Tag-Archiv für » Wahlkampf in den USA «

Es kommt Energie in die Auseinandersetzung zwischen Obama und McCain

Montag, 4. August 2008 17:25

Wenn es noch etwas Schönes an Politik gibt, dann ist es ihre Unvorhersehbarkeit. Hatte man zum Beispiel vor einem halben Jahr noch die Themen Irak-Krieg, Gesundheitsversorgung und Steuererleichterungen auf der Agenda im US-Wahlkampf, ist es jetzt vor allem die Energie- und Ölpolitik der USA. Auch die einzig verbliebende Weltmacht muss sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie man weiterhin die Nachfrage nach Öl im ganzen Land bedient, es aber gleichzeitig schafft die Preise möglichst niedrig zu halten, damit auch Geringverdiener und ärmere Bevölkerungsschichten weiterhin eine warme Stube haben.

Auch wenn es vor allem externe Effekte sind, die die Vereinigten Staaten jetzt ergreifen, müssen Barack Obama und John McCain Antworten, Konzepte und Lösungsvorschläge finden und dem Wahlvolk präsentieren. Das schnellebige Geschäft des US-Wahlkampfs muss sich dieser Tage zu Ruhe setzen, denn das Thema ist komplex und lässt sich nicht in ein paar Pressestatements packen. Und deshalb touren John McCain und Barack Obama quer durch die USA um die Wähler von ihrer Energiepolitik zu überzeugen. War es zu Beginn vor allem der Republikaner, der Obama auf diesem Themenfeld scharf attackierte, ist es jetzt vor allem Barack Obama, der sich versucht zu wehren. Und Obama hat es auch ein bisschen nötiger, rückte er vor ein paar Tagen doch von seiner strikten Position ab, dass es vor der US-Küste in Naturschutzgebieten keine Bohrungen nach Öl geben dürfe. McCain habe diese strikte Haltung Obamas stets kritisiert. Punktsieg für den Senator aus Arizona. In ersten Umfragen liegt John McCain jetzt auch landesweit hauchzart vor Barack Obama.

Der Senator aus Illinois hat heute einen neuen Werbespot geschaltet und beschuldigt darin, dass John McCain “in the pocket of big oil” sei. Eine kleine, aber durchaus neue Strategie. John McCain wird direkt neben George W. Bush gezeigt verbunden mit dem Fakt, dass McCain rund zwei Millionen Dollar Wahlkampfspenden aus der Ölindustrie bekommen hat und gleichzeitig 4 Millionen Dollar Steuererleichterungen für den Unternehmenszweig plant – trotz großer Gewinne der Konzerne. Folglich heißt es dann auch: “Every time you fill your tank, the oil companies fill their pockets. Now big oil’s filling John McCain‘s campaign with $2 million dollars in contributions.” Was Obama verschweigt, ist, dass auch er Wahlkampfspenden der Ölindustrie bekommen hat – allerdings deutlich weniger als McCain. Genannt werden knapp 400.000 Dollar. Obama wird einen Energierabatt in Höhe von 1.000 Dollar für Amerikaner anbieten, die aufgrund der hohen Energiekosten in Zahlungsschwierigkeiten kommen. Zudem sollen die USA in 10 Jahren unabhängig von Öl aus dem Nahen Osten sein. Wie das genau geschehen soll, lässt Obama noch völlig offen.

Der Wahlkampf wird wieder hektischer und energiegeladen. Und es sind noch drei Monate bis zu den Wahlen im November. Zeit für ganz viele Werbespots und gegenseitige Vorwürfe.

Mit dem Thema Energiepolitik beschäftigt sich auch Peter A.Brown im Blog des Wall Street Journals.

Thema: US Wahl 2008 | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Die Obama-Blase verliert langsam an Luft

Mittwoch, 30. Juli 2008 16:00

96 Tage sind es noch bis zum ersten Dienstag im November 2008. Am 04.11. stimmt Amerika über einen neuen Präsidenten ab, der dann 77 Tage später offiziell als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wird. Mehr als drei Monate – das ist eine lange Zeit in einem Wahlkampf. Für den designierten Bewerber der US-Demokraten, Barack Obama, könnte diese Zeit zu lange sein. Tolle Bilder, jubelnde Menschenmassen und bewegende Reden hielt Barack Obama auf seiner Welttournee, die Medien haben rund um die Uhr berichtet, den Senator aus Illinois auf Schritt und Tritt verfolgt. Doch in den USA konnte sich der durchaus positive Grundtenor der Auslandsreise nicht positiv in den Umfragen für Obama niederschlagen. Die Obama-Blase sei noch nicht geplatzt, aber sie verliere langsam an Luft, formulierte Peter Brown vom Umfrageinstitut der Quinnipiac University.

Landesweit und auch in den wichtigen, bevölkerungsreichen Staaten führt Obama weiterhin vor John McCain, der Vorsprung ist aber weiter geschmilzt. Für Barack Obama ist dies keine leichte Situation. Den Vorsprung versuchen ins Ziel nach Washington zu retten dürfte nicht gelingen und zweitens auch das Bild eines möglichen Präsidenten Obama beschädigen. Jemanden, der nur reagiert statt aktiv Politik zu gestalten, wollen die Wähler ihr Vertrauen nicht schenken. Obama muss also seine Linie des Abwartens und Sonnens nach der Auslandsreise möglichst schnell ablegen, also wieder aktiv Themen auf die Agenda setzen, eigene Vorschläge und Lösungsansätze präsentieren und nicht nur auf die Anschuldigungen und Statements seines Gegenkandidaten reagieren. Denn eines ist auch klar: Die US-Bevölkerung kennt den Politiker und Menschen John McCain. CNN hat durch eine Umfrage herausgefunden, dass nahezu doppelt so viele Menschen ihre Aufmerksamkeit auf die Frage richten, wie ein Präsident Obama wohl handeln würde. Das Wall-Street Journal hat zusammen mit NBC ermittelt, dass 51% auf die Kampagne von Barack Obama schauen, nur 27% interessieren sich für den Wahlkampf von John McCain. Jetzt sind es nicht mehr die Medien, die Barack Obama auf Schritt und Tritt verfolgen. Jetzt sind es die weißen Wähler aus Pennsylvania, die Antworten auf hohe Preise haben wollen, jetzt sind es die Fabrikarbeiter aus Ohio, die unter Arbeitslosigkeit leiden, jetzt sind es die Latinos aus Texas, die Antworten zur Einwanderungspolitik wollen. Barack Obama ist neu auf der politischen Bühne Amerikas. Bill Scheider, Politikanalyst bei CNN hat es vergangene Nacht im Situation Room wunderbar auf den Punkt gebracht: Die Abstimmung am 04. November 2008 sei keine Abrechnung mit der Politik von George W. Bush, es werde ein Referendum sein über den Politiker Barack Obama.

Wie gesagt, landesweit und in den wichtigsten Staaten führt Obama weiterhin in den Umfragen. Aber Barack Obama zeigen sich Problemfelder auf, denen er begegnen muss. Eine kleine Übersicht:

  • Umfragewerte: Die Washington Post veröffentlichte vorgestern Zahlen, wonach Obamas Vorsprung in Michigan, Wisconsin und Minnesota weiter geschrumpft sei, in Ohio liege erstmals John McCain in den Umfragen vor Obama. In Virginia und Colorado beträgt der Vorsprung weniger als 2%. Landesweit brträgt der Vorsprung ungefähr fünf Prozentpunkte mit der Tendenz, dass John McCain aufholt. Das Meinungsforschungsinstitut Gallup hatte vor kurzem neue Zahlen präsentiert. Obama liegt bei 47%, John McCain bei 41%. Knapp 100 Tage vor der Präsidentenwahl gewann jeder Kandidat, der zu dieser Zeit in den Umfragen von Gallup vorne lag, auch die Abstimmung.
  • Die Zustimmung von Frauen: Letzte Zahlen des Senders Fox News zeigen, dass Barack Obama die weibliche Bevölkerungsschicht noch nicht so für seine Politik gewinnen kann, wie man sich das vielleicht im Lager der Demokraten gewünscht hat. Ein möglicher Hillary-Effekt blieb bisher aus. Zwar führt Barack Obama bei den unter 40-jährigen Frauen mit 13% Vorsprung, bei den Frauen im Alter von 41 bis 45 führt John McCain mit 4%, bei den über 50-jährigen führt der Senator aus Arizona mit drei Prozentpunkten. Dass ein demokratischer Kandidat gegenüber seinem republikanischen Gegenspieler bei den Frauen über 40 hinten liegt, gab es zuletzt vor 20 Jahren. Ältere Frauen können sich scheinbar nicht für Barack Obama erwärmen. Aber genau diese Wählerschicht ist hart umkämpft. Wenn Obama Präsident werden will, muss er hier noch Boden gut machen. Denn das Problem ist hier nicht John McCain’s große Popularität, nein, es ist schlicht die Person Barack Obama.
  • Obamas Suche nach einem geeigneten Vizepräsidenten: Michael Duffy vom Time Magazin fasst die Problematik für Barack Obama ganz gut zusammen. Nimmt er nun einen erfahrenen Politiker aus der Washington-Szene? Oder einen Newcomer, ja Seiteneinsteiger? Vielleicht sogar eine Frau? Von seine beiden Wunschkandidaten, dem Republikaner Chuck Hagel und dem Senator aus Rhode Island, Jack Reed, musste er sich schon mal trennen. Beide zeigten kein Interesse an dem Job und wollten ihre Senatorentätigkeit nicht aufgeben.
  • Der Fallensteller John McCain: Die Strategie des Republikaners dürfte für die nächsten Monate klar sein. Obama soll Antworten geben, soll getestet werden, mit John McCain aktiv über die Probleme der Amerikaner diskutieren. McCain will Obama aus der Defensive locken, die dieser ja auch verlassen muss. Nur darf Obama dabei zwei Fehler nicht machen. Er darf erstens nicht mit voller Wucht auf McCain lostreten, sondern seine Gegenvorschläge und Kozepte sachlich rüberbringen. Denn die “Schlammschlacht” über negative Erfahrung, fehlendes außenpolitisches Wissen, wird definitiv von McCain losgehen. Diese Ebene muss Obama aber meiden. Und zweitens darf er aber auch nicht zu sehr nur auf die Sätze von John McCain reagieren. Eigeninitiative ist gefragt. Obama muss es vermeiden in die Fallen von John McCain zu treten. Letzes Beispiel: John McCain hat für knapp drei Millionen Dollar einen neuen Werbespot geschaltet über die Energiepolitik von Barack Obama und macht ihn da für die hohen Preise verantwortlich. Obamas Team konterte schnell: Es sei falsch, Obama für hohe Gaspreise zu kritisieren. Das sei Politik von gestern. Gleiches gilt für die Werbspots über Obamas mangelnde außenpolitische Fähigkeit und die Liebe der Medien zu Obama (Spots sind auf der offiziellen Homepage von John McCain anzuschauen).

Keine einfachen Zeiten für Barack Obama. Präsident ist der schwarze Senator aus Illinois noch lange nicht.

Thema: US Wahl 2008 | Kommentare (1) | Autor: medispolis