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Medien-Sport-Politik, 14.07.2009

Dienstag, 14. Juli 2009 16:26

Damit hier nicht nur immer die ellenlangen Berichte zu lesen sind, gibt es ab heute eine neue Kategorie in diesem Blog, die sich schlicht Medien-Sport-Politik nennt und die ich möglichst regelmäßig veröffentlichen möchte. In dieser wird es stets einen kleinen Überblick über das geben, was ich am Tage aus den drei Themenbereichen so aufschnappe und welche Gedanken ich mir darüber mache. Das könnten Lesetipps, aber auch Verweise auf Videos und Audiomaterial sowie aktuelle Nachrichten sein. Wenn man es anders ausdrücken will. Solche Themen, die man nicht ganz in 140 Zeichen, also Twitter-Länge, packen kann, für die es sich aber auch nicht lohnt einen eigenen, neuen Beitrag zu schreiben.

Mittlerweile ist Barack Obama fast ein halbes Jahr im Amt. Über die politische Bilanz seiner Außenpolitik schreibe ich hier die nächsten Tage noch etwas. Einmal mehr bin ich immer wieder davon beeindruckt, wie seine Präsidentschaft und die Person Obama auch medial dargestellt wird. Wenn auch schon eine Woche alt, der Verweis auf eine exzellente Bilderserie beim Boston Globe über die ersten 167 Tage von Obama im Amt. Auch zum empfehlen: Der offizielle flickr-Stream des Weißen Hauses mit sehr sympathischen und authentischen Aufnahmen aus dem alltäglichen Leben eines US-Präsidenten.

Gestern das erste Mal gelesen. Ein ganz neues Blog mit Geschichten aus dem Alltag eines Bahnfahrers. Im Zug unterwegs – Geschichten vom Bahnfahren.

Nachdem letzte Woche in Großbritannien aktuelle Verkaufszahlen von Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht wurden, hat heute die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern nachgelegt und Zahlen für Deutschland präsentiert. Alles fein säuberlich aufgeschrieben bei DWDL. Größter Verlierer bei den Zeitschriften ist die TV-Digital, die innerhalb eines Jahres 35 Prozent an verkaufter Auflage verliert. Ich tippe mal darauf, dass das Ende des kostenlosen Abos für viele PREMIERE-Abonnenten dort die Hauptrolle gespielt hat. Ansonsten starke Verluste für Focus und Stern, stabil bliebt der SPIEGEL bei über einer Million. Bei den überregionalen Wochenzeitungen verliert besonders die SZ, Welt Kompakt und das Handelsblatt. Bei der Welt würden mich mal die Verkaufszahlen für den Großraum Bremen interessieren. Großer Gewinner unter den Print-Zeitungen bleibt weiterhin die ZEIT.

Heute wurden auch aktuelle Zahlen zur Radionutzung in Deutschland veröffentlicht. Überblick bei Quotenmeter. Wenn man sich die Zahlen für Bremen anguckt, konnten beide Hauptprogramme von Radio Bremen, Bremen Eins und Bremen Vier, an Hörern gewinnen. Einer davon scheine ich zu sein. Habe in letzter Zeit häufiger Bremen Vier gehört. Sagen wir mal so: Im Vergleich von vor zwei Jahren hat es sich wirklich gebessert. Aber Mitte und Ende der 90er war dieser Sender teilweise pures Gold. Schade, dass sich so umfassend dem Mainstream angepasst wurde, wenngleich Bremen Vier gerade an den Themenabenden auch mal Musik spielt, die man sonst selten in Deutschland hört. Und es ist mir bis heute ein Rätsel, wie fast 500.000 Menschen Hit Radio Antenne hören können. Wenn hier ein Hörer mitliest, erkläre mir das einer bitte!

Am Freitag sendet das ZDF die heute-Nachrichten um 19:00 Uhr erstmals aus seinem neuen, hochmodernen Nachrichtenstudio. 30 Millionen hat der Bau gekostet. Ich habe – wie die meisten sicher schon, die Vorab-Videos des neuen Studios gesehen. Ich glaube, es ist noch zu früh, dass ich hier eine fundierte Meinung mitteilen kann. Das ZDF muss sich an seinen selbst gesteckten Zielen messen. Nachrichten verständlicher einordnen und besser erklären. Ob es dafür aber ein neues Studio braucht? Abwarten, was das ZDF aus seinen Möglichkeiten macht.

Kurzer Blick auf die Insel in Sachen Premier League: Manchester City hat sich von einem Transfer verabschiedet. Eto’o wird nicht nach Eastlands wechseln. Dafür aber Carlos Tevez. Nach Berichten der BBC ist Manchester City nun auch an Emmanuel Adebayor vom FC Arsenal dran. Es werden Gespräche über einen Wechsel geführt. Sollten die Infos der BBC stimmen – wovon man eigentlich ausgehen kann – wirft das für mich mehrer Fragen auf? Lässt Arsenal Adebayor ziehen? Einen Wechsel zum AC Mailand hatte man ihm strikt untersagt, warum also die Freigabe für City und dann gleichzeitig noch einen Ligakonkurrenten stärken? Sollte der Wechsel wirklich klappen, hätte Arsene Wenger zumindest eine Menge liquider Mittel um im Sturm und im Mittelfeld Erfahrung zu kaufen. Die Frage ist dann aber, ob man so kurzfrisitig und schon mitten in der Saisonvorbereitung noch passenden, für das Wenger-System geeigneten Ersatz findet. Ich wäre schon sehr überrascht, wenn Wenger und Arsenal Adebayor ziehen lassen würden.

Zum Schluss noch ein Lesetipp: Wahlen nach Zahlen, das ZEIT-Blog zur Bundestagswahl 2009.

Thema: Medien-Sport-Politik | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Frühstück und Weihnachten mit der BBC

Dienstag, 23. Dezember 2008 14:16

Ich bin immer noch ein begeisteter Anhänger des Mediums Radio. Morgens beim Frühstück, hin und wieder am Schreibtisch im Büro, gerne nachmittags und abends als Alternative zum Fernseher. Dank der Livestreams im Internet ist es ja kein Problem mehr sich alle Radiostationen der Welt anzuhören.

Im kommenden Jahr werden bei uns die GEZ-Gebühren erhöht, um etwas mehr als 90 cent pro Monat. Das macht dann pro Nase etwas mehr als 10,80 € im Jahr. Rechnet man das hoch auf all die ehrlichen GEZ-Zahler kommt da schon eine ganz schöne Summe bei rum. Nur, wird der normale Hörer und Zuschauer der ÖR auch nur im Ansatz sehen, wo das Geld hinfließt und vor allem für was es konkret – sprich für den Konsumenten – genutzt wird. Wahrscheinlich nicht. Transparenz war noch nie eine Stärke von ARD und ZDF.

Warum ich das alles erzähle. Weil mir irgendwann vorgestern Abend bewusst wurde, wie wenig ich nur noch Radio- und TV-Sender der ÖR hier in Deutschland nutze. Das hat sich in den letzten Jahren massiv hin zu BBC oder anderen englischsprachigen Radiosendern verschoben. Das einzige, was ich hin und wieder in Deutschland noch höre sind Bremen Vier donnerstags um 20h00 mit der stets exzellenten Rock-Show, manchmal Radio Fritz und häufiger Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur.

Und das hat ganz genau zwei einfache Gründe. Die Qualität und der Umgang mit dem Hörer, sprich die Einbeziehung in das Programm oder in Senderinhalte. Zwei Beispiele möchte ich mal geben, die zeigen, dass unserer ÖR so meilenweit an Qualität und Quantität hinterherstecken, dass eine GEZ-Erhöhung eigentlich der blanke Hohn ist. Und jetzt komm mir bitte keiner mit der These, dass sich die BBC und unsere ÖR nicht vergleichen lassen weil ihre Säulen unterschiedlich finanziert werden. Bei der BBC gelten sehr viel strengere Vorlagen, was Ausgaben angeht. Aber, die BBC macht aus ihren Mitteln einfach sehr viel mehr.

Beispiel BBC Five Live: Man braucht sich nur mal das Weihnachtsprogramm auf 5 Live anschauen um gleich festzustellen, dass dieser Sender seinen Zuhörern noch mal etwas Besonderes bieten möchte im Jahr 2008. Viele Rückblicke und Specials mit teils sehr starker Einbindung der Zuschauer. Und es ist für jede Interessenlage was dabei. Sport, Politik, Kultur. Und alles noch einmal nachhörbar, falls man es verpasst haben sollte. Schnell, einfach und übersichtlich zu finden.

Beispiel BBC Radio 1: Dort gibt es jeden Morgen von 07h30 bis 11h00 deutscher Zeit die Chris Moyles Show, die Frühstücksshow für das jüngere Publikum bei der BBC. Und es sind 3 1/2 Stunden, die den Namen Show – im Gegensatz zu all dem Krams in Deutschland hier – auch wirklich verdienen. Es gibt eine eigens komponierte Eröffnungsmelodie, alle halbe Stunde Nachrichten und Sport, und dazwischen jede Menge Interviews mit vielen Gästen und gute Musik. Und zwar solche Musik zum Wachwerden. Das schöne an dieser Show, die ich mittlerweile jeden Morgen beim Frühstück höre, ist, dass kein Tag ist wie jeder andere. Das ist etwas, was mich am Radio in Deutschland nervt. Alles so vorhersehbar, immer alles zur gleichen Zeit. Und einen eigenen YouTube-Channel hat die Show auch.

Die Chris Moyles Show besteht aus fünf Moderatoren, zwei für Nachrichten und Sport, ein Producer, der stets dabei ist, und zwei, unter anderem der Host Chris Moyles, die durch die Show führen. Alle verstehen sich bestens und interagieren wunderbar miteinander. Und jede Show ist anders. Manchmal wird erstmal 10 Minuten leidenschaftlich über die Premier League, Christmas-Shopping oder Politik diskutiert, manchmal gibt es gleich Musik oder ein kleines Quiz zum Wachwerden. Die kompletten 3 1/2 Stunden übrigens ohne Werbung!

Und man hat das klare Ziel den Zuhörern etwas zu bieten, für sie da zu sein, mit ihnen via Mail, Sms oder Chat zu kommunizieren. Gerade in der Vorweihnachtszeit zeigte sich wieder, dass man allen Zuhörern noch etwas Besonderes bieten wollte. In der letzten Woche gab es jeden Tag einen Gast, unter anderem Mark Ronson, The Ting Tings oder auch Chris Martin von Coldplay. Das ist ein Pensum, das einige deutsche Radiosender nicht mal in einem Jahr schaffen. Die Gäste waren fast 2 Stunden zu Gast, haben live mehrere Songs perfomt und über Weihnachten, Familie und alles andere lustig, teils auch ironisch diskutiert. Man fühlte sich stets bestens unterhalten. Die BBC schenkte in den zwei Wochen vor Weihnachten ihren Zuhörern jeden Tag ein Lied zum kostenlosen Download, teils Live-Aufnahmen oder exklusiv für die BBC gespielte Tracks. Die BBC versteht es sowas von großartig, dass Radio hören ein Geben und Nehmen ist.

Und wer mal sehen will, wie die Show Geburtstage ihrer Teammitglieder feiert, sollte dieses Video anschauen.

Von daher sehe ich es immer skeptisch, wenn bei uns die GEZ erhöht wird, weil Radio und TV in Deutschland einfach meilenweit hinterher hinken und es für mich selten qualitative Verbesserungen gibt. Es gibt wenige Ausnahmen, die aber nur die Regel bestätigen. Bis auf weiteres habe ich mich prima mit der BBC angefreundet. Und es muss schon viel passieren, dass ich wieder Radio höre bei unseren ÖR-Sendern. Die 10,80 € mehr im nächsten Jahr tun mir schon fast Leid.

Thema: Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Hörerinteraktivität made by NDR 2

Samstag, 30. August 2008 20:53

Ich höre gerne Radio, ich höre viel Radio. Beim Frühstück, während der Arbeit, nachmittags zuhause, manchmal auch abends auf dem Sofa. Entweder mit dem ganz normalen Radio oder via Live-Stream im Internet. Mittlerweile höre ich fast nur noch die Radiosender der BBC. Dort gibt es für jeden Geschmack und für jede Interessen etwas. Das ganze ohne Werbung, mit guter Einbindung der Hörer und im Vergleich zu Deutschland exellenter Musikvielfalt.

Ich will jetzt die BBC nicht in den Himmel loben, aber man muss einfach feststellen, dass die BBC aus ihren Radiosendern deutlich mehr rausholt als wir hier in Deutschland. Hier gibt es 100 oder mehr Radiosender – und fast alle spielen die gleiche Musik, jeden Tag das gleiche Schema, kaum Einbindung der Hörer ins Programm. Stattdessen werden der Verkehrsfunk von ARAL, das Wetter vom Autohaus um die Ecke und die Radarfallen vom Tante Emma Laden in Ortschaft XY präsentiert. Das soll jetzt nicht heißen, dass es in Deutschland keine guten Radiosendungen gibt. Positiv erwähnen sollte man die Sendung “hr2 – Der Tag” oder auch einige Sendungen von SWR 3. In der Gesamtheit ist das aber qualitativ nicht so berauschend.

Vor allem nicht hier in Norddeutschland. Radio Bremen lässt unter seinem Sparkurs die Musiksender fast ausbluten. Es gibt überhaupt nur noch zwei eigene Sender hier. Einer spielt neuere Musik, einer Oldies. Und gerade Bremen Vier war früher einmal eine kleine Perle in der Radiolandschaft, ist jetzt aber auch immer mehr zum Mainstream-Radio geworden. Bleibt noch der NDR, und dort vor allem NDR 2, immerhin meistgehörter Sender in Norddeutschland. Dort würde ich die Musikvielfalt immer noch mit am umfangreichsten einschätzen, zudem hat man mit den abendlichen Musik-Specials durchaus einen vernünftigen Schwerpunkt geschaffen. Was mich aber auch an NDR 2 so stört: Es ist alles stets der gleiche Ablauf. Der Morgen, der Vormittag, der Nachmittag, der Abend. Musik, ein bisschen Werbung, ein paar Korrespondentenberichte, Nachrichten. Das war es dann auch schon. Mit Ausnahme der Musik-Specials hat man nichts Außergewöhnliches im Programm, wo man sich signifikant von anderen Sendern unterscheiden würde.

Mit Interesse las ich dann, dass NDR 2 ab September sich einer umfassenden Programmreform unterzieht. In der Kurzform: Neue Moderatoren für die Nachmittagssendungen, Ausweitung der Musik-Specials auf sieben Tage die Woche, Comedy-Klassiker über den Tag verteilt sowie eine neue Talkshow von Bettina Tietjen. Erster Gast wird am 7. September Peter Maffay sein. Ein wesentlicher Bestandteil soll laut Programmchef Torsten Engel auch ein höhere Interaktion mit dem Hörer sein. Ich frage mich nur die ganze Zeit, wo die sein soll. Immerhin können sich die Hörer jetzt werktags von 18h00 bis 19h00 in einer eigenen Sendung Musik für den Feierabend wünschen. Aber das war es dann auch. Da führt man dann schon eine Talkshow am Sonntagmorgen ein – und dann können sich nicht mal die Hörer dran beteiligen und Fragen an den Gast stellen oder per Telefon zuschalten?

Und daran krankt eben vor allem der deutsche Radiomarkt. Einbeziehung der Hörer in das Programm. NDR 2 macht jetzt einen netten Versuch, mehr ist es aber auch nicht. Hier kann man ja schon froh sein, wenn man eine Mail direkt ins Studio senden kann. Dabei steckt doch so viel Potential in der Interaktion mit dem Hörer. NDR 2 macht samstags eine Bundesliga-Show von 15h00 bis 18h00. Warum die nicht eine Stunde verlängern um Fans der norddeutschen Mannschaften zu Wort kommen zu lassen? BBC Radio 1 macht freitags in der Morgensendung eine Stunde einen Programmabschnitt, der sich Golden Hour nennt. Dort spielt der Moderator Lieder und die Zuschauer müssen per E-Mail oder SMS ins Studio erraten, aus welchem Jahr die Titel stammen. Gleichzeitig geben die Hörer an, wer sie sind, was sie gerade machen und was sie sonst noch so bewegt. Dann entstehen immer lustige Stories. Im Nachmittagsprogramm von BBC Five Live werden Buchautoren, Regisseure, Personen aus Politik und Wirtschaft eingeladen – Zuschauer können anrufen und ihre Fragen loswerden. Man kann die Liste beliebig lange fortsetzen.

Das ist unterhaltsames Radio und das ist Interaktion mit dem Hörer. Und davon sind wir hier in Deutschland leider weit entfernt. NDR 2 will jetzt einen nett gemeinten Versuch machen. Dem sollte man eine Chance geben. Aber ein wirklicher Fortschritt wird es wohl nicht. Aber reinhören werde ich trotzdem mal. Denn es kann ja fast nur besser werden. Positiv aber, dass NDR 2 wenigstens zu einer Programmreform bereit ist.

Thema: Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (1) | Autor: medispolis