Eishockey in Hannover: Nur getrennt an der Leine ziehen

Wie geht es weiter mit Eishockey in Hannover? Wie sieht die Zukunft dieses großartigen Mannschaftssports in der niedersächsischen Landeshauptstadt aus? Eigentlich vergeht ja kein Sommer, wo nicht über Probleme und Perspektiven auf dem Eis gesprochen wird. 2010 wurden die Hannover Scorpions Meister, um dann im Sommer kurz vor der Insolvenz zu stehen, weil Besitzer Günter Papenburg keine Lust mehr hatte, den defizitären Klub mit der Tui-Arena zu finanzieren. Die Euphorie der Meisterschaft war sofort verschwunden. Vor einem Jahr überwarf sich die Mannschaft mit Trainer Toni Krinner, der bei Papenburg weiter ganz oben in der Beliebtheitsskala stand, es aber außerdem nicht mehr mit Geschäftsführer Marco Stichnoth aushielt. Ich hatte die Hannover Scorpions bereits zu Grabe getragen.

Frühjahr 2013: Die Hannover Scorpions verpassen ganz knapp die Qualifikation für die Playoffs, eine Mischung aus Pech und Unvermögen. Die Chance nach der letzten schlechten Saison wieder für positive Aufmerksamkeit zu sorgen, gelingt der sehr jungen Mannschaft nicht. Für die ganz negativen Schlagzeilen sorgt aber der Zweitligist vom Pferdeturm, die Hannover Indians. Immer im Schatten der Scorpions gewesen, aber mit sehr treuer Fanbasis, langer Tradition in der Stadt und durchaus guter Mannschaft für die zweite Liga mit Chancen auf die Playoffs, muss Ende Februar Insolvenz angemeldet werden. Der Verein ist pleite und stellt ein paar Wochen später den Spielbetrieb komplett ein. Die letzten Saisonspiele wurden noch absolviert. Für viele Fans kam diese Schock-Nachricht sicherlich überraschend, Gerüchte gingen aber schon eine Woche vorher durch die Presse in Hannover. Damals berichtete die Hannoversche Allgemeine, dass die Indians darüber nachdenken, eventuell zukünftig in der Tui-Arena bei den Skorpionen zu spielen. Ein Schritt, der immer wieder ausgeschlossen wurde. Mit der anderen Mannschaft aus der Stadt, die ja sowieso nur ein lästiges Importprodukt sei und nur mit den Geldscheinen von Papenburg überlebe, möchten die Fans der Indians nichts zu tun haben. Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren die Alarmglocken geläutet. Dirk Wroblewsk, der Geschäftsführer der Indians, musste kleinlaut verkünden, dass rund 300.000 Euro in der Kasse fehlen würden. Nun hat der Pferdeturm in den letzten zehn Jahren schon einige Insolvenzen erlebt. Es ging immer weiter mit Profieishockey in der Nähe des Kantplatzes, direkt an der Eilenriede. Diesmal erteilten alle Beteiligten jeglichen Hoffnungen eine Absage. Es gebe nicht genug Sponsoren in der Stadt – Hannover 96 und teilweise auch die Scorpions sind starke Konkurrenz – und aufgrund des Pachtvertrags der Stadt mit der Stadionbetreiberin blieben den Indians zu wenig Einnahmen in der Kasse.

Dass dabei natürlich auch die fürchterlichen Strukturen im deutschen Eishockey mit dem fehlenden Aufstieg in die DEL eine kleine Rolle spielen, soll nicht verschwiegen werden. Aber das ist das kleinste Problem am Pferdeturm. Die Solidarität der Stadt mit dem Eishockey-Klub hält sich in Grenzen. Finanzielle Unterstützung der Politik wurde sofort ausgeschlossen. Die Fans der Indians machten durch Kundgebungen und Veranstaltungen in der Stadt auf die missliche Lage ihres Vereins aufmerksam. Aber so richtig interessiert das in Hannover die große Masse nicht. Da nützten auch die tausend Fans der Indians nicht. Die Fans der Scorpions haben das im Sommer 2010 auch einmal gemacht. Viel gebracht hat das nichts. Es war eine nette Aktion, welche die Probleme und Schwierigkeiten im hannoverschen Eishockey nicht lösen werden. Einzelgänge scheinen wenig zu bringen.

Wie geht es also weiter? Und diese Frage muss vor dem Hintergrund gestellt werden, dass vor allem die Fans der Hannover Indians einem Fan der Hannover Scorpions nicht bei Tageslicht begegnen würden. Die Fans der Indians wollen mit den Hannover Scorpions nichts zu tun haben. Teilweise in der Historie begründet: Der ECH, so hießen die Indians lange Zeit, spielten auch einmal Bundesliga. 1995/1996 zogen sie sich wegen Finanzierungsproblemen (sic!) aus der Bundesliga zurück. Den Platz nahm der Wedemarker ESC ein, allerdings völlig berechtigt durch den sportlichen Aufstieg, nicht weil der ECH gescheitert war. Der Stachel saß trotzem tief. Aus dem Wedemarker ESC wurden 1997 die Hannover Scorpions, 2001 ging es dann in die Tui-Arena.

Umgekehrt ist die Bereitschaft zu einer Kooperation ungleich größer, aber zumindest vorhanden. Das macht die Suche nach Lösungsvorschlägen nicht einfacher. Das Klima scheint vergiftet. Es sollte letztes Wochenende ein Solidaritätsspiel zwischen den Scorpions und den Indians in der Tui-Arena geben. Es sollte ein Tag des hannoverschen Eishockey werden, bei dem auf die schwierige Lage aufmerksam gemacht werden sollte. Zwei Tage vor dem Spiel sagten die Indians ab. Offizielle Begründung: Das Verletzungsrisiko sei zu hoch. Tage zuvor hatten die Fans der Indians in diversen Foren und im Eishockeyblog der HAZ zum Boykott des Spiels aufgerufen. Ob dieses Spiel finanziell irgendjemanden geholfen hätte, ist spekulativ. Es wäre aus meiner Sicht aber ein schönes Zeichen gewesen, wenn beide Teams gegeneinander gespielt hätten und damit für einen Tag Eishockey in Hannover prominent in Szene setzen. Es wäre ein wünschenswerter Startschuss gewesen. So ziehen alle Beteiligten weiter getrennt an der Rettungsleine. Wenn überhaupt. Wie es nun weitergeht? Ausgang offen. Eine Fusion wird es nicht geben. Das wollen die Indians nicht und Günter Papenburg will diesen Zusammenschluss nicht finanzieren.

Und so steht Eishockey weiter auf wackeligen Füßen. Dabei darf eben auch nicht vergessen werden, dass bei den Hannover Scorpions das jährliche Defizit von Papenburg ausgeglichen wird (was im deutschen Eishockey aber keine Seltenheit ist und in Berlin, Köln, Mannheim und Hamburg ebenso passiert). Gleichzeitig verstärken die Scorpions ihren Sparkurs jede Saison weiter. Mit Andy Reiss und Gerrit Fauser verlassen zwei Leistungsträger den Verein. Chris Herperger beendet seine Karriere und geht zurück nach Kanada. Außer mit Trainer Igor Pavlov ist noch kein Vertrag verlängert worden, Gespräche finden aber statt. Und es ist jeden Sommer dieselbe Frage: Wie lange macht das Papenburg noch?

Offensichtlich gehen zwei Profi-Eishockeyvereine (einmalig in Deutschland!) nicht zusammen, gerade nicht in Hannover. Es gibt naürlich viele Vorschläge beziehungsweise eher Schritte, die gemacht werden müssten: Es muss eine Kooperation zwischen beiden Klubs geben, eingerahmt von einem langfristigen Konzept. Wie das aussehen soll oder kann, hat noch keiner in Hannover beantwortet. Es müssten mehr Sponsoren für Eishockey in Hannover gewonnen werden. Wie das gelingen kann mit der Konkurrenz von Hannover 96 und den Handballern vom TSV Hannover-Burgdorf, ist mir völlig schleierhaft. Zumal Eishockey sich nicht wirklich den besten Ruf in den letzten Jahren erarbeitet hat.

Wobei wir wieder bei den Strukturen im deutschen Eishockey insgesamt wären. Vielleicht ist die Lage in Hannover ja nur ein Mikrokosmos der derzeitigen Situation deutschlandweit. Mit dem Schritt ins Free-TV scheint die DEL den richtigen Weg gegangen zu sein. Aber ob in Krefeld, Düsseldorf, Hannover, Iserlohn oder Wolfsburg. Viele Strukturen stehen auf wackeligen finanziellen Füßen. Und dafür ist die DEL und alle anderen Beteiligten im deutschen Eishockey verantwortlich. Auf- und Abstieg, Verkürzung der Hauptrunde. Das sind die Stichworte. Die Gelegenheitszuschauer werden durch die lange Saison und den fehlenden sportlichen Reiz nicht langfristig gewonnen. Es wäre jetzt müßig darüber zu diskutieren, ob eine Lösung der Situation in Hannover nur gelingen könne, wenn auch die Strukturen im deutschen Eishockey insgesamt verändert werden. Das lässt sich auch nicht seriös beantworten. Aber die Situation würde sicherlich erleichtert werden. Doch darauf können Indians und Scorpions eigentlich nicht warten.

Oder man hält es so wie 96-Präsident Martin Kind, der sagt: “Eishockey ist in Hannover nicht finanzierbar.” Man möchte Martin Kind fragen, wo Eishockey sich von alleine finanzieren lässt. Mit dem Satz wäre eigentlich alles gesagt und auf den Punkt gebracht. Aber nichts gelöst. To be continued.

Die DEL im TV: Hannover, der tote Fleck auf der Eishockey-Landkarte

Seit dieser Spielzeit hat die Deutsche Eishockey Liga (DEL) neue TV-Partner. Nach vielen Jahren der ausschließlichen Präsenz im Pay-TV bei Premiere und später Sky, geht die Liga seit September einen neuen Weg. Mit ServusTV und laola1.tv gibt es erstmals wieder die DEL im Free-TV für alle zu schauen – ohne Extrakosten für ein Abo. Die Verantwortlichen der Liga versprechen sich dadurch eine höhere Reichweite und mehr Zuschauer für die Übertragungen. Freitags gibt es die DEL nur als Internet-Stream, sonntags überträgt ServusTV in der ServusTV Hockey Night das Spiel der Woche live und in HD. Qualitativ, das hatte ich ja an dieser Stelle schon einmal gesagt, ist das sehr ordentlich, was ServusTV journalistisch anbietet. Wird den wenigen bekannten Einschaltquoten Glauben geschenkt, ist bei der Zuschauerresonanz noch viel Luft nach oben, die selbst gesteckten Ziele von 250.000 Zuschauern im Schnitt müssen erst noch erreicht und dann bestätigt werden.

Da ich weiterhin kein großer Freund von Internet-Streams bin und ich beim gelegentlichen Schauen von laola1.tv nie wirklich zufrieden mit der Qualität des Streams war, halte ich den TV-Vertrag für nicht den großen Quantensprung, den die DEL immer darstellt. Für die Sehgewohnheiten wäre es sicherlich besser gewesen, nur einen TV-Partner zu haben. So gibt es lediglich ein Spiel pro Woche im Fernsehen. Und da ich den natürlich völlig subjektiven Eindruck hatte, dass mein Lieblingsteam, die Hannover Scorpions, nie bei ServusTV laufen und gefühlt bei ServusTV immer dieseleben Teams spielen, habe ich mich einmal an eine Übersicht über die mediale Präsez aller DEL-Vereine in den letzten zwei Spielzeiten gesetzt. Das lässt sich natürlich noch viel detaillierter, zum Beispiel nach Monaten gestalten und in Korrelation zu Tabellenständen setzen, aber zunächst einfach nur einmal die nackten Zahlen. Und ich war überrascht, dass ich mit meinem subjektiven Eindruck doch nicht so richtig lag – zumindest nicht in allen Punkten.

Blicken wir zunächst auf die Saison 2011/2012. Ich berücksichtige immer nur die Übertragungen der Hauptrunde (zur Methodik am Ende des Beitrags mehr). Sky zeigte freitags und sonntags ein Spiel, zudem gab es einige Übertragungen im Free-TV bei Eurosport.

TV-Übertragungen in der Hauptrunde 2011/2012

Der Branchenprimus, die Eisbären Berlin, bekamen in der Hauptrunde der Saison 2011/2012 die meisten TV-Spiele, gefolgt von den Kölner Haien und dem ERC Ingolstadt, der die meisten Spiele bei Sky bekam. Es folgte die Düsseldorfer EG, die vor allem in der Schlussphase der Saison dank des engen Kampfes um die Playoff- und Pre-Playoff-Plätze TV-Präsenz bekam. Ansonsten bekam jede Mannschaft mindestens fünf Spiele bei Sky im Programm. Leidglich die Hannover Scorpions schnitten schlechter ab, was aber ganz klar der sportlichen Situation geschuldet war. Denn die Skorpione waren bereits zum Jahreswechsel sportlich in der Tabelle abgeschlagen und spielten häufig um die goldene Ananas. Wieso dann unwichtige Partien zeigen? Insgesamt fällt noch auf, dass mit Hamburg und Wolfsburg zwei Nordklubs mehr Spiele bekamen als Krefeld und Iserlohn, zwei Eishockeystädte im Westen mit jeder Menge Derby-Potential. Mannheim bekam nur ein TV-Spiel mehr bei Sky als Straubing oder Wolfsburg. Auffällig die hohe Zahl an Übertragungen von Ingolstadt, die unter anderem auch damit zusammenhängen könnte, dass Sky aus München recht schnell in Ingolstadt ist und entsprechend durchaus attraktive Begegnungen zeigen kann. Wenn man so will: Die TV-Übertraungen versuchen die sportliche Relevanz so gut es geht bei den Planungen zu berücksichtigen.

Das ist für die aktuelle Saison schon etwas schwieriger festzustellen. Mein Eindruck hat also nicht völlig getäuscht, fällt aber nicht so dramatisch aus, wie ich gedacht hatte. Die Übersicht der TV-Übertragungen in der Hauptrunde der Saison 2012/2013 offenbart aus meiner Sicht drei interessante Aspekte:

TV-Übertragungen in der Hauptrunde 2012/2013

1. Hannover bleibt der tote Fleck auf der Eishockey-Landkarte. Nur gibt es im Vergleich zur Saison 2011/2012 einen großen Unterschied. Die Scorpions sind nicht abgeschlagen Tabellenletzter, sondern sind als derzeit Tabellenachter im Herz des Kampfes um die Playoffplätze, um die Ränge 6-10. Da ist quasi jedes Spiel ein Endspiel. Und trotzdem schaffen es die Scorpions in dieser Saison nur auf eine Übertragung bei ServusTV. Bei Hannover spielt mit Ivan Ciernik einer der besten Stürmer der Liga, Pätzold ist Nationaltorhüter, es gebe mit Duellen gegen Hamburg und Wolfsburg auch genug interessante Spiele mit Derbycharakter. Hannover ist bei den Übertragungen nicht adäquat berücksichtigt worden und mich würde sehr interessieren, warum das so ist. Sicherlich sind alle restlichen Spiele im Februar und März relevant und spannend von den Ansetzungen im Kampf um die Playoff-Plätze. Aber da spielt eben auch Hannover mit.

2. Die Spiele bei ServusTV, also diejenigen, die ich für die halte, die halbwegs medialen Anklang und Reichweite finden, auch bei Zuschauern, die nicht so häufig DEL schauen, sind sehr ungleich verteilt. Hannover, München und Iserlohn haben die wenigsten Übertragungen, sind aber tabellarisch gesehen in der interessantesten Tabellenkonstellation. Köln und Berlin, die Teams mit den meisten Spielen bei laola1.tv und ServusTV, sind die meiste Zeit in der Saison aber in der sportlichen Lage, das nicht jedes Spiel das sportliche Überleben bedeutet. Rein gefühlt könnte also die Relevanz für das Tabellenbild insgesamt etwas stärker berücksichtigt werden als die die Beliebtheit und die Zuschauerquote.

3. Wie von der SportsmanGroup, die den TV-Vertrag mit der DEL abgeschlossen hatte, angekündigt, berücksichtigt ServusTV, am finanziellen Reichtum von RedBull hängend, den EHC Red Bull München nicht bei den TV-Übertragungen. Nur fünf Spiele insgesamt, genauso so viele wie die Düsseldorfer EG, die aber moantelang abgeschlagen im Tabellenkeller hing. Lediglich im Vergleich zu den der Hannover Scorpions findet eine Benachteiligung statt.

Wie gesagt: Die Unterschiede sind längst nicht so groß, wie ich dachte, und vielleicht nur durch meine Hannover Scorpions Brille gesehen. Aber trotzdem ist eine Tendenz ja erkennbar in den letzten zwei Jahren, die es zu diskutieren gilt und welche die DEL hinterfragen sollte bzw. nach möglichen Alternativen suchen sollte. Hier die Übersicht über alle TV-Übertragungen der letzten zwei Hauptrunden.

TV-Übertragungen Hauptrunde 2011/2012 und 2012/2013 gesamt

Eine der zentralen Herausforderungen für die Deutsche Eishockey Liga wird in den nächsten Jahren sein, neue Fans an die Sportart zu binden, mehr Menschen für Arenenbesuche zu mobilisieren und nicht nur die Fangruppen schon zu bedienen, die sich sowieso für die DEL interessieren und regelmäßig zu den Spielen gehen. Eine Möglichkeit, sich neue Fans zu erschließen, ist sicherlich über die TV-Übertragungen, gerade wenn die Spiele für alle jetzt frei verfügbar sind. Nur wie können neue Fans in bestimtmen Städten gewonnen werden, wenn die Teams fast nie oder zu selten im TV laufen? Wie sollen die Anhänger angefixt werden? Was bei den Statistiken auffällt: Es bekommen überproportional die Mannschaften TV-Präsenz, welche ehe schon einen hohen Zuschauerzuspruch haben, wie Berlin, Köln, Mannheim und Hamburg. Natürlich müssen diese Mannschaften eine umfangreiche Berücksichtigung finden, weil die Stimmung in den Arenen hervorragend ist und Werbung für den Sport gemacht wird. Mannheim gegen Berlin interessiert nun einmal mehr Menschen als Iserlohn gegen Hannover. Nur angesichts der großen finanziellen Probleme bei den kleineren Teams, kann doch vor allem über die TV-Präsenz etwas mehr Gleichheit bei der Spielberücksichtigung gefunden werden. Einige Teams sind medial bei Live-Spielen kaum wahrnehmbar. Ich weiß nicht, ob die Verteilung der Spiele der Liga auf Dauer nicht schaden wird. Die Mobilisierung neuer Fans brauche ich nicht mehr in Berlin, Köln oder Mannheim zu unternehmen, aber vielleicht in Iserlohn, Krefeld, Hannover und München.

Die Zukunft der DEL wird doch nur besser, wenn medial das Gesamtbild der Liga abgebildet wird. Um die mediale Präsenz der DEL ist es ja im Vergleich zu BBL und HBL nicht so gut geschehen, von daher ist noch Luft nach oben, alls Vereine besser bei den TV-Spielen zu berücksichtigen. Vielleicht wäre ein erster Schritt festzulegen, dass jedem Team mindestens sechs Live-Übertragungen pro Hauptrunde garantiert werden.

Wie gesagt, das soll keine Kritik an ServusTV und laola1.tv sein. Wie ja in den Übersichten erkennbar ist, sind die TV-Sender kein Erklärungsfaktor. Sky hat den Schwerpunkt ebenfalls auf die zuschauerstarken Teams gelegt. Da hatte ich mit deutlich größeren Unterschieden gerechnet.

ServusTV wollte in der Ära nach Sky ja vieles aanders und besser machen. Dann wäre das doch mal ein erster Schritt, etwas mehr Gleichheit und Annährung bei den TV-Übertragungen zu schaffen. Das als kleine Forderung und Fazit dieses Beitrages. Ansonsten ist es vielelicht ja mal ganz anschaulich für alle DEL-Fans zu sehen, wie oft ihr Team in den letzten zwei Spielzeiten in der Hauptrunde im TV zu sehen war.

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Methodik: Die TV-Übertragungen für die Saison 2012/2013 sind auf der DEL-Website einzusehen und archiviert. Darauf konnte ich direkt zurückgreifen. Diese Daten fehlten mir für die Spielzeit 2011/2012, als Sky und Eurosport übertrugen. Mit Hilfe eines kleinen Programms habe ich die Inhalte der Facebookseite der DEL archiviert und mit den Schlagworten “TV”, “TV-Übertraungen” und “Sky” durchsucht. So bin ich sehr schnell auf die Links gekommen und konnte die Spiele übertragen. Bei kurzfristigen Spielansetzungen und Änderungen im Programm habe ich mich in entsprechenden Foren der DEL-Klubs informiert und die Infos mit den vielfältigen Screensport-Ausgaben von allesaussersport abgeglichen.

Hannover Scorpions († 23.02.2012)

Es ist der pure Masochismus am Tabellenende der Deutschen Eishockey Liga. Die Hannover Scorpions, Meister 2010, haben sich in den letzten Wochen schon in alle Einzelteile zerfleischt. Heute kam dann der Höhepunkt, der Todesstoß vom Besitzer Günter Papenburg persönlich. Er hält trotz der sportlichen Misere an Trainer Toni Krinner fest und stellt sich damit gegen Geschäftsführer Marco Stichnoth, die komplette Mannschaft und die Fans. Die Hannover Scorpions sind endgültig am Ende. Aus. Vorbei. Aufgrund der Entscheidung von Papenburg haben nach Informationen hannoverscher Medien alle Spieler, deren Vertrag am Saisonende ausläuft, bereits mitteilen lassen, dass sie den Verein verlassen werden. Alle anderen Spieler, deren Kontrakt über die aktuelle Spielzeit hinausgeht, wollen versuchen ihren Vertrag aufzulösen. Schneller ist ein sportlicher Erfolg wie die Meisterschaft 2010 nie vergessen worden. Die Saison ist eine einzige sportliche Krise – doch stattdessen diese zu lösen, sind alle Beteiligten mit sich selbst beschäftigt. Die Leidtragenden sind die treuen Fans, die trotz 14 Heimspielniederlagen in Serie immer noch ihren Weg in die Tui-Arena finden. Doch auch das dürfte bald vorbei sein – dank eines Beziehungsgeflechts, das einzigartig im deutschen Profisport scheint und schon nicht mehr tragisch ist. Fünf Parteien stehen sich gegenüber. Alle haben ihre Ansichten, und keiner weicht davon ab, geschweige sucht den Ausgleich zwischen den Gruppen. Ein Gesprächsangebot von Besitzer Papenburg an die Spieler hat der Baununternehmer kurzfristig wieder ausgeschlagen. Er hat im Alleingang beschlossen, dass Toni Krinner auch in der neuen Saison Trainer bleibt. Wem das nicht gefällt, könne gehen oder einfach wegbleiben. Ich wette, Papenburg ist sich den Folgen dieser Aussage überhaupt nicht bewusst. Oder er leidet unter Realitätsverlust. Wie so viele bei den Hannover Scorpions.

Der Besitzer
Ohne Günter Papenburg würde es die Scorpions nicht geben. Der Bauunternehmer hat den Verein jahrelang mit einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag unterstützt und stets das Defizit am Saisonende ausgeglichen. Papenburg, gleichzeitig Besitzer und Betreiber der Tui-Arena auf dem Messegelände in Hannover, brauchte natürlich auch ein Zugpferd für die Mehrzweckhalle. Die Scorpions waren aber nicht nur Mittel zum Zweck. Dann hätte Papenburg die Scorpions schon eher fallen lassen können. Insbesondere unter der Ägide von Hans Zach, mit dem sich Papenburg exzellent verstand, sind die Scorpions Papenburg, auch aufgrund der großen sportlichen Erfolgs, sehr ans Herz gewachsen. Aus den sportlichen Planungen hatte sich Papenburg immer rausgehalten. Das war der alleinige Aufgabenbereich von Geschäftsführer Marco Stichnoth. Doch in Folge der sportlichen Krise in dieser Saison hat Papenburg sich häufiger zu Wort gemeldet. Er hat stets zu Trainer Krinner gehalten – auch nach der 14. Heimniederlage in Folge. Papenburg schwimmt damit alleine gegen den Strom.

Der Geschäftsführer
Der Erfolg der Scorpions hat eine Handschrift: Geschäftsführer Marco Stichnoth. Er hat das Team zusammengestellt, er hatte Hans Zach 2006 an die Leine geholt. Er war es aber auch, der es nie geschafft hat, sich am vom Besitzer zur Verfügung gestellten Etat zu orientieren. Die Scorpions haben in den letzten Jahren nicht gut gewirtschaftet. Die Meistersaison ließ aufgrund hoher Prämien ein großes finanzielles Loch zurück, das Papenburg dann ausgeglichen hat. Die Beziehung zwischen Stichnoth und Krinner war zu Beginn positiv, doch mit zunehmender Unzufriedenheit innnerhalb der Mannschaft mit Krinner, spielte sich Stichnoth in den Mittelpunkt. Er stellte sich während der Spiele auf die Trainerbank, war eine Art Co-Trainer, dessen Posten aufgrund des Sparkurses eingestellt wurde. Stichnoth ist der Ansprechpartner für das Team geworden, Krinner wird immer mehr umgangen. Und nicht zuletzt genießt Stichnoth großes Ansehen bei den Fans.

Das Team
Nahezu alle Spieler der Hannover Scorpions haben sich mit Trainer Krinner überworfen. Bereits zum Ende der letzten Saison gab es einen Bruch zwischen Trainer und Mannschaft, der sich nahtlos in der laufenden Saison fortgesetzt hat. Die Spieler haben schlicht keinen Bock mehr unter Krinner zu trainieren – und so spielen sie auch. Lustlos. Interna aus der Kabine drangen in die Öffentlichkeit. Die Mannschaft versuchte Krinner zum Rücktritt zu drängen. Der gab nicht nach – und hat jetzt die Unterstützung des Mäzen. Das Team ist der Verlierer – wie so häufig in dieser Saison.

Der Trainer
Toni Krinner trat in keine kleinen Fußstapfen. Hans Zach verließ als Meister die Scorpions. Im Sommer danach gab es das erste Theater um einen möglichen Rückzug und die Rückgabe der DEL-Lizenz. Ein rigoroser Sparkurs und der nahezu komplette Umbau des Teams war die Folge. Zu Beginn seines ersten Amtsjahres schien die Symbiose Team und Trainer noch zu klappen. Jetzt ist sie am Ende. Der Hauptvorwurf: Krinner lässt nur ein Spielsystem spielen und weicht auch nicht davon ab – bloß ist diese Taktik des frühen Attackierens nicht gemacht für die Mannschaft und die Spieler der Scorpions. Sie kommen damit nicht zurecht. Und das sollte jeder mit dem Blick auf die Tabelle sehen. Doch Krinner weigert sich vehement sein Konzept zu ändern. Das verärgert die Spieler. In den Phase vor den Playoffs der letzten Saison haben sich Stichnoth und das Team noch gegen Krinner durchgesetzt und auf die alte Zach-Taktik gewechselt. Mit Erfolg. Es war das letzte Mal. Krinner wird sich nicht ändern. Er bleibt stur. Nie hat er auch nur ansatzweise daran gedacht, von sich aus zurückzutreten.

Die Fans
Die Hannover Scorpions sind wahrlich nicht mit einem hohen Zuschauerschnitt gesegnet, aber die treusten Fans der Liga haben auch in den letzten Wochen zu ihrem Team gehalten, es immer wieder unterstützt. Die Sympathien bei den Fans sind klar verteilt. Sie sind pro Team und Geschäftsführer Stichnoth und klar gegen Trainer Toni Krinner gerichtet. Mehrfach wurde während Spielen der Rücktritt des Trainers gefordert. Und mit Günter Papenburg, der sich jetzt klar zu Krinner bekannt hat, haben die Fans eine weitere Zielscheibe für ihren Protest gefunden. Los geht es beim Heimspiel am kommenden Sonntag gegen die DEG Metro Stars.

Es ist eine nahezu aussichtlose Lage. Es ist Endzeitstimmung. Sollte Krinner Trainer bleiben, wird Stichnoth und ein Großteil des Teams gehen und viele Fans dem Verein den Rücken kehren. Die Entscheidung liegt nun beim Besitzer Papenburg, jener Papenburg, der die Scorpions geschaffen hat, sie zu einer festen Größe in der DEL machte – und der jetzt, ohne wahrscheinlich auch nur ansatzweise über die Konsequenzen nachzudenken, mit seiner Entscheidung pro Krinner den Stecker ziehen wird. Papenburg scheint Schluss machen zu wollen. Zur Not gebe er die DEL-Lizenz gerne an Landshut weiter.

Es ist vorbei. Ein weiterer DEL-Klub wird langsam, aber stetig zu Grabe getragen. Zwei Jahre nach dem Gewinn der Meisterschaft.

Eine Abrechnung mit den DEL-Schiedsrichtern

Nicht von mir, wobei ich das auch könnte, nur wegen der Masterarbeit nicht alle Gedanken beisammen habe. Sondern von Toni Krinner, Trainer der Hannover Scorpions.

Nachdem die Hannover Scorpions am Freitag beim Spiel in Hamburg ein reguläres Tor nach Betrachtung des Videobeweises nicht bekommen haben und am Sonntag im Heimspiel gegen die Krefeld Pinguine Marvin Krüger mit schwerer Verletzung verloren hatten und der Krefelder Gegenspieler dafür nur eine 2-Minuten-Strafe erhielt, platzte Scorpions-Coach Toni Krinner auf der anschließenden Pressekonferenz der Kragen. Eine Abrechnung mit den DEL-Schiedsrichtern, die vielen Fans aus der Seele sprechen wird.

“Die Schiedsrichterleistung in Hamburg war verheerend. Die Schiedsrichterleistung hat uns einen Punkt gekostet. Ich finde es schade, dass unsere Fans, die so super mitgemacht haben und so zahlreich erschienen sind in Hamburg, leider nicht sehen konnten, dass wir etwas mitnehmen. Aber so ist das und es ist ja mal ganz gut, dass die Fans auswärts sehen, wie wir manchmal verschaukelt werden. Das muss ich ganz deutlich sagen. Da sind wir verschaukelt worden. [...]
Ja, er sagt, er hat nur zwei Minuten gegeben, weil der Spieler nicht blutet. Das ist eine so lächerliche Aussage. Wenn der Spieler so von hinten gecheckt wird, dass er benommen liegenbleibt, dann muss schon was passiert sein. Die sind zu dritt – und sehen nichts. Und genauso war es in Hamburg. Die sind zu dritt, sehen nichts, brauchen einen Fernsehbeweis, und machen selbst dann noch Fehler. Das Problem ist so groß, dass das fürchterlich ist. Und wenn man dann was sagt, dann wird man abgestraft, so wie wir im letzten Drittel, als nichts mehr gepfiffen wird. Und dass eine selbstherrliche Darstellung abgeliefert wird, die seines Gleichen sucht. Es ist peinlich, wie 40 Spieler, zwei oder vier Trainer, eine ganze Woche lang die Mannschaft vorbereiten, mit der Mannschaft arbeiten, und dann wird innerhalb von Momenten ein Spiel kaputt gemacht. Mich ärgert das heute noch so maßlos, was der Brüggemann sich in Hamburg erlaubt hat. Das ist eine Sauerei, die stinkt zum Himmel. Das ist eine Unverschämtheit. Wenn der so schlecht ist, dass er solche Entscheidungen nehmen muss, dann ist es peinlich. Dann hat er da nichts zu suchen. Oder er ist nicht so schlecht. Dann will ich ihm da nichts unterstellen. Dann wird es ins Uferlose gehen. Aber das ist peinlich.”

Start der DEL-Playoffs 2011

Für die Eishockeyfans in Deutschland beginnt am Mittwoch die schönste Zeit des Jahres: die Playoffs. Ich schaffe es leider vorerst nicht, ein paar Sätze zu den Playoffs zu schreiben, aber das wurde schon sehr gut beim Eishockey-Blog erledigt. Dürfte bekannt sein, dass ich die Daumen für die Hannover Scorpions drücke. Und ein paar Sympathien gehen an die DEG. Schauen wir mal.

DEL 2010/2011 #53, Hannover Scorpions – Grizzly Adams Wolfsburg 2:1 (0:1, 0:0, 2:0)

Jetzt, wo die Deutsche Eishockey Liga (DEL) auf die heiße Saisonphase einbiegt und die Liga so spannend und ausgeglichen ist wie noch nie, versuche ich jetzt wieder häufiger über die DEL zu schreiben. Ich hoffe, ich finde dann auch ausreichend Zeit die Playoffs an dieser Stelle zu begleiten.

Das Sonntagabendspiel am 53. Spieltag war das Niedersachsen-Derby. In der Tui-Arena empfingen die Hannover Scorpions die Grizzly Adams Wolfsburg. Mittlerweile ist in dieser Phase ja jedes Spiel von enormer Bedeutung. So auch diese Partie. Wolfsburg ist souveräner Spitzenreiter der DEL und konnte mit einem Sieg in der Hauptstadt den Vorsprung auf die Verfolger noch weiter ausbauen, zumal der ärgste Konkurrent, die Eisbären Berlin, heute Nachmittag bei den Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg mit 0:2 verloren. Die Hannover Scorpions, der amtierende deutsche Meister, kämpft mit sieben Teams um die Plätze 5-10, also irgendwo zwischen direkter Qualifikation für die Playoffs und Scheitern am Einzug in die Pre-Playoffs. Da zählt also jeder Punkt. Allerdings ist die Aufgabe gegen Wolfsburg alles andere als einfach. Die Grizzlys sind das beste Auswärtsteam der Liga, haben die letzten fünf Begegnungen in der Fremde gewonnen. Die Scorpions gehören zu den heimstärkeren Teams der Liga. Zuletzt gab es aber eine Niederlage gegen den ERC Ingolstadt, dafür konnte man souverän mit 3:0 beim EHC München gewinnen. Und die Scorpions haben noch eine Revanche zu erfüllen. An Weihnachten verloren sie mit 2:3 nach Verlängerung gegen Wolfsburg, in Wolfsburg selbst gab es eine 3:0-Klatsche. Die will man vergessen machen und gleichzeitig die Chance im Kampf um die Playoffs verbessern.

Die Scorpions müssen auf die verletzten Niki Mondt, Matt Dzieduszycki und Ben Cottreau verzichten, Tino Boos ist dafür wieder dabei. Wolfsburg fast in Bestbesetzung, nur Blake Sloan und Christoph Höhenleitner fehlen, dafür ist Toni Dahlmann wieder mit von der Partie.

Das erste Drittel ist der starke Abschnitt der Wolfsburger. Nur Krefeld kann mit einer besseren Bilanz in den ersten 20 Minuten aufweisen. Die Grizzly Adams kassieren die wenigsten Gegentreffer in Auftaktabschnitt. Das wird also eine harte Nuss, welche die Scorpions knacken müssen. Matt Diesel also nicht in der ersten Reihe, Tyler Moss wie gewohnt im Tor. Mit Aris Brimanis und Paul Manning, der eine tolle Saison spielt, in der Verteidigung. Adam Mitchell, Chris Herperger und Martin Hlinka im Sturm. Wolfsburg wie gewohnt mit Alavara, Furcher und Morzinetz. Jochen Reimer bekam eine Pause, im Tor stand Daniar Dshunussow.

Guter Start der Hannover Scorpions. Hlinka nach 20 Sekunden mit dem präzisen Schuss, aber Dshunussow hält stark im Tor der Grizzlys. Hätte das 1:0 sein können. Doch Wolfsburg ließ sich nicht beeindrucken, hatten nach zwei Minuten schon die erste Überzahl, Sascha Goc saß wegen hohen Stocks bei Hannover. Wolfsburg kam schnell in die Aufstellung mit Norm Milley und Alavara an der blauen Linie, Fischer traf nur den Pfosten, aber Hannover wie zuletzt mit gutem Unterzahlspiel. Wolfsburg insgesamt mit den besseren Chancen, konnte die Scorpions mit dem hohen Tempo fast einschnüren. Furchner scheiterte nach Fehlpass von Goc am gut reagierenden Tyler Moss, Wurm verpasste die Führung nur knapp. Von Hannover kam gar nichts, außer Strafzeiten. Vikingstad wegen Beinstellen, anders war dem Wolfsburger Angriffssturm nicht beizukommen. Hannover konnte sich in der Folge ein wenig befreien, erspielte sich aber kaum Torchancen, weil Wolfsburg gut verteidigte und keine schnellen Breaks zuließ. Pech für die Scorpions: Adam Mitchell verletzt sich bei einem Zweikampf an der Schulter. Es sprach wenig für die Gastgeber. Wolfsburg erhöhte kurz vor Drittelpause nochmal die Schlagzahlen. Tyler Haskins scheiterte frei aus dem Slot an Tyler Moss.

Ohne Tore ging es in die erste Drittelpause. Wolfsburg eine gute Spur besser, viel Tempo, waren immer präsent. Hannover hatte ganz wenig Platz um zu kombinieren, hatten kein Powerplay, Wolfsburg sehr diszipliniert. Deutliches Chancenplus für die Grizzlys. Beste Nachricht für die Scorpions. Sie blieben ohne Gegentor. Wolfsburg einmal mehr ohne Gegentreffer im ersten Drittel. Adam Mitchell hat sich die Schulter ausgekugelt, damit fehlt Toni Krinner jetzt praktisch eine ganze Sturmreihe. Keine guten Vorzeichen für das zweite Drittel, das der schwache Abschnitt der Scorpions ist. Kassieren die meisten Gegentreffer im zweiten Abschnitt.

Hannover bekam das erste Powerplay nach 23 Minuten und zum ersten Mal stand das Wolfsburger Tor unter Dauerbeschuss, Herperger scheiterte an Dshunussow, Dolak verfehlte das Tor knapp. Und dann flog den Scorpions das eigene Powerplay um die Ohren. Puckverlust von Köppchen, Wolfsburg in der 3:2-Überzahl, Tyler Haskins mit wuchtigem Schuss ins lange Eck über die Schulter von Tyler Moss. Verdiente Führung für die Grizzlys in der 25. Minute, als Hannover zum ersten Mal wirklich gefährlich in der Offensive war. Das ist Eishockey. Wolfsburg mit der Führung im Rücken noch dominanter, hatte die besseren Chancen. Jeff Hoggan konnte ebenso wie Ulmer Tyler Moss nicht überwinden, Robbie Bina verzog seinen Rückhandschuss knapp am Tor vorbei. Hannover konnte nur mit Kampf dagegenhalten und konnte sich glücklich schätzen und bei Tyler Moss bedanken. Trotzdem weiterhin ein gut anzuschauendes Spiel, viel Tempo, schnelles Überbrücken der neutralen Zone. Hannover gelegentlich mit Vorstößen. Dolak auf Andy Reiss, der endlich mal frei zum Schuss kommt. Dshunussow auf dem Posten. Bina hatte in der 37 Minuten die riesengroße Gelegenheit zum 2:0, als er frei auf Moss zulief, den Puck aber übers Tor donnerte. Auch ihr zweites Powerplay kurz vor Drittelende konnten die Scorpions nicht nutzen, haben sich kaum eine Chance erspielt.

1:0 nach 40 Minuten. Wolfsburg mit einer ganz starken Leistung, vor allem defensiv. Lassen kaum was zu. Hannover nach 40 Minuten nur mit 10 Torschüssen. Und auch offensiv sieht das bei Wolfsburg zügiger zum Tor aus. Noch waren 20 Minuten zu absolvieren. Das letzte Drittel ist die Stärke der Scorpions, haben viele Tore in den letzten 20 Minuten erzielt. John Laliberte hatte zum Auftakt die Möglichkeit auf 2:0 zu erhöhen, doch Moss krazt die Scheibe von der Linie. Nach Videobeweis wurde auf kein Tor entschieden. Hannover machte mehr Druck in den ersten fünf Minuten des letzten Drittels, versuchte wirklich alles um sich Torchancen zu erspielen. Aber Wolfsburg Defensive hielt weiter stand, die Grizzlys lauerten auf Konter. Zwölf Minuten vor Schluss das erste Break der Scorpions, David Wolf auf Herperger, doch der Schuss des Kanadiers direkt in die Fanghände von Dshunussow. Spiel wurde ausgeglichener. Elf Minuten vor Schluss zwei auf eins der Scorpions, David Wolf in die Fanghand. So eine gute Chance bekommt man gegen Wolfsburg nicht zweimal. Klaus Kathan hatte sechs Minuten vor Schluss die nächste, als er freistehend den Stock in den Schuss hält. Puck rollt neben das Tor. Aber Wolfsburg konnte sich auch immer wieder befreien, von Dauerdruck wenig zu spüren. Es waren spärliche Offensivaktionen. Aber fünf Minuten vor Schluss hat es dann endlich geklappt. Ryan Maki mit dem Ausgleich nach schöner Vorarbeit von Herperger und Martin Hlinka hinter dem Tor, sechster Saisontreffer für Maki. Es wurde eine packende Schlussphase. Drei Minuten vor Schluss waren Hoggan und Hospelt frei durch, doch Hoggan ist zu eigensinnig und scheitert an Moss. Wolfsburg gehörten die Schlussminuten, Alavara fand in Tyler Moss seinen Meister. Aber auch die Scorpions hatten durch Köppchen und David Wolff sehr gute Gelegenheiten. Und dann doch noch der Siegtreffer. 25 Sekunden vor Schluss bringt Vikingstad die Scheibe vors Tor, Getümmel vor Dshunussow, der mit der Kelle die Scheibe rausbringt. Direkt dort, wo Aris Brimanis steht. Und dann kam der satte Schlagschuss ins Glück. Endstand 2:1. Tui-Arena tobt. Wer hätte das gedacht…

Die Scorpions drehen in den letzten fünf Minuten dieses Spiel. Insgesamt natürlich glücklich. Aber manchmal werden eben auch Kampf, Hartnäckigkeit und Geduld belohnt. Wolfsburg bleibt Spitzenreiter, Hannover sammelt wichtige Punkte um den Abstand auf Platz 10 zu vergrößern. Die Scorpions müssen Dienstag nach Düsseldorf, Wolfsburg empfängt Freitag Nürnberg. Es bleibt spannend und eng.

Kommunikationsherrschaft à la Hannover Scorpions

Die schwierige finanzielle Lage der Hannover Scorpions dürfte – bei allem Desinteresse für die Deutsche Eishockey Liga – mittlerweile bundesweit bekannt sein. Nach der glorreichen Meistersaison stand im letzten Sommer mehrfach die Frage im Raum, ob die Hannover Scorpions wegen Streitigkeiten von Tui-Arena Eigentümer Günter Papenburg, der gleichzeitig Besitzer und Förderer der Scorpions ist, die DEL-Lizenz abgeben müssten. Letzlich hat man dann doch am Ligabetrieb teilgenommen und kämpft jetzt wie fast die halbe Liga um die Playoffs. Zwischendurch haben die Spieler mal das Training boykottiert, weil das Gehalt zu spät gezahlen wurde. Das Geld ist knapp, die Zuschauer kommen nicht mehr so zahlreiche wie letzte Saison. Mittlerweile wird immerhin pünktlich das Geld gezahlt, die Prämien sind eingefroren.

Neben den finanziellen Problemen folgt in den nächsten Monaten – unabhängig vom Abschneiden der vergangenen Saison – die nächste große Herausforderung, der sportliche Umbruch. Zahlreiche Verträge mit Leistungsträgern laufen aus, mit vielen Spielern wird wegen der knappen finanziellen Mitteln nicht verlängert. Und so ist es in den letzten Wochen zu täglichen Newshäppchen in den hannoverschen Medien gekommen, die zumindest ein Auseinanderbrechen der Mannschaft befürchten ließen. Täglich eine neue Hiobsbotschaft – und der Verein schaute seelenruhig zu. Als erster verkünderte Adam Mitchell, einer der Topscorer der DEL, seinen Wechsel zu den Adler Mannheim. Danach Thomas Dolak, Stütze in der zweiten Reihe und Siegtorschütze im Finale gegen Augsburg, seinen Wechsel nach Hamburg. Patrick Köppchen folgte ihm nach. Gleichzeitig munkelte man, dass Aris Brimanis und Tore Vikingstad, beide schon nicht mehr im besten Eishockey-Alter, aber immer noch extrem wertvoll für die Scorpions, ihre Karriere in der Heimat ausklingen lassen. Matt “Diesel” Dzieduszycki soll mit Wolfsburg Gespräche führen, Klaus Kathan bekommt keinen neuen Vertrag.

So viele Negativmeldungen am Stück. Das hat die hannoversche Presse natürlich gefreut, hier eine kleine Auswahl (via Frontbumpersticker)

Cellesche Zeitung: Scorpions brechen auseinander
Neue Presse: Der Meister bröckelt
BILD: Meister Hannover Scorpions zerbricht
Deutsche-Presse-Agentur: Hannovers Meisterteam zerfällt
HNA: Aufschwung gestoppt, Ausverkauf geht weiter
Hannoversche Allgemeine Zeitung: Weiter schlechte Nachrichten, auch Köppchen wechselt

Wochenlang wurde die Sau des kriselnden Teams, das auseinanderbricht, durch die Stadt getrieben. Und die Fans waren verunsichert, machten sich Sorgen. Im Eisblock der HAZ versuchte Eishockey-Redakteur zwar ein wenig die Wogen zu glätten, doch da hieß es schon häufig, dass es die Scorpions nächste Saison nicht mehr geben wird.

Dass die nächste Saison nicht einfach wird, dürfte ja klar sein. Nur was macht der Verein in dieser schwierigen Situation, für Fans, Sponsoren und Spieler – er schweigt.

Ich bin ein großer Fan und Bewunderer der Hannover Scorpions, nicht nur wegen des Meistertitels letztes Jahr. Ich war übrigens auch schon mal bei den Indians, aber mir ist dann das bessere Eishockey doch stets ein wenig wichtiger gewesen. 2004 war ich das erste Mal bei einem Heimspiel der Scorpions und seitdem habe ich so viele tolle und großartige Spiele gesehen, Höhen wie Tiefen. Der Verein hat also sehr viel Kredit bei mir – doch wie die letzten Wochen gestaltet wurden, enttäuscht mich doch schon sehr.

Da muss erst Trainer Toni Krinner auf einer spätabendlichen Pressekonferenz nach dem Sieg gegen die Straubing Tigers Fakten und Sachverhalte darstellen. Nämlich dass die nächste Saison gesichert sei, der Etat steht fest und ist von Günter Papenburg genehmigt. Natürlich werden zahlreiche Spieler, deren Vertrag ausläuft, den Verein verlassen, auch um mehr Geld zu verdienen. So ist das nun mal im Profisport. Dass die Scorpions in den letzten sechs Monaten aber nicht gerade vertrauensvoll mit ihren Spielern umgegangen sind, steht auch außer Frage. Wer will es also Mitchell, Dolak und Köppchen verdenken, wenn die Hamburg Freezers oder die Adler Mannheim mit ihren vielen Geldscheinen wedeln. Nur hat der Verein die Dynamik der öffentlichen Diskussion sogar um ein bevorstehendes Ende der Hannover Scorpions nur begleitet, aber nie eingegriffen. Und somit ist die ganze Debatte völlig aus dem Ruder gelaufen. Zum Schaden der Hannover Scorpions. Da hätte Geschäftsführer Marco Stichnoth, die Kommunikationsabteilung und einige Spieler viel eher reagieren müssen. Es hat der Trainer gemacht. Und danach stand in den hannoverschen Medien nicht ein weiterer Abgesang auf die Scorpions. Es wäre so einfach gewesen.

Nun sind die Hannover Scorpions mit ihrer Presseabteilung nicht gerade dafür bekannt, dass Sie gute Pressearbeit betreiben. Aktuelle Pressemitteilungen gibt es meist zu irgendwelchen Aktionen oder Spielverlegungen. Warum man mit einer Mitteilung zu aktuellen Situation der Scorpions nicht reagiert hat, inklusive Statements der Vereinsverantwortlichen, ist mir bis heute schleierhaft. Aber das hatte man im letzten Sommer bei der Diskussion um eine mögliche Lizenz-Rückgabe nicht gut geschafft.

Alle medialen Verbreitungswege hat man nur letzte Woche genutzt. Pressemitteilung, Meldung auf der Homepage, Facebook-Eintrag. Sascha Goc, der Kapitän der Hannover Scorpions, hat seinen Vertrag bis Sommer 2013 verlängert. Vielleicht beruhigt sich die Lage ja jetzt endlich mal wieder und man kann sich auf die sportliche Situation konzentrieren. Die ist schwierig genug, Kampf um die Playoffs in der engen Tabelle der DEL. Heute Abend steht die Partie bei den Krefeld Pinguinen an. Toni Krinner hat nach der schwachen Leistung am Dienstag gegen Iserlohn seine Sturmreihen komplett verändert und hat das auch sehr deutlich gestern nach dem Training den wartenden Journalisten erzählt. Ein wenig Kommunikationsherrschaft.

Toni Krinners Medienschelte

Der Trainer der Hannover Scorpions hatte nach dem gestrigen 3:1-Sieg gegen die Straubing Tigers die Schnauze voll von den Untergangsszenarien einiger hannoverscher Sportjournalisten, vor allem bei der BILD und der Neuen Presse, und hat das ihnen gestern Nacht auf der Pressekonferenz sehr deutlich gesagt (ab Minute 3:35).

DEL-Schiedsrichter: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Freitagabend in der Tui-Arena. Die Hannover Scorpions verlieren mit 3:4 gegen die Straubing Tigers und so richtig kann ich mich auch 24 Stunden nach der DEL-Partie noch nicht so richtig mit dem gestrigen Abend abfinden. Ich bin immer noch wütend auf und fassungslos über die Schiedsrichterleistung.

Um das gleich vorweg zu nehmen: Die Scorpions haben nicht wegen des Schiedsrichters verloren, sondern weil sie insgesamt über 60 Minuten nicht gut genug gespielt haben um gegen die clever agierenden und auswärtsstarken Straubing Tigers bestehen zu können. Zu viele unnötige Fehler im Spielaufbau, zu viele leichte Puckverluste in der neutralen Zone, die vielen Großchancen inklusive eines Penaltys nicht genutzt, dazu nach der Führung durch Vikingstad (großartig herausgespieltes Tor by the way) defensiv offen gestanden, als hätten sie einen 10:0-Vorsprung im Gepäck. Einfache, blöde Gegentore kassiert. Und dann kam dann eben noch Hauptschiedsrichter Alfred Hascher, immerhin schon seit 2004 Hauptschiedsrichter. Gestern konnte man den Eindruck gewinnen, er würde sein erstes DEL-Spiel leiten, so wenig konsistent waren seine Entscheidungen, zeigte er Fingerspitzengefühl. Er brachte unnötig Hektik in ein eigentlich faires Spiel. Und ich bin ja auch kein Freund von Verschwörungstheorien oder aus der Luft gegriffenen Vermutungen, aber in den letzten beiden Heimspiele der Scorpions gegen Nürnberg und Straubing wurden die Hannover Scorpions doch schon sehr benachteiligt bei den Schiedsrichterentscheidungen. Gegen die Ice Tigers wurde ein reguläres Tor nicht gegeben, Strafen, welche die Scorpions am Freitag bekamen, waren offensichtlich nie für die Straubing Tigers gedacht.

Was mich an dieser Stelle wieder zu einer zentralen Forderung bringt, auf die ich schon seit Jahren in der DEL warte: Die Schiedsrichterentscheidungen müssen endlich konsequent und konsistent ausgelegt werden – und das über ein ganzes Spiel hinweg. Mit der Kleinlichkeit in der Deutschen Eishockey Liga habe ich mich ja schon abgefunden. Aber was eben gar nicht geht, ist dass hier mal hoher Stock gepfiffen wird und da wieder nicht, dass die eine Aktion ein Stockschlag ist, die andere dann aber ein korrekter Körperangriff. Und wenn man dann noch bei der einen Mannschaft großzügiger die Regel auslegt, bringt mich das richtig auf die Palme. Also: Wenn man schon die kleinliche Linie fährt, dann sollte man das auch das ganze Spiel durchhalten, es konsequent anwenden und nicht nach gut Laune und Lust die Strafen verteilen. Das kann doch nicht so schwierig sein. Ein Foul von hinten ahnde ich im Fußball ja auch immer mit mindestens gelb und lasse es nicht einfach weiterlaufen. Aber genau so verhalten sich immer öfter die DEL-Schiedsrichter, was schade ist. Um in der Fußballsprache zu bleiben, hat Alfred Hascher gestern für eine Notbremse mal die rote Karte rausgerückt und dann bei nächster Gelegenheit einfach weiter spielen lassen. Und das kann es nicht sein. Entscheidungen müssen vergleichbar sein, für alle Teams wäre das hilfreich. Ich will hier jetzt gar nicht so sehr die Scorpions verteidigen, vielmehr muss es doch möglich sein, dass man klar definiert, wann eine 2-Minuten-Strafe verhängt wird und warum dies der Fall war. Und diese Linie dann – damit die Spieler Bescheid wissen – auch durchhält.

Vielleicht mal zwei Beispiele vom gestrigen Spiel: Nach dem 1:0 der Scorpions verliert Sascha Goc einen Puck in der neutralen Zone, hechelt hinterher, macht sich mit seinem Stock ganz lang, berüht den Puck deutlich vor seinem Gegenspieler, der dann noch ein paar Meter läuft und aufs Eis fällt. Goc bekommt zwei Minuten fürs Beinstellen. Wenn man alle Augen zudrückt, kann man diese Strafe sogar geben. Und Hascher war kleinlich, also muss sich Goc damit zufrieden geben. Im anschließenden Überzahlspiel machte Straubing übrigens das 1:1. Ein paar Minuten später, die Scorpions lagen mittlerweile 1:3 zurück, fahren die Scorpions einen Konter, Vikingstad treibt die Scheibe nach vorne, wird von einem Stock des Gegenspielers berührt und kommt ins Straucheln. Angriff dahin, keine Strafe für Straubing. Und dann verstehst du die Welt nicht mehr. Sechs Augen der Referees sehen diesen Angriff, das klare Foul – und keiner regt sich. Vielleicht muss man den Angriff gegen Vikingstad noch nicht mal zwangsläufig abpfeifen, aber wenn ich Goc wegen einer solchen Lapalie auf die Bank setze, muss ich diese Linie durchhalten – sonst mache ich das ganze Spiel kaputt. Dass Vikingstad für einmaliges Aufregen nach einer erneut zweifelhaften Entscheidung von Hascher gleich eine 10 Minuten-Disziplinarstrafe erhielt, setzte der Schiedsrichterleistung noch die Krone auf.

Eishockeyschiedsrichter ist kein einfacher Job, das weiß ich. Aber ich kann ja als Fan wohl verlangen – und die Teams und Trainer müssten es auch – dass Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden und Schiedsrichter nicht mal nach ihrer derzeitigen Laune entscheiden, ob das jetzt ein Foul oder nicht war. Bei der ein oder anderen Entscheidung kann das natürlich mal vorkommen, wenn es wie am Freitag aber zur Regel wird, überlege ich es mir, ob ich diesem Sport noch länger live verfolgen möchte.

Totgesagte Skorpione leben länger

Profisport ist ein schnelllebiges Geschäft. Da kann der Erfolg vergangenen Woche ganz schnell durch eine Formkrise wieder an Bedeutung verlieren, von daher sind meine nachfolgenden Ausführungen mehr ein ganz aktuelles Stimmungsbild, das sich am nächsten Wochenende schon ganz anders lesen kann. Wenngleich ich hoffe, dass die Tendenz weiterhin dieselbe bleibt wie momentan.

Was wurde in den letzten zwei Wochen nicht alles über die Hannover Scorpions geschrieben? Da wurde an manchen Stellen schon mit dem endgültigen Aus des Vereins gerechnet. Gehaltskürzungen für die Spieler, Verteidiger Niki Goc verließ den Verein in Richtung Mannheim, Meistertorhüter Travis Scott, der vergangene Saison etliche Spiele für die Scorpions quasi im Alleingang gewonnen hat, hatte keine Lust mehr auf Eishockey in Hannover, ließ sich erst mit einer zweifelhaften Gehirnerschütterung krank schreiben lassen um dann zwei Tage später mit dem Flieger in die USA aufzubrechen. Die Spieler boykottierten das Training, weil sie auf ihr Gehalt länger als vereinbart warten mussten. Und zu allem Überfluss passte es Ende September auch nicht mit der sportlichen Leistung. Drei Niederlagen in Folge, darunter die indiskutable Leistung in Ingolstadt, wo man sich phasenweise abschlachten ließ. Unglückliche Niederlagen nach besseren Leistungen gegen die Hamburg Freezers und den EHC München folgten. Es war Anfang Oktober und die Hannover Scorpions standen vor einem kleinen Scherbenhaufen. Nach dem fantastischen Saisonstart und einem sehr schnell erlernten Verständnis für das Spielsystem vom neuen Trainer Toni Krinner schien sich die schwierige Situation im Umfeld des Vereins nun auch auf die sportliche Leistung auszuwirken und sie zu lähmen.

Und auf was hofft man dann am ehesten in der DEL? Auf ein Heimspiel gegen die Kölner Haie. Die Scorpions spielten wie ausgewechselt am 1. Oktober und gewannen 6:2 gegen die Rheinländer. Es folgte der Auswärtssieg mit 7:5 beim letztjährigen Finalgegner Augsburg und heute Nachmittag zeigte man erneut eine fantastische Performance, als man die Adler Mannheim mit 6:3 in der Tui-Arena bezwingen konnte. 19 Tore in den letzten drei Spielen. Und solange man weiterhin deutlich mehr Tore als der Gegner schießt, kann man die etwas “vernachlässigte” Defensive im Vergleich zu Ära von Hans Zach auch verschmerzen. Und das in der Situation. Da fällt es für die Medien natürlich leicht ganz schnell zu behaupten, die Spieler wollten sich doch nur für einen anderen Verein empfehlen. Auch im Bericht der ARD-Sportschau wurde dieses beliebte Gerücht mal wieder in den Raum geworfen. Vielleicht mag es sogar stimmen, aber Scorpions-Fans wissen, dass das Team unglaublichen Charakter hat und perfekt zusammenspielen kann und schwierige Situationen überstehen und meistern kann. Und wenn man das dann auf die Art und Weise hinbekommt, kann man davor nur den Hut ziehen – mehrmals. Ganz groß.

Beispiele in Zahlen gefällig? Die eingespielte Reihe um Sascha Goc, Tore Vikingstad, Klaus Kathan, Thomas Dolak und wahlweise Adam Mitchell oder Andy Reiss war an zwei Dritteln aller Tore der Scorpions beteiligt. Alle Akteure spielen schon seit Jahren bei den Scorpions. Wieso sollten Sie Abwanderungsgedanken haben? Nein, es ist vielmehr zwar die Sorge um den Verein, aber in erster Linie der Kampf und die Hingabe für den sportlichen Erfolg. Das schafft Raum und Entlastung für die ganz junge vierte Reihe mit Dany Reiss, Blank und David Wolff. Patrick Baumgartner füllt die Lücke des abgewanderten Niki Goc hervorragend aus. Und mit den “Schnäppchen” Ryan Maki und John Tripp (bereits zwei Saisontore nach drei Spielen) hat man ein gutes Näschen bewiesen. Man macht nicht immer alles falsch. Und das kann nur der Weg für die Zukunft sein. Die Chancen stehen gut, dass Tripp nach seinem 3-wöchigen Probetraining einen Vertrag bis zum Saisonende bekommt.

Eine Zukunft der Hannover Scorpions, die offensichtlich immer noch nicht geklärt ist. Da hilft es wenig immer wieder neue Gerüchte von abwanderungswilligen Spielern in die Öffentlichkeit zu schreiben. Es ist nicht einfach, aber das wusste man seit dem August sowieso. Prominentester Spieler, dem immer wieder nachgesagt wurde, er will den Verein verlassen – bestätigt ist das übrigens bis heute nicht – war Stürmer Chris Herperger. In den letzten drei Spielen vier Tore und heute eine geniale Vorlage zum 1:0. Ja, ich weiß, da will sich jemand für einen neuen Verein empfehlen. Bleiben wir bei den individuellen Akteuren, Torhüter Ziffzer, der jetzt nach dem Abgang von Travis Scott die Last der Nummer 1 tragen muss. Dass er schlechter ist als Scott, steht außer Frage. Und auch heute machte er bei einem Gegentreffer eine unglückliche Figur. Aber was man in den Spielberichten nicht steht, war zum Beispiel seine glänzende Rettungsaktion Mitte des zweiten Drittels, als er den Schuss von Ronny Arendt sensationell abwehrte und “Youri-Rufe” durch die Tui-Arena schallten. Wieso sollte Ziffzer mit seiner Aufgabe nicht wachsen? Und solange er eine so spielstarke Offensive vor sich hat, wirkt ein individueller Fehler gar nicht so tragisch. Und Ziffzer ist gerade mal 24 Jahre jung. Und wenn man bei den Eisbären Berlin die meiste Zeit hinter Rob Zepp die Nummer 2 war, muss man Ziffzer Zeit geben sich mit seiner neuen Rolle anzufreuden. Der Unterschied zu vielen anderen DEL-Klubs: In Hannover scheint er diese Zeit zu bekommen.

Die Hannover Scorpions an der Tabellenspitze der DEL. Und dabei darf man nicht vergessen, dass drei ganz wichtige Stützen im Team wegen Verletzung fehlen. Kapitän Tino Boos, Stürmer Ben Cottreau, dessen wuchtiger Schlagschuss gerade in den Powerplays eine schmerzlich vermisste Option ist, und Tormaschine Matt “Diesel” Dzieduszycki. Es geht vom Personal also sogar noch besser. Alles nur eine Momentaufnahme, aber eine sehr schöne. Totgesagte leben länger. Das gilt auch für die Scorpions.