Die letzten Entscheidungen der Premier League Saison 2010/2011 sind also heute Abend eingetütet worden. Manchester United hat noch einmal eindrucksvoll untermauert, dass die Red Devils verdient englischer Meister geworden sind. Man City festigt Rang 3, Tottenham spielt in der Europa League. Von West Ham, Blackpool und Birmingham City müssen wir uns verabschieden. Die Queens Park Rangers und Norwich City stehen als Aufsteiger bereits fest. An dieser Stelle also mein kleiner persönlicher Rückblick auf die vergangene Premier League Saison.
Mannschaft der Saison: Manchester United
Mit einer fast schon frechen Schlichtheit die 19. Meisterschaft eingetütet. Von allen Spitzenteams die wenigsten Schwächen gezeigt. Wenn es wichtig wurde, war die Mannschaft da. Beispielhaft der späte 1:0-Sieg gegen den FC Everton. Beeindruckende Heimbilanz im Old Trafford.
Spieler der Saison: Charlie Adam, FC Blackpool
Nicht nur wegen seines tollen Freistoßtores am letzten Spieltag im Old Trafford. 12 Saisontore insgesamt und im Januar viele angebote von Top-Klubs ausgeschlagen um bei Blackpool zu bleiben und den Klassenerhalt zu sichern. Das hat jetzt nicht ganz geklappt. Aber Adam wird der Liga sicherlich erhalten bleiben. Ganz toller Fußballer.
Trainer der Saison: Sir Alex Ferguson
Was soll man über Sir Alex Ferguson noch für große Worte verlieren? Er ist eine Legende. In der Außendarstellung nicht unbedingt ein Vorbild, gerade was sein Umgang mit den Schiedsrichtern oder einigen Medienvertretern angeht, aber als “Vater” für sein Team immer noch überragend. Wieder einmal fantastische Arbeit geleistet, fast alles richtig gemacht. Auch unpopuläre Entscheidungen mit dem Zwangsurlaub für Rooney in den USA hat er treffen müssen. Rotiert sein Team wie kein anderer – und hat damit weiterhin Erfolg. Der 19. Titel für Man Utd ist erreicht. Rekordmeister auf der Insel. Und jetzt noch das CL-Finale. Und dann?
Überraschung der Saison: Stoke City
Die Potters haben nichts mit dem Abstieg zu tun, sind ein gefestigtes Team, haben tolle Fans, sind extrem heimstark. Und mittlerweile eine feste Größe in der Premier League.
Enttäuschung der Saison: FC Arsenal
Wieder kein Titel. Und nie war es wohl so einfach wie in dieser Saison. Wieder kein Titel. Wieder kein Titel. Wieder…
Spiel der Saison: Newcastle United – FC Arsenal, 4:4,
Für mich als Arsenal-Fan wohl einer der bittersten Nachmittage in dieser Saison. Ein Spiel, wo ich noch Tage danach deprimiert war. Das passiert sonst eigentlich nie. Dieses Spiel hatte alles. Eine brilliante Arsenal-Leistung in der ersten Hälfte. Nach dem 4:0 hatte wohl keiner mehr damit gerechnet, dass diese Partie nochmal spannend wird. Doch wenn das eine Mannschaft schafft, dann Arsenal 2010/2011. Newcastle machte auch mit ein wenig Unterstützung des Schiedsrichters noch das 4:4.
Tor der Saison: Wayne Rooney
Selten war diese Entscheidung so einfach in dieser Saison. Rooneys Siegtreffer zum 2:1 im Derby gegen Manchester City, 12. Februar 2011.
Manchester United 2-1 Manchester City (Rooney) from WayneRooneyComps on Vimeo.
Beste Verpflichtung der Saison: Peter Odemwingie, West Bromwich Albion
Von Lokomotive Moskau für die schlappe Summe von einer Million Pfund zu den Baggies gewechselt. 15 Saisontore geschossen, darunter sechs Tore in den letzten acht Spielen. Odemwinige hat also maßgeblichen Anteil daran, dass West Bromwich auch nächste Saison in der Premier League spielt. Ob noch für West Brom, ist dann eine andere Frage.
Schlechteste Verpflichtung der Saison: Fernando Torres, FC Chelsea
Für die Rekordablöse von über 50 Millionen Euro vom FC Liverpool an die Stamford Bridge gewechselt. Profitiert davon hat bisher nur Liverpool, finanziell und weil viele Spieler bei den Reds nach dem Abgang von Torres ihre Form verbesser haben und den Weggang bestens kompensiert haben. Und der FC Chelsea? Hat von Torres ein mickriges Saisontor bekommen. Ganz viel Luft nach oben.
Schönster Moment der Saison: Tor von Aaron Ramsey gegen Man Utd
So viele Geschichten gab es diese Saison ja nicht für einen Arsenal-Fan. Aber dass Ramsey wieder Fußball spielen kann, freut mich schon ungemein. Und das er es immer noch mit für sein junges Alter mit toller Übersicht macht, erhöht zumindest schon mal die Vorfreude auf die neue Saison.
Peinlichster Moment der Saison: Avram Grant und West Ham
Ich habe mittlerweile aufgehört zu zählen, wie oft Avram Grant in dieser Saison bei West Ham vor dem Rauswurf stand. Ich habe in meinen Notizen aus dem Februar gefunden, dass es bis dahin vier Ultimaten gegeben hat. Letzlich hat Grant sie alle überlebt. Die Besitzer Gold und Sullivan agierten genauso planlos, wie es einige Journalisten und teilweise auch Spieler Grant insbesondere im taktischen Bereich immer wieder vorgeworfen haben. Als es so schien, dass West Ham dank der Verpflichtung von Ba und dem Comeback von Hitzlsperger den Klassenerhalt schaffen würde und in Wigan mit 2:0 führte um dann das Spiel 2:3 zu verlieren, wurde alle von Avram Grant wieder in Frage gestellt. Und am vorletzten Spieltag haben es dann auch Gold und Sullivan erkannt, dass Grant scheinbar nicht der richtige für West Ham war, ist und sein wird. Und als der Abstieg feststand, haben sie ihn entlassen. Muss man erstmal drauf kommen.
Überschätzt: Joe Cole
In Liverpool nicht mehr wirklich gebraucht, zwar auch lange verletzt gewesen, aber den Joe Cole von früher habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Das dürfte interessant werden, ob Cole weiter bei Liverpool bleibt. In der jetzigen Form kann ihn eigentlich keine Mannschaft derzeit gebrauchen. Und das von einem Spieler, über den Steven Gerrard mal gesagt hat, er wäre so gut wie Messi und Christiano Ronaldo [via Guardian]
Unterschätzt: Raul Meireles
Steven Gerrard verletzt, Mascherano hat Liverpool verlassen, Alberto Aquilani dümpelt im Verletzungs-Nirvana. Doch Liverpool hat mit Meireles alles richtig gemacht. Ganz starke Saison des Portugiesen, der für 12 Millionen Pfund aus Porto kam und dem Liverpool-Mittelfeld neue Energie und Dynamik eingehaucht hat.
Comeback der Saison: FC Liverpool
Was war das für ein unschöner Herbst und Winter für die Reds. Roy Hogdson übernahm das Ruder von Rafael Benitez, doch so richtig fand er nie den Kontakt zur Mannschaft. Liverpool wurde an den Tabellenkeller durchgereicht. Dazu gab es das wochenlange Theater um die Übernahme des Klubs durch die New England Sports Venture. Letzlich hat Liverpool-Legende Kenny Dalglish das Ruder in die Hände bekommen und hat den havarierten Frachter wieder zum Laufen gebracht. Was wäre für Liverpool möglich gewesen, wenn Sie mal wieder konstant eine gute Saison spielen? Vielleicht ja nächstes Mal.
Besondere Auszeichung für: David Moyes
Wieder ein einstelliger Tabellenplatz für den FC Everton, trotz vieler Verletzte im ersten Saisondrittel und wenigen finanziellen Ressourcen im Winter-Transferfenster. Moyes, der vorübergehend unzufrieden schien, weil ihm der Kader zu klein war, hat wieder das Maximale aus der Mannschaft geholt. Wie jede Saison. Ein Trainer, der langfristig sich endgültig für höhere Aufgaben qualifiziert hat.
Das ging viel zu langsam: Andrej Arshavin
Der Russe ist für viele Arsenal-Fans ein Rätsel. Manchmal mit überzeugenden Leistungen und viel Kämpferherz, leider viel häufiger mit Lustlosigkeit auf der linken Seite im offensiven Mittelfeld. Wenn Arshavin weg will, sollte Wenger ihn gehen lassen.
Das ging viel zu schnell: Xavier Hernandez, Manchester United
Hach, was war das für ein Theater und eine Häme, die auf Sir Alex einschlug, als United die Verpflichtung von Hernandez bekanntgab. Die meisten hatten den Namen noch nie gehört. Spätestens seit dieser Saison kennen ihn alle, besonders die Verteidiger, die Hernandez mit seinem trickreichen schnellen Spiel häufig ins Leere laufen ließ. 13 Saisontore sind Beweis genug, dass Sir Alex ein glückliches Händchen hatte.
Das war schon richtig gut: Yaya Toure, Manchester City
Wenn man im Sommer fast 25 Millionen Pfund für einen Spieler auf den Tisch legt, sind Erwartungen hoch. Und meist können sie nur enttäuscht werden. Nicht bei Yaya Toure, der von Roberto Mancini mittlerweile alle Freiheiten im Spiel nach vorne bekommt und sich nicht nur auf die Defensive konzentrieren soll. Wichtige Tore – unter anderem im Halbfinale und Finale des FA-Cup – waren die Belohnung. Gut angelegtes Geld.
Das muss wieder besser werden: Social Media und die Vereine
Wie sollen die Teams mit Twitter umgehen? Immer mehr Spieler melden sich beim Kurznachrichtendienst an und kommunizieren mit ihren Fans. Einige verlassen Twitter, wie Boltons Stürmer Kevin Davies, weil er keine Zeit und Lust mehr habe, sich von eigenen und gegnerischen Fans beschimpfen zu lassen. Die Vereine reagieren planlos oder gar nicht. Newcastle United hat mal kurzfristig Richtlinien für den Umgang mit Twitter verkündet und detailliert aufgezählt, was Spieler twittern dürfen und was nicht. Damit stellen die Magpies aber eine Ausnahme. Arsene Wenger macht sich Sorgen, betont aber auch die Wichtigkeit der Kommunikation mit den Fans. Eine ganz besondere Sicht hat Sir Alex: “I don’t know why anybody can be bothered with that kind of stuff. How do you find the time to do that? There are a million things you can do in your life without that. Get yourself down to the library and read a book. Seriously.”
Das muss geklärt werden: Wie stark muss eine Mannschaft sein?
Es ist ein kurioses Thema in der Premier League geworden. Wie stark bzw. wie gut muss eine Mannschaft vom Papier her sein oder wie viele Spieler darf ich für ein wichtigeres Spiel in der nächsten Woche schonen? Die Antwort ist bis heute ausgeblieben. Die Wolverhampton Wanderers wurden bestraft, als Mick McCarthy in einem Spiel fast alle Stammspieler schonte. Ian Holloway, Trainer vom FC Blackpool, tat selbiges und trat nach dem Spiel, das man knapp mit 2:3 verloren hatte, wütend vor die Kamera und gab zu Protokoll, dass er sofort von seinem Amt zurücktrete, wenn ihn die FA für seine Rotation bestraft. Blackpool kam mit einem blauen Auge davon, im Gegensatz zu den Wolves. Wäre schön, wenn diese Regel einfach verschwinden würden.
Was ich mir für die neue Saison wünsche:
Ich weiß, dass es nächste Spielzeit wohl noch nicht kommen wird, aber ich fände ein Relegationsspiel um den vierten Platz – also die Qualifikation zur Champions League – wirklich spannend. Zumal die Wiederholungsspiel im FA-Cup ja abgeschafft werden, hat man auf der Insel ein klein wenig Spielraum, die Liga noch attraktiver zu machen.
Ein vorletztes Wort:
“There are many stories of their shocking behaviour. Gray and Keys are hated by the crews. It’s a climate of fear pervading. But as long as everyone is laughing and it’s a joke it’s all right isn’t it? I believe sexism is systemic and not openly challenged but goes underground or disguised as jokes or ‘just banter’.” Ein Sky-Mitarbeiter im Guardian-Interview nach dem Rücktritt von Andy Gray und Richard Keys, die sich über eine weibliche Linienrichterin lustig gemacht haben.
Ein letztes Wort
“I am very sad not to have been able to put my stamp on the squad, to be given the time to bring new players into the club in this transfer window and to have been able to be part of the rebuilding process at Liverpool.” Roy Hodgson nach seinem Rausschmiss beim FC Liverpool.
Ein allerletztes Wort:
“In football you need to have everything in your cake mix to make the cake taste right. One little bit of ingredient that Tony uses in his cake gets talked about all the time is Rory’s throw. Call that cinnamon and he’s got a cinnamon flavoured cake. It’s not fair and it’s not right and it’s only a small part of what he does.” Blackpool-Trainer Ian Holloway über Stoke City und die Einwürfe von Rory Delap [via Daily Mirror]
Das war es also für die Premier League Saison 2010/2011. Hat wieder sehr viel Spaß gemacht. Auf ein neues im August an dieser Stelle. Saisonstart wird am Samstag, 13. August 2011, sein.