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Die “Sport Bild” und ihr Verhältnis zu Wolff Fuss – aber das Abschreiben aus dem Internet klappt

Mittwoch, 2. Januar 2008 15:04

Ein ganz besonderer Neujahrsgruß kommt heute aus dem Axel-Springer-Verlag, von der Sport Bild. Nicht dass ich mich wundern würde, aber es ärgert micht mal wieder maßlos, wie dort journalistisch gearbeitet wird. Ich war heute Morgen in der Bremer Innenstadt, unter anderem auch auf dem Hbf, weil ich noch für einen Arbeitskollegen Fachzeitschriften gekauft habe. Dank langer Schlange an der Kasse im Zeitschriftenladen kurz mal in den TV-Teil der Sport Bild geguckt. Und siehe da, ich hätte es besser sein lassen sollen: Wolff Fuss wird mal wieder zutiefst kritisiert, diesmal aber nicht nur er alleine, sondern auch die, die seine Arbeit bewundern.

Bei der Bewertung der TV-Sendungen wird in der heutigen Ausgabe der Sport Bild auf das Spiel Arsenal-Tottenham vom 22.12. zurückgeblickt. Warum nun gerade dieses Spiel bewertet wurde, kann man sich denken: Es hat Wolff Fuss kommentiert, ein kleines Feindbild der Sport-Bild. In dem kurzen Artikel heißt es. Ich zitiere wörtlich:

“Im Internet versammeln sich immer häufiger die Fans von Wolff Fuss. Sie singen im Chor lauthals Lobeshymnen (“Fuss war heute wieder grandios”) und dulden keinen Widerspruch. Das grenzt schon an Heldenverehrung. Wir wagen trotz dieser Übermacht einen zaghaften Einwand: Der Fuss schien eingeschlafen in der ersten Halbzeit und zu Beginn des zweiten Durchgangs des Londoner Derbys. Dann weckte Keane mit einem Lattenschuss sein lautstarkes Temperament. Etwas wenig, oder?”

Ziemlich schlechter Artikel, oder? Gehen wir mal das Ganze nach und nach durch.

1. Ja, Wolff Fuss und seine Arbeit wird von vielen, mich mit eingeschlossen, sehr bewundert und häufig gelobt. Eine Heldenverehrung, wie von der Sport Bild tituliert, ist es aber bei weitem nicht. Ich kenne nur wenige Leute, die Wolff Fuss nicht von seinem Kommentatorenstil mögen. Zum einen ist dies die Sport-Bild, wäre ja auch mal interessant zu erfahren, warum dies so ist. Entspricht er nicht ihrem Stil? Seriösität gepaart mit Emotionen? Ist es das? Ich höre Wolff Fuss seit 2003 zu und er hat mir schon viele tolle Fußballabend beschert durch seinen Kommentar. Erinnert seien an Newcastle-Tottenham letzte Saison in der PL oder ManU-Roma sowie Liverpool-Chelsea in der CL. Da ist ein Wolff Fuss um Lichtjahre vom durchschnittlichen deutschen Kommentator entfernt. Das macht mir und vielen anderen Spaß zuzuhören. Und sowas lassen wir uns auch nicht von der Sport-Bild vermiesen. Dass die Internetforen voll von Lobeshymnen sind, kann ja auch mal die Sport-Bild hinterfragen.

2. So, das mal vorweg. Darum geht es mir primär auch gar nicht, sondern mehr um den Inhalt des Artikels der Sport Bild und die Vorgehensweise dabei. Hauptfrage für mich: Schauen die Sport Bild-Redakteure die Sendungen überhaupt selbst oder wird da sich von irgendwo her ohne Quellenangabe was zusammengekleistert ohne es, so wie es sich gehört, nachzuweisen? Es wird wohl nur nach Sympathie entschieden. Objektive Kriterien gibt es leider nicht. Oder wonach wird bewertet? Und von wem ist bei “wir” im Artikel die Rede? Die gesamte Sport-Bild, ein Redakteur? Hat der- oder diejenige Angst seinen Namen zu nennen? Das sollte bei einem Kommentar dazugehören!!

3. Soviel zur Formalia. Dass Fuss-Fans keinen Widerspruch dulden, ist ja mal eine nette These. Wo steht denn das? Gibt es Beweise für diese Behauptung? Ich selbst gebe zu, dass Fuss während des Spiels auch schlechte Phasen hatte. Insgesamt war es eine gute Kommentatorenleistung, aber bei weitem nicht das Optimum, aber immer noch besser als vieles in der deutschen Kommentatorenwelt. Und wenn die Sport-Bild auch mal genauer durch die Foren liest, gibt es hin und wieder mal auch kritische Stimmen zu der Arbeit von Wolff Fuss. Doch bei weitem respektieren wir Fuss-Fans auch Widerspruch und setzen uns damit auseinander. Er muss dann aber auch vernünftig belegt werden. Und nicht, wie bei der Sport-Bild ganz billig aus Internetforen abgeschrieben werden.

4. Vielleicht hat die Sport-Bild ja mal wieder ein kleines Feindbild entdeckt, dann eben mal Wolff Fuss. Bei jeder Gelegenheit wird Fuss von der Sport-Bild kritisiert, und meist, nicht immer, aber in 90% der Fällen völlig zu unrecht. Diesml gebe ich in Teilen Recht. Die erste Hälfte war nicht ganz so gut wie sonst, aber es war auch kurz vor Weihnachten und sein sechster Einsatz in den letzten acht Tagen. Was mich viel mehr aufregt, ist, dass die Sport Bild einfach so aus dem Internet ihre Formulierungen übernimmt und sich dabei nicht mal mehr schämt eine Quelle anzugeben. Und wie gesagt: Man pickt sich das raus, was gerade so in den Kontext des Schlechtmachens seitens der Axel-Springer-Presse passt. Schauen wir doch mal durch die Foren, was dort so am 22.12 geschrieben wurde.

Im Thread zum Internationalen Fußball bei Premiere im Digitalfernsehen-Forum schreibt am 22.12. User Drogba 09:

“Wolff Christoph Fuss war heute grandios.”

Das sind also die ganzen Lobeshymnen. Es gibt noch ein paar mehr davon am 22.12. Die Sport Bild übernimmt das Zitat einfach so vom User. Etwas weiter später im Thread schreibt User Jens Nowotny von der-kommentator folgenden Satz (Sorry Miro, aber ich zitiere dich jetzt mal wie alle anderen ohne vorher zu fragen.):

“Ihr könnt mich ruhig hängen, aber meiner Meinung nach war die Leistung von Wolff Fuss vor allem in Hälfte 1 und zu Beginn der 2. Hälfte wesentlich unter seinen Möglichkeiten. Erst als Keane an die Latte schoss und das Spiel interessant und spannend wurde, blühte Wolff Fuss auf.”

Liebe Sport Bild, es fällt auch nur durch leichtes Umverändern auf, dass man einfach das Zitat des Users leicht verändert hat. Richtig guter journalistischer Stil ist das nicht. Hat man bei der Sport-Bild denn keine eigene Meinung? Muss man Internet-User so wischiwaschi zitieren, damit man Stimmung machen kann? Es zeigt nur eines: Das ganz schwache Niveau der Sport Bild. Und wenn man sich seine Meinungen schon aus dem Digitalfernsehen-Forum zurechtbastelt, dann doch bitte mit Quellenangabe und Blumenstrauß an der User, der Platz fürs Heft gefüllt hat. Da sich die Sport Bild bei diesem Thread bedient hat, soll nur kurz darauf hingewiesen werden, dass auch die kritischen Stimmen gegen Wolff Fuss dort mit Respekt zur Kenntnis genommen wurden.

Ich frage mich schon die ganze Zeit, was die Sport Bild gegen Wolff Fuss hat. Dass sie ihn ständig kritisieren ohne irgendwelche Beweise in früherer Zeit, hat mich schon geärgert. Jetzt gibt es in der heutigen Ausgabe zum ersten Mal so ein bisschen was wie Objektivität in den Ausführungen. Doch Pustekuchen: Einfach leicht verändert aus den Internetforen abgeschrieben.

Als Wolff Fuss am 03. November das spannende Spiel Arsenal gegen ManU kommentierte, gab es vier Tage später in der Sport-Bild wiederum scharfe Kritik. Und diesmal gab es fast keinen, der irgendwas zu bemängel hatte an Wolff Fuss. Bei Miro von “der-kommentator” kann man die Story noch mal nachlesen. Und bitte lest euch auch die Kommentare durch. Ist es Zufall, dass sich Miro damals über die Sport Bild beschwert hat und jetzt gerade sein etwas negativer Post aus dem DF-Forum genommen wird?

Wie dem auch sei, einerseits nervt das ständige Kritisieren von Wolff Fuss ohne jegliche Fakten und von rein subjektiver Sicht ungemein. Wenn er Spieler falsch ausspricht oder falsche Infos gibt, kann ich das ja alles noch verstehen. Und dann kommt als i-Tüpfelchen jetzt auch noch das Abschreiben von Meinungen aus Internetforen für den eigenen Kommentar! Ganz schlechter Stil von der Sport- Bild. Bis auf Weiteres werden hier keine Quellenangaben vom Axel-Springer-Verlag mehr verwendet. Im Nachhinein weiß ich spätestens jetzt, warum die Kündigung des Abos vor drei Jahren richtig war.

Viel Spaß beim Zählen der Narben!

Felix

 

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Es läuft beim FC Chelsea

Donnerstag, 15. November 2007 13:06

Der Guardian hat eine leicht satirische Fotoreihe über den Trainer des FC Chelsea, Avram Grant, publiziert.Wirklich sehr amüsant anzuschauen. Die gesamte Fotoreihe kann man auf den Internetseiten des Guardian anschauen. Bitte auf die Details achten!!

Felix

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Gegen die Wand

Montag, 12. November 2007 16:34

Seit heute schreibt Ex-Außenminister Joschka Fischer exklusiv für ZEIT-Online wöchentlich eine Kolumne. Die erste Episisode dreht sich um den Machtkampf in Pakistan. Bin gespannt, ob das ZEIT-Online neuen Zulauf geben wird, nachdem es zuletzt nicht so rosige Meldungen gab. Inhaltlich ist die Kolumne durchaus richtig, aber ich wage zu bezweifeln, ob Joschka Fischer vor vier Jahren das gleiche aktiv in der Politik vertreten hätte.

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Mediales am Montagabend

Montag, 29. Oktober 2007 22:11

Viel Neues im Westen
In Nordrhein-Westfalen hat sich im Bereich Medien einiges getan heute. Beginnen wir chronologisch. Die WAZ-Mediengruppe hat heute Morgen das neuen Internetportal “Der Westen” gestartet, auf welchem die zahlreichen regionalen Angebote der WAZ-Mediengruppe, unter anderem auch die verschiedenen Lokalzeitungen, online gebündelt werden. Das Angebot, aus der Ferne in Bremen beobachtet, gefällt mir ganz gut, weil es einfach und übersichtlich ist und deutlich ausführlicher über Lokalereignisse berichten kann als vielleicht die einzelnen Zeitungen in ihren Regionalausgaben. Zahlreiche Weblogs runden das Angebot ab. Es wäre schön, wenn die WAZ sich auch zukünftig zu den Zugriffszahlen äußern könnte. Sollte das Angebot nämlich gut angenommen werden, ist es sicherlich eine Idee, die auch andere Mediengruppen übernehmen könnten. Wer mehr erfahren möchte, unter anderem auch zur Geschichte von “Der Westen”, dem empfehle ich die zwei Beiträge bei Jens im Pottblog.

Der WDR hat heute als erste Rundfunkanstalt der ARD eine eigene Mediathek für Audio- und Videobeiträge gestartet. Insgesamt hatte die ARD diesen Schritt für 2008 angekündigt. Nun preschen die Westdeutschen auf regionaler Ebene voran, eat this Radio Bremen und NDR!!! Das Portal ist ganz auf die Regio zugeschnitten. Per Postleitzahl kann sogar nach Beiträgen gesucht werden. Zudem gibt es ein 30-Tage Archiv für die beliebte Informationssendung “Aktuelle Stunde” am frühen Abend. Mal schauen, wann der Rest nachzieht. Vielleicht sogar noch vor 2008?

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ProSieben hat zahlreiche Programminvestitionen angekündigt, unter anderem auch den Bereich Fußball. Senderchef Andreas Bartel hat das in der Süddeutschen Zeitung angekündigt. Besonders Fußball passt gut zu uns. Es ist nicht unsere Absicht, Rechte an der Bundesliga exklusiv zu erwerben”. Das schließt ja Free-TV Übertragungen nicht aus. Aber wo möglich läuft es auf den DFB-Pokal hinaus. Hätte ich nichts dagegen, wenn man mal mehr als ein Spiel pro Runde sehen würde.

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Nicholas Sarkozy hat mal wieder auf sich aufmerksam gemacht, und diesmal nicht auf einer Pressekonferenz à la Heiligendamm. Dem US-Sender CBS gab er ein Interview. Als der Moderator auf die Frage nach dem Zustand seiner Ehe zu sprechen kam, antwortete der französische Präsident: “Wenn ich etwas zu sagen hätte über Cécilia, täte ich das bestimmt nicht hier.” Sarkoz verließ wütend das Interview. Das Interview war übrigens vor zwei Wochen aufgezeichnet worden, deshalb noch die Nachfrage des Moderators. Anschließend flüchtete Sarkozy zu seinem Pressesprecher und beschimpfte ihn als “Idioten”. Jaja, immer sind die anderen schuld.

Felix

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Calculating to A Fault – Die USA sehen Angela Merkels Führungsschwäche

Mittwoch, 24. Oktober 2007 9:39

In Deutschland traut sich ja noch keiner so richtig wirklich Angela Merkel Führungsschwäche und Reformmüdigkeit vorzuwerfen. Das amerikanische Newsmagazin “Newsweek” hat in der neuesten internationalen Ausgabe einen bemerkenswerten Artikel darüber geschrieben, aus Sicht der USA. Kurzzusammenfassung: Angela Merkel ist mit großen Erwartungen in die Legislaturperiode gestartet, doch bereits jetzt ist sie die kühle Rechnerin, die nur ihren eigenen Machtanspruch untermauern will, um 2009 wieder Kanzlerin zu werden. Dabei gibt es zwei Ebenen, die der Artikel versucht zu beleuchten, aber nicht immer ganz klar auseinanderhalten kann. Die eine Ebene ist die Person Angela Merkel selbst, die andere die Reformfreudigkeit der Deutschen bzw. die Situation in der Großen Koalition und in der CDU/CSU.

Zunächst einmal auf die etwas einfachere Ebene der Person. Dass Angela Merkel sich bei wesentlichen Entscheidungen und unbequemen Beschlüssen raushält und nicht klar nach außen Stellung bezieht, dürfte ja ein alter Schuh sein. Beispiele, wie die Online-Durchsuchungen von Wolfgang Schäuble, die Terror-Pläne von Minister Jung oder auch die Diskussion um das verlängerte Arbeitslosengeld I, zeigen, dass es Angela Merkel zwar nicht an klaren Positionen fehle, aber sie diese nicht nach außen in die Öffentlichkeit trage. Die Autoten von Newsweek bezeichnen das ganze dann als Führungsschwäche oder wie der zitierte Forsa-Chef Manfred Güllner herausstellt: “The basis of her popularity is that she doesn’t get involved in policy.” Klingt zwar ein bisschen paradox, dass eine Bundeskanzlerin sich nicht in die Inhalte und Ergebnisse von Politik mit einmischt, aber es ist ja an zahlreichen Beispielen belegt worden. Dass hat meiner Meinung nach aber weniger mit Führungsschäwche zu tun, als mit taktischem Vorgehen und dem kühlen Abrechnen und Abwägen der eigenen Chancen und Vorteilen. Dass Merkel damit auch noch die Umfragen erklimmt, steht auf einem anderen Blatt. Führungsschwäche ist auch das falsche Wort. Wäre sie führungsschwach, wäre sie heute nicht Bundeskanzlerin udn hat diverse Konkurrenten, wie Stoiber, Merz oder Koch in den Schatten gestellt. Was Angela Merkel fehlt, ist der Mut sich zu Reformen bekennen, sich zu positionieren und ihre Programmatik zu vertreten. Wer das nicht kann/will, hat eigentlich in der Politik nichts verloren. Und die SPD versucht nebenbei bemerkt die Schwäche der Kanzlerin auszunutzen, schafft das aber nur mit blöden Bemerkungen oder Offenbarungen und begeben sich damit auf eine Ebene, auf der sie Angela Merkel nicht gefährlich werden können. Die Newsweek bringt die Rolle Angela Merkels noch mal deutlich auf den Punkt:

“Some consider her an opportunist who shed her reform persona the minute it was no longer expedient for keeping her in power. Others speculate she is a brilliant tactician who, given the straitjacket imposed by her coalition, is using her new green and left-of-center politics to expand support among middle-of-the-road voters in order to crush the Social Democrats in the 2009 election.”

Und irgendwo zwischen taktischen Überlegungen und wirklich fehlendem Mut liegt wohl die Wahrheit. Trotzdem ist das, was Angela Merkel seit geraumer Zeit macht, ein gefährliches Spiel und ganz sicher nicht im Erfinder der demokratischen Legitimierung. Wahltaktische Bezüge haben zwei Jahre vor der Bundestagswahl überhaupt nichts verloren.

Die andere Ebene, die auch in dem Artikel beleuchtet wird und versucht, mit der Reformmüdigkeit Angela Merkels in Verbindung gebracht zu werden, ist die Reformträgheit der deutschen Bevölkerung, die nicht länger Einschnitte im Sozialbereich und Privatisierungstendezen hinnehmen möchte und eine Reformpause fordert. Das Ganze wird unter anderem auch mit dem Erstarken der Linkspartei in Verbindung gebracht. Das ist ja nichts Neues. Im Wesentlichen bezieht man sich darauf auf eine schon etwas ältere Umfrage der ZEIT. Klar sind solche Tendenzen erkennbar, nur ist das noch lange kein Grund, völlig auf die Reformpause zu setzen wie Angela Merkel, die bei Regierungsantritt einen neuen Wind versprochen hat, viele Reformen querbeet durch die Politikfelder, alles “in kleinen Schritten”. Mittlerweile ist sie zum Stillstand gekommen. Und den vielleicht reformmüdigen Deutschen gefällt das und Angela Merkel profitiert. Da kommt dann wieder die kühne Taktikerin hervor. Ob es für Deutschland das beste ist, wage ich mal zu bezweifeln. Immerhin sollen die Lohnnebenkosten demnächst weiter senken. Ansonsten ruht sich Angela Merkel auf dem Aufschwung aus, den Taschenrechner immer in ihrer Nähe, um bei der Karrikatur von Newsweek zu bleiben.

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30 Jahre nach dem Deutschen Herbst – Helmut Schmidt zur Schuld von damals

Montag, 3. September 2007 14:02

Es ist eines der bemerkenswertesten und fesselndsten Interviews, die ich seit langem gelesen habe – und dafür verehre ich die ZEIT. Chefredakteur Giovanni di Lorenzo befragte den damaligen Bundeskanzler zu seinen Gefühlen, Gedanken und Handlungen.

Es wird sehr schnelle deutlich, dass Helmut Schmidt es schwer fällt über die Ereignisse von 1977 zu sprechen. Zu Beginn gelingt es di Lorenzo auch nur schwer, wirklich stichhaltige Aussagen aus dem EX-Bundeskanzler zu bekommen. Zum Glück aus Leser-Sicht sitzt die Frau Helmut Schmidts, Loki Schmidt, mit beim Interview und mischt sich unabsichtlich immer wieder mit Erfahrungen und Gedankenansätzen ein. Somit wird auch Schmidt selbst offener und spricht sehr deutlich über seine Reaktionen von damals und über den Deutschen Herbst allgemein.

ZEIT: Wenn Sie sagen, dass Sie im Krisenstab die Erfahrung des Krieges geeint habe, meinen Sie die Erfahrung des Todes?
Schmidt: Zum Beispiel. Die Erfahrung des Todes, die Erfahrung der Todesgefahr.
ZEIT: Ist es auch die Erfahrung des Getötethabens?
Schmidt: (spricht sehr leise und verhalten) Das ist dasselbe.
ZEIT: Danach waren Sie alle also erwachsen, abgehärtet?
Schmidt: Ja.
ZEIT: Auch verroht?
Schmidt: Jeder Krieg bringt Verrohung mit sich, auf allen Seiten.

Es wird sehr schnell deutlich, dass die Zeit und die Ereignisse von damals Helmut Schmidt mehr bewegt haben, als es zu Beginn des Interviews den Anschein hat.

ZEIT: Sie haben 1989 geschrieben, dass zu Ihren schlimmsten Erinnerungen jene Stunde gehört, als Sie während der Trauerfeier neben der Witwe Schleyer saßen.
Schmidt: Ja, mir war natürlich immer klar, dass ich nicht nur in den Augen von Frau Schleyer oder ihres gemeinsamen Sohnes Hanns Eberhard Schleyer, sondern auch in meinen eigenen Augen mitschuldig war am Tode von Hanns Martin Schleyer. (spricht sehr leise) Das war mir immer klar. Das war mir auch klar in den ganzen Wochen, in denen wir ihn gesucht haben. Wenn es nicht gelingt, bist du selbst mitschuldig.

Sehr eindrucksvoll zieht Helmut Schmidt Bilanz gegen Ende des Interviews.

ZEIT: Wenn Sie sich das Ganze vom Ende her anschauen, nach diesen 44 Tagen: Da sind die Geiseln der Landshut befreit, Hanns Martin Schleyer ist geopfert, die Entführer sind nicht gefasst, die drei wichtigsten RAF-Gefangenen, die vor Gericht verurteilt werden sollten, haben sich durch Selbstmord dem Prozess entzogen. Der Staat hatte nicht nachgegeben. Aber hatte der Rechtsstaat auch gesiegt?
Schmidt: Der Rechtsstaat hat nicht zu siegen, er hat auch nicht zu verlieren, sondern er hat zu existieren!
ZEIT: Und was ist bei Ihnen zurückgeblieben?
Schmidt: Ich würde das wiederholen, was ich in der von Ihnen zitierten Rede vor 30 Jahren im Bundestag gesagt habe. Ich bin verstrickt in Schuld – Schuld gegenüber Schleyer und gegenüber Frau Schleyer und gegenüber den beiden Beamten in Stockholm – dem Militärattaché Andreas Baron von Mirbach und dem Wirtschaftsattaché Heinz Hillegaart, die umgebracht wurden.

30 Jahre nach dem Deutschen Herbst gerät das Bewusstsein für die sehr schreckliche Zeit wieder in den Vordergrund. Das Erste bringt eine zweiteilige Dokumentation über die RAF und den Deutschen Herbst. Sendezeiten sind am Sonntag, 09.09., um 21.45 Uhr und am Montag, 10.09., um 20.15 Uhr. Das ZDF strahlt bereits morgen um 20.15 Uhr die Dokumentation mit dem Titel “Das Wunder von Mogadischu” über die Entführung der Landshut aus. Die ZEIT bringt in ihrem Magzin ZEIT Geschichte ein Spezial zur RAF unter anderem auch mit einem längeren Bericht von Helmut Schmidt. Das Heft erscheint am Donnerstag.

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A7, F1, FR, G8, NBA, NDR und PD – Medien, Sport und Politik vom Wochenende

Sonntag, 10. Juni 2007 22:36

Einen wunderschönen guten Abend am Sonntag,

eigentlich wollte ich hier am Wochenende etwas genauer auf den G8-Gipfel eingehen, aber das wird hier morgen (je nach Zeit) nachgeholt. Das Wochenende wollte ich eigentlich relativ entspannt und stressfrei verbringen, aber es reihte sich dann doch soviel aneinander, dass man die vielen Ereignisse nur bruchstückhaft und ohne wirkliche Anteilnahme erleben konnte.

Freitag Nachmittag auf dem Bremer Hauptbahnhof: Zug nach Hannover soll erreicht werden, um Freundin zu besuchen und am Samstag auf eine Geburtstagsfeier zu gehen. Züge fallen wegen Streckensperrungen aus, weil sich zum wiederholten Male ein Mensch vor den Zug geworfen hat. Zum Glück konnte ich eine gute Bekannte erreichen, die mich im Auto mitnahm. Die A7 wird auch immer mehr zur Hölle. Ganz rechte Spur LKW-Kolonne, mittlere Spur LKW-Kolonne, die überholt…bleibt für die Autofahrer die ganz linke, die sich Raser, Drängler und Sonntagsfahrer dann teilen dürfen. Man lobe den Zug, wenn er denn mal fährt.

Übers Wochenende war wieder mal wunderschönes Wetter. Einfach herrlich. Wie zur WM vor einem Jahr. Besuch bei der Freundin war mal wieder richtig schön, Geburtstagsfeier auch (trotz zu wenig Bier). Der Sonntag, der dann größtenteils wieder in Bremen verbracht wurde, durfte sich dann ganz dem Sport widmen.

  • Der Meisterschaftskampf in der PD bleibt spannend. Real und Barca sind weiterhin punktlgleich. Madrid kam bei Real Saragossa zu einem 2:2, Barca spielte remis gegen den Lokalrivalen Espanyol. Aufsehen erregte Lionel Messi, der im Stile Maradonnas per Hand ein Tor erzielte. Es bleibt zu hoffen, dass die spanische Presse ihn dafür mal ein bisschen auseinander nimmt. Nächsten Samstag gibt es dann die Entscheidung in der Konferenz auf Arena
  • Seit langem mal wieder ein spannendes und ereignisreiches Rennen in der Formel 1. Der Große Preis von Kanada erfüllte alle Erwartungen.4 Mal Safety-Car, Disqualifikationen, Zeitstrafen, ein schwerer Unfall, der glücklicherweise relativ glimpflich ablief und jede Menge Spannung. Am Ende feierte Lewis Hamilton seinen ersten Formel 1 Sieg vor Heidfeld und Wurz. Kommenden Sonntag geht es in Indianapolis weiter. BTW: Montreal wird mein nächstes Reiseziel außerhalb Europas. Die Bilder finde ich immer wieder klasse.
  • Heute Nacht Spiel 2 der NBA Finals. Ich hoffe, der Wecker klingelt rechtzeitig. Analyse dann hier an dieser Stelle.

Die deutschen Medien haben ganz unterschiedlich den G8-Gipfel beleuchtet. Mich interessierte vor allem einmal die Meinung der Frankfurter Rundschau. Da fiel mir dann wieder ein, dass es die Zeitung ja jetzt im so genannten Tabloid-Format. Finde ich einfach praktisch, weil man dann morgens in Bus und Bahn keine Mitmenschen vergrault. Auf dem ersten Blick war das inhaltlich auch weitgehend unverändert zu alten Ausgabe, wengleich die Abteilung “Leitartikel und Meinungen” doch stark gekürzt wurde.

BTW: Dem NDR gehören sämtliche Finger langgezogen, dass man es nicht schafft, ausführlich über die WM von vor einem Jahr zu berichten. Einen Beitrag am Samstag und einen am Sonntag – das kann Miro von “Der Kommentator” besser. In seinem Blog gibt es eine Kolumnenreihe über den letzten Sommer, die ich wärmstens empfehlen kann. http://www.der-kommentator.de/

Das soll es erstmal gewesen sein. Einen schönen Wochenstart. Genießt das schöne Wetter noch

Gute Nacht, Felix

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“Das Schlimmste waren diese Lügengeschichten” – Miroslav Klose im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Update)

Dienstag, 5. Juni 2007 8:19

Update 13:11 Uhr: Via N24 habe ich gerade mitbekommen, dass Klose den freien Tag gestern nicht im Rahmen der Nationalmannschaft verbracht hat, sondern kurzfristig zur Familie nach Bremen fuhr. Versteh, wer will. So werden mögliche Gerüchte doch noch mehr angeheizt.

Guten Morgen,

eigentlich das erste ausführliche Interview von Miroslav Klose zu seiner aktuellen Form, seinen Wechselabsichten und den Spekulationen über seine Familienkrise. Eine Auszüge…

SZ: Aber die Kritik, die Torsten Frings vor dem San-Marino-Spiel an Ihren Kontakten zum FC Bayern geübt hat, ging deutlich über das hinaus, was man üblicherweise über seinen Vereinskollegen erzählt, bis hin zu der Bemerkung: ,,Ich habe nicht das Gefühl, dass er bei Werder bleiben will. Wenn das so ist, dann soll er halt gehen.‘‘ Wie haben Sie das empfunden?

Klose: Ich habe es einfach so gesehen, dass jeder frei seine Meinung äußern kann. Das kann ich nicht verhindern. Für mich war es so, dass ich zu seiner ganzen Juventus-Turin-Geschichte nichts gesagt habe. Weil ich der Meinung war: Es ist nun mal sein Ding. Dazu brauche ich mich nicht zu äußern – weil es seine Entscheidung ist, ob er geht oder bleibt. Was er über mich sagt, das kann ich nicht steuern, und wenn ich ehrlich bin: Es ist mir auch total egal.

SZ: Wie waren die letzten Wochen in Bremen für Sie? Aus der Ferne betrachtet, sah es nicht gut aus, und die Reaktionen in der Werder- Anhängerschaft hörten sich nach viel Wut und Ärger an. Haben Sie das im Alltag auch so erfahren?

Klose: Ja.

SZ: Gibt es da Beispiele?

Klose: Gibt’s genügend, Beschimpfungen und alles mögliche sonst. Aber die Rivalität der Fans von Bayern und Werder ist halt auch groß. Es sind nun mal zwei Vereine, die Erster sein wollen. Das war schon sehr unangenehm, aber letzten Endes bin ich Profi und muss da durch.

SZ: Können Sie ausschließen, dass die Reaktion des Publikums Ihre Leistung am Saisonende negativ beeinflusst hat?

Klose: Ja, das kann ich ausschließen.

SZ: Die Pressekritiken sind für einen Profi sicher nicht so wichtig. Aber der Liebesentzug des Publikums muss einem Fußballer doch wehtun?

Klose: Das Schlimmste waren die Lügengeschichten, die über mich und mein Privatleben in die Welt gesetzt wurden, diese Schmutzkampagne. Was da auf mich, meine Familie und mein Umfeld eingeprasselt ist: das Gerede darüber, dass meine Frau schwanger wäre von einem Mitspieler und all das Zeug. Ich stehe über diesen Dingen. Aber ich will das auch mal betonen: Ich bin mit meiner Familie sehr, sehr glücklich. Ich liebe meine Frau und meine Kinder über alles, ich bin ein glücklicher Vater.

SZ: Wissen Sie, wie es zu den Gerüchten gekommen ist?

Klose: Ich glaube zu wissen, wer mir einen Seitenhieb verpassen will. Dazu werde ich zur gegebenen Zeit noch die passende Retourkutsche setzen.

SZ: In den letzten Wochen hätte allerdings auch von Ihrer Seite manches besser laufen können. Jeder weiß, dass da mit dem FC Bayern nach wie vor etwas im Gange ist, aber Sie können oder wollen die Sache nicht aufklären. Dafür sprechen alle anderen über Sie. Es sind viele Menschen von Ihnen enttäuscht.

Klose: Sie müssen verstehen: Mir ist es nicht wichtig, was über mich gesprochen wird oder was öffentlich passiert. Solche Dinge regelt man intern, das habe ich gemacht. Ich bin rein ins Büro, habe Klaus Allofs (Bremens Manager, d. Red.) und allen Verantwortlichen meine Vorstellungen unterbreitet. Es ist mir wichtig, dass die Leute, die es betrifft, Bescheid wissen. Ich habe mich nicht verändert, auch nicht vom Charakter her. Ich bin ehrlich, sage meine Meinung. Was ich versäumt habe, ist die Bremer vorab von dem Treffen mit den Bayern zu informieren.

Anmerkung meinerseits: Ein sehr sehr ehrliches Interview, in dem sich Miroslav Klose sehr offen zeigt. Im Prinzip könnte man sagen: Alle Schwierigkeiten ausgeräumt, jetzt kann man in Ruhe für die neue Saison planen. Aber wer zwischen den Zeilen liest, merkt schon, dass Klose mit Bremen irgendwie abgeschlossen hat. Die Situation der vergangenen Wochen beschreibt er absolut richtig. Und da liegt auch der Knackpunkt: Klose will aus Bremen weg, gerade auch wegen des Umfelds. Die Vereinsführung hat sich dazu bisher noch nicht geäußert. Klaus Allofs ließ am Sonntag durchblicken, dass man die Strategie eventuell ändern werde. Mal schauen, wie diese unendliche Geschichte weitergeht. Mein Tipp: Klose wechselt zu den Bayern, Bremen bekommt ne Menge Geld, das dann in einen neuen Stürmer investiert wird.

BTW: Mich interessiert sehr, wer die Gerüchte in die Welt gesetzt hat. Auf die Retourkutsche freue ich mich schon;) Hätte nicht gedacht, dass Klose so auf Vergeltung aus ist. Normal regelt man das doch intern.

Das ganze Interview ist – wie ich gerade auch sehe – online vefügbar unter

http://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga/artikel/68/116951/4/

Einen schönen Dienstag, Felix

Thema: Fußball | Kommentare (0) | Autor: medispolis