Samstag, 2. Februar 2008 17:06
Oder auch Giga Tuesday oder, wer noch ein Superlativ braucht, Tsunami Tueday. Am kommenden Dienstag entscheidet sich wohl mutmaßlich, wer als Kandidat der Demokraten ins Rennen um die Präsidentschaft im November geht. In Alabama, Alaska, Arizona, Arkansas, Colorado, Conneticut, Delaware, Georgia, Idaho, Illinois, Kansas, Massachussetts, Minnesota, Missouri, Montana, New Jersey, New Mexico, New York, North Dakota, Oklahoma, Tennessee und Utah halten die Demokraten ihre Vorwahlen ab. Wer dabei noch über alle Umfrageergebnisse den Überblick behalten will, ist wohl auf weiter Spur, denn das ist nicht unbedingt nötig. Wichtig ist vor allem auf die umkämpften und wichtigen Staaten – sprich Staaten mit vielen Delegierten – zu schauen. Aber auch da dann das Problem, das in vielen Staaten nocht gar nichts entschieden sei. Also mal schauen, ob wir an dieser Stelle mal einen kurzen Überblick geben können.
Zur Ausgangslage: Seit Donnerstag ist es jetzt auch rein formal und offiziell ein Zweikampf der Demokraten, nachdem John Edwards in Konsequenz des schwachen Abschneidens bei den Primaries in Florida seine Kandidatur zurückgezogen hat. Das bringt jetzt zwar mehr Übersichtlichkeit mit sich, stellt die bisherigen Kandidaten aber auch vor große Herausforderungen, zumal John Edwards ihnen in keiner Weise entgegenkommen wird – und das vor allem aus taktischen Gründen. Denn Edwards gilt als heißer Favorit auf den Posten des Vize-Präsidenten, falls der nächste Präsident von den Demokraten kommen sollte, wovon wohl auszugehen ist. Für Edwards wäre es also taktischer Unfug sich und seinen Wählern die klare Empfehlung zur Unterstützung von Obama oder Hillary Clinton zu geben, denn der Schuss könnte nach hinten los gehen und der Posten des Vize-Präsidenten wäre in Gefahr. Dieses Risiko will Edwards nicht gehen, heißt also, dass sich Obama und Hillary selbst um die ehemaligen Wähler von John Edwards kümmern müssen. Und der schwarze Gouverneur von Illinois hat das zumindest bei der TV-Debatte am Donnerstag recht geschickt gemacht. Während Hillary Clinton in ihrem Eingangsstatement keine Silbe über Edwards verlies, waren die ersten Worte von Barack Obama der Dank an den Zurückgetretenen für eine faire und kontroverse Debatte. Vielleicht zumindest ein kleiner Pluspunkt, zumal er mit Senator Edward Kennedy, dem jüngsten Bruder von John F. Kennedy, diese Woche einen prominenten Untersützung bekam.
Das Duell Clinton gegen Obama steht die nächsten Wochen also im Mittelpunkt. Jetzt heißt es nur noch: Er oder Sie? Man könnte meinen, dass nun einen Schlammschlacht sondergleichen auf dem Programm stehen würde, aber eher das Gegenteil ist der Fall. Die CNN-Debatte und auch die Auseinandersetzungen der letzten Tage haben gezeigt, dass man durchaus Unterschiede herausstellt und die Programmatik vom “Gegner” abgrenzt, das aber alles auf einer sehr harmonischen, teils sogar freundschaftlichen Basis, die man eigentlich gar nicht für möglich gehalten hat. Wenn ich spekulieren würde, wird es dabei nicht ganz bleiben, aber immerhin ist man im Lager der Demokraten weit davon entfernt wie im Verlaufe der Vorwahlen, als man sich gegenseitig niedermachte und vor allem stark persönlichkeitsbezogen diskutierte. Dass sich Ehemann Bill Clinton die letzte Woche sehr zurückgehalten hat, spricht ein Übriges dafür. Barack Obama stellte ja ganz süffisant fest, dass er manchmal gar nicht wisse, gegen wen er eigentlich antrete, gegen Bill oder gegen Hillary. Auch die ehemalige First Lady hat wohl gemerkt, dass man es nicht übertreiben sollte mit den Auftritten des ehemaligen Präsidenten, zumal die Taktik vor allem in South Carolina auch nicht wirklich aufging. Bill Clinton, gerne als “erster schwarze Präsident” der USA tituliert aufgrund der Beliebtheit unter den Black Americans brachte Ehefrau Hillary nicht die gewünschte Untersützung unter der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung in South Carolina. Hier konnte Barack Obama klar vor Hillary Clinton liegen. Die Debatte ist also sehr von Harmonie geprägt, die Wähler trauen laut einer Umfrage von Fox News am ehesten Hillary Clinton zu, dass sie wirklich alles tuen würde für einen Sieg im parteiinternen Wettbewerb um das Rennen um die Präsidentschaft. Aber vielleicht hat sie das ja auch gar nicht nötig.
Vor allem auf einen Staat konzentriert sich das Engagment der beiden Kandidaten, nämlich Kalifornien. Der bevölkerungsreichste Staat der USA könnte entscheidend bei der Verteilung der Delegiertenstimmen sein. In den letzten Umfragen liegt Clinton leicht vor Barack Obama. Einen Stimmungsbericht und viele Infos und Fakten bietet die Los Angeles Times. Auch viele Delegiertenstimmen bieten die jeweiligen Heimatstaaten der Kandidaten, wobei dort eigentlich entschieden ist. Obama führt klar in Illinois, Senator Clinton in New York. Und in allen anderen Staaten ist das Rennen völlig offen, Hillary Clinton liegt zwar in vielen Staaten vorne, doch besonders komfortabel ist der Vorsprung nicht. Eine gute Übersicht über die aktuelle Delegiertenverteilung gibt es bei CNN.
Und ein schöne Erklärung des Super Tuesday im Video von CNN.
Morgen dann die Vorschau auf die Republikaner und am Montag noch eimal ein allgemeiner Überblick, unter anderem auch mit einem Überblick über die TV-Zeiten der Berichterstattung. Nur soviel: N24 können wir vergessen. Die zeigen lieber die Doku “Wirbelsturm mit Düsentriebwerk – Die Erfolgsgeschichte des Kampfjets Tornado.”