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Premier League 2009/2010 Preview #24 – Unhaltbare Situation

Freitag, 29. Januar 2010 12:37

Beginnen wir die Vorschau auf den Premier League Spieltag 24 mit einem erneuten Blick zum Krisenklub der Premier League, zum FC Portsmouth. Wobei kurz angemerkt sein soll, dass es momentan eigentlich bei keinem Verein wirklich ruhig ist. Theater um Benitez bei Liverpool, stets neue Verletzte beim FC Arsenal, sportliche Talfahrt in Sunderland, Fulham, Wigan und Burnley, Phil Brown in Hull mal wieder auf der Kippe zum Rauswurf, ein wenig Stillstand bei Tottenham, Ärger um Rio Ferdinand bei Man Utd. Da ist ja fast schon paradox, dass ausgerechnet der FC Everton dieser Wochen auf einer kleinen Welle des Erfolgs schwebt. Aber zurück nach Portsmouth, deren Krise sehr viel schlimmer erscheint als die paar aufgezählten Missstände bei den anderen Vereinen. Ausbleibende Gehälter an Spieler und Beschäftigte, der Pleite immer noch bedrohlich nahe, Transferembargo, ein Abschalten der Vereinswebsite, ausbleibende Fernsehgelder um die Schulden des Vereins bei anderen Klubs zu tilgen. Portsmouth hat in den vergangenen Wochen alles erlebt. Und zu den enormen finanziellen Problemen kommt die sportliche Talfahrt. Jetzt scheint die Krise bei den Südküstlern eine neue Dimension angenommen zu haben. Nach übereinstimmenden Medienberichten stehen Chief Exekutive Peter Storrie und Trainer Avram Grant kurz vor dem Rücktritt. In den Frühnachrichten der BBC war bereits von einer Entscheidung am heutigen Freitag die Rede. Das ist aber nicht bestätigt. Der Verein soll hinter dem Rücken von Grant und Storrie Verhandlungen mit den Tottenham Hotspur über den Verkauf von Younes Kaboul und Torwart Asmir Bergovic geführt haben. Das Portsmouth Spieler verkaufen muss, ist ja eigentlich keine neue Meldung wert. Doch scheinbar hat auch intern ein tiefer Riss durch den Verein zu geben. Vertrauen scheint nicht mehr gegeben. “Die Situation ist unhaltbar”, sagte Storrie. “Wenn wir Spieler verkaufen müssen um Geld in die Kasse zu bekommen, dann bin nur ich der richtige Mann um Vertragsdetails auszuhandeln.” Nach Berichten von BBC Five Live sollen die Spieler von Pompey zum vierten Mal in dieser Saison nicht zum regulären Termin bezahlt werden können. Mal sehen, welche Entwicklungen das Wochenende da noch bereithält.

Update, Freitag 12:34 Uhr. ESPN Soccernet berichtet, dass Storrie und Grant vorerst beim FC Portsmouth bleiben wollen.

Es steht also Spieltag 24 auf dem Programm. Wobei nur fünf Teams die komplette Zahl an Spielen absolviert haben, viele Klubs stehen immer noch bei 21 oder 22 Spielen. Nachholspiele gibt es deshalb zahlreiche im Februar. Bereits nächste Woche. Dazu am Dienstag dann mehr.

Hull City – Wolverhampton Wanderers

Keine einfachen Tage auch für Hull City im Monat Januar. Nur einen Punkt in den letzten drei Spielen, und das auch nur mit sehr viel Glück in Tottenham. Ansonsten wirken die Tigers in ihren Spielen sowas von chancenlos und zerbrechen regelmäßig in der Schlussphase, zuletzt beim 0:4 im Old Trafford, aber auch im FA-Cup Anfang Januar in Wigan. Hull steht einen Punkt unter dem Strich und hat zudem mit Abstand die schlechteste Tordifferenz. Defensiv hakt es besonders. Nun könnte man meinen, dass entsprechende Verstärkung notwendig ist. Doch auch Hull City setzt den Rotstift an. Der neue Chairman des Vereins, Adam Pearson, hat einen drastischen Sparkurs angekündigt. Erster Schritt das Kürzen von Spielergehältern. Oder noch am besten: Das Verkaufen der Großverdiener im Verein. Nach Berichten sollen das Peter Halmosi, Kevin Kilbane und Daniel Cousin sein. Nur Abnehmer gibt es für die drei noch nicht. Phil Brown hat den Kürzungen, so hört man, zugestimmt. Aber solche Maßnahmen machen die Arbeit für den Trainer nicht gerade leichter. Interessant wird derweil zu sehen sein, wie die Wolves, einen Punkt und zwei Plätze vor Hull in der Tabelle, den Achtungserfolg beim 0:0 gegen Liverpool mit in dieses Spiel nehmen können. Was für Hull gilt, trifft auch auf Wolverhamtpon zu: Richtig überzeugend hat man schon lange nicht mehr gespielt.

FC Liverpool – Bolton Wanderers

Sky Sport 1 live, Samstag 15:55 Uhr, Kommentar: Sven Schröter

Man mag es kaum aussprechen, aber Liverpool könnte mit eigenem Sieg und gleichzeitiger Niederlage der Spurs in Birmingham auf Platz 4 der Tabelle aufrücken, profitiert aber davon, dass Man City noch einige Nachholspiele zu absolvieren hat. Bei Liverpool hängt der Haussegen sowieso schief. Angeblich soll es gestern Abend ein Treffen von Juventus-Verantwortlichen mit Beratern von Benitez gegeben haben. Die Italiener wollen den Spanier möglichst schnell nach Turin lotsen. Solche Gerüchte und Meldungen sind natürlich alles andere als vorteilhaft vor dem wichtigen Spiel gegen Bolton. Torres wird weiterhin fehlen, Gerrard bekommt die zentrale Rolle im offensiven Mittelfeld, Kuyt hat sich als einzige Spitze zuletzt ganz gut gemacht. Die Wanderers haben sich unter dem neuen Trainer Owen Coyle schon ganz gut verbessert. Das hat man bereits bei der Niederlage im Emirates gesehen, zuletzt vor allem in den Siegen im FA-Cup und in der Liga gegen Coyle’s Ex-Klub Burnley. Würde mich nicht wundern, wenn Bolton mit entsprechender Leistung wie zuletzt auswärts bei Arsenal an der Anfield Road punkten kann. Liverpool braucht eine weitere Energieleistung und den vollen Rückhalt der Fans.

Wigan Athletic – FC Everton

Der FC Everton ist nach seinem fürchterlichen Saisonstart und der großen Verletzungsmisere richtig gut in Fahrt gekommen und sowas wie das Team der Stunde in der Premier League. In der Liga hat man zuletzt Ende November verloren, seitdem gab es aus den letzten neun Spielen 17 Punkte. Die Toffees haben sich damit vorerst aller Abstiegssorgen entledigt. Großen Anteil daran hat auch Landon Donovan, der gegen Sunderland sein erstes Pflichtspieltor für Everton erzielte. Völlig diametral hingegen läuft die Formkurve bei Wigan Athletic. Nach dem guten Saisonstart kommt man einfach nicht aus der bedrohten Zone raus. Einem guten Spiel mit defensiver Stabilität und guter Chancenauswertung folgt dann meist eine katastrophale Leistung wie zuletzt bei der Niederlage in Blackburn, wo man die Tore sich fast selbst einschenkte.

West Ham United – Blackburn Rovers

Auch für die Hammers ein extrem wichtiges Spiel im Abstiegskampf. Zuletzt gab es einen kleinen Achtungserfolg beim 0:0 bei Aston Villa, 10 Tage später dann aber ein eher ernüchterndes Remis in Portsmouth. Um in der Liga zu bleiben, muss West Ham solche Spiele eigentlich gewinnen. Und dazu gehört dann auch die Partie gegen die Rovers am Samstagnachmittag. Blackburn kommt mit der Empfehlung von zwei Siegen in Folge in der Premier League.

FC Fulham – Aston Villa

Ein klein wenig Stillstand bei Aston Villa, viel schlimmer die Situation hingegen beim FC Fulham. Villa ist vor dem Spiel im Cravan Cottage nur noch siebter in der Tabelle, hatte aber im Januar bisher auch nur zwei Ligaspiele, die beide nur mit Unentschieden beendet wurden. Dafür gab es umso überzeugendere Siege in den Pokalwettbewerben. Fulham hat aus den letzten fünf Spielen nur einen Punkt geholt. Und man war in nahezu allen Spielen völlig chancenlos. Mal sehen, wer den Turning Point in diesem Spiel finden kann.

Birmingham City – Tottenham Hotspur

Der Tabellenachte empfängt den Viertplatzierten in der Tabelle, eigentlich also eine ganz attraktive Begegnung. Wenn die Blues nochmal in die Nähe der Europapokalplätze kommen wollen, ist ein Sieg gegen die Spurs notwendig. Birminghams Erfolgsserie ging am Mittwoch beim FC Chelsea zu Ende, was nun alles andere als eine große Schande ist. Interessant wird sein, wie Tottenham mit dem physischen, sehr kampfbetonten Spiel der Blues umgehen werden. Gegen solche Gegner hatte Tottenham zuletzt immer wieder Probleme.

FC Burnley – FC Chelsea

Sky Sport 1 live, Samstag 18:25 Uhr, Kommentar: Oliver Faßnacht

Der FC Chelsea ist in der Premier League weiterhin das Maß aller Dinge. 10 Tore in den letzten zwei Heimspielen, in den beiden Partien des neuen Jahres hat das Team von Carlo Ancelotti nicht verloren und überzeugend wieder die Tabellenführung übernommen – in Abwesenheit zum Beispiel von Didier Drogba. Mittlerweile ist die Konkurrenz in der Offensive durch die vielen guten Leistungen schon so groß, dass Joe Cole von Ancelotti keine Stammplatzgarantie mehr ausgesprochen bekommt. Jetzt wartet mit dem Auswärtsspiel der Blues beim FC Burnley eine vermeintlich einfache Aufgabe. Man hat den Eindruck, dass die Clarets nach dem Wechsel von Owen Coyle zu Bolton immer noch ein wenig in Schockstarre versetzt sind und die Harmonie ein wenig verloren gegangen ist, auch gerade in Verbindung zwischen Fans und Verein. Viele Anhänger des Vereins haben den Abgang von Coyle und die Zustimmung der Vereinsführung dazu nicht verstanden, bei Burnleys Partie am Mittwoch in Bolton hallten Judas-Rufe durch das Reebok Stadium. Burnley hat die letzten drei Ligapartien verloren und ist zudem auch im FA-Cup gegen Zweitligist Reading ausgeschieden.

Manchester City – FC Portsmouth

Sky Sport 1 live, Sonntag 14:25 Uhr, Kommentar: Markus Gaupp

Im Moment gibt es für den FC Portsmouth nun wirklich keine leichte Aufgabe, aber gerade ein Auswärtsspiel bei Manchester City in der jetzigen Phase kann gut und gerne zu einer Demontage für Pompey werden. Die Gastgeber brauchen den Sieg um weiter im Kampf um den begehrten vierten Platz mitreden zu können. Gegenwärtig liegt man drei Punkte zurück, hat aber auch zwei Spiele weniger absolviert. Es ist Spiel 1 nach dem Intermezzo von Robinho in Eastlands. City ist zwar im Carling Cup gegen den Stadtrivalen United ausgeschieden, hat aber eindrucksvoll gezeigt, dass man ein ernsthafter Konkurrent um den vierten Platz ist und bei besserem Saisonverlauf auch um den Meistertitel gewesen wäre. Portsmouth ist schon fünf Punkte von einem Nichtabstiegsplatz entfernt und derzeit sieht wenig danach aus, dass es nach dem Spiel am Sonntagnachmittag weniger sein könnten.

FC Arsenal – Manchester United

Sky Sport 1 live, Sonntag 16:55 Uhr, Kommentar: Roland Evers

Achtung Wortwitz zum Anfang! Das Remis bei Aston Villa war mit Sicherheit kein Beinbruch (angesprochen auf die Verletzung von Thomas Vermaelen), auch wenn man sich schon ein wenig enttäuscht zeigte beim FC Arsenal. Trotz zweier Lattentreffer der Gunners reichte es nur zu einem 0:0 im Villa Park, Arsenal musste also ein wenig abreißen lassen gegenüber Chelsea. Manchester United musste hingegen im Carling Cup deutlich mehr investieren, kam aber auch zu einem Erfolgserlebnis und den Finaleinzug. Von den Voraussetzungen und der Stimmungslage geht man also ein wenig unterschiedlich in das Spitzenspiel des 24. Spieltages. Arsenal steht einmal wieder unter Druck sich in einem großen Spiel mit dem jungen Team beweisen zu müssen, hingegen darf Man Utd wieder zeigen, dass sie ein erfahrenes Team sind, das mit solchen schwierigen Auswärtsspielen exzellent umgehen kann. Die Red Devils verloren diese Saison aber sowohl in Liverpool als auch beim FC Chelsea, Arsenal ist eines der heimstärksten Teams der Liga und hat diese Saison daheim nur einmal verloren, gegen den FC Chelsea. Man Utd hat diese Saison immerhin schon viermal verloren.

Arsenal gegen Manchester United – das ist immer auch das Duell zweier Trainer-Legenden, Arsene Wenger gegen Sir Alex Ferguson. Und bezogen auf die letzten Jahre ist es auch das Aufeinandertreffen von Erfolgslosigkeit bezogen auf Titeln versus Titel in Serie zuletzt. Es ist aber auch das Duell zwischen einem Team, das auf gesunden Finanzen steht gegen einen überschuldeten Verein. Doch danach fragt am Saisonende keiner, wenn die Meisterschale vergeben wird. Zwei Schlüsselspieler stehen im Fokus in diesem Spiel, zum einen Wayne Rooney. Der Stürmer der Red Devils produziert Tore am Fließband, vier Treffer gegen Hull und den entscheidenen Treffer im Carling Cup. Für die Arsenal-Verteidigung, in der Thomas Vermalen aller Voraussicht nach noch fehlen wird, steht also eine Menge Arbeit an. Sollte Vermaelen noch fit werden, was laut Arsene Wenger nicht völlig auszuschließen ist, wird wohl Sol Campbell in die Startelf rücken an der Seite von Gallas. Und dann sind alle Augen bei Arsenal natürlich wieder auf Cesc Fabregas gerichtet, der sich mit Rooney schon jetzt so ein wenig um den Titel Spieler der Saison streitet. Zuletzt war der Spanier der Schlüssel zum Erfolg für die Gunners, gerade auch in Spitzenspielen. Eine weitere tolle Leistung wird die Telefondrähte aus Spanien nach London sicherlich wieder glühen lassen. Bei Arsenal wird Eduardo mit Oberschenkelzerrung fehlen, auch Diaby ist noch nicht wieder fit. Dafür kehrt aber Niklas Bendtner in die Startelf zurück, Eboue und Alex Song sind wohlbehalten vom Afrika-Cup zürück und ebenfalls einsatzbereit. Bei den Gästen fehlt Rio Ferdinand gesperrt, Valencia wird ins Team zurückkehren.

Alles weitere zu diesem Spiel am Sonntag in einem Live-Blog ab 16:30 Uhr.

FC Sunderland – Stoke City

Sky Sport 1 live, Montag 20:55 Uhr, Kommentar: tba

Wenn wir von derzeitigen sportlichen Krisen in der Premier League sprechen, führt auch kein Weg am FC Sunderland vorbei. War das 2:7 beim FC Chelsea das höchste aller möglichen Alarmzeichen, hat sich danach aber auch gar nicht verbessert. Man schied im FA-Cup beim FC Portsmouth aus und verlor sang- und klanglos in Everton in der Liga. Drei Punkte ist man noch von einem Abstiegsplatz entfernt und langsam gehen Trainer Steve Bruce die Argumente aus. Auch wenn Sunderland ein etablierter Verein in der Premier League ist, erinnert die Situation doch ein wenig an den sportlichen Abstieg von Hull City letzte Saison. Sunderland muss endlich den Turnaround schaffen. Da bietet sich das Heimspiel gegen Stoke City an, immerhin direkter Tabellennachbar der Black Cats. Aber Stoke kommt mit einer guten sportlichen Form ins Stadium of Light. Sieg im FA-Cup gegen Arsenal, zuvor in der Liga ein Punkt gegen Liverpool und deren drei gegen Fulham. Das wird also alles andere als ein Spaziergang für Sunderland. Verdammt zu siegen.

Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Storrie-Telling: Hoffnung für den FC Portsmouth. Aber wie lange?

Donnerstag, 3. September 2009 14:59

Um keinen Verein in der Premier League gab es in den vergangenen Wochen und Monate so viele Gerüchte wie um den FC Portsmouth von der Südküste Englands. Anfang August tauchten erstmals Gerüchte in einer Sondersendung von BBC Five Live zur finanziellen Situation in der Premier League auf, wonach der Klub keine Chance zum finanziellen Überleben mehr habe und kurz vor der Pleite stand. Von offizieller Seite gab es dazu nie Stellungnahmen. Man bemühte sich um einen neuen Investor für den Klub – und bis dahin gab es von allen Seiten nichts als Schweigen. Da Portsmouth in der Sommerpause einige Spieler hat ziehen lassen müssen und selbst gerade einmal 10 Millionen Pfund für neue Spieler ausgegeben hat, konnte man zumindest auf zweitem Wege erkennen, dass die Situation um den Verein nicht die allerbeste ist.

Um zumindest den Hintergrund für die derzeitige Lage des FC Portsmouth ein wenig besser zu verstehen, muss man einige Jahre zurück in die Vereingeschichte gehen und sich auch kurz mit dem Umfeld bei Pompey beschäftigen. Im März 2002 wird Harry Redknapp zum ersten Mal Trainer an der Südküste Englands, seine dritte Trainerstation nach Bournemouth und sieben Jahren bei West Ham United. Seit Sommer 2001 war er bereits im Verein tätig als Director of Football. Als Trainer führte er Portsmouth in die Premier League und sicherte in der ersten Saison auch den Klassenerhalt, verließ dann aber den Verein wegen interner Streitigkeiten über seinen damaligen Assistenten Jim Smith. Unter Redknapp gab es die beste Saisonplatzierung, danach ging es immer weiter abwärts. Man entkam immer nur knapp dem Abstieg. Die Fans waren es leid, das Vereinsumfeld auch. Im Dezember 2005 ging bereits wieder das Abstiegsgespenst durch den Fratton Park. Und was machte man in der Führungsriege bei Pompey: Man holte sich Harry Redknapp zurück. Er sollte wieder den Aufschwung bringen. Und Redknapp konnte wieder den Klassenerhalt sichern. Gleichzeitig steuerte der französische Unternehmer Alexandre Gaydamak frisches Geld für den Verein bei und wurde Mitbesitzer am Verein. Harry Redknapp war es leid, seine Fußballliebe immer nur gegen den Abstieg spielen zu sehen und wollte richtig Geld in den nächsten Jahren investieren. Und das Portmonee wurde geöffnet, für Jermain Defoe, für Lassana Diarra, oder für den Rekordtransfer von Peter Crouch vom FC Liverpool, für eine Ablöse von 11 Millionen Pfund. Sportlich konnte Redknapp diese Transfers immer rechtfertigen. Man holte mit dem neuen Platz die beste Saisonplatzierung und gewann 2008 den FA-Cup. Aber finanziell war dies für den kleinen Club schlicht nicht zu stemmen. Das Stadion ist mit 20.000 Zuschauern das kleinste in der Premier League – und die teueren Transfers wollten auch ordentlich Gehalt. Überhaupt ist der Fratton Park im maroden Zustand und braucht dringend eine Modernisierung. Doch Portsmouth gab das Geld lieber für teure Transfers aus – Geld, das sie aber eigentlich gar nicht hattten. Als dann auch noch Alexandre Gaydamak die Lust am Mitbesitz verlor, vertrocknete auch diese Geldquelle – ein neuer Investor musste gesucht werden. Und eine Gelddruckmaschine. Mit dem Scheich Sulaiman Al-Fahim, der sich im Heimspiel gegen Manchester City auch schon auf der Tribüne gezeigt hat, ist man sich jetzt im August einig geworden. Es kann wieder aufwärts gehen.

Und nachdem alle Baustellen zumindest vorerst gelöst sind, kann man auch der Öffentlichkeit verraten, wie eng es um das Überleben des FC Portsmouth gestanden hat. Das hat der Chief Executive des FC Portsmouth, Peter Storrie, gestern Abend in einem Interview mit BBC Five Live öffentlich gemacht. Eine Zusammenfassung des Interviews gibt es bei BBC Sport.

“Pompey had been living way outside our means. On a couple of occasions it got very close to going into administration. It’s something I Was fighting very heavily against but at the end of the day you can ask people so many times to give you a little longer to pay things.”

Storrie erhofft sich mit dem Geld des neuen Investors jetzt den Neubau eines Stadions und des Trainingsgeländes und will weiterhin im Amt bleiben. Doch die größte Herausforderung für Portsmouth ist jetzt nicht mehr die finanzielle, sondern die sportliche. Das Vermeiden des Abstiegs in die Championship. Und insbesondere der Saisonstart mit vier Niederlagen in den ersten vier Spielen gibt wenig Hoffnung auf Besserung. Zumal Portsmouth aufgrund der finanziell knappen Kassen wichtige Spieler hat gehen lassen müssen. Dass Portsmouth von der spielerischen Qualität heute schlechter dasteht als vor einigen Wochen ist ganz offensichtlich. Peter Crouch, Sylvain Distain, Glen Johnson und Niko Krancjar haben den Verein verlassen. Das waren alles ehemalige Leistungsträger bei Pompey. Der Guardian zählt auf, dass von den 13 Neuzugängen des FC Portsmouth in der Sommer-Transferperiode fünf noch nie in der Premier League gespielt haben und sieben der 13 Spieler erst wenige Tage vor Ende des Transfensters an die Südküste gewechselt sind. Ein erfahrenes Premier League Team, das die Gelegenheit hatte sich einzuspielen, sieht anders aus. Und das weiß auch Trainer Paul Hart.

Und da ist dann noch das eher unterkühlte Verhältnis von Torwart David James zu seinem Verein und dem Trainer Paul Hart. James, der sich Chancen für die Teilnahme an der WM 2010 im englischen Nationaltor ausrechnet, ist für die Qualifikationspiele der Engländer am Samstag und Mittwoch von Trainer Fabio Capello nicht nominiert worden. Und dann verplfichtete Portsmouth auch noch den finnischen Nationaltorhüter Antti Niemi, immerhin drei Jahre jünger als James, vom FC Fulham. Sein Stammplatz sei keine Garantie mehr, habe David James mitgeteilt bekommen. James sah dies als Beweis dafür, dass er nicht länger bei Portsmouth bleiben könnte, weil so seine Chancen im Tor zu stehen erheblich sinken würden. Also was macht der erfahrene Torwart da? Er wünscht sich zu seinem größten Förderer zu wechseln, zu den Tottenham Hotspur und Harry Redknapp. Der soll nach diversen Medienberichten auch ein Angebot für James abgegben haben, bekommt am Ende aber nur Krancjar an die White Hart Lane gelotst. James war entsprechend sauer und soll sich intern auch mit Trainer Paul Hart angelegen haben. Diesen Darstellungen hat Peter Storrie nun aber widersprochen. Man habe kein konkretes Angebot von den Spurs für James gehabt. Es sei zwischen Hart und James lediglich zu Diskussionen gekommen. Das scheint sehr nett formuliert zu sein.

Auch wenn man den finanziellen Kollaps gerade so vermeiden konnte. Dass nun auch der sportliche Erfolg zurückkommt, kann das neue Frischgeld nur wenig beeinflussen. Dazu gehört eher ein erfahrenes, eingespieltes Team mit einer Führungspersönlichkeit im Tor. Doch David James scheint degradiert worden zu sein. Was nützt die große Rettung des FC Portsmouth kurz vor dem finanziellen Tod, wenn man nächste Saison nicht mehr gegen Arsenal oder Chelsea spielt, sondern Leicester und Conventry spielt. Dann hat man das Sterben des Vereins nur um ein Jahr hinausgezögert. Irgendwie müssen die Fehler der Vergangenheit ja auch bestraft werden. Und Harry Redknapp wird man im Januar ganz sicherlich nicht zurück nach Portsmouth holen können. Das steht fest.

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