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Nur noch legal und mit Angst vor der Rezession: Die Premier League in Sorge um die TV-Rechte

Donnerstag, 22. Januar 2009 15:48

Ich hatte es schon mal an anderer Stelle geschrieben. Die Premier League bereitet derzeit die Ausschreibung für die TV-Rechte ab der Saison 2010/2011 vor. Wie lange der neue TV-Vertrag gelten soll, ist noch unklar. Bisher wurden – ähnlich wie in Deutschland – die TV-Rechte nur für drei Spielzeiten vergeben. Die Bundesliga hat es jetzt vorgemacht, dass man auch neue Wege gehen kann und die Rechte für vier Saisons ausschreibt.

Seit der Saison 2007 teilen sich erstmals zwei Pay-TV Anbieter in Großbritannien die Live-Rechte. Setanta hatte damals zwei Rechtepakete, Sky Sports die übrigen sechs Pakete erworben. Die Premier League nahm aus den nationalen Fernsehrechten für 2007/2008 bis 2009/2010 über 1,5 Milliarden Euro ein. Summen, die weit über unseren Vorstellungen liegen und damals auch in England mit großer Überraschung zur Kenntnis genommen wurden. Setanta zeigt rund 40 Spiele live pro Saison, Sky Sports etwas mehr als 80 Spiele live, die übrigen als Aufzeichnung. Das Monopol von Sky Sports war gebrochen, wie von der Europäischen Union gewünscht. Die EU-Kommission hat der Premier League vorgegeben, dass mindestens eine gewisse Anzahl an Spielen live im Fernsehen gezeigt werden müssen. Das sind circa 120 Partien pro Saison. Da Samstagnachmittag zum Schutz der unterklassigen Ligen keine Spiele live gezeigt werden dürfen, muss hin und wieder schon mal der Spielplan verlegt werden um diese Anzahl zu erreichen. Wer Lust und Interesse hat, kann sich den 152-seitigen Bericht der EU-Kommission ja mal durchlesen. Ganz nett zu lesen vor allem der Abschnitt III zu den Präferenzen der Fans.

Unter Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen bastelt die FA und die Premier League derzeit also an der Ausschreibung für die neuen TV-Rechte. Und das vor dem Hintergrund, dass mit der Wirtschafts- und Finanzkrise Einnahmen der TV-Stationen wegbrechen und diese somit weniger für die wertvollen Rechte zahlen. Erster Schritt also um eine gute Ausgangsbasis für die TV-Sender zu schaffen. Man sagt den illegalen Angeboten, die Fußball über ausländische Internetstreams zeigen, den Kampf an. Das betrifft ebenso die Pubs und Kneipen auf der Insel, die sich ausländische Pay-TV Sender abonniert haben und vor allem Samstagnachmittag die Sperre der Live-Übertragungen umgehen. Der Guardian berichtet heute, dass die Premier League durch diese Angebote einen massiven Einnahmeverlust bei den TV-Rechten fürchtet. Das ganze soll durch eine Gesetzesinitiative politisch beschlossen werden, Probleme gibt es aber wohl vor allem bei der technischen Umsetzung. Die Premier League hatte bereits erfolgreich gegen Justin.TV und Youtube geklagt. Seitdem gibt es auf der Videoplattform keine bewegten Bilder von Premier League Spielen. Diese Maßnahmen sollen jetzt ausgeweitet werden. Dass das ein langer, aber notwendiger Weg, ist, dürfte klar sein. Viel einfacher dürfte da die Überprüfung heimischer Pubs und Kneipen sein, die sich vorzugsweise mit ausländischen Pay-TV Sendern eingedeckt haben. Digitalb darf zum Beispiel diese Saison keine Nachmittagsspiele mehr zeigen, weil viele Kneipen sich mit dem Angebot aus Albanien eingedeckt haben. Sollte die Offensive der Premier League also Erfolg haben, wäre dies auch eine Stärkung für die übrigen Pay-TV Sender außerhalb der Insel, wie zum Beispiel auch für PREMIERE. Nur dann müsste man sich diesen Vorteil dann auch mal zu Nutze machen und mehr Spiele live anbieten, wenn man schon die Rechte an allen Spielen hat.

Wie gesagt, die beginnende Wirtschafts- und Finanzkrise fällt in die falsche Zeit für drastische Steigerungen auf dem TV-Rechte-Markt in England. Das könnte die Chance für ESPN mit dem finanzstarken Disney-Konzern sein. Zunächst muss man aber positive Signale setzen für die Interessenten an den TV-Rechten. Die Bekämpfung illegaler Streams ist eine erste Maßnahme. Owen Gibson, beim Guardian viele Jahre lang für den Medien-Bereich zuständig, veröffentlicht einen zweiteiligen Report über die Beziehung von Pay-TV und den Erlösen aus dem Bereich des Sports. Der erste Part wurde heute veröffentlicht. Die große Frage ist, ob Pay-TV Anbieter auch in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise weiterhin dem Sport, in England vor allem dem Fußball, so hohe Erlöse wie bisher bringen oder ob es einen markanten Einnahmeeinbruch geben wird. Was dabei nicht vergessen darf, ist, dass weder der Sportrechtemarkt noch die Pay-TV Anbieter von einer solchen Wirtschaftskrise betroffen waren. Wirklich interessant zu lesen, weil der Report nicht nur die nationale Sicht in England berücksichtigt (unter anderem die Krise von ITV), sondern auch über den globalen Tellerrand schaut. Immer wieder fällt der Name auf ESPN, ein potentieller Bewerber für die TV-Rechte ab 2010. Russell Wolff, Vize-Präsident von ESPN International und Koordinator aller Aktivitäten von ESPN außerhalb der USA, hat schon einmal groß angekündigt, dass ESPN sehr gut aufgestellt ist die Rezession komfortabel zu überstehen. Das sagen aber auch Sky und die BBC. Mal sehen, wer da Recht behält. So oder so. Die Vergabe der nationalen TV-Rechte für die Premier League könnte so kompliziert und langwierig wie schon lange nicht mehr werden.

Thema: Premier League, TV und Radio, Wirtschaft | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Vertrauen in die Schuldenbremse

Donnerstag, 15. Januar 2009 14:45

Ich find es mal wieder klasse, wie sich unsere politische Elite derzeit für ihr Konjunkturpaket lobt. Mag sein, dass es da durchaus viele gute Ansätze gibt – das will ich gar nicht bestreiten – trotzdem ärgert es mich, wie sorglos man mit dem Geld zukünftiger Generationen um sich schmeißt.

Ende 2009 ist Deutschland mit 1,65 Billionen Euro verschuldet, der Löwenanteil liegt dabei auf der Bundesebene. Dieses Jahr gibt es mit 60 Milliarden Euro Neuverschuldung einen neuen historischen Rekord. Alles Zahlen, die kein Gütesiegel für die Politik sind.

Aber es soll ja Abhilfe geschaffen werden, mit der Schuldenbremse, dem heiligen Instrument für alle gestrauchelten Finanzminister. Ab 2015, also, wenn wir alle schon an den Schulden erstickt sind, soll diese Schuldenbremse dann wirksam werden. Im Grundgesetzt wird dann festgelegt, dass die jährliche Neuverschuldung nur noch 0,5% des BIP betragen darf. Das ist im Gegensatz zur jetzigen Regelung der Europäischen Union, die uns laut dem Maastrichter Vertrag eine jährliche Neuverschuldung von maximal 3% vorschreibt, ein klarer Fortschritt. Doch der Haken an der Geschichte kommt sofort. Dies gelte nur für eine normale Wirtschaftslage, nicht für Krisen oder andere überraschende Ereignisse. Man sagt dann immer so schön, wenn das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht aus den Fugen geraten ist. Dann darf weiter unbegrenzt Schulden machen, zumindest wird man dann dafür nicht bestraft. So ein Ungleichgewicht stellt übrigens einzig und allein die Bundesregierung fest. Wenn das dann mal keine Ausrede ist.

Zwei Fragen beschäftigen mich: Was passiert denn, wenn man gegen diese Schuldenbremse verstößt? Gibt es dann auch nur einen blauen Brief aus Brüssel, der dann im Kanzleramt zur Kenntnis genommen wird und anschließend im Papierkorb verschwindet? Denn eines wird im Moment gerne übersehen: Wir haben ja durch den Vertrag von Maastricht bereits eine europäische Schuldenbremse, die noch großzügig ausgelegt ist. An diese haben sich nur die wenigsten Staaten gehalten, auch Deutschland häufig nicht. Wenn man es schon nicht dauerhaft schafft, Masstricht einzuhalten, frage ich mich, wie man dann die Klausel 0,5% erreichen will. Aber zur Not ist die Wirtschaft eben nicht im Gleichgewicht.

Und wieso loben sich alle so für die Erfindung der Schuldenbremse? Wie der Name schon sagt, es bremst die Neuverschuldung ein bisschen, gestattet sie aber auch weiterhin immer noch zu. In guten Zeiten weniger, in Krisen beliebig hoch. Und vielleicht sollten wir ins Grundgesetz auch mal einen Passus schreiben, wie wir die jetzt schon angehäuften Schulden abbauen wollen. Denn die werden durch die Schuldenbremse auch nicht weniger.

Bundeskanzlerin spricht dieser Tage häufig vom Vertrauen, das wieder gewonnen werden muss beziehungsweise in der Bevölkerung erreicht werden soll. Beim Thema Schuldenbremse besteht zumindest bei mir noch ein bisschen Nachholungsbedarf. Ich verstehe den Sinn des Konzeptes nicht, verstehe nicht, wieso sie erst in sechs Jahren kommen soll und würde gerne erfahren, was passieren soll, wenn man die Schuldenbremse mal nicht einhalten sollte. Die Politik muss wohl noch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten.

Thema: Politik National, Wirtschaft | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Merkel sieht nur den Machterhalt – und dann noch lieber fahrende Autos als den Klimaschutz

Sonntag, 14. Dezember 2008 21:36

Es gibt sicherlich schönere Termine als sich auf einem Sonntagnachmittag im Kanzleramt in Berlin zu einer Sitzung über die Finanz- und Wirtschaftskrise zu treffen. Angela Merkel hat über 30 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik eingeladen um über Lösungen und Strategien zu beraten, die die Rezession abfedern sollen.

Für Angela Merkel scheint dieser Tage ein bisschen Beratung gut nötig. Klar, ist das keine leichte Zeit zu regieren, aber Merkel und auch SPD-Kanzlerkandidat scheinen immer noch nicht den großen Plan zu haben. Auf was man sich aber immer ganz schnell einigen kann, sind die Vorhaben, die den Machterhalt sichern. Dabei ist aber eigentlich nur Merkel und Steinmeier geholfen, die Krise wird damit erst recht nicht gelöst.

Vor allem Frank Walter Steinmeier, aber auch die Bundeskanzlerin haben dieser Tage in mehreren Interviews, zuletzt heute in der BILD am Sonntag, immer wieder einen Satz betont: Arbeitsplätze dürfen nicht in Gefahr sein. Das sind natürlich vor dem bevorstehenden Wahljahr 2009 mit zahlreichen Landtagswahlen, der Bundestags- und der Europwahl durchaus populäre Forderungen. Solange Arbeitsplätze gesichert werden, können sich Merkel und auch Steinmeier in den guten Zahlen sonnen. Viel dafür haben sie ja direkt ehe nicht getan. Und die Idee oder vielmehr die Strategie Arbeitsplätze zu sichern bedarf auch nicht eines großen Wurfes.

Damit wir uns hier nicht falsch verstehen. Ich halte diese Schritte nicht für falsch, aber insgesamt gehen mir diese Ideen nicht weit genug, lösen die Probleme nicht, lenken von anderen Schwierigkeiten ab. Was sie aber wohl schaffen, sind eine gute Basis, dass Angela Merkel mit gutem Gewissen in den Bundestagswahlkampf gehen kann. Wenn das ihr einziges Interesse ist, na dann gute Nacht. Bisher habe ich so den Eindruck.

Nehmen wir das Beispiel Autoindustrie. Es ist ganz offensichtlich, dass die großen Autokonzerne unter der beginnenden Wirtschaftskrise leiden. Angela Merkel verspricht also alles um Arbeitsplätze zu erhalten. Und setzt dafür alles auf eine Karte und stellt den Klimaschutz erstmal hinten an. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel ist sie damit auch noch erfolgreich gefahren. Man hat zwar ein Klimapaket verabschiedet, das aber deutlich unter den Zielen liegt, das man sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts gesetzt hat. Und vor allem Angela Merkel hat erreicht, dass die deutschen Autohersteller erst ab 2015 die neuen Umweltstandards umsetzen müssen. Rein rechtlich haben sie bis 2019 einen Freifahrtschein weiter an den jetzigen klimaschädigenden Vorgaben festzuhalten. Für das Klima, für die Zukunft kein toller Kompromiss. Für Merkels Chancen auf Wiederwahl 2009 aber wohl schon. Die Unterstützung der Autobranche dürfte ihr sicher sein.

Und ganz ehrlich verstehe ich Angela Merkel in diesem Punkt nicht. Wie kann ich das Versprechen Arbeitsplätze zu sichern nicht an irgendwelche Bedingungen knüpfen? Im Moment sieht es so aus, als tut Angela Merkel alles die Arbeitsplätze in der Industrie zu sichern, ohne aber auch überhaupt nur ein Problem – gerade in der Autobranche – zu lösen. Denn dass die Automobilindustrie in diese Krise geschlittert ist, ist vor allem ihre Schuld. Jahre lang hat man auf dem hohen Ross gesessen, immer größere, immer mehr spritfressende Autos gebaut. Wirkliche Nachhaltigkeit und ein Auge für einen Umweltschutz hat es nur bedingt gegeben. Die ganze Automobilindustrie muss sich komplett umstellen. Aber bisher sieht es überhaupt nicht danach aus. Die Krise wird schon vorbeigehen, und dann machen wir weiter wie bisher. Die Kanzlerin hat dafür europaweit schon mal ihre Zustimmung signalisiert. Bis 2019 zumindest.

Also alles für die Arbeitsplätze in der Autoindustrie und ganz wenig für den Klimaschutz. So sieht Angela Merkels bisheriges Konzept in der Finanzkrise aus. Und ganz ehrlich: Ich kann das nicht verstehen, dass es bisher nicht eine einzige Auflage an die Autoindustrie gab, und zwar eine, die ein sofortiges Umdenken erfordert. Was machen wir denn, wenn 2013 die nächste Wirtschaftskrise kommt und die Leute wieder sparen und keine Autos mehr kaufen? Gibt es dann wieder den Erhalt der Arbeitsplätze? Das kann es doch auch nicht sein. Die Autoindustrie, vor allem Opel, will staatliche Hilfen. Die Bundesregierung wäre gut beraten, dass an strikte Auflangen zu knüpfen. Doch das scheint für Angela Merkel zu unpopulär.

Dass gerade in diesen Zeiten der Klimaschutz nicht als oberste Priorität angesehen wird, ist einfach schade und der falsche Weg. Denn wenn wir beim Kimaschutz so weiter machen, ist die nächste Katastrophe nicht mehr weit. Was machen wir denn, wenn der Rhein mal wieder über die Ufer tritt und Städte wie Mainz, Köln oder Düsseldorf in den Fluten versinken. Dann haben wir ein nationales Problem, das weit mehr Schaden anrichten kann als jede Finanzkrise. Und solche Ereignisse werden sich in den nächsten Jahrzehnten eher häufen. Auch Naturkatastrophen kosten enorm Geld. Sie jetzt einzudämmen wäre der richtige Schritt als dafür zu sorgen, dass Opel bis 2019 produzieren können wir sie wollen. Und was machen wir eigentlich, wenn eine Wirtschaftskrise zusammen mit einer Naturkatastophe auftritt? Jetzt den Klimaschutz zu schützen wäre DAS notwendige Ziel, das viel mehr wert ist, gerade für die zukünftigen Generationen, als irgendein Arbeitsplatzerhalt bei der Autoindustrie. Wie gesagt, Arbeitsplätze zu erhalten ist nicht falsch, aber dabei darf es nicht bleiben. Strikte Vorgaben für die Autoindustrie. Und wenn die da nicht mitziehen, habe ich überhaupt nichts dagegen, den ganzen Laden an die Wand fahren zu lassen. Denn schuld sind sie ja fast selber. Und Angela Merkel macht sich jetzt zu Gehilfe dieser Industrie, macht sich populär bei allen Beschäftigten und verliert dabei die großen Ziele, die großen Aufgaben des 21. Jahrhunderts aus dem Ziel.

Alles für den Machterhalt. Politisch vielleicht geschickt. Mehr aber auch nicht. Schade, dass sich Angela Merkel ihr früh erworbenes Lob für ihre Klimapolitik jetzt so kapputt fahren lässt. Von einer Autoindustrie, die für ihr Scheitern selbst verantwortlich war. Aber, wenn in 30 Jahren die Städte überschwemmt sind, die Eisbären am Nordpol verschwunden sind, dann wissen wir, dass wir die falschen Prioritäten gesetzt haben.

Viel zu spät wurde der Klimawandel in den Angriff genommen. Jetzt hatte Angela Merkel die große Chance, und sie hat sie leichtfertig aus der Hand genommen. Dass das Investieren in Klimaschutz, gerade auch in der Autoindustrie zu neuen Arbeitsplätzen führen kann, hat man Angela Merkel wohl noch nicht gesagt.

Thema: Bundestagswahl 2009, Wirtschaft | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Konsumkosten

Freitag, 5. Dezember 2008 10:14

Ist es nicht eigentlich erstaunlich, wie wenig an Gedanken, Lösungsvorschlägen und Strategien zu den Themen Steuersenkungen, Konjunkturpakete und Konsumgutscheine derzeit von unserem Wirtschaftsminister Michael Glos kommt? Aber das ist ein anderes Thema.

Hat noch jemand den Überblick, wer, was und wie die Bundesregierung derzeit die anstehende Wirtschaftskrise lösen will? Ich habe es mittlerweile aufgegeben täglich mich mit neuen Vorschlägen auseinander zu setzen. Merkel und Steinbrück sind irgendwo gefangen zwischen europäischen Lösungen, nationalen Wahlkämpfen und dem Druck aus der eigenen Partei. Keine leichte Situation, da kann man den Michael Glos ja fast schon verstehen, dass er sich zurückhält.

Neustes Thema, was immer wieder diskutiert wurde, sind die Konsumgutscheine. Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich solche Gutscheine gar nicht so schlecht finde, aber aus rein persönlichen Motiven. Ich hätte etwas Geld mehr und könnte mir etwas kaufen, was ich gerne möchte, aber jetzt auch nicht unbedingt bräuchte. Beispielsweise einen neuen Festplattenrekorder, einen neuen PC-Bildschirm oder Geld für eine Städtreise oder Urlaub (natürlich ins Ausland).

Ich hätte aus meiner Sicht also Gefallen an so einer Lösung, aber ob das wirtschaftlich Sinn macht, kann man sicherlich bestreiten. Auch, ob wir eine solche Maßnahme jetzt überhaupt schon brauchen und damit nicht eher mehr Panik auslösen als vielleicht angemessen. Aber der Vorschlag ist durchaus sexy. Was man ja nicht immer von politischen Programmen behaupten kann. Die ZEIT hat in ihrer derzeitigen Ausgabe auf Seite 3 eine pro / contra – Diskussion über die Einführung von Konsumgutscheinen. Und Josef Joffe berichtet, wie Konsumgutscheine in den USA wirken.

Thema: Wirtschaft | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Nachrichtensender ohne Nachrichten

Dienstag, 30. September 2008 16:19

Montagabend, 19h50. Erste Meldungen schwappen über den Atlantik, wonach das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket der US-Regierung im Kongress wohl möglich keine Mehrheit bekommen wird. Noch ist aber unklar, ob die nötige Stimmenmehrheit erreicht werden kann. Zunächst sei nur von einer lebhaften Diskussion im Kongress gesprochen worden. Doch die Gerüchte reichten aus: Die ehe schon anfälligen Börsenkurse an der Wall Street brechen daraufhin völlig zusammen, erholen sich kurz. Als aber final bekannt wird, dass der Rettungsplan endgültig gescheitert ist, brechen alle Dämme beim Dow-Jones. Ein Verlust von über 700 Punkten.

Innerhalb von 20 Minuten erreicht die weltweite Finanzkrise eine neue Dimension. Als Newsjunkie gehen bei mir dann immer alle Sirenen los. Ich möchte dabei sein, möchte alles live verfolgen, erste Reaktionen verfolgen, Stimmungen, Eindrücke und Emotionen aufsaugen. Also wird BBC Five Live eingeschaltet und durch die Nachrichtensender gezappt. Und mal wieder muss ich sagen, dass ich von unseren beiden Nachrichtenkanälen n-tv und N24 sowas von maßlos enttäuscht bin. Als ich um 19h55 den TV einschalte, haben CNN, Sky News und BBC World ihr Programm schon unterbrochen und zeigen Live-Bilder aus dem Kongress. Überall laufen Breaking News-Laufbänder. Bei n-tv und N24 kommt Werbung. Der Kölner Sender berichtet dann in seiner 20Uhr-Nachrichtensendung, die gerade mal fünf Minuten geht, immerhin kurz darüber, N24 ignoriert alle Meldungen und geht nach drei Minuten Nachrichten vom Tage zur Doku “Angriff aus dem Hinterhalt” über. Da kann man sich eigentlich nur verarscht vorkommen.

Der kleine Sender “Eins Extra” übernimmt erste Meldungen aus den USA um kurz vor Acht ins Programm. Die Tagesschau berichtet in ihrer 20h00-Ausgabe als erste ausführlich über ein mögliches Scheitern, gegen 20h15 kommen bei tagesschau.de und Spiegel-Online die ersten Eilmeldungen an den Tag. Zu diesem Zeitpunkt haben Sky News und CNN bereits drei Schalten nach New York und Washington unternommen. Natürlich kann man von den Strukturen die Nachrichtensender nicht vollständig vergleichen, aber ist es von N24 und n-tv zu viel erwartet, alle Stunde 15 Minuten Nachrichten zu senden und bei solch dramatischen Ereignissen das laufende Programm zu unterbrechen? Gerade in solchen Momenten kann man seinen Sender, die Marke und sein Profil durch ausführliche Berichterstattung stärken. Aber das scheint echt zu viel verlangt. Die Tagesschau war mit ihrer Meldung das erste Nachrichtenmedium in Deutschland, das von dem (möglichen) Scheitern berichtet. Da kann man die ARD sicherlich für loben, vielmehr ist es aber ein Armutszeugnis für alle anderen Sender hier.

Welchen Stellenwert haben Nachrichten überhaupt noch bei manchen Sendern? Ist eine Doku wichtiger als eine weltweite Finanzkrise, die uns alle betrifft? Wo ist der Informationsauftrag, wo die Leistung, die zum Beispiel N24 oder n-tv erbringen? Ein Beispiel: Der Radiosender BBC Five Live unterbricht seine montägliche, sehr beliebte Sportsendung für mehrere Schalten nach Washington D.C. Der Moderator entschuldigt sich mehrfach bei den Sportfans, dass man nicht wie üblich sonst am Montag über die Fußballspiele vom Wochenende diskutieren kann, aber die Berichterstattung aus den USA genießt erstmal Vorrang. Das Wichtige vom Unwichtigen trennen, und die Zuschauer umfassend informieren. Das erwarte ich von Nachrichtenmedien. Ich glaube, dass das nicht zu viel verlangt ist. In Deutschland sind wir an dieser Stelle teilweise noch ein Entwicklungsland. Und die Proteste von RTL und ProSieben/Sat.1 gegen einen Nachrichtenkanal von ARD und ZDF sind in diesem Zusammenhang einfach nur dreist und frech.

22h30 am Montagabend. Ich schaue Sky News, die Abendnachrichten. Seit 10 Minuten gibt es Schalten an die Wall Street und zum Kapitol nach Washington. Plötzlich wird die Schalte unterbrochen, man schaltet sofort wieder nach London, wo der Vorsitzende der Konservativen, David Cameron, eine Stellungnahme zu den Ereignissen des Tages abgibt. Danach nimmt man dann die Schalte zu Wall Street wieder auf, unten rechts blendet man ein kleines Live-Bild ein. Henry Paulson, der US-Finanzminister, wird in Kürze ein Statement abgeben, Sky News ist natürlich schon vorher informiert und hält die Zuschauer auf dem Laufenden, wann damit zu rechnen ist.

Ich schalte nochmal zur Sicherheit zu N24. Es läuft wieder irgendeine Doku. Wieso habe ich eigentlich dorthin geschaltet? Die ARD hat gestern gezeigt, dass man auf Nachrichten auch kurzfristig reagieren kann. Ansonsten war es mal wieder ein Armutszeugnis. Eigentlich nichts Neues, aber ich wollte es trotzdem noch mal gesagt haben. Schöne Grüße an die Heuschrecken.

Thema: TV und Radio, Wirtschaft, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (2) | Autor: medispolis