Samstag, 29. Januar 2011 22:03
Manchmal kann es auch von Vorteil sein, wenn man via digitales Kabel ein paar Nachrichtensender oder solche, die sich so nennen, empfängt. Also habe ich am Freitagnachmittag um 14:00 Uhr mal einen Schnelldurchlauf durch CNN, BBC World, Euronews, France 24, Sky News, Al Jazeera, N24, n-tv und Eins Extra – um mal einige zu nennen – gemacht um zu schauen, mit welchem Thema die Nachrichtensendungen zur vollen Stunde aufmachen. Und als n-tv der einzige Sender war, der die Proteste und Unruhen in Ägypten nicht als Topthema hatte, huschte nur ein müdes Lächeln über mein Gesicht. N24 schaffte es immerhin mit einem 2-minütigen Korrespondenbericht zu starten, bevor man dann wieder die Dokumentationsschiene fuhr.
Nichts Besonderes eigentlich und schon mehrfach erlebt, dass unsere Nachrichtensender in Deutschland nicht wirklich die Nachrichten in den Mittelpunkt stellen. Und so erlebt man, wenn man sich über die Krisen und großen Entwicklungen der Welt informieren möchte, bei n-tv nachmittags irgendwelche Modemagazine und abends bei N24 die hunderttausendste Wiederholung einer Dokus über Panzer oder die Sexualität des Mannes.
Nun habe ich an dieser Stelle es schon zu häufig erwähnt, als dass die Leier von den Nachrichtensendern in Deutschland, die reine Doku-Kanäle sind, nicht mehr wirklich neu sein sollte. Ich schaue N24 und n-tv mittlerweile gar nicht mehr. Für Außenpolitik und Weltgeschehen sowieso nur noch die BBC und Sky News und für Inlandsnachrichten greife ich meist auf Eins Extra im Fernsehen zurück. Für den schnellen Überblick reicht es. Doch war ich trotzdem schon erstaunt, wie im Laufe des Freitagnachmittags und am Abend immer mehr der Unmut über n-tv und N24 geäußert wurde, via Twitter, in vielen Blogs und auch in diversen Facebook-Updates. Da scheinen viele jahrelang einige Entwicklungen bei n-tv und N24 verpasst zu haben. Was aber auch zeigt: Es gibt bei solchen Ereignissen wie in Ägypten ein Bedürfnis nach Information, Menschen wollen sich informieren. Und können es in Deutschland im Fernsehen nicht. Und man kann nicht verlangen, dass Menschen sich extra Sender hinzuabonnieren um auf dem aktuellen Stand zu sein, von möglichen Sprachproblemen einmal ganz zu schweigen.
Nachrichtensender sind teuer
Rupert Murdoch und seine News Corporation machen mit Sky News – glaubt man Angaben der Financial Times – einen jährlichen Verlust von 30 bis 40 Millionen Pfund, wohlgemerkt bei einem Nachrichtensender, der rund um die Uhr berichtet, ein großes Korrespondentennetz hat und trotzdem Synergieeffekte mit Fox News in den USA und dem Sportsender Sky Sports News für die Sportberichterstattung nutzt. Nun ist ein Verlust solcher Größenordnung für Murdoch fast schon Taschengeld. Diesen finanziellen Spielraum hat insbesondere N24 nicht. Permira und KKR zücken eher den Rotstift anstatt massiv in N24 zu investieren. Warum man dann doch überhaupt noch Nachrichten zeigt, erschließt sich wahrscheinlich nur, weil man für die 20:00 Uhr-Ausgabe auf Sat.1 sowieso Korrespondentenberichte braucht. Warum aber die RTL Group mit Bertelsmann im Rücken nicht den Mut einen starken Nachrichtensender aufzubauen, erschließt sich mir nicht. Die Marktlücke wäre ja da, gerade auch im Konkurrenzkampf mit N24 um potentielle Werbekunden.
Eins Extra – wird das nun der große Wurf?
ARD und ZDF haben immer wieder angekündigt, eins Extra zu einem echten Nachrichtenkanal auszubauen, nach dem Vorbild von BBC News 24. Das scheint dringender denn je. Denn so informativ eins Extra auch sein mag, fehlt es diesem Sender an Flexibilität. Ich finde den starren, sekundengenauen Sendeplan – ähnlich wie bei den Inforadios der ARD-Wellen – nicht angemessen für einen Nachrichtenkanal. Wenn ich einem Thema plötzlich mehr Raum und Zeit geben möchte, sollte ein Nachrichtensender das tun. Das würde ja gerade seine Stärke auszeichnen. Es fehlt also noch ein ganzer Schritt, damit eins extra mit Sky News und der BBC mithalten kann. Im Prinzip scheitert es ja hier aber nur an der Umsetzung, Filmmaterial ist da, Korrespondenten sind da. Synergieeffekte mit tagesschau.de und den zahlreichen Inforadios können perfekt genutzt werden. Und dann noch Gäste einladen – und wir wären in Deutschland schon ein Schritt weiter. Und wenn dann wieder die privaten Zeitungsverleger und RTL und Sat.1 jammern, sollen sie einfach alle ignoriert werden. Die haben ihre Chance schon längst verspielt. Wird eins Extra nun der große Wurf, habe ich geschrieben. Man muss ihn nur wollen.
Inhalt von Nachrichtensendern: Nicht nur Politik
Die Stärke von Newssendern sind die Flexibilität, die Spontanität, die Aktualität und die Themenvielfalt. Es darf also nicht nur Politik und Wirtschaft bedient werden, sondern auch Kultur und Musik, jede Menge Sport, Gesundheit, Showbizz und viele andere Boulevardnews. Nur wenn ein politisches Thema wichtig wird, muss der Fokus darauf gelegt werden. Aber in nachrichtenärmeren Zeiten kann man doch auch mal eine Stunde über Fettleibigkeit diskutieren oder über Sporttransfers. Möglichst viele Interessen sollten bedient werden. Sprich nicht nur aktuelle News. Ziel muss es sein Zuschauer zu informieren und aufzuklären. Wie wunderbar könnte man die ARD-Themenwoche in einen Nachrichtensender eingliedern…
Wie gesagt, ich will n-tv und N24 bei weitem nicht in Schutz nehmen, sondern nur darauf hinweisen, dass die Produktion von erfolgreichen Nachrichtensendern viel Geld kostet. Das ist der eine Fakt. Gleichzeitig wollte ich damit deutlich machen, dass, wenn die Eigentümer von N24 und n-tv nicht gewillt sind zu investieren, kein Weg vorbeiführt an einem Nachrichtenkanal von ARD oder ZDF. Denn das Bedürfnis nach aktuellen Nachrichten, nach Einordnung des Weltgeschehens ist da. Und Nachrichtensender müssen nicht nur aktuelle Themen im Programm haben, sondern können auch über Themen des Alltags informieren, also eine breite Publikumsschicht ansprechen.
So, wie die Lage der Nachrichtensender in Deutschland jetzt ist, bleibt es ein Armutszeugnis. Denn Fernsehen hat trotz der Expansion der Online-Medien immer noch einen Vorteil. Bewegte Bilder. Und den sollte man nutzen.