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My two and a half years of Breaking News

Samstag, 14. Februar 2009 20:59

Sky News, der britische Nachrichtensender von Rupert Murdochs News Corporation, feiert derzeit seinen 20. Geburtstag. Am 05. Februar 1989 ging Sky News als damals noch kleiner und noch nicht Gewinn bringender Nachrichtensender an den Start. 20 Jahre später ist Sky News einer der erfolgreichsten und meist gesehenen Nachrichtensender weltweit. Seit Tagen laufen Spots und News-Specials, die auf 20 Jahre Sky News zurückblicken. Sky News hat sich zu einer Marke entwickelt, zu einem Nachrichtensender, der neben den klassischen Nachrichtenblöcken vor allem auf Breaking News setzt. Die Liste der Ereignisse, von denen mal als erste weltweit Bilder sendete, wird länger und länger.

Zum ersten Mal erlebte ich Sky News an einem Morgen im Sommer 2005, als ich mit meiner damaligen Freundin von Dover nach Calais mit der Fähre über den Ärmelkanal fuhr. Auf der Fähre im Restaurant gab es zahlreiche Fernsehbildschirme, auf denen Sky News lief. Das war damals nur wenige Tage nach den Terroranschlägen von London. Ich konnte damals gut eine Stunde Sky News verfolgen und war recht angetan von Layout und Struktur der Morgennachrichten, viele Gäste, ein Blick in die Zeitungen. Ich fühlte mich weitesgehend informiert. Danach verlor ich aber Sky News wieder aus den Augen. Als ich im Herbst 2006 mir wegen NASN das Kabel Digital Home Paket holte, stellte ich schnell fest, dass ich nun auch Sky News 24 Stunden am Tag empfangen konnte. Und von nun an habe ich diesen Sender seit fast zweieinhalb Jahren immer lieber gewonnen, entspricht er doch in vielen Punkten – aber nicht in allen – dem Idealtypus eines Nachrichtensenders. Und da Sky News derzeit 20. Geburtstag feiern, ein paar Gedanken zu Sky News und Nachrichtensendern allgemein.

Auch bei Sky News ist nicht alles Gold. Mir gefällt zum Beispiel die manchmal sehr boulevardeske Aufmachung einfach nicht. Sobald in England mal wieder ein Mädchen ermordet wird – was in letzter Zeit leider viel zu oft vorkam – gibt es bei Sky News tagelang kein anderes Thema mehr. Und da reicht schon der Einbruch eines kleinen Jungen auf der Eisfläche, dass Sky News dieses Thema an erster Stelle in den Nachrichten setzt und Barack Obama erstmal warten muss. Allgemein setzt Sky News auch eher auf die weichen Nachrichtenthemen, wirklich intensive politische Berichterstattung – gerade von der britischen Innenpolitik – gibt es eher wenig. Man berichtet über die großen Leitlinien, insgesamt wird über verschwundene Mädchen intensiver berichtet als über Gesetzersvorhaben der Regierung. Gleiches gilt für Naturkatastrophen oder Unglücksfälle – auch da ist Sky News immer vorne weg. Also, wenn man es zusammenfassen will, dann etwas zu viel Boulevard, Katastrophen und Unglücke.

Aber das überdeckt die vielen Stärken von Sky News nur ein bisschen. Wie Sky News mit Breaking News, mit Wirtschaftsthemen und politischen Großereignissen umgeht, ist exzellent und fast nicht besser zu machen. Wer das Bedürfnis hat immer alles als erster zu erfahren, ist zumindest bei Sky News recht gut aufgehoben. Das Programm ist flexibel, es gibt zwar eine Grundstruktur an täglichen Sendungen mit den verschiedenen Moderatoren, aber man reagiert je nach Nachrichtenlage auf die Programmgestaltung und sendet einfach auch mal 15 Minuten einer wichtigen Rede von Barack Obama, Gordon Brown oder eines Wissenschaftlers auf irgendeinem Kongress. Aber wo Sky Ness meiner Meinung nach unschlagbar ist, ist die Berichterstattung von Großereignissen. Und das aus zwei Gründen: Man versucht aus diesen Ereignissen etwas Besonderes zu machen, sendet zum Beispiel für die US-Wahl von einer Villa am Strand von Miami, lässt eine Schülerband spielen, und lädt zahlreiche Gäste ein. Und zwar keine Experten, sondern Gäste, die irgendwas Persönliches zu diesem Thema beitragen können, ganz persönliche Erfahrungen, die die sachliche politische Berichterstattung wunderbar auflocken und ergänzen. Gleiches gilt für die Berichterstattung vor Ort: Man spricht oft mit Beteiligten und Zuschauern, geht in die Menschenmenge und fängt Stimmen ein. Und immer alles ruhig und ohne Hektik. Ohne viel Gelaber. Eben nur das Nötigste. Man nimmt sich selbst wenig wichtig, sondern stellt das Ereignis vollkommen in den Vordergrund. Und das schafft kein anderer Sender annährend so gut wie Sky News. Weiterer Vorteil: Man sendet immer live, 24 Stunden rund um die Uhr. Und es gibt nur Nachrichten, oder selbstproduzierte Dokumentationen zu wichtigen Ereignissen. Dokus über Panzer, Kriege und Wolkenkratzer sieht man in London nicht. Wenn also irgendetwas Wichtiges auf der Welt passiert, man kann stets auf die Nachrichtenlage reagieren. Und sowas erwarte ich von einem Nachrichtensender.

Seit ich relativ regelmäßig Sky News schaue, hat sich auch so ein bisschen meine Aufnahme von Nachrichten verändert. Früher fand ich es nie besonders wichtig als erster Nachrichten oder bestimmte Live-Ereignisse zu erfahren. Irgendwie erfährt man das sowieso noch später als Agenturmeldung oder als kurzen Bericht irgendwo in einer der vielen Nachrichtensendungen. Doch eine positive Erfahrung habe ich dank Sky News gemacht. Es ist zumindest nicht falsch als Erster Nachrichten zu erfahren. Klar ist das dann bei Breaking News immer auch noch mit Unwissen verbunden, aber gerade bei Live-Schalten zu wichtigen Reden, Pressekonferenzen oder Eröffnungszeremonien finde ich es immer wichtiger das live zu verfolgen, weil ich dann selbt entscheiden kann, wie ich das Thema oder die Nachricht einschätze. Wenn ich etwas “first” erfahre, dann erfahre ich es auch immer ohne Zwischenstation und kann mir relativ gut ein eigenes Bild machen, ohne aus irgendwelchen Artikeln oder Pressemitteilungen die Essenz herauszuziehen. Und Sky News ist eben bei fast allen wichtigen politischen Pressekonferenzen in England, den USA oder auch mal in Europa live dabei. Und das erwarte ich von einem Nachrichtensender, mir die Nachrichten nach Hause zu bringen, direkt, live, unverfälscht – und dann kann ich immer noch auf die Analyse warten.

Natürlich schwingt bei Sky News – auch aufgrund der zahlreichen Auszeichnungen für den Sender – eine kleine Spur Arroganz mit, aber die kann man ganz gut übersehen, auch wenn mehrmals in der Stunde der Slogan “First for Breaking News” zu sehen ist. Eine meiner Lieblingssendungen ist Saturday Live mit Chris Roberts, wo man eine guten Überblick über das Sportwochenende in England bekommt, zu empfehlen sind auch die abendliche Sportsendung sportlines sowie die Sendungen des Politikchefs Adam Bolton, der am Wochenende recht ausführlich politische Schauplätze analysiert.  Wer die wenigen Schwächen von Sky News hinnimmt und die Stärken dieses Senders über einen längeren Zeitraum erlebt hat, findet – wie ich – diesen Sender als absolut notwendig für meinen täglichen Nachrichtenkonsum, und auch wenn es nur nachmittags nebenbei läuft. Die Breaking News werden schon laut und oft genug angekündigt. Die verpasst man nicht.

Thema: TV und Radio, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (3) | Autor: medispolis

Nachrichtensender ohne Nachrichten

Dienstag, 30. September 2008 16:19

Montagabend, 19h50. Erste Meldungen schwappen über den Atlantik, wonach das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket der US-Regierung im Kongress wohl möglich keine Mehrheit bekommen wird. Noch ist aber unklar, ob die nötige Stimmenmehrheit erreicht werden kann. Zunächst sei nur von einer lebhaften Diskussion im Kongress gesprochen worden. Doch die Gerüchte reichten aus: Die ehe schon anfälligen Börsenkurse an der Wall Street brechen daraufhin völlig zusammen, erholen sich kurz. Als aber final bekannt wird, dass der Rettungsplan endgültig gescheitert ist, brechen alle Dämme beim Dow-Jones. Ein Verlust von über 700 Punkten.

Innerhalb von 20 Minuten erreicht die weltweite Finanzkrise eine neue Dimension. Als Newsjunkie gehen bei mir dann immer alle Sirenen los. Ich möchte dabei sein, möchte alles live verfolgen, erste Reaktionen verfolgen, Stimmungen, Eindrücke und Emotionen aufsaugen. Also wird BBC Five Live eingeschaltet und durch die Nachrichtensender gezappt. Und mal wieder muss ich sagen, dass ich von unseren beiden Nachrichtenkanälen n-tv und N24 sowas von maßlos enttäuscht bin. Als ich um 19h55 den TV einschalte, haben CNN, Sky News und BBC World ihr Programm schon unterbrochen und zeigen Live-Bilder aus dem Kongress. Überall laufen Breaking News-Laufbänder. Bei n-tv und N24 kommt Werbung. Der Kölner Sender berichtet dann in seiner 20Uhr-Nachrichtensendung, die gerade mal fünf Minuten geht, immerhin kurz darüber, N24 ignoriert alle Meldungen und geht nach drei Minuten Nachrichten vom Tage zur Doku “Angriff aus dem Hinterhalt” über. Da kann man sich eigentlich nur verarscht vorkommen.

Der kleine Sender “Eins Extra” übernimmt erste Meldungen aus den USA um kurz vor Acht ins Programm. Die Tagesschau berichtet in ihrer 20h00-Ausgabe als erste ausführlich über ein mögliches Scheitern, gegen 20h15 kommen bei tagesschau.de und Spiegel-Online die ersten Eilmeldungen an den Tag. Zu diesem Zeitpunkt haben Sky News und CNN bereits drei Schalten nach New York und Washington unternommen. Natürlich kann man von den Strukturen die Nachrichtensender nicht vollständig vergleichen, aber ist es von N24 und n-tv zu viel erwartet, alle Stunde 15 Minuten Nachrichten zu senden und bei solch dramatischen Ereignissen das laufende Programm zu unterbrechen? Gerade in solchen Momenten kann man seinen Sender, die Marke und sein Profil durch ausführliche Berichterstattung stärken. Aber das scheint echt zu viel verlangt. Die Tagesschau war mit ihrer Meldung das erste Nachrichtenmedium in Deutschland, das von dem (möglichen) Scheitern berichtet. Da kann man die ARD sicherlich für loben, vielmehr ist es aber ein Armutszeugnis für alle anderen Sender hier.

Welchen Stellenwert haben Nachrichten überhaupt noch bei manchen Sendern? Ist eine Doku wichtiger als eine weltweite Finanzkrise, die uns alle betrifft? Wo ist der Informationsauftrag, wo die Leistung, die zum Beispiel N24 oder n-tv erbringen? Ein Beispiel: Der Radiosender BBC Five Live unterbricht seine montägliche, sehr beliebte Sportsendung für mehrere Schalten nach Washington D.C. Der Moderator entschuldigt sich mehrfach bei den Sportfans, dass man nicht wie üblich sonst am Montag über die Fußballspiele vom Wochenende diskutieren kann, aber die Berichterstattung aus den USA genießt erstmal Vorrang. Das Wichtige vom Unwichtigen trennen, und die Zuschauer umfassend informieren. Das erwarte ich von Nachrichtenmedien. Ich glaube, dass das nicht zu viel verlangt ist. In Deutschland sind wir an dieser Stelle teilweise noch ein Entwicklungsland. Und die Proteste von RTL und ProSieben/Sat.1 gegen einen Nachrichtenkanal von ARD und ZDF sind in diesem Zusammenhang einfach nur dreist und frech.

22h30 am Montagabend. Ich schaue Sky News, die Abendnachrichten. Seit 10 Minuten gibt es Schalten an die Wall Street und zum Kapitol nach Washington. Plötzlich wird die Schalte unterbrochen, man schaltet sofort wieder nach London, wo der Vorsitzende der Konservativen, David Cameron, eine Stellungnahme zu den Ereignissen des Tages abgibt. Danach nimmt man dann die Schalte zu Wall Street wieder auf, unten rechts blendet man ein kleines Live-Bild ein. Henry Paulson, der US-Finanzminister, wird in Kürze ein Statement abgeben, Sky News ist natürlich schon vorher informiert und hält die Zuschauer auf dem Laufenden, wann damit zu rechnen ist.

Ich schalte nochmal zur Sicherheit zu N24. Es läuft wieder irgendeine Doku. Wieso habe ich eigentlich dorthin geschaltet? Die ARD hat gestern gezeigt, dass man auf Nachrichten auch kurzfristig reagieren kann. Ansonsten war es mal wieder ein Armutszeugnis. Eigentlich nichts Neues, aber ich wollte es trotzdem noch mal gesagt haben. Schöne Grüße an die Heuschrecken.

Thema: TV und Radio, Wirtschaft, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Zum Glück gibt es Phoenix

Montag, 25. August 2008 11:23

Heute startet der Nominierungsparteitag der US-Demokraten in Denver, Colorado. Höhepunkt des viertägigen Spektakels ist die Rede von Barack Obama, die er in der Nacht von Donnerstag auf Freitag deutscher Zeit im INVESCO Field halten wird. Eben routinemäßig mal geschaut, wie die Berichterstattung in Deutschland über den Parteitag der Demokraten aussieht.

ARD: Keine Live-Übertragungen aus Denver, allerdings gibt es eine lange Nacht der US-Wahlen von Freitag auf Samstag ab 23h30. Der Parteitag ist dann aber schon Vergangenheit.

ZDF: Keine Sondersendungen geplant

N24: Keine Live-Übertragungen. In der Nacht der Obama-Rede gibt es Dokumentationen über U-Bahnen und die Gefahr auf der Schiene.

n-tv: Eine Doku über das Empire State Building wird dem Parteitag der Demokraten vorgezogen. Ist n-tv noch Partnersender von CNN?

Phoenix: Zum Glück gibt es diesen Sender. Berichtet in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von Mitternacht bis 06h00 vom US-Parteitag. Die Rede von Barack Obama gibt es im Zweikanalton. Phoenix übernimmt wieder das Bild von MSNBC.

SkyNews: Live-Übertragung der Rede von Barack Obama sowie ein tägliches Special “Decision Time”.

CNN: Täglich gibt es von 22h00 bis 03h00 deutscher Zeit Live-Berichte vom Parteitag der US-Demokraten.

BBC World: Live-Schalten nach Denver in der Sendung BBC World News America. Live-Übertragung der Rede von Barack Obama.

Thema: TV und Radio, US Wahl 2008 | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Wenn es einfach zu lange dauert…

Freitag, 11. Januar 2008 13:38

ad1: 10 Monate verhandelt – und bisher ist nichts dabei rausgekommen. Ein Armutszeugnis für die GDL und die Deutsche Bahn. Im einzigen Punkt, wo man ganz groß war, waren die gegenseitigen Beschuldigungen, seitenlange Anzeigen in Tageszeitungen und im Androhungen von Konsequenzen. Und wir Bürger sind bis jetzt immer die Dummen gewesen. Was haben die letzten 10 Monate gebracht? Rein gar nichts. Seit ein paar Wochen sitzt man nun am Verhandlungstisch, schottet sich von der Öffentlichkeit ab, hat geheime Gespräche mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, doch eine Einigung gibt es jetzt anscheinend doch wieder nicht. Komisch, dass vor zwei Tagen alle noch so zuversichtlich waren. Oder ist es der GDL übel aufgestoßen, dass die Deutsche Bahn AG Verfassungsklage gegen den Streik eingereicht hat? Dieser Punkt zeigt nur eines: Wie unsensibel sich die Bahn in den ganzen 10 Monaten verhalten hat. Sie war nie Herr der Lage, sie war schwach. Die GDL entscheidet am Sonntag über neue Streiks. Ich gebe schon mal ein Tipp ab, wie es ausgeht. Am Sonntag beschließt man weitere Verhandlungen und verpulvert weiter Geld, weil nichts Gescheites dabei rauskommt. Kompromiss ist ein Fremdwort für die Beteiligten.

ad2:Dass Deutschland meiner Meinung nach nicht über einen qualitativ vernünftigen Nachrichtensender verfügt, habe ich hier schon mehrmals berichtet. Deshalb setze ich ja auch große Hoffnungen in die Bemühungen der ARD einen ihrer digitalen Kanäle als 24-Stunden-Nachrichtensender einzurichten. doch meine Hoffnungen haben auch wieder einen Dämpfer bekommen. Die Zeitschrift Digitalfernsehen will erfahren haben, dass jetzt sowohl ARD als auch ZDF eigene Nachrichtenkanäle planen. Das ist ein Fakt, den man eigentlich immer vermeiden wollte, dass beide ÖR ihre eigenen Kanäle umstrukturieren. So gibt es doch wieder nur die Verschwendung von Ressourcen und eine neue zusätzlich herbeigebrachte Konkurrenz zur Lasten der Qualität. Und mal was ganz anderes: Es wird geplant, geplant, geplant. Vielleicht handelt man auch mal. Denn mittlerweile lebe ich mit Sky News hervorragend. Also liebe ÖR,  lasst euch nicht mehr zu viel Zeit.

ad3:Und was ganz Privates: Ich bin großer Fan von NavyCis, habe alle DVD-Boxen der bisherigen drei Staffeln. Aber wann kommt Staffel Vier? Das müsste doch mal so langsam sein. Wenn irgendein Leser etwas Genaueres weiß, bitte her damit. Das dauet mir einfach zu lange.

Und auch mit der Premier League Preview wird es heute nichts mehr, das ich das zeitlich nicht schaffe. Also ersten morgen Früh. Nicholas Anelka wechselt lt. FC Chelsea von den Wanderers zu den Blues. Später mehr.

Zuletzt noch ein Lesetipp: Alexander Krei/Quotenmeter über die Medienkritik von Günter Oettinger.

Thema: TV und Radio, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Übermut tut selten gut: Deutschlands Premium – Nachrichtensender n-tv wird demnächst 15 Jahre alt

Mittwoch, 28. November 2007 11:22

Anlässlich des 15. Geburtstags von n-tv haben zwei Schwergewichte des Nachrichtensenders, Carola Ferstl und Manfred Bleskin, dem Berliner Tagesspiegel ein Interview gegeben, dessen Lektüre ich sehr empfehle. Ich habe es zwei Mal getan und zweifle immer noch an einigen Aussagen, in welchen man sich hochjubelt – wenn man sich natürlich auch mit N24 vergleicht. Einige kommentierte Aussagen des Interviews.

Tagesspiegel: Hat sich bei n-tv erfüllt, was Sie sich erträumt hatten?
Bleskin: n-tv hat ein Publikum für sich gewinnen können, das politisch und ökonomisch interessiert ist. Dieses Publikum schaltet n-tv und nur n-tv ein, wenn etwas in der Welt passiert [...] Nachrichten haben einen Stellenwert im deutschen Fernsehen bekommen. Das ist die Leistung von n-tv.

Es ist sicherlich richtig, dass n-tv einen gewissen Anteil daran hat, dass Nachrichten immer mehr ins Bewusstsein der Deutschen gelangen. Trotzdem würde ich gerne mal Fakten sehen, dass dies so ist. Gab es eine Untersuchung? Sind die Einschaltquoten wirklich so hoch? Ich habe niedrige einstellige Werte im Kopf. Und n-tv braucht gute Einschaltquoten, damit aus den roten schwarze Zahlen werden. Liegen Wunsch und Wirklichkeit nicht weiter auseinander?

Tagesspiegel: Womit kämpfen Sie derzeit am meisten?
Ferstl: Wir arbeiten daran, die Menschen zur Aktie zurückzuholen. Das ist leichter gesagt als getan. Das Thema „Aktie“ ist ein bisschen verbrannt.
Bleskin: Ich setze bei meiner Altersversorgung auch nicht auf Aktien.
Ferstl: Weil du dich zu wenig auskennst.

Ist das eine primäre Aufgabe von n-tv? Wie wäre es denn mal mit vernünfitgen Sportberichten, Specials nicht nur zu irgendwelchen Schneekatastrophen oder Waldbränden. Wo sind die Dokumentationen, die länger haften bleiben?

Tagesspiegel: Es gibt viele Informationskanäle im deutschen Fernsehen: n-tv, Phoenix, N 24, Euronews. All das wirkt mickrig im Vergleich zu internationalen Stationen wie CNN oder BBC. Ist Nachrichtenfernsehen made in Germany nicht klein-klein?
Ferstl: Warum sehen die Leute die „Tagesschau“? Weil sie ein deutsches Programm mit dem Schwerpunkt Deutschland wollen. Bitte übersehen Sie nicht: Die meisten deutschen Anleger haben vor allem deutsche Aktien.
Bleskin: Der Anspruch bei CNN, Euronews und BBC World ist ein anderer. Aber auch da gibt es Schwerpunkte für Afrika, Asien, Europa. Die Heimat von n-tv ist der deutschsprachige Raum.

Klar ist die Heimat von n-tv der deutschsprachige Raum, nur wie wäre es denn mal, wenn man auch mehr aus dem europäischen ausland berichten würde. So ist man auf einer Schiene mit N24. Wenn n-tv ein “besserer” Nachrichtensender sein will, dann muss man auch das nachrichteninteressierte Publikum ansprechen. Und das interessiert bei weitem nicht nur, was bei uns passiert. Wenn man sein Augenmerk mehr auf Europa und die Welt legen würde, könnte man meiner Meinung nach einiges an Profil gewinnen. Sonst schauen alle weiterhin die Tagesschau. Anknüpfend daran auch die letzten Ausführungen im Interivew, wo es zur Konkurrenz von N24 geht.

Tagesspiegel: Wer könnte n-tv in Bedrängnis bringen? EinsExtra, ZDF Info, das Internet?
Ferstl: Mit dem Internet sind wir in der richtigen Spur. [...] n-tv.de ist supererfolgreich. Was läuft online denn am besten? Was dem TV mit seinen Bewegtbildern am nächsten kommt. n-tv, das Fernsehen, ist das Eingangstor für n-tv.de, das Internet. [...]
Bleskin: Was uns in Bedrängnis bringen kann? Das Ende der Welt vielleicht. Aber da wären wir auf jeden Fall live dabei.
Tagesspielgel: Warum hat N 24, ihr jüngerer Konkurrent, n-tv in der Reichweite überholen können?
Bleskin: N 24 hat zu bestimmten Zeiten des Tages einen anderen Zuschnitt, und das ist nicht unbedingt die Information. Was da manchmal nach 22 Uhr läuft, das treibt einem schon manchmal die Schamröte ins Gesicht.
Tagesspiegel: Sie meinen „Die Sexualität des Menschen“? n–tv ist keusch, rein und seriös?
Bleskin: Ja. Selbst unsere Reportagen haben eine zeithistorische, politische, wirtschaftliche Anbindung.
Ferstl: Man kann n-tv und N 24 nicht vergleichen, will man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Wir hätten höhere Quoten, wenn wir ein Mischprogramm machten wie N 24.

Also ich habe, wenn ich im Büro sitze, jedes Mal Probleme n-tv via Internet zu schauen, liebe Frau Ferstl. Und wenn ein Trainer beim Bundesligisten Hamburger SV seinen Abschied verkündet und Stunden danach auf n-tv.de diese Meldung irgendwo in den Kurzmeldungen steht und der Header im Sportbereich eine alte Konserve aus dem US-Sport ist, finde ich n-tv.de einfach nur deplatziert. Schade eigentlich, dass man sich mit N24 vergleichen muss. Denn der Sender ist gelinde gesagt noch furchtbarer. Da halte ich es n-tv sehr zu Gute, dass man auch am Wochenende es immerhin schafft, nachts 10 Minuten Nachrichten aus der Konserve zu senden – und nicht nur drei wie N24.

n-tv ist ganz einfacher weniger Mischprogramm als N24, daher auch weniger Einschaltquoten. Und was nützt es mir als interessierten Nachrichtenschauer, wenn an einem Samstagabend sich die Welt verändert und Sky oder die BBC sofort per Breaking News drauf sind, wenn sowohl bei N24 und n-tv die tausendste Wiederholung läuft von Kronzuckers Kosmos bzw. Hilters Machtergreifung.

Trotzdem Glückwunsch zum 15., n-tv. Auf dass das Programm endlich besser wird.

Felix

Thema: TV und Radio, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (0) | Autor: medispolis