhaupt der Meister aus der zweiten Liga fähig ist aufzusteigen. Bietigheim war es diese Saison nicht, Duisburg ging freiwillig von Bord.

Und auch finanziell scheint die Liga immer weiter auseinander zu driften. Auf der einen Seite die finanzstarken Klubs wie Mannheim, Berlin und Köln, die sich auch über den Zuschauerzuspruch nicht beklagen können, und auf der anderen Seite Mannschaften wie die Nürnberg Ice Tigers und die Hannover Scorpions, die beide kurz vor der Pleite und dem Einstellen des Spielbetriebes standen. Nürnberg musste im November 2008 Zahlungsunfähigkeit anmelden, im April konnte ein neuer Investor gefunden werden. Ein Schmuckhersteller. In Hannover war in diesem Sommer die Situation etwas komplizierter. Der Betreiber und Besitzer der Tui Arena in Hannover, Günter Papenburg, konnte die Kosten für die Unterhaltung der Arena nicht mehr alleine schultern. Konzerte in der Arena blieben aus, nur die Scorpions nutzen die Halle auf dem ehemaligen Expo-Gelände. Günter Papenburg setzte der Stadt Hannover die Pistole auf die Brust und verlangte einen Zuschuss der Stadt bzw. Region Hannover für die Unterhaltung der Tui-Arena. Die Stadt hat sich aber partout geweigert auch nur einen Cent hinzuzuschießen. Die Existenz der Scorpions war in Gefahr. Letzlich konnte man sich auf eine Lösung einigen, bei der die Hannover Scorpions richtig tief in die saure Zitrone beißen mussten. Man bleibt zwar weiterhin ein Verein in der DEL, die Spieler mussten aber erhebliche Gehaltsausfälle hinnehmen. Das Besondere daran war aber, dass sich alle Spieler dazu bereit erklärt haben und bis auf Topscorer Eric Schneider alle in Hannover geblieben sind. Schneider bekam ein deutlich besseres Angebot von den Frankfurt Lions. Und alle sind geblieben wegen ihrer Liebe zu Hannover und dem Verein. Chris Herperger hatte zum Beispiel mehrere sehr viel bessere Angebote als das in Hannover. Für eine weitere Saison ist der Spielbetrieb wohl gesichert. Was danach kommt, weiß keiner. Dass die Scorpions noch einmal eine so brilliante Saison spielen, ist unwahrscheinlich. Eine Qualifikation für die Playoffs sollte aber auf alle Fälle drin sein, zumal das Team nahezu komplett geblieben und sehr gut eingespielt ist. Youri Ziffzer soll neuer Stammtorwart werden und damit in die Fußstapfen von Dimitri Pätzold und Alexander Jung treten, die beide den Verein verlassen haben. Das stand aber schon länger fest und hatte nichts mit den geringeren Gehältern zu tun. Und das Karriereende vom ehemaligen Kapitän Dan Lambert dürfte man sicherlich irgendwie kompensieren.

Ansonsten ist sportlich mit eher wenigen Überraschungen zu rechnen. 13 der 15 Trainer der DEL-Klubs glauben, dass die Eisbären Berlin ihren Titel verteidigen werden. Das ist ungefähr so kreativ, wenn Fußballtrainer vor der Bundesligasaison meinen, dass Bayern München Deutscher Meister wird. Aber es ist so eindeutig im Eishockey. Es gibt wohl keine Mannschaft, die Abgänge von der Qualität eines Deron Quint, Rene Kramer, Marc Beaufait und Nathan Robinson adäquat ersetzen. Berlin kann das, unter anderem mit Derrick Walser von der Carrolina Huricanes aus der NHL. Richtig aufgerüstet haben auch die Adler Mannheim. Es ist also durchaus realistisch zu sagen, dass Mannheim und Berlin das DEL-Finale spielen werden.

Wollen wir wenigstens hoffen, dass es ein paar Überraschungen gibt, weil sich so viel bei der DEL nicht getan hat. Und das in einer Saison, die mit zwei großen Highlights – Olympia und der WM im eigenen Land – aufwartet. Manchmal ist es auch ein Rückschritt den Status Quo nur zu erhalten. Gibt es wirklich gar keine Veränderung? Doch, natürlich, die DEL-Seite hat einen kompletten Relaunch bekommen. Ist es denn die Möglichkeit.

Thema: Sport, TV und Radio | Kommentare (3) | Autor: medispolis