Premier League 2009/2010: News in Kürze (III)

  • When the Saints Go Marching in

Das auch im englischen Fußball nicht alles Gold ist, was glänzt, durfte in den vergangenen Monaten der FC Southampton erfahren, einst ein großer Traditionsklub, der vor vier Jahren noch in der Premier League gespielt hat und damals eine exzellente Jugendakademie besaß. Theo Walcott und Gareth Bale wechselten vom FC Southampton auf die große Fußballbühne. Nicht erst seit man 2005 in die Championship abgestiegen ist, belasten den Verein finanzielle Schwierigkeiten und Verbindlichkeiten. Viele gute Spieler mussten verkauft werden. Es ist, wie es immer ist. Entsteht der finanzielle Niedergang, kommt irgendwann unaufhaltsam auch der sportliche Abstieg. Im Mai 2008 können sich die Saints in einem dramatischen Schlussspurt erst am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen Sheffield United den Klassenerhalt sichern. Die finanziellen Probleme wurden keineswegs geringer. Im April 2009 musste die Dachgesellschaft des Vereins, die Southampton Leisure Holdings Company, Insolvenz anmelden. Die Saints wurden mit Punktabzug – immerhin 10 Punkte – bestraft. Es folgte der Abstieg in die dritte Liga, inklusive 10 Punkte Minus zu Beginn der neuen Spielzeit. Der Verein war praktisch pleite. Mitarbeiter konnten nicht mehr bezahlt werden und sollten ehrenamtlich arbeiten. Man hatte die letzten Wochen verstärkt und intensiv nach einem Investor gesucht. Heißester Favorit war die Pinnacle Group, die sich allerdings Ende Juni von ihren Plänen zurückzog. Das Konsortium wurde vor allem vom ehemaligen Southampton-Spieler Matthew Le Tissier (er spielte über 16 Jahre für die Saints) bevorzugt. Am Dienstag gab es dann erste Anzeichen, dass man einen Investor für den schwer angeschlagenen Klub gefunden hat. Heute konnte dann die positive Nachricht übermittelt werden. Der Schweizer Unternehmer Markus Liebherr, Gründer der heute unter dem Namen MALI Holding AG bekannten Firma für den Bau von Spezialfahrzeugen, hat den Verein übernommen. Über die finanziellen Details wurde nichts bekannt. An der Südküste Englands will man wieder ganz von vorne anfangen. Und die Football League machte den Tag nahezu perfekt aus Sicht der Saints-Fans: Es wird keinen weiteren Punktabzug geben. Man startet in der neuen Saison bei Null. Sportlich – nur finanziell noch nicht.

  • Weitere aktuelle Nachrichten des Tages

Ich hatte es ja bereits letzte Woche hier geschrieben. Heute wurde dann auch endgültig und offiziell vom Verein Bestätigung gegeben. Robin van Persie bleibt langfristig beim FC Arsenal London unter Vertrag. Das wurde in einer Pressemitteilung bestätigt.

Einen neuen Verein hat Lee Bowyer gefunden. Nachdem sein Vertrag bei West Ham United aufgelöst wurde, hat Birmingham City den 32-Jährigen für zwei Jahre unter Vertrag genommen.

Nachdem mit Michael Owen eher Erfahrung geholt wurde, hat sich Manchester United jetzt wieder ein großes Talent gesichert. Gabriel Obertan wechselt vom FC Bordeaux für einen 4-Jahres-Vertrag zu Sir Alex Ferguson. Obertan war letzte Saison unter anderem an den FC Lorient ausgeliehen. Laut Vereinangaben war man bereits seit vielen Jahren auf Obertan aufmerksam gewesen. Auch Arsenal und die beiden Mailänder Klubs waren hinter Obertan her.

Wir haben einen weiteren Deutschen in der Premier League. Der 17-Jährige Shkodran Mustafi wechselt vom Hamburger SV zum FC Everton. Das meldet die Liverpool Daily Post. In Hamburg soll man über den Transfer nicht so begeistert sein.

Stoke City verstärkt seine Bemühungen auch in der kommenden Saison eine erfolgreiche Spielzeit zu absolvieren. Mit zwei Leistungsträgern wurden heute die Verträge verlängert. Verteidiger Andy Wilkinson hat seinen ehe schon bis 2011 datierten Vertrag bereits um ein weiteres Jahr verlängert. Mittelfeldspieler Salif Diao hat seinen auslaufenden Kontrakt um ein Jahr verlängert. Gute Nachrichten für die Fans der Potters.

Auf nach Andalusien: Didier Zokora verlässt nach drei Jahren die Tottenham Hotspur und wechselt zum FC Sevilla. Das gab der Verein auf seiner Internetseite bekannt.

Ich bewundere übrigens sehr die Arbeit von Gianfranco Zola bei West Ham United. Ich hatte bei meiner Reise im April in London auf dem Rückfahrt vom Arsenal-Spiel mich länger mit einem Fan der Hammers unterhalten – und war sehr angetan von seiner Schilderung. Und auch das, was ich von West Ham letzte Saison im TV gesehen habe, war meist recht ansprechend. Mit den geringen finanziellen Mitteln versucht man das Beste zu erreichen. Jetzt hat man den 17-Jährigen Teenager Jack Lampe, Verteidiger beim Amateurverein Harlow Town, verpflichtet. Zunächst gibt es einen Vertrag für ein Jahr bei den Profis.

So, und nur so, macht man deutlich, dass ein Spieler nicht mehr zum Verein passt. Der Besitzer von Wigan Athletic, Dave Whelan, über eine mögliche Rückkehr von Stürmer Amr Zaki, den Wigan auf Ausleihbasis letzte Saison im Verein hatte: “Zaki is difficult to control. When you get players with indiscipline like him, you just have to wipe your hands of them. It’s all over with Zaki – full stop.” [via Sky Sports]

Nachdem Real Madrid jetzt die Hoffnungen begraben hat Franck Ribery zu verpflichten, scheint der FC Chelsea diese erst wieder zu erwecken. Der Daily Telegraph fasst zusammen, dass der FC Chelsea auf alle Fälle noch einen Top-Spieler von der Kategorie Ribery an die Stamford Bridge lotsen will.

Des einen Freud, des anderen Leid – West Brom vor dem Aufstieg und Southampton immer noch am Abgrund

Erstmal möchte ich was anderes loswerden. Ich frage mich jedes Mal, was es für ein journalistischer Stil ist, wenn man schreibt, ein Team sei so gut wie aufgestiegen. Also entweder man ist aufgestiegen, oder man ist eben nicht aufgestiegen. Warum schreibt man nicht, dass ein Team kurz vor dem Aufstieg stehe. Na klar gibt es auch mal extreme Fälle, wo es nur noch theoretisch möglich ist, dass der Aufstieg oder die Meisterschaft verhindert wird. Aber die Formulierung “so gut wie” ist einfach fürchterlich, finde ich.

Jetzt zum eigentlichen Thema. Die Championship, die zweite englische Liga, bliebt weiter ein Spannungsfeld, im Kampf um den Aufstieg in die Premier League als auch im Vermeiden eines Abstieges in die League One. Kommenden Sonntag findet der letzte Spieltag der regulären Saison statt. Ich werde am Donnerstag noch einmal genauer darauf blicken. Gestern Abend fand das letzte Spiel des 45. Spieltages statt. West Brom konnte mit einem Sieg den Aufstieg in die Premier League perfekt machen, Southampton brauchte ebenfalls drei Punkte um die Abstiegsplätze zu verlassen. Am Ende hieß es nach einem guten Spiel 1:1, was zudem für Southampton etwas schmeichelhaft war, weil West Bromwich Albion die besseren Chancen hatte.

Heißt konkret, dass West Bromwich Albion kurz vor dem Aufstieg steht. Man hat ein Spiel vor Saisonende drei Punkte Vorsprung auf den dritten Platz plus das um 12 Tore bessere Torverhältnis gegenüber Hull City. Für die Baggies ist damit ein Traum fast vor der Erfüllung. Letztes Jahr musste man in die Playoff-Qualifikation, beherrschte im Finale Derby County, verlor aber mit 0:1. Damals waren das Umfeld und die Spieler am Boden zerstört, jetzt kann man wieder von der großen weltweiten Fußballbühne träumen. Und alles haben sie Chris Bunt zu verdanken, der kurz nach seiner Einwechselung das sehenswerte 1:1 erzielte. Die Fans feiern schon den Aufstieg.

Ganz anders die Stimmung an der Sudküste Englands, beim FC Southampton. Mit einem Sieg hätte man die Abstiegsplätze verlassen, jetzt steht man auf dem ersten Abstiegsplatz mit dem deutlich schlechteren Torverhältnis gegenüber Leicester City. Man braucht am Sonntag also einen Sieg, hat den Klassenerhalt aber nicht mehr in eigener Hand. Dementsprechend enttäuscht war auch der Trainer der Saints, Nigel Pearson: “We are disappointed not to have won after going in front but the point gives us more of a fighting chance than if we had lost. It drags other teams back into the equation and applies pressure on them. If we perform like that on Sunday we have a great chance of winning our last game and hopefully staying up.” Nigel Pearson hofft für den letzten Spieltag auch noch einmal auf die Unterstützung der Fans. Für die Heiligen wäre ein Abstieg so ziemlich das schlechtere was passieren könnte. Man würde immer mehr von der Bildfläche verschwinden, vor drei Jahren spielte man noch in der Premier League und war 1992 Gründungsmitglied der höchsten englischen Spielklasse. Und jetzt steht man vor dem sportlichen und finanziellen Abgrund. Und in den lokalen Medien werden schon die Abschiedsgesänge angestimmt.

We had joy we had fun
We had scummers on the run
From tonight you can see
that the Saints are in div 3

Soweit ist es dann noch nicht, aber die Hoffnung ist nicht mehr wirklich groß. Es wird also ein spannender Spieltag am kommenden Sonntag. Mehr dazu dann am Donnerstag noch und in einem Live-Blog am Sonntag.