Die Medien können nicht anders, weil wir nicht anders können.

Samstagabend, DVDs schauen auf dem Sofa. Via Twitter erfahre ich um viertel vor neun von dem tragischen Unfall des Kandidaten bei wetten, dass…?. Das muss für alle Zuschauer, insbesondere für die Gäste und alle Beteiligten vor Ort, ein richtiger Schock gewesen sein. Und leider scheint es, beruft man sich auf die Aussagen der Ärzte, gesundheitlich nicht gut um Samuel Koch stehen. Ich habe Twitter danach sofort wieder abgeschaltet. Denn wenn ich etwas nach vielen Jahren Twitter-Aktivität gelernt habe, dann ist es, dass man bei solchen Ereignissen, seien es Unglücke, Todesfälle oder Amokläufe, Twitter am besten meidet. Zu viele Retweets, dass man schon nach Minuten den Überblick verliert. Und dann gibt es eben eine Reihe von Usern, die in solchen Momenten am besten lieber ruhig wären. Und dank der vielen Retweets und der Aufforderung die Leute sofort zu blocken, kommt man dann als Unbeteiligter ganz schnell in Kontakt mit den geistigen Ergüssen, bei denen man manchmal nur den Kopf schütteln kann.

Am nächsten Morgen dann versucht mit etwas Abstand den Abend Revue passieren zu lassen. Und dann las ich wieder etwas, das mich immer ein wenig fraglos zurücklässt. Medien-Schelte hier und dort, Bilder vom Unglück und dem Unfall, Nachfragen bei den Eltern, riesige Schlagzeilen, Klickstrecken und was sonst noch die Palette hergibt. Und dann kommen aus allen Ecken und Enden die Menschen mit erhobenem Zeigefinger und beschweren sich wieder über die journalistische Berichterstattung, die jegliche Bezüge zu Moral und Ethik verloren hat. Und es ist ein Jubelkasten, der immer wieder bei solchen Gelegenheiten angeschaltet wird. Ich kritisiere die Medien auch gerne, weil mir einiges vor allem an der politischen Berichterstattung und dem Sportjournalismus missfällt, aber bei Ereignissen wie diesen finde ich Medienkritik unangebracht. Schon mal gefragt, warum die Medien den Verunglücktem am Boden liegend zeigen? Es gibt eigentlich nur eine Antwort auf diese Frage: Weil wir, die Medienrezipienten, es lesen, sehen und anschauen wollen. Wenn das Video des Unfalls sofort bei YouTube hochgeladen wird, mag man das als pervers bezeichnen. Nur klicken wir doch alle auf die Videoplattform und schauen, ob es schon hochgeladen wurde. Und da spielt die Tatsache, dass es wir uns dann vernünftigerweise gar nicht anschauen, gar keine Rolle. Das gleiche Prinzip gilt für das Jammern über die Berichterstattung von BILD und SPIEGEL online, die sehr ausführlich – auch mit Bildern – den Unfallhergang dokumentierten. Einerseits regen sich wieder alle über die visuelle Darstellung auf, aber auf Bild.de wird dann trotzdem geklickt um zu schauen, was der Axel-Springer-Verlag (ASV) mit dem Thema anfängt. Das menschliche Bedürfnis nach Information versus den Hang vieler Menschen nicht davor zurückzuschrecken auch solche leidvollen Bilder anzuschauen. Und da viele es anklicken, bieten die Medien diesen Service an. Und je mehr und öfter durch alle Social Media-Kanäle gebrüllt wird, wie schlimm doch wieder die BILD oder der SPIEGEL das Thema journalistisch aufbereiten, freuen sich die Portale über weitere Klicks. Denn einmal gelesen, wird dann natürlich zur Prüfung und Kontrolle gleich persönlich nachgeschaut. Es ist ja auch völlig okay zu beobachten, wie die Medien das Thema aufbereiten. Und jeder sollte selbst entscheiden, ob er sich Klickstrecken mit dem Unfallhergang anschaut. Nennt man Medienkompetenz. Doch Medienschelte ist hier völlig unangebracht. Denn die Zeitungen und Magazine orientieren sich doch nur an den Gewohnheiten und Bedürfnissen der Leser.

Als ich am Sonntagmittag mit dem ICE von Hannover nach Düsseldorf fuhr, war in den Buchhandlungen auf dem hannoverschen Hauptbahnhof die BILD am Sonntag schon fast ausverkauft, während daneben noch riesengroße Stapel von WELT am Sonntag und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung lagen. Im ICE lasen alleine in Wagen 22, wo ich saß, acht Leute die BILD am Sonntag. Das Blatt vom ASV hatte es als einzige Sonntagszeitung noch geschafft den Unfalls als großen Aufmacher auf die Titelseite zu setzen und auch sonst ausführlich über den Unfall bei der ZDF-Show zu berichten. WELT am Sonntag und FAS hatten keinerlei nennenswerte Meldung im Blatt. Und dann wundert sich noch jemand, warum die Medien solche Zwischenfälle in all ihren Facetten darstellen und ausschlachten? Egal, ob nun online, auf Papier oder dem Handy. Ist völlig nebensächlich. Denn überall findet sich eine riesige Anzahl von Rezipienten, die es liest, schaut und anhört. Es ist ein ganz schmaler Grad zwischen dem eigenem Informationsbedürfnis und der nicht zu befürwortenden Sensationsgier, Leid, Drama und Action so gut es geht mitzubekommen. Vielleicht kennen Sie ja die “Gaffer” bei den Autobahnunfällen.

Kritik an den Medien mag populär an dieser Stelle sein, nur bringen normative Forderungen gar nichts. Denn es hat sich bezüglich der medialen Darstellung von solchen Unglücken in den letzten Jahren nichts verändert. Es klingt beeindruckend, wenn man immer an Ethik und Moral appelliert, auf Verantwortung und Pflichtbewusstsein der Journalisten hinweist, nur sind wir als Rezipienten und Konsumenten diejenigen, die solchen Journalismus unterstützen, indem wir drüber reden, darauf hinweisen und darauf klicken. Und solange eine Mehrzahl das weiter tut, werden sich die Medien – ganz dem ökonomischen Gedanken fokussierend – nicht bewegen und ihre Berichterstattung nicht verändern. Und bis dahin müssen wir als Rezipienten den richtigen Weg finden zum Stillen unseres Informationsbedürfnisses finden. Und das geht auch ohne Klickstrecken, Videos und Bilderserien. Wenn wir nicht anders können, werden die Medien in ihrer Berichterstattung nicht anders werden.

TV-Kritik: Erst fragen, dann wählen mit Hannelore Kraft

Freitagabend, kurz nach 18:00 Uhr. Im ZDF-Infokanal und parallel auf zdf.de startet ein kurzes, gut gemachtes Intro mit flotter Musik und die Kamera schwenkt in ein viel zu großes Studio, wo ein paar Sitzecken, ein paar PC-Pools und ein großer Moderationstisch aufgebaut sind. Die Moderatoren Dunja Hayali und Steffen Seibert begrüßen die Zuschauer am Fernseher und von den Computern im “aufgepimpten” Studio des ZDF. Da sind wir also bei der Jugendsprache des ZDF. Faszinierend, wie schnell sich das ZDF wandeln kann und sich seiner neuen, ansonsten eher unbekannten Zielgruppe anpassen kann. Vermeintlich. Bis auf diesen kleinen Aussetzter werden es spannende und interessante 90 Minuten.

Das ZDF hatte also mal wieder eingeladen, Erst- und Jungwähler für Politik zu begeistern und zu erwärmen, konkret im Vorfeld der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai. Die wie ich finde sehr gelungene Premiere im Rahmen der Bundestagswahl, wo sich die Spitzenkandidaten der Parteien den Fragen der jungen Wählerschaft gestellt haben, wurde auch für die Landtagswahl an Rhein und Ruhr wieder ins Leben gerufen. Die ganze Veranstaltung heißt ZDF log in und läuft unter dem Slogan: Erst Fragen, dann wählen. In Kooperation mit den VZ-Netzwerken bietet das ZDF Sendezeit, Örtlichkeit und die Chance Fragen zu stellen an die Spitzenkandidaten für die NRW-Wahl. Das ganze wird medial begleitet über diverse Twitter-Accounts und einem Chat, der parallel zur Sendung läuft. Man kann per Videobotschaft Fragen stellen oder einfach auch nur schnell per Twitter die ein oder andere Nachfrage äußern. Bei studi VZ hat die Sendung immerhin knapp 700 Fans. Kein herausragender Wert, aber es ist ja auch mal schön, wenn sich das ZDF nicht immer nur nach Quote und Beliebtheit orientiert.

Alle großen Parteien aus Nordrhein-Westfalen haben ihr Kommen zugesagt, nur der Herr Ministerpräsident ist sich zu schade, mit jungen Menschen zu kommunizieren. Scheinbar. Und schickt stattdessen seinen wesentlich dynamischeren Generalsekretär. Da kann das ZDF nichts für, peinlich ist das nur aus Sicht der CDU. Ist so ein Projekt erfolgreich? Wobei muss man diese Frage als Qualitätskriterium überhaupt stellen? Zur Bundestagswahl noch als Experiment angedacht, scheint sich diese TV-Runde als fester Baustein zu etablieren. Das ZDF sprach selbst von mehreren tausend Fragen, die eingesendet wurden. Wie gesagt, mir haben die Runden im Rahmen der Bundestagswahl gut gefallen. Ob das ZDF alles tut, so eine Runde bekannter zu machen, steht auf einem anderen Blatt Papier. Wieviele Jung- und Erstwähler mögen wohl den ZDF-Infokanal empfangen. Da ist die Übertragung im Netz verständlich, nur sind die Themen, die dort diskutiert werden, vielleicht stark gemünzt auf die junge Wählerschaft, doch letzlich gehen sie alle an und sollten deshalb auch von einem viel größeren Publikum beachtet werden. Insgesamt ein gutes Format, eine gute Idee, das man aber an der ein oder anderen Stelle noch modifizieren und verbessern kann. Herr Frey formuliert das so: Fernsehen und online werden verknüpft. In dem kurzen Einspielfilm sagt er das so, als wäre es eine kleine Revolution.

Zu Gast in der heutigen Auftaktsendung war Hannlore Kraft, die Spitzenkandidatin der SPD und Herausforderin von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Hannelore Kraft kommt über die kleine Wendeltreppe in das Studio und setzt sich zusammen mit den beiden Moderatoren an den zentral positionierten Tisch. Nach etlichen Minuten Smalltalk (“Haben Sie trotz Asche gut hierher gefunden? Sag mal, Steffen, bekomme ich auch was zu trinken?”). Es folgt ein Porträt von Hannlore Kraft. Sie mag Gesellschaftsspiele (“Mensch, ärgere dich nicht.”). Und in 30 Sekunden hat man dann offensichtlich alles über die Person Hannlore Kraft erfahren. Bilder in hektischer Reihenfolge abgespielt sprechen Worte, beim ZDF ersetzen sie diese. Erstes Thema ist Bildung, bei der Länderzuständigkeit keine Überraschung. Steffen Seibert mit der ganz forschen Frage an Hannelore Kraft, sie möge doch bitte mal die grundsätzlichen Veränderungen in der Bildungspolitik bei Regierungswechsel skizzieren. So einfach ist Politik dann auch nicht. Und dann ging die restliche Sendung im vorhersagbaren Schema vom Band. Fragen wurden gestellt, Frau Kraft beantwortete sie, es wurden Gäste aus NRW gehört, in eine Kneipe nach Düsseldorf geschaltet, bei den “Onlinern” (diejenigen jungen Menschen, die vor den PC-Bildschirmen saßen) wurde beobachtet, wie die Resonanz im Netz sich darstellt. Es war durchaus unterhaltsam, nie wirklich langweilig, auch und vor allem weil Hannelore Kraft trotz Wahlkampfstress sich sehr munter und frisch präsentierte, sympathisch rüberkam, selbstbewusst auftrat und bemüht war, einfach und verständlich zu antworten. Ob sie damit dann neue Wähler gewinnen konnte und unentschiedene Wähler überzeugen konnte, wird sich erst am 9. Mai zeigen. Alle wichtigen landespolitischen Themen – Bildung, Energie, Wirtschaft, Arbeit, Integration – wurden abgedeckt, wenngleich eine klare thematische Linie manchmal fehlte und es zu Überschneidungen kam. Da hätte man besser trennen können. Bemerkenswert fand ich auch, dass das eher sperrige Thema Kommunalfinanzen seinen Platz bekam. Hayali und Seibert führten souverän durch die Sendung und stellten – wenn nötig – kluge und gute Nachfragen. Ist man gar nicht gewohnt.

Was mir nicht so gut gefiel, war die optische Umsetzung. Ich brauche für einen einfachen, verständlichen Frageaspekt doch keinen kleinen Einspieler, indem dann visuell gezeigt wird, was es bedeutet, wenn Lehrerstellen gestrichen werden. Gleichzeitig bringt es wenig, wenn Frau Kraft eine ausfühliche Antwort gibt und am unteren Bildrand dann irgendwelche Chat-Meldungen und Diskussionen in einem Laufband erscheinen. Konzentriert zuhören und lesen konnte ich da nicht. Und auch hier wieder mein kleiner Appell: Qualität statt Quantität. Es hätte doch völlig gereicht, wenn man zwischendurch einfach mal häufiger in den Chat geschaut hätte. Dann braucht man auch nicht diesen Laufband-Quatsch.

Die große Stärke dieser Sendung lebt eben auch vom Input der Zuschauer und der Bereitschaft des ZDF diese dann auch einzubinden. Bestes Beispiel die Diskussion über die Abschaffung der Studiengebühren. Es kam via Video die Frage nach der alternativen Finanzierung der Hochschulen auf, wenn die Studiengebühren schrittweise bis Mitte zur nächsten Legislaturperiode abgeschafft würden. In welchen Schritten das passieren soll, ist wohl auch der SPD noch völlig unklar. Frau Kraft sagte dann nur, dass man es “aus Mitteln des Haushalts” ausgleichen müsse. Was so konkret ist wie die Meldung, dass in 2011 Schnee fallen wird. Also hatte ich via Twitter nachgefragt mit der Bitte um Konkretisierung. Glücklicherweise wurde mein Tweet dann vorgelesen und Frau Kraft hatte die Gelegenheit dort noch einmal genauer drauf einzugehen. Hat sie dann auch gemacht, so richtig zufriedenstellend war das aber nicht. Wenn ich jetzt böse wäre, würde ich sagen, die SPD und Frau Kraft wüssten überhaupt nicht, wie sie die Abschaffung der Studiengebühren finanzieren sollen. Aber Hauptsache man zieht mit dem Kassenschlager durch den Wahlkampf. Dann gab es dann den Aspekt von überflüssigen Ausgaben der CDU/FDP-Regierung. Also die Formel: Statt verlängerter Landebahn für den Flughafen Münster-Osnabrück eben Umschichtung im Haushalt und Geld für die Hochschulen. Wenn Politik so einfach wäre. Dann wurden noch irgendwelche Fonds und Banken ins Spiel gebracht. Alles nicht so befriedigend aus meiner Sicht. Aber das hat sich eben dann noch an einigen anderen Themenfeldern gezeigt. Und dementsprechend oft musste Frau Kraft nochmal ihre Position deutlich machen. So sollte das sein – und das trug maßgeblich zur hohen Qualität der Sendung bei.

Nach knapp 90 Minuten war die Sendung beendet. Frau Kraft ging gut gelaunt aus dem Studio (“Hat Spaß gemacht, Tschüss zusammen”). Insgesamt ein sehr ordentlicher Auftritt. Nur zu möglichen Koalitionsoptionen hat sie wenig Konkretes gesagt (“Wir fusionieren nicht, wir koalieren.”). Und Frau Hayali hat der SPD-Spitzenkandidatin “noch viel Kraft für den Wahlkampf” gewünscht (sic!). Sonntag geht es dann weiter. Ab 19:35 ist dann CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid zu Gast, gefolgt von den Spitzenkandidaten von FDP, Grüne und Linke. Herr Seibert, es wäre schön, wenn Frau Hayali dann schon im Wasser im Glas hätte. In diesem Sinne: Bitte weiter einschenken bei den nächsten Wahlen!

Olympia-Berichterstattung: Manchmal ist weniger eben mehr

Man stelle sich mal folgende Szene vor. Die Tagesthemen sind vorbei, es kommt das Wetter im Ersten, Jörg Kachelmann meldet sich für das Wetter natürlich live aus Vancouver und beginnt seinen Monolog:

“Guten Abend meine Damen und Herren, herzlich willkommen live hier zum Wetter im Ersten. Bevor wir gleich ganz kurz auf das Wetter in Deutschland schauen – darf Ihnen sagen, dass sich da nicht so viel tun wird, ist alles eine eher zähe Angelegenheit – schauen wir natürlich auf das Wetter hier. Und das bleibt spannend, hier ist richtig was los. Schauen Sie auf unseren Tagesthemen-Strömungsfilm! Wir haben hier das steuernde Hoch über Zentralkanada, das im Uhrzeigersinn die kalte, trockene Luft förmlich ansaugt. Aber das ist alles nicht so stabil, von Süden, aus den USA, schwappt immer wieder diese feuchte, mildere Suppe ins Land. Gleichzeitig nimmt der Wind ein wenig zu. Gucken Sie auf unsere Pfeile, die immer enger aneinanderkommen. Also, unter diesen Bedingungen möchte ich für den Biathlon-Wettbewerb nicht garantieren, und auch Ski Alpin wird schwierig, denn die feuchte Luft aus Süden drückt gegen die Berge, es wird dann länger anhaltend richtig schiffen. Schnee wird tauen, aber kann Ihnen versprechen, das lässt schon morgen nach, dann übernimmt das Hoch wieder die Kontrolle – und einem Capuccino auf der Plaza in Vancouver bei Sonnenschein steht nichts im Wege. Zu Ihnen nach Deutschland. Die Milderung setzt sich jetzt im ganzen Land durch, 2 bis 8 Grad. Michael Antwerpes übernimmt jetzt hier. Na Michael,  schon einen Ausflug für übermorgen an deinem freien Tag geplant? Wetter wird ja gut.”

So schlimm ist es dann nun doch noch nicht ganz gekommen in der Olympia-Berichterstattung der ARD. Viel fehlt aber nicht mehr, aber scheinbar trauen sich die Öffentlich-Rechtlichen nicht jede Hemmschwelle zu übertreten. Ich hatte die letzten Tage Home Office, wie es so schon heißt, und habe entsprechend häufig Olympia im Fernsehen laufen gehabt, und natürlich auch mal durch die Programme gezappt um zu schauen, was die Sender an Berichterstattung anbieten. In den Foren und Blogs tobt ja schon wieder die Diskussion über ARD und ZDF, ob es zu vertreten sei, dass ARD und ZDF mit viel mehr Mitarbeitern nach Vancouver fahren als zum Beispiel die BBC und dafür weniger Sendestunden verbrauchen. Und ob ARD und ZDF nicht zu verschwenderisch mit unseren Gebühren umgehen, wenn zum Beispiel auch Jörg Kachelmann und Franziska van Almsick nach Vancouver reisen. Zwei Personen, die man bei Olympischen Winterspielen nicht zwingend sehen muss und will. Ich will hier gar nicht in das durchaus berechtigte ÖR-Bashing einsteigen, sondern vielleicht mal meine Sicht und meinen Wunsch an eine gute Sportübertragung darlegen und dann nebenbei auch zeigen, warum ARD/ZDF dies eben nicht so gut können und vielleicht auch wollen, und dass Eurosport zumindest bei vielen Punkten die bessere Anlaufstelle ist.

Was steht bei Olympia im Vordergrund? Sport, Sport, Sport, fairer Wettkampf und wenn man so will ein wenig die Kultur und Präsentation der Gastgeberstadt. Heißt für mich: Ich möchte in erster Linie Sport sehen, bei den wichtigen Entscheidungen live dabei sein, möchte Emotionen erleben. Und ich möchte ein halbwegs verlässliches Programm. Ich will wissen, ob ich ein Eishockeyspiel in Gänze irgendwo sehen kann und nicht, dass ich irgendwann einen anderen Wettbewerb sehe. Verlässlichkeit im Programm und die Konzentration auf das Wesentliche – Sport! – das erwarte ich von einer guten Olympia-Berichterstattung. Das ist die eine Seite, die Voraussetzung, die andere Medaille ist dann die Umsetzung. Ich möchte ein gutes Fernsehbild und ich möchte einen kompetenten Kommentator, der – das wäre das höchste der Gefühle – noch einen guten, erfahrenen Experten neben sich hat. Eigentlich keine hohen Ansprüche an Sender, die von mir jährlich über 200 Euro bekommen und jährlich mit ein paar Milliarden ziemlich willkürlich umgehen können.

Doch ARD und ZDF können meine niedrigen Ansprüche nicht erfüllen, wie sollen sie auch? Generell laufen bei den ÖR massenkompatible Sportarten, jetzt muss man alle vier Jahre sich dem Eishockey widmen, einer Sportart, die sonst unter jedem Radar verschwindet. Dass dann da keine hochwertige Übertragung rauskommt, dürfte erstmal klar sein. Aber was ich eben erwarten kann, ist, dass sich ein Kommentator informiert vor jedem Spiel, die lokale Presse liest, im Internet sich die wichtigsten Statistiken raussucht und auch sonst vielleicht ein gewisses Interesse und eine Begeisterung für die Sportart vermittelt. Sonst kann man es auch gleich sein lassen. Und von ARD und ZDF, die wirklich jeden Clown nach Kanada geschickt haben, darf ich dann als zahlender Zuschauer auch erwarten, dass die Kommentatoren sich umfassend vorbereiten. Liebe ÖR, schaut euch doch bitte zum Beispiel beim Eishockey das Duo Faßnacht/Leinauer an. Oliver Faßnacht kommentiert vielleicht drei Eishockeyspiele pro Jahr auf Eurosport, Gerd Leinauer hat ja schon jahrelang Eishockey als Experte begleitet, nichts desto trotz merkt man, dass sich vor allem ein Faßnacht hervorragend vorbereitet hat. Er kennt die kleinen Geschichten hinter den Spielern, er kann ein Spiel einordnen, Leinauer es fast schon lesen, eine Spieltendenz ablesen. Und das bekommt man durch vieles Schauen einer Sportart. Ich weiß ja nicht, was die Olympia-Kommentatoren von ARD und ZDF so zwischen den Jahren machen, aber wenn ich weiß, dass ich Eishockey bei Olympia kommentiere, wäre es sicherlich nicht verkehrt, auch mal zwischendurch DEL und NHL zu verfolgen und ein Gefühl für diese Sportart zu bekommen. Gleiches gilt für Skispringen. Liebe ARD, gebt dem Tom Bartels doch endlich mal einen Co-Kommentator, das wäre dann sehr viel unterhaltsamer. Wieso darf Dieter Thoma zum Beispiel nicht ans Mirko während des Springens? Auch hier wieder der Verweis an Eurosport zum Duo Dirk Thiele und Gerd Siegmund.

Es braucht also gar nicht viel für eine gute Übertragung, zwei fähige Leute und ein guter Wettkampf. Stattdessen verschleudern ARD und ZDF ihre Ressourcen für teure Studios, zig Gäste und eine Wetterfee – und schaffen nur selten, Begeisterung für den Sport rüberzubringen, was an der fachlichen Ermangelung von Kommentatoren und Experten liegt. Was man aber erlernen kann, wie ich finde. Natürlich ist es einfach auf ARD und ZDF einzuhauen, aber gerade die Olympia-Berichterstattung zeigt mal wieder, wie realitätsfern die ÖR agieren. Sie wollen es vielleicht einfach zu gut machen. Aber das braucht es doch gar nicht, die meisten Zuschauer schalten wegen der sportlichen Wettkämpfe ein und nicht wegen der Schneefallwahrscheinlichkeit in Whistler. Das kann man in fünf Sekunden abhaken. Und es dürfte ebenso nachvollziehbar sein, dass vor allem nachts nur die Freaks noch eingeschaltet haben. Da braucht es dann also wirklich kein überflüssiges Gelaber mehr, sondern lediglich Sport. Ganz einfach.

Um hier nicht völlig mit Kritik rumzuwerfen, seien zumindest die Online-Aktivitäten der ARD, das Olympia-Radio und der ständig aktualisierte TV-Guide auf zdf.de positiv erwähnt. Wundert mich eigentlich, dass da noch gar nicht die Privaten gemeckert haben, wie umfangreich online bei den ÖR berichtet wird. Überhaupt wundert es mich, wie wenig die Berichterstattung von ARD und ZDF und die Rahmenbedingungen der Übertragungen aus Vancouver hinterfragt werden, auch von den privaten Medienakteuren. Da wird wegen einer kleinen App eine Sau durch die deutsche Medienwelt gejagt, aber wenn man überflüssige Gebühren verpulvert und noch nicht mal eine gute Berichterstattung hinlegt, interessiert das hier in Deutschland nur die interessierten Sportfans. Wenn ich sehe, für was sich die BBC in den letzten Wochen schon wieder rechtfertigen musste und wie sehr der Druck von Sun, The Times und Guardian auf die Anstalt ausgeübt wird, muss man sich eigentlich auch nicht groß wundern, wenn ARD und ZDF so handeln, wie sie es tun. Interessiert ja ehe nur die Sportfreaks. Eigentlich schade. Wenn ich lese, dass ARD und ZDF sich gemeinsam drei Jahre für die Übertragung vorbereitet haben, kommt da am Ende ernüchternd wenig rüber. Technisch vielleicht sehr positiv, aber redaktionell bin ich eher enttäuscht.

Manchmal kann weniger eben auch mehr sein. Ein gutes Bild, eine gut vorbereiteter Kommentator und ein kompetenter Experte. Und schon bin zumindest ich zufrieden. Mal sehen, ob ARD und ZDF irgendwann diesen Weg gehen werden. Freiwillig sicher nicht.

Medien-Sport-Politik, 20.07.2009

Das ZDF startet am morgigen Dienstagabend um 22:45 Uhr die Sendung “Illner Intensiv“, bei der in fünf Folgen die im Bundestag vertretenen Parteien auf Herz und Nieren geprüft werden und den Zuschauern eine Entscheidungshilfe für die kommende Bundestagswahl gegeben werden. Prinzipiell finde ich das Konzept und die Idee der Sendung gar nicht mal so schlecht beziehungsweise begrüße sie sogar, weil man scheinbar versuchen möchte, politische Programmatik und Sachverhalte zu erklären und die Vorstellungen der Parteien zu präsentierten. Zwei Kritikpunkte vorweg: Wieso läuft so eine Sendung erst um 22:45 Uhr und welcher Stratege hat sich diesen Namen für die Sendung ausgedacht? Illner Intensiv um 22:45 also morgen in ihrem Zweiten Deutschen Fernsehen.

Durch Zufall am Wochenende entdeckt: MSNBC hat eine mehrteilige Doku “Inside The Obama White House gedreht, die auch online verfügbar ist. Das ganze ist in sechs Bereiche aufgeteilt: Inside the real West Wing, Setting the nation’s agenda, anatomy of a talking point, und out to lunch with Obama, um nur ein paar Titel zu nennen. Ich habe mangels Zeit die Doku noch nicht gesehen, kann also wenig zum Inhalt sagen. Klingt aber interessant.

Ich hatte hier schon mal kurz erwähnt, dass es in Zukunft einen Podcast einiger Fußball-Blogger geben wird. Mittlerweile hat es bereits einen Testlauf gegeben, der mir ganz gut gefallen hat. Klar fehlt an einigen Ecken und Enden noch die Eingespieltheit, aber inhatlich fand ich den Auftakt vielversprechend. Rechtzeitig zum Bundeslig-Start soll es den ersten Podcast für die Öffentlichkeit geben.

Vom 15.-23. August 2009 findet bekanntlich die Leichtathletik-WM in Berlin statt. Am Wochenende wurde bekannt gegeben, dass a-ha mit “Foot of The Mountain” den offiziellen Song zu WM singen werden, inklusive eines Live-Auftritts am 14. August bei der Eröffnungsfeier. Wer als einzige Band in den aktuellen Album-Charts in den Top 10 neben Michael Jackson ist, hat es verdient.

Coldplay machen mittlerweile nicht nur gute Musik, sondern auch exzellente Musikvideos. Nach Life in Technicolor II, welches ich schon großartig fand, nun die Fortsetzung bei Strawberry Swing. Video ist bis jetzt nur online bei Babelgum zu sehen.

Ich will mich im Moment eigentlich gar nicht so lange mit der deutschen Innenpolitik aufhalten. Das Theater in Kiel zwischen SPD und CDU ist an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten. Und dann wundern sich Vertreter der beiden großen Volksparteien regelmäßig, dass immer weniger Leute sie wählen und auch an den politischen Rändern neue Parteien entstehen. Es geht mir gar nich so darum, wer letztendlich schuld ist. Als Bürger kann ich erwarten, dass Politiker, die eine Koalition führen das vernünftig und so gut es geht für mein Bundesland führen – und nicht Monate vorher aufhören, weil sie keine Lust mehr haben oder sehen, dass es taktisch klug sei, jetzt Neuwahlen anzusetzen. Und wie jetzt schon wieder mit dem Grundgesetz umgegangen wird, ist einfach nur traurig. Interessant fand ich die gestrige Medienberichterstattung zum Krach in der Kieler Koalition. Nach den Vorabberichten des SPIEGEL vom Wochenende wurde bekannt, dass Ministerpräsident Carstensen (bewusst) falsche Informationen über die Krise bei der HSH-Nordbank weitergegeben hat und auch nicht richtig lag mit seiner Außerung, dass die SPD darüber informiert wurde. ARD und ZDF sprachen dann in ihren Nachrichten davon, Carstensen hätte falsche Angaben gemacht. Liebe Medien, ihr seid doch sonst nicht so zimperlich. Lügen wäre der vielleicht passendere Ausdruck gewesen.

Apropos Tagesschau von Sonntagabend. Ist die ARD jetzt niveaumäßig auch schon so tief gesunken, dass im Nachrichten-Flagschiff des Ersten Meldungen wie der Erdrutsch in Sachen-Anhalt oder die Amokfahrt in Menden an erste Stelle gerückt werden. Natürlich ist das auch wichtig und muss in diese Sendung. Aber von der ARD erwarte ich, dass das gegen Ende kommt und zunächst der Innen- und Außenpolitik der Vorrang gegeben wird. Sonst kann ich auch gleich bei Sat.1 oder RTL 2 vorbeischauen.

So, genug gemeckert. War nicht so ein toller Tag heute. Viel zu erledigen, wenig erreicht, weil von anderen abhängig, die mit ihrer Arbeit nicht nachkommen.

Lesetipp für heute: Der San Franciso Chronicle berichtet darüber, wie großartig und nützlich Twitter sein kann, wenn man es richtig nutzt. Lest selbst. Guten Appetit.

Schutz der Werbewirtschaft oder Verweigerung zu sparen?

Ich habe letzten Mittwoch an einem Redaktionsbesuch bei Radio Bremen teilgenommen mit anschließender Diskussion über die Rolle und den Stellenwert von öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Radio in der Medienlandschaft Deutschland. Ich hatte eigentlich nur eine Frage an die Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen: Sie mögen mir doch bitte einmal genau erklären, warum ARD und ZDF nicht bereit seien, auf Werbung in ihren Fernsehprogramm und Hörfunkwellen zu verzichten. Das konnte man mir in den wenigen Minuten natürlich nicht umfassend beantworten. Aber ich darf eventuell noch einmal vorbeischauen. Die Antwort, die ich bislang bekam, lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Wenn ARD und ZDF in ihren Programmen auf Werbung verzichten würden, würde das der Werbewirtschaft in Deutschland schweren Schaden zufügen, weil sie weniger werben könnten und die Preiss für das Schalten von Werbung dann durch die privaten Medienakture diktiert werden können. Gleichzeitig würden bei Werbefreiheit ARD und ZDF wichtige Einnahmen fehlen und es zu einer Erhöhung der GEZ-Gebühren kommen. Diese Erhöhung sei den Gebührenzahlern aber nicht zuzumuten – also kämpfen ARD und ZDF massiv dafür, dass es kein Verbot von Werbung bei den Öffentlich-Rechtlichen gibt.

So richtig zufrieden war ich mit der Antwort nicht. Wenn das alles so einfach wäre, frage ich mich, warum dann überhaupt über ein Verbot diskutiert wird. Meine persönliche Meinung war bisher immer ganz klar pro Werbeverbot bei den Programmen von ARD und ZDF. Als Vorbild muss hier wieder mal die BBC herhalten. Aber ich finde es großartig, dass die BBC in ihren Radioprogrammen ohne Werbung auskommt. Da ist die Qualität noch einmal höher, als wenn jedes Mal zur halben und vollen Stunde je drei Werbespots geschaltet werden. Das nervt mich einfach. Gleiches gilt für die Samstags-Sportschau, die ich mittlerweile für eine Werbesendung halte. So kommt es mir zumindest vor. Und für mich verliert die Sportschau durch die Werbeblöcke auch an Qualität.

Soweit so gut. Ich habe mal versucht ein bisschen zu recherchieren. Ich hatte gehofft, etwas mehr zu finden, vor allem einmal wirklich stichhaltige Argumente pro und contra Werbeverbot.

Der Vorschlag, ARD und ZDF die Werbung zu verbieten, ist nicht neu. Bereits im Sommer 2005 hatte Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, ARD und ZDF geraten, auf Werbung in ihren Programmen zu verzichten. Die Öffentlich-Rechtlichen lehnten damals ebenso wie heute noch ab. 2005 Kurt Beck, heute ist es der Günter Oettinger aus Baden-Württemberg, der sich für ein komplettes Werbeverbot bei ARD und ZDF einsetzt. Ich habe mich durch viele Artikel gekämpft und mal versucht die Positionen in drei Schlüsselargumente aufzuteilen.

ARD und ZDF gegen ein Verbot von Werbung:

  • Der Wirtschaft würde eine wichtige Plattform verlorengehen, wenn in den Programmen von ARD und ZDF nicht mehr geworben werden dürfte. Das würde gleichzeitig die Werbewirtschaft in eine Krise bewegen, weil nicht automatisch mehr bei den privaten Sendern geworben würde. Es wird befürchtet, dass die privaten Sendern die Preise für Werbung umfassender diktieren könnten, wenn ARD und ZDF als Werbeplattformen entfielen.
  • Wenn ARD und ZDF auf Werbung verzichten, müssten im Gegenzug die Gebühren erhöht werden. Genannt werden meist Erhöhungen um 1,20 Euro bis 1,40 Euro im Monat.
  • Die Werbung sei klar auf 20 Minuten am Tag begrenzt. Das sei, so Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen, ein vertretbarer und überschaubarer Umfang.

Vertreter für ein Werbeverbot der Öffentlich-Rechtlichen:

  • Werbung passt nicht zum Programmauftrag von ARD und ZDF.
  • Die BBC wird immer wieder als positives Beispiel erwähnt, wo Werbung in allen Programmen nicht ausgestrahlt wird. Es gibt lediglich auf der Website der BBC vereinzelte Banner. Das Beispiel der BBC zeigt, dass öffentlich-rechtliche Sender auch ohne Werbung ein sehr gutes oder gar besseres Programm machen können. Die BBC ist ebenso wie ARD und ZDF keinen wirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt. Es besteht also kein Grund, sich dem BBC-Modell nicht anzuschließen.
  • Die ARD spricht auf ihrer Website davon, dass gerade mal drei Prozent ihrer Einnahmen sich aus Rundfunkwerbung generieren. Das ZDF nimmt durch Werbung etwas über 100 Millionen Euro (2007) ein, etwa nach neueren Zahlen 5-6 Prozent an den Gesamteinnahmen. 2008 nahmen ARD und ZDF aber insgesamt 7,26 Milliarden Euro ein. Die Werbeeinahmen sind also ein geringer Teil, der locker eingespart werden könnte. Zum Beispiel durch das Vermeiden von Parallelübertragungen und der wechselseitigen Übertragung von großen Sportevents, die ein Sender dann alleine übernimmt. Beispiel: Olympische Winterspiele 2010 macht das ZDF, Sommerspiele 2012 die ARD.

Ganz interessant, dass sogar 44 Prozent bereit sind höhere Gebühren zu bezahlen, wenn ARD und ZDF auf Werbung verzichten werden. Spätestens dieser Wert sollte den Öffentlich-Rechtlichen ein klares Zeichen sein, dass Werbung bei ARD und ZDF kritisch gesehen wird.

Das einzige Argument, welches ich sogar ein bisschen verstehen kann, ist die Situation auf dem Werbemarkt, die durch das Schalten von Werbung bei ARD und ZDF verbessert wird. Die Fachzeitschrift Media Perspektiven hat in ihrem neuen Heft den Werbemarkt in Deutschland 2008 untersucht und ein Ende das Wachstums festgestellt (Zusammenfassung, kompletter Bericht als pdf). Der ehe schon angeschlagene Werbemarkt würde dadurch Sendefläche verlieren. Und RTL und Sat1 können ja auch keine zusätzlichen Werbeflächen platzieren. Einziger Ausweg: Wieder mehr Werbung in Print schalten oder vielleicht einfach mal die Ausgaben für Werbung sparen?

Nochmal zurück zur BBC, die verdammt oft im Fokus der Öffentlichkeit steht und sich für ihre Ausgaben rechtfertigen muss. Einen Fakt, den ich hier in Deutschland immer wieder vermisse. Ein Werbeverbot würde also auch zur Folge haben, dass ARD und ZDF wieder sparsamer mit ihrem Geld umgehen und sich auf die Kerngeschäfte konzentrieren. Und ihr Programm noch besser machen. Und angesichts der Quoten am Vorabend bei der ARD frage ich mich sowieso, wie ein Unternehmen da noch eine Zielgruppe erreichen will. Aber Spaß beiseite. Ich kenne das Argument Werbemarkt durchaus an, alles andere ist für mich nicht stichhaltig aus Sicht von ARD und ZDF. Wenn mir ein Sender denn mal zeigen würde, dass überhaupt kein Einsparpotential bestehen würde, akzeptiere ich das. Aber mir fallen sofort ein paar Sachverhalte ein, wo ARD und ZDF sparen könnten.

1. Keine Parallelübertragungen von Veranstaltungen mehr. Es ist sinnlos auf fünf Sendern Michael Jackson zu zeigen, die Vereidigung von Obama oder eine Hochzeit in den Niederlanden.

2. Aufteilung der Übertragung von Sportgroßveranstaltungen

3. Ein gemeinsamer Nachrichtenkanal von ARD und ZDF

4. Überflüssige Sportrechte streichen. Auch so könnte gespart werden. Boxen fällt für mich nicht unter das Stichwort “Grundversorgung”.

Das alles wären kleine Schritte, die vielleicht auch dafür sorgen könnten, dass weniger Werbung gesendet werden würde. Das wäre ja schon mal ein positive Entwicklung. Ich kann ARD und ZDF in einigen Punkten verstehen, größtenteils aber nicht. Und von daher bin ich weiter für ein Verbot von Werbung bei ARD und ZDF. Die Öffentlich-Rechtlichen könnten sich auch dadurch wieder deutlich unterscheiden von den Privaten.

Ein erster Schritt wäre immerhin, wenn in der Öffentlichkeit mehr über dieses Thema diskutiert werden würde und sich auch die Politik auf eine gemeinsame Linie verständigen könnte.  Und die Rolle von ARD und ZDF auch einmal kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert wird und viele nicht immer gleich einknicken, wenn sie einmal aus ihrem Loch herausgekommen sind. Die Öffentlich-Rechtlichen machen doch in erster Linie Programm für ihre Zuschauer. Und ich gehe mal davon aus, dass ein großer Teil der Zuschauer für ein Werbeverbot ist. Also bitte.

Medien-Sport-Politik, 14.07.2009

Damit hier nicht nur immer die ellenlangen Berichte zu lesen sind, gibt es ab heute eine neue Kategorie in diesem Blog, die sich schlicht Medien-Sport-Politik nennt und die ich möglichst regelmäßig veröffentlichen möchte. In dieser wird es stets einen kleinen Überblick über das geben, was ich am Tage aus den drei Themenbereichen so aufschnappe und welche Gedanken ich mir darüber mache. Das könnten Lesetipps, aber auch Verweise auf Videos und Audiomaterial sowie aktuelle Nachrichten sein. Wenn man es anders ausdrücken will. Solche Themen, die man nicht ganz in 140 Zeichen, also Twitter-Länge, packen kann, für die es sich aber auch nicht lohnt einen eigenen, neuen Beitrag zu schreiben.

Mittlerweile ist Barack Obama fast ein halbes Jahr im Amt. Über die politische Bilanz seiner Außenpolitik schreibe ich hier die nächsten Tage noch etwas. Einmal mehr bin ich immer wieder davon beeindruckt, wie seine Präsidentschaft und die Person Obama auch medial dargestellt wird. Wenn auch schon eine Woche alt, der Verweis auf eine exzellente Bilderserie beim Boston Globe über die ersten 167 Tage von Obama im Amt. Auch zum empfehlen: Der offizielle flickr-Stream des Weißen Hauses mit sehr sympathischen und authentischen Aufnahmen aus dem alltäglichen Leben eines US-Präsidenten.

Gestern das erste Mal gelesen. Ein ganz neues Blog mit Geschichten aus dem Alltag eines Bahnfahrers. Im Zug unterwegs – Geschichten vom Bahnfahren.

Nachdem letzte Woche in Großbritannien aktuelle Verkaufszahlen von Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht wurden, hat heute die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern nachgelegt und Zahlen für Deutschland präsentiert. Alles fein säuberlich aufgeschrieben bei DWDL. Größter Verlierer bei den Zeitschriften ist die TV-Digital, die innerhalb eines Jahres 35 Prozent an verkaufter Auflage verliert. Ich tippe mal darauf, dass das Ende des kostenlosen Abos für viele PREMIERE-Abonnenten dort die Hauptrolle gespielt hat. Ansonsten starke Verluste für Focus und Stern, stabil bliebt der SPIEGEL bei über einer Million. Bei den überregionalen Wochenzeitungen verliert besonders die SZ, Welt Kompakt und das Handelsblatt. Bei der Welt würden mich mal die Verkaufszahlen für den Großraum Bremen interessieren. Großer Gewinner unter den Print-Zeitungen bleibt weiterhin die ZEIT.

Heute wurden auch aktuelle Zahlen zur Radionutzung in Deutschland veröffentlicht. Überblick bei Quotenmeter. Wenn man sich die Zahlen für Bremen anguckt, konnten beide Hauptprogramme von Radio Bremen, Bremen Eins und Bremen Vier, an Hörern gewinnen. Einer davon scheine ich zu sein. Habe in letzter Zeit häufiger Bremen Vier gehört. Sagen wir mal so: Im Vergleich von vor zwei Jahren hat es sich wirklich gebessert. Aber Mitte und Ende der 90er war dieser Sender teilweise pures Gold. Schade, dass sich so umfassend dem Mainstream angepasst wurde, wenngleich Bremen Vier gerade an den Themenabenden auch mal Musik spielt, die man sonst selten in Deutschland hört. Und es ist mir bis heute ein Rätsel, wie fast 500.000 Menschen Hit Radio Antenne hören können. Wenn hier ein Hörer mitliest, erkläre mir das einer bitte!

Am Freitag sendet das ZDF die heute-Nachrichten um 19:00 Uhr erstmals aus seinem neuen, hochmodernen Nachrichtenstudio. 30 Millionen hat der Bau gekostet. Ich habe – wie die meisten sicher schon, die Vorab-Videos des neuen Studios gesehen. Ich glaube, es ist noch zu früh, dass ich hier eine fundierte Meinung mitteilen kann. Das ZDF muss sich an seinen selbst gesteckten Zielen messen. Nachrichten verständlicher einordnen und besser erklären. Ob es dafür aber ein neues Studio braucht? Abwarten, was das ZDF aus seinen Möglichkeiten macht.

Kurzer Blick auf die Insel in Sachen Premier League: Manchester City hat sich von einem Transfer verabschiedet. Eto’o wird nicht nach Eastlands wechseln. Dafür aber Carlos Tevez. Nach Berichten der BBC ist Manchester City nun auch an Emmanuel Adebayor vom FC Arsenal dran. Es werden Gespräche über einen Wechsel geführt. Sollten die Infos der BBC stimmen – wovon man eigentlich ausgehen kann – wirft das für mich mehrer Fragen auf? Lässt Arsenal Adebayor ziehen? Einen Wechsel zum AC Mailand hatte man ihm strikt untersagt, warum also die Freigabe für City und dann gleichzeitig noch einen Ligakonkurrenten stärken? Sollte der Wechsel wirklich klappen, hätte Arsene Wenger zumindest eine Menge liquider Mittel um im Sturm und im Mittelfeld Erfahrung zu kaufen. Die Frage ist dann aber, ob man so kurzfrisitig und schon mitten in der Saisonvorbereitung noch passenden, für das Wenger-System geeigneten Ersatz findet. Ich wäre schon sehr überrascht, wenn Wenger und Arsenal Adebayor ziehen lassen würden.

Zum Schluss noch ein Lesetipp: Wahlen nach Zahlen, das ZEIT-Blog zur Bundestagswahl 2009.

Samstagabend

Ich hatte dann gestern nach Jahren der Abwesenheit auch mal wieder Wetten, dass…? geschaut, dem ZDF seit Jahren mal wieder einen Teil meines Samstagabends geschenkt. Und eigentlich nur aus einem Grund: Wollte den Auftritt von Coldplay sehen. Ich habe mich gefragt, ob ich mir das überhaupt antun soll. War beim Konzert in Köln, im Sommer sehe ich sie in Hannover, Donnerstag sind sie zu Gast bei der BBC. Das reicht doch auch, dachte ich mir. Wieso muss ich mir 60 oder 90 Minuten einer Sendung ansehen, die laut Berichten immer schlechter wird, mit fallenden Quoten zu kämpfen hat und deren Studiogäste mich mal überhaupt nicht interessieren?

Ich habe dann doch geschaut, von Anfang an. Coldplay waren ok, aber sie können das viel besser. Aber ganz ehrlich: Ich hätte mich für diese Sendung auch nicht angestrengt, nicht mal ein kurzes Gespräch gab es mit der Band. Stattdessen viel sinnloses Gelaber, und ein Publikum, das wohl vorher irgendwas verabreicht bekommen hat, damit sie wohl auch an jeder Stelle jubeln. Wetten, dass…? war früher viel besser.

Am besten hat mir die Fußballwette gefallen. Das fand ich richtig toll.

Ich hab dann nach Coldplay ausgemacht. Und wenn ich mir heute die Berichte auf den Medienseiten so anschaue, war es die richtige Entscheidung. Was man nicht alles für Coldplay macht. Da ist eine Zugfahrt nachts um 02:00 Uhr die wahrlich angenehmere Aktion als das ZDF am Samstagabend zu schauen.

Das ZDF kennt sich im Pott nicht aus

Großartiger Moment gerade im heute-Journal beim ZDF. Im zweiten Nachrichtenblock folgt die vorletzte Meldung über den neuen Trainer in Duisburg. Man sieht auf der Grafik ein Bild von Peter Neururer und dem MSV-Logo. Und was liest man da als Bildunterschrift: “Neuer Trainer auf Schalke

Weiß gar nicht, für wen das jetzt mehr schmerzt. Für das ZDF, Schalke oder Duisburg. Aber vielleicht wollte das ZDF ja auch nur ein bisschen Bundesligaluft zu Peter Neururer wehen. Aber ganz ehrlich: Sowas, liebes ZDF, darf nicht passieren.

Vielen Dank an Marcel für den Fotoausschnitt

ARD und ZDF blicken rechtzeitig über den Teich

Ich habe in den letzten Wochen vor allem ARD und ZDF häufig kritisiert, dass sie nicht ausführlich genug über die bevorstehende US-Wahl berichten, und wenn nur, erst sehr kurzfrisitg über die Sendetermine informieren (bei der Rede von Barack Obama waren es gerade mal 24 Stunden vorher).

Aber man scheint bei den Öffentlich-Rechtlichen zu lernen. Heute gab man bekannt, dass man alle vier TV-Duelle vor der US-Wahl, dreimal zwischen den Präsidentschaftskandidaten und einmal zwischen den Vize-Präsidenten, live übertragen wird. Und das hat man sogar vier Tage vor dem ersten Duell bekanntgegeben.

Quelle: Quotenmeter

Die Enttäuschung kommt doch erst noch…

Tag 1 der EM ist also vorüber. Ein Durchschnittskick zwischen der Schweiz und Tschechien und eine etwas intensivere und bessere Partie zwischen Portugal und der Türkei.

Portugal ist also der “Geheimfavorit” und Schiedsrichter Fandel hat so und so entschieden – genau darum ging es primär gestern bei der Kommentierung von Thomas Wark. Und wenn man sich die Sportblogs, diverse Fußballforen oder twitter-Meldungen anschaut, geht das Gemeckere über die ZDF-Reporter schon wieder los. Kann ich teilweise ein bisschen verstehen, erinnere aber gerne daran, dass der schlechteste Kommentator vom Zweiten erst heute kommentiert. Wolf-Dieter Poschmann hören wir bei Österreich-Kroatien am frühen Abend.

Die Kommentierung von Bela Rethy fand ich noch ganz ok, wenngleich Schweizer Spieler als “Energieriegel” ihrer Mannschaften zu bezeichnen, ich für gewöhnungsbedürftig halte. Thomas Wark war dann eine oder fast zwei Noten schlechter, hat sich viel zu viel auf Nebenschauplätze konzentriert als ganz offensichtliche Schwächen der Türken bei der Rückwärtsbewegung anzusprechen. Das durfte dann erst die Seebühne in Bregenz tun, aber sowas erwarte ich bereits von einem Kommentator während des Spiels.

Aber – und das muss man Rethy und Wark zugute halten – sie lagen bei allen kniffligen Entscheidungen richtig, Fouls und Handspiele wurden also solche erkannt oder verneint. Das ist ja schon mal ein kleiner Schritt. Denn heute Abend stehen wir dann vor folgendem Dilemma. Wolf Dieter Poschmann redet viel über Nebenschauplätze und wenig über das Spiel – und kann wichtige Entscheidungen auf dem Feld erst nach sieben Zeitlupen oder gar nicht verifizieren. Wollte nur mal daran erinnert haben, denn die gestrigen Leistungen der Kommentatoren des ZDF gehören eher in die bessere Kategorie, wenn man bedenkt, was man sonst so gewohnt ist.

Wer ein bisschen Qualität jetzt braucht, dem empfehle ich die erste Episode des Football Daily Euro 2008 des Guardian. Und worum es dabei geht, erklären die beiden Hauptmoderatoren bei einer Kutschfahrt durch die Wiener Altstadt. Sehr sehr nett gemacht.