Heute und morgen finden insgesamt vier Nachholspiele in der Premier League statt. Drei dieser Partien sind hochbrisant mit viel Zündstoff für die Tabelle. Die andere Begegnung ist hingegen eher völlig wertlos, wird aber dankenswerter Weise von Sky gezeigt. Einmal mehr: Die Spielauswahl muss man nicht verstehen. Sich nur an Quote orientieren darf nicht das einzige Kriterium eines Pay-TV-Senders sein. Aber das ist keine neue Erkenntnis. Ich freue mich trotzdem riesig auf die Nachholspiele. Da könnte viel Drama dabei sein.
FC Arsenal – FC Everton
Dienstag 20:40 Uhr, Sky Sport 2/HD 2 live, Kommentar: Marcel Meinert
Es ist von der Ansetzung die vielleicht atrraktivste Nachholpartie. Mit dem 3:1 gegen Norwich, dem siebten Sieg in den letzten acht Ligaspielen, hat Arsenal Tottenham in der Tabelle überholt und seinen Anspruch auf den dritten Platz weiter untermauert. Demgegenüber steht der FC Everton mit vier Siegen in den letzten fünf Spielen. Bei einem Erfolg im Emirates Stadium könnte das Team von David Moyes bis auf einen Punkt an Arsenal heranrücken. Heißt im Umkehrschluss: Mit drei Punkten gegen Everton kann sich Arsenal eines weiteren Konkurrenten um die Champions League Plätze entledigen. Der Reiz dieses Spiels ergibt sich aus der Tabellenposition, aber auch durch eine andere Begleiterscheinung. Arsenal scheint in den letzten Wochen mental und spielerisch einen großen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Der Sieg in der Champions League beim FC Bayern scheint gehöriges Selbstvertrauen gegeben zu haben. Nun kommt mit dem FC Everton aber ein anderer Typ Gegner als zuletzt die eher kämpferischen, defensiv agierenden Teams, wie Reading, Norwich oder West Brom. Everton braucht die Punkte, muss also mitspielen und kann die immer wieder wackelig wirkende Defensive der Gunners beschäftigen. Gleichzeitig sollten sich genug Räume zum Kontern für Arsenal ergeben. Größtes Manko bei den Gastgebern: die Chancenverwertung. Dass sich das Team gegen Norwich so mühen musste, war hauptsächlich darin begründet, dass gute Chancen in der ersten Halbzeit (Gervinho, Giroud, Ramsey) nicht genutzt wurden.
Im Vergleich zum Sieg gegen Norwich kann Arsène Wenger wieder auf Thomas Rosicky und Per Mertesacker zurückgreifen. Unklar ist aber, ob beide in der Startelf stehen. Das Innenverteidigerduo Vermaelen und Koscielny hat gegen Norwich gut funktioniert. Eher schon könnte Rosicky einen Platz im Mittelfeld bekommen, weil Jack Wilshere vom Fitnessstand noch nicht so weit scheint. Ansonsten hat Wenger offensiv die Qual der Wahl, weil auch Walcott wieder fit ist und Lukas Podolski gegen Norwich viele Argumente für einen Startelfeinsatz gesammelt hat. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Lukasz Fabianski, der unter einer Rippenprellung leidet. Bei einem Ausfall würde Szczesny ins Tor zurückkehren. Mit Ausnahme von Tony Hibbert, der weiter in der U21 von Everton an seinem Comeback arbeitet, hat David Moyes keine Verletzungssorgen. Arsenal hat die letzten elf Spiele gegen Everton nicht verloren (acht Siege, drei Remis). In der Geschichte der Premier League hat Arsenal gegen kein Team mehr Siege (26) gefeiert und mehr Tore (82) geschossen als gegen den FC Everton. Ich hätte ja nichts dagegen, wenn diese Bilanz um einen positiven Abend erweitert wird.
West Ham United – Manchester United
Mittwoch 20:40 Uhr, Sky Sport 2/HD 2 live, Kommentar: Marco Hagemann
Es fällt schon sehr schwer, irgendeinen Reiz diesem Spiel zukommen zu lassen, außer man ist natürlich Fan der Hammers und Red Devils. Von der Tabellenposition will eher wenig Spannung aufkommen. Zwar verlor United das Stadtderby gegen Manchester City, doch ein wirklicher Rückschlag war das nicht. Im Prinzip kann die Meisterschaft schon am Mittwoch fast perfekt gemacht werden. Sollte United bei den Hammers gewinnen und Man City gegen Wigan verlieren, würde der Vorsprung der Red Devils auf City bei noch sechs Spielen der Citizens 18 Punkte betragen. United hat das um 10 Treffer bessere Torverhältnis. Spätestens am kommenden Montag gegen Aston Villa sollte der Titel dann finalisiert werden. Ein bisschen Relevanz hat diese Partie also doch noch, wobei West Ham ziemlich gemütlich durch das Mittelfeld marschiert. Die Hammers sollten mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun haben. Manchester United gewann acht der letzten neun Spiele, West Ham mit zwei Siegen, zwei Remis und einer Niederlage in den letzten fünf Spielen. Die Hammers haben vor allem in der Defensive Personalprobleme. Neben den längeren Verletzungen von Winston Reid und George McCartney verletzte sich beim 1:1 gegen Southampton auch noch der dritte Verteidiger, James Tomkins. Es kann also gut sein, dass Emanuel Pogatetz startet. Danny Potts und Jordan Spence wären die jungen Alternativen für die Abwehr. Mark Noble arbeitet an seinem Comeback, wird aber morgen noch nicht dabei sein. Sir Alex ohne Personalprobleme mit vielen Optionen für Defensive und Sturm.
Manchester City – Wigan Athletic
Die beiden Finalisten des FA-Cup treffen im direkten Duell aufeinander. City besiegte Chelsea mit 2:1, Wigan hatte beim 3:0 gegen Milwall keine Probleme. Es wird interessant zu sehen sein, wie beide Team den Spagat zwischen Pokaltriumph und Ligaalltag schaffen werden. Insbesondere Wigan steht vor der Partie in Eastlands ziemlich unter Druck. Durch das Remis von Aston Villa und den Sieg von Sunderland bei Newcastle beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer wieder drei Punkte, allerdings bei zwei Spielen weniger als die Konkurrenz. Nichts desto trotz wäre ein Punktgewinn im Etihad Stadium nicht verkehrt. Die nächsten Aufgaben heißen West Ham und Tottenham. Da werden die Punkte auch nicht im Vorbeigehen mitgenommen. Für Manchester City ist die Ausgangslage deutlich beruhigender. Sechs Punkte Vorsprung vor Arsenal, sieben Zähler vor Chelsea bedeuten, dass mit zwei Siegen in den letzten Saisonspielen der zweite Platz eingetütet wird. Das sollte mehr als nur machbar sein. Joe Hart, David Silva und Edin Dzeko könnten bei City in der Startelf anstehen, weil Mancini seinen Pokalhelden etwas Erholung geben könnte. Micah Richards und Maicon fehlen noch länger verletzt. Wigan muss auf Torhüter Ali Al Habsi verzichten. Joel, eigentlich an Atletico Madrid ausgeliehen, muss deshalb zwischen die Pfosten. Maloney und Kone sollten weiter das Sturmduo der Latics bilden, also Franco di Santo und Angelo Henriguez nur auf der Bank.
FC Fulham – FC Chelsea
Mittwoch 21:00 Uhr
Der Kampf um die Champions League steht am Mittwochabend dann wieder in London auf dem Programm. Insbesondere der FC Chelsea wird sehr genau beobachten, was Arsenal und Everton am Dienstag veranstalten. Weiterhin gilt: Chelsea ist in der Pole Position, was den Kampf um den dritten Platz angeht. Das bleibt aber nur so, wenn das Nachholspiel bei den Cottagers gewonnen wird. Drei Siege und zwei Niederlagen in den letzten fünf Spielen ist die aktuelle Bilanz für Rafael Benitez und sein Team. Das ist im Punkteschnitt natürlich nicht ausreichend. Die Dreifachbelastung mit den vielen Spielen macht sich negativ bemerkbar (zum Glück gibt es ein Derby direkt um die Ecke!), zumal die Tiefe des Kaders doch nicht so qualitativ hochwertig ist wie häufig angenommen. Und für Chelsea gilt in der Liga: Punktverluste vermeiden. Der FC Fulham ist nach einem sehr schwachen Start ins Jahr wieder besser in Form gekommen. Nur eines der letzten sieben Spiele ging verloren und im Cravan Cottage zeigt man sich gewohnt heimstark. Das ist eine unbequeme Aufgabe, die kommenden Samstag aber auch Arsenal erteilt wird. Fulham kann nach dem Sieg gegen Tottenham also weiter Spielverderber im Kampf um die Champions League Plätze sein. Rafael Benitez hat schon angekündigt, dass er vor dem schwierigen Spiel am Sonntag beim FC Liverpool rotieren wird. Es dürfte also nicht überraschend kommen, wenn Victor Moses und Marko Marin für Mata und Hazard spielen würden. John Terry und Frank Lampard sind ebenso wieder fit. Und Fernando Torres könnte von Beginn an spielen. Damian Duff verletzte sich beim 1:1 gegen Aston Villa bereits nach 10 Minuten, sollte aber fit sein. Mit Spannung wird erwartet, wie Chelsea mit Fulhams sehr variablem 4-4-1-1 zurecht kommt, gerade mit den sehr starken Flügelspielern. Da kommt auf Cesar Azpilicueta jede Menge Arbeit zu, die nur mit einer Leistungssteigerung im Vergleich zum Halbfinale in Wembley gelöst werden kann. Dimitar Berbatov hofft auf sein 14. Saisontor.
Wünsche euch einen schönen Tag und spannenden Fußballabend!