Premier League 2009/2010: Transfer Deadline Day
Dienstag, 1. September 2009 20:13
“Wo sind die teuren, besonderen, in letztem Atemzug, völlig von den Journalisten unbemerkten Transfers am letzten Tag des Transferfensters, nach denen wir uns so sehnen? Irgendwo da draußen sind sie. Höre nicht auf, daran zu glauben – es könnte bei deinem Klub passieren. Sogar, wenn dein Verein in League Two spielt.”
Es war köstlich zu sehen, wie die Sportjournalisten der BBC, des Guardian und bei Sky Sports News heute versucht haben, auch nur wenigstens ein bisschen Dramatik, Spannung und Überraschungen in diesen eher trostlosen, für englische Verhältnisse fast schon unspektakulären letzten Tag des Transferfensters zu bringen. Im Gegensatz zum letzten Jahr, liefen die Ereignisse diesmal nicht von alleine. Was immer auch von der schreibenden Zunft unternommen wurde, es blieb am Ende bei wenig Show. Da waren die Nachrichten über die zwei Spiele Sperre für Eduardo vom FC Arsenal nach seiner Schwalbe gegen Celtic Glasgow und der Trainerwechsel beim AS Rom von Luciano Spalletti zu Claudio Ranierei schon fast wichtigere Nachrichten als die letzten Wechsel auf dem Transfermarkt.
Schaut man sich die Mannschaften an, die heute noch neue Spieler verpflichtet haben, fällt auf, dass das große Geld gar nicht erst in Bewegung gekommen ist. Auf dem Transfermarkt aktiv waren Aston Villa, Birmingham City, die Bolton Wanderers, FC Burnley, Everton, Fulham, Hull, Portsmouth, Stoke City und die Tottenham Hotspur. Alles Teams, die nicht bereit und fähig sind, die ganz großen Summen auf den Tisch zu legen. Deshalb sind die heute getätigten Transfers in aller Linie auch eine Ergänzung des bestehenden Kaders, eine Vergrößerung der Alternativen. Es scheint, dass viele Teams mit ihrer derzeitigen Mannschaft ziemlich zufrieden sind. Oder – zweite Vermutung – einfach schlicht kein Geld ausgeben wollen. Keiner der Big Four ist heute noch einmal tätig geworden. Beim FC Liverpool hofft man schon, dass Alberto Aquilani schneller als geplant fit wird, Manchester United hat gar nicht erst versucht, noch einmal bei Ribery anzufragen, Chelsea scheint aufgrund des guten Saisonstarts sich sehr selbstsicher zu sein, Arsenal wollte zwar immer, aber nur wenn die Rahmenbedingungen passten. Und sie passten nicht – für Arsenal war es zu teuer. Einmal hat sich an diesem Tag gezeigt, dass die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise auch die Premier League erreicht haben. Man scheint förmlich Angst zu haben viel Geld auszugeben.
Dennoch waren einige Transfers auch bitter nötig und teilweise dem eher schlechten Saisonstart einiger Teams geschuldet. Der FC Everton hat sich die Dienste von Johnny Heitinga von Atletico Madrid gesichert. Der Niederländer kostet sechs Millionen Pfund Ablöse, bekommt einen 5-Jahres-Vertrag und soll vor allem die löchrige Abwehr der Toffees und hier insbesondere den abgewanderten Juleon Lescott ersetzen. Guter Transfer aus Sicht des FC Everton. Für die Bolton Wanderers, die vor allem in den ersten Spielen alles getroffen haben, nur das Tor nicht, soll Ivan Klasnic jetzt auf Torejagd gehen. Der ehemalige Bremer wird für den Rest der Saison vom FC Nantes. Harry Redknapp hat erneut das Wiedersehen mit einem ehemaligen Spieler realisiert. Niko Krancjar kommt vom FC Portsmouth an die White Hart Lane, Ablösesumme soll bei zwei Millionen Pfund liegen. Redknapp hatte Krancjar bereits an die Südküste Englands geholt. Krancjar wird bereits übernächstes Wochenende in der Startelf stehen und soll den verletzen Luka Modric ersetzen.
Stoke City hat noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Nach Robert Huth, Dean Whitehead, Tuncay und Diego Arismendi kam heute vom Ligakonkurrenten FC Sunderland Danny Collins, walisischer Nationalspieler, zu den Potters. Da wird dann schon deutlich, dass man als ehemaliger Aufsteiger in der 2. Premier League Saison etwas mehr Geld zur Verfügung hat. Auch Aston Villa war nach dem eher mäßigen Saisonstart noch einmal aktiv. Von West Ham United kommt Verteidiger James Collins für eine Ablöse von rund fünf Millionen Pfund, der Wechsel von Richard Dunne von Manchester City soll wohl stattfinden, ist aber immer noch nicht offiziell bestätigt. Der FC Burnley, exezellent in die Saison gestarteter Aufsteiger, hat sich David Nugent, den Chancentod vom Wochenende, vom FC Portsmouth für ein Ausleihegeschäft für sechs Monate geholt.
Das war es dann auch schon an den ganz wichtigen Meldungen. Das hatten sich die Sportjournalisten bei der BBC, dem Guardian und Sky Sports News ganz anders vorgestellt.
Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

